Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 39 (25.9.1929)
- Date
- 1929-09-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nachmittag versammelt«» sich die ganze Gemeinde, die zahlreich erschienenen Vertreter der Nachbargcmeinden, die Vertreter der Stadt, der Staatsbehörde und der Presse in dem Gotteshaus zur Festandacht. Chor- und Sologesänge umrahmten die Festpredigt, die vom Bezirksrabbiner Dr. Rosenzweig-Schneidemühl gehalten wurde. Abends versammelten sich die Festteilnehmer, unter denen sich u. a. der Vertreter des Landrats, der Bürgermeister von Flatow und ein Vertreter der Presse befanden, zu einem Festmahl. Der Vorsteher der Flatower Gemeinde, Eick, begrüßte die Versammelten. Rabbiner Dr. Rosenzweig überbrachte Grüße und die Glückwünsche des Landverbandes der Preußischen Juden und der Vertreter des Landrats gratulierte im Namen der Staatsbehörde. Der Bürgermeister, der als Kind den Bau und die Einweihung der Synagoge vor 50 Jahren miterlebt hat, gratulierte im Namen der Stadt, Stadtrat Schneider sprach für die Schncidemühler jüdische Gemeinde und den Bczirksverband der jüdischen Gemeinden der Grenzmark Posen-Westpreußen, Rechtsantvalt Fleischer-Schneidemühl als Mitglied des Preußischen Landesverbandes und der Redakteur der Flatower Zeitung für die Presse. Manche heitere und ernste Rede tvürzte das Mahl. An das Festessen schloß sich ein Tänzchen, das alt und jung noch viele Stunden beisammen hielt. Bemerkt sei noch, daß die drei Söhne des verstorbenen Kantors Lipschütz, der vor 50 Jahren als Kultusbeamter in Flatow tätig war, und die ihren Wohnsitz in Berlin haben — ein Zahnarzt, ein Arzt und ein Rechtsanwalt - dem Feste bcigewohnt haben. Frankfurt a. M. (M o s e s M e n d e l s s o h n - A u s st e l l u n g.) Aus Anlaß des 200. Geburtstags von Moses Mendelssohn veranstaltete der Frankfurter Verein für jüdische Volksbildung eine Mendelssohn-Ausstellung, die am Sonntag, den 15. September, mit einer schlichten Feier eröffnet tvurde. Rabbiner Dr. Salzbcrger begrüßte die Festgäste. Unter Leitung Professor Werners besichtigte man die Ausstellung, die in den Räumen des Museums für jüdische Altertümer ihren Platz gefunden hat. Hamburg. (8 0. Geburtstag.) Frau Martha Joel, früher Leiterin des vom „Fraucnvercin von 1833" unterhaltenen Mädchen- Waisenhauses, das sich jetzt in Berlin-Hermsdorf, Albrcchtstraße 10, befindet, feierte ihren 80. Geburtstag im Kreise ihrer ehemaligen Zöglinge in völliger körperlicher und geistiger Regsamkeit. Jugenheim. (I u b i l ä u in.) Kantor und Religionslehrer Mandel feierte in voller Frische seinen 70. Geburtstag. Die Gemeindevertretung und die „Freie Vereinigung der Lehrer und Kantoren der Pfalz" nahmen an der Geburtstagsfeier des allgemein geachteten Beamten herzlichen Anteil und überreichten mit ihren Glückwünschen sstnnige Aufmerksamkeiten. Auch der Männergesangvercin, dessen Ehrenpräsident der Jubilar ist, ehrte den Siebzigjährigen durch ein Ständchen. Köln. (.Hohes Alter.) Herr Moritz Falkenstein beging jüngst seinen 80. Geburtstag. Der rüstige Greis ist seit langen Jahren überaus segensreich in der Wohlfahrt der Gemeinde führend tätig. Er gehört bereits viele Jahre dem Gemeindevorstand an und zählt zu den treuesten Mitgliedern der Liberalen Bereinigung. Langweiler. (7 5-Jahrfeier der Synagoge.) Am vorletzten Sabbat beging unsere Gemeinde die Feier des 75 jährigen Bestehens ihrer Synagoge. In Gegenwart von Vertretern des Bezirksvorstandes und anderer Behörden fand ein Festgottesdienst statt; die Predigt hielt Rabbiner Dr. Wolf, Köln. ' Paderborn. (Todesfall.) Unsere Gemeinde hat durch den am 14. September erfolgten Tod des Kaufmanns Herrn Calmon Müller einen großen Verlust erlitten. Mit einem guten Herzen und klugem Verstände ausgestattet, hat der Dahingeschiedene überall, wohin ihn das Vertrauen seiner Mitbürger und sein eigenes Pflichtgefühl berief, Hervorragendes geleistet. Er war Mitglied des Synagogenvorstandes, Kurator des jüdischen Waisenhauses, Vorstand der Städtischen Sparkasse und mehrerer Getreidebörsen Westfalens, ferner Mitglied der Handelskammer Arnsborg. Ein besonderes Verdienst erwarb er sich um die Männerchewrah, die er 43 Jahre leitete. Am Grabe entwarf Prediger Köln eine Würdigung seiner Persönlichkeit. Hierauf sprach Justizrat Loewensteiir für den Synagogenvorstand, Oberbürgermeister Harrten unter Niederlegung eines prachtvollen Kranzes für die Stadtgemeinde Paderborn, ein Mitglied der Freiwilligen Sanitäts-Kolonne dankte ihrem verblichenen Ehrenmitgliede. Ein selten großes Trauergcsolge gab dem verdienten Mann aus seinem letzten Wege das Ehrengeleit. Schneidemühl. (Kantorenversammlung.) Unter Vorsitz des Bezirksrabbincrs Dr. Rosenzweig-Schneidemühl fand hier eine Zusammenkunft der Religionslehrer und Kantoren der Grenzmark Posen-Wcstprcußen statt, der Rabbiner Berlinger-Schönlanke als Gast beiwohnte. Nach Besprechung verschiedener Standessragen wurde beschlossen, demnächst einen Fortbildungskursus abzuhalten. Eine Lektion in Religion soll gehalten und das Schächten praktisch vorgesührt werden. Treis. (S yn a g o g c n -I u b i l ä u m.) Dieser Tage konnte die hiesige Gemeinde das 100 jährige Bestehen ihrer aus diesem Anlaß renovierten Synagoge festlich begehen. Der evangelische Ortspfarrer, der Bürgermeister und einige Gemeinderatsmitglieder nahmen neben auswärtigen Gästen und allen Gemeindemitgliedern an der Jubiläumsfeier teil. Provinzialrabbiner Dr. Sander, Gießen, hielt die Festansprache über Wert und Würde des Gotteshauses. Der Vorsteher L. Wetzstein, dessen Urgroßvater sich um die Errichtung des Gotteshauses verdient gemacht hatte, begrüßte alle Festteilnehmer im Auftrag der Gemeinde. Am Sabbatmorgen wurde ei,n eindrucksvoller Festgottesdienst abgehalten, in dessen Mittelpunkt wieder die Festpredigt des Rabbiners Dr. Sander stand. Musikalische Beiträge des Kantors Marx, Gießen, umrahmten dfe Feier, die am Abend mit einer gemütlichen Veranstaltung ihren Abschluß erhielt. Aus der Ili-Vewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. TNain Jüdische Reformbewegungen Von Martin Glaß, Jli-Berlin. Seit seinem Bestehen gibt es zwei Richtungen im religiösen Judentum, die Dr. Seligmann in seinem Buch „Geschichte der jüdischen Reformbewegung" Umversalismus und Partikularismus nennt. Diese Begriffe enthalten die Gegen- Me'zwischen Bernunfts- und Gesühlsreligion, zwischen Verantwortungsbewußtsein und Autorität, zwischen Großzügigkeit und Intoleranz. Für die Autoritätsreligion ist die Theokratie der gegebene Boden: alle Religionsgesetze sind Staatsgesetze, sind Sakramente. Die Autorität steht solange fest da, wie die Gesetze zeitgemäß und sinnvoll sind; wenn sie aber Tradition werden, ohne in die Zeit zu passen, dann erhüben Menschen mit eigener Verantwortung ihre Stimmen und fordern Reformen. Die Träger dieser Reformdewegungen im alten jüdischen Staat sind die P roph et en. Sie kämpfen gegen die Verkörperung des Autoritätsgedankens, gegen die Priesterkaste und verwerfen alle äußerlich sinnlos erfüllten Gesetze. Eine zweite Reformepoche ist das Zeitalter des Hellenismus. Es trägt den Stempel der Großzügigkeit. Von allen Seilen empfängt das Judentum Neues von der Außenwelt; eine jüdische Philosophie entsteht; diese Zeit sieht die meisten Proselyten. Eine ähnliche geistige Entwicklung nimmt das Judentum noch einmal 1000 Jahre später in Spanien. Inzwischen ist aber die nationale Selbständigkeit des Judentums verloren gegangen. Die Lobensbedingungen der jüdischen Gemeinschaft haben sich völlig geändert; die über I1/3 Jahrtausende währende Periode rechtlicher Unterdrückung im Galuth hat begonnen. Der Tempel ist zerstört, an seine Stelle ist die Synagoge getreten, das Opfer ist durch das Gebet ersetzt. Aber nach dieser Umstellung auf das Galuth versinkt das Judentum im Partikularismus, es kapselt sich ein; fremde Einflüsse berühren es kaum.- Die letzte große Epoche der jüdischen Reformbewegung ist das Produkt der Aufklärungsbewegung des 18. I ahrhund erts. Die Aufklärung war die geistige Vorbedingung für die französische Revolution, die ihrerseits Ursache der Judenemanzipation war. Die Emanzipation reißt den Juden aus der Isolation des Ghetto und stellt ihn in die Ideenwelt der Aufklärung, die den Autoritätsglauben verwirft. — Damit schuf die Emanzipation einen starken Zwiespalt im Leben der Juden. Einmal waren sie Bürger einer mit neuzeitlichen Ideen angefüllten Welt, dann aber waren sie Gläubige einer mittelalterlich anmutenden Religionsgemeinschaft. Viele lösten den Zwiespalt durch Austritt aus dem Judentum, während die Rabbiner, auf die Autorität pochend, zusahen, wie sich wertvolle Elemente vom Judentum loslösten. Da waren es wieder wie zur Zeit der Propheten Laien, die die Notwendigkeit der Reform erkannten. Sie schufen zuerst nur äußerliche Reformen, Neuschöpfungen im synagogalen Kultus. Der erste dieser Reformatoren war Israel Jacobson. Er führte zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Kassel und Berlin Privatgottesdienste ein, die Predigt und Orgelspiel hatten. Trotz regen Zuspruchs wurden diese Gottesdienste auf Betreiben der Orthodoxie von der Regierung geschlossen. Doch bald erfolgte in Hamburg die Gründung des „Neuen Israelitischen Tempelvereins", der in seinen Gottesdiensten deutsche Predigt, Chorgesang und Orgelspiel einführte. Heftige Angriffe seitens der Hamburger Orthodoxie waren die Folge; der Streit um den Hamburger Tempel wurde bald in ganz Deutschland ausgekochten. Bald wurde von Hamburg aus ein neuer Gottesdienst in Leipzig eingesührt, der zu einem Ereignis für Deutschland wurde und zu dem viele Juden eigens reisten. Er wurde di« Anregung zu Neugründungen in Wien, Württemberg und Baden. Die Hamburger orthckwxe Gemeindet aber berief einen akademisch gebildeten Rabbiner, Isaak Bernays, der deutsch predigte. Selbst die orthodoxen Rabbiner hatten sich also dem neuen Geiste zugewandt und sich eine akademische Bildung angeeignet. Damit war die Möglichkeit gegeben, von äußerlichen zu prinzipiellen Reformen überzugehen. Im Jahre 1832 erschien eine Schrift von Zunz „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden historisch entwickelt". Es war das erste Werk jüdischer Theologie und wirkte sehr anregend auf die junge Rabbinergeneration. Der hervorragendste Kopf dieser Rabbiner war AbrahamGeiger. Als 25-jähriger gab er die „Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie" heraus. Er ist der Schöpfer der Theorie des liberalen Judentums. Mittels wissenschaftlicher Ueberlegung zieht er den Trennungsstrich zwischen Ewigem und Vergänglichem. Seine Zeitschrift fand unter den jungen Rabbinern großen Anklang. Bald stellte sich auch Gegnerschaft ein. Ein Schüler Bernays, Samson Raphael Hirsch, gab unter dem Decknamen Ben Usiel eine Flugschrift „Neunzehn Briefe über das Judentum" heraus. In dieser Schrift schafft er eine Grundlage für das orthodoxe Judentum. „Alle Vorschriften", lehrt er, „von der Thora bis zu den Lehren des Mittelalters sind göttliches Gesetz. Keine Kritik darf an ihnen rütteln. Pflicht des Juden .ist Gesetzestreue." Ueber die Ansichten Hirschs und Geigers kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen in den jüdischen Zeitungen, welche sich bis 1846 hinzogen. Die Kämpfe griffen auch auf die Gemeindepolitik über, als Geiger 1838 nach Breslau berufen wurde. Sein orthodoxer Kollege machte ihm die größten Schwierigkeiten, ließ ihn von einem orthodoxen Rabbinerkollegium als Ketzer verdammen und ging sogar zu persönlichen Angriffen über. Doch der Breslauer Gemeindevorstand fragte bei fortschrittlich denkenden Rabbinern an, ob sich wissenschaftliche Forschung mit der Ausübung der Rabbinertätigkeit vertrüge. Es liefen 18 bejahende Antworten ein und sicherten Geigers Amtstätigkeit. Um diese Zeit wurde in Frankfurt am Main ein Reformverein gegründet. Er war das Radikalste, was bisher dagewesen war. Er gestand der mosaischen Religion eine Entwicklung ins Uferlose zu. Aber er fand wenig Anklang; mehr Aufsehen machte H 0 l d h e i m mit seiner Schrift „Ueber die Autorität der Rabbiner". In dieser Schrift führte er aus, daß in der mosaischen Gesetzgebung zwischen Ewig-Religiösem und Vergänglich-Nationalem zu unterscheiden sei. Vergänglich-National sei aber das ganze Zeremonialgesetz. Dieser Ansicht trat der Oberrabbiner von Dresden, Frankel, entschieden entgegen. „Was vom Volke allgemein ausgenommen ist", meinte er, „was sich in dasselbe eingelebt hat, das ist Judentum." Die Ansichten Hirschs, Geigers, Höldheims und Frankels wurden aus den Rabbinerversammlungen 1844—46 diskutiert. Holdheim konnte sich nicht durchsetzen, daher gründete er 1850 die Berliner Resormgemeinde. Seitdem ist die universalistische Richtung aus dem Judentum nicht mehr verschwunden. Doch der Gegner hat sich gewandelt. Neben die Orthodoxie trat der Zionismus. Mit ihm wird sich das universalistische Prinzip in Zukunft in der Hauptsache auseinanderzusetzen haben. * Aus der Ili-Arbeik Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugendvrrein „Abraham Geiger".) Unserer offiziellen Eröffnungsveranstaltung der Winterarbeit ließen wir diesmal am 18. September einen besonderen Ausspracheabend für unsere Mitglieder über: „Jli-Arbeit" vorausgehen, der sehr gut besucht war. So konnten wir denn auch ein ungefähres Bild der Ansichten und Wünsche unserer Mitglieder erhalten. Unser Vorsitzender, Wolfs Davidsohn, eröffnete den Abend mit Worten der Trauer über das Ableben von Professor Dr. Moritz Türk, dessen Andenken die Anwesenden durch Erheben von den Plätzen ehrten. Wolfs Davidsohn warf sodann einen Rückblick auf die vergangene Sommertätigkeit, die für uns so viel Erfreuliches gebracht hat. Die Arbeit des Winters müsse gerade heute, da sich viele — auch mancher liberale Führer — durch die zionistischen Werbemethoden irreführen lassen, äußerste Kräfteanspannung um des Judentums willen von unseren Mitgliedern verlangen. Unter diesem Gesichtspunkte werde auch unsere Arbeit stehen. Die Festsetzung des 'Oktoberprogramms, die diesmal absichtlich durch die Mitglieder selbst erfolgte, bot reichliche Gelegenheit, die Arbeit im allgemeinen zu behandeln. Wenn wir auch einen ungefähren Arbeitsplan bereits seit langem ausgestellt haben, manche Ergänzung und Vertiefung konnte an diesem Abend gesunden werden. Mehr als bisher werden die einzelnen Mitglieder zu aktiver Arbeit herangezogen werden, z. B. durch eigene Vorträge, einleitende Referate für Aussprachen, durch Berichtsabende usw. Zu einer äußerst lebhaften Erörterung kam es, als wir über die auf unsere Anregung im vergangenen Winter von der Go« meinde geschassenen Freitagabendspätandachten sprachen. Unser Antrag wird auch jetzt wieder Mellt werden. Jedoch waren sich fast alle darin einig, daß es wünschenswert wäre, diese Andachten zumindest 14 tägig, nicht nur alle 4 Wochen abzuhalten. Nach dem Dafürhalten vieler müßten die hierbei zweifellos bestehenden technischen Schwierigkeiten überwunden werden im Interesse derjenigen jüdischen Menschen, die sonst überhaupt keinen Freitagabendgottesdienst besuchen können. Mit der Besprechung einiger Werbefragen konnten wir einen Abend beenden, der für unsere Winterarbeit richtunggebend sein dürfte. — In der Jüngeren-Gruppe sprach am 19. September Hans Manfred Danziger (Hauptgruppe) über: „Mendelssohns Bedeutung für unsere Generation". Es ist nicht leicht, nach alledem, was bereits über Mendelssohn gesprochen und geschrieben worden ist, diesen nochmals zum Gegenstand der Betrachtungen zu machen. Dennoch verstand es der Vortragende auf eigene Weise, uns den Werl der Mendelssohnschen Persönlichkeit aufzuzeigcn. Er zog interessante Vergleiche zwischen der inneren und äußeren Situation des Judentums in der Zeit, da Mendelssohn wirkte, und unserer Lage innerhalb von Judentum und Umwelt. Es ergibt sich daraus, daß das Leben Mendelssohns, zwar in einer anderen Zeit gelebt, vorbildlich sein kann für unser heutiges Verhalten als Deutsche und Juden. Dem Vortrag folgte ein gemütliches Beisammensein, in dessen Verlaus noch einige Fragen der kommenden Arbeit besprochen wurden. Erich Vulkan. Frankfurt a. M. (Arbeit der I l i - I ug endg r u p p e.) Nach den Ferien trafen wir uns am 17. August zu einem Referat Jakob Flörsheimcrs (Jti) über „Sven Hedin". Der Referent schilderte das Leben des großen Forschers. Daraus lasen wir sehr interessante Geschichten aus seinen Werken. Am 24. machten wir einen Spaziergang in den Stadtwald. Wir unterhielten uns über jüdische und allgemeine Dinge; der Nachmittag verging nur allzu rasch. Am 31. August las uns Grete Adler einige Tierdialoge der Colette vor. Die Dichterin versucht die Vorgänge im Herzen des Hundes Tobi und der Katze Kitt, die sich unterhalten, zu deuten. Am 7. September machten wir einen schönen Spaziergang, am neuen „Haus der Jugend" vorbei nach Eschersheim. R. M. Wir nehmen Jungens und Mädels im Alter von 13—16 Jahren auf. Wir behairdeln, allgemeine und jüdische Fragen. Näheres über die Jli-Jugendgruppe bei Rene Metz, Frankfurt a. M., Sophienstraße 30. Maingau 71279. Ratibor. (Heimabend.) Unser apologetischer Abend am Mittwoch, den 18. September, war überaus gut besucht. Annähernd 70 Mitglieder und Gäste füllten den Versammlungsraum. Als Redner war der Geschäftsführer des G. d. A. und Führer der oberschlesischen Jungdemokraten, Herr Kühnholz, gewonnen worden. Vom Standpunkte eines Nichtjuden aus behandelte er in inhaltlich wie rethorisch hochstehender Weise das antisemitische Problem und ging in seinem Schlußworte aus die sehr rege verlaufene Diskussion ein. An dieser beteiligten sich die Herren Baendel, Dr. Block, Pinczotver, Glaser, Magnus, Fröhlich, Dr. Heimann und Anni Fraenkel. Der Abend war genußreich und wertvoll für Mitglieder und Gäste. Er hat den Zweck erfüllt, den wir mit ihm verfolgten: Unsere Mitglieder in dem schweren Kampfe zu stärken, in dem wir als Juden uns ständig befinden und ihnen Wege zur Abwehr zu zeigen. Mit Dankesworten an Redner und Diskussionsredner schloß nach Erledigung einiger Bereinsangclegenheiten Herr Dr. Heimann die Versammlung. Das Ili-Programm Berlin. Mittwoch, 2. Oktober, 20.30 Uhr, Führerabend bei Morlin Glaß, Danziger Straße 94. Pankow-Osten. Donnerstag, 26. September, 20.00 Uhr, bei Alice Wreschinski, Elbinger Straße 46: Besprechung von Büchners „Dantons Tod". Leitung: Paul Heinrichsdorff. Steglitz. Montag, 30. September, bei Thomas Herzberg, Lichterfelde, Roonstraße 11, 17.30 Uhr. Gruppenführer! Sendet das Gruppenprogramm für Oktober umgehend an Fritz Michaelis, Steglitz, Körnerstraße 3, bei Schröder! Breslau. Hanptgruppe: Mittwoch, den 2. Oktober, 20.30 Uhr, in der Sozialen Gruppe, Kaiser Wilhekmstraße 16: Ausspracheabend: „Die augenblickliche Situation des deutschen Judentums"; einleitendes Referat und Leitung: Waldemar Berliner (Hauptgruppe). — Jüngeren- Gruppe: Donnerstag, den 26. September, 16.15 Uhr, Soziale Gruppe, Kaiser Wilhelmstraße 16: Lese- und Anterhaltungsnachmittag. Donnerstag, den 3. Oktober, 16.45 Uhr, Soziale Gruppe, Kaiser Wilhelmstraße 16: Vortrag von Heinz Silbermann über: „Deutsche Literatur". Frankfurt a. M. Montag, den 30. September, 20.30 Uhr, Arbeitsgemeinschaft Dr. Gottschalk: „Religiöser Liberalismus" bei Lion, Slernstraße 11. Am 8. Oktober veranstalten wir eine Feierstunde bei Dr. Hoffmann, Untermainanlage 7. Näheres hierüber wird noch bekanntgegeben. Jli-Jugendgrnppe: Samstag, den 26. September, bei Metz, Sophienstraße 30, 4 Uhr: „Rätselnachmittag". Samstag, den 5. Oktober, fällt aus. Ratibor. Mittwoch, den 2. Oktober: „Bibelabend". Redner: Anni Fraenkel. Kalendarium f.die Zeit v. 25. 9. b. 3.10. 29 September 1929 Elul 5689 Mittwoch 26 26 Donnerstag 26 21 Freitag 27 22 Sonnabend 28 23 Wochenabschnitt: Nizzowim Wajeilech Haftarah: Jes. 61, 10—11; 62, 1—12; 63, 1—9 Sabbat-Ausgang: 6.35 Uhr Sonntag 29 24 1. Tag Selichaus Montag 30 25 Oktober 1929 Dienstag 1 26 Mittwoch 2 27 aauaflaan-. " v '• - ~rr irr