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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-12-11 · 50 (11.12.1929) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
50 (11.12.1929)
Date
1929-12-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Bevor das auf der Tagesordnung stehende Referat begann, wurden einige Schallplatte» mir hebräischen Melodien, „L'cho daudi", „Aucheben der Thora", „Kiddusch" und „MoauS zur j'schuossi" zu Gehör gebracht. Die Schallplatte» waren von der Carl Lnidström A. G. in liebenswürdiger Weife zur Verfügung gestellt worden. Der Vortrag von Herrn Bruno Woyda behandelte das Thema: „Kann der religiös-liberale Jude sich an der gegenwärtigen Palästinaarbcit beteiligen?" Er bedauerte am Beginn seiner Ausführungen, das; sich nicht auch ein Anhänger der Agency ans den Kreisen der Liberalen als Mit - referent zur Verfügung gestellt habe. Ter moderne Zionismus sei eine neuzeitliche Folgerung aus drei Blättern der. Geschichte, der Geschichte des Leidens, des HofsenS auf Erlösung und des Ztveifelns an der göttlichen Vorsehung. Der zionistische Gedanke kann aber in der Welt der Realität keinen Segen stiften. Schon die Grundlage der Palästinasiedlung in der Gegenwart müsse Widerspruch und Konflikte hervorrnsen. .Historisches Recht sei dem SelbstbcstimmungSrecht der Völker unterzuordnen. Aus religiösen Gründen sei dem Gedanken der Schaffung eines „geistigeil Zentrums" cirtschieden zu widersprechen. Palästina sei zudem ein Land, das für ein geistiges Zentrum in der Neuzeit nicht geeignet erscheint. Die Nationalisierung des Juden' tums müsse die Inden im Deutschtum cntnationalisieren. Da aber der Weg der Juden aus nationaler Enge zur Verwurzelung in den verschiedensten Völkern der Erde führen müsse und nur bei der konsequenten Beschreitung dieses Weges das Judentum seine Ausgaben als Weltrelizion erfüllen, kann, fei für den religiös-liberalen Inden eine Milarbeit am Palästinaaufbau abzulehncn, solange dieser nicht zu einem rein kolonisatorischen Werk gestaltei, sondern mit der national., jüdischen Theorie verbunden sei. Mit Aufmerksamkeit und Interesse folgte die Versammlung den Ausführungen des Redners. An der dann folgenden lebhaften Aus svrache nahmen die Herren Arthur Lehmann, Ludwig Herrmann, Dipl. Ing. KossowSky, Dr. Earo, Handelsgerichtsrat Growald und Dr. Nathansohn teil. In seinem Schlußwort legte Herr Woyda noch einmal die grundsätzlichen Unterschiede klar zwischen der liberalen Auffassung, die unsere religiösen Formen denen der abendländischen Umivelt annähern will und der zionistischen, die auch die religiöse Kultur des deutschen Judentums von der der Umivelt zu trennen und zu entfernen versucht. DaS Ziel der Zionisten sei überhaupt nicht die religiöse Gemeinde, der die Tätigkeit der Liberalen dient, sondern die jüdische Volksgemeinde. Eine Mitarbeit am Palästinalverk müsse daher für den liberalen deutschen Inden eine Klarstellung des nalio mvt'n Programmes zur Voraussetzung haben. Mit einem Appell des Vorsitzenden, Herrn Tr. Alfred Earo, zum Anschluß an den Liberalen Verein und zur Werbung neuer Mil glieder fand die anregende und erfolgreiche Versammlung ihren Abschluß. Berlin. (Einweihung der n e u g e g r ü n d e t eit Liberalen Synagoge O ft e n.) Wegen technischer Schlvierigkeiten findet der EröffnungsgotreSdienst erst am Freitag, den 20. Dezember, abends 7.15 Uhr, in der Aula der Mädchenmittelfchule der Indischen Gemeinde, Kaiscrstraße 29-30, statt. Tie Einweihnngspredigt lvird Herr Rabbiner Dr. Salomonski halten. Liturgie Obertantor Wilhelm Friedmann. Berlin. (Liberaler Verein für die A n g c l k g e II h e it c n der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., B e - zirksgrnppe Süden.) In der in der vorigen Nummer an dieser Stelle erschienenen Notiz über den Unterhaltungsadend im Hause der Familie Falk, Köpenicker Straße 36, ist es leider versäumt ivorden, die Künstler z» erwähnen, die zu dem Gelingen und der Stimmung des Abends ganz besonders beigetragen haben. Frau Kaie Strauß sowie Herr Oberkantor Berthold Friedmann brachten einige in den Rahmen Passende Gesänge und Fräulein Weinberg hatte die Liebenswürdigkeit, am Flügel ihre Kunst zu zeigen. Dortmund. (Judentum und Christentum.) Moniag, den 18. November, fand der erste diesjährige Diskussionsabend über: Judentum und Christentum statt. Eingeleiret ward derselbe durch einen geschichtlichen Vortrag des Lehrers N u ß b a u m. Ter Vortragende schilderte die politische Entwicklung des jüdischen Volkes nach dem Ereignis des Jahres 63 v. CH., in dem der Römerführer PompejuS Jerusalem besetzte.... Infolge der Besetzung und des Drucks durch die Fremdherrschaft ward die Sehnsucht nach dem Befreier, dem Messias, immer größer. Jesus sollte es werden, aber nicht im Sinne des Stifters einer neuen Religion, sondern als führende Persönlichkeit einer Volksbewegung, die sich gegen Rom und gegen die den Römern unterlvürfigen .Herodianer richtete. — Seine Ideenwelt ist kernjüdisch und wer die Bergpredigt bewundert, de wundert das Judentum und die jüdische Ethik. — Ter Messias mußte nach jüdischer Ausfassung ein Leben der Sittenreinhcit führen; nicht wegen seiner Mahnungen zur Buße und wahrer Gottesfurcht erfolgte seine Verurteilung. Jesus ward ein Opfer der politischen Umtriebe der Herodianer und ihres Anhangs.' — Nach dem Tode des Jesus erstirbt die Bewegung nicht, sie findet in den Jüngern ihre Propagandisten. — Gegen sie wendet sich die Versolgnngsivnt der Herodianer. — Nach der Steinigung des Stephanus »vandcrn darum viele ans. — In der DiaSpora machen sie die Beobachtung: Die Juden wenden sich ihrem Glauben an Jesus als dem Messias nicht zu, aber Tausende heidnischer Griechen suchen Erlösung aus heißem GlaubenSkampf. — Sic würden folgen, aber die Schwere des jüdischen Gesetzes verhindert den Uebertritt.' — Ta zerschneide! Saulus aus Tarsus das Tischtuch und als Paulus hebt er das Gesetz auf und fordert als Ersatz den Glauben an Jesus. — So verbrachte er die weltgeschichtliche Tat der Begründung des Christentums. Noch aber sind das Wichtigste und Entscheidende: Monotheismus, Geber, Sabbat und Festtage ganz intaktjüdisch geblieben. — Trotzdem aber entbrennt nun der Kampf auf der ganzen Sink. ES entsteht ein gewaltiges Ringen, die Leidenschaften platzen aufeinander. — Aber lange dauert die entschiedene Notwehr nicht. — Losgelöst vom Vaterland mußte man die Unterstützung der Heimat entbehren. — Dort aber kämpfte man den Verzweiflungskampf gegen Rom, und als die letzte Feste Betar im Jahre 135 n. Eh. gefallen tvar, da ivar die Frage, ob alles, oder neues Jndenlum, iu der heidnisch-griechischen Welt bereits ent schieden. — Durch diese wurden nun die Gedanken der Philosophen jener Zeit über die Gottheit — insbesondere die des Phitos vom Logos — in die neue Lehre übertragen. - So entwickelte sich der eigentliche Kirchcnglaube und das eigentliche Christentum mit seiner Lehre der Trinität: Gott Pater, Sohn und heiliger Geist.... Uns als Juden und in unserer Einstellung zum Judentum als religiös-liberalen Juden ist cs heilige Ucberzeugung, daß die Entwicklung'der Religion sich im Sinne des Renauschen Wortes bewegen wird: „Die reine Religion, die wir als das einstige die Menschheit einigende Band ahnen, wird die Verwirklichung der Religion des Jesajas sein, die ideale, von allen beigemischten Schlacken befreite jüdische Religion." — An den, Vortrag, der von der zahlreichen Zuhörerschaft mit lebhaftem Beifall ausgenommen ivurde, schloß sich eine rege Aussprache; ergän zend, bestätigend und vertiefend. Wenn wir noch hiuzufügen, daß die gesanglichen Vorträge des Mitgliedes Frau Leopold Herz als Umrahmungen des Vortrages freudigste Aufnahme fanden. Magdeburg. (O r t s g r u p p c d e r Vereinigung i ü r das liberale I n d e n t u m.) Die Liberale Vereinigung hatte für den 25. November 1929 zu einem Vortrage des Herrn Generalsekretärs George Goetz-Berlin über „Gegenwartsfragen im Deutschen Judentum" unter Berücksichtigung der in den Zeitungen erschienenen Aufrufe und Erklärungen eingeladen. Der 1. Vorsitzende wies darauf hin, daß am heutigen Abend auch einmal diejenigen Kreise zu Worte kommen sollten, die der in den Zeitungen vcrösseEichtcn „Erklärung deutscher Juden" nahe ständen, nachdem bereits die Gegner in Magdeburg getagt haben. Der Vorsitzende bat die Anwesenden, sich dann selbst ein Urteil zu bilden, — man wäre hier nicht znsammengekommen, um sich gegenseitig, zu bekämpfen. Mil warmen Worten gedachte er dann der schweren Opfer iu Palästina, die überall ohne Unterschied der Einstellung tiefstes MKgefühl hervor gerufen chaben. In seinem Referat begründete Herr Goetz seine gegen sätzliche Auffassung zu dem Inserat der Jetvish Agency: , Das Jüdische Palästinawerk, Hilfe durch Ausbau", wobei er im besonderen hervor hob, wie cs gerade die im Ansrnj enthaltenen Behauptungen, daß die Einigung der Judenhcit für den Palästina-Aufbau gelungen sei, und daß die Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaften aller Länder sich verpflichtet haben, bei der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina mitzuarbeiten, — die Gegenbewegung Hervorrufen mußte, da diese für die große Oessentlichkeit bestimmten Angaben unrichtig sind. So kam dann die „Erklärung deutscher Juden" zustande. Bedeutende Männer des deutschen Judentums waren sich darin einig, daß nian hierzu nicht schweigen dürfe, und die Unterschriften beweisen, das; sich über ganz Deutschland die gleiche ablehnende Ansfassung des ersten Aufrufs erstreckte. Der außerordentlich starke Besuch der Versammlung gab Zeugnis von dem großen Interesse, welches mau auch in Magdeburg den iuucrjüdischen Fragen entgegenbringt. Bedauerlicherweise brachte aber die erhitzte Diskussion, in der Zionisten und Liberale zu Worte kamen, nichi die crivnnschie Verständigung. ★ BÜCHERSCHAU ★ Neue Schriften über ,jüdische Kunstdenkmäler“ 1. Erich Toeplitz: Die Malerei in den Synagogen. Beiträge zur jüdischen Kulturgeschichte. Heft III. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kuiistdenkmliier, die dieses Heit herausgibt, fügt damit zu ihren bisherigen wertvollen Publikationen eine neue aufschlußreiche Untersuchung, eine Arbeit des rührigen Verwalters des Frankfurter Jüdischen Museums. Hier wird der Versuch gemacht, ein Gebiet religiöser Kunst im Zusammenhang darzustellen, das bisher nur gelegentlich und vereinzelt betrachtet worden ist. Der Verfasser geht von den Wandmalereien in den Synagogen des Ostens aus, beschreibt ausführlich die Malereien in der Synagoge zu Jablonow am Pruth (nach Grotte 1674 entstanden) und zeigt, wie diese Kunstübung nach Franken gekommen ist uml hier offenbar eine besondere Pflege gefunden hat. Von den gewiß einst zahlreich vorhandenen Beispielen sind noch drei wohl erhalten: Bechhofen bei Ansbach an Ort und Stelle, Horb bei Bamberg (jetzt in Bamberg) und Kirchheim bei Wiirzburg (jetzt in Würzburg). Diese drei Synagogen sind iu den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts ausgemalt worden, und zwar von demselben Meister Elieser Sußmann, einem Kar.torssohn aus Brod. Die Kunstübung als solche stammt offenbar ans dem Osten, auch 'Landaufteilung und Motivenschatz zeigen ähnlichen Charakter, insbesondere kehrt auch hier die Verbindung von pflanzlichen und tierischen Motiven wieder. Freilich vollzieht sich hier eine Wandlung im Ornamentalen, offenbar unter dem Einfluß der neuen Heimat, in der auch im Volke alte Kunsttradition lebte. Verfasser weist m. E. mit Recht auf die verbreiteten Arbeiten von Ornamentsteenern des 17. Jahrhunderts hin, die hier ins Große übertragen werden; reizvoll und mit gutem Verständnis sind die Tier- und Pflanzenformen iiieiiianderverschhmgeu. Zur strengen Stilkritik reichen allerdings die Abbildungen nicht aus, zumal sie nicht alle nach Originalaufnahmen hergestellt sind. Aber es erscheint mir müßig, hier in diesen Formen etwa einem spezifisch Jüdischen nachspüren zu wollen. Es mag uns genügen zu wissen, daß zu Anfang des 17. Jahrhunderts bereits ein jüdischer Meister von der Umgebung lernt und eine Tradition im Sinne der Zeit weiter führt Und er ist gewiß nicht der einzige gewesen, wie es wohl außer den erhaltenen Stätten noch weit mehr gegeben hat. Was ist nicht alles zu Grunde gegangen in jenen Jahrhunderten der Verfolgung? Wir können nur noch Trümmer, nur Reste noch sammeln und wir dürfen dem Verfasser danken, daß er dies mit Eifer und Verständnis tut. Synagogenbaues, der Pfleger der Kunstdenkmäler Schlesiens, ein bisher kaum beachtetes Gebiet erforscht. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf einige schlesische Kirchen, die als Umbauten einstiger Synagogen zu betrachten sind. Viele von den altschlesischen Synagogen sind spurlos verschwunden, aber an drei Orten ist es Grotte gelungen, noch deutliche Reste aufzuvveisen und bis zu einem gewissen Grade eine Rekonstruktion der einstigen Gestalt zu versuchen. Bei der Salvatorkirche in Gels, heute noch „Judenkirche1' genannt, zeigt der Grundriß erstaunliche Uebereinstimmung mit der Altneuschul in Prag; er läßt auf den Typus des zweischiffigen, sechsjochigen Hallenraums schließen, der den meisten mittelalterlichen Synagogen eigentümlich ist. Wie dieser Bau in Oels, so ist auch St. Barbara in Striegau aus der Umgestaltung einer Synagoge des 14. Jahrhunderts entstanden. Schon Mitte des 15. Jahrhunderts wird nach Vertreibung der Juden verordnet, daß die Synagoge in eine christliche Kirche zu verwandeln sei zu Ehren des Hochwürdigen Gutes und der heiligen Barbara. Wenn auch stark verändert, weist doch der heutige Zustand noch bedeutsame charakteristische Reste des alten Baus auf, der in einer anderen Prager Synagoge, der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Pinchas Synagoge sein Vorbild gehabt haben mag. Am schwierigsten gestaltet sich die Untersuchung bei der St. Adalbert-Kirche in Jauer. Auch hier ist dokumentarisch die Umwandlung der einstigen Synagoge in eine Kirche belegt. Aber die heutige Gestalt, ein achteckiger Raum, ist doch für einen Synagogenbau des 14. Jahrhunderts so überraschend, daß sie nur aus dein unmittelbaren Einfluß eines Prager Baus vom Meister Parier erklärt werden könnte. Die ursprünglichen Fundamente scheinen hier vom Verfasser noch nicht untersucht worden zu sein; vielleicht ergäbe sich dabei ein anderes Resultat. Jedenfalls ist mit dieser Studie für die Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Deutschland ein neues Gebiet erschlossen. Sehr wohl möglich, daß weitere Ergebnisse zu Tage gefördert werden, daß gezeigt werden kann, wie auch auf diese Weise, ähnlich wie in Spanien, jüdisches Kulturgut in deutsch-christliches eingegangen ist. Dr. A. G a 11 i n e r. Mynona (Dr. 8. Friedlaender): „Hat Erich Maria Remarque wirklich gelebt?“ Paul Steegemann Verlag, Berlin 1929. Das Remarquesche Buch „lm Westen nichts Neues“ hat mancherlei Beziehung zu den Tendenzen dieses Blattes; da aber diese Beziehungen nur lose sind, so ist die Besprechung hier unterblieben, und auch die Besprechung der Literatur i'i b e r Remarques Buch könnte deshalb hier unterlassen werden. Weil uns aber Mynonas Remarque-Persiflage zur Rezension zugeht, so sei in aller Kürze gesagt, daß sie natürlich nichts zu tun hat mit den zahlreichen teutschen Anti- Remarques. Mynona unternimmt es, das deutsche Lesepublikum aus seinem Remarque-Rausch wieder nüchtern zu machen und ihm zu zeigen, daß Remarque mit wahrhafter Literatur und Kunst nichts zu tun hat. Damit hat sich Mynona ein großes Verdienst erworben. Daß er sein Vorhaben aut eine allzu witzige, oft nur witzig sein sollende, stark Antisemitismus erregende Weise durchführt, — darauf soll hier nicht näher eingegangen werden, weil es dem ergebenst Unterzeichneten Rezensenten von seiten des Herrn Rezensierten doch nur die Ernennung zum Spießer, Mucker, Philister usw. eintragen würde. Die Aufgabe, die sich Mynona gestellt hat, hätte sich aber auch durchführen lassen, ohne daß er sich — nach seinem eigenen Wort! — „zum Clown machte“. Indessen nichtsdestotrotz: da unsere Glaubensgenossen ja nicht in Gefahr sind, Antisemiten zu werden, sollten wenigstens sie das Buch lesen, damit sie der nächsten literarischen Sensation mit etwas mehr Kritik gegenüberstehen. Leopold Nathansohn. 2. Rudolf Hallo: Jüdische Kultaltertümer aus Edelmetall in der Ausstellung „Religiöse Kunst aus Hessen und Nassau.“ Marburg a. Lahn Sommer 1928. Notizblatt der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler. Nr. 23 und 24. Der Verfasser schildert in den mit vorzüglichen Abbildungen ausgestatteten Heften eine Anzahl prachtvoller Silberarbeiten, Thorasclunuck und Besomimtürmc, aus dem Gebiet von Hessen und Nassau. Thorakronen aus Friedberg und Kassel, Thoraschilde aus denselben Orten, aus Hofgeismar und aus Eschwege, werden ausführlich beschrieben und im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunstübung und zeitgenössischen Kulturströmungen gewürdigt. Aufschlußreich ist das Beispiel der Krone aus der Hauptsynagoge in Kassel, deren Vorbild die Totenkrone des Kurfürsten Wilhelm I. vom gleichen Meister Kompff 1821 geschaffen worden ist, aufschlußreich die Beziehungen der jüdischen Kultgeräte zu christlichen, das zeigt sich besonders hei dem interessanten Kapitel der Besomimtürmc, von denen hier zwei besonders schöne Beispiele aus Kassel und Friedberg vorgeführt werden. Hallo zeigt, wie stark die Wechselbeziehung zwischen jüdischen Auftraggebern und christlichen Meistern allezeit gewesen ist und wie die Formen für den besonderen Zweck die charakteristischen Abwandlungen erfahren. Später als in anderin kunstgewerblichen Kultgerät, später als im Malen, Illustrieren, Illuminieren, als im Sticken betätigen sich jüdische Meister im Goldschmiedehandwerk, aber nach der Emanzipation gegen Mitte des 19. Jahrhunderts erscheinen sie auch hier, und so manches Stück aus ihrer Hand ist noch in Kleinstadtsynagogen zu finden. Es verlohnte sich, diese Entwicklung bis auf unsere Tage zu verfolgen und weiten Kreisen zu zeigen, was heutige jüdische Meister auf diesem Gebiete zu leisten vermögen. 3. Alfred Grotte: „Synagogcn“-Kirchen in Schlesien. Der junge Verein „Jüdisches Museum“ E. V. zu Breslau versendet zugleich mit seinem ersten Jahresbericht dieses Schriftchen, in dem einer der besten Kenner des älteren Aus der Chronik der Spandauer jüdischen Gemeinde, von Franz Kohstall. Broschürt, 64 Seiten. Immer haben Spezialstudien der Geschichte nicht nur das Gebiet eines engeren Rahmens umspannt, sondern strahlenförmig in weitere Kreise des historischen Geschehens hineingeleuchtet. Das Gleiche ist bei vorliegender Broschüre der Fall. " y Im Auftrag der Synagogengemeinde Spandau hat Franz Kohstall, ein tiefer Kenner der Geschichte Spandaus, eine Chronik der dortigen jüdischen Gemeinde geserrrieben. Gründlich hat der Verfasser jüdische und außerjüdische Geschichtsquellen benutzt, die ihm zur Grundlage seiner gediegenen Arbeit dienten. < Ein kurzer Ueberblick über die Wanderschaft des jüdischen Stammes durch die Drangsale der Geschichte wird vom Verfasser geschickt gegeben, um dann überleitend zu den Juden Spandaus deren Historie vom Jahre 1307 bis zur Gegenwart an unserem Auge passieren zu lassen. Die entwürdigende Stellung der Juden in Spandau und in der Mark und ihre grauenerregende Geschichte bis zu ihrer Vertreibung im Jahre 1510 wird uns geschildert. Wir werden im weiteren bis zur Emanzipation der Juden und ihrer sogenannten Gleichstellung geführt. Bis zum 1. November 1894 gehörte Spandau zur Kreissynagogengemeinde Nauen. Von genanntem Tage an wurde es eine selbständige Gemeinde. Die neue Synagoge, ein würdiges und schönes Gotteshaus, stammt aus dem Jahre 1895. Die 296 Plätze fassen die stark angewachsene Gemeinde nicht mehr. Kohstalls Broschüre schildert die einzelnen Etappen, die zum Werden der Gemeinde in ihrer jetzigen Gestalt geführt haben, recht anschaulich. Der gegenwärtige Rabbiner, Dr. Arthur Löwenstamm, hat sich um das Wachsen und Gedeihen der Gemeindeinstitutionen und die Frage der Sorge um die Jugend bleibende Verdienste erworben. Man verspürt den Hauch einer harmonischen Zusammenarbeit zwischen Rabbiner, Körperschaften und Gemeindebeamten. Rabbiner Dr. Arthur R o s e n t h a I, Berlin-Lichtenberg. Aus der Ili-Veweguug Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann. Frankfurt a. Main Einheit Aus einer N'ila-Ausprache von Tr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Im Hauptgottesdienst des Philanthropins fand auf Anregung Dr. Seligmanns zu Mincha der J.-K. ein Jugendgottesdienst statt. Er wurde nur von jungen Leuten ausgesührt. Vorbeter und Vorleser von Thora und Haftara war Fritz Cohen, Sohn eines hiesigen Vorstehers, die Orgel spielte Walter Würzburger, Sohn des hiesigen Organisten der Westendsynagoge, die Ansprache hielt I. Flörsheimer vom Jli (über „Jugend und Autorität“), ein Sololied („Büßlied" von Beethoven) sang Fr. Grünebaum, ebenfalls vom Jli. Dr. G. knüpfte an das Rahelwort an: „Hemme dein Weinen — deine Kinder kehren wieder in ihr Gebiet zurück." Er verwies auf den eben zum erstenmal gehörten Jugendgottesdienst, ermahnte, ihn nicht etwa kritisch zu betrachten, sondern das Beste aus ihm herauszuhören, was er bot: jüdische Treue, jüdischen Idealismus, jüdischen Glauben einer jüdischen Jugend. Das Beste deshalb, weil hier nicht nur der Weg ist, auf dem jüdische Jugend den Weg zur jüdischen Zukunft findet, sondern weil es auch der beste Weg ist zu der jetzt so viel beredeten jüdischen Einheit. So viel werde von ihr gesprochen, daß man ihr Wesen ganz verkenne. Und doch war es nie anders bei uns, als daß diese Einheit — ganz im Sinne von Moses Mendelssohn — nicht in Gleichförmigkeit bestand, sondern in Mannigfaltigkeit, nie anders, als daß diese Mannigfaltigkeit doch wieder zusammengehalten wurde durch das Bewußtsein, durch die Erkenntnis, durch den Anblick jüdischer Treue, eines jüdischen Idealismus, jüdischen Glaubens an jüdische Zukunft, jüdischen Glaubens an Gott, durch Gott. So und nur so hat sich das Judentum erhalten, so wird es in alle Ewigkeit bestehen. Denn wie könne eine Gemeinschaft untergehen, in der überhaupt und in. der so viel jüdische Treue, jüdischer Idealismus, jüdischem Glaube aus allen Seiten vorhanden sei. Im vollen

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