Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 43 (23.10.1929)
- Date
- 1929-10-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Jahrgang Nummer 43 Beilage 23. Okkober 1929 Demagogie auf dem Abstieg Von der Berliner zionistischen Vereinigung ist zur ..Erklärung deutscher Juden" eine Versammlung einberufen worden. Sie übertras an Anflätigkeiten und unwahren Behaupttttigen noch um ein Vielfaches die bereits von uns gebrandmartte Polemik der zionistischen Presse. Die Unterzeichner der „Erklärstng deutscher Juden" wurden bezeichnet als „die einzigen, die noch im Ghetto stecken"; m<nt „schäme sich dieser Juden". Das Dokument sei ein „Schandfleck", ein „Phänomen, das nur mit den Mitteln der Pathologie z« begreifen" sei. Dr. Alfred Klee, der Hauptredner der Versammlung, entdeckte als Unterzeichner der Erklärung nur zwei Gruppen, die Führer des Verbandes nationaldeutscher Juden und der Berliner Jüdischen Reformgemeinde. Daß beispielsweise 36 Hauptvorstandsmilglieder des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die Erklärung unterzeichnet haben, verschweigt er ebenso wie die gesamte jüdische Presse immer noch. Die Jüdische Reformgemeinde bezerchnete er „als Gesellschaft» deren Kinder getauft sind" und als „völlig unjüdische Sekte". Das Allheilmittel fand Dr. Klee in folgendem geschmacklosen Vergleich: „Theodor Herzl vergleicht einmal seine Arbeit, die Juden im Zionismus zu sammeln, mit der eines Küchenunteroffiziers, in seine Schürze grüne Bohnen zusammenzulesen. Trotz größter Sorgfalt fallen doch einige grüne Bohnen daneben. Was soll ot«t mit diesen Bohnen tun? Wegsegen. Was sollen die Juden mit den Unterzeichnern der famosen Deklaration machen? Beifeßtefegen. Zionistische Demagogie hat jahrelang die Geister verwirrt. Daß sie jetzt aus ein niveauloses Geschimpfe herabsinkt, ist nur charakteristisch für ihren Abstieg. Wir werden den Herren nicht den Gefallen tun, uns mit ihnen auf der von ihnen gewählten Tiefebene im Kampfe zu treffen. Schimpfen ist die Waffe enrer Führer! Und ihr juoelt ihnen zu? Arme Zionisten! Die Redaktion. Von den uns übersandten Zuschriften veröffentlichen wir heute nur den nachstehenden Artikel eines sozialistischen Journalisten: Wahre und falsche Demokraten. Tie Kampfesmethoden der Zionisten, die Sprache ihrer Presse und die Aeuhernngen ihrer Agitationsredner, haben in letzter Zeit einen Tiefstand erreicht, der nachgerade eine sachliche Polemik unmöglich macht. Man kann nicht mit Tintenfaß, uno Federhalter gegen Leute zu Felde ziehen, deren Utensilien der Jauchekübel und die Dreckschleuder sind; cs ist aus Gründen der moralischen Sauberkeit unmöglich«, sich mit all oen Verunglimpfungen und ehrenrührigen Anwürfen auseinanderzusetzen, die von den Nationaljuden in den letzten Wochen gegen oie „Assimilanten" und besonders gegen die Unterzeichner oer „Erklärung deutscher Juden" gerichtet worden sind. Wir müssen uns daraus beschränken, diejenigen Angriffe zurückzuweisen, oie wenigstens einen Anschein von Sachlichkeit haben uno mit denen die zionistische Agitation nicht ohne Erfolg gerade unter der jüdischen Jugend seit Jahr uno Tag Anhänger zu werben versucht. So wiro immer wieder und in jüngster Zeit m verstärktem Maße oen Gegnern des Zionismus dev Vorwurf Reaktionärer Gesinnung gemacht. Die „Jüdische Rundschau" glaubt die Unterzeichner des erwähnten Ausrufes schlankweg als „kleinbürgerlich-reaktionäre Gesellschaft" abtun zu sollen und in der letzten zionistischen „Protestkundgebung" in den Spichcrnsälen hielt es ein Redner, Herr Dr. Kanowitz, sogar für angebracht, in feiner von Unflätigkeiten wimmelnden Ansprache eine Parallele zwischen der „Erklärung deutscher Juden" und dem Volksbegehren Hugenbergs zu ziehen. Man kann diesem Herrn nur zurusen: O si tacuisses-! Haben denn nicht vielmehr die Zionisten mit ihrem Geschrei von den „Verrätern am eigenen Volke", mit ihrem Terror gegen Andersgesinnte, mit ihrem Pochen aus „historische" und- „unrerjährbare" Rechte, mit ihrem ganzen lauten und demagogischen Gebühren viel mehr geistige Aehulichkeit mit den deutschen Nationalisten als irgendjemand? Ist nicht ihre ganze Mentalität von der gleichen muffigen Atmosphäre des verbohrtesten Chauvinismus erfüllt, der mutatis mutandis die Geisteswelt der Deutschnationalen kennzeichnet? „Wir Juden sind ein Sond erfüll der Weltgeschichte" rufen unentwegt die zionistischen Parteigänger — und merken gar nicht, daß sie damit eine Behauptung ausstellen, die dem altdeutschen „Und es soll am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen" an Ueberheblichkeit gleichkommt. Das ist ja eben eines der typischsten Kennzeichen des Nationalismus bei allen Völkern, daß er die eigene Nation als eine ganz besondere, über alle anderen erhabene darstellt, ihre Eigenschaften maßlos überschätzt, ihre Rechte, wirkliche oder vermeintliche, ohne Rücksicht aus oie Interessen anderer vertritt und im übrigen jeden als Feind oder Verräter ansieht, dev diesen Standpunkt nicht billigt. Den Sozialisten rm Lager oes Zionismus sei gesagt, daß bis zum Weltkrieg die sozialistische Internationale stets den Zionismus schroff abgelehnt hat und daß auch, heute nur ein Teil, allerdings ein ganz besonders aktiver Teil der westeuropäischen Sozialisten für ihn eintritt. Der Altmeister oes Marxismus, Karl Kautsky, dessen theoretische Führerstellung noch! heute bei allen Arbeiterparteien anerkannt ist, hat aber kürzlich erst den Zionisten einen Spiegel vovgehalten. Er schrieb in einem vielbeachteten Zeitungsartikel: „Wenn die Juden jetzt, im 20. Jahrhundert nach Christo meinen, ihr nationaler Staat müsse gerade in Palästina errichtet werden, so ist das historische Recht, auf oas sie sich, berufen, noch brüchiger, als jedes andere historische Recht. Es i>'t mehr als zwei Jahrtausende alt. Für uns Sozialdemokraten kann das historische Recht keine Ansprüche verleihen. Die sozialdemokratischen Parteien haben denn auch bis zum Weltkrieg fast einmütig den Zionismus abgelehut. Mit großer Entschiedenheit auch die Mehrzahl der Juden in unseren Reihen. Sie betrachten ihn als eine, durch die traurige Lage des Judentums begreifliche, aber völlig aussichtslose r o m a n tisch-reaktionäre Utopie." Eine romantifch^-reaktionäre Utopie, eine m oer Vergangenheit wurzelnde, die Aufgaben der Gegenwart inißachtende, die Möglichkeiten der Zukunft verkennende Ideologie ist in der Tat der Zionismus für alle, die sich unbeirrt von der lärmenden Agitation der Nationaljuden den Sinn für die nüchterne illusionslose und Vorurteilsfretie Beobachtung der Tatsachen bewahrt haben. Wer im zwanzigsten Jahrhundert dem Selbstbeitimmungsrecht der Völker, wie es die Araber 'ür sich fordern, das historische Recht entgegensetzt, desavouiert seine angeblichen demokratischen Grundsätze. Wer sich an das formale Recht der Balfourdeklaration klammert, obwohl diese längst als ein Mittel der zwiespältigeir Kriegspolitik Groß-Britanniens entlarvt ist, dokumentiert damit seine Verständnislosigkeit für die großen im Fluß befindlichen weltgeschichtlichen Entwicklungen und Umwälzungen, die über papierenes Rocht hinwegschreiten und historische Rechtstitel nicht anerkennen. Wohl trifst es zu, daß die jüdische Siedlungsarbeit in Palästina große kulturelle Werte geschaffen hat - aber wer das als Argument anführt, wiederholt damit nur die Gründe, die von jeher die verschiedenen Imperialismen >,ü> ihre Expansionsbestrebungen aus außereuropäischem Boden ansührten. Es ist gerade die Tragik des jüdischen Nationalismus, daß er zu spät aus dien Plan tritt, daß er Kolonialpolitik treiben will in einer Aera, die alle Kolonialvölker im Erwachen uno in der unaufhaltsam fortschreitenden Gegenbcwegung sieht. Koloniale Siedlung in bewohnten Gebieten war ein fortschrittliches Werk vielleicht im sechszehnten bis neunzehnten Jahrhundert im zwanzigsten Kt sie das Gegenteil davon. Sollte es wirklich so schwer sein, den durchaus nationalistischen und reaktionären Kern des Zionismus unter der Hülle der Phrasen zu erkennen? Gerade für die Berliner Juden eigentlich nicht. Tenn das reaktionäre Wesen des Zionismus, das in seinen großen Grundzügen enthalten ist, hat sich auch im Kleinen, in der Gemeindepolitik, geltend gemacht. Wer war es, der in den vergangenen Jahren in der Berliner Gemeindeverwaltung und in der Repräsentantenversammlung mit der Orthodoxie durch Tick und Dünn ging, wer verhinderte den Fortschritt, wer verleugnete alle demokratischen Grundsätze? Wer trat — entgegen allen sozialistischen Programmen, entgegen allen demokratischen Forderungen — für die konfessionelle Schule ein? Wer zeigte sich intolerant auf religiösem Gebiete, wer wetterte gegen den Sonntags-Gottesdienst? Wer kämpfte für die Trennung der Geschlechter in der Synagoge und damit gegen die Gleichberechtigung der Frauen? Wer wollte den Friedhof am Sonnabend geschlossen halten und damit dem Arbeitnehmer die Möglichkeit zum Besuche der Gräber verkürzen? Taten das alles die „kleinbürgerlich-reaktionären" Assimilanten? Nein es waren die Zionisten, die sich hier wie in vielen anderen Fällen als Vertreter des Rückschrittes aufspielten, es waren die Zionisten, die in ihrer Gemeindepolitik den reaktionären Grundzug ihres Wesens offen enthüllten, den sie in ihrer .allgemeinen großen Politik leider noch allzuoft geschickt zu verhüllen imstande sind. Mögen noch einzelne urteilslose Kreise an das Märchen von der fortschrittlichen Gesinnung der Zionisten glauben — allmählich bricht sich die Erkenntnis von dem wahren Wesen ihrer Ideologie Bahn. Schon haben namhafte Publizisten Deutschlands ihre warnende Stimme gegen den Zionismus erhoben, schon wendet sich ein großer Teil der Weltöffentlichkeit gegen ihn. Gleichzeitig mehren sich die inneren Schwierigkeiten im nationaljüdischen Lager. Kein Zweifel - der zionistische Gedanke hat nach einer kurzen Blüteperiode seinen Höhepunkt überschritten und bewegt sich bereits aus absteigender Linie. Ter Zionismus, der ausgezogen ist mit dem Anspruch, die Probleme des Judentums zu lösen, hat in Wirklichkeit kein einziges Problem gelöst, er hat vielmehr neue aufgetürmt. Sache der jüdischen Nichtzionisten wird es sein, diese Probleme zu liquidieren, ohne daß das Gesamtjudentum dabei Schaden erleidet. Abkehr von der Katastrophenpolitik — das ist die Parole aller wahren Demokraten im jüdischen Lager. Sie werden sich dabei von dem Geschrei der jüdischen Utopisten, der jüdischen Reaktionäre, der jüdischen Chauvinisten, mit einem Worte: der Zionisten, nicht beirren lassen. Alexander Szanto. Einerseits — andererseits Bei seinem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten empfing der englische Ministerpräsident Macdonald eine Abordnung der Jewish Agency. Die Antwort Macdonalds wurde nach Schluß der Unterredung schriftlich fixiert und in folgendem Statement-bekanntgegeben: Ter Premierminister führte zum Beginn seiner Ansprache aus, daß er ans seinen früheren Palästina-Reisen persönliche Erfahrungen hinsichtlich der Probleme dieses Landes habe; er habe die meisten jüdischen Siedlungen im Lande besucht und schätze die von den jüdischen Siedlern im Interesse der Entwicklung des Landes gemachten Anstrengungen und Fortschritte hoch ein. Er werde, sagte er weiter, das ihm überreichte Memorandum dem Kolonialamt zur Prüfung überweisen, und fügte hinzu, daß die Abordnung versichert sein möge, daß die Regierung Seiner Majestät willens sei. ihre bereits festgesetzte Politik und ihre Pflichten hinsichtlich des Mandates voll zu erfüllen und darauf zu achten, daß das Gesetz in unparteiischer Weise gehandhabt und die Ordnung nach jeder Richtung hin aufrecht erhalten werde. Tie Regierung Seiner Majestät anerkennt, daß die jüdische Einwanderung in Palästina eine unbedingte Notwendigkeit für die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims gemäß den im Mandat niedergelegten Bedingungen sei, aber die Einwanderung müsse von der wirtschaftlichen Kapazität des Landes, seiner Fähigkeit, neue Einwanderer aufzunehmen, Abhängen. Ter Premierminister fügte hinzu, daß er die hinsichtlich der Staatsböden in Palästina bestehenden Schwierigkeiten kenne. Ter Premierminister schloß mit der Erklärung, daß zunächst die Resultate der Untersuchungskommission abgewartet werden müssen, und daß er nichts sagen wolle, was so ausgelegt werden könnte, als wollte er diese Resultate vorwegnehmen. Nach Empsanß des Berichtes der Untersuchungskommission wird die Situation im Lichte der erkundeten Tatsachen geprüft werden. Zum Schluß betonte der Premierminister dringend die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit und einer Verständigung zwischen den jüdischen und arabischen Bevölkerung^ teilen Palästinas. Umschau Henri Bergsons 70. Geburtstag. Am 18. Oktober vollendete der berühmte französische Philosoph Henri Bergson sein 70. Lebensjahr. Bergson wurde am 18. Oktober 1859 in Paris geboren und ist seit 1900 Professor am College de France, seit 1901 ist er Mitglied der Akademie. Von seinen Hauptwerken sind zu erwähnen: Essai sur les donnees immediates de la vonscience, 1889, deutsch unter dem Titel Zeit und Freiheit, 1911; Mattere et memoire, 1896, deutsch: Materie und Gedächtnis, 1907; L'Evolution creatrice, 1907, deutsch: Schöpferische Entwicklung, 1912. Eine Zeitlang war Bergson Präsident der Kommission für intellektuelle Zusammenarbeit beim Völkerbund. — Henri Bergsons Vater, von Berus Musiker, war aus Polen nach Frankreich eingewandert, seine Mutier war Engländerin. Mit 18 Jahren errang er den Mathematik-Preis. Er erklomm sehr schnell die ganze Stufenleiter der akademischen Würden. Am öffentlichen Leben nimmt er wenig Anteil, ebensowenig am jüdischen Leben. Seine Eltern waren beide Juden. Professor Tr. Arthur Liebert widmet im „Berliner Tageblatt" Henri Bergson aus Anlaß seines 70. Geburtstages einen Aussatz, in welchem er u. a. aussührt: Ein breit entfalteter und Heller Glanz erstrahlt von Bergsons Namen weit über die Grenzen der Wissenschaft und der Philosophie hinaus. Als Vertreter und Förderer der sogenannten Intuition, das heißt der künstlerischen Anschauung und des unmittelbaren, nicht durch Begriffe gebrochenen oder beengten anschaulichen Erlebens, steht er der Schaffensweise der Künstler nahe, so nahe, daß seine Schriften nach Form und Inhalt sehr oft den Eindruck von Kunstwerken erwecken. Die Philosophie der Gegenwart besitzt in ihm einen Philosophen, der Zeit seines Lebens ein ausgezeichneter Kenner und wahrer Freund der Biologie war. Von dieser Wissenschaft aus, die die Erscheinungen des Lebens durch konkrete Beobachtungen und experimentelle Nachweise zu erkennen sucht, geht Bergson zu einer innerlichen Erfassung des Lebens und zu seiner metaphysischen Deutung weiter. Von jener unmittelbaren Selbfterfassung des Menschen nimmt Bergson den Weg zu einer Metaphysik, zu einer umfassenden Welterklärung. Wir müssen in seiner romantischen Weltdeutung einen der charakteristischen und schicksalsmäßigen Versuche des Menschengeistes bei fernem Ringen um Enträtselung der Urgeheimnisse würdigen. Und in der Geschichte dieses unendlichen Kampfes nimmt Bergson eine wesentliche und typisch wichtige Stellung ein. (Jta.) Jom-Kippur an der Klagemauer. Tie Jüdische Telegraphen-Agentur meldet: Jerusalem, 15. Oktober (J.T.A.) Der Jom Kippur an der Klagemauer klang sür die jüdischen Andächtigen in einer Stimmung der Trauer aus. Gerade als die jüdische Betgemeinde nach 24stündigem Fasten und ununterbrochenem Gebet, vollkommen ermattet, weil wegen des Verbotes des Mitbringens von Stühlen die Betenden nicht eine Minute lang ausrnhen konnten, aus den Anbruch des Abends, aus das befreiende Schofarblasen, wartete, erschien über dem neuen Tor an der Klagcmauer, den gesamten Betplatz überblickend, der Muezzin 'und stieß seine Ruse aus. Aus das Schofarblasen aber wartete man vergebens, da infolge des Protestes des Mufti die Regierung das Blasen verbot. Stattdessen riefen der Borbeter und die Gemeinde siebenmal laut das „Schemah Israel". Tie Erregung über das Verbot des Schofarblasens, das seit vielen Jahren an der Klagemauer geübt wurde, war ebenso groß wie die über das plötzliche Erscheinen des Muezzin; zahlreiche Mitglieder der Gebetgemeinde wußten nicht, daß die Muezzin- Ruse schon seit Monaten an der Klagemauer ausgestoßen werden. Um die Stimme des Muezzin zu übertönen, begann die Betgemeinde taut Psalmen zu rezitieren. Ztt den Ausschreitungen an den Budapester Hochschulen. Ter Rektor der Budapester Universität Dr. Alfred von Doleschall hat im Zusammenhang mit den Ausschreitungen gegen die jüdischen Studenten einen Ausruf an die Hochschuljugend gerichtet, in welchem es heißjt: Ich bin unter keinen Umstünden gewillt zu dulden, daß das vornehmste ungarische Heim der Wissenschaft zum Schauplatz von Strafhandlungen und zum Asyl von Vorrechte beanspruchenden, ruhcstörenden Elementen erniedrigt werde. Ter Rektor kündigt für den Fall der Wiederholung von Ausschreitungen strengüe Anwendung der Disziplinär- und öffentlichen Gesetze und die Auslieferung der Schuldigen an die zuständigen Behörden an. Staatssekretär Petri hat dem Kultusminister über die gegen die Unruhestifter ergriffenen Maßnahmen Bericht erstattet; der Minister ordnet an, im Falle einer Ruhestörung die Tore der betreffenden Anstalten sofort zu schließen und die im Gebäude angettoffenen fremden Elemente sofort der Polizei zu übergeben, falls sie nicht akademische Bürger sind, sowie die Namen von Studenten einer fremden Anstalt der betreffenden Anstalt zur Kenntnis zu bringen, damit gegen sie eingeschritten weroen kann. Das Siedlungswerk in Biro-Bidfchan. Die Gesellschaft zur Förderung des jüdischen Siedlungswerkes in den Ländern der Sowjetunion hat für Freitag, den 11. Oktober, zu einem Presse-Ter. nach dem Brüdervereinshaus geladen, um den Mitgliedern der amerikanischen Expertenkommission und der von der amerikanischen Kolonisatipnsgesellschast Jcor nach Biro-Bidschan entsandten Delegation, die sich auf der Rückreise nach den Bereinigten Staaten einige Tage in Berlin aushalten, Gelegenheit zu geben, über ihre Wahrnehmungen in Biro-Bidschan und über die Eignung dieses Landes Kr eine jüdische M assenkolonisation zu berichten. Nach« Begrüßungsansprachen von Erich« Baron und Professor Alfons Goldschmidt führte der Leiter der Extürsion Pro-