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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-10-16 · 42 (16.10.1929) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
42 (16.10.1929)
Date
1929-10-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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liefet Ruf, diese Berufung bedeutet den Anfang unserer - sichte. Er bezeichnet klar und deutlich die Aufgabe, die . aham und seinen Nachkommen gestellt ist, der Menschr,.;. zum Segen zu gereichen, sie des Segens teilhaftig werden i. lassen, des Segens der Gotterkenntnis. Von Geschlecht zu Geschlecht wurde die Erkenntnis des tuen einzigen Gottes von Abrahams Nachkommen weitergetragen und verbreitet. Abrahams Enkel erwarb den stolzen Namen „Israel", der Gottesstreiter. Jahrelang seufzte I oses unschuldig im Kerker, da ward er plötzlich aus tiefstem Elend vor den Königsthron geführt: „Deute mir meinen Traum!" Und Joses antwortet, das steht nicht bei mir, Gott wird eröffnen, was dem Pharao frommt! Nicht das Elend, in dem er geschmachtet, nicht der Glanz des königlichen Hofes ,nicht die Scheu vor der Aegypter fanatischer Priesterschar können ihn seine Gottstreitermission vergessen machen. Sein erstes Wort war das Bekenntnis Gottes! Ein andrer König kam aus den Thron, im tiefsten Elend, schwerster Bedrückung schmachteten Israels Kinder, da erging in der Wüste der neue Ruf an Moses: Du sollst mein Volk aus Aegypten führen! Sprich zu ihnen: Der Ewige sendet mich, der Gott, den eure Väter erkannten! „Uno Gottes Wort erschallt vor Pharaos Thron: Entlaß mein Voll aus deiner Knechtschaft Band" daß es mir dienen, den Gottesglauben weiter trage und verbreite! Das Volk zog fort. Verfolgt und bedrängt von den nachsetzenoen Aegyptern, fand es einen wundersamen Weg durch Wüste und Meer. Jubelnd erklang das Besreiungslied: „Mein Sing und Saug ist Gott! Ihn will ich preisen und erheben." Und von des Horebs Höhen erschallte es dem Volke ent' gegen: „Ich bin der Ewige dein Gott! Es gibt keine anderen Götter neben mir!" Aber ein ganzes Volk mit einer neuen Weltanschauung zu durchdringen, es aus dem Materialismus der täglichen Misere zu einer rein geistigen, idealistischen Auffassung zu bringen, oas war eine Aufgabe, die selbst ein Moses nicht ohne weiteres vollbringen konnte. Eine solche Umwertung aller bisherigen Erkenntnisse, eine Umbildung der bisher gekannten Begriffe, konnte erst durch eine vierzigjährige Wanderung, durch strenge Absonderung von allen äußeren Einflüssen, wiederum in der Einsamkeit und Stille der Wüste, vollendet werden. Die geschauten Ereignisse, die erlebten Geschehnisse mußten erst zu einer inneren Erkenntnis, zu unerschütterlicher Ueberzeugung werden. An den Usern des Jordans hielt der greise Führer endlich das Volk reif für sein Jsraelitentum. In zündenden, begeisterten Worten hielt er seine Abschiedsrede, ausklingend in den Weckruf: „Höre Israel ,der Ewige ist unser Gott, der einig, einzige Gott!" Mit diesem Ruse zog Israel über den Jordan, zog es hinein in ein Gewirr von Völkern, die dem krassesten Götzendienste huldigten, kämpfte es jahrhundertang um seine Existenz, für seinen Gott! Umringt voll Völkern, die nur Nationalgottheiten kannten, geführt von Fürsten, die oft dem Glanze und den Verführungen benachbarter orientalisch-üppiger Höfe erlagen, vermochte Israel nicht, seine Mission zu erfüllen. Ein Prophet nach dem anderen richtete seine donnernden Mahnrufe an das miß,geleitete, irregeführte Volk. Israel war noch immer nicht reis für seine Ausgabe, tonnte sich vom Materialismus nicht losreitzen. Erst der Schmelzofen des Unglücks sollte es läutern. „An den Bächen Babels saßen wir und weinten." Nicht um die verlorene Selbständigkeit, nicht um den materiellen Schaden, den sie erlitten, ergingen ihre Klagen. Das Unglück hätte ihre Augen geöffnet, sie trauerten um die verlorenen geistigen Güter, über die vergessene Jsraelsmission ertönten ihre Klagelieder: „Führe uns zurück zu Dir, o Ewiger, wir wollen Buße tun, versuche es noch einmal mit uns, erneuere unsere Tage wie einst" — kekedem, als unser Ahn von Kedem auszog, um ein Segen zu werden allen Völkern der Erde! Israel kehrte zurück. Wieder erklangen seine Psalmen an heiliger Stätte, nicht vermochten mehr Aberglauben und Verführung an seiner Erkenntnis, seiner Gottesdienerschast zu rütteln. Wieder aber wurde der Ansturm versucht, nunmehr durch rohe Gewalt. Aber erfüllt von der Erkenntnis des einen Gottes, bauend aus seine Hilfe, trauend aus die Mission Israels, errichtete das .kleine Häuslein der Makkabäer den ewigen Felsen des unerschütterlichen Gottesglaubens, verkündete stolz und begeistert, umringt von kriegsgeübten, waffenstarrenden elesanteuberittenen Feinden: „Preiset den Ewigen, denn er ist allgütig!" Niedergeworsen war der Feind, gestärkt, gesichert der Gottesglaube. Unbekümmert um das Geräusch der Welt wuchs und blühte die Erkenntnis und das Vertrauen zu Gott, zu Israels Mission. Die edelsten Geister Israels suchten und fanden ihre Ausgabe nur noch in der Beschäftigung mit den Idealen des Lebens. Mehr und mehr erschlaffte und erblaßte der Glanz und die Macht des Staates. Aus den Toren des belagerten Jerusalems zog ein Trauerzug. Im Sarge wurde der greise Lehrer Jochanan b e n Saccai aus der verlorenen Stadt in das Römerlager getragen. Nicht gestorben war er sein Glaube an die nationale Selbständigkeit Judäas war gestorben; die idealen Güter seines Glaubens, die Möglichkeit der Mission Israels wollte er retten. Er lebte, und mit ihm und in ihm lebte diese Mission: „Nicht durch Kraft, nicht durch Macht, sondern Durch den Geist! spricht der Herr." Jochanan b e n S a c e a i und seine Schüler haben den Glauben und die Mission Israels lebenbig erhalten. Sie, und viele Gotteskämpser mit ihnen, zogen hinaus unter die Völker, losgelöst von der Fußkette der Scholle, nur allein dem Gedanken lebend, den Glauben an Gott, an seine Ver- Welcher unserer Leser kann uns die „Jüdisch-liberale Leitung" Nr. 14 vom 16. Mai 1921 zur Verfügung stellen? Die Nummer ist hier vergriffen, wird aber dringend gebraucht. Wir find bereit, Exemplare für 1 Rm. zurückzukaufen. Züdifch-ttberale Zeitung Berlin SW 11, Hallefche Straße 1, I. heißungen einer fernen Zukunft, zu erhalten und zu verkünden, herbeizuführen die Zeit, da die Erde voll sein wird der Gotteserkenntnis, den Tag kommen zu lassen, an dem Gott der einzige und sein Name einzig. Zweitausend Jahre irrt Israel umher unter den Völkern, kein Volk mehr, aber eine treue, engverbundene Brüderschaft, deren Zweck und Ausgabe, Ziel und Mission nur die eine Verkündung ist: „Der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig!" Und weiter ward Israel angefeiubet, Israel und sein Glaube. Seil Jahrtausenden trägt es sein Gottesstreitertum durch alle Länder - noch weiter vom Ziel! Israel verkündet ferner: Im Ebenbilde Gottes ist der Mensch geschaffen! Nicht physisch, sondern psychisch haben wir diese Gottähnlichkeit aufzufassen. Gott ist groß suchen wir menschliche Größe, edlen Sinn ,und hohes Streben zu erreichen. Gott ist gütig •— eifern wir, alle guten und schönen Keime in uns zu entwickeln. Gott ist liebevoll — feien wir bestrebt, Liebe, Hilfe und Freundschaft unfern Mitgeschöpfen entgegenzubringen. Gott ist allwissend — laßt uns Wissen und Kunst befördern unb erstreben. Das sind unsere Ausgaben, als im Ebenbilde Gottes geschaffenen Menschen, als Gottesstreiter für die höchsten und idealsten Interessen der Menschheit! Wenn es aber unsere Mission ist, den Glauben an einen einzigen Gott in der Welt zu verbreiten, für diesen Glauben zu streiten, nicht durch Macht und Gewalt, sondern durch den Geist, wenn wir durch die Verkündung dieses Glaubens die Zeit herbeiführen sollen, in der „Gott der einzige und sein Name der einzige" sein wird, dann liegt dieses Ziel rein auf geistigem, nicht auf materiellem Boden. Wo immer wir weilen, können wir für unsere Aufgabe wirken. Ob unsere Stellung in der großen Welt, ob in kleinem Kreise, einerlei an welchem Orte wir unfern Wohnsitz gesunden, in welchem Berufe wir auch tätig sind,, überall können wir für diese Mission wirken. Wohl sollen wir uns vereinen, um besser, kräftiger, aussichtsvoller für unsere Aufgabe eintreten zu können, ist doch der einzelne Stab leicht zerbrechlich, ein Bündel schwacher Stäbe aber auch großer Kraftanstrengung gegenüber dauernd und standhast. Aber jeder Einzelne hat die Berufung, jeder Einzelne ist Gottesstreiter. Mit dem Falle Jerusalems wurde die israelitische Nation aufgelöst nicht aber Israel. Israel zog hinaus unter die Völker, es lebt und weilt unter den Völkern, seine Söhne sind zerstreut von einem Ende der Erde zum anderen, um allerorts ihrer Ausgabe nachgehen zu können: alle Menschen der Zeit näherzubringen, wo die Erde voll sein wird der Erkenntnis Gottes, gleichwie die Wasser das Meer erfüllen. Um diese Zeit herbeizusühren, müssen wir unter den Völkern schassen und streben, müssen wir in den Völkern als vollkommenste Einzelwesen, als treue Staatsbürger, als tüchtigste und beste Mitbürger wirken und leben, nur dann können wir als Vorbild dienen ,nur dann unserm Glauben an einen einzigen Gott Anerkennung und Geltung verschaffen. Wenn wir uns aber wieder aus uns selbst zurückziehen würden, wenn wir uns als fremdes, abgesondertes Element unter unfern Mitbürgern fühlen und erllären wollten, wenn wir wieder eine materielle, nationale Sonderstellung herbeisehnen, wenn wir unser Ziel dahin stellen, wieder eine Natron neben oen anderen Nationen, einen Staat, räumlich und politisch getrennt von anderen Staaten, bilden zu wollen, dann verlangen wir unsere Ausgabe, verkennen wir unsere Mission der Verbreiterung der Gotteserkenntnis aus der ganzen Erde! Schon in der Wüste ward Israel zugerusen: „Jeder in seinem Lager, aber jeder bei seiner Fahne!" Unser Lager ist unsere Heimat, in der wir geboren, in der wir wohnen, das Land dem wir angehören, das uns schützt und schirmt, das uns gleiches Recht mit unfern Mitbürgern einräumt, gleiche Pflichten gegen das Staatswesen auferlegt. Unsere Fahne ist aber unsere Mission, unser Glaube: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott!" Wenn wir nationalen Sonderbestrebungen huldigen, so drehen wir das Rad der Weltgeschichte um zweitausend Jahre zurück. Tann suchen wir die Zeit wieder herbeizuführen, in der Israel noch nicht reif war zur Verbreitung feiner Gotteslehre, als es noch im Vorbereitungsstadium für seine Mission sich befand. Das wäre ein furchtbarer Rückschritt, eine gewaltige Entfernung und Rückwanderung von dem Zeitpunkte, an dem unsere messianischen Hoffnungen auf den Tag, an dem „Gott der einzige und sein Name der einzige" sein werde, in Erfüllung gehen könnten. Viele unserer Gläubensbrüder werden diesen Ausführungei widersprechen. Ein Teil wird die Mission Israels in ganz anderer Weise auffassen, wird auf ein geschichtliches Ereignis warten, das zu gottgewollter Zeit, ohne menschliches Zutun eintreten werde, sobald Israel selbst sich würdig dafür erweisen werde. Andere erblicken in Israel ein Volk, wie jedes andere, knüpfen die Zukunft der Judenheit an die Wiedererlangung des einst besessenen Landes, erachten vielleicht auch die Mission Israels, seine rein geistige Ausgabe, an das Land unserer Väter gebunden. Man kann nicht erwarten, daß eine große Gesamtheit gleicher Gesinnung und einerlei Meinung wäre. Gegen die erstere Anschauung brauchen und wollen wir nicht ankämpsen. Wenn sie auch eine andere Auffassung, als die unsrige bedeutet, so liegt sie doch rein auf religiösem Gebiete, unterzeichnet sich von unserer Ansicht nur durch den Weg, nicht aber im Ziel. Anders aber liegt es Im der zweiten Richtung, die unserer Auffassung von der Ausgabe Israels nicht nur direkt Philosophie und jüdischer Religionsunterricht Zur Tagung der Kant-Gesellschaft. Bon Hans Freund. Es ist bezeichnen» für die Geisteslage der Gegenwart, daß sich im Gegensatz zum vorigen Jahrhundert, wo die Erforschung »er Tatsachen höchstes Ziel war, jetzt aus allen Gebieten oas Streben nach einer philiosophischen Vertiefung geltend macht. Aus diesem Gesichtspunkt heraus ist es zu verstehen, daß seit einiger Zeit Bestrebungen im Gangs sind, die Philosophie in die Unterrichtsgebiete der oberen Klassen an höheren Schulen einzubeziehen. Alan will das aus zwei Wegen erreichen. Einmal sollen an allen Schulen gesonderte philosophische Arbeitsgemeinschaften eingerichtet werden, die auch zum Teil bereits bestehen. Ta diese jedoch wahlfrei sind, können sie nicht alle Schüler erfassen; es muß aber jeoer junge Mensch mit einer höheren Bildung einen Hauch philosophischen Geistes verspüren, und deshalb will man als Zweites die philosophische Turchgeistigung aller Unterrichtsfiöidjier. Diesem Ziele war eine Tagung gewidmet, die von der Kant-Gesellschaft, dem Provinzialschulkollegium und denr Zentral-Jnstitut für Erziehung und Unterricht veranstaltet war und am 10. und 11. Oktober in Berlin statt fand. Es sprach dort ein Vertreter jedes Unterrichtsfaches, der nachzuweisen versuchte, ob und wie gerade in seinem Fach eine philosophische Durchdringung möglich wäre, und wo die Anknüpfungspunkte seines Faches zur Philosophie liegen. Nach den Eröffnungsansprachen redete zunächst, ein Vertreter der protestantischen Religion, der sich im wesentlichen für die Heranziehung der Philosophie im evangelischen Religionsunterricht einsetzte. Als Zweiter sprach in sehr geschickter Weise der Vertreter des Katholizismus, der Kr die Philosophie zwar eintrat, aber unter Philosophie nur die aristotettsch-thomistische Scholastik verstand, das heißt die verstandesmäßige Grundlegung der katholischen Kirchenlehren. Tann betrat der Vertreter des Judentums das Podrum: Rabbiner Tr. Leo Baeck. In einer meisterhaften, klar aufgebauten Rede, die als einzige von allen frei gsprochen wurde und eme liefe Wirkung hinterließ, schilderte Baeck das Verhältnis von Philosophie zu Judentum und indischem Religiolisunterricht. Für oen Menscheu der Neuzeit ist rs charakteristisch, daß es für ihn keine Religion gibt ohne Denken über die Religion. Ter Mensch, den die letzten Jahrhunderte schufen, kann zwar auch Stunden der Andacht haben, Augenblicke der Versentung, aber in sein Leben tritt doch immer wieder das Denken ein. So ist auch der Religionsunterricht nicht Religion, sondern Denken über die Religion. Damit ist die Antwort aus die Frage, ob es einen Religionsunterricht ohne philosophische Einstellung des Lehrers geben kann, schon gegeben. Alles Denken verlangt Bestimmung und Zielsetzung durch die Philosophie, kein Denken ist möglich ohne philosophisch sestgelegte Begriffe. In letzter Zeit ist im Unterrichte die Philosophie leider verdrängt worden durch dir Kirchen- und Religionsgeschichte. Gewiß ist diese auch nötig und kann nicht übergangen werden, aber sie ist nur Stofs, Material, das durch philosophische Bearbeitung gesonnt werden muß zu einem einheitlichen Ganzen. Ter Religionsunterricht kann deshalb der Philosophie nicht entsagen. Das war das Allgemeine und nun kommt das Besondere für den jüdischen Religionsunterricht. Es ist eine Eigentümlichkeit des Judentums, daß es eine Religion ohne Dogmen ist, eine Religion ohne Dogmatik. Es gibt viele Gründe dafür, einer von ihnen istdaß dem Judentum die konstituierende Glaubensbehörde fehlt, die erst Sätze zu Dogmen macht. Um so mehr bedeutet im Judentum die Philosophie, das Denken hat den Platz der Dogmen. Daher ist auch die Geschichte des Judentums zugleich die Geschichte einer Religionsphilosophie. Hinzu kommt ein Weiteres: Das Judentum ist eine Minorität. Eine Mehrheit kann vielleicht ohne Philosophie sein, eine Minderheit muß sich immer wieder über sich« selbst klar werden, sich rechtfertigen in der Mehrheit. Ter jüdische Religionsunterricht, der Schülern erteilt wird, die dauernd von einer Majorität umgeben sind, verlangt daher „von Minoritätswegen" Philosophie. Nur dort, wo der Lehrer diese zu gewähren vermag, wird er das werden können, was er sein soll. Und um wieder mit einem Allgemeinen zu schließen: Religion ist nicht Alltäglichkeit, nicht Prosa des Lebens, sondern alle Religion ist! Poesie. Aber die Poesie ist ein Philosophisches im höchsten Sinne! Sir ist eine Neuschüpsung der Tatsachen, ein Neuschaffen der Wirklichkeit! Das aber ist Philosophie auch, und hier finden sich beide zusammen. Aufgabe des Religionsunterrichtes ist es, diesen heutigen Menschen, wie wir sie nun einmal nehmen müssen, diesen Menschen, die auch über Religion denken müsien, das Denken über Religion zu erleichtern. Zu dieser Ausgabe ist unentbehrlich die Philosophie. Damit schloß der Vortragende. Es wäre nach dieser Rede wünschenswert, wenn recht diele jüdische Religionslehrer ihren Unterricht nach den von Baeck vorgetragenen Gesichtspunkten umgestatteten. Tenn leider wird heute jüdischer Religionsunterricht noch teilweise in einer Form gegeben, die ein Auswendiglernen religionsgeschichtlicher Ereignisse darstellt und von jedem philosophischen Geiste weit entfernt ist. Wird dagegen der Unterricht in einer von Leben erfüllten Weise erteilt, durch philosophische Behandlung historischer oder religiöser Probleme des Judentums, Hann ist gerade, hier eine Vorzügliche Gelegenheit gegeben, auch^ solche junge Menschen, die dem Judentum schon ferner stehen, wieder für jüdische Fragen zu begeistern. Die Dichterin der Toleranz Von Professor Dr. Eugen Wölbe. Die letzten zehn Jahre haben eine solche Fülle geschichtlicher — und privater — Denkwürdigkeiten gezeitigt wie kaum je ein Dezennium zuvor. Daß an dieser ebenso wertvollen wie erfreulichen Memoirenliteratur auch die deutsche Frauenwelt beteiligt ist, stellt ihrem pietätvollen Sinn und zugleich ihrer Beteiligung an den das Vaterland betreffenden Fragen ein ehrendes Zeugnis aus. Den Lebenserinnerungen der Henriette Schräder, Hedwig Heyl, Paula von Bülow (der „Freundin des alten Kaisers"), der Freifrau von Heldburg, Baronin von Heyking, Anna von Sydow (der Humboldtenkelin) hat nunmehr MarievonBunsenein Memvirenwerk beigesellt: „Die Welt, in der ich lebte" (Leipzig, K. F. Kochler). Als Enkelin des einstigen preußischen GesaMen am englischen Königshofe, Josias von Bunsen, der einstmals

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