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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-10-30 · 44 (30.10.1929) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
44 (30.10.1929)
Date
1929-10-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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meindeblatt widmet Herrn Tr. Merzbach ein Bcgrüßuirgspoem, und auch wir wollen an dieser Stelle unsere Glückwünsche zum Ausdruck bringen. Werlheim. (Persönliche s.) Am letzten Freitag beging Lehrer a. D. G. Thalmann seinen 70. Geburtstag und wurde aus diesem Anlaß von vielen Seiten geehrt. Als ehemaliger Vorsitzender des Vereins jüdischer Religionslehrer Badens hat der Jubilar in besonderem Maße der Förderung der Standesintercssen seiner Amtsgenossen gedient, die ihm ihren Dank auch diesmal wieder zum Ausdruck brachten. Worms. (6 0. Geburtstag.) Ten 60. Geburtstag beging hier der Kantor und Religionslehrer L- Agulnik. Zur Gratulation waren der Gesamtvorstand und Rabbiner im Hause des Jubilars erschienen, wo der 1. Vorsitzende der Gemeinde, San.-Rat Dr. Nickclsburg, in wirkungsvoller Rede die Wünsche aller zum Ausdruck brachte, alle Seiten der Berufstätigkeit beleuchtend. Rabbiner Dr. Holzer gratulierte für die Beamtenschaft, Herr Ad. Kehr, unter Ueberreichung eines silbernen Leuchters, für den Synagogenchorvercin. > Zwickau. (Todesfall.) .Herr Simon Schocke», Mitbegründer und Seniorchcf der Firma I. Schocken Söhne und der Kommanditgesellschaft Schocken in Zwickau, ist vor einigen Tagen aus einer Autofahrt in Schlesien verunglückt und seinen Verletzungen erlegen. Er hat ein Alter von 55 Jahren erreicht. Der verstorbene Herr Simon Schocken hat cs mit seinen Brüdern verstanden, das verhältnismäßig kleine Stammhaus Ury Schocken in Zwickau zu einem bedeutenden Warenhauskonzern mit großen Filialen in sächsischen, bayrischen, württembergischcn und preußischen Groß- und Mitte! städten auszubauen und den großen Ruf des Hauses Schocken zu begründen. Er betätigte sich auch intensiv am religiösen und sozialen Leben des deutschen Judentums und war seit Gründung der Jüdischen Gemeinde Zwickau vor 18 Jahren erster Vorsteher dieser Gemeinde. Er war Mitglied des Pro Palästina-Komitees und des deutschen Initiativkomitees für die Jcwish Agency und wandte größere Summen dem Palästina-Aufbauiocrk und dem jüdischen Wohlfahrtswesen zu. Er unterstützte das Siedlungswcrl des Reichsbundcs jüdischer Frontsoldaten und das Chaluzwerk, indem er einen großen Teil seines Privatgutes der Ausbildung jüdischer Siedler zur Verfügung stellte. — Die Beerdigung fand am Montag, den 28. Oktober, nachmittags 2 Uhr 30 Minuten, von der Halle des Friedhofes der | Adaß Jisroel-Gcmeinde in Berlin-Wcißensee unter großer Beteiligung führender jüdischer Persönlichkeiten statt. Um 5 Uhr nach- I mittags wurde im Mcistersaal eine Trauender abgehaltcn. Fabian, Breslau, in längeren Ausführungen die angeschnittenen Fragen zum Deutschtum in Beziehung setzte. Der Abend war nicht nur in ideeller Hinsicht ein Gewinn, auch eine große Zahl von Neuanmeldungen konnten wir verzeichnen. Ratibor. (L a u b h ü t t e n f e i c r.) Für Sonntagabend war eine Feier in der Laubhütte festgesetzt worden. Unaufhörlicher Regen aber hinderte uns, die Feier in der Hütte abzuhalten, dagegen .nicht unsere Mitglieder, recht zahlreich zu erscheinen. In einem Sitzungen zimmer des nahen jüdischen Gemeindehauses ließen wir uns nieder. Nach der Begrüßung durch Herrn Dr. Heimann (Herr Dr. Heimann hat, wie bereits berichtet, den Vorsitz niedergelegt, da er in kurzer Zeit Ratibor verlassen wird, führt aber bis zur Neuwahl des Vovstandes die Jli-Gcschäftc lveitcr.) trug Anni Fraenkel ein Gedicht „Sukkoth" von Kornblum vor. Darauf sprach Herr Religions-- lehrcr Bieberfeld über das heutige und frühere Laubhüttenfcst. Sukloth, früher das wichtigste Fest im Jahre, ist heute im Verfall. Auch die vielen schönen Bräuche von früher sind heute sehr selten, wenn nicht ganz vergessen. Diese alten Bräuche sollen wir nicht aufleben lassen, der jüdische Geist aber, der darin steckt, soll gerettet werden. Er soll die Jugend ermuntern, sich mit den Festen *u beschäftigen. — Nach kurzer Pause las Peter Berliner eine Erzählung von Dr. Münz „In der Laubhütte" vor und rezitierte einen Psalm „Tanket dem Ewigen" von Tr. Gottschalk. Herr Dr. Heimann dankte denen, die durch Vortrag und Spenden den Abend ausschmücken halfen, und erledigte noch einige geschäftliche Angelegenheiten. So wurde der Abend, an dem Max Gundersheim, Berlin, bei uns weilen wird, besprochen, und eine Anzahl Postkartenblocks, bxc schon wiederholt an dieser Stelle erwähnt tvurden, verteilt. Damit war der offizielle Teil des Abends beendet. Bei fröhlichen Scherzen blieben wir aber noch einige Zeit zusammen. Nach Schluß traten noch 4 Jli-Frcunde dem Ratiborer Jli bei. Gcrth Fröhlich. Aus der Ili-Vewegung Verantworti: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Alain Aus der Jli-Arbeik Breslau. (I ü d i f ch - l i b e r a l e r I u g c n b ö e r c i u „A bra - ha m Geiger".) In unserer .Hauptgruppe hielt am 16. Oktober Herr I. Wolfsohn einen Vortrag über „Die Verbindung von Religion und Politik im Judentum". Unter Geschichte sei die Auswirkung der Politik zu verstehen. Religion und Politik vertrügen sich nicht miteinander. Denn: Religion sei eine Sache der Kenntnis und des Gefühls. Alles, was mit Religion zusammcnhängt, stehe unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit. Politik dagegen sei für den Augenblick. Im Judentum war die Politik nur Dienerin der Religion. Dies wies der Vortragende in längeren Ausführungen an der geschichtlichen Entwicklung seit Moses nach. Häufig jedoch auch enge gegenseitige Verknüpfung von Religion und Politik. Nach der Zerstörung des Tempels nur noch das Ziel: die Erhaltung der Lehre. Im allgemeinen eine Entwicklung ohne außenpolitische Rücksichten. Auch die Reform nicht mit politischen, sondern kulturellen Bestrebungen verknüpft. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts allerdrngs eiu starker Anteil einzelner Juden an der Politik. Jedoch kein Bestehen einer religiösen Oberleitung. Dies gehe aus der Struktur des Judentums hervor. Alle Arbeit nur aus Gründen der Gleichberechtigung. Schließlich behandelte noch der Vortragende vom religiösen Standpunkt aus Sozialismus, Pazifismus und Zionismus. U. a. bemerkte er zu letzterem, daß sich durch ihn keine Erfolge für das religiöse Leben gezeigt hätten. Der Vortragende kommt zu dem Ergebnis, daß wir Religion von jeder einseitigen Politik fern halten müßten. Uebcrall sei die Durchdringung der Menschen mit religiöser Ethik anzustrebcn. Infolge der kurzen Zeit konnte nur noch eine kurze Aussprache folgen. Am 23. Oktober versammelte sich eine große Anzahl unserer Mitglieder in der schön geschmückten Gemeindesukkoh. Herr Rabbiner Dr. Halpersohn hielt an Stelle unseres verhinderten 1. Vorsitzenden die Sukkausbctrachtung, die darin ausklang, daß uns die Sukkoh zum Symbol der Mcnschhcitsgcmcinschast werden müsse. In der Jüngercn-Gruppc sprach am 17. Oktober Karlheinz Pciser über „Gedanken beim Lesen eines Buches", wobei er in offenen Worten darlegte, welche Arten von Büchern zu unterscheiden seien und was ihm das Buch bedeute. In der Aussprache kamen die verschiedenen Auffassungen auch der anderen Anwesenden über den Sinn des Buches zum Ausdruck. Erich Vulkan. Lirgnitz. (Jüdisch-liberaler I u g e n d v e r e i n.) Gleich der Beginn unserer Winterarbeit war ein schöner Erfolg. Am 21. Oktober konnten wir das erste Mal in unserem Kreise Alfred Fabian und Erich Vulkan vom Breslauer Jli begrüßen, die die An alle K. C.er Am Montag, den 4. November, abends 8 Uhr, veranstalten Verbindung und A. II. B. „Sprevia‘‘ im „Rheingold“ in der Bellevuestr. eine Kundgebung gegen judenfeindliche, staatsfeindliche, kulturfeindliche Strömungen auf deutschen Hochschulen mit Fest-Kommers Jeder K. C.er hat die Ehrenpflicht, pünktlich zu erscheinen! Band — Mütze!!! Der Festausschuß Herbert Auerbach Georg Cohn Privatübernimmt Adolf Jungmann Krankenpfleger Landsberger Straße 38 Kauflente, die in ihrem Gemeindebezirk gut bekannt sind, auch Studenten, die einer Beihilfe bedürfen, finden guten Verdienst. israelitische Buch - Bemeinschaft München. Isartorpiatz 1 Leitung des Abends übernommen hatten. Ter Veranstaltung war im kleineren Kreise ein gemeinsames Abendessen, das der Liegnitzcr Jli zu Ehren seiner Gäste veranstaltete, voransgcgangen, in dessen Verlauf bereits Fragen gemeinsamer Arbeit besprochen werden konnten. Tic Veranstaltung selbst erösfnete unser erster Vorsitzender, Herr Dr. Scheyer. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß sich unsere Mitglieder bereits zu der ersten Winterveranstaltung in so großer Zahl eingefunden hätten. Sodann begrüßte Tr. Scheyer mit besonders herzlichen Worten die beiden Breslauer Jli-Freunde, wobei er unter der lebhaften Zustimmung aller Anwesenden eine erfolgreiche enge Zusammenarbeit zwischen dem Breslauer und dem Liegnitzcr Jli wünschte. Er dankte insbeionderc dem Breslauer Jli und den lieben Gästen für das so große Interesse, das sie sür den Liegnitzcr Jli an den Tag legen. Der Referent des Abends, Erich Vulkan, Breslau, behandelte zunächst in längeren der Form nnd dem Inhalt nach sehr ge wandten Ausführungen Sinn und Aufgabe der Jli-Arbeit, sowie die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen sür diese Arbeit. Nach Abschluß dieser Betrachtungen wandte sich der Referent dem eigentlichen TheMa des Abends, der Frage der Jewish Agency, zu Er betonte zunächst, daß gerade wir religiös-liberalen Juden nicht gleichgültig an einer so bedeutungsvollen Frage vorübergehen sollten, die allenthalben die Gemüter — nicht nur die jüdischen — bewegt. Sodann gab er einen ausführlichen Uebcrblick über die Entwicklung der Agency-Frage in Deutschland. Sie habe sür uns das erste Mat zur Diskussion gestanden, als das zionistische Aktionskomitee in Berlin zusammentreten sollte, um zur Bildung der im Palästinamandat geforderten erweiterten Agency Stellung zu nehmen. Von da an habe man mit innerster Ucberzeugung und sehr ausführlich auf allen Seiten das Problem behandelt. Ter Referent behandelte die Entwicklung der Dinge im ivesenllichen vom inncrjüdischen Standpunkt aus, wobei er die einzelnen Etappen bis zur Bildung der Agency in Zürich genau nachwies und vor allem auch die bis auf vereinzelte Ausnahmen einheitliche Haltung des liberalen Judentums in Deutschland hervorhob. Die kritisch werdenden Ausführungen des Referenten lassen sich dahin zusammcnsasscn, das; die Jewish Agency trotz ihrer tatsächlichen Konstituierung auch heute noch ein Problem darstelle. Es sei uns nicht möglich, einen Weg einzuschlagen, der, von zionistischen Ideologien befangen, den Forderungen und Anschauungen unserer religiösen Auffassung vom Judcn^ tum nicht entspricht. Unser Freund Vulkan gab uns in diesem fast einstündigen Referat von neuem Gelegenheit festzustellcn, daß wir von ihm noch sehr viel zu erlvarten haben, da er eine von ihm behandelte Materie vollkommen beherrscht und es versteht, und es versteht, seine .Hörer in seinen Bann zu ziehen. Wir hoffen und wünschen, ihn noch recht oft bei uns in Liegnitz begrüßen zu können. — Eine lebhafte Diskussion schloß sich an, in der u. a. Alfred Das Ili-Programm Berlin. Pankow-Osten. Freitag, 1. November, 20.00 Uhr, bei 9W:::: Dan ziger Straße 94: Zeittheater. Oliva. Freitag, 1. November, 20.00 Uhr, bei Ilse Fn.iiel, Niebuhrstraße 58.' Führergruppe. Montag, 4. November, 20.30 Uhr, bei Ilse Finkel, Riebuhrstraße 58. Breslau. Gemeinsame Veranstaltung der Haupt- und der Jüngeren-Gruppe: Mittwoch, den 6. November, 20.30 Uhr, in der Religionsschule II, Anger 8, zweiter Eingang: Bortrag von Mar Guirdersl-eim (Jli- Fränkfury-Berlin, über: „Die Aufgaben der jüdisch-liberalen Jugend in der Gegenwart". — Jüngeren-Gruppe: Donnerstag, den 31. Oktober, 16.30 Uhr, Soziale Gruppe, Kaiser Wilhelmstratze 16, Vortrag von Alfred Fabian (Hauptgruppe) über: „Reformatorische Bestrebungen im Christentum". Frankfurt a. M. Montag, den 4. November, 20.30 Uhr, bei Lion, Sternstraße 11: Arbeitsgemeinschaft Dr. Gottschalk: „Religiöser Liberalismus". Referat Ernst Mofec: „Neue russische Literatur". Samstag, den 2. November, nachmittags 3.30 Uhr, bei Metz, Sophienstraße 30: Referat Renö Metz: „Glanzleistungen menschlichen Geistes". Die für Samstag, den 2. November, angesetzte Arbeitsgemeinschaft „Faust" muß am nächsten Samstag aüsfallen, da Herr Dr. Hoffmann verreist ist. Liegnitz. Am Montag, den 4. November, abends 8.30 Uhr, findet in den Räumen der Silesia-Loge ein Vortrag von Mar Gundersheim, Berlin, über: „Jüdische Jugend — jüdische Zukunft" statt. Unsere Mitglieder und Freunde werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Ratibor. Am Freitag, den 8. November, spricht Mar Gundersheim, Berlin: „Die Umwelt und wir". Sonderuemiiung der Freien Jüdischen uoiKshocnschule Sonntag, den 3. November abends 8 Uhr Jüdische Musik auf schaiipiatten (Vortrag Alice Jacob-Lcewenson) im Logenhaus Kleiststraße 10 Karten -/u KM 1. —, für Jugendliche KM 0.50 an der Abendkasse. — Apparat und Schallplatten: Carl Lindstrüin A.-G., Kulturabteilung. M Erste imomiz (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.—12. Juli 1926 Preis: im Buchhandel M. 1.80, für Mitglieder d. Vereinigung, die bei uns direkt bestellen. M. 1.— Vereinigung mr das liberale. E.V. Berlin SW 11, Hallesche Strasse 1 Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. veru. tiowtenloHe Kenerbratettang Annahme W 35, Ltitzowstraße 44, Telephon: Lfltzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Bcke Fasanenstraße, Telephon: Steinplatz 1S35 Borchert-Hüte Herbst 192t höchste Qualität und Eleganz I G. w. Borchert Berlin ui. Friedrichen*. 157 Wo fehlt Stütze des Chefs? Jüngerer lediger Versicherungsfachmann sucht, gestützt auf Ia Zeugnisse und Referenzen in gut eingeführtem Versicherungs¬ oder Maklerbüro oder auch einschlägiger Bankabteilung I ausbaufähige Position zur Erarbeitung einer Lebensstellung Seriöse Zuschriften mit Angabe der Verdienstmöglichkeiten — für gewisse Einarbeitungszeit wird garantiertes Einkommen oder feste Bezahlung vorausgesetzt — erbeten an L. H. Ch. 33 Verlag: Bereinigung für das liberale Judentum e. B., Berlin SW. 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin SW. 29. — Druck: Hermann Wcgner & Co., Berlin-Mariendors. 445 799999^

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