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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-12-04 · 49 (4.12.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
49 (4.12.1929)
Date
1929-12-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sümtzr «n, daß man ihn in den Thallith (Gebetmantel) gehüllt in den Sarg lege, und in seinem Stechezimmer wurde auf seinen ausdrücttichen Wunsch die ganze Woche nach seinem Tode früh und abend Minjan gemacht und Kaddisch gesagt. So sind sie zumeist, diese jüdischen Atheisten. Da man nun Gott unbedingt zu vertrauen hat, daß er nur unser Bestes will, so zielen natürlich seine Gebote auf nichts anderes hin. Es kann also nicht genug dieser Gebote gchen, je mehr, desto besser. Gott wollte Israel eine große Gunst erweisen, darum schenkte ec ihm die Thora und viel Mizwoth, sagt der Talmud. Rabbi Simlai im zweiten Jahrhundert bezifferte die Zahl der Gebote und Verbote insgesamt auf 613, eine merkwürdige Ziffer, die wahrscheinlich aus der späten parsischen Zahlensymbolik stammt. Die späteren, darunter ein Mann wie Maimuni, verwendeten vielen Scharfsinn und Gelehrsamkeit, um diese Zahl der Mizwoth in der Thora herauszufinden. „Minjam ha Mizwoth" (das zählen der Gebot) wurde gewissermaßen zu einem besonderen Teil der talmuoischen Wissenschaften, der eine besondere Literatur aufweist. Jede Mizwah gab Gelegenheit, sich mit Gott zu verbinden, seinen Willen zu tun, chm die Liebe zu weisen, sich mrt Gott in Verkchr zu setzen. Natürlich wäre es ein Mangel an Ehrfurcht vor Gott, die Mizwoth in geringere und wichtigere, höhere und niedere, einzuteilen, da sie alle nur ein Ausfluß des Willens Gottes sind. Es galt gewissermaßen als ritterlich, der Beobachtung derjenigen Gebote sich besonders zu befleißigen, die keinerlei Begründung in dem „gesunden Menschenverstand" hatten oder gegen welche er sogar Einwände erheben mochte. „Sage nicht, Schweinefleisch schmeckt mir nicht, sondern, es schmeckt mir schon, ich esse es bloß nicht, weil es mir mein Schöpfer verboten hat", lautet ein späterer talmudischer Ausspruch. Diese Denkweise ist unverkennbar mit dem „Credo quia absurdum" verwandt und entspringt wahrscheinlich der gleichen seelischen Disposition. Man konnte sich nun nicht genug tun an der Erfüllung des Willens Gottes, wie er sich in seinen Geboten manifestierte. Man studierte an jeder einzelnen Mizwah alle Subtilitäten und Einzelheiten („dikdukim" und „peratim") und gab sich die größte Mühe, die Mizwoth mit allen diesen Subtilitäten und Einzelheiten zu erfüllen. Das Studium geschah streng logisch, nach allen Regeln der überlieferten Interpretation und Hermeneutik, mit dem größten Aufwand von Scharfsinn, Gelehrsamkeit und Fleiß. Es entstand derart etwas, das, von ferne gesehen, einer Wissenschaft ähnlich sah, allen Ernstes als solche betrachtet wurde und sich jahrhundertelang an Stelle der wirklichen Wissenschaft, nämlich der Erforschung der Natur, des Geistes und der Geschichte, setzen durfte; die überdies als die einzige des Juden würdige Beschäftigung und als der einzige Weg zu Gott galt. Es bildete sich ferner das Virtuosentum der Erfüllung und Beobachtung der Mizwoth heraus, in dem nicht jeder'die gleiche Stufe der Vollkommenheit erklimmen konnte. Da überdies die Mizwoth, wie wir oben gesehen haben, nur gegeben wurden, um die Menschen zu läutern, zu erziehen, und eine Erziehung umso wirksamer ist, je strenger sie ist, daher mußte sich die Neigung herausbilden, in zweifelhaften Fällen oder wo ein Streit der Autoritäten obwaltete, die Partei der Erschweren zu ergreifen und auf jeden Fall zu verbieten, zumal mau nicht selten Gefahr lief, durch Lexheit und Nachsicht die Mizwah nur unvollkommen zu erfüllen oder illusorisch zu machen und so den Willen Gottes zu durchkreuzen, häufig nur zugunsten niederer sinnlicher Triebe oder kleinlicher Gewinnsucht (z. B. wo es sich um Speisegesetze handelte oder um Heiligung des Sabbat durch Enthaltung von Handel und Gewerbe). Schade nur, daß bei all dem heiligen Eifer, den Willen Gottes mit größter Perfektion zu erfüllen, der antike jüdische Gottesbegriff, den die Propheten, Psalmisten und die späteren Dichter und Denker so erhaben und weltengroß gestaltet hatten, immer bedenklicher zusammenschrumpfte. „Sie haben den Gott Israels in die Riemen der Teyhittim und die Bande der Zizith (Schaufäden) geschlagen", sagt der große hebräische Dichter Saul Tschernichowski. Sie schließen ihn in Küche und Speisekammer ein, denn am eklatantesten wirkte sich diese Entwicklung in den Speisegesetzen aus. Der Gott der strikten, rechtgläubigen Orthodoxie ist zuvörderst ein .großer Schlachthausinspektor und Küchenchef. es damit immerhin über die Niederung bloßer dramatischer Reportage hinausträgt, bei diesem Ereignis zuletzt den Sieg davontragt. Ach, in Wirklichkeit ist es ja ganz anders! In wieviel Fällen triumphiert schließlich doch das Unrecht! Und der Opportunismus!... Derselbe Clemenceru übrigens, der rm Dreyfus-Prozeß der leidenschaftlichste Ankläger des Militarismus war, hat sich später seiner bedient und das anfechtbarste und bösartigste Unrecht in zynischer Weise sanktioniert. In dem damaligen Prozeß der neunziger Jahre gab es schließlich nur ein paar unschuldig Leidende. In der Praxis des großen Völkerprozesses, später, gab es zwölf Millionen unschuldig Getöteter... Die Aufführung der „Affäre Dreyfus" hatte etwas Hinreißendes. Man ist ja in Berlin gute Aufführungen gewohnt, aber solche ausgezeichneten Inszenierungen sind selbst bei uns selten! Dramatisierte Prozeßgeschichte würde ja auch leicht kindlich wirken, wenn es der Suggestivkraft des Regisseurs nicht gelänge, all die Bühnenillusionen vergessen zu machen. Dies geschah hier. Der Regisseur Heinz Dietrich K ent er hatte „mitgedichtet". Ein großer Teil des Erfolges ist ihm zu danken! — Eine ganze Fülle der besten Berliner Darsteller waren mit großer Liebe und fieberhaftem Eifer am Werk. Unvergeßlich vor allem der glühende und echte Oberstleutnant Picquart Walter Francks, der zuerst in verhaltener Schlichtheit die Dualen des sich nach Recht sehnenden Schweigers glaubhaft machte. Wie rasch ist Franck in den letzten Jahren „Prominenter" geworden! — Sehr eindrucksvoll auch der in sittlicher Entrüstung zornig werdende Labori Steckels nnd die mannigfachen historischen Typen der vielen andern vortrefflichen Schauspieler. Das Rede-Duell Picquarts und des Kriegsministers Pellieux (Franck und Ferdinand von Alten) war schon, eine Gipfelleistung darstellerischer Eindringlichkeit!... Alles in allem/wie gesagt, ein Sieg der Volksbühne auf der ganzen Linie, dessen man sich freuen kann, wenn er auch einem Werk zu danken ist, das „nur" Theaterstück und nun einmal ganz und gar keine Dichtung ist.... Dr. Ludwig Davidsohn, Berlin. * Versammlungskalender ★ Berlin-C-arlottenburg-Oft. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeind« zu Berlin E. B., Bezirksgruppe Charlottenburg-Vst. Am Dienstag, den 10 Dezember, abends 8.15 Uhr, findet im Trajüs-ai der Synagoge Fasanenstratzt eine Mitgliederversammlung statt. Es soll der Vorstand der Bezirksgrnppe neu gewählt «erden. Im Anschluß daran speicht Herr Eemeinderabdiner Dr. Weyl über das Thema: „Aus der ältesten Geschichte der Berliner Juden". Freie Aussprache. Gäste herzlich willkommen. Berltn-Charloltenburg-West. Liberaler verein sür die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeind« zu Berlin E. B., Bezirksgruppe Charlottenburg-West. Am Donnerstag, den 5. Dezember, abends 8 Uhr pünktlich, sindet im Bereinszimmer des CafL Stadion, Reichskanzlerplatz 6, eine Mitgliederversammlung zur Neuwahl des Vorstandes der Bezirksgruppe statt. Im Anschluß daran wird Herr Dipl.-Ing. Bruno Woyda über das Thema: „staun der religiös-liberale Jude sich an der gegenwärtigen Palästinaarbeit beteiligen?" sprechen. Schallplattenkonzert, das hebräische Melodien zu Gehör bringt, wird die Veranstaltung umrahmen. Freie Anssprache. Kein Trinkzwang. Berlin-Süden. Liberaler Verein sür die Angelegenheiten der Jüdische« Gemeind« zu Berlin E. v., Bezirksgruppe Süden. Am Dienstag, den 10. Dezember, 8.30 Uhr abends, sindet im Deutschen Hos, S. 42, Lutkimer Straße 15, ein Vortragsabend statt. Herr Dr. S. London, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, wird über „Gemeindepolitische Tagesfragen" sprechen. Gäste herzlich willkommen. Dortmund. Montag, den 9. Dezember, 20.30 Uhr, findet im Gemeindehause (Märkische Straße 11) der zweite Diskussions-Abend statt. Referat: Herr Konrektor Andorn: Judentum und Christentum in ihren Grundlehren. Würzburg. Donnerstag, 5. Dezember 1929, abends 29.15 (8.15) Uhr, im Saal des Bahnhvfs-Hvtel, Bortrag George Goetz (Berlin), Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. B.: „Bedeutung und Ziele des liberalen Judentums". ¥ Gottesdienste * Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 6. Dezember, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Sonnabend, vormittags 10 Uhr. Predigt: Dr. Salomonski. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Aula der Mädchenschule Kaiserstraße). Wegen technischer Schwierigkeiten findet der Erössnungsgottesdienst erst am Freitag, den 20. Dezember, 7.15 Uhr abends, statt. Einweihungspredigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Liturgie: Oberkantor Wilhelm Friedmann. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistilowstraße 7, nahe Reichskanzlerpkatz). Freitag, 6. Dezember, 7 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarsensky. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienschule, Nikolsburger Platz). Freitag, 6. Dezember, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt : Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 8. Dezember. JohannLsstrahe 16: vormittags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Rosenthal, stleiststraße 10: vormittags 10.30 Uhr. Gottesdienst der Jugend. Der Gottesdienst wird von jungen Menschen ausgesührt. Ansprache: Mar Gundersheim. Sein vornehmstes Interesse an seiner Welt und dem Schicksal seines Volkes Israel gilt dem — Kaschruth! Ein wahres Wunder ist es und zeugt für den gesunden Sinn des einfachen, ungelehrten, arbeitenden Volkes, daß bei ihm trotz alledem das alte so populäre Wort des Talmud in Geltung blieb, das da lautet: „Der barmherzige Gott legt Gewicht nur auf das Herz des Menschen." Und gleich wie es Leute gibt, die das ganze Erbe der Väter ungeschmälert erhalten wissen wollen, so gibt es andere, die alles alte gleich veraltet und überlebt finden und es "durch neues schlechthin ersetzt wissen wollen. Ihr Losungswort heißt: „Abschaffen!" Abschüssen ist leicht. Aber etwas gleichwertiges anzuschaffen ist schwer. Die Natur nimmt sich ziemlich lange Zeit, um Wälder entstehen zu lassen. Auch soziale Institutionen können nur langsam werden und wachsen, müssen sich bewähren, bevor sie Anspruch auf Ehrfurcht und Liebe erheben können. Die blinde Neuerungssucht, die alles sogleich verwirft, was dem sogenannten Menschenverstand nicht gleich auf Herr ersten Blick flach auf der Hand liegt, ist hier ein schlechter Ratgeber. Der gesunde Menschenverstand pflegt der größte und beschränkteste Philister zu sein, der für die tieferen, verborgenen Lobenswerte kein Verständnis hat. Auch die historische Wissenschaft allein, die jede von ihr eben entdeckte, wirkliche oder vermeintliche Wahrheit brühwarm auf den Markt bringt und fordert, sie möge unverzüglich zur Richtschnur des lebendigen Tuns gemacht werden, kann, besonders auf religiösem Gebiete, viel Unheil anstiften. „Die deutschen Philosophen", sagt Pfleiderer, einer der erlauchtesten Geister unter der abgetretenen Generation, „pflegen in der Kritik der Religion viel bedächtiger und maßvoller zu verfahren, als die romanischen Freigeister. Djese folgen ni;r der Richtschnur des abstrakten, formalen Verstandes, der mit der Bereinigung religiöser Vorstellungen und Institutionen um so rascher fertig ist, je weniger er sich Mühe gibt, die Sache von verschiedenen Seiten und nach tieferen Motiven zu durchdenken. Dem Deutschen sagt seine Gewissensstimme und sein ahnendes Gemüt, auch wo der Verstand es noch nicht erkennt, daß in dem, was den Vätern einmal heilig war, irgendwie wertvolle Wahrheit darinstecken müsse." Nur die „neuen Reichen" lieben es, alle drei Monate sich neue Möbel anzuschasfen, da sie sichs leisten können. Kulturmenschen wissen, daß es außer dem Modewert und dem äußeren Aussehen eines Dinges ein unfaßbares Etwas geben kann, das es wie ein unsichtbarer Hauch umwittert und es erst zum Gegenstand der Liche und Verehrung macht, an dem die Seele ganz ohne verständigen Grund hängt und von dem sie nicht um den Preis des Lebens scheiden möchte. Glücklich das Zeitalter, dem schöpferische Geister erstehen, die mit kritisch-prüfendem Verstand dem Erbe der Väter gegenübertreten, das Lebensfähige und Lebenswerte ehrfurchtsvoll für die Gegenwart und für die Zukunft lebendig machen, das Abgestorbene dagegen, ebenso ehrfurchtsvoll, lautlos in die Tiefen der nimmer wiederkehrenden Vergangenheit versenken. Sie wissen, daß die Vorfahren nur das, was in ihrem Leben und Denken sich als wahrhaft zukunftsverheißend und lebensvoll bewähren mochte, von der Nachwelt bewahrt wissen wollten, und sie sind selber ihren Nachfahren gegenüber von derselben Denk- und Gefühlsweise beseelt. Ihnen genügt es nicht, zu erkunden, wie es die Vorfahren gemacht, wie sie gedacht und gesprochen haben, um sie sklavisch zu kopieren. Sie werden sich bemühen, zu ergründen, wie es die Vorfahren machen, was sie denken, und wie sie sprechen möchten, wenn sie heute leben, in den jetzigen Umständen zu kämpfen, zu wirken und zu schaffen haben würden. Auf diese Weise wird die neue Generation nicht der blinde Nachahmer, sondern, der lebendige Fortsetzer der Vorfahren. Das allein ist die wahre Ehrfurcht, die wir unseren Vorfahren bezeugen können. Nur so erneuern wir in uns die Seelen unserer Vorfahren, pflanzen wirksam das Leben fort, welches sie gesät und führen es zu einer höheren Stufe der Entwicklung hinan. Leicht ist diese Arbeit gewiß nicht. Aber dazu hat man ja den kritischen Verstand, nnd das ist mit eine der schönsten Aufgaben der Wissenschaft. Gewiß läuft man hier, wie bei allem menschlichen Tun, Gefahr, einen Irrtum zu begehen. Aber die Gefahr ist sicher größer, als wenn man die Gegenwart und die Fülle ihrer strotzenden Kräfte blind in ein Schema der Vergangenheit zwängen möchte. Wie die Zukunft aus der Gegenwart, so soll die Gegenwart aus der Vergangenheit organisch herauswachsen. Nur auf diese Art reicht eine Generation der nächsten die Kette ewigen Lebens an die Hand. -,..2 Ä 1 Zur Diskussion über die Reugestattung des Synagogengesanges Ohne mich in den Streit der Meinungen betr. Neugestaltung des Synagogengesanges resp. ob und in welchem Maße beim Gottesdienst Kunstgesang, besonders Kunstchorgesana angebracht ist oder nicht, einzumischen, möchte ich nur Herrn Rektor a. D. B. Coblenz, Köln, auf eine in der letzten Nummer der Jüdisch-liberalen Zeitung geäußerten Ansicht, daß er in die Synagoge geht, um zu beten und sich mit der Gemeinde betend zu vereinigen, folgendes bemerken: Ich stehe auf einem andern Standpunkt. Ich gehe in die Synagoge, um mich zu erbauen, denn beten kann ich ebenso andächtig und noch andächtiger auch zu Hause, namentlich da ich als liberaler Jude auf das Gebet im „Minjan" wenig Gewicht lege. — Ich weißdaß viele, sehr viele ebenso denken wie ich, und ich möchte Herrn Coblenz die Frage vorlegen, was kann beim Gottesdienst, außer einer Predigt, mehr erbauen als der Kunstgesang? Auch Menschen, die nicht musikalisch sind und auf die nach ihrer eigenen Meinung die Musik keinen Einfluß ausübt, werden meistens, ohne daß sie sich dessen bewußt werden, unwillkürlich durch die Musik — oft sogtze im Konzertsaal — und wieviel mehr im Gotteshaus, wo noch, das Ritual hinzukommt, dem ich eine Erbauungsmöglichkeit absolut nicht abspreche, durch die Macht der Töne im wahrsten Sinne erbaut und andächtig gestimmt. Die Andacht beim katholischen Gottesdienst kommt über die Kirchenbesucher nicht durch den Text der Gebete, den die meisten gar nicht verstehen, da er lateinisch hergesagt wird (es geht hierbei den Katholiken ebenso wie den meisten liberalen Synagogenbesuchern, die des Hebräischm nur in ungenügendem Maße mächtig sind), sondern durch die Musik. Je besser eine Musik ist und je kunstvoller sie zu Gehör gebracht wird, desto schöner wird sie den GotteÄienst gestalten und die Andächtigen erbauen. August Landsberg, Frankfurt a. M. Vereinsnachrichten Die Sportgvuppe im Reichshund jüdischer Frontsoldaten veranstaltet am Sonnabend, den 7. Dezember 1929, in den Gesamträumen des Ulap, Alt-Moabit 4-11, ihren diesjährigen Gesellschaftsball. Tanzmusik: Barnabas von Geczy, Sid Kays Fellows, Fred Cock. Eintritt im Vorverkauf RM. 2,50, Abendkasse RM. 3,—. Vorverkauf in fast allen jüdischen Restaurants und in der Geschäftsstelle der Sportgruppe, Burgstraße 26, Norden 8903. Atlankc-Lichtsptele Zn der von uns in Nr. 47 veröffentlichten Notiz „Juden nicht erwünscht" hat der Inhaber der Atlantic-Lichtspiele, Berlin, Potsdamer Straße 31a, Herr Pourroy, der Redaktion unserer Zeitung die Versicherung abgegeben, daß ihm jede judengegnerische Tendenz völlig fernliegt nnd daß er bei Personalengagements konfessionelle Gesichtspunkte keineswegs gelten lasse. In diesem Sinne hat er auch auf den Geschäftsführer des Lichtspieltheaters Einfluß gewonnen. Ein Grund zur Meidung dieses Lichtspieltheaters für Juden ist demnach nicht gegeben.

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