Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 41 (9.10.1929)
- Date
- 1929-10-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2614000-2614041--3312-2620887- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
selbstversorgenden Staatsgruppen oder zu unaufhörlichen Kriegsgewittern führt. Jahrzehnte werden vergehen, bis dieses System der internationalen Gemeinwirtschaft voll ausgebaut ist; weiterer Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte bedarf es, um die zwischenstaatliche Anarchie durch eine freiwillig anerkannte oberste Behörde zu ersetzen, die nicht ein Schiedsgericht, sondern eine Wohlfahrtsbehörde sein muß, der als mächtigste aller Exekutiven btc Handhabung der Wirtschaftsordnung zur Verfügung steht. Pazifist im üblichen Sinne bin ich nicht, schon deshalb, weil ich es nicht für möglich halte, irgendein Nebel restlos aus der Welt zu schaffen. Ich halte den Krieg für ein großes Nebel, doch nicht für das größte, und könnte mir denken, daß noch in Jahrhunderten hie und da zwischm Völkerschaften gekämpft wird. Niemals wieder darf es aber geschehen, daß die ganze bevölkerte Erde dem Blutrausch verfällt. Kein Schlagwort ist so elend Lügen gestraft worden wie das von den sittlich und geistig regenerierenden Kräften des Krieges, wie das von der großen Zeit. Gewiß geschieht an allen Fronten Großes, und Größeres vielleicht da, wo in dunkler Stille die Herzen der Mütter bluten. Doch wer hat so frevelhaft am Wert der Menschheit gezweifelt, daß Mut und Opfer ihm des Beweises bedurften? Kahle Täuschuirg ist es, zu tun, als ob Front und Heimat zwei verschiedene Nationen wären, die heldenhafte der Söhne, die anfechtbare der Väter. Wir alle sind eine Nation, wir haben einen Ruhm und eine Schuld. Jeder ist allen und jeder für alle verantwortlich. Unser Ruhm ist das mutige Erdulden und Leisten der Front, das stille Opfern und Entbehren der Heimat; unser aller Verantwortung ist es, daß das Gesetz Deutschlands seine Kraft verlor, daß die Sittlichkeit sank, daß der Geist verflachte. Ueberblicken wir alle Länder, die unmittelbar oder mittelbar vom Kriege ergriffen sind, so finden wir überall die gleiche Entsittlichung in den Formen der gierigen Bereicherung, der Korruption, des Schwindels, der Denunziation, der Spionage, der Bosheit und Lüge. Ueberalt die gleiche Entgeistigung in den Formen der Phrase, der Trivialität, der Urteilslosigkeit, des Selbstlobes, des niederen Massengeschmacks. Diesen Krieg erträgt die Erde nicht zum zweitenmal, wenn sie ihn physisch üverstände, so ginge sie seelisch zugrunde. Kriegs- und Nachaus (Aus Walther Rathenau: Schriften kriegszeit. Verlag S. Fischer, Berlin.) Stefan Zweig: Der zweite Krieger: Warum wirst Gott die Völker gegeneinander? Es ist doch so viel Raum unter dem Himmel, daß einer nicht störte den andern. Viel Land noch harrt der Jtugschar, viele Wälder des Beiles, und doch schärfen sie, Schwerter aus den Pflügen und schlagen in lebendiges Fleisch mit den Aexten. Ich verstehe es nicht, ich verstehe es nicht! Der erste Krieger: Von jeher war es so. Der zweite Krieger: Aber muß es so fein? Warum will Gott den Krieg zwischen den Völkern? Der erste Krieger: Die Völker begehren seiner um seinetwillen. Der zweite Krieger: Wer sind die Völker? Bist du nicht unseres Volkes einer, bin ich es nicht, und haben wir dieses Krieges begehrt? Hier stehe ich und halte einen Speer, nicht weiß ich, wider wen ich ihn wende. Und ein anderer wärmt dort unten vielleicht jetzt am Lagerfeuer die Hand, die meinen Kindern den Vater stößt, und hat mich nie geschaut und nie Kränkung gehabt von meinem Leben. Fremd sind wir einander wie die Bäume des Waldes, doch die wachsen still und blühen aus sich, wir aber wüten widereinander mit der Axt und dem Speer, bis das Harz unseres Blutes aus den Leibern quillt. Was ist dies, das Tod unter die Menschen stellt und den Haß säet zwischen sie, da dem Leben so viel Raum ist und der Liebe so lange Frist? Ich verstehe es nicht, ich verstehe es nicht! Der erste Krieger: Bon Gott muß es kommen; denn . von jeher war es so! Ich frage nicht weiter! Der zweite Krieger: Gott kann diesen Frevel nicht wollen. Er hat das Leben gegeben um des Lebens willen. Auf seinen Namen häufen die Menschen alles, was sie nicht verstehen. Nicht von Gott kommt der Krieg, woher mag er nun stammen? Der erste Krieger: Was weiß ich, woher er stammt! Ich weiß, er ist da und will nicht beschwatzt sein. Ich tu mein Geheiß, ich schärf mir den Speer und nicht meine Zunge. Der zweite Krieger: Weißt du etwas von den Chaldäern? Mb Wassermann: Als ich im April vorigen Jahres im International housc hi New Dort, wo Studenten aller Nationen eine generöse Gastfreundschaft genießen, mit einer Dringlichkeit, der es wahrhaftig nicht an zureichenden Gründen fehlte, für eine Verständigung der Jugend von Nation zu Nation plädierte, sah und spürte ich, wie schon bei vielen andern Anlässen solcher Art, daß die jungen Leute zu diesem Gedanken in voller Bereitschaft stehen, ein gewisser Enthusiasmus ließ sich gleichfalls nicht verkennen, woran es gebrach und immer noch gebricht, ist die Aktion und die Kontinuität der Aktion. Einzelne haben das Stichwort ausgegeben, und man kann mit Freude feststellen, daß dieser Einzelnen immer mehr werden, aber der Text, der die Stichworte verbindet, ist noch zu fragmentarisch oder existiert in zu vielen und vieldeutigen Varianten. Ein Menschheitsbedürfnis von dieser Wichtigkeit müßte aber keiner Auslegewillkür unterworfen sein, das soll heißen, daß wir gleichsam aus der unverpflichtenden Commedia dell'arte ein folgerichtiges und wirksames Schauspiel zu machen haben, aus dem Wort die Tat. Nicht anders verhält es sich mit. der Verständigung der geistigen Schöpfer, der führenden Schriftsteller, deren innerster Beruf sie auf die Humanitas verweist, mrd was könnte Humanitas sonst bedeuten als Vermittlung und Verstehen, Beseitigung versteinerter Vorurteile und Ausrottung der Barbarei. Ich erblicke darin nicht bloß ein ideales Ziel, wir haben erlebt, daß wir mit allerlei Idealismen, da sie auf weitgedehnte Zeitepochen zielen und damit die Verantwortlichkeiten aufschiebbar und abwälzbar machen, im unfruchtbaren Sand steckengeblieben sind, sondern ein rein praktisches, ein unmittelbar nützliches. Zu nahe rücken einander die Interessen, zu dicht gegeneinandergestellt, zu en,g ineinandergewirkt ist das Leben, die Erde ist zu klein geworden für egoistische Völkerexzesse; wenn wir uns mit einiger Freiheit, mit einiger Herzhaftigkeit auf ihr bewegen wollen, müssen wir Grenzen öffnen und Barrieren zerbrechen, jede Störung eines Teiles bringt das. Gan^e in Gefahr, die Menschheit selbst am Ende, so wird eine sittliche Pflicht zu notwendigem Dienst, und jeder nationalistisch Ummauerte entzieht sich demnach dem Menschheitsdienst. Das mag in weiterem Belang Zukunftsmusik sein, was den geistigen Brückenbau zwischen Frankreich und Deutsch- Aus der dramatischen Dichtung „Jeremias- (Erschienen Ostern 1917) Der erste Krieger: Unsere Feinde sind sie, das weiß ich, und wollen wider unsere Heimat. Doch nie habe ich ihrer einen gesehen. Der zweite Krieger: Ich auch nicht. Es türmen sich viel Hügel zwischen Babel und Jerusalem und mehr des Lands, als einer in Wochen durchschritte. Selbst die Sterne stehen anders über ihren Häupten und unfern, und doch sind sie wider uns und wir wider sie. Was begehren sie von uns? Wenn ich einen fra^ete von ihnen, er wüßte wohl nur zu sagen, daß ein Werb seiner wartet zu Hause und Kinder auf der Streu wie in meinem. Ich glaube, wenn ich redete mit einem, wir verstünden uns. Weißt du, manchmal lockt es mich, die Hand zu heben und einen zu rufen, daß wir redeten Herz zu Herz. Der e r st e Krieger: Das darfst du nicht. Der zweite Krieger: Warum darf ich das nicht? Der erste Krieger: Sie sind unsere Feinde, wir müssen sie hassen. Der zweite Krieger: Warum muß ich sie hassen, wenn mein Herz nicht weiß um diesen Haß? Der erste Krieger: Sie haben den Krieg begonnen, in unfern Frieden sind sie gefahren. Der zweite Krieger: Die in Jerusalem sagen das so. Doch vielleicht auch sagen sie das gleiche in Babel. Wenn man redete miteinander, man würde vielleicht klar. Der erste Krieger: Du darfst nicht reden mit ihnen. Wir müssen sie schlagen, so ist uns befohlen, wir müssen gehorchen. Der zweite Krieger: Ich weiß es mit meinen Sinnen, daß ich nicht darf, und fasse es doch nicht mit meiner Seele. Wem dienen wir mit ihrem Tod? Der erste Krieger: Was fragst du, Einfältiger? Dem Könige dienen wir und unserm Gott. DerzweiteKrieger: Aber Gott hat gesagt, und es stehet geschrieben: „Du sollst nicht töten!" Wer weiß, wenn ich mein Schwert nähme und würfe es fort, ich diente ihm wahrhafter denn mit der Feinde Blut. (Aus Stefan Zweig: Jeremias. Insel-Verlag, Leipzig.) Aus der „Rede über die deutsch-französische Verständigung" (Gesprochen im Herrenhaus zu Berlin Aebr. 28) land angeht, ist er innerhalb der europäischen Situation eine Sache von augenscheinlichster Jmportanz. Es hat mir immer scheinen wollen, als beruhe der Zwist zwischen den beiden Völkern aus einem historischen Mißverständnis, das allmählich zu einer unheilvollen Konstruktion erstarrt ist, auf jener Unduldsamkeit und Eifersucht, vielleicht Wetteifersucht, wie sie zwischen Brüdern von ungleichem Charakter, aber ebenbürtigem Genie zu herrschen pflegt. Als vor mehr als tausend Jahren das alte Frankenreich zerfiel, war noch eine naturgegebene Einheit vorhanden, der geschichtliche Sinn dieser Einheit, erzeugt von der geographisch-politischen Lage zwischen Südmeer und Nordmeer und der Bedrohung durch den geheimnisvollen Osten, ist eigentlich bis heute unverändert derselbe geblieben, nur hat sich nach elf Jahrhunderten des Irrtums in den besten Köpfen und Herzen beider Völker neben dem Bewußtsein phhsischer Zusammengehörigkeit auch das der seelischen und geistigen entwickelt, ein Prozeß, dessen Fortschreiten, wie ich fest überzeugt bin, nicht mehr aufzuhalten ist. Statt des Gegensätzlichen tritt infolgedessen immer mehr das Ergänzende hervor, wir können viel voneinander lernen, viel voneinander gewinnen, wir wollen nicht aufhören zu erobern, hüben wie drüben, aber wir wollen Menschen erobern, Geister, Werke, und das wird uns so erfüllen und befriedigen (ich unterlege diesem Wort seinen tiefsten Sinn), daß wir für die roheren und barbarischeren Formen des Begriffs weder Zeit noch Lust mehr haben. (Aus Jakob Wassermann: Lebensbienst. Verlag Grethlein & Co., Leipzig. Preis Mk. 12,50.) Iesyias, Kapitel 11. 1—9 Lnd es wird eine Rute aufgehen von dem Stamm Jsais und ein Zweig am seiner Wurzel Frucht bringen, auf welchem wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Und Wohlgeruch wird ihm sein die Furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nach dem seine Augen sehen, noch ein Urteil sprechen, nach dem seine Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und der Glaube der Gurt seiner Hüften. Die Wölfe werden hei den Lämmern wohnen und die Parder bei den Böcken liegen. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden auf der Weide gehen, dass ihre Jungen beieinander liegen; und Löiven wer dm Stroh essen wie die Ochsen. Und ein Säugling wird seine Lust haben am Loch der Otter, und ein Entwöhnter wird seine Hand stecken in die Holde des Basilisken. Man wird nirgend Schaden tun noch verderben auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt. Gustav Landauer: Man hat gesagt und wir haben es erprobt, daß Kanonen und Flinten dazu da sind, um gebraucht zu werden. Nun denn: auch die Vernunft ist dazu da, um gebraucht zu werden. Laßt sie ans Werk! Und wartet lieber nicht zu lange damit; jedes Werkzeug, das nicht gebraucht wird, rostet; und die Vernunft hat es an sich, wenn man sie nicht übt', zu Dummheit und Wahnsinn zu werden. Feine, tiefe, religiöse Menschen Hatzen Angst vor der Vernunft und meinen, das sei ein Werkzeug der Analyse, der Zersetzung, der Negation; wir aber brauchten die Unterordnung unter ein großes Ganzes, die Synthese, das Opfer, die Hingebung, das Aufgchen des Individuums in der Gemeinschaft. Ja, das brauchen wir; aber fürchtet euch nicht! Die Vernnunft zerfetzt nur das Sterbende, das dem Verfall geweibt ist; sie organisiert das Lebende, das wächst. Wachstum in den Beziehungen zwischen den Menschen, Wachstum der Verhällnisse gibt es nur durch die Vermittlung des in den Individuen wachsenden und fortschreitenden, mit Gefühl und Aktivität, mit Natur und TriÄ, mit Liebe und Gemeinschaft unlöslich verbundenen Geistes. Weil die Menschen Sehnsucht nach dem verbindenden Geiste, der verlorengegangen ist, nach dem Ersatz für die in .ihren Formen gestorbenen alten Religionen haben, darum opfern sie sich in Myriaden von Hekatomben dem Staat, der nur darum sein böses Scheinleben führt, weil die dem Aus dem Aufsatz „Aus unstillbarem Verlangen" (Geschrieben im Krieg) Geist erwachsenen Gemeinschaften dahingesunken sind. Als diese Religionen ihr Leben hatten, waren sie als Krönung urü> Verklärung über dem sinnvollen Zusammenleben von Völkern gewachsen. Sorge dir erst für ein sinnvolles Zusammenleben, du Menschheit; Völker der Erde, bauet erst euer Haus und sorget für den rechten Austausch all eurer Güter; laßt erst die Güte in eurem Herzen und die Einsicht in eurem Kopfe wachsen; übt erst die angeborene und ewig gleiche Religion der Liebe im Kleinen und der Gerechtigkeit im Großen, — dann wird es nicht fehlen, daß die besondere Form der Menschheitsreligion aus eurem Leben erwächst. Aus dem Leben muß sie wachsen; aus geschichtlichem Wissen, Kenntnissen von längst dahingegangenen Ekstasen der Völker und erlesenen Geister, aus Philologie und Verliebtheit in alte Formen der Mythologie kommt denen, die nicht verdauend mit überlegenem, vorwärts gerichtetem Leben die ernährende Erinnerung der Geschichte aufnchmen, nur Bildungskram, der bereit ist, jede Missetat und jeden Irrwahn mit weich verworrenen Reminiszenzen zu bemänteln. Daß Wissenschaft liche Bildung, archäologische Poesie und alexandrinisch-täu schende .Mimikry der Mystik vor Aberglauben, Roheit und Dummheit nicht schützt, — haben wir das noch nicht genug erlebt? (Aus Gustav Landauer: Rechenschaft. Verlag F. I. Marcan, Köln.) Ludwig Lewin | Halten wir einen Augenblick inne im Getriebe unserer Arbeit und weihen wir einen Augenblick oer Besinnung einem jungen Menschenleben, das ein hartes Geschick dieser Tage jäh ausl Ludwig Lewin, den ein verhängnisvoller Unfall von einer kurzen Reise nicht wiederkehren ließ, ist nur 25 Jahre alt geworden. Er war ein Mensch von ungewöhnlicher Mannigfaltigkeit der Gaben: einer starken Geisteskraft entsprach ein kräftiger Körper, einer hohen Geistigkeit eine außergewöhnliche praktische Begabung auch für oie kleinen Tinge des täglichen Lebens, einer besonders stark ausgeprägten Denkfähigkeit innere Güte vollster Hilfsbereitschaft und eine seltene menschliche Treue. Er war — und das ist das Tragische seines Schicksals — ein besonders lebenstüchtiger Mensch: Körperlicher Gesnnoheit und Widerstandskraft gesellten sich Klarheit des Wollens, energische Tatkraft und ein lebensfrohes Temperament. Ich habe nie daran gez.oeiselt, oaß er Ungewöhnliches leisten werde. In unsere Bewegung kam er durch die liberale Jugendbewegung. Ten Berliner Jli hat er längere Zeit als Vorsitzender geleitet. Aber auch nachdem er den Vorsitz an Jüngere abgegeben hatte, blieb er die Seele der Jliarbeit. Als Vertreter des Jli hatte er seit einiger Zeit auch begonnen, im Vorstand des Liberalen Vereins und der Vereinigung mitzuarbeiten. Und gerade.die beiden letzten Male, die wir zusammen waren, hat er den Wunsch nach stärkerer Mitarbeit im Berliner Verein geäußert. Seine Stellung im Jli war eine absolut zentrale. Bon ihm ging bis zuletzt ein gut Teil der Triebkraft alles praktischen Geschehens aus. Seine Stellung beruhte aber darüber hinaus sehr wesentlich auf seinen menschlichen Eigenschaften. Tie Jüngeren hatten zu ihm menschliches Vertrauen; sie sprachen sich mit ihm aus. Er führte nicht nur durch seine geistige Kraft, sondern durch die menschliche Wirkung^ die von ihm ausging. Innerhalb des Judentums konnte er seiner ganzen geistigen Veranlagung nach nur liberaler Jude sein. Es war für ihn, obwohl es ihm an der Möglichkeit theoretischer Begründung wahrhaftig nicht fehlte, keine Theorie, sondern es war ganz einfach die ihm gemäße geistige Haltung. Jede Enge war ihm fremde Sein Blick war der Weite und der