Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 43 (23.10.1929)
- Date
- 1929-10-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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den Schicksalen und Handlungen der Menschen nicht ab. Die Geschichte der.Völker, das Tun und Lassen, Leiden und Streben der Menschheit verläuft ohne Gottes Zutun, in Gottesferne. Wenn diese Ansicht richtig ist, so ist das ganze Weltgeschehen aus dem rein Zufälligen Zusammenspiel der Naturkräfte ohne göttlichen Plan und ohne Ziel, atheistisch, zu erklären. Nun wissen wir, daß alle heute lebenden Formen von Pflanzen und Tieren sich aus niederen emporentwickelt haben und daß die Menschheit eine Entwicklung von der Barbarei zur Kultur durchgemacht hat und noch durchmacht. Die ganze Erd- und Weltgeschichte läßt uns ein planvolles Auswärtsstreben mit dem Ziel der Vervollkommnung erkennen. Die mechanistische Weltanschauung behauptet, diese Zielstrebigkeit, diese Theologie, sei erst von uns Menschen in das Weltgeschehen hineinkommentiert. Weil wir eine Zweckmäßigkeit und Zielstrebigkeit nachträglich zu erkennen glauben, seien diese doch nicht von allem Airsange an planmäßig in das Weltgeschehen hineingelegt worden. Die teleologische Weltanschauung erklärt demgegenüber, daß die nicht wegzuleugnende Tendenz der Vervollkommnung vom Niederen zum Höheren nicht durch das mechanische Zusammenwirken rein chaotischer Kräfte zu erklären sei und weist auf die wunderbare Harmonie des Alls und die ihm innewohnende erhabene Weisheit hin. Wir wissen seit Kant, daß mit exaktem Wissen die letzten Dinge nicht zu beweisen sind. Die Lehre von den Antinomien gilt auch für das Problem der Teleologie. Es lassen sich gleichviel Gründe für und gleichviel Gründe dagegen anführen. Trotzdem lebt in uns unabweisbar der Zwang, uns aus dem, was wir sehen und erkennen, ein Weltbild ausznmalen, auch wenn es nicht auf dem .Hintergründe des exakten Wissens, sondern nur aut dem der Folgerung aufbebaut ist. Wenn das ganze Weltgeschehen überhaupt eineu Sinn hat, dann muß dieser Sinn in dem Plan des Weltgeistes erblickt werden, die ganze organische Welt und ganz besonders auch die Menschheit einem Ziele, nämlich der Vervollkommnung entgegeuzuführen. Wohin? Ins Empyreum, dem Gottesreich auf Erden entgegen. Diese Konsequenz muß schon aus dem Grunde gezogen werden, weil die entgegengesetzte Ansicht zum lebensverneinenden Pessimismus eines Schopenhauers führt. Diesen: Philosophen ift das, was sich hinter der Erscheinungswelt verbirgt, das Ding an sich, der blinde Drang zum Werden, der Weltenwille. Diese Urkraft schafft alles Böse in der Welt, schasst alle Not. Durch den Willen zum Leben will der dumpfe, blinde Weltenwille auch den Weisen zwingen, das an sich nicht lcbenswerte Leben wciterzuführen. Ebenso fern wie diese pessimistische Auffassung ist jeder monotheistischen Religion, jedem wahren Glauben die Anschauung, daß Gott allem Geschehen fremd, stumm und auteillos gegenüberfteht. Ganz besonders gilt dies von der jüdischen Religion mit ihrer optimistischen Geschichts- und Lebensauffassung. Unerträglich müßte es besonders jedem Juden sein, Zweck und Ziel in der Geschichte der Völker zu leugnen. Wozu all die Verfolgungen und Kämpfe vom Anbeginn der jüdischen Geschichte bis in die jüngste Gegenwart, wenn nicht die Israeliten als Träger des reinen monotheistischen Gottesglaubcns inmitten der Weltvölker eine gottgewollte, geschichtliche Mission zu erfüllen hätten?! Tie teleologische Weltauffassung und der Glaube an eine Vorsehung scheinen im Widerspruch zu stehen zu allem Leid r*nd Unglück in der Welt. Warum geht es dem anständigen, vornehm-gesinnten Menschen häufig so schlecht, dem robusten, materiell eingestellten aber gut? Warum muß der Gerechte häufig soviel leiden? Auch wir modernen Menschen wissen mit all unserer Wissenschaft keine andere Antwort zu geben, als wir sie im Buche Hiob finden: „Gott ist Frevel fern, Gott quält nicht. Habet Ehrfurcht vor dem Unergründlichen und rechtet nicht mit Gott." Moses gibt am'Ende der Wüstenwanderung für alle von Israel ausgestandenen Leiden eine Erklärung: „Wie ein Mann seinen Sohn ziehet, so erzieht Gott Dich" und „um Dich leiden zu lassen, u,m Annahme von Bestellungen auf Me Jüdisch-liberale Zeitung W «Oea Postämtern Deutschland» Unter „Inquisitio n" (Verfasser: Amts- und Landgerichtsrat Dr. Erich Paterna, Preußisches Justizministerium, Berlin) wird nicht näher auf die namentlich uns Juden interessierenden spanischen Maßnahmen eingegangen, sondern lediglich aus ders einschlägige Werk von H. Ch. Lea: Geschichte der Inquisition im Mittelalter (deutsch von Wieck und Rachel, herausgegeben von I. Hansen, Bd. I—III, Bonn 1905/13) hingewiesen. Im Zeitalter der Aufklärung sei die kirchliche Inquisition mehr uub mehr in den Hintergrund getreten, bis sie allmählich, zuletzt in Spanien im Anfang des vorigen Jahrhunderts, beseitigt worden ist. Ter Kölner Ordinarius für öffentliches Recht, Professor Dr. G. I. Ebers, erklärt in der Einleitung seines Abrisses über „Kirche und Kirchenrecht", daß das Wort Kirche vom griechischen Kyrios, dem Herrn, nämlich Christus, bezw. Kyrirkon, d. h. dem Haus des Herrn, herrühre. Deshalb könne es nur eine christliche Kirche geben und von einer jüdischen Kirche oder einem jüdischen Kirchenrecht nicht gesprochen werden. Das deutsche Staatsrecht versteht unter Krrche deshalb die staatlich anerkannten, öffentlichen chriftlrchen Religionsgesellschaften, unter Religionsgemeinschaft die „organisierte Vereinigung der Anhänger eines bestimmten und besonderen Glaubensbekenntnisses". Pfarrer (und Universttätsdozent Lic. theol. Dr. jur. et phil.) Karl Schwärzt» se- Franksurt bemängelt daher in seinem Aufsatz „Religionsg e s e l l s ch a f t e n", daß die jüdische Religionsgemeinschaft m Württemberg durch das erwähnte Gesetz vom Jahre 1869 die Bezeichnung „Landeskirche" erhalten habe. Beim Recht der „Leichenbestattung" führt Justftrat Dr. Karl Friedrichs-Ilmenau aus: Die Anlegung öffentlicher, zur allgemeinen Benutzung bestimmter Friedhöfe steht nur den Ortskirchengemeinden, dem bischöflichen Stuhl und den bürgerlichen Gemeinde:: und Gemeindeverbänden zu. Die .Herrnhuter, Mennoniten und andere nicht den Landeskirchen ungehörige Bereinigungen haben seit alter Zeit eigene Friedhöfe. Der Strafrechtler Professor Dr. G. Bohne-Köln teilt in Dich zu versuchen, daß es Dir wohlgehe in Deiner Zukunft". Wie das ganze All hat auch jeden Einzelnen von uns Gott in seine Obhut genommen. Sich dieser Obhut anzuvertrauen.in Leid und Freud, mitzuwirken am Fortschritt der Menschheit, Mitleid und Liebe zu allen Geschöpfen Gottes, zu Pflanzen, Tieren und Menschen zu haben, ist höchste Religion. Nie werden wir Menschen als ein Produkt der Welt die Welt enträtseln. Keine Erklärungsweije reicht aus, um Gottes Wege zu entschleiern. Die Wissenschaft kann wohl das Wie, nie aber das Wozu, den Sinn des Weltgeschehens ergründen. Wenn d:e Wissenschaft die ihr gesteckten Grenzen erkennt und dem Unerforschlichen gegenüber Ehrfurcht bewahrt, so besteht kein Grund, weshalb die Religion ihr entgegentreten sollte und weshalb die Wissenschaft glaubensfeindlich sein sollte. Die Religion wiederum muß erkennen, daß ihr Reich erst dort beginnt, wo das der Wissenschaft endet. Die Religion ist die notwendige Ergänzung der Wissenschaft und eine endgültige Versöhnung dieser in der Weltgeschichte so oft einander feindlich entgegengetretenen Brüder, ist das große Ziel zum Wohle der Menschheit und ad majorembei gloriam. «HMtM Sprechsaal ^-.»»,1«,..... dtri« Rubrik übn-mmm: dir Schrifileitung lediglich di« adeftlidit Decaniwortumr Lesefrüchle i. In Nr. 41 dieser Zeitung sagt Dr. Spanier, Magdeburg, im Artikel „Lescsrüchle": Wir kennen Ebers Stamnuasel nicht, und bringt aus .Ebers „Geschichte meines Lebens" eine Stelle, die das Christentum Ebers belegen soll. Er mar allerdings Christ, aber seine Eltern waren Juden, was Ebers sorgsam verheimlichte. Es sei hier aus Seite 5 der Broschüre „Ein kurzes Kapitel über Berliner Taufjuden" von Louis Lamm, Berlin 1918 (Verlag L. Lamm) hinge.viesen. Dort steht: „1828 lassen sich Bankier Moses Meier Ebers und seine Frau Fanny geb. Levysohn taufen. Moses nennt sich dann Georg Moritz Ebers. In ihm dürfen mit wohl den Vater des bekannten Schriftstellers und Aegnplologcn gleichen Namens (geb. 1. März 1837 zu Berlin) vermuwn. Tiefe Ebers hießen vorher Ephraim. Tr. Salomon. II. Köln, Oktober 1929. In dem Artikel „Lesefrüchte" von Dr. M. Spanier, Magdeburg, >vird Theodor Storm als Antisemit geschildert: dieser Auffassung kann man n i ch t zustimmen, wenn man die Jugenderinnerungen von §:orm liest. Seine „zerstreuten Kapüel" beweisen das Gegenteil, siehe die Schilderung des Schulfestes in „Ter Amtschirurgns", wo Storni als Schüler „Matakhias, Don Befreier der Juden" beiang und er von seinem Freund, dem jüdischen Handelsherrn, erzählt: „und für ihn eigentlich habe ich diese Rede gehalten". Dein Stern ging unter, Judas Steru erglänzt in neuer Pracht und brennt an Deiner Gruft die würdige Todesfackel! Das waren meine letzten Worte für den Matathias, als ich da-s '.Katheder verlassen und mich nach dem alttestamentarischen Bilde durchgedrängt hatte, nahm der Urenkel desselben schweigend und mit sanftem Druck meinen Arm in den seinen, und wir stiegen miteinander, die schmale Wendeltreppe hinab wis unten in den Ratskeller und tranken dort in altem Madera aus das Gedächtnis des unsterblichen Matathias und auf die Gesundheit seines jungen sterblichen Dichters. Dann, da die Redeseierlichkeik für den Vormittag beendet war, gingen wir auf den Markt hinaus und setzten uns im Linden,- schatten vor einem Hause auf den Beischlag. Uns gegenüber im Sonnenschein wurde eine Bude nach der anderen aufgeschlagen: aber der sonst so eifrige Handelsmann, obgleich er noch nicht einmal sein herkömmliches Tuchgeschäft mit meinem Vater gemach: hatte, wandte kein Auge auf dieses werktätige Treiben. Von meiner Rede ausgehend, hatte er mich, wie er es liebte, in allerlei religiösmoralisches Gespräch verwickelt: „Was soll's!" ries er mir den scharfen Akzenten seines Volkes, „ich sage bloß: Tue recht und scheue niemand!" — Bald darauf schien er indessen durch den jetzt vom nahen Kirchturm tönende!: Schlag der Viertelsglocke an die Kostbarkeit der Zeit erinnert zu werden: denn als rvotte er alle grauen Theorien von sich schütteln, stand er plötzlich auf und klopfte mich zärtlich auf die Schulter. „Komm nun!" sagte er schmunzelnd, „wol't'n wir gehen und woll'n noch betrügen ein bißchen den Alten!" < Aber das war nur dein Scherz, mein alter Freund: ich kann nicht anders, als es dir in dein Grab nachzusagen, worin du nun seit lange auf dem kleinen Judcnkivchhof der Nachbarsiadt ruhst, daß du meinem Vater gewiß gutes niederländisches Tuch zu den mmmmmmmmmmmmaammmmmmmmmmmmmmmmammBBammtmmmmm seinem gleichnamigen Artikel die Religionsdelikte ein in: Gotteslästerung, öffentliche Beschimpfnng der Kirche oder einer Kultgesellschaft, Beschimpfung der Kulteinrichtungen und -gebräuche sowie der Kultstätte (Kirchen, Kapellen, Friedhöfe). „Jeder für religiöse Kultübung bestimmte Ort ist schlechthin geschützt." Zu den Religionsdelikten gehören ferner die Störung einer Kulthandlung (Gottesdienst), die unbefugte Zerstörung oder Beschädigung eines Grabes, Verübung beschimpfenden Unfugs an einem Grabe. Nun, uns Juden ist ja der Katalog der Religionsdelikte aus der Praxis der letzten Jahre zur Genüge bekannt! Bohne ist auch der Verfasser der Mhandluug über den „M ä d ch e n h a n d e l". Der Hauptmarktplatz für dieses Gewerbe sei Polen. Mir dieser Behauptung stützt sich Bohne auf Hatzig (Der Mädchenhandel, Zeitschr. f. Strafrechtswissenschaft, XX., 514) und Hopf (Der Mädchenhandel, insbesondere in seinen Beziehungen zu Deutschland, Monatsschrift f. Kriminalpshchologie III, 17). Die Mädchenhändler seien in der Hauptsache polnische und galizische Juden. Ueber die internationale Organisation, des Mädchenhandels sei nur wenig bekannt, man könne aber wohl annehmen, daß in dieser Beziehung viel übertrieben werde, übrigens eine Tatsache, die auch Dr. Max Kreutzberger noch jüngst ausdrücklich betont hat (Zeitschr. f. jüd. Wohlfahrtspflege, Juli/August 1929, S. 184). (Kreutzberger bedauert indes, daß Bohne für seine Behauptung, die meisten Mädchenhändler seien polnische und galizische Juden, den Beweis schuldig geblieben ist.) Natürlich, so fährt Bohne fort, seien die Mädchenhändler untereinander bekannt, besonders da sie sich vorwiegend aus Angehörigen desselben Volksstammes rekrutieren. Zum Schluß sei noch des kleinen Beitrages zur Frage der Mischehe Erwähnung getan, der aus der Feder des schon mehrfach genannten Pfarrers Dr. Schwarzlose stammt. Konsessions- und Religionsverschiedenheiten als bürgerliche Chehindernisse gibt es für den Staat nicht mehr. Die Mischehe ist daher zu einer Angelegenheit geworden, die lediglich die Religionsgesellschaften angeht. Während der Verfasser christlichsten Preisen verkauft hast. — Wer weiß, ob nicht die Freundlichkeit, die du dem Knaben einst erwiesest, den Keim jener Zuneigung gelegt hat, die ich deinem Volke stets bewahrte, und die mir auch der schmutzigste Schacherjude nicht hat stören können. Habe ich doch aus jener Sympathie heraus noch vor wenigen Jahren die nachstehenden Verse gedichtet, welche freilich von meinem Freunde Alexander, da ich sie ihm noch warm aus dem Herzen vortrug, mit der kurzen Kritik„Auch eine Auffassung!" ganz und für immer abgefertigt sind: Crucifixus. Am Kreuz hing sein gequält Gebein Mit Blut besudelt und geschmäht; > Dann hat die stets jungfräullich reine Natur das Schreckensbild verweht. Doch, die sich seine Jünger nannten. Die formten es in Erz und Stein, Und stellten's in des Tempels Düster Und in die lichte Flur hinein. So, jedem reinen Aug' ein Schauder, Ragt es herein in unsre Zeit: Bcrcivigend den alten Frevel, Ein Bild der Unversöhnlichkeit." Schreibt jo ein Antisemit?! III. Dr. Salomons Vermutung, daß Georg Ebers Vater der Bankier Moses Meier Ebers >var, trifft zu, wie ich aus der Allgemeinen Deutschen Biographie Bd. 55 2. 489 nachträglich ersehe. Die Eltern des Dichters waren zur Zeit der großen .Berliner Taufseuche zum Christentum übergetreten. Es ist eine bekannte Tatsache, daß Convertiten bis in die spätesten Generationen wegen ihres jüdischen Ursprungs verfolgt resp. verachtet werden. Theodor Storm, der große Novellist, macht keine Ausnahme, ja, er kennzeichnet d i e noch als Juden, die von getauften Inden abstammen. Und wenn auch von Storm judenfreundliche oder vorurteilsfreie Kundgebungen zu verzeichnen sind, so trägt dennoch der Ausdruck „Der freche Jude Ebers" ein antisemitisches Gepräge an sich — davon ist nichts abzumürkten. Es gibt viele Dichter unv Schriftsteller mit einem Doppelgesicht «der verstorbene Otto Ernst — der Dichter von „Flachsmann als Erzieher" - gab einst eine Zeitschrift heraus, die mit alter Entschiedenheit Front g e g c n den Antisemilisinus machte, ist später in das antisemitische Lager übergegangen). Dr. M. Spanier, Magdeburg. Vereinsnachrichien Freie Jüdische Volkshochschule. Die Winterarbeit der Freien Jüdischen Vvttshochschule wird cingeteilet durch eine Erösfnungsvortesnng von Dr. Martin Ander am 2. November mit dem Thema: Wie steht der moderne M e u i dt) zur Religio u? Ferner iverden folgende Kurse stattsiiroen: Julius Bab: Aus zeitgenössischen jüdischen Dichtungen. Prof. Dr. Heinrich Loewe: Inden in fernen Ländern. Dr. Leo Rosenzweig: Aus jüdischen Werken. Rabbiner Dr. Satomonski: Ehe und Familie im Judentum. Dr. Mar Svtoivcilschik: Israels Geschichte im Lichte der Ausgrabungen. Rabbiner Dr. Mar Wiener: Ausgeivähltc Stücke aus der proph. Literatur. Ferner finden Sondcrveranstaltnngeii statt mck dem Thema: MoseS Mendelssohn, Leistungen der Juden für die allgemeine Kultur, Jüdische Musik auf Schallplatte!:. Vorlesungsverzeichnisse und Hörerkarten können u. a. an den Theaterkassen des Kaufhaus des Westens und Hermann Tietz enlgegcngenominen »verdcn, soivie im Sekretariat der Freien Jüdischen Volkshochschule, 2)orckstraße 88, bei Goldman». Synagogcn-Verein Levrtzowstratze. Der diesjährige Simchas-Thora- Bali mit Vorträgen großer Künstler und Tombola findet am Sonntag, den 27. d. Mts., abends 8 Ubr, in den Festsälen Kleiststraße 10 statt. Gäste willkommen. Kalendarium f. die Zeit v. 23.10. b. 30.10. 29 Oktober 1923 i t Tifchri 5690 Mittivoch 23 19 3. Tag Chol Ham Donnerstag 21 20 4. Tag Chol Ham Freitag 25 21 Haschana rabda Sonnabend 20 22 Schemini Azercth Sonntag 27 23 Simchakh Thora (Nacht: 5,32) Montag 28 24 Dienstag 29 2 h Mittwoch 30 26 bei der römisch-katholischen Kirche von deren Einstellung nur zu christlichen Mischehen spricht, heißt es daun weiter: „Die evangelische Kirche hat frühe: Ehen zwischen Christen und Juden oder Heiden" — man beachte die Gleichsetzung! — „nicht anerkannt und lehnt bis zum heutigen Tage ihre Mitwirkung bei solchen Ehebündnis en ab. Luther nahm als selbstverständlich an, daß Ehen zwischen Christen und Nichtchristen ohne kirchliche Feierlichkeit geschlossen würden." Dagegen habe die evangelische Kirche Ehen zwischen Mitgliedern christlicher Religionsparteien selbst als gültig befunden und konfessionelle Verschiedenheit nie als ein förmlicher Dispensation bedürftiges Ehehindernis behandelt. Schwarzlosc bekennt sich als offener Gegner der Mischehe, wenn er zu dem Schluß kommt, die Frage der religiösen Kindercrziehung trage erfahrungsmäßig viel Streit in die Familien hinein und überdies könne sich eine Mischehe nur dann glücklich gestalten, wenn der eine der beiden Ehegatten in religiösen Dingen nachgiebig sei. Eine wirklich befriedigende Lösung sei noch nicht gefunden. „., so ist es begreiflich", endet Schwarzlose, „daß die christlichen Konfessionen an den Mischehen kein Wohlgefallen haben und deren Glieder vor ihnen warnen." Verwiesen wird dabei auf einen Erlaß des Preußischen Evangelischen Oberkirchenrates vom 11. April 1883. Von der Bekämpfung der Mischehe von jüdischer Seite scheint der Verfasser keine Kenntnis gehabt zu haben. Es ist zu vermuten, daß bei gründlicherem und eingehenderem Studium der großen Rechtsenzpklovädie mit ihren überaus zahlreichen Stichworten noch manche auf jüdische Dinge bezüglichen Ausführungen u::d Andeulungen entdeckt werden könnten. Dazu bedürfte es aber emsiger und langwieriger Kleinarbeit. .Hier konnte nur aus diejenigen Abhandlungen ein flüchtiger Blick geworfen werden, die schon ihrem Titel nach Hinweise auf irgendwelche „Judaica" erraten ließen. Dr. Ernst G. L ö w en t h al - Düsseldorf. - : J