Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 46 (13.11.1929)
- Date
- 1929-11-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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V gehe den harten Weg des Gehorsams und meide den bequemen und selbstgefälligen Pfad eines lässigen Eigensinnes und des Besserwissenwollens; ohne den festen Halt Deiner Erzieher wirst Du auf schlüpfrigem Pfade dem Abgrund zueilen. Der Weg des Gehorsams aber wird Dich emporfühven, wird Dich Selbstbeherrschung lehren und aus der Mitte jüdischer Jugend ein neues starkes Geschlecht heranwachsen lassen, das frei sein wird und trotzdem neue Ehrfurcht den Eltern und Erziehern gegenüber empfindet. * Aus der Ili-Arbeit Breslau. (Die Aufgaben der jüdisch-liberalen Jugend in der Gegenwart.) Am 6. November sprach unser Freund Max Gundersheim (Jli-Franksurt) Berlin über „Die Aufgaben der jüdisch liberalen Jugend in der Gegenwart". Seine temperamentvollen, aus alle kleinlichen Rücksichten verzichtenden Ausführungen sanden denn auch bald freudigen Widerhall bei den Antvescnden. Dennoch verstand es der Vortragende, seine eigensten Gedanken in durchaus sachlicher Weise zum Ausdruck zu bringen. Er entwarf in großen Linien ein anschauliches Bild von den geistigen Strömungen und der Entwicklung unserer Zeit, um daran zu zeigen, wo überall Religiosität mitwirke und welche Aufgaben dort die Religion, die Form der Religiosität, zu erfüllen habe. Religion sei das Streben, eine Uebersicht über die Dinge der Welt zu bekommen. In all den Umwälzungen müßten »wir uns wieder aus die Werte des Judentums, das selbst eine bewegte Entlvicklung durchgemacht habe, besinnen. Wir müßten die Zeit mit dem Geist des Judentums und das Judentum mit dem Geist der Zeit durchdring-en. Diese geistige Vertiefung sei die Aufgabe gerade der jüdisch liberalen Jugend in der Gegenwart. Der Jli müsse hierbei führend wirken. Mit der aus eigenem Erleben sch.öpsenden Begeisterung wies der Vortragende auf die praktischen Möglichkeiten der Arbeit hin, ohne sich im Kleinlichen zu verlieren. Die Schaffung von Feierstunden, die besondere Ausgestaltung gerade auchder frohen Feste, wie cs im alten Judentum geschah, die gegenseitige Erziehung, die Gewinnung der Indifferenten unter Ablehnung aller verschwommenen Neutralität, das seien Aufgaben, die sich an die bisherige Arbeit des Jlis und der gesamten liberalen Jugend anreihen müßten. Nicht minder interessant als dieser Vortrag verlief die Aussprache, in der sowohl von der theoretischen tvie von der praktischen Seite die vorgenannten Fragen behandelt wurden. In seinem Schlußwort faßte der Bor tragende noch einmal das Gehörte zusammen und betonte vor allem, daß wir nie die Fühlung mit unserer Umwelt verlieren dürsten. Daß wir darum bestrebt sein sollten, wo immer es sei, auch mit der nichtjüdischen Jugend zusammenzuwirken. In der Jüngeren-Gruppe sprach am 31. Oktober Alfred Fabian (Hauptgruppe) über „Reformatorische Bestrebungen im Christentum". Cr zeigte dessen Hinauswachsen ans dem Judentum und danach das Eindringen des Christentums in das .Heidentum. Gegen die so entstandene, das ganze Mittelalter hindurch fast unverändert gebliebene Kirche trat Luther auf. Doch auch er konnte sein Ziel nicht restlos erreichen, wieder das persönliche religiöse Erlebnis im Menschen gegenüber dem starren Dogma zum Durchbruch zu bringen. Bis in die Gegenwart sind ähnliche Reformbestrebungen zu beobachten, hier' z. B. die der Freireligiösen. Am 7. November hielt in der Jüngeren-Gruppe Franz Meidner (Hauptgruppe) einen Vortrag über „Bauen in Mittelalter und Neuzeit". Der Vortragende behandelte das Thema unter zwei Gesichtspunkten: den Baucharakter deutlich zu machen und Form und Zweck deS Bauens während der beiden Zeitepochen zu erklären. Vermöge einer großen Sachkenntnis und unterstützt durch umfangreiches Bildmaterial gelang es ihm, seine Zu Hörer mit dem interessanten Stoff vertraut zu machen. Am 1. November fand zum ersten Mal in diesem Winter wieder «ine Freitagabendspätandacht statt. Gemeinderabbiner Dr. Bogelstein verband mit der Schöpfungsgeschichte tiefgehende Betrachtungen über di« Verantwortung des Menschen. Nicht Erbsünde, sondern sittliche Erbverautwortung lehre das Judentum. Aber alle Verantwortung des Menschen habe nur einen Sinn, wenn sich der Mensch als sittliche Persönlichkeit in die (Gemeinschaft einstige. Erich Vulkan. Frankfurt a. M. (Heimabend.) Unsere jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft soll uns nicht nur mit den aktuellen jüdischen Problemen vertraut machen, sondern uns auch in die (Gegenwartsfragen des deutschen Vaterlandes einführen und besonders die Rückwirkungen Das JN-Programm :* Berlin. Gemeinsame Veranstaltungen. Mittwoch, 20. November: Fahrt nach Schmöckwitz. Treffen. 8.20 Uhr Görlitzec Lahnhof. Führung: Hilde Deutschland. Donnerstag, 21. November, 20.00 Uhr, Synagoge Fasanenstraße (Schulgebäude). Marti« Glaß spricht über „Rousseaus Stellung zur Religion". Gruppenveranstaltungen. Aelteren- und Führergruppt. .Freitagabendfeier am 15. November, 20.00 Uhr, bei Ellen Litlmann, Königsweg 9. Panlow-Osten. Donnerstag, 14. November, 20.00 Uhr, bei Alice Wrefchinski, Elbinger Straße 46: Zeittheater. . Sieglitz. Sonntag, 17. November, 11.00 Uhr, bei Lotte Löwenstein, Albrechtstraße 118. Norden. Dienstag, 19. November, 19.00 Uhr, Jugendheim, Fehrdelliner Straße 92: „Deuteronomium". Südende. Freitag, 15. November, 16.30 Uhr, bei Peter Fleischer, Südende, Potsdamer Straße 17. Breslau. Haupt- und Jüngeren-Gruppe: Mittwoch, den 20. November, pünktlich 10 Uhr, Treffpunkt: Alte Synagoge, Wallstraße 9: Führung durch die Alte und Neue Synagoge und ihre Einrichtungen. Leitung: Wolff Davidsohn. Iüngereu-Gruppe: Donnerstag, den 14. November, 16.30 Uhr, Gerhart Hauptmannloge, Schweidnitzer Stadtgraben 9: Geselliges Beisammensein (Rezitationen, musikalische Darbietungen nsw.). Frankfurt a. M. Donnerstag, den 14. November, Arbeitsgemeinschaft: „Freie Referate". Samstag, den 16. November, 17 Uhr, Untermainanlage 7, Dr. Hvffmann: „Faust". Montag, den 18. November, 20.30 Uhr, Sternstraße 11, bei Lion: Arbeitsgemeinschaft Dr. Gottfchalk: „Religiöser Liberalismus". Dienstag, den 19. November, 20.45 Uhr, Westendsynagoge, Heimabend: Zeitungsschau und aktuelle Tagesfragen. Mittwoch, den 20. November: Wanderung. Näheres wird am Heimabend bekanntgegeben. Jugendgruppe: Samstag, den 16. November, 15.30 Uhr: Geselliger Nachmittag bei Metz, Sophienstraße 30. Ratibor. Für die am Mittwoch, den 20. ds. Mts., angesetzte Kenerakversammlung mit Bvrstandswahl ist das Erscheinen jedes ordentlichen Mitgliedes unbedingt ersorderlich. der Geschehnisse der deutschen Politik auf die jüdische Religionsgemeinschaft erkennen lassen. So besprachen wir am 29. Oktober im Rahmen unserer aktuellen Tagesfragen den Stand des Volksbegehrens, des Stahlhelm und der radikalen Rechtsparteien. Das Ergebnis der Eintragung für das Volksbegehren war damals noch nicht festgestellt, und wir waren noch im Zweifel darüber, ob das Begehren angenommen wäre oder nicht. Einige Freunde sprachen sehr zuversichtlich von dem Scheitern der antirepublikanischen und letzten Endes auch antisemitischen Aktion, aber der eine oder andere warnte vor dem atlzusrühen Optimismus. So kam auch die Rede aus die Erfolge der Nationalsozialisten bei den letzten Wahlen. Zweifellos trägt die schwierige Wirtschaftslage die Hauptschuld an dem Anwachsen dieser fanatisch-völkischen Bewegung, aber einen großen Teil der Schuld trifft auch die ungenügende Abwehr der Lügcnfeldzüge der Nationalsozialisten durch uns Juden. Bei uns setzt man sich für eine Jewish Agency von Palästina ein, schreitet im eigenen Lager mit Erbitterung und Schärfe gegen die Glaubensgenossen, die eine palästinensische Katastrophenpolitik nicht mitmachen wollen und schwächt dadurch den Kampf gegen den Antisemitismus, die Abwehr, die wohl nie so notwendig war als gerade jetzt. Die Aktivität und der unermüdliche Eifer der Nationalsozialisten, der wahrlich einer besseren Sache würdig wäre, sollte doch allen Juden zu denken geben und eine Gegenaktion von unserer Seit« zur Berteidigung der Ehre der deutschen Juden Hervorrufen. Aber die Einheitsfront auf unserer Seite ist fern. Nur ein Teil steht im Abwehrkampf gegen den Antisemitismus zur Verteidigung unserer Rechte in der Kampflinie; die anderen träumen weiter und bauen Luftschlösser und Karten-' Häuser — für Palästina. Flörsheimer. Aus der Bewegung Dortmund. (Welche Forderung stellen wir an unsere religiös-liberalen Gemeindevertreter.) Zu ganz besonderem Dank ist unsere Ortsgruppe dem Vorsitzenden der jüdisch-liberalen Jugendvereine Deutschlands, Herrn R.-A. Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. M., verpflichtet, der am Sonnabend, den 2. November 1929, zu uns sprach. Das Thema seines Vortrags war: „Welche Forderung stellen wir an unsere religiös-liberalen Gemeindevertreter?" Durch das Feuer -seiner Begeisterung, unter Beherrschung der Gesamtfragen des liberalen .Judentums hob er den Abend weit über den Rahmen eines üblichen Vortragsabends. — Er ward zur Feier- und Weihestunde. — Seine Ausführungen wurden zu einem freudigen Bekenntnis des liberalen Judentums, über das er einleitend programmatische Gedanken entwickelte. — Die Gesamtentwicklung ' der Menschheit wäre eine andere geworden, hätten die Menschen den Weg zur Religion zurückgesundcn. Sie dorthin zu führen, ist jüdische Aufgabe, denn uns ist die Verbreitung religiössittlicher Gedanken in der Diaspora übertragen. — Erfüllung und praktische Verwirklichung findet sie durch das Wirten in der Gemeinde. — Ihre erste Aufgabe besteht in der Erhaltung der Einheitsgemcinde, aber nicht unter Dominierung der Orthodoxie oder einer Halborthodoxie, sondern unter Wahrung der Forderungen des Liberalismus. — Für die Bedürfnisse der Orthodoxie muß gesorgt werden, aber sie hat kein Recht auf Vorherrschaft. — Das Recht aus Einäscherung muß jedem gegeben sein, wie die Möglichkeit, am Gottesdienst tcilzunehmen, der nach liberalen Gedanken zu formen ist. — Als Beispiel solcher Neugestaltung nennt der Vortragende die Einrichtung der Barmizwah in Magdeburg, woselbst nicht die Parschoh verlesen wird, sondern aus einer zweiten Thora die 10 Gebote hebräisch und deutsch vorgeträgen werden. — Das Zusammensitzen der Familienangehörigen ist anzustreben. — Die Ricsensynagogen mit ihrem Unpersönlichen sind zur Vertiefung der Religiosität ungeeignet; man folge dem Vorschläge des demnächstigen Dortmunder Rabbiners Dr. Wilhelm, Braunschweig, der Gottesdienste im kleinen Kreis eingerichtet sehen möchte. Zur Belebung des Synagogenbesuchs lasse man nicht jeden Samstag denselben Rabbiner sprechen. — Es erfolge ein Austausch, der auch Laien umfasse. - Dann werden wir die Gotteshäuser wieder füllen. Die Gemeindeverwaltung darf keine Verwaltungsmaschine, sondern muß vom Verantwortungsbcwußtsein der Bedeutung der kulturellen und sozialen Forderungen getragen sein, die heute an jede Gemeinde herantreten. Als solche trägt sie die Verantwortung für den Religionsunterricht, für die Erfüllung der sozialen Aufgaben, die über den Rahmen der Vcreinstätigkeit hinauswachsen. — Sie hat mitzuwirken an der Berufsberatung und Bcrufsumschichtung der Jugend^ bestehende Beratungs- und Arbeitsvermittlungsstellen zu übernehmen. — Gemeindeabende sind einzurichten, in denen die Vertreter zur Gemeinde sprechen, Kurs« für Mütter zur Erlernung der religiösen Erziehung der Kinder. Man vergesse die Jugend nicht, die aber nicht voraussctzungs-- los an die jüdischen Fragen herantrctcn darf. — Es ist zu wünschen, daß sich jeder Jude mit den Fragen des liberalen Judentums beschäftige, daß aus den Individuen sich die Gemeinschaft entwickle, ein jeder sich als Gemeindevertreter fühle und demgemäß handle. — Liberalismus in diesem Sinne ist nichts Negatives, sondern weiterführend, ausbauend. — Vorbilder sind uns Lessing und Mendelssohn. Vorwärts! — Deutsch sei unser kulturelles und politisches Empfinden und Denken, bewußt jüdisch unsere religiöse Einstellung. 'Reicher Beifall der zahlreich Erschienenen lohnen die Ausführungen des Redners, dem der zweite Vorsitzende unserer Ortsgruppe, Konrektor a. D. Em. ZVoldschmidt, als Leiter des Abends besonderen Dank ausspricht. — Die Anregungen wirkten sich in einer überaus regen Diskussion aus. Da die Versammlung öffentlich war, sprachen auch Gegner des Liberalismus, die allerdings sich nur aus die prak-- tische Verwirklichung der Gedanken beschränkten, ohne an den Ausführungen des Redners Kritik üben zu können. — Herrn Dr. .Hoffmann sprechen wir auch an dieser Stelle unseren Dank aus in der Hoffnung, daß wir ihn bald wieder in unserer Ortsgruppe begrüßen können. Für Ihren Bräutigam Jhfmiil? Sie sorgen ja sehr gut für ihn! WZ W So ein Frechdachs! - Erweify ganz genau, dafj die Gnädige selber nichts anderes haben will. — Denn in jede feine Küche gehört Palmin! Verein für Feuerbestattung In Berlin von 1874, e. V. venu, kostenlose Feaerbest&ttang Annahme W 35, Lfltzowstraße 44, Telephon: Lfltzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Qcke Pasanenstraße, Telephon: Stehplatz 1835 WERKSTÄTTEN FÜR GRABMALKUNST 8. WEISS GRABDENKMÄLER U. ERBBEGRÄBNISSE BERLIN-WEISSENSEE LOTHR1NGERSTR. 8 - TELEPHON: WEISSENSEE 407 Schriftenreihe d. Vereinigung!. l üb. Mntam E.?. Heft hp. i Die Grundsätze des Jüdisch» religiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin Preis 0:50 Mk. Heft HP. 3 in zweiter Auflage die seit Jahren vergriffene Broschüre Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums von Dp. Joseph Hopden>Eiberfeid Preis 0.73 Mk. Bestellungen beim Verlag der „Jüdisch-liberalen Zeitung* Berlin SW 11, Hallesche Str. 1 Ab onnieren Sie die Zeitschrift (Erscheint monatlich) Jährlich RH. 10.— Halbjährlich RH. 5.50 Petifcln - durch nichts zu ersetzen! — ist und bleibt nun einmal das beite Speisefett der Welt. Palmin in Jeder Küdie, des echte Palmin! fafi mm in das naturreine llimUl COCOS-SPEISEFETT Verlangen Sie noch heute eine Probenummer Preis pro Heit HM. 1- Verlag Das JQdlscbe Magazin Berlin so 16, meictuorstrasse 28 Verlag: Bereinigung für das liberale Judentum e. V., Berlin SW. 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Ing. Bruno Wohda, Berlin SW. 29. — Druck: Hermann Wegner & do., Berlin-Mariendorf. 5025