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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-12-04 · 49 (4.12.1929) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
49 (4.12.1929)
Date
1929-12-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WöchÄmleZeilmz Beilage 4. Dezember 1S29 Vom Segnen Von Rabbiner Tr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Eine in jüdischen Kreisen verbreitete Sitte war und ist das Segnen der Kinder am Freitagabend. Man kennt das Bild Moritz Oppenheimers, auf dem die erwachsene Tochter, das Haupt mit dem Kranz geschmückt, sich vor dem Vater bückt, damit er die Hände auf ihr Haupt lege. Und. auch Berthold Auerbach erzählt: „Am Ausgang der Synagoge begrüßte man einander, und waren die Oheime dp, so ließ man sich mit gebeugtem Kopfe durch Handauflegen von ihnen segnen. Zu Hause aber empfing man den Segen, der nach dem Spruch der Erzväter hieß: „Gott mache dich wie Ephraim und Manasse". Begeistert spricht auch Moritz Lazarus von dieser Sitte, nennt sie (in „treu und frei") ein von Feinheit und Tiefe der psychologischen Erfahrung zeugendes Mittel zur Erziehung des Pietätsgefühls. „Keine Abwendung, keine Auflehnung, kein Widersinn kann in dem Herzen des Kindes gegen den Vater dauern, während dieser die segnende Hand auf sein Haupt legt." Und als „einen der härtesten Verluste und als ein Zeichen religiöser Verwiloerung" empsindet es Lazarus, daß diese Sitte vielfach abgekommen ist und führt es auf den „Unverstand der wahren Quellen ethischer und religiöser Gesinnung" zurück, daß die Prediger gegen diese Unterlassung nicht angekämpft haben. Wohl ist auch er sich darüber klar, daß die Wirkung der Zeremonie „innige Gemütszüge in der Familie" zur Voraussetzung hat. Wohl weiß er, daß der Glaube: Segensworte könnten „eine Gunst des Schicksals von oben her erringen", dahingeschwunden ist. Und doch: „aus dem inneren Erlebnis der Tatsache allein stammt für den Segnenden und für den Gesegneten zugleich ein Segen des Gemüts, welcher alle Gaben des Glücks an Wert und Würde besiegt." Es sind einige Jahrzehnte vergangen, seit Lazarus so sprach. Ob er heute noch so urteilen dürfte? Es gibt zu viele unter uns, die die Sitte nicht üben und dse man doch nicht der religiösen Verwilderung zeihen dürfte. Was sie ablehnen, ist ja auch nicht das Segnen an sich — welcher Vater, welche Mutter legt nicht in ernsten, in freudigen, in liebebewegten Augenblicken die Hand auf das Kinderhaupt und — segnet es damit, ohne daß sie es so nennen würden, ohne daß sie dabei sprechen, nur das Auge in das Auge des Kindes senken, seine Hand in die eigene nehmen? Was in Wirklichkeit abgelehnt wird, ist — ohne daß irgend jemand damit kritisiert werden soll — die Verknüpfung einer regelmäßig wiederkehrenden Form, eines regelmäßig wiederkehrenden Spruchs mit einem so wundervoll tiefen Erleben, das jedesmal ein Augenblick der Weihe, der Rührung, des Glücks und der Dankbarkeit sein sollte. Denn wo gibt es Eltern, die nicht wirklich alles herbeiwünschen möchten, um das Leben ihres Kindes mit Segen zu erfüllen? Nur darin hat Lazarus freilich recht: zu einem bloßen Schutzwall gegen äußere Nöte darf der Segen nicht entarten, der Segen „von oben" darf nie das Endziel des Brauches sein, nie auch den einzigen Inhalt des. neuen Erlebnisses bilden. - So sicher wir ihn nötig haben — wichtiger und wesentlicher ist natürlich der Segen von — innen. Nicht ein Geschenk bloß soll Segen sein, sondern als Aufgabe soll er empfunden werden, der regelmäßig und gleichförmig und der gelegentlich ertellte, der Segen des Vaters und der des Rabbiners. Wie aber lautet sie, diese Aufgabe? „Ter Ewige segne dich und behüte dich" — ja das kann nur und sollte das Tiefste bedeuten, das wir zu erleben imstande sind: er segne dich, indem er, der Ewige, dich, den Menschen der Zeit, hineinführt ins Reich der Ewigkeit, der dir dauernd den Ruf verkündet: sei ein Segen und ge* segnet bist du aus dem Reiche der Ewigkeit. Und wenn du niemand die Hände aufs Haupt legst, ein Leuchten geht aber doch von dir aus, von dir dem Vater, von dir der Mutter, von dir der Gattin, von dir dem Gatten, von dir dem Freunde. „Was du bist, meine Seele, bist du für andere. Tu bist ihrer Seele nächster Nachbar, und wenn sie nack Hause kommen, müssen sie dich lieben." Und ist damit der zweite Satz nicht auch gleich erfüllt: „Ter Ewige lasse dir sein Antlitz leuchten und sei dir gnädig?" Liegt darin nicht das köstlichste Glück, im Lichte der Ewigkeit gleichsam zu leben, die uns so strahlend und fröhlich macht? „Heiter ist der Gottesglaube", sagt Steinthal, und „in den Ideen zu leben, ist eigentlich der wahre Genuß" — Wilhelm von Humboldt. Uno endlich, das Letzte, wie lebenswahr und so voll Innigkeit: „Der Ewige wende dir sein Antlitz zu und gebe dir Frieden," ja, es macht uns still und macht uns so friedlich, wenn wir den Zejttnenschen in uns unterdrücken und den Ewigkeitsmenschen einziehen lassen. Das gibt uns den wahren, ewigen Frieoen, der unser Sterben selbst überdauert. „Es wirkt mit Macht der edle Mensch Jahrhunderte auf seinesgleichen. Denn was ein guter Mensch erreichen kann, ist nicht im engen Raum des Lebens zu erreichen. Drum wirkt er auch nach seinem Tode fort und ist so wirksam als er lebte. Tie gute Tat, oas gute Wort, es strebt unsterblich! wie es sterblich strebte." Ja das ist der dreifach,e Priestersegen. Und gerade, weil er so Tiefes enthält, geraoe wenn er uns so Hohes enthüllt, möchten ihn viele nicht zur Formel erstarren lassen, die regelmäßig wiederkehrt, sondern spreche:: oder auch, nur durch Blick oder Hand andeuten, wenn er in feierlichstem Momente aus ihre Seele ganz tief heraufquillt. Von der Mutter Meyerbeers erzählt Heim: „Kein Tag vergeht, ohne daß sie einem Armen geholfen hätte. Ja es scheint, als könne sie nicht ruhig zu Bette gehen, bevor sie nicht eine edle Tat vollbracht. Dabei spendet sie ihre Gaben an Bekenner aller Religionsgenossenschasten, an Juden, Christen, Türken, ja sogar Ungläubige der schlimmsten Sorte. Sie ist! nnermüdet im Wohltun und scheint dies als ihren höchsten Lebensberuf anzusehen." Einst nun wurde eine Oper ihres Sohnes ausgeführt. Mitten im Jubel des Erfolges wird ihm ein Brich überreicht. Er öffnet und lies — nichts als den dreifachen Priestersegen und darunter zwei Worte: „Deine Mutter". Sicht man, wie beides zusammenhängt, wie der wahrhaft Gesegnete immer segnet, den Fernen, den Nächisten, in der Ferne, in der Nähe? Sieht man, wie es gewiß auch den Segen durch Handauflagen aber auch den ohne Hände und allein des ergriffenen Herzens gibt? „Der Segen des Ewigen macht reich," kündet die Bibel. Und daraus allein kommt doch! alles an. 9. Jahrgang Nummer 49 Die neutrale Gemeindeverwaltung Von Herrn Dr. Kurt Fleischer, liberalem Mitglied der Reprasentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, gehen uns die folgenden Ausführungen zu, die «in interessantes Streiflicht auf die Herrschaft in der Berliner Gemeinde darstellen. Red. Der zionistische Gemeirldevorsitzende, zweifelsohne ein Kops von Format, benutzt jede Gelegenheit, um die Unparteilichkeit der Verwaltung zu verkündigen, die allen Richtungen gerecht wird und er wird gar deutlich, wenn einer in diese Tatsache Zweifel setzen möchte. Das ist, wie alles, was der Herr tut, sehr überlegt und geschickt. Wer trotzdem die Behauptung aufzustellen sich unterfängt, daß unter neutraler Flagge zionistisch regiert wird, der muß Beweise dafür haben. Hier sind zwei aus der letzten Zeit. Soeben wurde die neue Poliklinik der Gemeinde in der Linienstraße eröffnet. Nichts war selbstverständlicher, als daß auch diese Krankenanstalt dem Krankenhaus, Vorstande und damit dem Referate eines der besten Kenner des Krankenhauswesens überhaupt, Herrn Prof. Seligmann vom Städt. Gesundheitsamte, zugeteilt werden muß. Einen dementsprech mden Wunsch „aus sachlichen und wirtschaftlichen Gründen" hat auch der Krankenhaus-Vorstand ohne Widerspruch an den Gemeindevorstand gerichtet. Was aber geschieht statt dessen? Für die Poliklinik wird ein Sonderdezernent ernannt, der zwar Zionist und Arzt ist, aber keineswegs Spezialerfahrung im Krankenhauswesen hat. Warum? Zweiter Fall: Die Sozialwissenschaft, die es nun einmal gibt, lehrt, daß sich ein Jugendamt aus 2 Komponenten zusammensetzt, erstens der Jugendfürsorge für die schutzbedürftigen Kleinen und für die gesundheitlich oder sittlich gefährdete Jugend und zweitens der Jugendpflege für die gesunde Jugend (Sport, Erholung, Jugendbewegung, Beratung u. a. m.). Jedes Jugendamt ist als Sonderabteilung dem Wohlsahrtsamte angegliedert und das auch nicht ohne Grund. So hat wohl jede Stadt in der Welt ihr „Wohlfahrt-- und Jugendamt". Der Gemeindevorstand zu Berlin hat sich ohne Anhörung von Sachverständigen nach seiner Aeußerung selbst für kompetent erklärt, aller Wissenschaft nnd Erfahrung entgegen, das Jugendamt zu zerreißen, d. h. die Fürsorge dem Wohlfahrtsamte zu belassen und ein besonderes Jugendamt einzurichten. Angeblich wolle die Jugerrd nichts mit dem Wohlfahrtswesen zu tun haben und das wäre nicht und ist nirgends der Fall. Flugs waren andrerseits zur Naht des zertrennten Organismus wieder Verbindungsmänner nötig und so erhält der Leiter des Wohlfahrtsamts auch das Dezernat für Jugendpflege. In den noch nicht verabschiedeten Statuten dieses Jugendpflegeamtes ist, wie überall, der Jugendpflegeausschuß die oberste Instanz. Was tut nun der neutrale zionistische Gemeindevorstand? Der provisorische Ausschuß wird beiseite geschoben und an seine Stelle werden drei Dezernate gesetzt, von denen im Statut nirgendwo die Rede ist. Diese drei Dezernenten siud ganz zufällig drei bekannte Zionisten, die sicherlich, von der Wahrheit des Nationaljudentums durchdrungen, die Jugendpflege nicht in unserem Sinne beeinflussen werden. Geeignete nichtzionistische Jugendführer sind nach Ansicht des Gemeindevorstandes nicht vorhanden. Der bekannte Jliführer und jugendliche Landgerichtsrat Lilienthal ist zwar Mitglied des Gemeindevorstandes und ohne Dezernat, aber liberal und nicht geeignet zum Dezernenten für Jugendpflege. Er wird nach einer Rede des Gemeindevorsitzenden solange ungeeignet bleiben, als das Gemeindeparlament zionistisch regiert wird. Hier ist einmal die neutrale.Flagge vergessen worden und man sieht deutlich den Weg, den die Beeinflussung der Jugend nehmen soll. Im Schulwesen gehlls nicht anders. Vielleicht rütteln diese zwei objektiv geschilderten Beispiele die Schläfer wach. In einem Jahre sind Gemeindewablen! Nachrichten aus Palästina Friedhossschändung in Jerusalem. Jerusalem, 25. November (I. T. A.). Der Friedhof der sephardischen Juden in Jerusalem wurde von unerkennt gebliebenen Tätern geschändet; 20 Mazewoth (Gedenksteine) wurden zertrümmert. Nene Zerstörungsakte der Araber. Jerusalem, 26. November (I. T. A.). In der Nacht zum 24. November wurden in der im Gebiete der Haifa-Bucht gelegenen und dem rumänischen Juden Katz gehörenden Orangen- und Bananen-Plantage auf einem Gebiet von 42 Dunam sämtliche Bäume herausgerissen. Der Schaden ist enornr. Mehrere Araber siwd als der Tat verdächtig verhaftet worden. Bereits in den Tagen der Unruhen im August wurde diese Farm von Arabern überfallen, die in ihr Zerstörungen verursachten. Der Schaden betrug damals etwa 10000 Pfund. Mehrere jüdische lmrdwirtschaftliche Arbeiter, die jüdidischen Boden im Gebiete der Haifa-Bucht pflügten, wurden von einer vom Advokaten Fuad aus Afuleh geführten Bande Araber angegriffen und gezwungen, die Pflug-Arbeit einzustellen. Die Polizei hat angeordnet, daß die Arbeit bis auf weiteres nicht wieder ausgenommen werden soll. Araber wie Juden wurden zur Vernehmung vor das Polizeiamt zitiert. Jerusalem, 27. November. (J.T.A.) Von Juden besetzte Autos wurden zwischen Jerusalem und der Gartenvorstadt Talpioth aus dem Hinterhalt beschossen, ebenso Autos, die von Tel Aviv nach Petach Tikwah fuhren. Aus einem mit arabischen Notabeln besetzten Auto, das an der jüdischen Kolonie Tel Joseph im Tale Jezreel vorbeifuhr, wurden auf eines der jüdischen Gehöfte Schüsse abgegeben. Unter den Insassen des Autos erkannte man bestimmt Vadi Bustani, den Urheber des Ueberfalls auf den „Pica"-Konzessionsboden in Caesaria. Bei diesem Ueberfall wurden bekanntlich Tausende Eukalyptus-Bäume aus dem Boden herausgerissen. In der Nähe von Ramleh wurde nachts ein Araber durch einen aus ihn abgegebenen Schuß schwer verletzt. Man glaubt, daß er irrtümlich für einen Juden gehalten wurde. Ein Araber aus Liftah in der Nähe von Jerusalem gab aus einem Revolver Schüsse auf den Direktor des jüdischen Diskin-Waisenhauses in Jerusalem ab. Die Schüsse gingen fehl. Ein jüdischer Kaufmann in Jerusalem erhielt einen „Die schwarze Hand" unterschriebenen Brief, in dem er aufgefordert wurde, die Summe von 105 Pfund an einer bestimmten Stelle hinzulegen; im Nichterledigungssalle würde ihm der Tod angedroht. Tie Forderung eines Parlamentes. Jerusalem, 27. November. (J.T.A.) Hassan Sidki al Dejani, Mitglied des Obersten Moslemitischen Rates, tritt in dem offiziellen Organ des Rates „Al Jamea al Arabia" für Aufgeben des Kampfes gegen die Balfour- Deklaration ein. Die Balfour-Dellaration, schreibt er, enthält nichts, was den Arabern schaden könnte. Wozu fragt er, sich im Kampf um eine negative Forderung - Abschaffung der Balfour-Deklaration — erschöpfen? Man sollte eher die Kräfte auf eine positive Forderung: Errichtung eines Parlamentes in Palästina, konzentrieren. Wenn wir diese Taktik verfolgen, schließt Hassan Sidki al Dejani, so werden wir die Sympathien der englischen Regierung, des britischen Volkes und des Völkerbundes haben. Weitere neun Todesurteile gegen Araber. Jerusalem, 28. November. (J.T.A.) Das Gericht in Haifa beendete heute die Verhandlung gegen eine größere Zahl Araber aus Safed, die beschuldigt waren, am Tage des Pogroms in Safed den Direktor der Misrachi- Schule Afriat und sämtliche Mitglieder seiner Familie abgeschlachtet zu haben. Das Gericht verurtellte neun Angeklagte, unter ihnen einen Beamten des Gesundheitsdepartements der Regierung, zum Tode und einen Angeklagten zu 15 Jahren schweren Kerker. Drei der Angeklagten, unter ihnen ein Lehrer der Regierungsschule in Nazareth, wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Einer der in diesem Mordprozeß Freigesprochenen war schon früher als eines anderen Mordes überführt, zum Tode verurtellt worden. Wahlfreier hebräischer Unterricht an den humanistischen Gymnasien Preußens Der Unterrichtsausschuß des Preußischen Landtages nahm dm Llntrag Prelle (Deutschnationale Fraktion) an, wonach dafür gesorgt werden soll, daß an allen Humanistischen Gymnasien wahlfreier hebräischer Unterricht erteilt werde, ohne daß dm Teilnehmern daraus besondere Kosten erwachsen. Polens Auswanderung Nach Angaben des Auswanderungsamtes haben 1929 im erste:: Halbjahr 152917 Auswanderer Polen verlassen. Davon fuhrm nach Frankreich 33 090, Deutschland 81949 (Saisonwanderung). Belgien 2388, Dänemark 487. reinigten Staaten von Nordamerika 4352, Kanada ' Argentinien 10 712, Brasilien 3793, Palästina 483 nnd Uruguay 399 Personen. Zurückgekehrt in die Heimat sind 12442 Personen, davon aus Frankreich 4461, Deutschland 2928, Vereinigten Staaten von Nordamerika 423, Kanada 380, Argentinien 915 und Palästina 376 Personen. Umschau Der Rektor der Wiener Universität für Numerus clstufus. Obwohl die scharf reaktionäre Einstellung des neugewählten Rektors der Wiener Universität, Professor Gleispach, aus Anlaß der jüngsten Unruhen unzweideutig zutage trat, hat es dennoch großes Aufsehen erregt, daß der Rektor heute der völkischen deutschen Studentenschaft den Festsaal der Universität für eine Propagandaversammlung für Einführung des Numerus clausus zur Verfügung gestellt und persönlich in dieser Versammlung den Vorsitz geführt hat. Die Versammlung, die stark besucht war, hat denn auch einen formellen Beschluß gefußt, die Einführung des Numerus ölausns gegen Juden zu fordern. Um das Ausland nicht abzuschreckm, 'wurde dem Beschluß eine Begründung beigefügt, die Studenten seien nicht gegen das Studiere:: von Ausländern in Wien, aber sie seien gegen die „Ueberfremdung" der Universität und' der Hochschulen. Auch in den Rechtskr eisen hat dieser Beschluß, sowie die Tatsache, daß der Rektor der Versammlung präsidierte und andere Prosessvrm ihr beiwohntm, Unbehagen verursacht. Ein rechtsstehendes Blatt erklärt, es müsse alles aufgebvten werden, um den Weltruf der Wimer Hochschulen als internationale Pflegestättm der Wissenschaft hochzuhalten. Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Am Sonntag, den 24. November 1929, fand in Wiesbaden eine aus allen Teilen des Reiches gut besuchte Hauptvorstandssitzung des Verbandes statt. Aus den Berichten der Verbandsleitung und den Mitteilungen der Landesverbände ergab sichdaß die Arbeit durch die infolge der angespannten Wirtschaftslage hervorgerufene schwierige Finanzsituation außerordentlich erschwert ist. Besondere Maßnahmen zur finanziellen Sicherung der Weiterarbeit wurden beschlossen. Tie Vorstandssitzung beschäftigte sich besonders mit der Notlage der jüdischen Angestellten und Stellensuchendxn. Es

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