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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-09-25 · 39 (25.9.1929) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
39 (25.9.1929)
Date
1929-09-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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* Sprechsaal * DL, diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die pc«fc> aeleklirbe Berantwortmuu Vorsicht! Zu welchen Mitteln die Judenmission oftmals greift, ist geradezu erstaunlich. In der Nr. 426 des „Berliner Tageblatt" vom 10. d. M. befand sich nachstehendes Inserat: Mit religiös interessierten Juden bespricht jüdisch-christliche Fragen wissenschaftlich vorgebildete Christin. Zuschr. unt..Erd. G. 670 bei Rud. Mosse, f Berl.-Friedenau, Rheinstr. 19. Ich schrieb daraufhin, daß mich ein Gedankenaustausch über religionswissenschastliche Fragen interessieren würde, und es meldete sich einige Tage darauf bei mir telephonisch eine Dame, die sich Frau Lindner nannte. Wir vereinbarten eine Besprechung in ihrer Wohnung Friedenau, Bismarckstraße 7. In der Annahme, daß wissenschaftliche Themen gemeint waren, die das persönliche Gefühl nicht berühren, wurde ich bald eines anderen belehrt, denn schon nach einer kurzen Einleitung nahm ich wahr, daß es sich um eine systematische Judenmission handelt. Die geistigen Ergüsse dieser „wissenschaftlich vorgebi.de.e;i" Tarne bewegten sich ungefähr auf dem Niveau der Hiil^a.'.nec-Werbe-Predigten, und es verlohnt sich wirklich maZ die „geistlich armen" Argumente wiederzugeben, mit der die Missio„närrin" mich beglücken wollte und meine Nerven in Anspruch nahm. Dinge, die bis zum Überdruß selbst von christlichen Seiten widerlegt worden sind. Wer selbst nichts anderes als das Werk des Karäers Isaak Trocki „Chissuk Emunah" gelesen hat, welches von Wagenseil nicht mit Unrecht als „tela ignea satanae" empfunden wurde, weil es das ganze Kartenhaus der christlichen Missionskasuistik über den Haufen schoß, wird leicht imstande sein, über die Judenseelenfänger zu triumphieren. Und bei mir kam die unternehmungslustige Dame gerade an die richtige Adresse, denn es machte mir riesigen Spaß, ihr auf die süß-salbungsvollen Traktätchenweisheiten mächtig viel „Saures" zu geben, so daß sie sehr zufrieden schien, als ich mich nach dreistündlicher Diskussion verabschiedete. Es möge mir aber an dieser Stelle gestattet sein, 2 Fragen auszuwerfen: 1. Wie ist es möglich, daß es noch Christen gibt, die Geld opfern für die Judenmission, wo es doch so viel in den eigenen Reihen der Christenheit zu bekehren gilt, zumal zu einer Zeit, in der die Schließung der Hedwig Wangel-Stiftung wegen Mangel an Mitteln bevorsteht? 2. Ist es möglich, daß sich „religiös interessierte" Juden tatsächlich von der Judenmission einsangen lassen? Meiner Ansicht nach bedeutet die Judenmission für das Christentum ein recht bedenkliches testimonium paupertatis. Siegfried Jacobsohn. Werbt neue Mitglieder! Berichtigung Au die Redaktion der Jüdisch-liberalen Zeitung. Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Nummer vom II. September Ihres geschätzten Blattes enthält eine Mitteilung aus Berlin, laut welcher Herr Dr. Fritz Salomonski einen Ruf des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde in Stockholm erhalten haben soll, „während der diesjährigen Hohen Feiertage in der Stockholmer Hauptsynagoge das Amt des Hauptkantors zu übernehmen". Der Inhalt dieser Notiz entspricht nicht den Tatsachen. Vielmehr hat, laut mir von zuständiger Stelle gewordener Information, der Vorstand der hiesigen Gemeinde mit Rücksicht aus das hohe Alter des zweiten Kantors Herrn Dr. Salomonski cingeladen, abwechselnd mit den beiden Kantoren der hiesigen Gemeinde den Gottesdienst an den diesjährigen Hohen Feiertagen zu verrichten, um ihnr dadurch Gelegenheit zu geben, sich probeweise in verschiedenen Aufgaben des Gottesdienstes hören zu lassen. Stockholm, 18. September 1929. Felix Saul, Oberlantor der Jüdischen Gemeinde in Stockholm. Aus der Bewegung Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V.) Um die Inkasso-Spesen nach Möglichkeit zu verringern, bitten wir unsere Mitglieder, die Beiträge für das 4. Quartal 1929 sofort, aus alle Fälle noch diesen Monat, auf unser Postscheckkonto Berlin 14805 cinzuzahlcn. Berlin. (Gemeinde-Abend.) Die Liberale Synagoge Norden begann ihre Winterarbeit am Montag, den 16. September (in Gemeinschaft mit der Bezirtsgruppe Norden des Liberalen Vereins), in gewohnter Weise mit einem Gemeinde-Abend, der diesmal dem Gedenken Moses Mendelssohns gewidmet war. Eine sehr stattliche Zahl von Zuhörern füllte den Saal des Wohlfahrtsamtes Metzer Str. 1. Der Redner des Abends, Herr Tr. Heinemann Stern, wies in einem kurzen Ueberblick aus Mendelssohns Bedeutung für die Eindeutschung der Juden hin. Er zeigte die geistige Lage innerhalb und außerhalb des Ghettos aus, stellte es dann dar, wie Mendelssohn in beiden Welten heimisch ward und in seiner Person Juden wie Deutschen die Synthese von Judentum und deutscher Kultur ad oculus demonstrierte; wie er allein schon durch seine Persönlichkeit als Erzieher nach beiden Seiten wirkte. Daran schloß er dann eine Darstellung der positiven Leistungen der Mendelssohn-Schüler durch die Schulgründungen in Berlin und in Oesterreich. Wenn Herr Tr. Stern es verstand, durch Klarheit und Sachlichkeit zugleich mit temperamentvoller Rede seine Zuhörer zu fesseln, so folgte im 2. Teil des Abends das Publikum nicht weniger bereitwillig. Frau Ilse Goldner, in vielen jüdischen Gemeinden des Reiches als eindrucksvolle Rczitatorin bekannt, hatte cs frcundlichst übernommen, einiges ans Mendelssohns Werk vorzutragen: Zwischen Stellen aus „Jerusalem", dem Psalm 84, dem Brief an Lavatcr, imponierend in ihrer gefühlvollen Strenge, verfehlte die Fabel von dem Weibe Beruria ihre rührende Wirkung nicht. Mit Geschick leitete Frau Goldner die rezitatorische Interpretierung eines so schwierigen Stoffes mit Werfels Gebet um Reinheit ein. Hier im Bezirk des Lyrisch-Menschlichen kam ihre Sprechkunst so recht zur Geltung. Vortreffliche Sprechtcchnik, prachtvolle Stimmfüllc und ein Ausdruck voller Menschlichkeit hielt die zahlreichen Hörer in Bann. Mit Recht wurde die Diskussion vertagt, und eine erlebnisreiche Stunde wird ungetrübt in der Erinnerung aller Besucher sortlcbeu. P. F. Veremsnachrichlen Jüdischer Turnverein Berlin 1905. Der Jüdische Turnverein Berlin 1905 beabsichtigt ab 1. Oktober seine alte Herrenriege weiter auszubauen und gleichzeitig eine Riege für Damen reiferen Alters einzurichten. Es soll in diesen Riegen nicht Wert aus große turnerische Leistungen gelegt, sondern hauptsächlich gesundheitliche Zwecke verfolgt werden. Die gymnastischen Uebungen sowie das Geräteturnen soll ganz und gar der individuellen Beschaffenheit der Tuvnenden angepaßt werden. Die Turnabende finden an den Mittwoch- Abenden von 20 bis 22 Uhr statt. Die Herren benutzen die Turnhalle Große Hamburger Straße; die Damen die Halle der Gemeindeschule, Frommclstcaße (Hinter der Garuisonkirche). Anmeldungen werden erbeten an Herrn Rudolf Henn, Sophienstraße 23, Telephon Norden 7871 oder aus dem,Turnsaal. Friedenskundgebung jüdischer Frauen. Tic jüdischen Fraucnorganisationeu Deutschlands, an ihrer Spitze der Jüdische Frauenbund, der Schwesternverband der U.O.B.B.-Logen, die Frauengruppcn des Ccntralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Frauenarbeitsgemeinschafl sür Palästina, die Fraucnvereinigungen im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, die Konservative Frauengruppc, haben im Rahmen des Jüdischen Friedensbundes (Vorsitzender: Direktor Oscar Wassermann) einen Fraucn-Ausschuß gebildet. Auf Veranlassung dieses Ausschusses findet Sonntag, den 29. September, 111/4 Uhr vormittags, in der Hochschule für Musik, Charlottcuburg, Hardenbergstraße, eine feierliche Friedenskundgebung jüdischer Frauen statt. Aus dem reichhalligen Programm seien hervorgehoben: Ansprachen leitender Persönlichkeiten der Frauenorganisalioncn und des Friedensbundcs; Referat von Frau Dr. chem. Claudia Locwe-Alexander Katz: „Der kommende Krieg und die Frauen"; Friedenskautate von Mozart (Wilhelm Guttmann, Mitgl. d. Stadt. Oper). Eintritt frei. 50 Jahre Otto Börnicke. Am 1. Oktober begeht die bekannte Zigarrcn-Jmpor:-Firma Otto Boenicke, Berlin, das Jubiläum ihres 50 jährigen Bestehe::.'. Im Jahre 1879 nach langjähriger Tätigkeit in Havana im Hause H. Upmann & Co. von Herrn Otto Boenicke zu.ammen mir Herrn Fritz Eichner unter der Firma Boenicke & Eick.ner gcgrüniu". setzte sich das Unternehmen unter den bereits bestehende» Zigarren.; eschästen in kurzer Zeit durch und nahm eine führende S.ellung ein, zumal in Havana-Importen, bei deren Einkauf der jungen Firma die persönlichen Beziehungen zu den Havanncser Fabrikanten und die derselben eingeräumten Vergünstigungen des alleinigen direkten Importes zustatten kamen. Aber auch in deutschen Fabrikaten verbreitete sich der Ruf besonderer Leistungsfähigkeit der Firma weit über die deutschen Grenzen hinaus, so daß die Geschäftsräume in der Französischcstr. 21 bald eine Vergrößerung erfahren mußten. 1905 trat Herr Fritz Eichner aus der Firma aus und Herr Otto Boenicke führte nunmehr das Geschäft unter seinem eigenen Namen weiter. Die auch bei den schivierigen geschäftlichen Verhältnissen während des Weltkrieges und der Nachkriegszeit stets befolgte grundrcelle Preispolitik wirkte sich in den letzten 10 Jahren in einem beispiellosen Geschästsaufschwung aus, der die jetzige Leitung, welcher Herr Alfred Boenicke, ein Nesse des Gründers, bcvorsteht, veranlaßtc, zur Entlastung des Hauptgeschäftes an einigen Brennpunkten des Berliner Verkehrs Zweiggeschäfte zu errichten und sich auch in West- und Ost-Deutschland niederzulassen. Zu ihrem Geschästsjubiläum hat die Firma Otto Boenicke eine Festschrift verbunden mit Katalog herausgegeben, die den Werdegang des Unternehmens schildert, sein Emporblühcn in der werdenden Weltstadt mittels guter Illustrationen aus früherer und jetziger Zeit veranschaulicht und in kurzen Zügen den Siegeszug des Tabaks, die historische Entwickelung des Tabakbaues und die Zigarrenhcrstellung behandelt. Es folgt ein Angebot von besonderer Reichhaltigkeit in Boenicke-Zigarren, die sich heute im ganzen Reiche allgemeiner Wertschätzung erfreuen. Möge die Entwickelung der Firma einen ebenso glücklichen Fortgang nehmen wie in den verflossenen 50 Jahren! TriKoiel-Oberhemd weiss, durchgehend gestreift . Mod. Trikoiei-Obememd weiss-grundig, gestreift . . . Oberhemd einfarbige Kunstseide. . . . Herren Med. 4fach, moderne Formen . Stück Herren-NachMd Bielefelder Erzeugnis. 11.-- -.55 6.25 Artikel Pyjama aus gutem Flanell, breite Streifen Mnri Rinflopreine Seide od Sei_ lllUli. 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Ausgabe etwaiger Restbestände an Freikarten vom l. Oktober ab. Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin im September 1929 Jüdische Reform-Gemeinde GnlfaeifiMIClD an den Koben Feiertagen im UUIIIfuUlullultl Gotteshause Johannisstr. 16, im Logenhaus Kleiststr. 10 und im Logenhaus joachimsthaierstr. i3. Plätzevermietung täglich von 9-2 Uhr im Büro Johannisstr. 16, ferner am Sonntag, 29. Sept. von 10-1 Uhr und Mittwoch, 2. Oktober von 5-7 Uhr im Logenhaus Joachimsthaierstr. 13. PrOlSS nach Lage der Plätze von 3 bis 25 M. Furdenjugendgottesdlenst sind die Einlasskarten auch für Kinder von Nichtmitgliedern unentgeltlich. Ausgabe zu den obigen Zeiten. Liberale Synagoge westend An den hohen Feiertagen Festgonesdienste in der Aula der Herderschule, Bayernallee 4, sowohl abends als auch vormittags zu den Zeiten der Jüdischen Gemeinde statt. Plätzeverkauf in der Geschäftsstelle Arthur Lehmann & Co., Kaiserdamm 38. Jüdische Gemeinde zu Berlin Betr. Festgottesdienst im „Atrium“. Wilmersdorf, Kaiserallee 178/79 Auf vielfach geäusserten Wunsch werden für den Betsaal im Atrium auch Karten zu ermässigten Preisen lediglich für den diesjährigen Festgottesdienst ausgegeben. Diese Karten berechtigen nicht zum späteren Umtausch in Karten für die Synagoge Prinzregentenstrasse pro 1929/30 und auch nicht zur Erneuerung im kommenden Jahre. Die Preise dieser Plätze sind von 3—15 RM festgesetzt. Die Kartenausgabe findet von jetzt ab nu r noch in der Kartenausgabestelle, Fasanenstr. 79/80 statt. Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin, im September 1929 Verein ffir Feuerbestattung In Berlin von 1874, e. V. Term, kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lfltzowstraße 44, Telephon: Lützow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Ecke PaaanenstraBe, Telephon: Steinplatz 1835 Hier fehlt ihr Inserat iooo Olk. Scheine rotgest. von 1910 kauft kür Reklamezwecke. Zahlen per 100 Stück RM, 16.— Nachnahme. BrQll *CO,Breglau 10 SlelMse Kaufleute, die in ihrem Gemeindebezirk gut bekannt sind, auch Studenten, die einer Beihilfe bedürfen, finden guten Verdienet. israelitische Buch aemeinschait München, Isartorplatz 1 Mir. OhntHMi Vormittags-Abendschule Private Vorbereitungsanstalt. Direktor Danziger Berlin, Alte Jakobstraße 125 Verlag: Vereinigung für das liberale Judentum e. B., Berlin SW. 48. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin SW. 29. — Druck: Hermann Wegner 8- To., Berlin-Marieudors. 2954^9 57282 6519 4899999^

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