Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 47 (20.11.1929)
- Date
- 1929-11-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Annahme von Bestellungen auf die Züdisch-ttberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands weise um den Ausschluß von Personen mit schlechtem Leumund, sondern um eine prinzipielle und tendenziöse Entscheidung dieses Annaberg er Vereinchens auf Ausschluß aller Automobilisten jüdischen Glaubens. Tie Hakenkreuzler auf Gummi von Annaberg würden mit ihrem Beschluß gewiß keinen anständigen Menschen interessieren, wenn diese Herrschaften in ihrem Wappen nicht das A.T.A.C.-Schild führen würden, das Kappen des zahlenmäßig größten deutschen Automobilverbandes. Es ist zu hoffen, daß das Präsidium schleunigst diesem Paragraphen 76 eine andere .Auslegung gibt und den Zeitgenossen von Annaberg und Leipzig auf die Finger klopft. Oder will der A.T.A.E. neben seiner eigenartigen Stellung zur Flaggenfrage noch in den Ruf kommen, antisemitisch zu sein? -- Wir glauben nicht, daß die Herren des Präsidiums oder die Mitglieder des A.T.A.E. — unter denen sich viele Juden (auch in leitenden Stellen) befinden — mit den Maßnahmen dieser beiden Kartellclubs einverstanden sind; gerade deshalb ist es aber dringend zu wünschen, daß das Präsidium nicht achselzuckend die Hände in den Schoß legt, sondern energisch von diesen völkischen Strömungen abrückt." (Jta.) Bald zwei Millionen Inden in New Pork. Nach einer Mitteilung der New Pork Jewish Communal Survey gab es lim! Jahre 1928 in New Hort l 835 000 Juden. Nach der Schätzung dieser Kommission wird New Purk in weniger als fünf Jahren zwei Millionen Juden zählen. Tie Kommission stellt ferner fest, daß sich die wirtschaftliche Lage der Juden in New Aork allmählich bessert; die Zahl der vom öffentlichen Wohlfahrtswesen abhängigen Familien nimmt zusehends ab. Nach einer Mitteilung von Tr. H. S. Linfield vom Büro für jüdische Statistik uno Forschung zählte man im September 1928 in den Vereinigten Staaten 4 228029 Juden. Synagogenmufik Von Rabbiner Tr. Gottschalt, Frankfurt a. M. Zu den S a u lsche n Forderungen. Es könnte ausfällig erscheinen, daß ein Kantor gerade in die Zeit der höchsten Feiertage über die musikalische Seite des Gottesdienstes spricht. Wird doch an ihnen verhältnismäßig noch das Beste geboten. Aber vielleicht find Herrn Saul gerade diese Tage ein Anlaß gewesen. Jedenfalls lontu man es ja auch an ihnen erleben, oaß ein Predigtlijed fünfmal uno ein Schlußjlied ebenso oft — immer dasselbe natürlich — wiederkehrt. Und wodurch unterscheidet sich der 2. Neujahrstag vom 1., uno wie oft hört man nicht am Jaumkippur oie um das Sündenbek'enntnis kreisenden Stücke, immer in derselben Melodie, wie oft das Owinu und an den Sukkaustagen — wieviel wiederholt sich da! Eine Genügsamkeit uno eine Armut herrscht hier vor, die in der Tat fürchterlich ist - jeoenfälls für den, der auch von der Musik her religiöse Beeinflussung sucht und erstrebt. Freilich sind die Ansprüche der Besucher in dieser Hinsicht verschieden, sehr verschieoen. Aber das sind sie ja auch bezüglich Gebet nno Predigt. Und gerade an den höchsten Festen scheint mir jeder Wunsch Anspruch auf Befriedigung zu haben und umsomehr, als. die Möglichkeit dazu vorhanden ist: an Zeit und Material. Herr Saul hat hauptsächlich jüdische Komponisten genannt. Uno natürlich soll man an sie zuerst denken. Aber es gibt doch auch so viel prachtvolle Stücke nichtjüdischer Meister, die jüdischen Texten gelten. Es ist gewiß mehr als interessant, wenn Franz Rosenzweig sogar — im Heft der „Gemeinschaft" zur Tagung des „Weltverbandes" — schreibt: „Bach in die Synagogen!.. Es gibt ein Fülle alttestamentlicher Texte uno gerade die schönsten in Bachschec Vertonung... Es wäre ein rechtes Glück, wenn oas was würde, für beide Beteiligten: für die Synagoge, die damit endlich statt braver Kapellmeistermusik Teil gewänne an der w-irklichen großen deutschen Musik, aber auch ein Glück für Bach, denn diese Sachen schlafen ja größtenteils den Schlaf der Partitur, aus dem fie dann zu klingendem Leben erweckt wütoen." - Und selbst wenn sie diesen Schlaf nicht schlafen, weshalb dürfen wir uns nicht erbauen an dem, was unser ist und vor allem in unsere Gotteshäuser gehört, eher als in Konzertsäle. Weshalb denn auch immer und gerade an diesen Tagen die Beschränkung aus ein Instrument, die Orgel. Schwieriger liegt es bei dem einfachen und regelmäßigen Gottesdienst, der jede Woche wiederkehrt. Hier verlangt die Kürze der Zeit Beschränkung. Und doch dürste es auch hier nicht nötig sein, daß jeden Sabbath beinahe dieselben Chorstücke, aber auch, was erst recht erstaunlich, dieselben Solostücke des Kantors gehört werden müssen. Eine Qual für den musikalisch Bewegten! Das hat mit der Aktivierung der Gemeinde, auch im Singen, natürlich gar nichts zu Zun. Niemand ist dagegen. Man gebe ihr Gelegenheit, gewisse einfache Sätze oder auch Größeres singen zu können. Aber es muß ja auch das nicht immer in der gleichen Monotonie geschehen. Erziehen wir doch keine Gesangsmaschinen, wie wir ja auch die Gebetsmaschinen vervönen. Und den Einwand, daß wir „Konzerte" statt Gottesdienste wollen, sollte doch der nicht erheben, der über Kunst und Religion je nachgedacht hat. Aber selbst wenn beides besser würde — wir müßjten mehr tun. Vor drei Jahren gerade schrieb ich hier: „Macht die Tore der Tempel auf, statt daß ihr sie 6 Tage geschlossen haltet! Verschafft der Menge auch während der Woche wahrhast religiöse Feierstunden! Veranstaltet ihr wahrhaften Gottesdienst. Laßt religiöse Musik erllingen, belebt das altjüdische Jubilieren. Lasset Massenchöce erschallen, Kinderstimmen zum Himmel ausiauchzen, macht uns unsere Psalmen lebendig in den klassischen Tönen unserer Meister, spielet alle Instrumente zusammen wie der 150. Psalm es will..Und vor kurzem hat der rührige Vulkan- Breslau hier die Forderung nach Orgelspiel in der Woche erhöben. Uno etwas geschieht ja schon wirklich. Ich meine nicht oie Synagogenkonzerte, die meist in viel zu großen Rahmen gespannt werden, aber man umrahmt die „Weihestnnden", die hier und da am Sonntag-Nachmittag in Synagogen gehalten werden — als Vortrag bis jetzt nur — durch Spiel und Gesang. Ein Anfang, den es auszubauen gilt. Und man muß diese Ausgabe solange betonen, bis auch sie endlich durchgeführt wird. Und es ist eine Aufgabe gerade für liberale Kreise. Wir haben nicht etwa nur zu „locken" und zu „werben", wir haben die Pflicht — die religiöse im allgemeinen, die liberale insbesonders — jeder religiösen Einstellung Rechnung zu tragen, in unserem Fall also der religiös-künstlerischen. Fehlt es den „maßgebenden" Kreisen in diesem Falle an Willen und schöpferischem Geist, weil vielleicht auch an musikalischer Empfänglichkeit uno Kenntnis, dann sollten die religiös-künstlerischen „Laien" solange energisch an die Tempeltore klopfen, bis sie ihnen geöffnet werden, die Aelteren und die Jugend! Sie sollten aber auch ihren Eifer darin zeigen, selbst zu spielen und selbst zu singen, soweit sie fähig sind. Es 'könnte immer darüber gewacht werden, daß der Würde des Hauses kein Abbruch geschehe. Aber so ergäbe sich eine schöne Möglichkeit, die Schätze jüdisch-religiöser Musil oder religiöser Musik über jüdische Texte weitesten Kreisen vertraut zu machen und durch die Musik so manchen Text. Noch einmal, großartige Konzerte sind nicht gemeint, — ganz gelerrtlich kann man auch daran denken —, eine „Kostenfrage" darf gar nicht entstehen und einen „Billetverlauf" darf es natürlich nicht geben. Aber Stunden der Weihe, das sollen sie sein, die Wochenfeiern im Gotteshaus, Stunden des Ausrnhcns und neuen Aufschwunges, Stunden nach der Arbeit und doch wieder der Ermunterung zu neuer Arbeit. Man wird die Stunden noch anders aussüllen können — auch davon wurde hier schon gesprochen — aber fangen wir mit der Musik einmal an und betonen wir mit viel mehr Energie als bisher das Recht der Musik auf die Synagoge! Hermann Falkenberg — 60 Zahre Bon Rabbiner Tr. Marlin S a l o m onsk i. Die Ucbcrschrift klingt unlvahrscheinlich uno >vird nicht viel Glauden finden. Die alte Wendung, das; wir die Menschen nicht nach Jahren zu beurteilen haben, findet hier vollgültige Bestätigung. Wir halten uns nicht lange damit auf, daß man Hermann Falk e n -- berg seine Jahre nicht ansieht, und wir unterwerfen uns auch nicht seinem Diktat, daß sein Geburtstag nicht crlvähnt noch gefeiert werden darf. Er muß es sich gefallen lassen, daß die Oesfentlichkcit Notiz nimmt, denn wer steht wohl mehr und stärker in der jüdischeti Oeffentlichkeit! Der Schreiber dieser Zeilen hat ein Recht der Jahr zehnte und der Dankbarkeit, von Hermann Falkenberg zu berichten. Als er unter des unvergeßlichen H o l z m a n s Führung Präparanbist und Seminarist war, bin ich hier in Berlin sein Schülergewesen. Die alten Generationen der Knabenschule unserer Gemeinde können gleich mir noch heute bezeugen, denn so etwas vergißt man nicht, wie eindrucksvoll, »oie gütig sein Unterricht und sein Lehrertnm schon damals war. Wenn wir auch als kleine Kinder nicht tvußten, was zartbesaitet heißt, so weiß man heute, das; man in der Schätzung seiner Person diese klare Empfindung gehabt hat. Ich. habe an anderer Stelle und vor Jahren geschildert, ivie Falkenberg über die offizielle Lehrerpslicht hinaus sich seiner Schüler annahm und die ihm wahrscheinlich damals karg zugcmesscnen Pfennige noch mit ihnen teilte. Darin hat er sich nicht geändert, und erwirb sich auch nicht mehr ändern. Ich stelle ihn mir immer so vor, — dabei höre ich von irgendwem ein leises Seufzen , daß er glückstrahlend mit beiden Händen den Menschen, allen Mensche'.' Geld ausstrent und erst zufrieden ist, wenn ihm nichts mehr bleibt. ' Geld und Schätze! Wir müssen jetzt mit etivas kühlerer Sachlichkeit tvenigstenS registrieren, wie Falkenberg sich das Warenhaus seines geistigeti Schaffens eingerichtet hat. Da sind sehr viele Abteilungen, die er alle selbst bedient: Seine Abnehmer, seine Käufer tverden das am besten bekunden. Lehrer an der Mädchenschule, an der er sein eheliches Glück gesunden hat, — nach dem Willen ihres Leiters, der ihn nicht entbehren konnte, zum Seminar und zur Knabenschule ver setzt — Dirigent einer blühenden Religionsschule - der goltcs dienstlichen Musik von jeher in seiner Jugend als Chorführer er geben — im Ehren und Arbeitsdienst der Gemeinde an sichtbarer Stelle — viel gehörter Dozent der Fortbildnngs und wissenschaftlichen Kurse — selbstverständlich auch an der neu gegründeten Ausbau anstatt der Gemeinde tätig, die uns den Nachwuchs der jüdischen Lehrerschaft sichern soll — der WohlsahrtSarbeit im stillen und doch im großen jederzeit dienend: aber alles dies ist nur ein Kapitel der Falkenbergschen Leistung! Indem wir Vieles und nicht Unwichtiges für heule übergehen, ist eS das schönste und seinen Freunden aus tiefer Seele kommend,, hinzuzufügen, was Hermann Falkenberg für den jüdischen Gottesdienst getan hat. Die in den sechziger Jahren des vergangenen. Jahrhunderts geschaffene Kultusreform innerhalb unserer Gemeinde stand schon lange still. Es war so, wie lvenn eine Lunge zwar tief einertinet, aber den Luststrom nicht entläßt. Das ist ein unerträglicher, schmerzender Zustand, der nicht zum Leben führt, und, lvenn das Sein noch fortdaucrt, asthmatische Beschwerden verursacht. Biele hatten das empfunden und ebenso viele, biS aus einen, dachten: Warum soll ich? Weil nun einer immer dem anderen Schuld und Verantwortung beließ, deshalb wurde nichts; ein Geschlecht kam, ein Geschlecht ging, die Mehrzahl der Großstadtjuden fühlte sich immer fremder im Gottesdienst, ein trauriges Ende schien die sicherste Prognose. Hier griff Falkenberg ein und obendrein in der bittersten Not des letzten Jnflationsjahres, so daß man sagen muß: Echt Falkenberg. Die Unwahrschcinlichkeit und Unmöglichkeit hat ihn gereizt, und er hat es außerdem mit einem Viertel Berlins versucht, wo der zahlenmäßige Erfolg selbst unter günstigsten Vorbedingungen begrenzt bleiben mußte. Der Berliner Norden, die Anlieger-Straßen unserer Schönhauser Allee, halten den Vergleich mit dem judenstarken Wilmersdorf oder dem ivirtschaftlich gesegneten Westend keineswegs aus. Also war dieser Anfang eines Gottes-- dienstes, der in seinen Kleiükinderjahren. sehr bekämpft, mißverstanden und von den eigenen Freunden vernachlässigt wurde, außerordentlich schwer. Aber mit Zähigkeit, mit Entschlossenheit beharrtc Falkcnberg auf seiner Position und hat nach und nach auch den sachlichen Gegnern klargemacht, daß unsere Andachten leine Verwässerungen sind, keine Reform im Sinne der Preisgabe heiliger jüdischer Güter, sondern das Gegenteil. Wenn er und ich es noch gemeinsam erlebeu sollten, daß in der Nähe der Schönhauser Allee oder auf jenem Grund und Boden, wo wir heute behelfsmäßig stehen, ein Gotteshaus unserer Jüdischen Gemeinde geweiht wird, dann müßte an dieser Pforte das einzige Wort Tschuwoh stehen. Umkehr, Rückkehr haben wir gewollt: Zur Wahrheit, zur Klarheit, zur Einfachheit, zu den alten Bräuchen, zu den unsterblichen Ueberlieferungen, unter Rücksicht aus die veränderte Zeit und, indem man die Menschen, ohne daß sie es merken, pädagogisch leitet. Kein Synagogenverein, sondern jüdische Gemeinschaft und, um Falkenbergs Wort zu gebrauchen, eine Keimzelle im großen Organismus, also ein beseeltes Etwas, das wachsen und sich mehren kann. So ist es geworden, nur darum ist es geworden! Die Stimmen dagegen sind verstummt. Hermann Falkenberg hat sich kein Patent auf seinen Gottesdienst geben lassen, mit ihm haben wir alle uns besonders gefreut, wenn unsere Einrichtungen in der Ferne und in der Nähe, bei den Veranstaltungen unserer Gemeinde Nachfolgeschaft fänden, wenn der Gedanke des Gotteswortes bei jedem Gottesdienste immer mehr Boden gtwinnt, wenn die Synagogen sich nicht nur wieder füllen, sondern auch beleben, wenn aus allen Teilen und selbst in den Grenzbezirkcn der Riesenstadt Wünsche lebendig oder wirklich werden nach echtem jüdischen Gottesdienst in seinem Sinne. In einer Beziehung leidet das Werk Not: Wir sind arm geblieben; uns fehlt das Geld. Unsere zahlreichen Veranstaltungen, unsere von so vielen gelesene Zeitschrift „Die Gemeinschaft" fordern Ovier. „Wen soll ich senden, wer wird unser Bote sein?" Man braucht Jesaja nicht weiter zu zitieren, so lange Hermann Falkenberg in unserer Mitte weilt, denn „Hier bin ich, sende mich!" ist sein Lcbensmotto, seine Parole. Wer geduldig bis zu diesen Zeilen geschritten ist, der wird schon einsehcn, daß man Falkenbergs 60. Geburtstag nicht unterschlagen durfte, und mancher, der Sinn für treue, selbstlose Arbeit hat, wird in stillem Dank bekennen: Es ist doch ganz gut, daß >vir auch solche Männer haben, denen gar nichts an der äußeren Ehre liegt, die nur vom Feuerstrom der Arbeit tcben und glücklich sind, wenn sic sich selbst verzehren. Möchte die Zeit nicht fern sein, die den Unwert des Dekorativen in unserem Leben erkennt! Das klingt wie ein Orakelspruch, aber »vir meinen damit, daß in erster Reihe die Menschen zu unserer Führung berufen sind, die arbeiten, von den Dingen etivas verstehen und ihr Judentum innig und selbstlos lieben. Das Wesen des Menschen prägt sich oft körperlich und in seinen Gebärden aus; das finden wir auch bei Falkenberg. Er kann nicht langsam gehen. Er läuft, er stürmt auf den Straßen, und ivie im Wettrennen erklimmt er die hohe Treppe zu unserer Synagoge; dort bleibt er halb atemlos stehen. Wenn dann der Chor der Freunde, wenn unser Prof. Fricdländer und Gottfeldr, wenn Dir. Plaut und Josef Salomon die Köpfe schütteln und „langsam, langsam!" rufen, dann antwortet der jugendliche Sechzigjährige: „Langsam?, das tanu ich nicht!" Erhalte dich, Hermann Falkenberg, für die jüdische Arbeit! Das ist unser Wunsch in diesen Tagen. Gib der Stimme des Zweifelns auch in Zukunft niemals Raum! Es sind noch einige da,, die wissen, was im Psalm 16, Vers 5, steht und was mit Fug und Recht den Schluß dieser Darstellung bildet: „Mein LoS ist mir ins Liebliche gefallen, mein Erbe ist so schön." Zum 70. Geburtstag von Minna Schwarz Ein Leben, köstlich durch Mühe und Arbeit, hat Minna Schwarz nicht altern lassen. Tie Siebzigjährige wirkt und schafft in unverminderter Geistes- und Tatkraft, und überall, wo sie mitarbeitet, ist sie unverändert vorbildlich in treuer Pflichterfüllung. Ihr Optimismus, ihre Klarheit, ihre organisatorischen Fähigkeiten werden aufs liebenswürdigste ergänzt durch ihre unermüdliche Hilfsbereitschaft, ihr warmes mütterliches Verstehen und ihre anregende, köstliche Heiterkeit. Ob als Vorsitzende des Frauenvereins der Berliner Logen und Gründerin seines Mütter- und Kinderheims, ob als Leiterin des Tistrikts Berlin der Logenschweftern, ob im Gesamtvorstand des Berliner jüdischen Frauenbundes — immer und überall hat sie diese vielseitigen Begabungen und glücklichen Eigenschaften zu segensreicher Auswirkung gebracht. Vielen, vielen ist sie Helferin geworden und hat durch ihr Vorbild und ihr lluges Wort viele als Helfer gewonnen. Ihre hrngebende Begeisterung für die Idee, für das Werk, hat in anderen Begeisterung zu erwecken gewußt. Ihr Wort und ihr Schassen wurzeln in ihrer Auffassung vom Judentum. Nach Bekenntnis und Betätigung ist sie liberale Jüdin. Sie ist über allen Formalismus hinausgeschritten. Tiefe innig gläubige Frau sieht Sinn und Kern der Religion in sozialen! Verstehen und im sozialen Arbeiten. Als eine der Vertreterinnen des Liberalismus ist sie seinerzeit in den Preußischen Landesverband gewählt worden. Möge ihre religiöse Auffassung, möge ihr Gottvertrauen ihr fernerhin Kraft verleihen zu beglückendem und beglückten Schaffen. Bertha Falkenberg. Berliner Repräsenlanlenversammlung In dieser Versammlung wurde eine große Reihe zum Teil sehr wichtiger Verwaltungssacheu erledigt. Hervorzubebeu ist insbesondere auch, daß endlich die von allen Seiten begrüßte Schaffung eines jüdischen Sportplatzes ihrer Erledigung zugeführt worden ist. Nicht zur Erledigung kamen einige Fragen, die einen politischen Anstrich hatten. Das Statut über den neuert Jugendpflegerausschuß mußte zurückgestellt werden. Bei dieser Gelegenheit ließ der Vertreter der Mehrheit deutlich durchblicken, daß der von der Repräsentantenversammlung ohne Unterschied der Parteirichtung eindeutig geäußerte Wunsch, den Vorsitz in diesem Ausschuß Herrn Landgerichtsrat Lilienthal zu übertragen, im Vorstand wohl keine Gegenliebe finden werde, und zwar, weil man diesen Posten mit einem Herrn besetzen wolle, der der Mehrheit nähersteht. Tie sachliche Befähigung des Herrn Dr. Lilienthal, der selbst aus der Jugendbewegung hervorgegangen ist uno noch bis vor kurzem der Leiter der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine war. spielt derartigen politischen Erwägungen gegenüber keine Rolle. Auch die Nachwahl für den Rat des Landesverbandes, die durch den Tod von Professor Türk notwendig geworden ist, kam nicht zur Durchführung. Auch hier hatten die Liberalen Herrn Landgerichtsrat Lilienthal.vorgeschlagen, weil, wie der Sprecher der Fraktion, Herr Rechtsanwalt Stern, betonte, oie Liberalen Wert aus einen tüchtigen Kenner des Staatskirchenrechtes legten, nachdem hervorragende Vertreter dieser Materie, Justizrat Lilienthal und Makower, aus dem Rat ausgeschieden sind. Plötzlich aber wurde mitgeteilt, daß auf Türks Nachfolge — die Mittelpartei Anspruch erhebe, und ein Vertagungsantrag fand so mit Stichentscheid des Vorsitzenden Annahme. Tie liberale Fraktion hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie auf den durch den Tod eines Liberalen freigewordenen Sitz begründeten Anspruch erhebe und durch keine mathematischen Erwägungen sich in dieser Ueberzeugung irre machen lassen werde. Als von gegnerischer Seite darauf hingewiesen wurde, daß man für das freigewordene Schuldezernat einen Fachmann brauche, hielt Rechtsanwalt Stern entgegen, daß man einmal in Professor Elbogen im engeren Rat einen ausgezeichneten Schulfachmann Hube, und daß andererseits die jetzige Besetzung des Schulvorstandes in der Berliner jüdischen Gemeinde, allerdings durch einen Zionisten, wohl gezeigt habe, daß die Volkspartei nicht immer auf unbedingte Fachkunde für Schul- Sendet de« fällige« Veilrag für das 4. Quartal 1929 in Höhe von Mk. 2,30 auf da» Postscheckkonto der Lereinigung für da» liberale Jude«« tum Berlin Nr. 137 069 ei«.