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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-12-11 · 50 (11.12.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
50 (11.12.1929)
Date
1929-12-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Btehrich. (Todesfall.) Die hiesige Gemeinde beklagt den Heimgang ihres ersten Vorstehers I. Kahn, der viele Jahre ihre religiösen Interessen mit außerordentlichem Geschick, mit Eifer und Selbstlosigkeit vertrat. Bei der eindrucksvollen Trauerkundgebung, an der eine große Schar von Freunden aus nah und fern teilnahmen, schilderte Bezirksrabbiner Dr. Lazarus das gemeinnützige Wirken des Verstorbenen. Auch Lehrer Sulzbacher gab der allgemeinen Trauer Ausdruck und rief dem Verblichenen Worte des Dankes für fein ersprießliches Wirken als Vorstand des Männer-Kranken-Bereins nach. Bonn. (Prediger Markus de Haas gestorbe n.) In Bonn verstarb in diesen Tagen hochbetagt der langjährig« Prediger und Lehrer der Israelitischen Kultusgemeinde in Pyrmont Markus de Haas. Der Entschlafene hat sein Amt in Pyrmont seit 1868 innegehabt und trat erst vor zwei Jahren in den Ruhestand. Lrannschweig. (D r. Gärtner, La nd eS r a b b i ne r in B r a u n sch w e ig.) Rabbiner Dr. Gärtner, bisher in Zwickau, wurde zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde Braunschivcigs und zugleich zum Landesrabbiner für den Freistaat Braunschlveig gewühlt. Dr. Gärtner ist Absolvent der Hochschule für die Wissenschaft des Juden tums zu Berlin und wirkte bereits als Rabbiner in Dresden und in München, seit 1924 in Zwickau. Danzig. (I ü d -i s ch e Frau e narbei t.) Im Anschluß an ein Referat, das Frau Berta Falkcnberg-Berlin vor den Vertreterinnen sämtlicher jüdischen Frauenorganisationen Danzigs hielt, wurde eine Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes gegründet. Die Ortsgruppe ist als Spitzenorganisation aller jüdischen Frauenvereine Danzigs und Zopvots gedacht. Wie im vergangenen Jahre entfaltet auch diesmal die hiesige Frauengrnppe des C.-V. eine rege Vereinstätigkcit. So veranstaltet sie im besonderen Vortragsnachmittage, an denen der Gemeinderabbiner Dr. Grün über Probleme der jüdischen Geschichte spricht und die sich eines großen Zuspruches aus allen Kreisen der Gemeinde erfreuen. Dortmund. (Amlseinsührnng von Rabbiner Dr. W i l h e l m.) Am vergangenen Sabbat sand die feierliche Amtseinführung des ncugewählten Rabbiners Dr. Wilhelm in der festlich geschmückteil Synagoge statt. — Jir herzlichen Worten begrüßte der greise Vorsitzende der Gemeinde, Herr David Leeser, Herrn Dr. Wilhelm und gab der Erwartnng Ausdruck, die die Gemeinde von der Wirksamkeit des neugewählten Rabbiners erfüllt. — Rabbiner Dr. Appel begrüßte den Amtsbruder. Mit den Worten der Sidrah des Sabbats: „Wir wollen einen Bund schließen mit Dir" wandte er sich an den Amtslollegen, im gegenseitigen gemeinsamen Wollen zum Wohle der Gemeinde in Einigkeit und Frieden zu wirken. — Unter Hinweis auf den Inhalt der' Sidrah antwortete Dr. Wilhelm. Als junger Mensch stehe er bereit, die alten Brunnen zu hüten und zu schützen; der Jugend wolle er ein Führer fein, daß sie sich selbst finde gemäß dem herrlichen Psalmworte: Dienet dem Ewigen mit Freude. — Am Nachmittag fand der erste Jngcndgottesdienst statt, in dem Dr. Wilhelm sich an die Jugend wandte; er bat sie, ihn als Freund und Kameraden zu betrachten, dem sie ihr Vertrauen entgegenbringen möchten. — Das Wort, das >vir am Schlüsse eines jeden Buches der Thora ausrufen: Chassak w'nischassil — Seid stark und fest!, das rufe er der Jugend zu. Nicht Abschlußworte seien es, sondern Er öffnungsivorte in Ertvartung der Lesung des neuen Buches der Thora. — So möchte er dem neuen Lebensabschnitt, dem er mit der Jugend entgegengehe, dieses Wort als Leitmotiv zu Grunde legen. Stark und fest, in Treue gemeinsam verbunden zu arbeiten und wirken am Aufbau jüdischen Lenkens und Denkens. Frankfurt a. M. (Die Jubiläumsfeier des P h i t a » thropins.) Am Sonntag, den 1. Dezember, beging das Philan thropin zugleich sein 125 jähriges Jubiläum und den 200. Geburtstag Lessings und Mendelssohns, die es zu seinen geistigen Vätern zählt. Vor mehreren Hunderten von Freunden und Gästen, die nur schrver und viel zu eng in der Aula des Instituts unterkamen, sprach eine große Zahl von Rednern über die Ideen und die Erfolge der Schule. Nach einer musikalischen Einleitung begrüßte Dr. Merzbach als Vorsitzender des Schulrats, der den juristischen Träger und zugleich die Leitung der Schule darstellt, die Versammlung. Er sprach von der Entlvicklnng aus kleinen Anfängen zu einem Schnllverk, das — wohl als erstes in Deutschland — eine geschlossene Einheit vom Kindergarten bis zur Hochschule darstellt. Dr. Driesen, der Direktor der Anstalt, zeichnete dann in einer temperamentvollen Festrede die Entwicklungslinie des Philanthropins in ihrer Verknüpfung mit der Geschichte der beiden Komponenten, deren innere Verbindung das Ziel der Schule darstelle: deutscher und jüdischer Gedanke. An diese Festrede schloß sich die lange Reihe der Gratulanten. Oberpräsident Dr. Schtvander hatte in einem Telegramm seine Glückwünsche ausgesprochen. Justizrat Dr. Blau, der Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde, erinnerte daran, daß Gemeinde und Philan»- thropin in guten und schlechten Zeiten miteinander verbunden gewesen seien. Auch jetzt wieder in schlechten Zeiten wolle die Gemeinde nach ihren Kräften für die Zukunft der Schule eintrelen. Stadtrat Dr. Keller, als Vertreter des Oberbürgermeisters, des Magistrats und der Städtischen Schulverwaltung, bezeichnet« das Philanthropin als ein Institut, das noch heute in der Reihe der Frankfurter Schulen die Aufgaben zu erfüllen habe, von denen seine Gründer sprachen: voran die Pflege wahrer Humanität. Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Küntzel, überbrachte in gleichermaßen formvollendeter wie lebendiger Rede die Wünsche der Universität und der Pädagogischen Akademie. Die Universität sei in mannigfacher Weise mit dem Philanthropin verbunden, nicht allein durch die Schüler, die sie weiter * Verfammlungskalender ★ Oppeln. Am Freitag, de« 13. Dezember, drt Translateur. Diskusfiousabend über: „Angriff und Abwehr" von Stern und ferner über: Anti- Anti'Blatter zur Adwehr, herausgegeben vom C.»v. Berlin. ¥ Gottesdienste * Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag» 13. Dezember, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. S a l o m o n f k i. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Aula der Mädchenschule Kaiserstrabe). Wegen technischer Schwierigkeiten findet der ErSffnnngsgottesdienst erst am Freitag, den 20. Dezember, 7.15 Uhr abends, statt. Einweihungspredigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Liturgie Ober, kantor Wilhelm Friedmann. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistitowstraße 7, »ah« Reichskanzler Platz). Freitag, 7 Uhr abends. Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Galliner. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Tecilienfchnle, Nikolsburger Platz). Freitag, 13. Dezember, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Prof. Dr. Wölbe. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienst« am Sonntag, den 15. Dezember. Johanntsstraße 16: vormittags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Jelski. Kleiststratze 10: vormittags 10.30 Uhr. Predig: Dr. Lehmann. ausbilde, sondern auch durch eine Reihe ihrer Förderer, die aus der Erziehung des Philanthropin Verständnis für die Aufgabe der Universität in ihr Leben mitgenommen hätten, vor allem aber durch den gemeinsamen Ursprung im Geist des deutschen Humanismus. Dr. Moser sprach für den Elternbeirat, Dr. Simons für die ehemaligen Schüler, Oberstudicndirektvr Liermann für die Frankfurter Schuldirektoren, Studienrat Dr. Hirsch für die Philologcnverbände und Dr. Strauß für die drei Frankfurter Logen des Unabhängigen Ordens Bnei Brith. Zum Schluß würdigte noch Gchcimrat Walter, der frühere Leiter der Mnsterschule, den vorletzten Leiter der Schule, Direktor Baertvald, seinen Nachfolger Adler und den jetzigen Direktor Driesen, der große Verdienste um die Entlvicklnng der moderne»» Pädagogik habe. Er schloß mit einem .Hoch auf die Schule, in das die Versammlung lebhaft einstimmte. , Froiburg. (Professor Jonas Cohn 60 Jahre.) Am Sonntag, den 1. Dezember, vollendete der Professor der Philosophie an der Freiburger Universität Jonas Cohn sein 60. Lebensjahr. Der Gelehrte wurde 1869 in Görlitz geboren und habilitierte sich 1897 in Frciburg, wo er vier Jahre später zum Extraordinarius ernannt »vurde. Er ist einer der bedeutendsten Neukantianer und nimmt zwischen der Marburger Schule (Hermann Cohen) und der süddeutschen Schule des Neukantianismus eine selbständige Stellung ein. Er schrieb: „Geschichte des Unendlichkeitsproblems" (1896); „Allgemeine Aesthctik" (1901); „Voraussetzungen und Ziele der Erkenntnis" (1908); „Der Sinn der gegenwärtigen Kultur" (1914); „Geist der Erziehung"' (1919); „Theorie der Dialekte" (1923). Am bekanntesten wurde seine in mehreren Auflagen erschienene „Charakteristik führender Denker". Seine Selbstdarstellung erschien in der bekannten Meinerschen Sammlung „Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen". Hamburg. (Tagung des N o r d w e st d e u t s ch e n Rabbi n e r v e rb a nd e s.) Am 1. Dezember 1929 fand im Sitzungssaale der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg die 3. Tagung des Nordwestdcutschen Rabbinerverbandes statt, die von Rabbiner Bamberger-Wandsbek geleitet »vurde. Rechtsanwalt David begrüßte die Versammlung namens des Vorstandes der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. In seinem Referate „Religion und Großstadt" lennzeichnete Rabbiner Dr. Abcr-Bremen die religiöse Situation der. Großstadt und behandelte die Wirkungsmöglichkeite» des Rabbiners in ihr. Das darauf folgende Referat von Rabbiner Dr. Italiener-Hamburg „Dantes Stellung zum Problem Politik und Moral" »vies aus den starken Einfluß der prophetischen Ethik auf Dante hin, der keinen Unterschied ztvischen privater und Staatsmoral gelten lasse. Die Nachmittagssitzung wurde durch einen halachischen Vortrag von Rabbiner Bamberger-Wandsbek eingeleitet. Dann beschäftigte sich Pros. Markon Zeugungen preisgegeben, nie eines seiner Ideale verleugnet. Wofür er in der Jugend gekämpft, dafür hat er noch im Atter, wenngleich kampsesmüde und am Erfolg verzweifelnd, tapfer eine Lanze gebrochen. Vielleicht mußte ein Ludwig Börne gerade aus dem Ghetto kommen, wo sein junges Gemüt hunderterlei Fragen bestürmten. „Der junge Löw teilte mit pielen aufgeweckten Kindern die Gabe, viel fragen zu müssen; aber nur mit wenigen Auserwählten die wichtigere Gabe, später zu bündigen Antworten zu kommen. Ein Löw Baruch fragte; der Ludwig Börne antwortete." S. Meisels. „Altes und Neues Testament" So lautet die Ueberfchrift eines Aufsatzes von Robert Boßhart im Dezemberheft (1929) der Monatsschrift „Der Türmer". Wenn auch der Verfasser offensichtlich bemüht ist, in der Stellungnahme zur Juöenfrage Gerechtigkeit und Menschlichkeit walten zu lassen, so verharrt er dennoch — bei völliger Unkenntnis des jüdischen Schrifttums — in den alten schwer ausrottbaren Vorurteilen gegen das Judentum. Wir begegnen hier wieder den alten so oft widerlegten Jrrtümern, wie daß die alttestamentliche Wett etwas Unerlöstes, Starres an sich habe, daß über dem Leben des alttestamentlichen Menschen das Gesetz stehe (siehe dagegen 3. B. M. 18, 5: Beobachtet meine Gesetze und meine Rechtsvorschriften; wer sie übt, wird durch sie leben. Das heißt, die Vorschriften wirken lebenerhaltend und lebenfördernd!), das dem Menschen verbietet, das Böse zu tun, aber ihn nicht lehre, das Gute zu tun und dann würde die gute Tat durch Aussicht aus Lohn ihres tiefsten Sinnes beraubt. (Siehe dagegen den ethischen Mischna-Traktat Pirke Abot 1, 3: Seid nicht den Knechten gleich, die dem Meister in der Absicht dienen, Lohn zu empfangen. Die Ehrfurcht von Gott sei über euch!) Wir wollen uns nicht in eine weitere Polemik mit dem Verfasser einlassen, sondern ihm empfehlen, sich in die unlängst erschienene Schrift des Leipziger Privatdozenten T. Paul Fiebig zu vertiefen: Der Talmud, seine Entstehung, sein Wesen, sein Inhalt unter besonderer Berücksichtigung für die neutestamentliche Wissenschaft" (Leipzig 1929). Dieser Gelehrte kennt die Quellen des Judentums und kann es daher vorurteilslos würdigen. Der erwähnte Aufsatz hat nur insofern besonderes Interesse für uns, weil er im Gegensatz zu der rechtsstehende»r Presse gegen diejenigen Front macht, die das Alte Testament in hetzerischer Absicht bekämpfen. „Für den christlichen Menschen freilich", meint der Verfasser, „sollte die Stufe des Gesetzes Voraussetzung sein, Grundlage, aus der er den Tempel der Liebe errichtet, darin die Freiheit wohnt." Das ist auch unser sehnlichster Wunsch, denn das Gebot der Liebe steht ja im Mittelpunkt der jüdischen Religion. Sehr wahr bemerkt der Verfasser weiter: „Es ist offensichtliche Torheit und zeugt von wenig Selbsterk e n n t n i s, wenn Menschen das Gesetz aus d e m Leben schaffen und das Alte Testament verneinen wollen." (Vom Verfasser gesperrt!) Und weiter: „Das Gesetz ist doch nicht die Ursache der menschlichen Greueltaten, die da geschildert sind. Vielleicht ist das gerade das Großartige des Alten Testaments, daß es mit wahrhaft monumentaler Kraft das Wesen der Welt in seiner ganzen Unerlöstheit und Nichtigkeit erfaßt. Glauben wir denn unsere Welt böte gegenüber dieser Schilderung ein wesentlich anderes Bild dar? — Der Verfasser wendet sich dann gegen das Wort von der Berjudung" des Christentums. Hier gehen unsere Wege auseinander, wenn er sagt: „Es gibt getaufte Christen, die wahrlich verjudet sind, und es ßibt Juden, die Christus in der Seele erlebt haben." „Verludet" ist nach ihm „der, der im Haß lebt"., Wir verwahren, uns dagegen, daß der Begriff „Jude" Haß mhäeriert. Es ist gehässig, so etwas zu behaupten. Und wenn Juden „Christus erlebt haben", so können wir das nur so inter- Hamburg mit der zukünftigen Vor und Ausbildung' 'des Rabdineirs- Den Abschluß bildete das Referat von Dr: Näthach-'dem Syndikus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, „Die rechtliche SttÜnntz der Rabbiner Nvrdwestdeulschlaiids", das den engen Zusammenhang der Stellung des Rabbiners mit der Rechtsgeschichte des bet ressende« Landesbehandelte. Der Vorsitzende des Allgemeine» Deutschen Rabbinerverbandes Dr. Baeck-Berli» »vohnt« der Sitzung bei nn^.begrüßte .die Versammlung in einer gehaltvollen Rede. ’ v .. Hamburg. (Jubiläum.) Kürzlich konnte hier Herr Jarpß Ball sein 40 jähriges Geschäftsjnbiläum als Inhaber -dep Firrya Louis Schröter ör Co. begehen. Der Jubilar nimmt ip der allgemeinen wie auch besonders in der jüdischen Welt HänchnWs, «fnV g(Aachtete Stellung ein; er gehört dem Hauptvorstand der „Bereinigung für das liberale Judentum" so»vie deren Hamburger Ortsgruppen^ Vorstand an und war auch während vieler Jahre Ausschuß-MrtgliÄ» des Hamburger Tempelverbandes. Dem Jubilar gingen zahlreiche Ehrungs- und Anerkennungskundgebungeu zu. Auch wir wollen an dieser Stelle dem langjährigen bewährtcn Freund unsere Glückwünsche: aussprechcn. Hannover. (Aus G e m e l II d e k o l l e g u n d G e m e i » d everein.) In der vorletzten Repräsentantensitzung »var bei der Verabschiedung des neuen Berivaltnngsstatuts mit 8 gegen 7 Stimmenabgelehnt worden, daß die Herren Rabbiner im Kolleg Sitz und. beratende Stimme haben sollen. Die damals bereits aufgetauchten. Meinungsverschiedenheiten führten zu einem neuerlichen Versuch, diesen, ablehnenden. Beschluß auszuheben. In der Kollegssitzung vom 4. Dezember gab Herr Kommerzienrat Berliner einen eingehenden Bericht über die Verhandlungen, die in den verschiedeiren Gremien zur Regelung' der strittigen Frage stattgefunden haben. Da dem ztveiten Ortsrabbiner vor seiner Einführung in Hannover ganz bestimmt« Zusagen' in der fraglichen Angelegenheit gemacht »vorden sind, galt es, einen Wog zu finden, der beiden Teilen entgegenkommt. Nach längerer Aussprache nimmt das Kolleg einstimmig folgenden Passus an: „Solange die fetzige Landrabbinatsgesetzgebung besteht, wird der Vorstand ermächtigt, zu den jeweiligen Repräsentantensitznngen die Orts*: rabbiner hin zuzuziehen." — Trotzdem dieser Beschluß einstimmige Annahme fand, erklärte .Herr Dr. Schwarz (Einheitspartei), er vertrete nach wie vor die Ansicht, daß auch mit dem soeben gefaßten Beschluß den Rabbiner» noch nicht die Stellung eingeräumt sei, die ihrer würdig ist. Der Verein zur Pflege der Interessen der Synagogengemeinde hielt seine gut besuchte Generalversammlung ab. Nachdem Herr Wechs-> ler den Rechenschaftsbericht vorgelegt hatte, »vurde dem Vorstand .einstimmig Entlastung erteilt. Die .Herren, die der Vorstand zur' Wiederwahl vorschlug, wurden ohne Aussprache einstimmig »vjeder-- gelvählt. — Es »vurde beschlossen, die Gemeindemitglieder aufzlw, fordern, die tumusgemäß ausschcidenden Mitglieder. - des Repräserv-, tantenkollegiums wiederzuwählen. — Herr Wechsler verlas die ein?.' zelnen Paragraphen des kürzlich verabschiedeten Verwaltungsstätuts.' In der Aussprache betonte Herr Dr. Schleisner, daß es -sich hierbei nur um Uebergangsbcstimmungen handele. Das neu zu wählende, Kolleg solle-sich das Haus, in dem es walten »volle, selbst einrichten... — Herr R -A. Block erklärte für die jüdisch-demokratische Bosis?- partei, es sei bedauerlich, daß mail mit der Aendcrnng nicht gleich-' zeitig das allgemeine und gleiche Wahlrecht mit einführe. Auf Wunsch der Versammlung legt dann Herr Rabbiner Dr. Schorsch ausführlich dar, »vie er versucht und erreicht hat, die Jugend wieder für die Ge-' meinde zu interessieren und religiös zu intensivieren. Aber Judentums' sei. keine Angelegenheit der Kinder, sondern der Er»va-chsen«n. Aus diesem Grunde würde er es besonders begrüßen, »venu die Kurse des vor Jahresfrist gegründeten Lehrhauses stärker besucht würden. — einem Appell, recht zahlreich den» Verein beizntreten, schließt die zlvei-.- stündige Versammlung. Karlsruhe. (Tagung der badischen L a ,1 d e s s y » v d e.) Am 1. und 2. Dezember tagte zum erstenmal nach den Neuwahlen die badische Landessynode. Entsprechend den Vereinbarungen waren getvählt »vorden 2 liberale Rabbiner, ein liberaler Lehrer und 15 liberale weltliche-Abgeordnete, auf konservativ-zionistischer Seite 1 Rabbiner, 1 Lehrer und 13 weltliche Abgeordnete, ein Abgeordneter gehört keiner Partei an. Ein Wahlkampf hat nur in zwei Wahlkreisen pretierm, daß sie edeldenkende Menschen sind, die doch auch wohl unter den Juden anzutreffen sind. Wir sind noch im Lessiugjahr: Sind Christ und Jude eher Christ und .Jude als Mensch? Nach dem Verfasser gibt es „nur eine wirkliche Lösung der Judenfrage: Wir selber müssen Christen werden." „So sollten wir nicht ans jene hören, die im Namen Christi uns den Haß lchren! Es sind falsche Propheten. Allen Menschen aber, die die Wahrheit suchen und sich einem Führer unvertrauen wollen, sei eines gesagt: Wenn hinter den Worten eines Menschen nicht ein streng wahrhaftiger C ha takter steht, der sie deckt, »venn aus ihnen nicht eine.unbedingt reine Gesinnung spricht, dann sind diese Worte auch nicht wahr. Und klingen sie noch so fromm oder scheinbar weise: Die Wahrheit spricht nur der Mensch, der sie lebt." Wir sehen, daß der Verfasser die Psychologie des Judenhassers genau kennt. .' Dr. M. S p a n i e r, Magdeburg. Relativitätstheorie Der Abendausgabe des Vorwärts vom 30. November entnehmen wir nachstehende Einstein-Anekdote: „Gelegentlich des Festessens anläßlich der Entgegennahme des Ehrenddktv-; rats der Sorbonne wurde Einstein gefragt, wie es. mit seiner Relativitätstheorie stehe. Einstein erwiderte darauf: „Wenn sie sich bestätigtwird Deutschland sagen, daß ich ein. Deutscher sei, Frankreich aber wird behaupten, ich gehöre, der ganzen Wett. Bestätigt sie sich aber nicht, dann sagt mau in Deutschland, Einstein ist Jude, Frankreich «Lern: wird behaupten, ich sei ein Deutscher." T -y i :: :

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