Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 43 (23.10.1929)
- Date
- 1929-10-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Jli-Bewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschafk jüdisch-liberaler Zugendverelne Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main Liberal, liberaler, am liberalsten Von Franz Meidner, Jli-Breslau. .Tie Tradition ist eine geistige Macht. Ueberall, in der Politik, in der Kunst, in der Wissenschaft, in der Religion, tritt sie als wirksamste Gegenspielerin des fortschrittlichen Lebens und der Vernunft auf. Als Gegenspielerin des Lebens, obgleich sie selbst einmal lebendig war, als Gegenspielerin der Vernunft, obgleich sie selbst einmal vernünftig war. Und wenn sich dann das Leben gegenüber der Tradition durchsetzt, nach kurzer Zeit wird es selbst Tradition und widersetzt sich dem neuen Leben. Wenn man sich unbedingt davor hüten will, späteren Generationen allzu starre Traditionen zu schaffen, darf man gar keine Normen und Formen feststellen, sondern nur Grundsätze anerkennen. Diese können die Formen wechseln. Wer aber für sich Formen schafft, muß sich darüber klar sein, daß er sie nur für sich schafft. Es ist Grundsatz des Liberalismus, daß jede Tradition nur so lange Wert hat, als sie erlebt wird, und nur für den Wert hat, der sie erlett. Liberale Menschen werden nur in ihrem Liberalismus unbedingt einig sein, alle anderen Uebereinstimmungen sind zufällig. Tie übliche Trennung: liberal ist, wer das und das nicht hält, konservativ ist, wer es hält, — liberal ist, wer Neuerungen fordert, konservativ ist, wer sich ihnen widersctzl, ist falsch. Auch, wer sich allen Neuerungen für seine Person widersetzt, kann liberal sein, wenn nämlich die Traditionen ihm zum Erlebnis geworden sind. Konservativ ist nur, wer sich der Tradition bedingungslos unterwirft und dies auch von den anderen fordert. Ebensoviel, wie nach dieser Seite gesündigt wird, geschieht es auch nach der anderen Seite. Wie oft hört man von einem Liberalen, ein anderer sei ihm „zu liberal"! So etwas gibt es nicht. Innerhalb des Liberalismus gibt es keine Gradunterschiede. Wenn dem, dem man nachsagt, er sei „zu liberal", die Traditionen und Werte, die er zum Entsetzen der anderen vernachlässigt, nichts mehr bedeuten, so ist diese Vernachlässigung sein Recht, ja sogar seine Pflicht. Gewiß, er darf nicht von den anderen dasselbe verlangen. Aber hier beginnt die Schwierigkeit, die nur der Liberalismus kennt. Tenn sobald es sich bei diesen Traditionen um Gemeinschaftsfragen handelt, z. B. um den Gottesdienst, ist es Nicht mehr möglich, daß jeder seinen Ideen nachgeht. Tie übliche Auffassung ist dann: Der „Liberalere" (der, der die Tradition verletzen will) muß nachgeben; denn ihn kann es nicht stören, wenn dieses Gebet gesprochen wird, aber mich stört es, wenn es ausgelassen wird, oder ihn' kann es nicht stören, wenn Frauen und Männer getrennt sitzen, aber mich stört es, wenn das nicht der Fall ist. Also: der „Liberalere" gibt nach. Diese Auffassung hat der Liberalismus zu bekämpfen. Auf diese Art sind Geineinschaftsfragen nicht zu lösen. Eine Lösung kann vorläufig nur im Zusammenschluß ungefähr Gleichgesinnter gefunden werden. Obgleich manche Liberale beleidigt sind, wenn man die Reformgemeinde als liberale Gemeinde bezeichnet, ist sie es doch. Die Beleidigten sind jene Pseudoliberalen, die liberal, liberaler, am liberalsten unterscheiden. Der Liberalismus ist ein Begriff, der ebensowenig gesteigert werden kann wie der Konservatismus. Bei dem einen ist die Unveränderlichkeit der Form das Unveränderliche, bei dem anderen die Veränderlichkeit der Form. Nur einer Tradition kann der Liberalismus Ewigkeitswert zusprechen, dem Liberalismus selbst, der Abstoßung des Ueberlebten, nicht Erlebten. Diese eine Tradition ist starr, und da diese einzige starre Tradition der Liberalismus selbst ist, ist dieser unveränderlich, also nicht fteigerungsfähig. Es gibt daher kein liberal, liberaler, am liberalsten, sondern nur ein liberal. Aber diese Starrheit ist hier keine Gefahr, denn hier ist die Unstarre starr geworden. Der Liberalismus ist — und das ist nicht übertrieben, sondern buchstäblich wahr — unendlich weit, er reicht von der Anerkennung jeder Tradition bis zur Verwerfung jeder Tradition; alle Grade der Traditionswertung sind in ihm enthalten, außer der konservativen und der, die jede Tradition bedingungslos verwirft; dies sind seine Pole, die, von ihm aus gesehen, im Unendlichen liegen. _ And was tut Ihr? Von Erich Vulkan, Jli-Breslau. Gar oft kann man die Führer des jüdischen Liberalismus — und nur ihnen gelten meine Worte — von der Kanzel, in Konferenzen o,der sonstwo fordern hören: Laßt Eure Kinder sich jüdisch betätigen! Sicherlich eine nur zu berechtigte Forderung, welche die organisierte jüdisch-liberale Jugend in erster Linie unterstützen wich. Denn unter jüdischer Betätigung der Jugend darf man wohl vor allem auch das Wirken außerhalb von Haus und Familie verstehen. Hierfür aber ist die Jugendorganisation das geeignete und mögliche Betätigungsfeld. Prüft man jedoch einmal nach, ob diejenigen, die solche Rufe an die Eltern erheben, auch immer eine innere Berechtigung dazu besitzen, so kommt man leider häufig zu sehr nachdenklich stimmenden Resultaten. Diese Fälle wollen wir betrachten. Man müßte annehmen, daß, wer andere mahnt, soweit er selbst Kinder hat, zunächst einmal diese veranlaßt, sich in einer die elterlichen Anschauungen bejahenden Jugendorganisation zu betätigen. Ich spreche hier von liberale n Führern. Gewiß, es soll kein Zwang aut die Kinder ausgeübt werden, aber das Nächstliegende, eine Mitteilung der elterlichen Gedanken an die Kruder, darf man doch wohl erwarten. Es sei auch zugegeben, daß in dem einen ober anderen Falle die Kinder tatsächlich ihre elgenien, der elterlichen Auffassung entgegengesetzten Wege gehen. Das wird man den Mahnern anderer nicht verargen, vorausgesetzt, sie haben« das Ihrige versucht. Anders steht es mit den Bielen, deren Kinder nichtliberalen Jugendorganisationen angchören infolge der durch die Eltern verschuldeten Unkenntnis einer anderen Betätigungsmöglichkeit. Nicht zuletzt denke ich an diejenigen, die ihre Kinder, obwohl dem nichts entgegenstcht, nicht in die jüdisch-liberale Jugendorganisation schicken. Darüber, was geschehen sollte und was im Falle nicht vorhandener liberaler Jugendorganisationen zu tun ist, hat hier vor einiger Zeit ausführlich Werner Hochheimer geschrieben. Man könnte glauben, daß die genannten Dinge diejenigen, auf die sie zu treffen (das sind nicht wenige), beeinflusfen würden, statt dessen halten sie anderen das vor, was sie selbst zuallererst tun müßten. Hinzu kommen daun oft noch die schönen Worte vieler, in denen der Genugtuung Ausdruck A wird über die Betätigung wenigstens eines Teiles :ralen Jugend — wohlgemerkt: nicht ihrer eigenen. Es ist doch merDvürdig, daß am wenigsten die Kinder liberaler Führer in den jüdisch-liberalen Jugendvereinen zu finden sind. Eins jedenfalls muß gegenüber vielen Führern des jüdischen Liberalismus betont werden: Wollt Ihr, daß andere Eltern ihre Kinder zu jüdischer, besser: jüdischliberaler Betätigung veranlassen, dann prüft erst einmal Euer eigenes Verhalten. Bis dahin fragen wir noch: Und was tut Ihr? Aus der Ili-Arbeit Breslau. (I ü d l sch l i b c r a l e r I ug c n d v e r e i n „A b r a - ha,m Geiger".) Ein Ausspracheabend über „Tie augenblickliche Situation des deutschen Judentums" bildete den Inhalt unserer Hauptgruppcnveranstallung am 2. Oktober. Waldemar Berliner hielt einleitend ein kurzes Referat. Er gab einen sachlichen Ueberblick über die innere Entwicklung des deutschen Judentums seit der Emanzipation und schloß daran kritisch? Betrachtungen über die gegenwärtigen, etwa durch die Schlagivorle „Palästinaaufbau" — „Jewish Agency" gekeunzeichncteu Auseinandersetzungen innerhalb des Judentums. Tie Aussprache konzentrierte sich beivußt aus die imierjüdisch-politischen Momente. Bon den verschiedensten Seiten und in ernster Verantwortlichkeit wurden die mit der Jewish Agency in Zusammenhang stehenden Probleme erörtert. Tie Stellungnahme unseres Kreises zu diesen Fragen kam trotz mancher Tisferenzierungen im Motiv auch hierbei wieder deutlich zum Ausdruck. Sic deckt sich mit dem kürzlich vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft jüdisch liberaler Jugendvcreinc Deutschlands zur Jewish Agency veröffentlichten Beschluß, ivonach die jüdisch-nationalen Bestrebungen entschieden abgelehnt werden mit der Begründung, daß unsere jüdische Aufgabe aus einem anderen Gebiete Am 9. Oktober sprach in der Hauptgruppe an Stelle des erkrankten Vortragenden unser 1. Vorsitzender, Wolfs Davidsohn, über „Religion und Wirtschaft". Zu Beginn des Abends gedachte W. Tavidsohn des so früh verstorbenen Ludwig Lcwins, dessen Andenken die Anwesenden durch Erheben von den Plätzen ehrten. Ter Vortragende zeigte im Verlauf seiner Ausführungen, welche Bedeutung und welchen Einfluß heute die Wirtschaft erlang! habe. Das Leben des Menschen sei immer mehr dunch ivirtschastliche Dinge ausgesülli. Tie Religion sei für Leben; ihre Aufgabe müsse es darum sein, mit ihren Kräften auf die Wirtschaft und oamit auf den Menschen einzuwirken Das Judentum solle dunch die Tat „soziale Predigt" sein. Es würde zu weit führen, hier außer diesen Grundgedanken des Vortrages auch noch die Aeußerungen zur praktischen Erfüllung dieser „sozialen Predigt" anzusiihren. Sie bildeten die Grundlage für eine sehr interessante, ausgedehnte Aussprache. Hervorgehoben sei besonders die Erörterung folgender Punkte: Arbeitszeit, jüdischer und nichljüdischer Unternehmer, Unternehmer und Angestellter, Bcrussschichtung der Juden, ethische Einwirkung aus die Wirtschaft vermittels politischer Parteien und Bewegungen. Ter Abend klang in der Forderung aus, daß sich die berufenen Vertreter des Judentums mehr als bisher vorbildlich und mit besonderer Tatkraft den wirtschaftlichen und sozialen Fragen ln erster Linie zuivenden sollten. Tie Jüngeren Gruppe beschäftigte sich an ihrem Lese-- und Unterhaltnngsnachmittag am 26. September zunächst in einer Anssprache mit dem am Vortage von Herrn Gemeinderabbiner Tr. Vogelstcin gehaltenen Bortrag (s. vorige Nummer!). Tos weiteren las man Geschichten von Keimann, Poe u. a. Am 3. Oktober hielt in der Jüngeren-Gruppc Heinz Silbermann einen Vortrag über „Deutsche Literatur", in dem er die Zeit von der ältesten Literatur bis zum 12. Jahrhundert behandelte. Ausschnitte aus den bedeutendsten Dichtungen dieser Epoche vervollständigten die Ausführungen. Ein musikalischer Nachmittag am 10. Oktober war durch Darbietungen einzelner Mitglieder ausgesüllt. E. Vulkan. Ratibor. In dem letzten Bericht über unseren Diskussionsabcnd habe ich mich in Hinsicht auf die Mitteilung Herrn Dr. Heimanns von dem künftigen Ausbleiben der „Jta-Telegramme" wohl nicht ganz richtig ausgedrückt. Herr Dr. Heimann hat uns — ivic ich berichtigend seststellen möchie — mitgetcilt, daß die „Jta" ihm aus wirtschaftlichen Erwägungen vorübergehend die Telegramme, die sic ihm stets zugesandt hatte und welche er in unserem Jli regelmäßig auszugsweise wiedergab, nicht mehr zuscnden ivürde. Er hat aber keineswegs von irgendwelchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der „Jta" gesprochen. G. Fröhlich. Frankfurt a. M. (Jli, Arge und W c l t v e r b a n d jüdisch-liberaler Jugend.) Es ist gut, wenn junge Menschen, die sich für einen Gedanken einsetzen, sich auch bisweilen der historischen Entwicklung ihrer Bewegung erinnern und aus diesem Rückblick heraus neue Wege für die Zukunft zu finden suchen. So begrüßten wir alle das Referat von Herrn I a e o b s o h n über „Jli, Arge und Weltver-- band jüdisch-liberaler Jugend", das uns in anschaulicher Weise im Rahmen eines Heimabends das Wachsen der jüdisch-liberalen Jugendbeivegung zeigte. Schon im Jahre 1921 fand ei» Zusammenschluß der jüdischliberalen Jugendbünde in verschiedenen Städten Deutschlands statt. Als gemeinsames Mitteilungsblatt gab man damals die Argehcstc heraus, die indessen nicht lange erschienen. Der Grund war wohl der, daß man vermied, die Probleme, um die im jüdischen Lager gestritten wird, aufzurollen und so die Ziele unserer Arbeit dem Leser der Args- Hefte nicht klar genug vor Augen führte. Die erste Weltkonferenz liberaler Juden in London im Jahre 1926 gab der jüdisch-liberalen Jugendbewegung neuen Ansporn. Es fanden sich Mitkämpfer für unsere Sache in London, New Pork, Paris. Daneben suchte man die Arge, die Arbeitsgemeinschaft der Jlis in Dcutschl-and, weiter zu festigen. Die Delegierlen-Tagung im Herbst 1928 in Magdeburg brachte die jüdisch-liberale Jugendbewegung in Deutschland ein weiteres Stück vorwärts. Zum Vorsitzenden der Arge wurde Dr. Hoffmann, unser langjähriger Vorsitzender, gewählt. Durch persönliche Beziehungen kamen die jungen Menschen aus allen Teilen Deutschlands einander näher; Freundschaften wurden geschlossen und als wir uns bei der Ostersternsahrt Deutscher Jugend zu den Goethe- und Lessingstätten in Braunschweig wieder trafen, waren wir schon alte Bekannte. Das Jahr 1929 bedeutete vor allem für die schlesische Jlv Bewegung einen glänzenden Erfolg. Neben den gut geleiteten Gruppen in Breslau und Ratibor entstanden in Oppeln und Liegnitz neue Ortsgruppen, deren Gründungsfeier einen Markstein in der Geschichte der schlesischen Jlis bilden wird. Bom Weltverband ist ein Unterkomitee zur Förderung der jüdisch-liberalen Jugendbewegung in den verschiedenen Ländern gebildet, dessen Leitung ebenfalls Dr. Hofsmann übertragen wurde. Dem Komitee gehören ferner Rabbiner Dr. Perlzweig, London, Rechtsanwältin Dr. Levh-Bauer, Paris, und Roger Strauß, New B»rk, an. Wir berieten an unserem Heimabend noch, auf tvelche Weise wir die jüdisch-liberale Sache weiter vorwärts bringen können. Es gibt so viele Wege dafür und es erübrigt sich, an dieser Stelle alle die Mittel anzugeben, die vorgeschlagen wurden. Eines vor allem ist jedoch notwendig, wenn wir uns als liberale stehen, wenn deutsch-jüdische Interessen in Gefahr sind. Wir müssen di« so mühsam erkämpfte Emanzipation, deren tapferen Vorkämpfer Moses Mendelssohn jetzt die deutschen Juden feiern, verteidigen gegen alle Angriffe, von wo sie auch immer kommen mögen. Nur dann, wenn wir uns frei und offen zu unserer Ucberz e u g u n g bekennen, können wir aus Erfolg rechnen. Frankfurt. (I l i - F e i e r st u n d e.) Zwischen den Festtagen nannten wir die Jti-Beranstattung, die uns am 8. Oktober in den gemütlichen Räumen der Wohnung Tr. Hossmanns zufammenführte, Jli-Feierstunde. Es war ein« Feierstunde im besten Sinne des Wortes. Eine wahre Festtagsstimmung breite:e sich über uns aus, als mit mächtigen, orgelgleichen Tönen Beethovens „Pathetique" crttaug. Nach der Tonschöpfung Beethovens folgte der Psalm 148, von L c >l i Steinberg meisterhaft vorgetragen. Fräulein L e v y brachte hieraus ein »Gedicht von G. Schüler „Beten" und Fräulein R o se n he i m e r rezitierte eine Dichtung von Engelkc „Gott braust". Worte von Ba eck, die uns Frau D r. Hoffman n vorlas, führten in grandioser Weise Gottoerbundenheit uns Setbstverantwortlichleit des Menschen vor Augen, zeigten uns, ivic unser Judentum Gott in seiner Einheit als Gebenden und Gebietenden sieht. Die Symphonie in H-moll von Schubert, aus vollem Herzen des großen Wiener Komponisten und mit seinem ganzen melodischen Können erschaffen, paßte gut in den feierlichen Rahmen des Abends. Dr. Hoffmann trug alsdann „Gott", ein Gedicht von Arno Nadel, vor. Aus den Worten klang Suchen und Sehnsucht nach Gott. Bon dem gleichen Verfasser folgte, von Leni St einverg rezitiert, „Um dieses Alles". Hella. Lion las das Gedicht von Dr. Gottschaik „Tanket dem Elvigen" (Ps. 117). Aus diesen Aorten spricht zu uns der Mensch, der Goti und Gottesschasfen überall sicht, der empfindet, wie es Gottcswerk ist, was die Welt vorwäctstreibt, der den gewaltigen Hochofen, das schnelle Schiss, den Luftriesen, der Erdteile miteinander verbindet, als Werke und gewaltige Zeugen Gottes betrachtet. Was uns die Feierstunde besonders wertvoll machte, waE, daß aus all den Worten, die wir an diesem Abend hörten, Religion nicht als Zeremonie erschien, sondern als Sache des Herzens, Gott nicht als Gott der jüdischen Vergangenheit, als Gott des Tempels, sondern als der mächtige lebende Gott der brausenden G e g c n >v a r t. Ter Abend war für uns eine Jubelsymphonie ewigen Dantes. Beethovens Neunte Symphonie (1. Satz 2. Teil) gab der Ferer einen gewaltigen^ würdigen Abschluß. Flörsheimer. Frankfurt. (Ausflug in den Taunus.) Am Sonntag in aller Frühe trafen ivir uns am Hauptbahnhof. Das schöne Herbst-- wettcr hatte Tausende von Menschen verlockt, einen Ausflug zu machen; die riesige Empfangshalle des HauptbahnhoseS war voll von Menschen. In fröhlicher Gesellschaft ging unsere Fahrt nach Hofheim im Taunus, und die Tatsache, daß der Zug überfüllt war und wir alle uns mit Stehplätzen begnügen mußten, konnte unsere gute Stimmung nicht stören. In Hosheim angekommen, ging es mit Guitarrcnspiel und Giockcugeläule in die Taunusbcrge. Das Wetter war geradezu ideal zum Wandern. Ueber die Lorsbachcr Platte kamen wir zum Kaisertempel bei Eppstein, ivo wir unsere Mittagsrast hielten. Vom Kaisertcmpel auS haben ivir eine gute Aussicht aus das LorSbachtal. Die Eisenbahn zieht sich wie ein schmales durch das Tal, die Häuser erscheinen uns wie Spielzeug, und die Schatten der Bäume sehen in der Mittagssonne ganz merkwürdig, aus. Unser Weg führt uns weiter zum Staufen. Der hohe Holz-- turm aus der Spitze des Staufens ermöglicht einen weiten und schönen Rundblick. Am Horizont sieht man aus der Seite das riesige Häuscrmcer Frankfurts, Höchst und Griesheim und die Schlote der großen Werke; auf der anderen Seite ragen die Taunusberge hervor. Ter Rückweg führt uns nach Münster, wo wir beim neuen süßen Apfelwein Volksweisen und Wanderlieder mit Guitarrcnbegleitung singen, und dann alle in romantischer Stimmung Seite an Seite zum Bahnhof ziehen, um heimwärts zu fahren. Karl Zcdncr, Jli-Franksurt. Ratibor. (Diskussionsabcnd.) Für Mittwoch, den 16. Oktober, hatten wir unsere Mitglieder und unsere Förderer wieder zu einem Tiskussionsabend mit dem Thema: Deutschlands jüdische Organisationen und Zeitungen eingeladen. Den Abend leitete Herr Dr. Felix Heimann mit einem kurzen Referate ein, welches er mit einem Nachruf auf den Rcichsaußenminister Dr. Gustav Stresemann und den Führer der Berliner Jlis Ludwig Lcwin begann. Ferner erinnerte er an den 100. Geburtstag Leo Lasters, des großen Deut-, schcn und Juden. Nun zum Referate selbst: Unter den jüdischen Organisationen scheiden wir die religiösen und die politischen Strömungen. Herr Tr. Heimann nannte diese Strömungen und führte ihre Ziele uns vor Augen. Tie jüdischen Zeitungen, die ja der Ausdruck der Organisationen sind, führte Herr Dr. Heimann der Größe nach an, erwähnte außerdem die z. T. neutralen Gcmeindeblätter und die Jta, die größte jüdische Tclegraphcu-Agentur, die Quelle der Nachrichten fast aller jüdischen Zeitungen. Die sich anschließende Diskussion vervollständigte noch unser Wissen um den Bestand Deutschlands jüdischer Organisationen und Zeitungen. Im Anschluß an die Diskussion wurde für Sonntag, den 20. Oktober, eine kleine Feier in der Laubhütte festgesetzt. Mit dem Schluß dieses Abends beschloß auch unser 1. Vorsitzender Herr Dr. Heimann seine Tätigkeit als Führer des Ratiborer Jli. Das Ai-Programm Berlin. Gemeinsame Veranstaltung. Sonntag, 27. Oktober, Sukkoth-Feier in Hermsdorf, Albrechtstraße 10. Treffen 15.40 Uhr Stettiner Vvrortbahnhvf. Steglitz. Sonnabend, 26. Oktober, 15.30 Uhr, bei Hilde Deutschland, Heinrich Seidelstraße 6: Lefeabend. Sonntag, 27. Oktober, 9.15 Uhr, Treffen am Rathaus Steglitz zum gemeinsamen Besuch des Gottesdienstes Fasanenstraße. Oliva. Mittwoch, 23. Oktober, 20.90 Uhr, bei Ilse Finkei, Niebuhrstraße 58: Religiöse Erziehung. (Fortsetzung.) Prnkow-OstM. Donnerstag, 24. Oktober, 20.00 Uhr, bei Julius Stern, Wisbyerstraße 51-52: Rousseau: Gesellschaftsvortrag (Bürgerliche Religion). Montag, 28. Oktober, 20.30 Uhr: Besprechung der Jungsührer bei Hilde Bach, Kufsteiner Straße 13. Breslau. Jüngeren-Gruppe: Donnerstag, den 24. Oktober, 16.45 Uhr, Soziale Gruppe, Kaiser Wilhelmstraß« 16: Ausspracheuachmittag: „Aufgaben des Judentums". — Hauptgruppe: Mittwoch, den 30. Oktober, 20.30 Uhr, Soziale Gruppe, Kaiser Wilhelmstraße 16: „Aktuelle Zeitungsschau"; ein Gespräch zwischen I. Rosenthal, F. Meidner und E. Vulkan unter Beteiligung aller Anwesenden. — Veranstaltung beider Gruppen: Sonntag, den 27. Oktober, 20.30 Uhr, Soziale Gruppe, Kaiser Wilhelmstraße 16: Simchas-Thorafeier. Frankfurt a. M. Donnerstag, den 24. Oktober, 20.30 Ahr: Arbeitsgemeinschaft freier Referate bei Irma Rothschild, Sandweg 60. Dienstag, de« 29. Oktober, 20.45 Uhr: Heimabend, Weftendsynagoge: Aktuelle Tagesfragen. Samstag, den 2. November, 17 Uhr, Untermain- Anlage 7: Dr. Hoffmann: „Faust". Montag, den 4. November, 20.30 Uhr, bei Livn, Sternstraße 11: Arbeitsgemeinschaft Dr. Gottfchalk: „Religiöser Liberalismus". Jugendgruppe: Samstag, de« 26. Oktober, nachmittags 3.30 Uhr, bei Moser, Sandweg 30: Referat Ernst Moser: „Reue russische Literatur". Samstag, den 2. November, nachmittags 3.30 Uhr, bei Metz, Sophievstraße 30: Referat RenL Metz: „Glanzleistungen menschlichen Geistes". Mittwvch, den 6. Novemb«^20^Uhr, die Toleranzidee in Lesfings Schauspiel „Die Juden". Einleitendes Referat Lvtte Heilborn, »ei deutsche Juden durchsetzen wollen: Wir dürfen nicht müßig beiseite Translatenr, Malapanerstraße 17 a.