Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 49 (4.12.1929)
- Date
- 1929-12-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2614000-2614049--3383-2620966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
In ,furchen hat, die Möglichkeit der Verwendung'von Espernnto.! lSSs wurde sowohl als Kongreßals auch als einzige Uebersetzungssprache gebraucht. Dadurch wurde auch die Dolmetschersprache auf ihr normales Maß zurückgeführt. Aber tönuen wir wirklich von Völkerbund und Landerregierungen soviel für Weltfrieden und Weltsprache erhoffen? Der Völkerbund hat bereits im Jahre 1921 eine Resolution gefaßt, in der man beschloß, Esperanto in den Schulen lehren zu lassen; fast alle Länder der Welt stehen dem Esperanto freundlich gegenüber und versprechen bei jeder passenden Gelegenheit die größtmöglichste Förderung. Dies alles hat aber bis jetzt wenig genutzt. Es fehlte die Unterstützung der Einzelnen. Wohl ist dieser Weg der behördlichen Initiative für unsere Zeit typisch, aber umgekehrt müssen wir Vorgehen. Das Volk muß für diese Ideen gewonnen werden und die Aufgabe der Regierungen wäre es dann, einen bestehenden Zustand zu sanktionieren. Selbst der Polizeistaat konnte seine Untertanen nicht zum Richtigen zwingen. Um die Ideen Weltfriede und Weltsprache einzuführen, müssen die Einzelnen die Einzelnen überzeugen. Auch der Kelloggpakt, selbst wenn er vollendet wäre, könnte den Weltfrieden nicht sichern, wenn der Idee der Nachhall im Volke fehlt. Hochachtungsvoll Günther-Werner Simon. Woran die Zuden schuld find Nr. 21 der „Deutschen Tonkünstler-Zeitnng" vom 5. Ist 29, dem offiziellen Blatt des „Reichsverbandes Deutscher TmMnstler und MuMchrer e. B." Berlin, der in seinen Statuten ausdrücklich sestgelegt hat, daß der Verband politisch und konfessionell parteilos ist und der diese Parteilosigkeit vorbildlich durchführt, steht in einem Bericht «über die „erste englisch-amerikanische Sommermusik-Kon,erenz in Lausanne" von Dr. Hermann Reichendach--Berlin wörtlich folgendes, das anscheinend von einem amerikanischen Mitglied geäußert wurde: .. Die eigenartige Stellung zur Jazz-Musik, die nicht etwa als internationaler Sieg der amerikanischen Mljsit gepriesen wurde, sondern von der überhaupt nur halblaut gesprochen werden durste. Ein Redner erklärte, daß die Amerikaner überhaupt nicht verantwortlich dafür seien, sondern eingewanderte russische Juden. ..." Jetzt wissen wir es nun ganz genau: die Juden (und die Rachnhrer) sind nicht nur am Kriege schuld, sondern, was ja anscheinend in Amerika viel schlimmer ist, auch noch an der Jazzmusik. Dabei wäre ja nichts schlimmes, wenn man nicht in ocn „besseren" Kreisen von Paneuropa und Panamerika der Meinung wäre, der Jazz sei etwas Minderwertiges. Und etwas so Minderwertiges könnte natürlich nur von den Juden erfunden fern. Es ist hier nicht der Ort auf die ungeheure Bedeutung, die die Jazzrhythmen und die ganze Art dieses Musizierens auf die europäische Musik gehM hat, hinzuweisen, das gehört in ein Fachblatt. — Es sollte nur gezeigt werden, zu 'welch absonderlichen Behauptungen man sich in einer offiziellen Konferenz versteigen kann, ohne ausgelacht zu werden. Dr. Oskar Guttmann, Breslau. Aus hm Gemeinden Berlin. (R. {. F. und der Kampf des deutschen Judentums.) Ueber die um 24. November in Berlin stattgefundene Hauptversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten wird das folgende Kommuniquee verbreitet: Bei den in jeder Beziehung so schweren Zeiten für unser Vaterland, bei der immer größer werdenden Not jedes Einzelnen von uns war es besonders wichtig, daß unser Bund zu all den wichtigen schwebenden Fragen unserer Zeit wieder einmal Stellung nahm. Schon am Abend des 23. November 1929 fand eine Vorbesprechung der Landesverbandesvorsitzenden und Mitglieder des engeren Bundes vorsitzeichen im großen Sitzungssaal des Bnndesbüros statt. Es wurde über eine Reihe wichtiger Bundesangelegenheilen in ungezwungener festgestellt werden, daß trotz der verschiedenartigen Schichtungen unserer vollste Einigt eit über die Ziele des Bundes herrscht, und daß ein Mitglieder in politischer, gesellschaftlicher und sonstiger Beziehung und unverbindlicher Weise gesprochen. Es konnte aber schon hierbei besonderer Kitt für unsere Organisation die erprobte, feste Kameradschaft ist. Dies trat auch hervor bei dem auf diese Besprechung folgenden Bierabend, zu dem unsere Ortsgruppe Berlin die auswärtigen Kameraden in den Römersaal bei Kroll eingeladen hatte. Unsere Berliner Kameraden haben es diesmal ganz besonders gut verstanden, in einem geschmackvollen Rahmen durch ausgezeichnete Darbietungen in Wort und Schrift schnell die innige kameradschaftliche Stimmung zwischen all den Kameraden aus den verschiedensten Teilen des Reiches und den bekanntlich bei uns ebenso wie auch anderswo manchmal zu Unrecht mir zu wenig Liebe beurieiltcn Berlinern herzustellen. Auch der Vorsitzende unserer Ortsgruppe in New Dort, Kam. Gü ns b arger, überb rächte uns die Grüße der dortigen Kameraden. Bei der Versammlung wurde zunächst schriftlich der Geschäfts- ' l>ericht des Kam. Landsberger überreicht. Dann erstattete Kam. Grünpeter den Kassenbericht und die Aufstellung des Etats. Hierauf hielt der Bundesvorsitzende Kam. Dr. Löwenstein ein ausführliches Referat über die politische Situation und Fahrtrichtung des Bundes. Alsdann fand die Beratung der Anträge statt. Unter diesen ist der bemerkens- Werteste der bezüglich des „Schild"; der eine Lieferung des Bundesvrgans nunmehr an alle Kameraden des Bundes möglichst bald herbeiführen soll. Am Nachmittag hielt Kam. Eisenkrämer ein Referat über „Die Lag? der Juden in Deutschland" und Kam. Dr. Meyer- Bonn ein Referat über „Die Lage der Juden im Westen". An diese Referate knüpfte sich eine sehr ausführliche und auf hohem Niveau verlaufene Generaldebatte bis zum Schluß der Hauptversammlung um 8 Uhr abends. Unter den teilnehmenden Kameraden war man einstimmig der Ansicht, daß diese Hauptversammlung in Bezug auf Inhalt und Ergebnisse wohl mit an erster Stelle unter allen bisherigen Versammlungen steht. Sie ist die Ein.eitung zu weiteren Aktionen des R.j.F. in dem Kainpf des deutschen^ Judentums für seine Stellung, seine Ehre und sein Recht im Deutschen Vaterlande, für das wir jüdischen Frontsoldaten einst Hand in Hand mit unseren nichtjüdischen Kameraden zusammenstanden, und für das auch 12 000 jüdische Kameraden aus dem Felde der Ehre geblieben sind. Berlin. (Beratung von Mitgliedern der deutschjLdi scheu Jugendbewegung.) Am 20. November fand rn Berlin eine Aussprache von euva 40 Aelteren der deutschjüdischen Jugendbewegung vornehmlich aus dem Aelterenbund Kameraden, dem Wonderbund der Kameraden und der Deutsch-jüdischen Jugendgemeinschaft über die politischen Ereignisse innerhalb des deutschen Judentums statt. Dabei kam zum Ausdruck, daß die Mitarbeit an der Jetvish Agency und am Palästinaaufbau aus Verantwortungsgefühl vor den gesamtjüdischen Aufgaben notwendig sei. Es müsse aber gegenüber einigen Auslassungen von zionistischer Seite betont werden, daß dieser Kreis nach wie vor seine Hauptaufgaben innerhalb des deutschen Judentums sähe. Man war sich darüber einig, daß der Kampf antizionistischer Kreise gegen Palästinaaufbau und Agency gerade von den Ausgaben, die dem deutschen Judentum gestellt sind, abführe und insbesondere nicht geeignet sei, die politische Atmosphäre zu entgiften. Es ist beabsichtigt, den Kreis der Aelteren zu erweitern und in ihm die jeweilig wichtigen Ereignisse zu besprechen. Breslau. (Repräsentantensitzung.) Die Sitzung der Gemeindevertretung am 28. November beschäftigte sich wahrend ihrer vierstündigen Dauer fast ausschließlich mit den beiden Aufrufen „Hilfe durch Aufbau" und „Erklärung deutscher Juden". Die tibe«- rale Fraktion der Gemeindevertretung hatte dazu folgende Bertrauens-- erklärung abgegeben: „Die liberale Fraktion der Gemeindevertretung hat mit Bedauern und Empörung davon Kenntnis genommen, daß innerhalb der Gemeinde eine Hetze gegen die Vorsitzenden und hochverdiente Mitglieder der Gcmeindekörperschaften und einen der Gemeinderabbinen gerichtet worden ist, weil sie die als Antwort auf dem Aufruf der Jewish Agency erschienene „Erklärung deutscher Juden" unterzeichnet haben. Die Fraktion beklagt es insbesondere aujs tiefste, daß auch Mitglieder der Gemeindevertretung sich an diesen Angriffen auf Männer und Frauen, deren rastlose Tätigkeit für das Wohl der jüdischen Gesamtheit ihnen aufs genaueste bekannt ist, beteiligt haben. Sie weist den Einspruch derjenigen, welche es den Führern der Gemeinde verwehren wollen, einer in den öffentlichen Tageszeitungen erschienenen, von ihnen als falsch und irreführend erkannten Darstellung an den gleichen Stellen eiu-- gegenzutreten, als eine Verletzung des Rechts der freien Meinungsäußerung auf das bestimmteste zurück. In der Erwartung, daß die Angegriffenen sich bei ihren Maßnahmen und Entschließungen auch in Zukunft lediglich von ihrem Gewissen und ihrer Ueberzeugung leiten lassen werden, spricht sie ihnen ihr Vertrauen aus." Der Fraktionsvorsitzende, Rechtsanwalt Spitz, begründete die Erklärung. Er griff zunächst ans die Aufrufe zurück, beleuchtete die Zeit ihrer Entstehung und gab der Ansicht Ausdruck, daß auf eine politische Erklärung eine politische Antwort gehörte. Ganz besonders wandte er sich den Vorgängen in Breslau, zu, den Schimpfkanonaden der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" und den unverantwortlichen Ereignissen bei der beabsichtigten Gründung einer Mittelpartei, denen die zionistische Partei an keiner Stelle entgegcngetreten wäre. Dr. Tarnowski (lib.) ging die „Erklärung deutscher Juden" durch, bewies ihre Berechtigung und betonte, daß sie eine Erlösung in weiten Kreisen der deutschen Judenheit und darüber hinaus gewirkt hätte. Der Vorsitzende des Vorstandes, Geheimrat Goldfeld, und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Justizrat Perser, bekannten sich erneut zu ihrer Unterschrift. Die Versammlung wird ferner davon benachrichtigt, daß der Vorstand dem liberalen Gemeinderaöbiner einstimmig (bei zwei Stimmenthaltungen) sein Vertrauen zum Ausdruck gebracht habe. Die Gegenseite, bestehend aus der konservativen und der zionistischen Fraktion der Gemeindevertretung, gab folgende Erklärung ab: „In einer Annonce, die in einigen Tageszeitungen Deutsch' lands erschienerr ist, hat eine Anzahl von Naumannianern und liberalen Juden gegen die erweiterte Jewish Agency und gegen das jüdische Aufbauwerk in Palästina Stellung genommen. Die Annonce erhebt gegen die Unterzeichner des Aufrufs „Hilfe durch Aufbau" den Vorwurf der „Irreführung", beschuldigt die Anhänger des Palästina-Aufbaus einer Gefährdung der religiös-sittlichen Aufgabe des Judentums, nimmt für die Gegner des Palästina-Auf baus in Anspruch, sich „als Glieder des deutschen, nicht eines jüdischen Volkes" zu betrachten, und unterstellt damit den zionistischen und nichtzionistischen Anhängern des Palästina-Aufbaus einen minderwertigen Patriotismus. Die Annonce trägt u. a. die Unterschriften des Vorstands, des Vorsitzenden der Gemeindevertretung und des liberalen Gemeinderabbiners der Synagogengemeinde Breslau. Bei aller Anerkennung des Rechts freier Meinungsäußerung stellen wir fest, daß die Genannten die durch ihre Aemter begründeten Pflichten verletzt haben, und begründen diese Feststellung wie folgt: Das Judentum als Gesamtheit ist durch Form und Inhalt der Annonce vor aller Welt herabgewürdigt worden. Es ist eine Versündigung an der jüdischen Gesamtheit, in der Form von Zeitnngsinseraten den innerjüdischen Kampf zu führen und ein aufbauendes jüdisches Werk vor der nichtjüdischen Oessentlichkeit anzngreifen. Die in der Annonce enthaltenen Verdächtigungen der Anhänger des Palästina-Aufbaus sind Material für antisemitische Aufhetzung. Die in Palästina erscheinende arabisch-nationalistische Zeitung „Felestin" hat die Annonce abgedruckt und sie als Material zur Hetze gegen die palästinensischen Juden verwendet. So haben ein Gemeinderabbinec und die Vorsitzenden der beiden Körperschaften der Synagogengemeinde Breslau anstatt pflichtgemäß die Interessen aller Gemeindemitglieder und des gesamten Judentums unparteiisch zu schützen, das Ansehen deutscher Juden und insbesondere auch der Synagogengemeinde Breslau beeinträchtigt und aus Mangel an politischer Voraussicht der palästinensischen Judenheit mitten in ihrem schwersten Kampfe Schaden zugesügt." Repräsentant Jacobsohn (Zionist), der zur Begründung das Wort nimmt, wirft den Gegnern völligen Mangel an politischer Einsicht und Unfähigkeit vor, nennt die „Erklärung" eine „elende" und rückt in seinem Schlußwort nur von den Schimpfereien ab. Repräsentant Nothmann (Zionist) bespricht in seiner Auffassung die Aufrufe. Für die konservative Fraktion spricht Dr. Sch'.eiinger; er erwartet den Widerruf der Unterzeichner. Zu Beginn der Sitzung hatte der Vorsitzende dem kürzlich verstorbenen früheren Vorstandsmitgliede Verlagsbuchhändler Max Marcus einen ehrenden Nachruf gewidmet. Der Versammlung lagen die Schlußabrechnungen über den Bau des Almemors und der Reparatur der Alten Synagoge (Mk. 34 500,—) und den der neuen Orgel in der Neuen Synagoge (61500,— Mk.) zur Zustimmung vor. Dem jüdisch-theologischen Seminar wurde zum 75 jährigen Jubiläum ein Ehrengeschenk von Mk. 3000,— nachträglich bewilligt. Provinz Hannover verliert in dem Verstorbenen eins seiner ältesten und rührigsten Mitglieder. Durch sein persönlich gewinnendes Wesen, seine pädagogische Tüchtigkeit und seine Treue und Hilfsbereitschaft gegen seine Freunde wird Hermann Bach bei allen, die ihn kannten und schätzten, in ehrendem Andenken weiterleben. Köln. (I u st i z r a t C a l l m a n n s. A.) Zu Beginn der vergangenen Woche ist Justizrat Dr. Max Callmann im Alter von 72 Jahren hcimgegangen. Er gehörte viele Jahre dem Vorstand der Synagogengemeinde an und war eines seiner hervorragendsten Mitglieder, der sich durch Klugheit, geraden Sinn und feinen Humor auszeichnete. Auch als Stadtverordneter ist Justizrat Callmann hervorgetreten. In allen Gremien, in denen er tätig war, ersieute er sich hohen Ansehens. Köln. (Das Gemeindeblatt und die Kultustrennung vor der Repräsentanz.) In der letzten Sitzung befaßte sich die Repräsentanz mit zwei wichtigen Vorstandsvorlagen. Der Vorstand hatte die Herausgabe eines offiziellen neutralen Gemeindeblattes beschlossen und einen Schriftleiter gewählt, der mit der Erledigung der Vorarbeiten betraut war. Daraufhin erhoben die Konservativen und die Volksparteiler Widerspruch. Der Vorstand sah sich veranlaßt, die Angelegenheit vor die Repräsentanz zu bringen. In seinem Auftrag begründete Herr Kaiser-Blüth die Vorlage. Die Sprecher der beiden wideffprechenden Fraktionen verneinten die Bedürsnissrage und bemängelten auch die Wahl des als liberal bekannten Schriftstellers. Ihnen schloß sich der Mittelparteiler an. Ihren Ausführungen traten ein liberales und ein konservatives Vorstandsmitglied entgegen. Trotzdem wäre ztveifellos die Vorlage abgelehnt worden, hätte nicht Rechtsanwalt Dr. Callmann (lib.) die Zurückderweisung an eine Kommission beantragt. Ueber den von der liberalen Fraktion jüngst eingereichten Entwurf zur K u l t u s t r e n n u n g ist an dieser Stelle bereits berichtet worden. Die Vorlage des Vorstandes begründete der Vorsitzende Herr Emil Blumenau. Obwohl er darum bat, sachlich zu beraten und keine weltanschauliche Aussprache herbeizuführen, gestaltete sich die Behandlung der Vorlage wenig erfreulich und wenig ersprießlich. Sie artete in «ine regelrechte Wahlagitation aus. Dazu verleitete wohl die Mitteilung des Vorsitzenden der Gemeinde, die Behörden hätten ihre Zustimmung zur Einführung des Frauenwahlrechtes gegeben. Immerhin ergab die Aussprache deutlich, daß die Vorlage Aussicht aus Annahme hat. Strittig sind namentlich die Paragraphen, die sich mit der Stellung von sich bildenden Kultusvereinigungen innerhalb der Großgemeinde befassen. Gewisse Kreise fürchten die Einführung des Sonntagsgottesdienstes und des Reformgebetbuchcs. Obwohl die Gemeinschaft, die man dabei im Auge hat, kein Wort über derartige Pläne hat verlauten lassen, wird derlei Gerüchten immer wieder Nahrung gegeben. Auch diese Vorlage konnte nicht erledigt werden. Man überantwortete sie einer Kommission, die die einzelnen Punkte noch einmal gründlich durchberatcn soll. Der Sitzung wohnte eine große Anzahl von Zuhörern, namentlich auch von Zuhörerinnen, bei. Frankfurt a. M. (M e n o e l s s o h n - A u s st e l l u n g.) Ter Jra entnehmen wir: Die unter dem Protektorat der Gesellschaft für jüdische Volksbildung im Museum jüdischer Altertümer veranstaltete Ausstellung aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns hat ein: bisher in diesem Institut noch nie erreichte Besucherzahl gebracht. Fast zweieinhalbtauseud Personen — Juden und Nichtjuden — haben die Ausstellung besucht. Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde bot durch Gewährung freien Eintritts und Oeffnung an allen Sabbat- und jüdischen Feiertagen, sowie Sonnrag Nachmittagen der werktätigen Bevölkerung und insbesondere den Min derbemrttelten geistige Anregung. Das allgemeine Interesse, das sowohl dem Museum jüdischer Altertümer als auch der Sonderausstellung entgegengebracht wurde, hat wieder einmal bewiesen, daß hier eine vom Willen der Allgemeinheit getragene Institution am Werke ist. Man hofft, daß der Erfolg dieser Ausstellung auch fernerhin das allgemeine Interesse auf das Museum jüdischer Altertümer lenken wird. Als nächste Sonderschau werden die Neuerwerbungen der letzten Jahre gezeigt. Frankfurt a. M. (Hakenkreuz-Gruppe an der Universität verboten.) Rektor und Senat der Universität Frankfurt am Main haben in ihrer Sitzung vom 26. November 1929 folgenden Beschluß gefaßt: „Die Hochschulgruppe Frankfurt am Main des Nationalsozialistischen Studentenbundes wird gemäß Paragraph 41 der Vorschriften für die Studierenden Deutschlands vom 1. Oktober 1914 wegen der Beleidigung gegen die Frankfurter Universität, die in den am 21. und 22. November 1929 von ^dieser Gruppe; verteilten Flugblättern enthalten sind, für dauernd verboten." Gegen die Verantwortlichen soll außerdem eingeschrittcn werden. Hildesheim. (Todesfall.) Lehrer i. R. Hermann Bach ist nach längerem Leiden verschieden. Fast vier Jahrzehnte war der Entschlafene in der Provinz Hannover tätig, die ersten Jahre in Münden und über 35 Jahre in Hildesheim. Als Kantor und Rcligionslehrer war Bach auch noch nach seiner Pensionierung im Volksschuldienst tätig gewesen. Der Verein jüdischer Lehrer in der Königsberg. (Tagung des Vereins Jüdischer Religionslehrer und Kultusbeamten Ostpreußens.) Der Verein Jüdischer Religionslehrer und Kultusbeamten Ostpreußens hielt am 19. und 20. November seine sünfunddreißigste Jahresversammlung in Königsberg ab, die sich eines ausgezeichneten Besuches zu erfreuen hatte. Die Tagung tvurde eingeleitet mit einer internen Le' einssitzung, in der der Vereins- und Kassenbericht erstattet wurde, sowie Bestimmungen über die Peritz-Jubiläums-Stistung getroffen wurden. Auch wurde zu den Fragen der Errichtung eines selbständigen Rabbinatsbezirks in Rastenburg und zu den Gehaltsfragen der Kultusbeamten Stellung genommen. Der bisherige verdienstvolle Leiter des Vereins, Waisenhausdirektor Adolf Peritz, legte sein Amt nach fünfundzwanzigjähriger Borstandstätigkeil nieder. Einstimmig wurde er unter Darbringung großer Ovationen zum Ehrenvorsitzenden ernannt, während Prediger Mannheim-Osterode zum ersten Vorsitzenden und Kantor Wollheim zum zweiten Vorsitzenden einstimmig gewählt wurden. Nach vorangegangener Generalversammlung der Lehrerpensions¬ und Hilfskasse, in der dem Vorstand Entlastung erteilt wurde, fand eine öffentliche Lehrerversammlung statt. Die Grüße des Vorstands und der Repräsentantenversammlung der Königsberger Synagogengemeinde übermittelte der Repräsentantenvorsteher Prof. Rudolf Cohn, während der Verbandesvorsteher des Verbandes Ostpreußischer Synagogengemeinden, Großkausmann Arthur Cohn, die Glückwünsche des Ostpreußischen Synagogenverbandes überbrachte. Sodann erstattete Waisenhausdirektor Peritz zum letzten Mal den Geschäftsbericht, der ein umfassendes Bild von der segensreichen Tätigkeit des Vereins ergab. Nach ihm sprach Kantor Silberpfennig-Allenstein über „Die Apologetik im Judentum und ihre Behandlung in der Religionsschule". In tiefdurchdachten und wissenschaftlich begründeten Ausführungen verlangte der Redner die Einführung der Apologetik als besonderes Lehrfach für den Religionsunterricht. Seine Ausführungen wurden in der Debatte durch Waisenbausdirektor Peritz und Syndikus Sabatzky unterstrichen, die insbesondere auch die Apologetik der Erwachsenenbildung forderten. Kantor Wasser-Gumbinnen sprach sodann über ..Das jüdische Buch in Schule und Haus" und wies insbesondere auf die starke Verbindung des Judentums mit dem Buch hin und stellte die Forderung auf, daß das jüdische Buch mehr als bisher in das jüdische Haus eindringen müsse. Sodann referierte Lehrer Miloslawer- Königsberg über „Die Tätigkeit des Lehrers in den Filialgemeinden" und gab grundlegende Richtlinien für die Ausübung des Unterrichts in abgezweigten Gemeinden. Auch diese beiden Referate waren tief durchdacht und fanden lebhaften Beifall. Verbunden war die Tagung mit einem Kantorenfortbildungskursus, der von Chordirektor Badrian- Königsberg und Kantor Wollheim-Königsberg geleitet wurde, sowie einem Schechita-Fortbildungskursus, den Rabbiner Nischkowski-Königsberg leitete. Königsberg. (Todesfall Konsul Laser.) Hier verstarb nach langem Leiden im Alter von 67 Jahren Konsul a. D. Dr. jur. Leo Laser, der zu den bekanntesten und geachtetsten Bürgern der Stadt Königsberg gehörte. Von Beruf- Bersicherungsfachmann, leitete er die von seinem Vater gegrürrdete Firma Theodor Laser. Bor dem Krieg vertrat er Jahre hindurch das Land Brasilien als dessen Konsul, bis er dieses Amt durch Kriegsausbruch ausgeben mußte. Als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Samlandbahn und als Auffichtsratsmitglied der „Königsberger Hrrtungschen Zeitung" hat er sich mit ganzer Kraft für das Blühen dieser beiden, öffentlichen Unternehmungen eingesetzt. Das Wohlfahrtswesen verliert an ihm einen besonderen Führer. In jüdisch-politischer Beziehung stand er auf liberalem Boden. Dr. Leo Laser War ein Bruder des verstorbenen Sanitätsrats Dr. Laser. Ein zahlreiches Trauergefolge hatte sich im Königsberger Krematorium versammelt;, um Konsul Dr. Leo Laser die letzte Ehre zu geben. Die starke Beteiligung zeugte von der Achtung und der Verehrung, die der Verblichene in weitesten Kreisen der Stadt genossen hatte. Nach Gesang von erstem Kantor Dr. Pick hielt Gemeinderabbiner Dr. Lewin die Trauerrede. Danach ergriff für die Freimaurer-Jmmanuelloge Oberregierungsrat i. R. Dr. Hoffinann das Wort, um dem verstorbenen Bruder herzliche Worte des Gedenkens nachzurufen. Namens der Albingia-Versicherung rief Direktor Niemeyer dem verschiedenen Berufsgenossen Abschiedsworte nach. Nach abermaligem Gesang des Kantors sprach der Rabbiner das Kaddischgebet. Unter Orgelklängen sank der Sarg in die Gruft. Leipzig. (Wahl zur Gemeindevertretung.) Am 31. Dezember d. I. scheidet turnusgemäß ein Drittel der aus 33 Mitgliedern bestehenden Gemeindevertretung aus. - Für die 11 ausscheidenden Mitglieder fand am 1. Dezember d. I. eine Neiuvahl statt, die mit einen! glänzenden Sieg twr liberalen Liste endigte. Anstelle der 6 ausschcidenden Mitglieder der liberalen Fraktion, die sämtlich wiedcrgewählt wurden, gelang es, noch 2 Sitze zu gewinnen, so daß von den 11 zu besetzenden Sitzen die Liberalen 8 für sich in Anspruch nehmen können. Die Jüdische Volkspartei, die den Wahlkampf mit großer Agitation gegen die Liberalen führte und sich zu diesem Zwecke für ihre Wahlversammlungen hervorragende Zionisten aus Berlin verschrieben hatte, konnte nur 2 Sitze erringen, während 1 Sitz der Orthodoxie zusiel. Die Jüdische Bolkspartei