Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 51 (18.12.1929)
- Date
- 1929-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Hochzeit müssen der jungen Frau die Haare abgeschnitten werden, sie mußte die Ehehaube tragen, „tief gehen", um rildjit durch ihr Haar Männer zu reizen. Heute trägt sie eine Perücke oder „Tour". In den Fällen des III. Buches Moses, von denen oben die Rede war, darf der Ehemann (andere natürlich gewiß nicht) mit der Frau nicht an einem Tische sitzen, nicht aus einer Schüssel essen oder aus einem Glase trinken. Die Frau darf nicht in die Synagoge gehen und überhaupt nicht beten! Allerdings sind bte Grundlagen für diese Verordnungen schon im Talmud und im rabbinischen Schrifttum enthalten. Wenn nur neun Männer zum Gottesdienst versammelt sind, körnrte kein Gottesdienst stattfinden, selbst wenn hundert Frauen anwesend wären. Denn zehn Männer bilden eine Gemeinde, weil Gott bei dem Handeln mit dem mitleidigen Abraham, wegen Schonung der bösen Einwohner Sodoms und Amoras, sich entfernte, als Abraham bis auf -chn Gerechte heruntergegangen war. Wenn nun kein zehnter Mann kommt, kann notfalls einem kleinen Knaben eine Thorarolle in den Arm gelegt tverdeir, dann rechnen Thora und Knabe zusammen für den zehnten Mann. Aber eine Frau darf beileibe nicht als Ersatzmann gelten. Nur der Mann ist vollwertig, wenn auch stets versucht wird, aus der Thora eine Gleichstellung beider Geschlechter zu beweisen. Weil auf hebräisch Mann Jsch und Weib Jschah (Männin) heißt, behauptet mau, daß dadurch schon eine höhere Würdigung der Frau sich erweise, als in allen anderen SpraÄe'n, die verschiedene Worte für beide Geschlechter habe. Auch' in der deutschen Sprache steht dem Esel die Eselin zur Seite, dadurch ist doch aber kein höherer Rang für letztere bezcibuet, als den, den die Kuh dem Ochsen (bezw. Stier) gegenüber einnimmt! Im I. Buch Moses, Kapitel 3, Vers 16, lesen wir: „Zu dem Weibe^sprach er: vermehren will ich deine Beschwerden und deine Schwangerschast, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären,- nach deinem Manne sei dein Verlangen, er aber herrsche über dich." Das Wort „herrschen" heißt m a s ch a l, aber dasselbe Wort bedeutet auch „gleichen". Nun tauchte neuerdings die Meinung auf, die Stelle wäre doch besser mit „er soll dir gleichen" zu übersetzen. Erinnert das nicht an die Couvade, die Sitte eines südamerikanischen Jndianerstammes, nach welcher der Mann sechs Wochen lang das Bett hüten muß, wenn sein» Frau ein Kind geboren hat? Was müssen die Männer und Frauen im Orient, wo Talmud uird Schulchan Aruch entstanden sind, für hemmungslose, sinnliche, geile und sittenlose (Geschöpfe gewesen sein, wenn solche Gesetze notwendig waren rurd eingeführt werden mußten; Anordnungen, die sich doch nicht wesentlich vom Harem unterschieden! Und diese Bestimmungen wurden auch in Deutschland bis gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts streng beachtet, ja sie werden heute noch von einem Teile unserer Glaubensgenossen befolgt. Hier muß auch wieder aus die Trennung der Geschlechter in der Synagoge hingewiesen werden, die die Würde der Frau in gleicher Weise verletzt, wie die vorstehend erwähnten Umstände. Noch in diesem Jahrhundert hat sich in einem großen deutschen Badeort ein tragikomischer Vorfall ereignet Die Gemeinde hatte eine Synagoge, natürlich mit Frauewcmpore, erbaut. Da es eine orthodoxe Gemeinde war, wurde die Empore auch noch mit einem dichten Gitter versehen, damit die Männer nicht die Frauen von ihren Plätzen ans bettachten könnten. Als nun die Synagoge eingeweiht werden sollte, kam der Rabbiner mit einem vorschristsi' mäßigen Zollstock; er maß das Gitter nach und siehe, es war nicht hoch genug. Darob große Aufregung. Die Einweihung wurde verschoben, ich weiß nicht, was daraus geworden ist. Die Bestimmungen des III. Buches Moses sind von den Priestern geschaffen, die späteren Ausführungen von den Rabbinen. Sie alle sind nur Menschen und selbst wenn man sie als besonders hochstehende, geistig hervorragerrde Männer betrachtet, so bleiben sie doch Menschen und irren ist merrschlich. „Es gibt keinen Menschen auf Erdell, der nur das Gute tut und nie sündigt" lautet ein Spruch in unserer Jom Kippur-Liturgie, der dem Könige Salomo zugeschrieben wird. Warum lassen sich unsere Frauen heute noch alle diese Zurücksetzungen gefallen, warum stehen sie, die doch für die Gleichberechtigung der Frau so viel reden und eisern, nicht wie „ein Mann" ans, um für die Gleichberechtigung auch auf „religiösem" Gebiet zu kämpfen? Warunl verlangen sie nicht die Abschaffung dieser entwürdigenden Ungleichheit, ja stehen oft sogar den Bestrebungen der Männer noch ent-- gegen? Vielleicht haben sie sich noch nicht klar gemacht, welche Rolle sie im Judentum gespielt haben und noch spielen! Es wird so wunderschön geschildert, wie herrlich das Familienleben unserer Vorfahren in Deutschland gewesen sei. Die ganze Woche zog der Mann mit seinem Packen im Lande umher, wenn er am Freitag gegen Abend zurückkam, empfingen ihn das festlich geschmückte Heim, der schön gedeckte Tisch, die strahlenden Sabbatkerzen, die treue Gattin und die jubelnde Kinderschar. Aber wie oft wurde die Freude getrübt, wenn die Frau nicht mit am Tisch sitzen durste. Und wer bereitete überhaupt die Speisen in solchen besonderen Zeiten? Ein Dienstmädchen konnte sich doch der arme Hausierer nicht halten! Es hat sicher reiche Familien gegeben, die die Sabbatfeiern in vorstehender Art begangen haben, keinesfalls war aber die große Masse der Judenheit dazu im Stande. Wenn der Mann nicht Hausierer war, sondern einer der begünstigten reichen „Hofagenten", dann war es mit seiner „Frömmigkeit" meistens nicht weit her, ebenso aber auch nicht mit seinem Familienleben. Der aufmerksame Leser kann darüber selbst in unseren sehr vorsichtig abgefaßten Geschichtswerken manches erfahren, namentlich in der' Geschichte des 18. Jahrhunderts. Im Beginn des 18. Jahrhmtderts wohnten im ganzen damaligen Preußen (einschließlich Berlin) nur 100 0 Juden, aber Tausende zogen schnorrend in Deutschland umher, viele mit ihren Familien. Und der Sederabend? Wie einst in Bne Barak, so auch heute noch in übereifrigen Kreisen dürfen Frauen und Mädchen nicht am Tische sitzen. Zu einem schönen Familienleben gehört der Kindcrkreis. An Kindern hat es unfern Vorfahren gewiß nicht gefehlt, aber wo waren diese? Tie Mädchen waren zu Hause, Mädchenschulen gab es nicht. Die Mutter brachte ihnen etwas biblische Geschichte bei, lehrte sie jüdisch-deutsch lesen und schreiben, sofern sie selbst cs konnte. Ta die Mädchen kein oder fast kein Hebräisch lernten, so konnten sie ihre Bildung nur aus wenigen Büchern erlangen, namentlich aus dem jüdisch-deutschen Zeennoh Urennoh (Zennerenc). Tie Mutter führte sie vor alten Dingen in die vielen Geheimnisse und Vorschriften der koscheren Küche ein. Weitere Ausbildung erhielten die Mädchen nicht, brauchten sie auch nicht, denn sie heirateten sehr früh, oft vfdjon mit 14 oder 15 Jahren, und bis dahin hatten sie genug zu tun, um alles das zu Nach der Hochzeit mußten sie ja ganz im häuslichen Leben Innen, was sie für ihren späteren. Haushalt wissen mußten, ausgehen Tie Knaben hingegen wurden schon sehr früh in das „Cheder" geschickt, oft schon im Alter von vier bis fünf Jahren. Tort blieben sie vom frühen Morgen bis zum Abend in einem engen, dumpfen Raume, der allerlei anoeren Nebenzwecken diente. Ter Unterricht währte den ganzen Tag, aber gelernt hat die große Mehrzahl recht wenig. Nur besonders gut veranlagte Knaben fanden Gelegenheit, beim Rabbiner Unterricht zu erhalten und später auf die „Jeschiba", die jüdische Hochschule, zu kommen. Hatten sie sich dort zu Talmudkennern ausgebildet, dann hatte mancher von ihnen das Glück, daß ihn ein reicher Mann sich zum Schwiegersohn wählte, denn es galt für eine Ehre, seine Tochter einem Gelehrten zur Frau zu geben. Tann hatte das junge Paar ein Stübchen und Kost im Elternhause, der junge Mann konnte den ganzen Tag sitzen und „lernen", bis er endlich eine Rabbinerftetle durch Hilfe feines Schwiegervaters fand. Die „Sprüche der Väter" sagen: „Mit fünf Jahren beginnt der Unterricht in der heiligen Schrift, mit zehn Jahren in der Mischna; mit dreizehn Jahren die Befolgung der Gebote; mit fünfzehn Jahren das Studium des Talmuds, und mit achtzehn Jahren soll der Jüngling heiraten". TO dreizehn Jahren wurden fast alle Knaben vom Hause sortgeschickt, um sich selbständig ihr Brot zu suchen; vielen gelang es, vielen nicht. Erst in der zweiten .Hälfte des 18. Jahrhunderts trat allmählich eine Besserung ein, die Riesensortschritte machte, als durch Mendelssohns Thoraübersetzung ein neuer Geist in der Judenheil, besonders in der Jugend, erwachte. Dieser neue Geist trieb zwar auch giftige Blüten, erzeugte bei vielen Irreligiosität und führte zu zahlreichen Abfällen; aber der großen Masse der Juden brachte er neben Aufklärung und Bildung auch neuen Geist und neues Leben, neue Entwicklungsmöglichkeiten und gesicherte Existenzen, so daß auch im Anfang des 19. Jahrhunderts ein neues Familienleben, man darf wohl sagen: echt jüdisches Familienleben, wieder erwachen konnte. Und dieses Familienleben entwickelte sich irr Stadt und Land, führte zur Wiederbelebung des religiösen Gefühles und der Bildung neuer Gemeinden. Es erforderte und verschaffte neue gebildete Lehrer für den Unterricht der Kinder, Knaberr und Mädchen. Und die Gemeinden suchten und fanden Rabbiner, die nicht mehr ausschließlich im Talmudstudium aufgingen, sondern mit der Gemeinde und in der Gemeinde lebten. Das altjüdische Familienleben ist nach vielhundertjährigem Schlafe seit etwa hundert Jahren neu erwacht. — Wird es wieder in seinen Dornröschenschlaf verfallen? Das darf nicht geschehen und soll nicht geschehen. Das will der religiöse Liberalismus verhindern. Er strebt und wirkt für eine immer höhere und reinere Ausfassung des Judentums, für eine wirkliche Religiosität, die nicht Scheinfrömmigkeit ist. Er will die Kinder zu ihren Eltern und die Ellern zu ihren Kindern zurücksühren, will neues Leben in unsere alten Formen und Gebräuche gießen; Leven, das im Leben, nicht außerhalb des Lebens steht: Gebräuche und Formen, die Herz und Gemüt erfreuen und erfrischen, religiöse Stimmungen und weihevolle Stunden bereiten. Ec begreift die Zeit und geht mit der Zeit, nach dem Borbilde unserer früheren Vorfahren, die nie still standen in dumpfem Verharren, sondern vorwärts strebten zu segenvollem Fortschritt und zeitgemäßer Entwicklung. Aus der Ili-Dewegung VeravtworN.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschland» Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann. Acankfurt a. Main Mit der Bildung dieser nördlichen Gruppen kommt in den bürgerlichen Verein ein völlig anderer Ton. Man kann den Führern dieser Gruppen nicht dankbar genug dafür sein, hier mit der Tat, den theoretisch längst abgelegten Vorurteilen vorangegangen zu sein. Für diese Gruppen ist die Frage, ob rein religiöse Themen oder nicht, längst kein Problem mehr. Es erscheint mir ein grundlegeirder Irrtum „Keller manns", wenn er einen Jugendverein konstruiert, oer für die Entwicklung seiner Mitglieder keine Sorge trägt. Und es ist eine Verkennung der Bundesideologie, wenn man dem Bund als einziges Ziel die Gemeinschaft entgegenhält. Wenn er auch auf die Entwicklung seiner Mitglieder Wert letzt. so muß diese sich ja gerade in der Richtungder Idee zeigen. Man könnte die Idee mit einer reifen Saat vergleichen. Es muß der Boden, dem ich meine Saat anvertraue, vorbereitet werden. - Wer aber bloß oie Idee propagiert, gleicht einem Gärtner, der alte Bäume auf Gedeih und Verderben umpflanzt. Wenn wir heule unsere Programmidee definieren sollten, so tonnten wir nichts anders als dieses unbestimmte Ziel: „Liberale Menschen erziehen" sagen. Ich sehe keinen Fehler und keinGefahr, damit den Führern einerr weiten Spielraum ihrer Tätigkeit gegeben zu haben. Ter Begriff der Korrelation wird hierdurch illusorisch; demr eine Korrelation würde ja eine viel größere Affinität ihrer Objekte voraussetzen. Freilich, ein Verein von älteren Menscher: müßte in dieser Korrelation zwischen Idee und Gemeinschaft die Quintesserrz seines Bestehens erblicken. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß wir ein Jugendverein sind-, der nicht „abstempeln" darf, sondern dessen Mal, um es bildlich auszudrücken, sich einst von selbst irr dem Wesen seiner Menschen zeigen wird. Tie Menschen im Jugend verein müssen das Primäre sein. Die Idee kann immer nur das Mittel sein, um auf den vermeintlichen reiften Weg zu führen. Wenn ich hier vor einem Jahre von dem tragischen Dualismus, der in der notwendigen Beschäftigung auch mit nichtreligiösen Themen liegt, sprach, so erschein: es mir heule: Tic Festigkeit und die Spannkraft kann nur a u s d i e s e m Dualismus entstehen. Die Korrelation zwischen Idee und Gemeinschaft wird so zu einer bloßen Relation. Wenn aber einerseits die Idee den starren, dogmarischen Charakter verloren hat, so bedeutet dies andererseits große Ansorderungen an den Führer. Borr seiner Geschicklichkeit hängt es ab, in der Gruppe das Interesse am Judentum wach zu halten und so im engen Kreise sene ewige Wechselwirkung zwischen Leben mm Religion zu binden. Tie hier wiedergegebenen Ausführungen bedeu len insofern keine Antwort aus den Artikel Rosen stoch da einem postalischen Verschulden zufolge die>ee Aussatz erst jetzt gedruckt werden konnte.' Äü-HnHeU.jlj Breslau. (Jüdisch-liberaler Iugendverein „A b r a ham Geiger".) In unserer Hauptgruppe sprach am 4. Dezember Alfred Fabian über „Unsere Stellung zur christlichen Religion". Er ging aus von einer religionsgeschichtlichen Betrachtung des Christo, tums als der Religion des Jesus. Die führt über Paulus und die- Evangelisten, zeigt das Eindringen heidnischer und polytheistisctiei Vorstellungen in das Christentum, schildert den Katholizismus in feinem Aufbau: Mensch — Klerus — Gott, sowie den Protestantismus Luthers und endet beim liberalen Protestantismus. Sodann wand:-, sich der Vortragende der dogmengeschichtlichen Entwicklung zu, die l. mit einer Kritik der Dogmen verband. Gerade aus der Stellungnahin-: führender Juden der Gegenwart ergebe sich, daß man sich über t- V wesentlichen Fragen wird einigen müssen. Von der jüdischen Ai:' fassurig unterscheiden sich verschiedene Punkte des christlichen Dogma-, so die Ansicht des Christentums als Pricsterreligion, die Erbsünt-., die Mittlergestalt von Jesus, dem Gottessohne, die Lehre tc-r dcr Gnadenwahl, die Heilandsgcstalt (Abendmahl) und die Treieinig teit. Nach Montcfiorcs Ansicht lägen die größten Schwierigkeiten i*. Annäherung im Trinitätsdogma, das dem Monotheismus i** Inder - tum» gegen übersiehe. Jedenfalls gehöre nicht Tendenz in die Gege n überstrllung der Religionen, föndern Sachlichkeit. Den mit großer- Beifall aufgenommcncn Ausführungen, die hier nur angedeutet werten konnten, folgte eine sehr lebhafte Diskussion. Dabei zeigte sich, daß leider auch in unseren Kreisen noch viele Mißverständnisse beslehrr. deren Beseitigung vor Behandlung derartig schwieriger Fragen erforderlich ist. Am 5. Dezember veranstaltete die Jüngeren-Gruppe einen Aussprachenachmittag, über das Thema „Warum sind wir im Jli?' Die vraktischen Fragen der Jli-Arbeil wurden erörtert und manch: Untlarhcit konnte beseitigt werden. Am 6. Dezember fand cnv: Freilagabendspätandacht statt, in deren Verlauf Herr Rabbiner Tr. Saeugcr schöne Worte über die Berechtigung unserer Liebe zu/'! Judentum sprach und daraus die Notwendigkeit einer noch tiefere. Erkenntnis seines Wertes ablcitete. Jan Anschluß an diese Andack: veranstalteten wir unter sehr großer Beteiligung ein gemeinsame: Freitagcrbendesseu, das in der hier schon früher geschilderten Weist verlief. Besonders hervorgehoben seien die Worte Wolfs Davidsohnsüber Idealismus und Materialismus im Judentum sowie eine Sabba? betrachtung unseres Gastes sind, theol. Harry Heimann, die irr Sinn des Ruhegedankens zum Gegenstand hatte. ★ Das Ili-Programm * Berlin. Die Anmöglichkeit der Korrelation Von Helmut Galliner, Jli-Berlin. Tie Bedeutung des „Kellermannschen Auffatzes", dessen erster Teil hier vor längerer Zeit erschien, wird in den auswättigen Jlis wohl kaum erkannt werden können. Um den interessierten Fernstehenden die Schwierigkeiten des Berliner Jli, und zugleich die Unmöglichkeit des „Kellermannschen Versuches": „Auf theoretischer Grundlage ein Prinzip des Vereins abzuleiten" zu zeiaen, soll im folgerten versucht toetben, aus den tatsächlichen Verhältnissen die Grenzen eines solchen Prinzips darzulegen. Es wird kaum einen Verein geben, dessen Gesicht, dessen -Zusammensetzung und dementsprechend dessen Ausdruckswillen in den lchten drei Jahren sich mehr verändert hat, als der Berliner Jli. Eine solche Verschiebung der Zusammensetzung hat zumeist eine Veränderung der Interessen zur Folge. Diese Veränderung muß am stärksten in der Stellung zur Idee des Vereins zum Ausdruck kommen. Es ist deshalb notwendig. zunächst zwei Fragen zu stellen: 1. Welcher Unterschied besteht in der früheren Programmidee des Berliner Jli und seiner jetzigen? 2. Wodurch entstand ihre Verwirklichung? Ein Programm mit nur religiösen Themen wird sehr bald auf den Widerstand der MitgliÄer stoßen. Es widerspricht der psychologischen Bedingtheit des Jugendlichen, sich nur mit rein religiösen Problemen in einer Gemeinschaft zu beschäftigen. Der Zweck, religiöse Menschen zu erziehen, kann nicht erreicht werden, wenn die bloße Beschäftigung mit religiösen Dingen das einzige Erziehungsmittel darstellt. Der Beweis hierfür liegt in der tatsächlichen Veränderung der Programmidee. Wer die Programme des Berliner- Jli Äuvchsicht, wird sehr bald gewahr werden, daß die Themen auf den Heimabenden zum Teil die Sorgen und Nöte junger Menschen sind. Ja, es lassen sich sogar gewiffe UnterschiÄe zwischen den nördlichen und westlichen Gruppen erkennen. Aelterrn- und Fiihrergruppc. Zunttttttffig, 19. Dezember, 20.00 Uhr, bei Manfred Schwer^ Jagomfttatz« 43, Aufgang 1: Sozialismus. Sprechchor. Montag, 23. Dezember, 20.00 Uhr, Probe bei Hrinrichsdvrist. In den Zellen 9. Breslau. Jüngeren-Truppe: Donnerslag, de« 19. Dezember, 16.30 Uhr. Reftquranl Schaal, Tauenhienstraße 12: Vortrag von Hans Hammer (Jüngeren-Gruppe) über „Das Judentum in der Ausstellung: Krieg und Frieden". - «emeinsame Veranstaltung der Haupt- und der Jüngeren-Gruppe: Dienstag, de« 31. Dezember, im Mozart-Saa! der Hermaualoge: Lhanukah-vaN. (Riiheres sieh« Sondereinladung.) Frankfurt tu M. Samstag, den 28. Dezember, 19.30 Uhr. LhanakahHstier bei dr. Hoffman«, Antermainanlage 7. Jugendgruppe: Samstag, den 51. Dezember, bet Dr. Singer, Bockenheimer Anlage 49, Arbeit», zemeinfchaft Kunstgeschichte. Leitnng Frau Dr. Ringer. Samstag, Verlag: Vereinigung fLr da» liberale Judentum e. Berlin S«. 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Ing. vrnno Woyda, Berlin SW. 29. - Druck: Hermann Regner 8 La., Bri'.in-MarirnLorf.