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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-10-23 · 43 (23.10.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
43 (23.10.1929)
Date
1929-10-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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heißung. Tas Ziel ist: die eine Menschheit. Der Weg, den die Religion weist, ist schwer nnd bedingt Opser. Aber wie jedes jüdische Gebet mit dem Wunsche nach „Scholaum" für Israel und die Welt schließt, so ruft das Judentum allen zu, die den Willen zum Frieden haben. Scholaum, Scholaum larochaut welakorauw, dem Fernen, der durch Liebe zum Frieden zu einem Nahen wird. Der protestantische Pastor Tr. Dehn schildert die Tragik in der Stellung des Protestantismus zum Frieden. Der Protestantismus hatte sich in die Botmäßigkeit der Landesherren und damit der Staatsraison und so seiner Unabhängigkeit begeben. Jetzt, befreit durch die Staatsumwälzungen, strebt er ins Weite und auch zur Friedensbewegung. Den Krieg muß der religiöse Mensch verwerfen. Denn Krieg kann jeder nur mit bösem Gewissen führen. Und der Kamps der Gewissen gegen das Böse führt die Religion. Die Männer der Stockholmer Weltkirchenkonserenz werden sich freudig einordnen in die Armee der Friedensfreunde aus allen Religionen. Der Tominitanerpater Stratmann ruft als Katholik zum Kampfe gegen den kommenden Gasnnd Luftkrieg aus: Mag man auch das Recht der Selbstbehauptung achten, gegen d-e Gefahren eines kommenden Krieges gibt es nur rücksichtslosen Kamps. Wer sich von ihm ausschließt, muß als „unanständig" von jedem gemieden werden. Keinen Gruß einem Kriegschemiker oder Rüstungsindustriellen. Dem im Krieg verkörperten Prinzip des Bösen gegenüber gibt es keine Nachsicht Herr Dr. Nossig gibt das Arbeitsprogramm bekannt, das dem iw nächsten Jahre in Jerusalem tagenden Weltfriedenstongreß der Religionen vorzulegen ist: 1. Erziehung durch Ausllärung, 2. Turchdriirgung des Staats- und Völkerlebens mit den Ideen des Friedens, 3. Beeinflussung und Einigung der allgemeinen Friedensbewegung, Schaffung einer allgemeinen Friedensatmosphäre durch Gründung von dem Frieden dienenden Institutionen. Das Gotteswort des Friedens muß aus den Gotteshäusern aus die Straße hinausgetcagen werden. Zur Abwendung der schwersten Gefahr, des Krieges der bisher unterdrückten farbigen Rassen gegen die Mächte eines sich bildenden Paneuropa. Eine neue Treuga Der (Gottessriede) muß die Welt erobern. Mit einem Ansen, zu gemeinsamer Frieoensarbeit im Rahmen jedes einzelnen Bekenntnisses beschließt Stadtbaurat Dr. Adler die Red ne rreihc. Die über,Alte Versammlung, die fitfr aus B-ürger-i tum der drei Religionen zusammensetzte, folgte den Ansprachen und dem Orgel-Prä- und Postludium bis zum Schluß mit gespanntester Aufmerksamkeit. Versammlungskalender ★ Berlin. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B. Am Dienstag, den 29. Oktober, 29 Uhr, findet im Tiergartenhof. Charlottenburg, Berliner Straße 1*2, eine Mitgliederversammlung zum Zwecke der Neuwahl des gesamten Vorstandes statt. Unsere Mitglieder werben HSflichst gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Berlin. Jugendgemeinschast der jüdischen Resvrmgemeinde Berlin. Am Mittwoch, den 39. Oktober, abends 8 Uhr, findet im Mosse-Haus, Leipziger Straße 15, ein Bortrag von Herrn Bruno Woyda mit anschließender Aussprache statt über: „Ausbau in Palästina? Traum und Wirklichkeit des Nationaljudentums." Gottesdienste Berttn-Rorden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Gottesdienste am Schtußfest. Freitag, 25. Oktober, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst mit Seelenseier. Predigt: Pros. Friedländer. Sonnabend, 26. Oktober, vormittags 19 Uhr, Gottesdienst mit Seelenfeier. Predigt: Rabbiner Dr. Salvmonski. Simchath Thora 6 Uhr abends. Predigt: Rabbiner Dr. Salvmonski. Sonntag, 27. Oktober, vormittags 19 Uhr. Predigt: Dr. Andorn. Berliu-Westead. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstraße 7, nahe Reichskanzlerplatz). Gottesdienste am Schlußfest. Schemini azereth Freitag, 25. Oktober, abends 7.15 Uhr. Predigt und Seelenseier: Dr. Swarsensky. Simchath Thora Sonntag, vormittags 19.39 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienschule, Nikolsburger Platz). Gottesdienst am Schrmini azereth Freitag, 25. Oktober, 7.15 Uhr abends, mit Seelenfeier. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin. Jüdische Reform gemeinde, Johannisstratze 16. Sonnabend, den 26. Oktober, vormittags 19 Uhr: Festgottesdienst Laubhüttenschluhfest mit Seelenfeier. Predigt: Dr. Lehmann. Sonntag, den 27. Oktober, vormittags 19 Uhr: Gottesdienst der Jugend am Feste der Freude. (Simchath Thora.) Der Gotteswird ovn jungen Menschen ausgesührt. Ansprache: Dora Peyser. Einführung des Frauenwahlrechtes in Köln Der Preußische Minister ves Innern hat genehmigt, daß in der Kölner Synagogengemeinde das aktive und passive Wahlrecht für eie Frauen eingesührt werde. Damit erledigt sich der Widerspruch, den seinerzeit die konservative Fraktion der Repräsentanz gegen den Beschluß der Gemeindkoettre-- tung, das Frauenwahlrecht einzuführen, erhoben hatte. Ob die Entscheidung des Ministers das RepräsentantenkoKegium veranlassen wird, vor Ablau, der Wahlzeit, abzutreten und für Neuwahlen Platz zu schaffen, steht nochi nicht fest. Auch ,ür die Gemeinden Düsseldorf und Bonn ift; das Frauenwahlrecht bewilligt worden. R Aus den Gemeinden Berlin. (Persönliches.) Am 26. Oktober vollendet der in weitesten jüdischen und nichtjüdischen Kreisen als Arzt, Berater, Freund und Mensch geschätzte Dr. Leo Caro (Wilmersdorf) sein sechzigstes Lebensjahr. Der Jubilar steht in vielen allgemein Humanitären wie auch jüdischen Organisationen an führender Stelle. Er ist Vorsitzender der Wilmersdorfer Bezirksgruppe des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" und zugleich auch Vorsitzender der „Liberalen Synagoge Wilmersdorf", die er mitbegründet und stets aufs eifrigste gefördert hat. Wir wünschen dem aufrechten, tvarmherzigen liberalen Mann, daß es ihm auch in allen zukünftigen Jahren beschicken sei, für das Allgemeinwohl und damit für das eigene innerliche Glück zu wirken. Berlin. (Kommerzienrat Hamburger 75 Jahre.) Am 26. Oktober d. Js. begeht unser langjähriger Freund und Borkämpfer, Kommerzienrat Naphtali Hamburger, in vollständiger geistiger und körperlicher Rüstigkeit das Fest seines 75. Geburtstages. Der Jubilar war früher in Posen ansässig, wo er zu den angesehensten Wirtschaftssührern gehörte und sich mit Leib und Seele auch seiner engeren Gemeinschaft, der jüdischen Gemeinde und ihren Körperschaften widmete. Für religiös-liberales Judentum begeistert und allen das Judentum einengenden nationalistischen Bestrebungen abhold, wurde er einer der Mitbegründer der Vereinigung für das liberale Judentum und ihrer damaligen Ortsgruppe Posen. Bis vor kurzem gehörte der Jubilar dem Hauptvorstande der Bereinigung an und nimmt seit seiner Uebersiedlung nach Berlin auch im hiesigen liberalen Verein eine führende Stellung ein. Unsere herzlichen und aufrichtigen Glückwünsche vereinen wir mit dem Dank für alle Freundschaft und Förderung, die uns der Jubilar in den Jahrzehnten seiner Mitarbeit erwiesen hat. Chemnitz. (Georg Mecklenburg 60 Jahre.) Am 28. Oktober ds. Js. wird Herr Georg Mecklenburg 60 Jahre alt. Der Jubilar ist der jüdischen Oeffentlichkeit kein Unbekannter. In der Chemnitzer Gemeinde und im sächsischen Gemeindeverband spielt er eine führende Rolle, ebenso im sächsischen Landesverband des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, zu dessen markantesten Führern er gehört. Wie er im Centralverein mit Erfolg für die Jnnehaltung eines unverfälschten und unverwässerten deutschjüdischen Standpunktes gewirkt hat, so ist er auch in der allgemeinen Oeffentlichkeit und in der Tagespresse wiederholt für ein rein religiöses, in nationaler nnd politischer Hinsicht aber unentzweit deutsches Judentum eingetreten. Georg Mecklenburg gehört dem Hauptvorftand der Bereinigung für das liberale Judentum an, und wir sprechen dem wackeren Borkämpseer und treu bewährten Freund auch an dieser Stelle unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Chemnitz. (Todesfall.) Wie aus den Tageszeitungen bereits bekannt, hat die hiesige Gemeinde unter besonders tragischen Umständen zwei ihrer angesehensten Mitglieder, die Herren Dr. jur. et. h. c. Cnrt Beck und Simon Beck verloren. ^Dieser Trauerfall hat in Chemnitz und weit über die Grenzen der Stadt hinaus tiefste Erschütterung hervorgerufen, ist doch die Firma, die der schweren Wirtschaftskrise zum Opfer fiel und ihre beiden Inhaber im blühenden Mannesalter mitriß, die angesehenste der Branche. Auch wir nehmen an dieser Tragödie tiefsten Anteil, und uns bewegt dabei — neben dem rein menschlichen Mitgefühl an dem tragischen Geschick dieser beiden Glaubensbrüder — im besonderen noch di« Tatsache, daß der Verlust auch unsere Bewegung trifft. Beide Verstorbene waren aktiv interessierte Mitglieder der Bereinigung für das liberale Judentum; Dr. Curt Beck hat in früheren Jahren dem Hauptvorstand ber Bereinigung angehört, und es drängt uns, unserem Dank und unserer Trauer auch an dieser Stelle Ausdruck zu verleihen. , Emmerich a. Rh. (Weihe einer G e f a t l e n e n - G e denkt a f e l.) Nachdem die Renovierung der hiesigen im Jahre 1812 erbauten Synagoge bis aus die Ausschmückung des Jnnenraumes ausgeführt war, erachtete es die Gemeinde als Ehrenpflicht, die Namen ihrer im Weltkrieg gefallenen Söhne daselbst zu verewigen. Der Bildhauer Leopold Fleischhacker, Düsseldorf, schuf eine dem Raume entsprechende künstlerische Gedenktafel, die in der Seelenfeier des Jaum-Kippur durch den Prediger der Gemeinde, Herrn Lehrer Lilienfeld, geweiht wurde. Hamburg. (R c pr ä s c n t a n t en k o l le g i u m.) Die Sitzung vom 15. Oktober wies eine reichhaltige Tagesordnung aus. Unter den Mitteilungen des Vorstandes ist von besonderer Wichtigkeit die Anzeige von dem Abschluß des Vertrages der Gemeinde, mit dem Israelitischen Tempelverband nach Maßgabe der Beschlüsse des Kollegiums. Danach erhält der Tempelverband von der Gemeinde ein Darlehen von 250 000 RM. sowie durch erste Hypotheken gesicherte Bürgschaftserklärungen der Gemeinde für die Aufnahme wei> terer 250 000 RM. Mit diesen und privat gestifteten Mitteln soll der Tempel auf einem inzwischen vom Hamburger Staat erworbenen Grundstück erbaut werden. Eine Reihe namhafter Architekten ist, wie bemerkt werden mag, zur Einreichung von Entwürfen aufgefordert worden, die durch ein Preisrichterkollegium geprüft werden sollen. Mit dem Neubau wird tunlichst bald begonnen werden. Des weiteren erstattete der Vorstand Bericht über die Umbauten aus dem Gemcindefriedhof und zeigte dem Kollegium die Genehmigung mehrerer Etatspositionen an, die ursprünglich von ihm abgelehnt, vom R. K. wieder eingefordert waren. Dr. Kallmus (Zion.) stellte den Antrag ans Gewährung von Stipendien an Hamburger Lehrer und Lehrerinnen zwecks Ermöglichung des Besuchs Palästinas, sowie die Wiedereinstellung von 2000 RM. in den Etat, und zwar für Jugendfahrten. Beide Anträge wurden an die Budgetkommission zur Vorprüfung überwiesen. Der ostjüdische Verein in Hamburg hat in einem von der Gemeinde zu diesem Zwecke erworbenen und ihm zur Verfügung gestellten Hause eine Synagoge errichtet, die vor kurzem in Anwesenheit von Vertretern der Gemeindebehörden und der Kultusverbände eingeweiht wurde. Für die weitere Ausgestaltung der Räume hat der Verein ein Darlehen von 1500 RM. erbeten, welches bewilligt wurde. An einen Antrag des Vorstandes, dem Vorschußinstitut 5000 Reichsmark zuzuweisen, knüpften sich grundsätzliche Erörterungen über die Unterstützung des jüdischen Mittelstandes durch Kreditgewährung. Bor Monaten war in Hamburg von dem Gemeindevorsteher Jacob Heckscher eine Versammlung einberufen worden, in der ein Referat über die für diesen Zweck in Berlin gegründete Kreditgenossenschaft erstattet wurde. Die Angelegenheit ist vom Vorstand weiter bearbeitet worden, und zwar in der Richtung einer Anlehnung an die Berliner Genossenschaft. Wenn die Gemeinde Depositenbeträge in genügendem Umfange dieser Genossenschaft zur Verfügung stelle oder wenn dort eine genügende Anzahl Hamburger Gewerbetreibender als Mitglieder eintreten, würde die Unterbringung hiesiger Darlehensgesnche bei der Berliner Kreditgenossenschaft voraussichtlich ohne weiteres möglich sein. Die Verhandlungen des Kollegiums wandten sich dann Anträgen zur Aenderung des Wahlrechts zum R. K. zu. In zweiter Lesung wurde die Herabsetzung des Wahlalters für die Ausübung des aktiven Wahlrechts auf das 21. Lebensjahr genehmigt. Dr. Kallmus (Zion.) vertrat dann den von ihm gestellten Antrag auf Abänderung des jetzigen Wahlsystems, welches die Häufung von Stimmen innerhalb einer Wahlliste zuläßt, und setzte sich für die Einführung der gebundenen Wahlliste ein, wie sie beim Reichs¬ und Landeswahlrocht bestände. Ihm traten besonders Dr. Fränkel (lib.) und Lisser (lib.) entgegen, die betonten, daß es überaus wertvoll sei, wenn die Wähler das Recht haben, innerhalb der Wahlliste diejenigen Persönlichkeiten zu bestimmen, die ihnen am geeignetsten erscheinen. Auch bei den politischen Wahlen erwäge man, wie man den Wählern einen solchen Einfluß wieder einräumen könne. Der Antrag Kallmus wurde abgelehnt. Der liberale Antrag auf Einführung des passiven Frauenwahlrechts wird das R. K. voraussichtlich in einer der nächsten Sitzungen beschäftigen. Hannover. (Sitzung des Repräsentantenkollegiums.) Da es eine Fülle von Stoff auszuarbeiten galt, waren zwei Sitzungen an zwei auseinander folgenden Abenden angesetzt, die eine Gesamtdauer von zehn Stunden hatten. Eingangs hielt Herr Rabbiner Dr. Schorsch ein Referat über „Religionsunterricht und Jugendpflege". Sodann gab Herr L. Grünbaum einen zahlenmäßigen Bericht über die Wohlfahrtspflege. Hierauf erstattet Herr Kommerzienrat Berliner einen kurzen Bericht über wesentliche Vorkommnisse im letzten Berwaltungsjahre. Zum ehrenden Gedächtnis der Opfer bei den Unruhen in Palästina erheben sich die Anwesenden von den Plätzen. Durch die im März, erfolgte Amtsniederlegung des Kollegs und durch den nach den Neu-« wählen erfolgten Protest, sowie durch die Reisezeit komme man erst jetzt zur Beratung und Beschließung des Elats. Es folgen ausführliche Angaben über die Einrichtung der neuen Fricdhofshalle. Im Besuch der Religionsschule seien erfreuliche Fortschritte festzustelten. Bei dieser Gelegenheit lvird dem am 1. November in den Ruhestand getretenen Seminardirektor a. D Dr. Knoller für seine treuen Dienste nochmals der herzlichste Dank ausgesprochen. Die .Vermehrung der Schüler habe die Einstellung der Herren Lehrer Weinberg und Spier erforderlich gemacht. Sämtliche Beamten seien nach dem Besoldungsgesetz vom 7. 12. 1927 neueingruppiert. Die Teilnahme eines Geistlichen bei einer Einäscherung dürfe künftig nur erfolgen, wenn von den Leidtragenden die Verpflichtung übernommen wird, daß die Aschenreste aus einem jüdischen Friedhof beigesetzt iverden. Die Arbeiten des Provinzialverbandes hannoverscher Synagogengemeinden haben noch zu keinem für die Synagogengemeinde Hannover tragbaren Ergebnis geführt. Redner weist dann sm Namen des Vorstandes die von einem Kollegsmitglied bei der Begrüßungsfeier des Bar Kochba gebrauchte Bezeichnung „Banausentum", lvomit das Borgehen des Vorstandes dem Bar Kochba gegenüber kritisiert werden sollte, mit Entschiedenheit zurück. Der Wortführer der Repräsentanten, Herr Louis Sternheim, bringt die Angelegenheit Kureski zur Sprache. Herr Direktor Kareski aus Berlin hatte gelegentlich einer Trauerfeier für die Opser in Palästina gegen die Gemeinde den Vorwurf erhoben, daß sie für einen feiernden Verein keine 100 Mark übrig habe, für eine Friedhofshalle aber 260 000 Mark. Es scheine ihm, daß sich die Tätigkeit der hannoverschen Gemeinde auf die Pflege der Friedhöfe konzentriere. Jedenfalls habe man überhaupt-nichts getan, damit ejn mit jüdischen Werten erfülltes Leben wachse. Diesen Behauptungen gegenüber betont Herr Sternheim, iu welch erheblichem Maße sich gerade in den letzten Jahren die Gemeinde für das Gedeihen der Jugend eingesetzt habe. Zurückznweisen sei jede hämische Kritik. Herr Sternberg dankt dem 1. Vorsteher für die beispielgebende aufopfernde Arbeit bei der Fertigstellung der neuen Friedhofshalle, ebenso den an der Herrichtung beteiligten jüdischen Handwerkern, namentlich Herrn Friedhossinspektor Heuschreck, sowie den Beamten für die der Gemeinde geleisteten Dienste. Er beantragt dann namens der liberalen Fraktion die Einrichtung eines Urnenhains aus dem neuen Friedhof. Die Anlage solle so erfolgen, daß die Gefühle konservativ eingestellter Kreise in keiner Weise verletzt werden. Der Rat des Landesverbandes sei der Ansicht, daß mit Inkrafttreten des neuen Judengesetzks die Errichtung des Landrabbinats falle. Der Religionsunterricht werde noch bessere Erfolge zeitigen, lvenn er noch mehr auf das moderne Empfinden eingestellt werde. Die Kultuskommission sei vom Redner lange Zeit nicht einberufen worden, weil ja doch alle Beschlüsse derselben am Veto des -Landrabbinats scheitern könnten. Redner legt dann seine Auffassung zur Jetvish Agency, zum Zionismus und zum Begriff „Jüdisches Volk" dar. Auch die hannoversche Gemeinde müsse sich dagegen verwahren, daß der Begriff „Jüdisches Volk", der den Antisemiten Wasser ans die Mühle bringe, immer »nieder an die Außenwelt getragen »verde. Herr Dr. Schleisner bittet, den Antrag Urnenhain heute abend nicht zu beraten. Der Religionsunterricht müsse von den Höheren Schulen ins Gemeindehaus verlegt werden. Der Herr Landrabbiner werde von seinem Vetorecht keinen Gebrauch machen, wenn die Forderungeir nach Liberalisierung des Gottesdienstes sich mit seinem Gewissen vereinbaren lassen. Die eingeleitete Westanschauungsdebatte an dieser Stelle müsse Redner ablehnen. Es sei zu befürchten, daß die Einführung des neuen Wahlrechts der jüdisch-politischen Agitation Tür und Tor öffne. Bei der ablehnenden Antwort an den Bar Kochba habe sich der Vorstand lediglich von sachlichen Gründen leiten lassen, nicht ettva von einer feindlichen Einstellung gegen den Verein. Herr Rechtsanwalt Gotdstein versichert, mit „Banausentum" habe er nur „Kirchtumspolitiker" zu»n Ausdrllck bringen »vollen. Ihm sei es um sachliche Kritik, nicht um persönliche Angriffe zu tun gewesen. Man solle die Vereinigten Turnerschaften und den Bar Kochba gleichmäßig behandeln. Redner verteidigte sodann die Jetvish Agency. Auch vor dem Auftreten der Zionisten und vor der Einwanderung der Ostjuden habe es in Deutschland starken Antisemitismus gegeben. Das Ausbauwerk sei das beste Mittel zu seiner Bekämpfung. Herr Dr. Schwarz nimmt zu den Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Schorsch Stellung. Religiöse Bestrebungen fänden ja erfreulicher Weise sn der letzten Zeit mehr Anklang. Der Gemeindevorstand habe den Anregungen der Herrn Dr. Schorsch stets ein williges Ohr geschenkt. Die Gemeinde solle wieder Jahresberichte über den Stand des Religionsunterrichtes versenden. Es seien Führungen durch die Synagoge, die Friedhöfe und Wohlfahrtseinrichtungen vorzunehmen. Das Interesse für die Bibliothek muffe belebt werden. Herr Dr. Schorsch bittet, sein Einflußbereich auf die Jugend noch mehr zu erweitern, insbesondere möchte er bei allen Fragen, die die gefährdete nnd notleidende Jugend betreffen, hinzugezogen »verden. Am zweiten Abend werden die Beratungen fortgesetzt. Der Vorstand wird ermächtigt, wenn die Einnahmen und Eingänge entsprechend sind, dem Pensionsfonds 10 000 Mark zuzuführen. — Bonden erheblichen Steuerrückständen ist e.in Teil inzwischen eingegangen. Diese Zwischeneingänge sind aber beim Voranschlag unberücksichtigt geblieben, weil erfahrungsgemäß regelmäßig Steuerrückstände in ähnlicher Höhe zu erivarten sind. Herr Kommerzienrat Berliner betont, der Haushaltsplan sei so ausgestellt, daß er unter allen Umständen ohne Bankschulden durchgesührt werden müsse. Herr Herzberg bittet, in Zukunft die tatsächlichen Eingänge aus Steuerrückständen bekanntzugeben. Herr Dammann wünscht Vorlegung des Etats der Friedhossverwaltung. Der Friedhof müsse sich aus eigenen Mitteln erhalten können. Er fordert »veiter die Entfernung nichtjüdischer Chorsänger aus dem Gottesdienst an den Hohen Feiertagen. Herr Rechtsanwalt Goldstein weist darauf hin, daß man vielleicht Mitglieder des Bar Kochba-Chors für den Synagogenchor gewinnen könnte. Ein Zuschuß für die M. M. Davidsche Freischule wird mit der Begründung abgelehnt, daß die von der Stadt der Gemeinde zum Unterricht gewährten Beihilfen derart gering seien, daß die Gemeinde daraus sein« Mittel abzweigen könne. Bei der Bewilligung zum Wohlfahrtswesen schlagt Herr Fuerst Führung der Kollegsmitglieder durch die Wohlfahrtseinrichtungen vor. Ei» Antrag, dem Bar Kochba wegen der bekannten Vorgänge die Beihilfe zu entziehen, wird nach längerer Aussprache vom Antragsteller zurückgezogen. Sodann wird der Posten „Beihilfen für Vereine und Organisationen" im Betrag des Voranschlags von 4755,— Mark einstimmig genehmigt. Immer wieder taucht das Problem Preußischer Landesverband auf. Die Frage, ob man bleiben oder austreten soll, wird von Herrn. Dr. Goldschmidt eingehend erörtern Auch die finanziellen Leistungen

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