Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 40 (2.10.1929)
- Date
- 1929-10-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9. Jahrgang Nummer 40 Beilage 2. vttober 1929 ^UMDbemIeZeiliW Ein Zahr verrinnl Fortsetzung aus dem Oktober 1 Produkttvierung der Ostjudenheit In Verbindung mit Borträgen in allen Teilen des Deutschen Reiches, bildet die Notwendigkeit umfassender Maßnahmen für die Rettung der Ostjudenheit den Gegenstand vielseitiger Beratungen: Man schätzt die Zahl der Juden in der Gegenwart auf Grund der Volkszählungsergebnisse in den einzelnen Ländern auf vierzehn bis fünfzehn Millionen. Etwa drei Fünftel von ihnen leben in Osteuropa, vornehmlich in Rußland und Polen, die je über drei Millionen Juden Heimat find. In diesen Zahlen schon ist die Bedeutung der Ostjudenheit für das Judentum der gesamten Welt erkennbar. Vergrößert wird sie noch durch die Berschiedenartigkeit des Bevölkerungswachstums und der mannigfachen jüdischen Verlustkonten (Abfall, Mischche usw.). So müssen die Bestrebungen, die der Schaffung oder Erhaltung der Existenzgrundlage der Ostjudenheit gelten, bei jedem bewußten Juden ernsteste Beachtung finden. Krieg und Nachkriegszeit haben das Bild von Osteuropa in besonderem Maße geändert. Technisierung des Lebens und Neuorganisation der Wirtschaft haben dem jüdischen Kleinhandel die Existenzberechtigung entzogen. Aus hungernden Existenzen sind Luftmeuschen geworden, Menschen, die in ihrem, in unserem, im Menschheilsinteresse produktiviert werden müssen. Dieser Aufgabe widmen sich drei zentrale jüdische Organik sationen, verschieden in Aufbau, Ideologie und Arbeitsmethode: das amerikanische „Joint Distribution Committee", die „Jca" und die Gesellschaft „Ort". Während Joint und Jca in erster Linie Fremdhilfe in großzügigster Form darstellen, versucht der Ort neben dem Beistand auch Organisation der Kräfte der Hilfsbedürftigen zu nützlicher produktiver Arbeit. Er vertritt am entschiedensten von den.drei verdienstvollen Organisationen den Gedanken einer planvollen Wirtschaftsgliederung, eines systematischen Neubaus der Wirtschaftsgrundlagen der Ostjudenheit. Die Hilfe, die geleistet werden muß, ist mannigfacher Art. Sie ist verschiä>enartig entsprechend den Anlagen der Menschen, denen geholfen werden soll, verschiedenartig auch entsprechend dm Verhältnissen der Wohnländer der Oftjudm. Drei Möglichkeiten der Hilfe sind gegeben: 1. Berufsausbildung der jüdischm Jugend in Fachschulen und Lehrwerkstätten und Gründung von Anstalten zur Weiterbildung der selbständigen Handwerker; 2. Förderung des Uebergangs zur Landwirtschaft; 3. Wickeraufbau des in der Kriegszeit erschütterten jüdischen Handwerks durch Ueberlassung von Produttionsmitteln. Auf diesen drei Gebieten wird von den bereits genannten Organisationen erfolgreiche Arbeit geleistet, und es wäre nur zu wünschen, daß jeher deutsche Jude die Verpflichtung empfinden würde, an diesem wohl bedeutungsvollsten Werk der nmeren jüdischen Geschichte mitzuwirken. Besonders schwierig sind nun die Verhältnisse der Juden in Rußland gelagert. Hier hat die Herrschaft der Sowjetregierung und die kommunistische Wirtschaftspolitik die Hilfsatfceit in besonderem Maße kompliziert. Ein Blick auf die gegenwärtige Berufsschichtung der russischen Judm zeigt das.' Dr. Singalowsiy schreibt in der bereits erwähnten Schrift: „Bon den in Sowjetrußland lebenden drei Millionen Juden werden 360 000 als Lohnarbeiter (darunter auch Dienstpersonal, in freien Berufen Täüge und allerlei Angestellte) und 200000 als Handwerker gezählt. Rechnet man die Familienangchörigen der genannten Kategorien und außerdem die 170000 jüdischen Bauern hinzu, so ergibt sich ein Prozentsatz von etwa 50 — in produktiven Arbeitsbemfm (hierbei muß berücksichtigt werden, daß ein Teil der Lohnarbeiter arbeitslos und auf Unterstützung angewiesen ist). Bon den anderm 50 Prozent sind 10 Prozent größere Kaufleute, die sich dem „Nep"Regime angepaßt haben („Nep" Abkürzung von Neue Oekonomische Politik), weitere 10 Prozmt bildm die mittleren Handeltreibenden, die unter dem harten Druck der Steuern und Beschränkungen mühselig vegetierm und der Konkurrmz der Konsumgenossenschaften nicht gewachsen sind. Die übrigen 30 Prozent sind erwerbslos und auf Hilfe angewiesen." Wie kann diesm Menschm, einer Million jüdischer Menschen geholfen werden? Es liegt nähe, an organisierte Auswanderung zu denken. Tatsächlich wandertm von 1880 bis zum Ausbruch des Weltkrieges etwa zwei Millionen Judm aus Rußland aus. Die Erfahrungen aber habm gelehrt, daß eine Lösung der Ostjudenfrage durch Auswanderung nicht herbeigeführt werden kann. In der Gegmwart schon deshalb nicht, weil die Sowjetregierung der Emigration der jüdischm Massen ablehnend gegmübersteht und weil zudem Lander für eine größere Immigration nicht vorhanden sind: die Bereinigten Staatm haben in der Nachkriegszeit rigorose Einwanderungsgesetze erlassm, Dmtschland muß sich gegen nennenswerte Zuwanderung ebmfalls sperren und Palästina, das in diesem Zusammenhang auch noch erwähnt wurde, ist ja nun schon feit Jahren nicht mehr aufnahmefähig. So ist die Auffassung,'daß die Ostjudenftage nur in dm Heimatländern der Oftjudm gelöst werdm kann, heute in allen ernsthaften Kreisen unumstrittm. Es muß anerkannt werdm, daß die Sowjetregierung die Notlage der russischen Judm mit großzügigm Mitteln zu bchebm versucht. Sie hat im Jahre 1924 eine besondere Bchörve für bitte Frage geschaffen, die Kommission für landwirtschaftliche AnsiÄlung scheitender Judm „Komzet", hat bestimmt, daß Judm bei der Bodenzuteilung — in Rußland kann jeder Bürger, der Bodm bebauen will, unmtgeltlich einm Landanteil vom staatlichm Bvdmfond erhalten — den nichtjüdifchm landarmm Bauern rechtlich gleichgestellt find, hat mit dm großm jüdischen Hilfsorganisationm mtgegenkommmde Verträge abgeschlossen und hat, wie vor kurzem ge- Hauptblatt 1. Seite. meldet wurde, nmerdings dm Beschluß gefaßt, das Finanz- und Arbeitskommissariat der Sowjetunion auszusordern, in das Budget für 1928/29 einm speziellen Posten zugunsten der Heranziehung arbeitsloser Juden zu qualifizierter Produktion und zwecks Berussumschichtung der Juden in dm Städten und Städtchen an den Westgrmzm Rußlands einzustellen. Die politische Umwälzung hat dm Judm in Rußland die Gleichberechtigung gebracht, die wirtschaftliche Umwälzung kann sie als produttive Elemente im Lande verwurzeln. Wenn das Judentum der ganzm Welt sich zu gemeinsamem Handeln aufrafft, so dürste die Rettung der bedrängten Ostjudenheit Wirklichkeit werdm. Diese Rettungsattion hat eine Grundvoraussetzung: daß mit ihr keinerlei politische Tätigkeit verbunden wird. Mag der Jude, der dm Kommunismus bejaht, sich entsprechend seiner politischm Ueberzeugung betätigen. Sicherlich über lehnt die überwältigende Mehrheit der Judm den Bolschewismus wegen seiner Mißachtung menschlicher Grundrechte ab. Doch dieses Pro und Contra hat mit der Rettungsaktion nichts zu tun: sie kann und darf nur zur Aufgabe haben, wirtschaftlich entwurzelten Juden wieder eine Existenzmöglichkeit zu schaffen..." Die Förderung der Friedensbewegung Der Weltbund für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen, der Friedensbund dmtscher Katholiken, der Kongreß antimilitaristischer Pfarrer, hatten auf ihren Sommertagungen sich entschieden für die Befriedung der Wett eingesetzt. Auch bei zahlreichen allgemein pazifistischen war vom Standpunkt des Christentums aus zur Friedensbewegung in positivem Sinn Stellung genommen wott>m. Deshalb wurde hier die Frage aufgeworfm, die leider durch die Gründung des „Jüdischm Friedensbund es" nur eine völlig unzureichende Beantwortung gefunden hat, „Und wir?" Es hieß: „Es gab eine Zeit, und sie ist noch gar nicht so fern, in der Worte wie Frieden, Pazifismns, Abrüstung oder dergleichen so in Mißkredit gerächt waren, daß ein öffentliches Eintreten für sie nur ein mitleidvolles Bedauern, ein Lächeln im Gefolge hatten. Damals warm auch die Religionsgemeinschastm stolz darauf, jeden Irrweg überspitzter Staatsmacht mitzugehen. Erst der Krieg schuf Wandel. Will es auch scheinen, als ob er heute, nur zehn Jahre nach seiner Beendigung, bei sehr vielen, die ihn miterlebten, in seiner vollen. Grausigkeit schon nicht mehr gekannt wird, eine tiefere Betrachtung zeigt doch, daß er eine neue. Gesinnung ins Weltgeschehen zu brigen beginnt. Noch-gärt alles. Noch wird niemand befriedigt durch Patte und Verträge, durch Kongresse und Bölkerbundreden. Aber einen Anfang bedmtm sie, einm Wandel im Denkm kündigen sie an. Das mitleidvolle Bedauern, das Lächeln, es schwindet bei der Diskussion über die Befriedung der Wett aus dem Denken der Staatsmänner, und fast will es scheinen, daß auch sie mitunter Scham empfinden über das, was war, Scham auch darüber, daß in ihrem eigenen Handeln die Politik noch das Wollen und das Gewissm übertönt. Am tiefsten wohl ist der Wandel, der sich in dm Kirchen anbahnt. Tastend noch, zögernd, mitunter nur mit aufmerksamem Abwarten der offiziellen Kreise verfolgt. Aber in all dem zeigt sich vielleicht erst recht die Tiefe der Wandlung. Man erkennt, daß es nicht Aufgabe wahrer Religiosität sein kann, zu allem Ja zu sagen, daß sie die Pflicht hat, aus ihrem Geiste heraus das gesamte Weltbild mitzugestaltm, auch das S-taatsleben, daß sie der Menschheit das Gewissm der Ewigkeit zu geben hat, daß sie sich selbst aufgibt, wmn sie nur Vergangenheit lehrt, statt Zukunft zu gestalten. Auf allen Gebieten zeigt sich dieser Wandel in der Kirche, am stärksten in der Friedensfrage. Hier wohl, weil das religiöse Gewissm sich auf diesem Gebiete am stärksten schuldig weiß... ... Der Geist, der die hier erwähnten Kongresse beseelte, war der Geist des Christentums. Er spricht aus den gehattmen Redm, er spricht aus dm angmommenm Resolutionm. Die Forderungen, in die hier die Friedensgesmnung mündet, werden vielfach von religiösen Christen begrüßt werdm, vielfach mißbilligt werden. Das alles weiß ich. Und dennoch frage ich: Und wir? Und wir?! Wir schweigen. Schatten uns selbst aus. Protzm — man verzeihe das harte Wort — mit Jesaja und Jeremia, und glauben mit solchm Hinweisen auf die Vergangenheit dm Mangel an eigener Wirksamkeit in der Gegmwart verdecken zu könnm. Freuen uns, wmn nach dm merkwürdigen Schwankungen ein merkwürdiger Noachide die Juden belehrt, und ärgern uns, wenn ein Jude etwa in radikalen Bewegungen auf Grund seiner jüdischm Ueberzeugung sich betättgt. Die Friedensfrage wird in ihrer Bedeutung heute von allm ernsthaften Mmschm erkannt. Wmn früher jüdische „Politiker" die Judm vor einer Befassung mit diesem Problem warntm, schon deshalb, weil sie dadurch nur das Gesamtjudentnm Angriffm aussetzm würden und weil durch chre Mitarbeit auch nur das Werk, das sie fördern wollen, geschädigt weÄrm würde — wir hielten 'ihre Gründe nicht für stichhaltig, doch einm berechtigten Kern enthielten leider auch sie. Hmte arbeiten in der Deutschen Liga für Völkerbund die verschiedmstm Richtungen, einschließlich des deutschnationalen Parlamentariers Professor Hoetzsch, zusammen. Und an dem neuen 'Bund für intemationale Zusammenarbeit sitzt nebm Loebe der deutschnattonale Abgeordnete Lindeiner- Wildau. Und wir? Ich frage. Schäme mich der Antwort. Und hoffe." November Jüdische Siedlungsarbeit in Deutschland Vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wird eine gemeinnützige Siälungs-Gesellschaft „Jüdische Landarbeit G. m. b. H.", die sich aus rein siedlungstechnischem Gebiet betätigm soll. Sie hat saut Paragraph 2 des Gesellschaftsvertrages: „Die Förderung der Ausbildung und Ansiedlung jüdischer Landwirte und Gärtner in Dmtschland und die Förderung bestehender jüdischer landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kleinbetriebe" zu ihrer Aufgabe. Um aber die Idee der Ansiedtung jüdischer Bauern und Gärtner weiterhin propagieren zu könnm, ist für notwendig erachtet worden, ein nmes Vereinsgebilde, einm „Reichsbund für jüdische Siedlung in Dmtschland" ins Lebm zu mfm. Er wird zum Ziel haben, die Siedlungsidee weiterhin ins dmtsche Judentum zu tragen und wird an seinem Teil die Mittel zu beschaffm trachtm, die die „Jüdische Landarbeit G. m. b. H." zur Durchführung ihrer Aufgaben braucht. Dem neuen Bund sollen möglichst alle Teile des dmtschm Judentums angehörm, denn her RIF. steht aus dem Standpunkt, daß die Siedlungsaufgabe auf den Schultern des gesamten Judentums ruhen muß, um durchgeführt werden zu können. In einer machtvollen Kundgebung im ehemaligen Herrenhaus in Berlin werdm die Absichten der Neugründung ausführlich dargelegt. Das kommende Jahr wird hoffentlich die Durchführung der Gründungsabsichtm fördern. Unruhen um den Numerus Clausus in Ungarn In Budapest und einigen andern ungarischm Universitätsstädten kommt es zu Studentmkrawallm, als deren Folge erfreulicherweise endlich von der ungarischen Regierung im Parlament Ausführungen gemacht werden, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Der Minister des Innern erklätt, in Ungar nkönne und werde es keinm andem Herren geben als die gesetzliche Staatsgewalt. Wmn die Studentenschaft oder sonst wer immer die öffentliche Ordnung und Sicherheit durch Heraufbeschwörung von Straßenunruhen gefährde, so werde er nicht säumen, den Betreffenden mit unnachsichtlicher Strenge den Herrn zu zeigen. Der Kultusminister Klebelsberg erttärt aus.seinem gesetzlichm Rechte zu bestehen und sich darin durch die bisher geübten Rücksichten in keiner Weise beirrm zu lassen. Weitergchend, als es vom staatlichm Standpunkte geboten und zulässig erschim, hat er bisher die Autonomie der Universitäten respektiert. Der Rechtsbrauch, auf dem diese Autonomie beruht, kann kein Freibrief sein für Gesetzwidrigkeiten, in denen ein Teil der Hochschuljugmd sich namentlich deshalb zu ergehen erkühnt, weil ihnen gegenüber gewisse Elemente des Lehrkörpers sich willfährig erweisen, Wenn die Universttätsbehörden ihre überlieferten autonomen Rechte von der Staatsgewalt respettiert scheu wollen, müssen sie dm Mut und die Kraft aufbringm, studentische Exzesse, die die öffentliche Ordnung und Sicheicheit gefährden, innerhalb ihrer Machtbefugnisse zu unterdrücken und die Zuwiderhandelnden durch nachsichtslose Anwendung der ihnen zu Gebote stehenden Disziplinarmittel exemplarisch zu bestrasm. Tun sie das nicht, weil sie zu so energischem Auftreten zu wankelmütig sind, oder sich die erforderliche Kraft nicht zutraum, so hat eben der Staat die Pflicht, für die Wiederherstellung der Ordnung ohne jede wettere Rücksichtnahme auf die Autonomie zu sorgen. —~--i Dezember Gotteslästerung Verschiedene Maßnahmen staatlicher Instanzen zum Schutze vorhandener oder vermuteter Religionsinteressen gäben auch in jüdischen Kreisen Anlaß zu einer Ueberprüfung des Gotteslästerwrgsbegriffes. Hierzu schreibt Herr Rabbiner Dr. Gottschalk in der Jüdisch-liberalm Zeitung: „Und es zankte sich im Lager der Sohn einer Israelitin mit einem Jsraelitm, und er sprach den Namen Gottes lästernd aus, und man brachte ihn vor Mose und tat ihn in Verhaft, bis ihnm der Ausspruch des Ewigen kund geworden. Und der Ewige redete zu Mose also: „Führe den Lästerer vor das Lager hinaus, und alle, die es gehört, sollen ihre Hände auf seinen Kopf legm, und die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Und zu dm Kindem Israel rede also: jeder, der seinen Gott lästert, trage seine Schuld. Wer den Namm Gottes — lästernd — ausspricht, sterbe des Todes. Steinigen soll ihn die ganze Gemeinde; Fremdling und Eingeborener, wmn er den Namm Gottes ausspricht, werde getötet." So lesm wir in der Bibel. Und später erfolgt die Mahnung noch einmal: „Gott lästere nicht. Dem Fürstm im Volke fluche nicht." Aber wir kennm ja trotzdem nicht nur den einen Fall der Lästerung aus der Bibel. Wir besitzen das Buch Hiob und wissen, wie die Frau dem Hiob zurief: „Lästere Gott und stirb" und später Hiob selbst, der „fromme Dulder", derartig lästerlich von Gott sprach, daß man das Buch gewiß nicht aufgmommen hätte, wenn nicht am Schluß von einer Bekehrung Hiobs hätte erzählt werden können. So kennt die Bibel Gotteslästerung im Uebermut und in der Verzweiflung. Und auch der Talmud rechnet mit ihr, wenn er das Verbot der Gotteslästerung unter die sieben Noachidischen Ge-resp-Berbote aufnimmt. Zeigt aber gerade durch Erwähnung an dieser Stelle, daß er Gotteslästerung als unnatürlich betrachtet als unvereinbar mit der Grundige religiös-sittlichm Verhallens, ohne das auch ein Nichtjude, dem man die Bräuche freigibt, nicht Jude sein kann. Sind denn aber die gmannten Umstände die einzigm, unter Seiten Gotteslästerung erfolgt? Befragen wir die Geschichte, befragen wir das Leben. Unsere Geschichte — und vor nns steigen vergangme Zeitm auf, wo man „im Namm Gottes" Menschm gemartert hat und gequält, ins Feuer geschlendett hat, ausgetriebm und kein Gefühl dafür hatte, daß man nur Gotteslästerung ttieb. Und wmn man in der Gegmwart hundertmal schon und immer wieder unserm Gott,