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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-10-30 · 44 (30.10.1929) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
44 (30.10.1929)
Date
1929-10-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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s. Jahrgang Nummer 44 ISWchÄMl^M 1. Beilage 30. Oktober 1929 Ae zionistische Schimpfkanonade Kampfe Dir Indische Rundschau überschreibt eine neuerlich^ Mitteilung „Würdelosigkeit in Permanenz". Das jüdische Familienblatt iu Leipzig wählt für seinen Leitartikel die Ueberschrist „Katzenjammer", spricht dann von „Scheinheiligkcit der Gesinnung", von „Hypertrophie jüdischer Frechheit" und oersteigt sich schließlich zu der kühnen Behauptung, „dieses Deutschtum mosaischer Konfession ist die echte Assimilation der 2. und 3. Generation, deren Nachkommen die Dause zu nehmen pflegen". Das Münchener Zionistenblatt „Das jüdische Echo"' meint, man wird sich merken müssen, „wer, von Angst gepeitscht, getrieben von jener undefinierbaren Mischung aus Hochmut und innerer Knechtschaft, aus Egoismus und Schadenfreude, die die Gesinnung aller innerlich im Ghetto SteSengebliebenen kennzeichnet" die Erklärung veranlaßt und unterzeichnet und damit eine „dem Volksverrat sehr ähnliche Handlung" begangen hat. Daß auch Nichtzionisten, die an der Agencn glauben Mitarbeiten zu sollen, in dieses Konzert einftimmen, ist besonders beachtlich. Offensichtlich fühlen sich einige dieser Nichtzionisten den Zionisten aus Gedeih und Verderb verbunden. In einer viel erörterten Rede Oskar Wassermanns in Dresden, in der er auch den Vorsitzenden der Dresdener Ortsgruppe des Eentralvereins glaubte persönlich apostrophieren zu müssen, verstieg er sich u. a. zu folgender Bemerkung gegenüber dem Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens: „Der Eentralverein wäre wohl für die Opfer ciugetreten, wenn Inden in China hingemordet werden oder wenn in Palästina Mohammedaner oder Christen die Opfer gewesen wären. Ta es sich aber um Juden in Palästina handelt, hatte man Angst, sich herausznstellen." In die gleiche Kerbe schlägt in der Breslauer Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland Rechtsanwalt Ludwig Foerder. Cr scheut sich nickt, in einem längeren Artikel über die „Erklärung deutscher Inden" u. a. zu schreiben: „Beabsichtigt ist zweifellos eine Sabotage der „Hilfe durch Aufbau". Die 6V Waisenkinder, die 23 Witwen, die wir als Opfer der arabischen Mordnacht registrieren, sollen keine Unterstützung durch deutschempsindende Juden erhalten. Diese Absicht wird mindestens zunächst erreicht." Natürlich handelt es sich für ihn um die Aktion einer „Gruppe, die hinter Herrn Mar Naumann, bayerischem Hauptmann und Komprgniesührer, und feinem Zahlmeister Ostberg hermarschiert". Daß nicht weniger als 37 Hanptvvrftaudsmitglieder des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dem ja auch Herr Foerder angehört, sich unter den Unterzeichnern finden, verschweigt cr wohlweislich feinen Lesern. Wenn Herr Dr. Foerder schließlich einen Trumpf mit der Frage ausspielen will: „Warum veröffentlicht man nicht den Absagebrief, den der Vorsitzende des „Liberalen Rabbinerverbandes" ,Dr. Seligmann, Frankfurt a. M., an Herrn Ostberg gesandt hat?", so ist die Antwort sehr einfach. Weil, wie wir auf Anfrage feststellen, Herr Ostberg eine» derartigen Brief nie erhalten hat, und weil ein solcher Absagebrief auch kaum geschrieben sein dürfte; da, wie wir hören, Herr Rabbiner Dr. Seligmann wegen seiner Stellung als Vorsitzender des Liberalen Rabbincrverbandes zur Unterzeichnung des Ausrufes überhaupt nicht aufgefordert worden ist. Daß durch eine derartig gehässige, unsachliche Polemik dem Palästinawerk bestimmt nicht genutzt wird, werden hossentkich die Förderer dieses Werkes bald selbst erkennen. Daß sie die Unterzeichner der „Erklärung deutscher Juden" durch diese Art der Polemik in der Ueberzeugnng vom Erfolg ihrer Schritte nur noch bestärken, ist wohl selbstverständlich. Die Zuschriften aus allen Teilen des Reiches, die Unterzeichnern der Erklärung in unerwartet großer Zahl zugingen und noch immer zngehen, sprechen gleichfalls hierfür.' Und die Tatsache, daß beispielsweise in den letzten Tagen kein Geringerer als der Dichter Jakob Wassermann seine Unterschrift für die „Erklärung deutscher Inden" gegeben hat, scheint uns mehr Gewicht zu besitzen als die zionistische Schimpfkanonade der letzten Zeit. Die Redaktion. Wir veröffentlichen nachstehend von den bei uns eingegangenen Zuschriften zum Thema Zionismus und Iewish Agency Beiträge von Rabbiner Tr. Vvgelstein, Breslau, R.-A. Tr. Geiger, Frankfurt a. M., Tr. Alfred Caro, Berlin. Antwort an Katzenstein Breslau, 23. Oktober!929. NO er nt Rechtsanwalt Tr. Katzenstein B i e l e f e l d. tage vereinigt haben. Hätten wir diese Tarstcllung un widersprochen gelassen, so hätten ivir damit zugeftanden, daß wir bestenfalls Inden minderer Qualität sind. Ihnen brauche ich nicht zu sagen, daß wir, nicht weil wir weniger jüdisch sind, sondern vielmehr aus innerstem jüdischen Empfin den heraus dem nationalen Ausbauwerk ablehnend gegenüberstehen. lieber das Verhältnis zum Teutschtum uud Judentum bin ich mit Ihnen durchaus einer Metnuttg. Mir ist beides selbstverständlich und die Beziehung völlig unproblematisch. Für mich ist die Synthese gegeben, mein Wesen müßte verkümmern, wenn eine dieser beiden Wurzeln abstürbe. Tie Möglichkeit dieser Synthese ist dadurch gegeben, daß Teutschtum und Judentum llicht in einer Ebene liegen. Das Deutschtum ist das Rationale, das Judentum das Religiöse. Daß ich dabei das Religiöse nickst in dem engen Sinne der Konfessionalität meine, ist in meiner Auffassung des Religionsbegriffes begründet, ohne die ich mein Amt nicht führen könnte. Religion ist für mich nicht ein kleiner, abgegrenzter Bezirk des Lebens, vielmehr fordere ich, daß das ganze Leben religiös durchweht ist, und daß die Religion sich im Leben, ohne es zu tyrannisieren, nach allen Seiten auswirkt. Sie nehmen das Wort „national" in dem Sinne, wie es in den englisch sprechenden Ländern verstanden wird. Aber selbst in diesem Sinne ist es hier tticht anwendbar. In England oder iu den Vereinigten Staaten bedeutet die Bezeichnung „national" für eine Sache, daß es nicht eine lokale oder provinzielle, jottbcnt das ganze Land umfassende, aber nickt internationale Angelegenheit ist. Wenn von dem „nationalen jüdischen Heim" die Rede ist, so tritt hier jüdisch an dieselbe Stelle wie dort englisch oder amen laitisch, und damit ist ein unserm kontinentalen europäischen Sprachgebrauch ganz gleicher oder zuin mindesten überaus ähnlicher Sinn gegeben. Tenn auf dem europäischen Kontinent hat das Wort „national" durch die geschichtliche Entwicklung, durch die Bestrebungen, die zur Bildung der Nationalstaaten führten usw., eine viel schärfere Prägung erhalten, die auch von der Wissenschaft anerkannt und festgehalten wird. Aber selbst wenn ich dem englischen Worte eine andre Bedeutung zubilligen würde, ist durch die Beibehaltung dieses Wortes in allen Enunziationen in deutscher Sprache die Tendenz des Aufbauwerkes gekeitttzeichnet. Gegen kulturelle Aufbauarbeit in Palästina würde ich mich wahrlich nicht wenden. Lange bevor es einen Zionismus gab, haben wir dahingehende Bestrebungen unterstützt. Ta mögen Meinungsverschiedenheiten entstehen über die Zweckmäßigkeit dieser oder jener Maßregel oder der Organisation des Ganzen u. dgl., aber das würden keine prinzipiellett Gegensätze sein. Wollte man wirklich eine Einigung der gesamten Judenheit für die Palästina-Arbeit herbeiführen, so könnte man es, wenn man daraus verzichtete, uns unter der „nationalen jüdischen" Flagge marschieren lassen zu wollen. Dieses Opfer meiner Ueberzeugnng bringe ich nicht, weil ich der Meinung bin, daß durch dm nationalen Gedanken dem Judentum ein falsches Ziel gesteckt und es auf einen falschen Weg gedrängt wird. Es ist nach meiner Ansicht hohe Zeit, der zunehmenden Verwirrung in dieser Hinsicht innerhalb des Judentums entgegenzutreten, und wenn ich mir einen Vorwurf mache, so ist es der, daß ich aus der begreiflicheit Rücksicht heraus, das Werk nicht stören zu wollen, bisher geschwiegen habe. Sie selbst haben in Ihrem Briefe schwere Bedenken, die Sie hegen, angedeutet. Meine Bedenken und meine Sorgen um des Judentums willen sind weit schwerer und ernster, so schwer und so ernst, daß ich mich scheue sie niederzuschreiben. Tic volle Uebereinstimmung in den Grundlagen unsrer Auffassung vom Judentum gibt mir aber die Gewähr, daß wir unbeschadet einzelner Meinungsverschiedenheiten in gemeinsamer Arbeit für das religiös liberale Indentum wie bisher ztisammenstehen werden. Mit vorzüglicher.Hochachtung Ihr sehr ergebener V o g c l st e i n. Roch einmal „Zur Diskussion über die Zervish Agency" Von Tr. Rudolf Geiger, Fraitkfurt a. M. Sehr geehrter Herr Doktor! Täe Veröffentlichung Ihres Briefes ait Herrn Rechtsanwalt Stern wird es begreiflich erscheinen lassen, daß auch ich intch an dem Meinungsaustausch mit meiner Aeußernng beteilige. Ihre Darlegungen haben, mir von neuem die grund sätzliche klebereinstimmuna zwischen uns gezeigt. Die Diffe renz. ist nur, datz Sie glauben, die Beteiligung am Keren hajefsod und der Iewish Agencv mit diesen Grundsätzen in Einklang bringen zu köntteu, während ich dies tticht vermag. Das iU letzten Endes eine praktische Frage, deren Bedeutung ich keineswegs gering anschlage, die aber gegen über der grnndsntzlichen Uebereinstimmung zurücktritl. So erfreulich mir, auch so weit ich sachlich anderer Meinung Mit, Ihre Ausführungen waren, so sehr bedaure ich den Passus, in dem Sie als Motiv und Zweck der „Erklärung deutscher Juden" die Verbesserung der jüdischen Position in Deutschland durch Herabsetzung 'eines jüdischen Kulturwerks und Förderung des Vorurteils über geringere nationale Zuverlässigkeit vieler Inden hinsteclen. Bott Ihrer Objektivität hätte ich erwartet, daß Sie sich anders in unsre Einstellung hineindenken und volles Verständnis dafür zeigen würden, daß wir es uns selbst und der Sache schuldig waren, die den Tatsachen ins Gcsichr schlagende Darstellung des Ausrufs „Hilfe durch Aufbau" nicht unwidersprochen zu Iu den uachsvlgeuöeit Zeilen beavsirytige ich nicht, mich materiell mit der Ageucysragc zit beschäftigen. Welches mein Standpunkt in dieser Angelegenheit ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß ich die „Erklärung deutscher Juden" mitunterschrieben habe. Im klebrigen ist über die ganze Agency- Angelegenheit in den letzten Monaten so ttnendlich viel gelesen, gehört, gesprochen und geschrieben worden, daß der Bedarf eigentlich allgemein gedeckt sein dürfte. Sachlich ist auch in der letzten Zeit, z. B. in dem Aussatz von Heinrich Stern in der Jüdisch-liberalen Zeitung „Entscheidung", in dem offenen Brief von Kammergcrichtsrat Leo Wolfs au Herrn Rabbiner Weiße im Israelitischen Familienblatt, in dem Artikel eines „Bekehrten" in der Jüdischliberalen Zeitung „Nachdenkwürdiges zum Ausruf der Iewish Agency" von meinem Standpunkt aus alles Erforderliche gesagt. .Hinzuzufügen hätte ich materiell kaum etwas. Was mich zum Schreiben veranlaßt, ist vielmehr die Tatsache, daß in dem Kamps der Meinungen sich einige auf B e w e i s s ü h r u tt g und Kampfmethode bezügliche Gedankengänge eingeschlichen haben, die allmählich zu einer völligen Verwirrung der Geister sich auszuwachsev beginnen. So wird zum Beispiel wieder mit dem Gedanken des notwendigen „Friedens" innerhalb des Judentums operiert und geradezu Mißbrauch getrieben. Man bezeichnet es im gegnerischen Lager als verwerflich, ja sogar als „uniüdisch", daß der .Kamps der Geister in der Ägency-Angelegcnheit sich in der Oeffentlichkeit abspiele. Man hat wieder an vielen Stellen keinen anderen Gedanken, als nur den sog. Frieden nach Außen zu wahren und unt des .Himmels willen nicht in der Oeffentlichkeit erkennen zu lassen, daß hier verschiedene Richtungen innerhalb des Judentums miteinander kämpfen. Man ergeht sich - zu nt wievielten Male? - wieder in Expektorationen darüber, ob man einerseits liberaler Jude sein und trotzdem am Palästina-Ausbau mitarbeiteit kann, ob matt sich „volklich" lediglich mit dem deutschen Volk ver bunden suhlen und trotzdem das Agency Wert unterstützen darf, ob es richtig ist, die Zugehörigkeit zum deutschen Voll immer wieder zu betonen, während sie doch selbstverständlich sei. Alle Diejenigen, die natürlich voin vrv valäsiincnsi scheu Standpunkt aus gesehen die vorstehenden Fragen in eirtem Sinne beantworten, der meiner Auffassung enl gegengesetzt ist, sind 'ich offenbar immer noch tticht darüber klar geworden, ans welche» Gedanken heraus die „Erklärung deutscher Juden" entstand, die in materieller und formeller Hinsicht so sehr ihren Zorn erregt. Ich tvill mich hier tticht mir den in Form und Inhalt sich überschlagenden Wutartikeln eittzetner zionistischer Blätter, auch nicht mit den mehr als temperantentvollen Ausfübrnngen Zionistischer Rcdtcer ausc-naudersetzen, sondern ich wende inich im Gegenteil an die N i ch t zionisten, die in der letzten Zeit öffentlich das Work ergriffen habet:: ich will eine Einwirkung dahin versuchen, daß nicht fortgesetzt an einander vorbei geredet wird. l.) In eittem in Nr. -12 der Jüdisch liberalen Zeilnttg abgedrncktcn, an Herrn Kollegen fori tu ult Stern in Berlin gerichteten Schreiben vom 3. Oktober 1923 versucht der von. mir besonders geschätzte und in Fragen des jüdischen Liberalismus mir auch richtungsmäßig außerordentlich nahestehende Herr Kollege Katzenstein aus Bielefeld einen Stand Punkt zu rechtfertigen, der ihn zur Mitarbeit oder wenigstens bis zu einer möglicher Weife eiittreteudett Enttäuschung zur vorläufigen Mitarbeit beim Palästinaaufbau veranlaßt. Ich habe über diese Sache schon wiederholt Gelegenheit gehabt, mit meinem Kollegen Katzenstein mich auseinander zusetzen und gehe, wie bereits oben angcdeulet, auf die materielle Seite der Sache hier nicht weiter ein. Nur fol gende Bemerkungen seien zu diesem Brief, der ja seiner ganzen Fassung nach eigentlich mehr eine Entschuldigung als ein stolzes Bekenntnis ist, gestattet: Katzenstein geht in seinem Briese zunächst wieder von der verunglückten Definition des nationalen Heims aus — einer Terminologie, an der man tum wirklich, da wir nicht mehr über dm englischen Text zu streiten haben, sondern nachdem in tem^Aufruf „Hilfe durch Aufbau" ausdrücklich in deutscher Sprache von der Errichtung der „jüdischen nationalen Heimstätte" die Rede ist, tticht mehr deuteln sollte. Es macht wirklich einen etwas sonderbaren Eindruck, wenn gegenüber der doch an sich unbestreitbaren und auch niemals bestrittenen Tatsache, daß die Zionisten die Errichtung des Nationalstaats in Palästina erstreben und das ganze Werk dort im Endresultat national aufgezogen wissen wollen, die N i ch t zionisten, die glauben, sich der Mitarbeit nicht etttziehen zu sollen, diese ihre Einstellung damit zu erklären suchen, daß s i e das dortige „Heim" tticht als national ansehen. Solche Anslegungsversuche wirket: nicht sehr erhebend nnb sind auch im Endresultat für mein Empfinden nicht unbedenklich; dem: es dürfte im Allgemeinen nicht zu billigen sein, daß man mit einem Partner in ein gemeinschaftliches Unternehmen hineingeht mit dem ausgesprochenen Willen, ihm im Wege der Interpretation. andere Zwecke und Ziele zu geben, als der Andere es nach seiner ganzen Einstellung wünscht und wünschen muß. Katzenstein begeht baut: auch im Anschluß an diese etwas unglückliche Einführung sofort den ersten, leicht zu uner wünschten Mißverständnissen Anlaß gebender: schweren logischen Fehler, indem er ausführt: „Man kann, glaube ich, tatsächlich 100".. Deutscher und 100".. Jude sein." In diesem Satze stimme ich an sich mit Katzenstein vollkommen überein und ich glaube, daß wir uns auch sachlich in diesem Punkt vollständig verstehen. Der Satz stimmt nämlich restlos, wenn man in dem Judentum Religion und nur Religion sieht, wie ich es tue; dann kann man natürlich staatsbürgerlich, uational-„volklich" usw. 100 Deutscher und religiös 100 11.. Jude fein. In dem Augenblick aber, iu dem man das Indesein nicht mehr als rein religiöse Angelegenheit ansieht, sondert: das Indentum als Nation betrachtet, oder überhaupt nur irgend eit: nationales oder national ähnliches Element darin fiitdet, so ist es mit der Nebeneinander Existenz der oben erwähnten beiden 1 Oft o,, t’im’ mißliche ^aehe. Daß alsdann diese Rechnung tticht stimmen kann, ist ohne weiteres klar und bedarf' keiner Ansführtiitg. Katzenstein weicht weiter über die Idee des jüdischen Zentrums in Palästina, die er ablehnt. Er kommt aber zu dem höchst gefährlichen Schluß, daß, um die Gleichgülligleir zahlre.ckter Glaubensgenossen zu überwinden, er jede! Möglichkeit ecgreisett will, um sie mit jüdischen Interessen | und Bestrebungen zu verbinden. Weil der Iudisfercntismus! gerade in liberalen Kreisen so besonders groß fei, ist ihm | jede s Mittel recht, das geeignet sein tonnte, die jüdischen Menschen zu tvecken, zu verbinden und zu begeistern. Ich glaube, diese Ausführungen eutyaltett einen bedenklichen Trugschluß. Das, was Katzcnsteitt erstrebt, ist ein fester Zusammenschluß und ein größeres Interesse der liberalen Juden I im religiösen Sinne, im Interesse der „messianischen j Zukunft" des Judentums, wie er selbst sagt. Diese Zukunft liegt zweiselios auf rein geistigem, und zwar auf religiösem | Gebiet und aus keinem anderen. Wenn es nun wirklich j gelänge, dnreh Mithilfe am Palästina-Aufbau eine größere l Anzahl liberaler Glaubensgenossen, die man für die'Arbeit! im liberalen Judentum nicht gewinnen konnte, für die j Palästinaarbeit zu begeistern, so würde meines Erachtens! damit im Interesse des religiösen Judentums gari nichts gewonnen fein. Auf dem Wege über die Arbeit

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