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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-09-25 · 39 (25.9.1929) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
39 (25.9.1929)
Date
1929-09-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9. Jahrgang JTutnmet 39 IllbischOeraleZützM Beilage 25, September 1929 Kultustrennung in Köln Es ist vor wenigen Monaten auch in diefem^Blatt über die Eingabe berichtet worden, die die Liberale Fraktion der Kölner Repräsentanz an den Gemeindevorstand gelangen hat lassen, und in der sie die Schaffung getrennter Kultus- und Unterrichtskommrsnoncu gefordert hat. Mittlerweile hat sich der Vorstand in einer Reihe von Sitzungen gründlich mit der Angelegenheit besaßt und schließlich einem von einem Sonderausschuß redigierten Satzungsänderungsentwurf zugestimmt, der den Wünschen der Liberalen entgegenkommt, und der in den letzten Tagen der Repräsentanz zugegangen ist. Sie wird ihn in einer der kommenden Versammlungen durchberaten, und es ist kaum bezweifelbar, daß er - hier und dort modifiziert — angenommen werden wird. Damit aber wird dem unhaltbaren Zustand ein Ende gemacht, daß über die kultischen Bedürfnisse einer bestimmten religiösen Richtung auch die Gegner dieser Richtung zu befinden hatten, und daß dadurch namentlich dem religiösen Fortschritt schier unlösbare Fesseln angelegt waren. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang nur der Kämpfe, die im vergangenen Jahre um die Abschaffung etwa des Jekum purkon und der Mischeberachs ausgefochten werden mußten. Daß nunmehr der Weg frei werden soll, das besagt der lapidar gefaßte Satz im Entwurf: Die Kultus ausschüsse sind autonom. Auch die unmittelbar anschließend folgende Einschränkung, die sich deutlich gegen angeblich vorhandene Sonderbestrebungen der „Gemeinschaft" richtet, und die die Einführung eines Sonntag s g o t t e sd i e n st e s und eines R eform g eb etb uches von der Genehmigung des Vorstands abhängig., macht, dürfte praktisch der Autonomie der Kultusausschüsse nicht abträglich werden; denn sie bezieht sich lediglich auf den Gottesdienst in den bestehenden Gemeindesynagogen und nicht etwa auf die im 8 89 des Entwurfs erwähnten Synagogenvereine mit eigenen kultischen Einrichtungen. Hier soll die Ausgestaltung des Kultes nicht der Genehmigung des Vorstandes, sondern der betreffenden K u l t u s a u s s ch ü s s e unterliegen. A 88 bestimmt die Zusammensetzung der Kultusausschüsse. Es sollen ihnen angehören der für die betreffende Synagoge bestellte Gemeinderabbiner, ein Vorstandsmitglied, zwei Repräsentanten, die vom Vorstand nach Anhörung der Repräsentanz ernannt werden und drei weitere vom Vorstand zu ernennende Gemeindemitglieder der betreffenden religiösen Richtung. Da über die religiöse Einstellung des Vorstandsmitgliedes und der beiden Repräsentanten nichts gesagt ist, sie also auch einer gegnerischen Richtung angehören könnten, müßte dieser Paragraph präziser gefaßt werden. 8 89 befaßt sich mit den sich etwa bildenden Kultus- oder Synagogen vereinen „behufs Veranstaltung eines öffentlichen Gottesdienstes". Die darin festgelegte Aufsicht durch die Gemeindeverwaltung, die sich auf die Leitung und Bestätigung der Wahlen des Synagogenausschusses und der Beamten, auf die Prüfung und Genehmigung der kultischen Einrichtungen durch die Kultusausschüsse ihrer Richtung und auf die Genehmigung des Haushaltsplanes und die Rechnungsprüfung bezieht, sichert den B e st a n d der E i n h e i t s g e m e i n d e. Allerdings müßte hier klar ausgedrückt werden, wer die erforderlichen Gelder zur Verfügung stellt. Von Bedeutung ist die Bestimmung, daß die Beamten der Synagogenvereine keine Gemeindebeamten seien. Man wird zu überlegen haben, wie die Anstellungs- und Versorgungsverhältnisse dieser Beamten geordnet werden können. Die folgenden Paragraphen regeln den Religionsunterricht der Synagogengemeinde. Es sollen Anstalten geschaffen werden, die einen konservativen und einen liberalen Unterricht ermöglichen. Die Lehrpläne festzulegen, ist Ausgabe der beiden Kultusausschüsse. Daß der Leiter der betreffenden Religionsschule hierbei lediglich beratende Stimme haben soll, ist u. E. keine glückliche Lösung. Gerade er müßte einen entscheidenden Einfluß auf die Gestaltung des Lehrplanes haben. — Der Religionsunterricht, der außerhalb der von der Gemeinde geschaffenen Anstalten erteilt wird, also an den Staatlichen und Städtischen Schulen, soll gemäß 8 89 e der Aufsicht eines S ch u l a u s s ch u s s e s unterstehen. Er darf nicht mit den beiden Kultusausschüssen verwechselt werden. Ihm gehören an ein Vorstandsmitglied, die Gemeinderabbiner, zwei Repräsentanten, je ein Mitglied der Kultusausschüsse sowie je zwei Gemeindemitglieder der beiden religiösen Richtungen. Diese Zusammensetzung bedeutet rebus sic' stantibus immer eine Gefahr für eine der beiden Richtungen, da die Möglichkeit der Majorisierung gegeben ist. Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung der Gemeindeverwaltung wäre es kaum möglich, an den genannten Anstalten auch einen liberal eingestellten Religionsunterricht zu erteilen. Darüber, ob auch die sich möglicherweise bildenden Synagogenvereine einen eigenen Unterricht erteilen lassen können, ist nichts im Entwurf gesagt. Man wird sie an die verschiedenen Gemeind eanstalten verweisen. Ueber den 8 95, der das Rituswesen behandelt, soll heute nicht gesprochen werden. Eine Schlußbestimmung sieht vor, daß die Neugestaltung des Religionsschulwesens erst dann erfolgen soll, wenn ein diesbezüglicher Antrag von den zur Zeit bestehenden drei Fraktionen der Repräsentanz gestellt wird. Ter Satzungsentwurf, der an manchen Stellen einer klareren Fassung bedarf, läßt deutlich das Bestreben erkennen, die Machtbefugnisse des Vorstandes stark zu vermehren, dagegen die heiklen Fragen des Kultus und des Unterrichtes dem Kampfgebiet der Repräsentanz fernzuhalten. Es ist kaum anzunehmen, daß die Fraktionen diese Tendenz der Vorstandsvorlage freudig begrüßen werden, und man wird sich auf heftige Kämpfe gefaßt machen müssen! Wer den häßlichen Streit um die sogenannten „Reformen" der Synagogenkommission Roonstraße mit durchlebt hat, wer da weiß, daß innerhalb des Vorstandes eine weit ruhigere, ausgleichendere Atmosphäre zu herrschen pflegt, der mag trotz gut demokratischer Gesinnung denken: „Es ist gut so." Im übrigen sei der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es zu einer reinlichen Scheidung kommen möge, die alle Richtungen zufrieden stellt und.die eine gesunde stetige Aufwärtsentwicklung des religiösen Lebens in der rasch wachsenden E i n h e i t s g e - meinde Köln zeitigen wird. Dem vielberufenen Frieden dient nicht, wer dauernd Andersgesinnte hindert, den von ihnen als richtig erachteten Zielen zuzustreben, sondern nur der, der jeden nach seiner Fa?on selig werden läßt. Drittes Zugendtreffen der jüdischen Zugendverbände Das Treffen der jüdischen Jugend im schönen „Jugendland" am Sonntag, den 15. September, in Brieselang bei herrlichstem Wetter bot im Ganzen ein heiteres Bild und eine wirkliche Freude an den vielen Hunderten bewußt jüdischer junger Menschen in ihrem frischen Drang nach Licht und Luft und Fröhlichsein. Der Sonntag vormittag brachte zunächst einige sportliche Kämpfe im Handball und Völkerball. Der Verteidiger des von der Jüdischen Gemeinde gestifteten Wanderpreises, die „Kadima", konnte auch diesmal im Handball mir 6:4 im Endkampf gegen die „Kameraden" siegreich sein; leider war das Spiel sportlich nicht immer einwandfrei. Nach zahlreichen Vorkämpfen siegten im Völkerball die „Sosim" gegen die „Kameraden "2:1. Das bunte Treiben auf dem Sportplatz und im Zeltlager wirkte in seiner fast übertriebenen Vielgestaltigkeit der Farben und Fähnchen und Trachten überaus lebendig; man hatte allerdings den Eindruck, als würde auch in dieser Jugendbewegung das Pochen auf die Individualität — und jeder Jude ist, wie jeder Deutsche, bekanntlich.ein Individuum — allzu ausschweifend überspitzt und als würde hierbei den jungen Seelen, wie so oft, das Trennende weit stärker als das Gemeinsame ins Bewußtsein getrieben. Streng von einander getrennt ,sangen und spielten die Bünde und Vereine in größeren^ und kleineren Gruppen; so sehr sind die jugendlichen Köpfe in ihrem Grüppchenpatriotismus befangen, daß man immer wieder die wenig erfreuliche Beobachtung machen konnte, wie verschieden zum Teil die Vereine in puncto Disziplin reagierten, je nachdem einer der Ihrigen oder ein „Fremder" die Leitung hatte. Man hatte überhaupt den Eindruck, als würde hier viel Unduldsamkeit in die willig den Führern ergebenen Jungen hineingelegt. Am bedauerlichsten empfand man diese intolerante Ablehnung alles nicht der Gruppe Eigenen, wenn z. B. die Uninteressiertheit an deutschen Liedern — beim Sängerstreit von den „Kameraden" oder der „Deutsch-jüdischen Jugendgemeinschaft" z. T. mit Meisterschaft vorgetragen — zu disziplinwidrigen Störungen ausartete. Auch als zur Preisoerteilung der Vorsitzende des Landesausschusses der jüdischen Jugendverbände, Dr. Lubinski, nach der Begrüßungsansprache' des die jüdische Gemeinde vertretenden Dr. Steiner die Eröffnungsrede hielt, klang aus seinen Worten immer wieder das eifrige Bemühen, den jungen Menschen klar zu machen, daß es sich ja nur um ein jährlich bloß einmal wiederkehrendes rein „örtliches Zusammenkommen auf Stunden" handle. Damit nur nicht der Gedanke entstünde, in diesem Treffen käme der Wille zur Einheit zum Ausdruck. Sonst war hauptsächlich von Palästina die Rede, und ausdrücklich „offiziell im Namen des Keren kajemeth", also des Jüdischen Nationalfonds, rief der Vorsitzende zur Geldsammlung für Palästina auf. Zum Gedächtnis der unglücklichen Opfer der jüngsten Ereignisse sang eine Gruppe des „Jung>- jüdischen Wandervereins" ein musikalisch-inniges Lied des Gedenkens in hebräischer Sprache, so daß leider sogar den Jungen und Mädels der hebraistisch begeisterten Gruppen und zum Teil auch, wie wir feststellen mußten, den Sängern selbst die Worte dieser empfindungstiefen Kundgebung vollkommen unverständlich blieben. Man fragt sich immer wieder: warum dürfen die jungen Menschen in diesen Gruppen nicht reden und singen, nicht klagen und sich freuen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist? Warum müssen sie alle die wilde „Horra" singen und tanzen lernen, die in ihren sich schließlich wie zur Raserei steigernden Sprüngen den fanatischen Tänzen der Mohammedaner beim Feste „Nebi Musa" zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie mag auch vielleicht in ihrer Anlage in Rußland bodenständig sein und volksgemäß; sie hier aber als urjüdischer Tanz um jeden Preis auch unserem nicht wesensverwandten Milieu künstlich aufpfropfen zu wollen, ist unnatürlich. Diese Jugendtreffen könnten für die zersplitterte Jugendbewegung zum Beginn des Selbstbesinnens, zum Ausgangspunkt des wirklichen Zusammenarbeitens und des tatbereiten Begreifens werden, daß jüdische Jugend nicht durch Intoleranzen und Führereitelkeiten auseinandergerissen werden darf, sondern mit Klugheit, mit Würde und Energie zum Einheitsbewußtsen erzogen werden müßte. Wo ist dieser wahrhafte Jugendführer? Der Weltkongreß der Agudas Zisroel In Wien tagte vom 10. bis 17. September der zweite Weltkongreß der Agudas Jisroel (Knessio Gedaulo), zu dem sich aus allen Teilen der Welt, insbesondere aus Osteuropa, Vertreter der jüdischen Separatorthodoxie eingefunden hatten. Nach Eröffnungsansprachen und einer Gedenkrede auf die Opfer der palästinensischen Unruhen hielt Dr. Nathan Birnbaum ein Referat über „Israel und die religiöse Krise der heutigen Menschheit". Die zweite Sitzung war zunächst der Frage der Gründung einer Agudah-Weltbank mit einem Kapital von 2 Millionen Goldmark gewidmet. Sie soll den durch die wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit am schwersten betroffenen jüdischen Handels- und Gewerbetreibenden, die ihres Betriebskapitals durch die Inflation beraubt wurden, zu einer Wiederaufrichtung ihrer Existenz zu verhelfen und ihnen die Haltung des Sabbat zu ermöglichen. Den Abschluß der Sitzung bildete eine Manifestation für das Thorastudium. Den Bericht für die abgelaufenen sechs Geschäftsjahre erstattete im Namen des geschäftsführenden Ausschusses dessen Vorsitzender Rabbiner Dr. Pinchas Kohn. Er verwies insbesondere auf den Ausbau des Erziehungswerkes der Agudas Jisroel und den Aufbau einer religiösen Arbeiterorganisation, der „Poale Agudas Jisroel", die den Klassenkampf negiert und die Lösung der sozialen Fragen im Sinne der Thora zu ihrem Programm erhoben hat. Den Rechenschaftsbericht erstattete Dr. Leo Deutschländer. Zur Frage des Eintritts in die Jewish Agency wurde nach einem Referat von Jakob Rosenheim folgende Resolution von der Kenefsio Gedaulo angenommen: 1. Tic K.G. erklärt, daß bisher seitens der ncukonstituierten Jewish Agency keinerlei Versuch zur Gewinuung der Mitarbeit der Agudas Jisroel unternommen worden ist. 2. Die K.G. richtet nichtsdestoweniger angesichts der das ganze jüdische Volk tief erschütternden und zur Einkehr mahnenden Ereignisse in Erez Israel einen letzten Appell an die in der Jewish Agency zusammcngeschlosscnen Brüder, durch die Berücksichtigung der unerläßlichen Geivissensforderungen der orthodoxen jüdischen Massen diesen die Teilnahme an der Lösung der wirtschaftlich-politischen Aufgaben der Agency zu ermöglichen. 3. Die wichtigste dieser durch den Rabbinischen Rat religiös bindend erachteten Gewisseussorderungen ist die absolute Beschränkung der Agency- Kompetenz auf wirtschaftliche und politische Angelegenheiten und der Verzicht auf die Finanzierung kultureller Ausgaben, die angesichts der nun einmal vorhandenen weltanschaulichen Gegensätze nicht gemeinsam gelöst werden können. 4. Die K.G. ist überzeugt, daß eine solche politisch wirtschaftliche Neutralisierung der Jewish Agency unter Wahrung des Rcligionsgesetzes bei gutem Willen durchgeführt werden könnte. 5. Solange dies nicht geschieht und die organisierte Orthodoxie hierdurch ausgeschlossen ist, kann die Jewish Agency nicht den Anspruch erheben, als Vertretung der an Erez Jisroel interessierten orthodoxen jüdischen Massen zu gelten. Agudas Jisroel wird es in Konsequenz ihres religiösen Standpunktes umsomehr als ihre heilige Pflicht erachien, die ihr nahestehenden Kreise zur hingebungsvollen Arbeit im Sinne der Mizwas Jischuro Erez Jisroel auszurusen. W Jubiläums-Marke Sumatra-Sortiment in mittelgroßen Formaten t AURORAS.103/. cm 15 Pf APARTOS.11V. cm 20 Pf. GRACIAS.101/j cm 25 Pf. HERALDOS.11 cm 30 Pf. IN KISTEN zu 50 STOCK PROGRESOS.11V* cm 40 Pf. EN CANTOS m. Rg. . . . 113/. cm 50 Pf. EXCLUSIVOS m. Rg. . . 12 cm 60 Pf. IDiLIOS m. Rg.12'/, cm 80 Pf. SIN IGUALES m. Rg. . . 13'/- cm 100 Pf. IN KISTEN zu 28 STOCK ln allen Preislagen unübertrefflich! Abbildg. 1 Jubiläums- Marke 20 Pf. 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