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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-12-18 · 51 (18.12.1929) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
51 (18.12.1929)
Date
1929-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Ewigkeit, die wir Juden meinen, liegt nicht im Unendliche«, sondern im „bald, in unseren Tagen". Das deutliche Befenntnis eines deutschen religiösen Juden, der im Wesen liberal ist, aber orthodox lebt, der jür sich die Synthese von Deutschtum und Zionismus errungen hat. Es durfte hier nicht fehlen. Aber nun zu seinem ausführlichsten, seinem Lebensbuche „Ter Stern der Erlösung". In drei Teilen (532 Seiten, 1921 erschienen): Tie immerwährende Borwelt, die allzeit erneuerte Welt, die ewige Unterwelt - sucht er den Sinn des Alls, den Sinn Gottes, den Sinn des Menschen zu deuten, erläutert die Schöpfung, die Offenbarung, die Erlösung, spricht vom ewigen Leben, dem ewigen Weg. der ewigen Wahrheit. Unmöglich, in einem Nachruf die Gedankenfülle des ganzen Werkes herauszuheben, unmöglich ohn> tiefes Erschauern das Gottsncben dieser wahrhaft Ergriffeuen nachzuerleben, unmöglich, durch die Weihe, die er über jüdische Gedanken und Bräuche ausgvß, nicht mitberührt, wenn nicht mitgeweiht zu werden! Es klingt wie ein Nachruf, den er sich, selbst gesetzt, trenn er sein Buch., sein Leben in die Worte ausklingen läßt: „Einfältig wandeln mit deinem Gott — nichts weiter wird da gefordert als ein ganz gegenwärtiges Vertrauen... Einfältig Kandsln mit deinem Gott — die Worte stehen über dem Tor, dem Tor, das aus dem geheimnisvoll-wunderbaren Leuchten des göttlichen Heiligtums, darin lein Mensch leben bleiben kann, heraussührt. Wohinaus aber öffnen sich die Flügel des Tors? Tu weißt es nicht? Ins Leben..." Ins Leben - ins ewige Leben bist du ejngegangen, Franz Rosenzweig... Bon Rabbiner Tr. Gott sch alt, Frankfurt a. M. Außerordentlicher Parteitag der österreichischen Zionisten. Der in diesen Tagen in Wien stattgefundene außerordentliche Telegiertentag des zionistischen Landesverbandes für Oesterreich war fast ausschließlich der inneren Reorganisation gewidmet. Es wurde eine neue Leitung aus 15 Personen mit Tr. Ehrlich als Präsident gewählt. Die radikalen Zionisten unter Führung von Robert Stricker blieben auch diesmal dem Parteitag fern, nachdem wochenlange Versuche, eine Verständigung zwischen der Mehrheit und den Radikalen herbeizuführen, ergebnislos geblieben sind. Ter Delegiertentag nahm einstimmig die folgende von den Ziouisten-Reviswnisten eingebrachte Resolution au: „Ter außerordentliche Delegiertentag des zionistischen Landesverbandes für Oesterreich lenkt die Aufmerksamkeit der Zionistischen Exekutive auf die sich täglich verstärkende Propaganda zugunsten eines Parlamentes in Palästina sowie auf die unverantwortlichen Aeußerungen und Verhandlungen verschiedener zionistischer Kreise. Ter Telegiertentag ist der Ansicht, daß es Aufgabe der Zionistischen Executive ist, der Britischen Regierung per stündlich zu machen, daß die überwältigende Mehrheit der zionistischen Bewegung sich niemals damit einverstanden erklären wird, auf die Idee eines Judenstaates und einer jüdischen Mehrheit in Palästina zu verzichten, daß die jüdische öffentliche Meinung hinter dem Baseler Programm, der Balfourdektaration und dem unverkürzten Mandate einheitlich und geschlossen steht, daß die Zionisten beit Kampf um das Endziel nie aufgeben werden." 70. Geburtstag des verstorbenen Esperanto-Schöpftrs Ludwig Zamenhof. Am 15. Dezember 1929 jährte sich zum 70. Male der Tag. an dem im Jahre 1859 der spätere Augenarzt Dr. Ludwig Lazarus Zamenhof als Sohn des jüdischen Schulleiters Markus Zamenhof in der jetzt polnischen Stadt Bialystok geboren wurde. Tr. Ludwig Zamenhof, der am 14. April 1917 starb, erreichte nur ein Alter von 58 Jahren. Als Schöpfer der Welthilfssprache Esperanto ist der Name Zamenhof in altert Teilen der Welt bekannt geworden. Rein menschetlsreuudliche Erwägungen brachten Za menhof auf die Idee, eine Welthilfssprache zur Verständigung der verschiedenen Völker untereinander zu schaffen. Schon als Kind sah er in seiner Heimatstadt die Uneinigkeit der Menschen untereinander: täglich beobachtete er auf den Straßen Streitigkeiten zwischen Russen, Polen, Deutschen und Juden. So reifte in ihm der Plan, der Menschheit eine gemeinsame Sprache zu geben und damit bem Frieden unter den Völkern der Erde zu dienen. Als?r noch Gymnasiast war, begann er mit der Verwirklichung seiner Idee, und im Jahre 1878 hatte er den ersten vollständigen Entwurf einer „Lingwe Univerfäla" fertig. Am 5. Dezember feierte er mit einigen begeisterten Kameraden seiner Primaklasse den Geburtstag her neuen Sprache. Der Traum Zamenhofs, daß nun gleich Millionen von Menschen die neue Sprache als ein gemeinsames internationales Verständigungsmittel an nähme, ohne die Muttersprache zu beseitigen, ging nicht sofort in Erfüllung. Nur langsam ging die Verbreitung von statten. Ter Weltkrieg setzte der Bewegung eine Schranke, die aber nach Friedensschlns; sofort zerbrochen wurde. Die Verbreitung der Sprache ging weiter, und die seit 1920 wieder jährlich tagenden internationaleu Esperanto-Kongresse tragen dazu bei, die Völker wieder einander näher zu bringen und den Traum des großen Menschenfreundes Zamenhof zu verwirklichen. Mendelssohn-Medaille der staatlichen sächsischen Münze. Anläßlich des 200. .Geburtstages von Moses Mendelssohn hat die staatliche sächsische Münze in Mnldenhütten eine Erinnerungsmedaille geprägt. Konstituierung des Kuratoriums der Mofes Mendelssohn-Stiftung. Unter dem Vorsitz des Tessauer Oberbiirger nteisters .Hesse fand in Berlin die konstituierende Sitzung des Kuratoriums der Moses Mendelssohn-Stiftung zur Förderung der Geisteswissenschaften statt. Tas Kuratorium fetzt sich zusammen aus dein Präsidenten der Handels und Jndnstriekammer Franz von Mendelssohn, Paul von Mendelssohn Barthvldi, Robert von Mendelssohn, Justiztat Rudolf Loeb, Tr. Paul Kempner, Wirkt. Geh. Rat Pros. Dr. D. von .Harnact. Staatsminister a. T. Dr. Friedrich >schmidt-Ott, Professor Spranger (Berlin), Tr. Fritz Mannheimer (Amsterdam), Reichskunstwart Dr. Redslob, Professor Walter Gro pius. Oberbaurat Heck. Professor Junkers, Intendanten des Tessauer Friedrich Theaters Hanns Schulz Ternburg, Professor Albert Einstein, Professor Max Liebermann, Arnold Zweig, Präsidenten der Berliner Jüdischen Gemeinde Direktor Georg Karesti, Oberbürgermeister Hesse, Ministerialdirektor Staatsminister a. T. Dr. h. c. Müller, Staatsrat a. D. Justizrat Dr. Eohn Dessau, Landesrabbiner Isidor Walther Dessau. Das von den Häusern Mendelssohn & Co. gespendete Stiftungsvermögen beträgt 250000 Mark. Tie Erträgnisse vvn jährlich rund 2000t) Mark sollen in erster Linie der Förderung der Geisteswissenschaften dienen und zugleich begabten Studierenden, besonders solchen aus Dessau, die Mittel zum Studium verschaffen. Tie Zuwendungen werden jährlich am 0. September, dem Geburtstage Moses Mendelssohns, verteilt. Professor Einstein regte an, daß die Stiftung von sich aus bestimmte Preisanfgaben stelle, um unabhängig von Gesuchen besondere Begabungen ausfindig zu machen. Acr Vorsitzende bat Professor Einstein um nähere schriftliche Vorschläge für die Ausschnßberatung. Zum ehrenamtlichen Geschäftsführer der Stiftung wurde Landgerichtsdirektor Mterthum bestellt. Not der jüdischen Künstler W.r veröffentlichen den nachstehenden Bericht geplante H.lssmaßnahmen für jüdische Künstler. Ohne das sozrale Hilfswerk irgcndtvie beeinträchtigen zu wollen, glauben w.r uns doch verpflichtet, unserem Zweifel an dem Bestehen einer besonderen Notlage des jüdischen Künstlers Ausdruck geben zu sollen. Die Red. Tie fortschreitende Verelendung der kulturell wertvollsten Schichten des deutschen Künstlertums, vor allem seiner jüdischen Glieder, veranlaßt die „Gesellschaft von 1845 zur Unterstützung jüd-scher Künstler und Handwerker in Krankheitsfällen" zu einer großzügigen Hilfsaktion in der jüdischen Oesfentlichkeit. Sie lud daher einen größeren Kreis ihrer Freunde und der zur Mitarbeit hecanzuziehenden Persönlichkeiten zu einer Beratung ein, die am Sonntag, 15. Dezember, im Hotel „Ter Kaiserhoj" tagte. Während früher, wie der Vorsitzende Handelsrichter Jachmann einleitend aus- Fanatismus und Enthusiasmus Von Prof. Dr. W. K i n k e l, Gießen. Wer in die Ferne sehen will, übersieht das Nächstliegende; umgekehrt: wer immer nur das Nächste im Auge hat, verliert die Fernsicht. Es ist das Vorrecht der Jugend, in der Zukunft zu leben; ihr Blick schweift in die Weite des Kommenden, Werdenden, und sie übersieht dabei leicht die Schwere der Probleme, die in der unmittelbarsten Gegenwart liegen, sie übersieht die Nähe. Das ist an sich noch kein Unglück, solange sie mit dem gereisten Alter zusammengcht: im Gegen teil: die Aengstlichkeit des realistischen Alters, das selbst im Gewöhnlichsten und Alltäglichsten tausend Schwierigkeiten und Probleme sieht, würde den Fortschritt der Menschheit hemmen, wenn die unbekümmerte Jugend nicht zuweilen sich durchsetzte, die Hindernisse, an deren Macht sie nicht glaubt, kühn beiseite stellte, um festen Schrittes dem Neuen, noch Ungewordenen entgegen zu gehen. Daher ist auch die Begeisterung, der Enthusiasmus recht eigentlich ein Teil der Jugend, den» die Begeisterung, wenn sie nur rein und lauter ist, lebt in der Idee, und die Idee hat ihre Heimat in der Zukunft. Unter der Idee verstehen wir hier (mit Kant) das Ziel und die Vollendung, zu welcher wir in Erkenntnis und Tat hinstreben; die unendliche Aufgabe für den Willen und die Vernunft, die wir immer nur annähernd, niemals restlos erreichen und erfüllen können. So ist die Idee der Wahrheit und vollkommenen Sittlichkeit der Quell, aus dem die Begeisterung schöpft. Aber jede reine Regung des Herzens, der Seele und des Geistes hat ihr Zerrbild; und das Zerrbild der Begeisterung ist der Fanatismus. Während die Begeisterung sich an der unendlichen Idee reiner Menschlichkeit nährt; während sie die Seele des Begeisterten daher auch menschlich und gütig stimmt und für das Neue empfänglich hält, gilt vom Fanatismus überall das Gegenteil. Der Fanatiker entzündet seinen Geist und Willen an endlichen, begrenzten Begriffen, seine Seele wird daher, so ins Endliche versinkt, selber endlich; d. h. nicht von Menschenliebe, Menschenverständnis, sondern von aus schließendem Haß, von Vorurteilen und absoluten Meinungen geleitet. Der Enthusiasmus, weil aus der Nnendlichkeil rein menschlicher Sehnsucht entsprungen, vermag in den Menschen das Reine und Edle zu sehen auch da, wo sie andere Wege gehen als der Begeisterte. Jede r Mensch trägt in sich die Bestimmung zum Sittenwesen; jeder soll das rein Menschliche, das Verbindende zur Darstellung bringen; und dies ist es, was die göttliche Begeisterung im jugendlichen Herzen entzündet. Daher ist Rassen- und Klassen-Haß, Berufsstolz, Ueberheblichkeit des politischen Chauvinismus, religiöse Intoleranz etwas der Jugend Fremdes, etwas, das, wo sie ihm verfällt, sie verunziert und durch das sie ihr eigentlichstes Wesen verleugnet. Denn Rassenhaß, religiöse oder politische Intoleranz beruhen auf der Berendlichung der Begriffe: sie entspringen, indem sich der Blick verengt und anss Nächste einstellt und die .Herrlichkeit und Nnendlichkeil des Seins ver kennt. Vaterlandsliebe, die man nicht mit Chauvinismus verwechseln darf, entspringt aus der Erkenntnis, daß sich in der eigenen Heimat, im eigenen Volk ein besonderer, wert voller Weg zur Idee, zum Allgemein Menschlichen anbahnt; hat also nicht einen Gegensatz zur Menschenliebe, sondern diese vielmehr selbst zur Voraussetzung. So entspringt die echte, lobenswerte Anhänglichkeit an die Religion der Väter aus der Einsicht, daß diese Religion ein guter Weg zu unseres Vaters Haus ist, zu dem im Grunde alle Religionen hin streben. Vaterlandsliebe, Religiosität haben daher an sich nichts Ausschließendes, Gehässiges an sich und erwecken eben darum Enthusiasmus, nicht Fanatismus. Andere Völker, andere Religionen suchen das Göttlich-Allgemeinmenschliche auf anbeven Wegen: aber sie suchen denselben Gott, dieselbe Sittlichkeit wie wir. Darum gebührt ihnen Liebe, Achtung, darum sollen wir sie nicht fliehen, sondern uns ihnen nähern, uns ihnen verbinden. Ties können wir, ohne die Eigenart unseres Volkes, unserer Religion preiszugeben. Rassen- und Klassen-Haß, religiöse Intoleranz entspringen, so sagten wir, der Berendlichung der Begriffe und er zeugen daher Fanatismus. Diese bestimmte Rasse oder Klasse, diese einzige Religion im Gegensatz zu allen anderen - bringt das Heil der Seele; darum müssen wir für sie, nur für sie alle Rechte, alle V o r Rechte verlangen das ist der Leitspruch des Fanatikers. Da nun die Jugend eine werdende, der Zukunft zugewendete Seele hat, so ist ihr diese Umgarnung mit endlichen Begriffen im Grunde fremd und widernatürlich. Daher ist eine fanatifierte Jugend ein ebenso trauriger und abstoßender Anblick, wie die Be geisterung ihr Bild verschönt. Johann-Georg- Garagen (am Kurfürstendamm) Johann - Georg - Sir. 9/10 Tel.: H2 Uhland 5300-9825 Modernster Komfort Wir lesen daher mit Bedauern von den Taten solcher Jugend, die sich hat irreführen lassen und vom reinen Wege der Idee abweicht. Friedhofschändungen, antisemitische Ausschreitungen in politischen Versammlungen und an Uni versitäten kaum zu fassen ist es, daß hierbei die Jugend teilhaben sott: Es ist zu hoffen, daß sie sich zu sich selbst zurückfindet: daß wieder die .Humanität, das Ideal der Menschlichkeit in ihrem Herzen eine Heimat findet. k Auch sind wir natürlich weit davon entfernt, unsere heutige Jugend nach den Ausschreitungen Einzelner zu beurteilen. Wir wissen es, daß gerade in unserer deutschen Jugend ein unverwüstlicher Kern der Menschlichkeit, eine Sehnsucht zur Idee lebt, die ja auch die Mehrzahl von solchen Verirrungen sernhält. Es gilt aber, dieser, der echt deutschen Jugend, deit Rücken zu stärke». Führen wir sie wieder und immer wieder hin zu den Quellen reinster .Humanität, wie sie in den Werken Lessings, Mendelssohns, Kants, Herders, Goethes und Schillers fließen: rufen wir ihnen immer wieder zu: deutsch sein, heißt: menschlich sein! Umschau Gleichberechtigung der jüdische» Religionsgemeinschaft in Jugoslawien. Dem Jta Vertreter wird von autoritativer Seite mitgeteilt: Das neue Gesetz über die jüdische Kon fession ist sertiggestellt und wird in diesen Tagen die aller höchste Sanktion erhaltet!. Tas unter persönlicher Mitarbeit des Justizministers Dr. Milan Srschkic redigierte Gesetz sichert der jüdischen Religionsgemeinschaft vollkommene Gleichstellung und Gleichberechtigung mit der Staatsreligion zu. Es eitt hält u. a. folgende Bestimmungen: Im staatlichen Budget, ebenso in den .Haushalten von Juden bewohnter Städte werden Zuschüsse für die Bedürfnisse der jüdischen Kon fession sichergestellt. Die Höhe der Zuschüsse entfprichr dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung. Die jüdischen Kultus gemeinden genießen Steuer und Portofreiheit. Jeder Jude gehörr^ automatisch der Knltusgemeinde seines Wohnortes an. Im Bereiche eitler Kultusgemeinde fömicji in Zukunft keine Separatgemeindeil gegründet werden, aber die bereits üe stehenden Separatgemeindeil, orthodoxe und sephardische, blei ben unangetastet. Die religiöse Freiheit der Orthodoxen ist gesetzlich verbürgt. An der Spitze sämtlicher Knltusgemein den steht der jüdische Gemeindebund, der gemeinsam mit der aus sechs Rabbinern bestehenden Rabbinersynode autoritativ in allen das Judentum betreffenden Angelegenheiten ist. Ten Landesgroßrabbiner ernennt der König aus der Mitte dreier Kandidaten, die von dem Gemeindebunde vorgeschla gen werden. Ter Lanöesgroßrabdiner ist in seinem Range und seinen Bezügen, die vom Staate zu leisten sind, den christlichen Bischöfen gleichgestellt. Das soeben verlautbarte neue Voltsschnlgesetz enthält auch für die Judenheil ivichtige Bestimmungen. Ter Reli gionsunierricht ist obligat und wird von Religionslehrern, die von Religionsgemeinden honoriert werden, erteilt. Mi tloritälsschulett sind gestaltet. Die bereits bestehenden pri vaten Volksschulen dürfen weiter bestehen. Das neue Volks schulgefetz sichert demgemäß oett Fortbestand der jüdischen Volksschulen iti Jugoslawien. Antisemitische Ausschreitungen rumänischer Studenten. Am!0^ Dezember, an dem Tage, den die reaktionäre rumänische Studentenschaft alljährlich als Gedenktag des Numerus clausus Kampfes^ feiert, fanden in Klausenburg (Cluj) und in Temesvar (Timisoara) Studenten-Demonstrationen statt. Im Klausenburg wurden jüdische Kaufläden angegriffen. In Temesvar hat eine große Gruppe demvnstricreuoer Studenten, nachdem sie in der Redaktion einer ungarischen Zeitung und in einer Druckerei Verwüstungen angerichtet hat, die Fensterscheiben am Gebäude des jüdischen Gymnasiums ans geschlagen. Fünf Studenten wurden verhaftet. Tie Notgemeinschast entzieht einem Rasseantisemiten das Stipendium. Die Notgemeinschaft deutscher Wissenschaft teilt mit, daß sie Professor Schemann, bem Verfasser des zweibän digcn Werkes „Die Rasse in den Geisleswissenschasten" wegen seiner mit Wissenschaft nichts zu tun habenden Feststellungen in dem Kapitel „Juda und Rom" und „Tic Herrschaft der Minderwertigen" das ihm für Forschungsarbeit verliehene Stipendium entzogen hat. Maßregelung des Nationalsozialistischen Stndentenbundes. Ter Rektor der Berliner Universität hat dem Nationalsoziali stischen Studentenbund das Anschlagbrett der Universität entzogen. Damit ist zugleich die offizielle Anerkennung dieses Bundes durch die Universitätsbehörden hinfällig geworden. Tie Maßregelung ist eine Folge der Studenteu-Krawalle vom 12. November, an denen die Agitation des nationalsozialistischen Studentenbundes in erster Linie schuld ist. Jüdische Archivstudien im Vatikan. Wie die Zeitungen aus Bratislava (Preßburg) melden, ist der slowakische Rabbiner Markus Vorhand soeben von einem längeren Studienaufenthalt aus Rom zurückgekehrt, wo er als Gast des Vatikans geweilt und die Archive des Vatikans, die Akten über das letzte jüdische Königreich in Palästina enthalten, studiert hat. Rabbiner Markus Vorhand hat eine Audienz beim Papst gehabt, der ihm die Erlaubnis erteilte, die Akten des Vatikans für sein demnächst erscheinendes wissenschaftliches Werk über das letzte jüdische Königreich zu benutzen. Es ist dies das erste Mal, daß ein jüdischer Gelehrter zum Studium des Archivs des Vatikans zngelassen wurde.

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