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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-10-09 · 41 (9.10.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
41 (9.10.1929)
Date
1929-10-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Welt zugewenvel. Und das Judentum konnte ihm nur die besondere Art der innerer: Haltung der Welt und dem Leben selbsl,gegeimüer sein. Jede Enge, jede Einkapselung des Jrrdentums in sich selbst, Melcher Art sie auch sein mochte, mar seiner Natur znwioec. Als Selbstzweck der gewollten Absoifderung wegen anders als die anderen, d. h. national sein zu wollen, lag seinem Judentum völlig fern. Geistige Klarheit war ihm ein unbedingtes Bedürfnis. Es lag ihm gacnicht, wenn Klarheit des Erkennens durch unbestimmtes inhaltloses Gesühl ersetzt wurde. Freiheit der Form war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Er selbst war der gefühlsmäßigen Beeinflussung durch äußere religiöse Mittel wenig zugänglich. Er verkannte deswegen jedoch nicht ihre Bedeutung für andere. Der Erfolg seines Wirkens aber beruhte sehr wesentlich auch auf einer selten glücklichen Mischung von Sicherheit und Problematik. So einfach und klar er in seiner geistigen Haltung war, so sehr war er sich der Problematik, die in den Dingen liegt, bewußt. Er war klar in seinem Erkennen und entschieden tu seinem Bestreben, nach ihm zu handeln. Wer er sah über die Schwierigkeiten, die in den Dingen liegen, nicht hinweg. Er wußte, daß ein Handeln, das der Reinheit der Idee zu entsprechen scheint, mitunter in entgegensetztem Srnne sich auswirken kann. Er hätte niemals gegen seine Anschauungen gehandelt. Aber ein Radikalismus, der mit radikaler Forderung allein die Entwicklung zu meistern glaubt, sich darum, inwieweit sein Handeln seine Ziele praktisch fördert, wenig Gedanken macht und die mitunter tragischen Konflikte der Anschauungen und Kräfte in einzelnen Menschen nicht sicht, war ihm sehr fremd. Ein berufener Twenter des Judentums hat einmal die Lebensanschauung des Judentums etwa dahin formuliert, daß sie optimistisch! im großen, pessimistisch im kleinen sei. Ich kenne niemand, in dem so wie in Ludwig Lewin alle Voraussetzungen dafür Vorlagen, um bei ausgereister Entwicklung dem voll zu entsprechen. Er glaubte an das Ziel. Er befaß aber die klare Erkenntnis der Schwie-, rigkeit jedes einzelnen Schrittes und jene Dosis an Skepsis, welche die Kraft energischen Handelns wach hält und vor dem Schrecken an Enttäuschungen sichern, welche die Voraussetzung alles praktisch erfolgreichen Wirkens sind. So unbeschwert und unbelastet sein Glaube an das Letzte war, so sehr war er von der Problematik des praktischen Tuns etfüllt. aus der ihm dann sein lebensfrohes, dem Humor nicht fremdes Temperament, sein klarer Verstand und sein energischer Wille den Weg wiesen. Nun ist er vorzeitig abberufen, seiner Mutter, deren einziges Kind er war, seinen Freunden jäh entrissen. Ein letztes Ausreisen und ein letztes Auswirken ist ihm versagt geblieben. Mer in uns, die wir die Jahre fruchtbaren menschlichen und sachlichen Wirkens gemeinsam mit ihm gelebt haben, wird die Erinnerung an ihn svrtdauern. Sein Bild wird vor uns stehen, wenn wir die Arbeit für die gemnnfame Sache nun allein fortführen. Tr. Arthur Lilienthal. * Gottesdienste * BerNn-Rorde«. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 7.15 llhr abends, Gottesdienst mit Predigt. Borabend des Bersöhnungssestes, Sonntag, 6.SV llhr abends, Predigt: Dr. Salomonski. Versöhnungstag, Predigt vormittags 16 llhr: $. Falienberg und I. Plaut. verlln-Weste»-. Liberale Synagoge Westend. Freitag, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst, ausnahmsweise Herderschule, Bayernallee 4. Predigt: Dr. Andorn. Vorabend des Bersöhnungstags, Sonntag, 6.36 llhr abends, Aula der Herderschule, Bayernallee 4, Predigt: Dr. H. Cohn. Versöhnungstag, 16 Uhr vormittags, Predigten: Dr. Andorn. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienfchule, Nikolsburger Platz). Freitag, 7.15 llhr abends, Predigt: Dr. Satter. — Gottesdienste am Berföhnungstag siehe Ankündigungen der Jüdischen Gemeinde für „Atrium", Kaiser«»«. Jugendgottesdienst der Liberalen Synagoge Norden, Metzer Str. 1. Vorabend des Bersöhnungstags, 8.36 llhr, Predigt: Dr. Goldner. Berföhnungstag, 16 llhr vormittags und 4 llhr nachmittags, Predigt: Dr. Seligsohn. Berlin. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstrahe 16. Predigten am verföhnungsfest: Sonntag, den 13. Oktober, 5.45 llhr nqchmittags: Johannisstraße: Dr. Rosenthal; Joachimsthaler Straße: Dr. Jelski; Kleiststraße: Dr. Lehmann. Montag, den 14. Oktober, 16 Uhr vormittags: Johannisstraße: Dr. Jelski; Joachimsthaler Straße: Dr. Lehmann; Kleiftftraße: Dr. Rofenthal. Montag, den 14. Oktober, 4.45 llhr nachmittags: Johannisstraße: Dr. Lehmann; Joachimsthaler Straß«: Dr. Rofenthal; Kleiftftraße: Dr. Jelski. ★ Das Jli-Programm * Berlin. Norden. Dienstag, 15. Oktober, 19.66 Uhr, im Hort Fehrbelliuer Straße 92: Jona. Pankow-Osten. Donnerstag, 16. Oktober, 26.66 Uhr, bei Alice Wrefchinski, Elbinger Straß« 46: Rousseau, „Gesellschastsvertrag". Steglitz. Donnerstag, 16. Oktober, 18.36 Uhr» bei Hilde Deutschland, Steglitz, Heinrtch-Seidelstraße 6. Umschau Antireligiöse Propaganda wahrend der Mischen Feiertage in Sowjetrustland. Die Moskauer „Prawda" berichtet am 5. Oktober: ..Im Zusammenhang mit den jüdischen religiösen Feiertagen wurde in Moskau eine verstärkte antireligiöse Tätigkeit eingeleitet. Am 4., 5. und 6. Oktober werden in allen Stadtteilen Moskaus antireligiöse Abende veranstaltet. Am 6. Oktober (Sonntag, dem zweiten jüdischen Neujahrstag) wird ein umfangreicher „Sonntagsarbeitstag" organisiert, hauptsächlich an im Bau befindlichen Gebäuden und beim Entladen von Eisenbahnwagen. 4000 Menschen werden sich an diesen Arbeiten beteiligen, der Arbeitslohn wird für den Bau des Flugzeugs „Birobitschau" verwendet werden. Am jüdischen Feiertag „Jomkippur" (13. und 14. Oktober) werden in allen Stadtteilen antireligiöse Abende stattfinden, ebenso im Gewerkschaftshaus für ganz Moskau. Am 14. Oktober sollen Exkursionen von Hausfrauen und der Jugend in das antireligiöse Museum und die Kommune „Sangen" („Ähren") organisiert werden. Während der jüdischen Feiertage werden im Rundfunk spezielle jüdische antireligiöse Konzerte stattfinden." Die Bibel das am meisten gekaufte Buch. Einem vor kurzem herausgegebenen Bericht der englischen Bibelgesellschaft ist zu entnehmen, daß im letzten Jahre elf Millionen Exemplare der Bibel verkauft wurden. Hierzu kommen vier Millionen der schottischen, neun Millionen der amerikanischen und zwei Millionen von anderen Gesellschaften; insgesamt wurden in diesem Jahre 26 Millionen Exemplare der Bibel verkauft. Seit der Gründung der Gesellschaft bis zum Schluß des vorigen Jahres wurden insgesamt 385 838 255 Bibeln abgesetzt. Es liegen bisher Bibelübersetzungen in 630 Sprachen vor. Sprechsaal * Utr diese Bubrttl übernimmt die Schriftleitung lediglich di« prchoekeülicbe Dercmtwortuno Schulbefreiung am Sabbak Unser Dresdner Korrespondent schreibt: Man erinnert sich, daß in den letzten Jahren namentlich aus Leipzig (wo durch den Zuwachs an ostjüdischen Glaubensgenossen die Orthodoxie sehr gestärkt worden ist) Klage? rufe laut geworden sind wie „Gewissensbedrückung jüdischer Kinder in Sachsen" oder gar „mittelalterliche Zustände in sächsischen Schulen". Das war natürlich weit übertrieben und wurde als solches hier gebrandmarkt. Jetzt ist endlich durch eine neue Verordnung des sächsischen Ministeriums der Friede hergestellt und kein Grund zu Klagen mehr gegeben. Die in. der letzten Nummer hier aögedruckte diesbezügliche Notiz aus Leipzig stellt es aber so dar, als ob dieser Erfolg nur auf Bemühungen des dortigen Vereins Schomre Schabbvs zurückzuführen sei. Das ist unrichtig und verhält sich wesentlich anders. Seit langem schon stand der sächsisch-israelitische Gemeindebund, welcher dafür zuständig ist, in Gemeinschaft mit den sächsischen Rabbinern, denen kraft Wes Amtes und ihrer Stellung es obliegt, solche Konflikte zu beseitigen, in Verhandlungen mit dem Ministerium. Der Stand war zuletzt der, daß am Sabbat und an den höchsten Feiertagen Befreiung gewährt wurde; jetzt sind noch einige Feiertage mehr hinzugekommen. (Daß das nicht gleich geschah, beruhte im wesentlichen auf einer Ungeschicklichkeit von jüdischer Seite.) Breslau. Hauptgruppe: Mittwoch, den 16. Oktober, 26.36 llhr, Soziale Gruppe, Kaiser Wilhelmstrahe 16: Bortrag von Herrn I. Wolfsoh« über: „Die Verbindung von Religion und Politik im Judentum". Anschließend Aussprache. — Jüngeren-Gruppe: Donnerstag, den 17. Oktober, 16.45 llhr, Soziale Gruppe, Kaiser Wilhrkmstraße 16: Vortrag von Karlheinz Peiser (Jüngeren-Gruppe) über: „Gedanken bettn Lesen eines Buches". Der liberal gesinnte deutsche Jude, welcher zugleich will, daß seine Kinder ebenso wie er selbst in deutscher Kultur wurzeln — beides ist nicht ganz dasselbe —, hat an diesen Vorgängen nur ein sehr bedingtes Interesse. Er steht auf dem Standpunkt, der einmal wieder ganz klar betont sei, daß es keinem frommen Juden für seine Person verwehrt werden kann, den Sabbat im Gotteshause zu feiern. Ferner: wer sein Geschäft schließen will, mag das am Sabbat tun. Beides gehl einzig und allein mir ihn an. Das wiederholte Fehlen einzelner jüdischer Kinder aber berührt die Allgemeinheit des Unterrichts und errichtet von selbst Mauern einerseits zwischen ihnen und den christlichen, dann aber auch zu den — nur an den höchsten Feiertagen fehlenden — jüdischliberalen Mitschülern, kurz, es liegt etwas Abseittges darin, daß Sonderwünsche einer in sich gespaltenen Minorität so weitgehend berücksichtigt werden sollen und daß man diese außerdem mit der geheiligten Lchre unserer Religion als einem in jeder Beziehung ewig feststehenden Gesetzbuch des Glaubens begründet. Etwas anderes ist es natürlich — und darüber darf sich jeder Jude ohne Unterschied der Richtung freuen —, daß mit der Aenderung oder Vervollkommnung der Verordnung ein weiterer Schritt zur Gleichberechtigung der Juden auch in Sachsen getan worden ist. Er ist ein .ganz klein wenig vielleicht auch mit den Bemühungen des genannten Leipziger Vereins zu verdanken, der sich damit aber nur die auch ohne ihn reif gewordenen Früchte vom Baume geholt hat. * Aus den Gemeinden Aurich. (Le hr e r v e r s a mm lu ug.) Kürzlich hielten die Lehrer der Rabbinatsbezirke Emden nnd Oldenburg hier ihre Generalversammlung ab. Lehrer Ruda, Wilhelmshaven, der demnächst nach Zürich übersiedelt und deshalb zum letzten Male den Vorsitz führte, begrüßte die Mitglieder und Gäste. Die Vorsteher van Dyk und A. Wolffs richteten Begrüßungslvorte an die Konferenzteilnehmer Der Vorsitzende bMttldelte das Berbandsthema: „Apologetik im Religionsunterricht". Mtrch die Versetzung des Vorsitzenden wurde eine Borstandswahl >erforderlich; aus ihr gingen Popper, Leer, als Vorsitzender, Gottschalk, Emden, als Schriftführer und Hartog, Jever, als zweiter Vorsitzender hervor. Dem scheidenden Vorsitzenden wurden von Vorstandsmitgliedern anerkennende Worte für seine zielbewußte Arbeit im Verein gezollt und als Zeichen des Dankes und der Evinnerung das Werk „Hermann Cohen, Jüdische Schriften" überreicht. Herr van Dyk wünschte Lehrer Ruda Erfolge im neuen Wirkungskreis. Der Gefeierte dankt« in bewegten Worten. Die Gemeinde Aurich hatte die Konferenzteilnehmer in liebenswürdiger Weise zur Mittagstafel geladen. Nachmittags fand ein öffentlicher Bortrag des Lehrers Gottschalk, Emden, über „Disziplin, ein wichtiger Erziehungssaktor" statt. Eine lebhaft« Aussprache beleuchtete das Interesse der Anwesenden für di« behandelten Fragen. Berlin. (Reprä sentantenversammlung.) In der Repräsentanten-Sitzung vom 26. September wurde eine große Anzahl verwaltungstechnischer Angelegenheiten verabschiedet. — Bon besonderem Interesse ist die Bewilligung eines Betrages von Mk. 8000,— STOIbWERCK( f 'Bilds. > iDohlkhmuckcndL, nahrhaft. an die Gesellschaft „Ort", die unter ausdrücklicher Anerkennung der Verdienste des „Ort" um die Förderung von Handiverk und Landwirtschaft unter den Juden erfolgte. — Eine längere Debatte antspann sich um die Bewilligung eines Sonderbeitrrges für ein vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten herauszugebendes Gedenkbuch sür die jüdischen Kriegsgefallenen. Die Sprecher der Volkspartei verlangten, vor dieser Bewilligung das Vorwort dieses Buches kennen zu lernen; es könnten darin Ansichten vertreten sein, für dia die Gemeinde weder Kosten noch Verantwortung übernehmen könne. Demgegenüber wiesen Dr. London (liberal) und der liberale Fraktionsführer R.-A. Stern darauf hin, daß andere Großgemeinden, z. B. Breslau, Frankfurt a. M., Leipzig u. a., Sonderbeiträge für diesen Zweck bereits bewilligt haben. Der Antrag wurde schließlich in der Form angenommen, daß vor Auszahlung des Betrages das Vorwort den Gemeindekörperschaften vorgelegt wird. — Die „Schule der jüdischen Jugend" erhält eine Subvention von Mk. 1600,—. — Gegenstand einer weiteren Debatte war ein Subventionsantrag für die Jeschilvah in Frankfurt a. M., die vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden bereits einen Jahreszuschuß von Mk. 4000,— erhält und nun Mk. 1000,— von der Berliner Gemeinde erhalten soll. Die liberal« Fraktion war gegen die Bewilligung, und zwar, wie R.-Anw. Stern hervorhob, nicht aus Gegnerschaft gegen die Orthodoxie, sondern weil hier eine Aufgabe des Landesverbandes vorliegt, die dieser durch seine Subvention ja auch erfüllt und an der die Berliner Gemeinde als Mitglied des Landesverbandes bereits beteiligt ist. Der Antrag wurde aber trotzdem gegen die Liberalen angenommen, wobei die Stimme des mittelparteitichen Vorsitzenden Geheimrat Dr. Stern den Ausschlag gab. Berlin. (Fr i e d e n s k u n-dg ebu ng jüdischer Frauen.) Der aus Vertreterinnen der jüdischen Frauenorganisationen zusammengesetzte Frauenausschuß des Jüdischen Friedensbundes veranstaltete Sonntag, den 29. September, vormittags, in der Hochschule für Musik, Charlottenburg, eine Friedenskundgebung 'von feierlichem Charakter. Nach einem eindrucksvollen, durch Käthe Franken vorgetragenen Prolog von Frieda Mehler legte die Vorsitzende des Frauenausschusses Ernestine Eschelbacher tu großen Zügen die Aufgabe des Jüdischen Friedensbundes und die besondere Friedensberufung der Frauen dar. Direktor Oscar Wassermann sprach als Vertreter des Präsidiums der „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden" von dem Verhältnis des Jüdische r Friedensbundes zur Arbeitsgemeinschaft. Im Namen des Jüdischen Friedensbundes begrüßte Dr. Alfred Nossig die Friedensbewegung der jüdischen Frauen als Teilerscheinung des Weltringens der Frauen um den Frieden. Das gehaltvolle Referat der Chemikerin Dr. Claudia Löwe schilderte die Schrecken des kommenden Gaskrieges und gipfelte in der Feststellung: Ein wirksamer Schutz gegen Gasangriffe ist unmöglich; die Abrüstungsbemühnngen des Völkerbundes bei gleichzeitiger Vorbereitung des Gaskrieges siird eine Illusion. Rettung kann nur die Aenderung der menschlichen Mentalität durch die Erziehung bringen. Das Schicksal der Welt liegt in den Händen der Mütter. Die übrigen Redne,- rinnen erbrachten den Beweis, daß die großen jüdischen Organisationen aller Richtungen sich auf dem Boden des Friedensgedankens vereinigen. Lina Wagner-Tauber (Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina) beleuchtete das Friedensstreben des Judentums auf Grund der Heiligen Schrift und der letzten Ereignisse in Palästina. Margarete Fried (Frauengruppen des Centralvereins) betonte die Verantwortung des heutigen Geschlechtes für das ganze weitere Kulturleben der Menschheit. Berta Falkenberg (Jüdischer Frauenbund) forderte die Versammelten auf, sich selbst zu erziehen, um reif zu werden für die Aufgabe, das kommende Geschlecht für den Frieden zu erziehen. Orgelspiel und Chorgesänge der Bereinigung Berliner Synagogenchöre unter Leitung Alexander Weinbaums eröffneten und beschlossen die Versammlung. Beifallsstürme weckte die Friedenskantate von Mozart in der Interpretation von Wilhelm Guttmann, Mitglied der Städtischen Oper. Die imposante Kundgebung, welche vor einem bis an den Rand gefüllten Saal stattfand, hinterließ einen tiefen Eindruck. Belgard. (Synagogen-Jubiläum und Einweihung der Gedenktafel.) Die jüdische Gemeinde Belgard feierte vor einigen Tagen das 100 jährige Jubiläum der Synagoge verbunden mit der Enthüllung einer Gedenktafel für die 6 im Weltkrieg gefallenen Soldaten. Vormittag versammelte sich die ganze Gemeinde, die zahlreich erschienenen Vertreter der Nachbargemeinden, die Vertreter der Stadt, Behörden usw. in dem Gotteshaus zur Festandacht. Chor und Sologesänge umrahmten die Festpredigt, die von Herrn Prediger Ehrenberg, Belgard, gehalten wurde. Nachdem die Hülle der Tafel gefallen war, legten der Gemeindevorsteher Herr Jaroczinsky, der Standortälteste Oberstleutnant von Walter, Landrat Dr. Janzen, kommis. Bürgermeister Dr. Raasch und für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Herr Fritz Apolent aus Stettin Kränze nieder. Berlin. (Gustav Lösser gestorben.) Am 5. Oktober verschied der Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde, Gustav Lösser. Er gehörte der Fraktion der Jüdischen Volkspartei an und hat mehrfach mit den Liberalen die Klinge gekreuzt. Sein vornehmes Wesen und sachliches Arbeiten hat ihm aber allseitige Anerkennung und die Achtung auch seiner politischen Gegner verschafft. Besonders anerkannt muß werden, daß er die Politik auf das ihr zukommende Gebiet beschränkte und insbesondere im Wohlfahrtsamt der jüdischen Gemeinde sich in vorbildlicher, aufopferungsvoller Weise betätigte. Berlin. (Jacob Pleßners Mendelssohn-Büsten.) Anläßlich des Mendelssohn-Jubiläums erhielt der bekannte Berliner Bildhauer Jacob Pleßner seitens der Kunstdeputation der Stadt Berlin den Auftrag, eine Mendelssohn-Büste auszufühcen. Sie wurde im Lessing-Museum ausgestellt. Eine kleinere Bronze-Ausführung wurde anläßlich der Mendelssohn-Feier in der Knaben-Mittelschule der Jüdischen Gemeinde in der großen Hamburger Straße aufgestellt. Pleßner hat auch eine Mendelssohn-Büste in Bronze für das Hebrew Union College in Cincinnati ausgeführt, wo sie im neuen Bibliotheksgebäude ihren besonderen Platz erhalten wird. Berlin. (Persönliche s.) Am 26. Oktober vollendet der in weitesten jüdischen und nichtjüdischen Kreisen als Arzt, Berater, Freund und Mensch geschätzte Dr. Leo Caro (Wilmersdorf) sein sechzigstes Lebensjahr. Der Jubilar steht in vielen allgemein humanitären wie auch jüdischen Organisationen an führender Stelle. Cr ist Vorsitzender der Wilmersdorser Bezirksgruppe des „Liberalen Vereins sür die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" und zugleich auch Vorsitzender der „Liberalen Synagoge Wilmersdorf", di« er mitbegründet, und stets aufs eifrigste gefördert hat. Wir wünschen dem aufrechten, warmherzigen liberalen Mann, daß es ihm auch in allen zukünftigen Jahren beschieden sei, für das Allgemeinwohl und damit für das eigene innerliche Glück zu wirken.

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