Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 50 (11.12.1929)
- Date
- 1929-12-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2613366-2614000-2614050--3390-2620974- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 2× ep/1046078
- Guben 1× ep/1044673
OCR text
9. Jahrgang Nummer 50 Beilage 11. Dezember 1929 Umschau Henchmigung der Berliner Statutenänderung. Der Polizeipräsident von Berlin hat dem Potstand her Berliner Jüdischen Gemeinde in einem Schreiben vom 26. November mitgeteilt, daß die staatliche Genehmigung für den Nachtrag zum Gemeindestatut erteilt ist. Dadurch werden für Wahl und Zusammensetzung von Vorstand und Repräsentantenversammlung wesentliche Neuerungen genehmigt, die ein Abweichen von den Bestimmungen des Judengesetzes von 1847 bedeuten. Die Repräsentantenversammlung wird in Zukunst aus 41 Mitgliedern bestehen gegenüber bisher 21 und auf vier Jahre gewählt werden. Eine Teilausscheidung wie bisher und die Wahl von Steltvr'klretern findet also nicht mehr statt. Durch die Erhöhung der Mitgliederzahl der Repräsentantenversammlung wird eine Entlastung des einzelnen Repräsentanten bei der Arbeit in den Kommissionen Herbeigesührt. Ter Gemeindevorstand wird in Zukunst aus 11 Personen gegenüber bisher 7 Vollmitgliedern und drei Stellvertretern zusammengesetzt sein. Die Stellvertreter, die bisher bereits voll mitgearbeitet haben, ohne bei Entscheidungen mitstimmen zu können, kommen in Fortfall.' Die Amtszeit wird auch hier auf vier Jahre festgesetzt, läuft also gleichzeitig mit der Legislaturperiode der Repräsentantenversammlung. Dadurch wird verhindert, daß im Gemeindevorstand andere Mehrheitsverhältnisse bestehen, als in der Repräsentantenversammlung. ' Erstmalig werden Wahlen auf Grund dieser Bestimmungen in den letzten Monaten des Jahres 1930 stattfinden. Da diese Wahlen nunmehr eine völlig neue Verwaltung geschaffen haben werden, kommt ihnen natürlich eine besondere Bedeutung zu. Aegyplischer Einfluß auf Sprach« und Stil des Pentateuchs? Auf Einladung der Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft sprach der hervorragende jüdische Gelehrte Professor A. S. Aahuda (London) in der Berliner Universität über den Einfluß des Aegyptischen auf Sprache und Stil des Pentateuch. Professor Dr. Aahuda, der seine Studienjahre zum Teil in Deutschland (Heidelberg und Straßburg) zubrachte, war früher Dozent au der Hochschule, für die Wissenschaft des Judentums Berlin und später Ordinarius fürsemitische Sprachen an der Universität in Madrid. Sein zu Beginn dieses Jahres erschienenes Werk „Die Sprache des Pentateuch in ihren Beziehungen zum Aegyptischen" hat wegen seiner kühnen, aber scharf durchdachten Thesen viel Aufsehen erregt und Anlaß zu tiefgreifenden Diskussionen in Orientalistenkreisen gegeben. An dieses Werk knüpfte auch sein Portrag an. Professor Aahudas These ist es, daß sich die hebräische Sprache als Literatursprache unter dem Einfluß der Aegyptischen in der Zeit der Knechtschaft unter den Pharaonen aus einem primitiven kanaanätschen Dialekt entwickelt hat. Schon die frühesten Produkte der israelitischen Literatur, so argumentiert Aahuda, zeigen einen sehr hohen Stand im Ausdruck und Stil, sie sind in einer Schriftsprache verfaßt, die weit über die Stufe der primitiven Mundart eines in rohen Anfängen steckenden Volkes hinaus ist. Sie setzen daher eine lange Geschichte sprachlicher Bildung und Verfeinerung voraus. Die Kanaanäer Palästinas, die es niemals zu einer eigenen Schriftsprache und Literatur gebracht hatten, können nicht Anreger und Lehrmeister der eingewanderten Israeliten auf diesem Kulturgebiet gewesen sein. Also müssen die Anfänge der hebräischen Literatur .in die Zeit vor der Einwanderung der Israeliten in Palästina zu datieren sein, als sie noch unter dem Einfluß der hohen und alten Kultur des Pharaonenreiches gestanden haben. iiinniiiiininitiiniiiiiiiiiiiiiiittiiiitiiiiifiiiiiiiiiiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Annahme von Bestellungen aus die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands Das Schrifttum des Pentateuch ist in seinem Wortbestande wie in seiner religiösen und kulturellen Vorstellungswelt von zahlreichen ägyptischen Elementen durchsetzt. Aegypten hat den tiefsten und nachhaltigsten Einfluß aus das geistige Leben des alten Israel gehabt. Nach Aahuda hat Israel das Land der Pharaonen oereits als ein hochwertiges Kulturvolk verlassen, nicht — wie die alttestamentliche Wissenschaft bis jetzt annahm — als primitive Beduinen. Nach Aahuda erlebten die eingewanderten Israeliten in Kanaan infolge der Angleichung an die minderwertige kanaanäische Umgebung zunächst eine Epoche des Niederganges, und erst viel später den Aufstieg zur Höhe des Prophetismus. Aahuda versuchte an Beispielen die ägyptische Grundlage für zahlreiche kultische Riten und Vorschriften in den gesetzlichen Büchern des Pentateuch nachzuweisen. Dem Vortrag folgte eine lebhafte Aussprache, in der die Berliner Professoren Sellin und Bertholet in Anerkennung der von Aahudas Forschungen ausgehenden Anregungen dennoch gegen Aahudas These gewichtige Einwendungen machten und u. a. vorbrachten, daß die Tatsache des ägyptischen Einflusses aus das jüdische Schrifttum durchaus nicht beweise, daß dieser Einfluß in der Hauptsache in den ersten Anfängen Israels während seines Aufenthaltsin Aegypten erfolgt und daß der Pentateuch vor der Einwanderung in Palästina versaßt worden sei. Darlehen von 3 Millionen Ruhe! der Sowjet-Regierung M Mische Kolonisten. Der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion, der in seiner letzten Sitzung Beschlüsse betreffend Verbesserung, der Lage der Juden in den Kleinstädten gefaßt hat, hat in der gleichen Sitzung beschlossen, der Landwirtschaftsbank Order zu güben, eine Summe von drei Millionen Rubel für Darlehen an jüdische Kolonisten zur Verfügung zu stellen. 25 Jahre Israelitischer Gemeindebund in der Schweiz. Ter schweizetische Israelitische Gemeindebund beging in diesen Tagen das Jubiläum seines 25jährigen Bestehens. Am 27. November 1904 fand in Baden-Schweiz die konstituierende Versammlung oes Gemeindebundes statt, auf der 14 Gemeinden durch 27 Delegierte vertreten waren. Hervorgegangcn aus dem damaligen gemeinsamen Bestreben nach! Beseitigung des Schächtverbotes, setzte sich der Bund zum Ziele, „die allgemeinen Interessen des Judentums in der Schweiz zu wahren uno zu vertreten". Zum ersten Präsidenten des Bundes wurde der inzwischen verstorbene Dr. Hermann Guggenheim gewählt; heute steht an der Spitze des Bundes Herr I. Treyjus-Brvdsly, dessen 70. Geburtstag die Schweizer Judenheit vor kurzem feierte. Außer mit der Bekämpfung des Schächtverbotes und der Versorgung der jüdischen Gemeinden mit Fleisch rituell geschachteten Viehs aus oem Auslande befaßjt sich der Gemeindebund mit mannigfachen sozialen und religiösen Ausgaben, wie z. B. Zentralisation der Armenpflege, Unterstützung jüdischer Wanderlehrer, Erwirkung von Feiertagsurlaüb für jüdische Soldaten, Milderung der Not der Juden in den Pogrom ländern, Förderung der WolilfahrtseinAchtungen und schließlich systematische Bekämpfung des Antisemitismus. Unterstützt werden u. a. der Hilfsverein für jüdische Lungenkranke, der Lehrer und Kantorenverband, die Jeschitvah in Montreux und viele ausländische jüdische Organisationen. In der Delegiertenversammlung vom Mai 1929 waren 21 Gemeinden mit 2 566 Mitgliedern durch! 56 Delegierte vertreten. Es fehlen nur noch vier Gemeinden zur Vervollständigung des Zusammenschlusses. Im Hause seines Präsidenten Herrn I. Dreysüs-Brodsky feierte das Zentralkomitee des Schweiz. Jsr. Gemeindebunoes am 27. November das 25jährige Bestehen des Bundes und gleichzeitig den 70. Geburtstag des Präsidenten. Tr.!§. Charles Bollag und Tr. T. Farbstein würdigten die Persönlichkeit von I. Treyfüs-Brodsky, der sich in jahrzehntelangem segensreichem Dienste in der Oefsentlichkeit hohes Ansehen erworben hat. Herrn Dreyjus-Broosky wurde eine von sämtlichen Mitgliedern des Zentralkomitees Unterzeichnete Glückwunsch adresse nebst einer Radierung von Pros. Woljsfeld übergeben. In der Adresse werden die Vrdienste des Jubilars ausgezählt; zum Schluß heißt es: „Wann immer cs galt, den moralischen und materiellen Einfluß des Gemeindebundes in den Angelegenheiten des schweizerischen Judentums wie auch des Gesamtjudentums geltend zu machen, da haben Sie stets mit Freude und Opferwilligkeit in echt schweizerischer Gesinnung und aus jüdischem Herzen heraus Ihre ganze Person in den Dienst einer guten Sache gestellt." - Herr I. Trevsus-Brodsty spendete Fr. 10009 zugunsten des Gemeindebundes und Fr. 3 000 Kr den zu errichtenden jüdischen Friedhof in Davos. Noch immer Unruhen in Palästina Jerusalem, 4. Dezember. (I.T.A.) Der Arzt des Hadassah-Hospitals, Dr. Berkowitz, wurde, während er am Nachmittag auf dem Wege von der jüdischen Kolonie Jessoth Hamaala nach der Kolonie Hjeleth Haschachar in Nordgaliläa war, aus dem Hinterhalt anyeschossen und schwer verletzt. Zwei Aerzte aus Safed leisteten ihm die erste Hilfe und brachten ihn in das Safeder Hospital. Als die Hadassah Dr. Berkowitz einen Posten an ihrem Hospital in Beisan anbot, erschien der Scheich von Beer Sheba an der Spitze einer Delegation in Jerusalem und bat die. Leiter der Hadassah, den Arzt nicht aus Beer Sheba wegzunehmen. Ms er dock nach Beisan übersiedelte, besuchten ihn seine Freunde Üno zahlreiche Kranke aus Beer Sheba häufig in seinem neuen Wirkungskreis. Nach Ausbruch der Unruhen wurden sein Haus und die Apotheke in Beisan geplündert, er zog mit den übrigen jüdischen Einwohnern fort und übernahm die Leitung des Hadassah-Hospitals in Jessoth Hamaaläh, die ein anderer Arzt wegen der mangelnden Sicherheit im Verkehr zwischen den zu besuchenden jüdischen Kolonien Nordgaliläas ausgegeben hatte. Dr. Berkowitz zögerte nicht, dieses Amt, dessen Ausübung mit Lebensgefahr verbunden ist. anzunehmen. Während er im Auto fuhr, wurde er von den Kugeln getroffen. Die Aerzte halten seinen Zustand für ernst. Ein englischer Chirurg wurde aus Liberias zur Vornahme einer Operation an dem Ber letzten nach Safed gerufen. Jerusalem, 4. Dezember. (I. T. A.) Arabische Boykottagitatoren beschimpften und bedrohten zwei arabische Polizisten, die einen jüdischen Laden in der - Altstadt be traten. Es sammelte sich eine aufgeregte Menge, die schon Anstalten traf, die Polizisten anzugreifen, als eine größere Polizeitruppe herankam und die Menge auseinandertrieb. Ein arabischer Polizeirichter sprach das Urteil über die zwei Araber, dre am 28. Oktober den Juden Ben Hillel in der Jerusalemer Altstadt angegriffen haben. Der eine der Angreifer wurde zu einer Geldbuße von zwei Pfund oder 20 Tage Gefängnis, der zweite zu 20 Peitschenhieben veturteilt. Tie arabischen Siedler in der Nähe der Bads Havarit- Böden in der Ebene Schaaron haben vor dem Bodengericht Klage aus Räumung dieser vom Jüdischen.Nationalfonds erworbenen Böden seitens der diese Böden bearbeitenden Juden erhoben. Sie sandten auch Abordnungen an die Beduinen in Gaza, Beer Sheba und Transjordanien mit dem Ersuchen? ihre Klagen zu unterstiitzcn. Die arabischen Siedler, haben bereits Entschädigung für die Räumung dieser Böden, auf die sie keine Rechtsmittel besaßen, erhallen, und sich mit dieser- Räumung bereits vollkommen abgefunden. liberaler Führer „Die Gemeinschaft“ Vereinigung 1. fortschrittliches Judentum e. V. in Köln sucht einen jüngeren, entschieden liberalen Führer. Seine Aufgabe wird es vornehmlich sein, die heranwachsende Jugend in einem durchaus neuzeitlichen, lebensnahen Religionsunterricht an das Judentum zu fesseln und „Die Gemeinschaft" durch Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit kraftvoll zu fördern. Nur schriftliche Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnissen und Lichtbild erbeten an den Vorsitzenden der Gemeinschaft, Herrn Dr. Walter Blank, Köln, Hohenzollernring 46. (Steigerung 0.30) Sotten künstliche Seide, mit Flor plat tiert, moderne Dessins Pur 1” Socken Wolle plattiert, original englisch, mit elegantem Zwickel Paar Hemdhose Baumwolle, kräftige Qual., mit langen Beinen u. lang. Aermeln mmo« Gr.3 J mit halb. Aermeln Gr. 3 Trikot-Oberhemd weiss, mit Manschetten u. modern. Trikolet-Einsätzen Garnitur u«*. Beinkleid) Mako-Flor, MMg?» Jacquard-Muster. . . WEIHNACHTS-GESCHENKE so se Trikoiet-Oberhemd K.r.ge„. _ weissgrundig, mit farbigen Streifen ... m Trikoiet-Oberhemd weiss, beige u.weuT Trikoiet-Oberhemd 7" Weisses Oberhemd "Ji aS 8“ Trikoiet-Oberhemd heu n. 9” NaChthemd leinlädige Qualität . . , Pyjama au, mod. ösumvollslolkeit . jg Stehumlegekragen "-Sick 0.50 Moderne Binder ., sich. 2.« 1" CaeheneZ moderne Karo-Munter 6.25 4P* «o oo Sdmflrsdinhc braun oder schwarz Boxcalf oder Lack, feinste Rahmenarbeit, neueste Modelle.Paar 16 HailSJOPp€ Agraffen, Seiden-Verschnürung, andersfarb. Schal u. Aermelaufschl. SchlafrOCk Agraffen und Seiden- Verschnürung. HaUSJOPPe aus Waschsamt, mit kunstseid. Schal u. Aermelaufschl., 3 Agraffen Sakko-Anzug 2 reihig, mod. Muster, fesche Form, eigene Anfertigung . . UlStCr 2 reihig. kunstseidenes Aermel- und Sattelfutter, mit Rundgurt, blaugraue Farbtöne, eigene Anfertigung . SpOrt-PelZ Murmelstückenfutter, Bisamlamm - Kragen, fesche Form, moderne Muster.8ÄSP 16" 24" 43" 78” 78" KAUFHAUS WESTENS M QUALITÄTS WA ft EN OER