Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 39 (25.9.1929)
- Date
- 1929-09-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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d erziele der Zioniften — bilden müsse. Im Gegenteil, sie haben von uns gefordert, daß wir die Balfour- Deklaration nicht nur als ein historisches Faktum anerkennen sollten — hierfür wäre vielleicht ein Teil meiner Freunde, wäre auch ich zu haben gewesen —, sondern daß wir ausdrücklich als Zweck unserer Arbeit in der Agency bestiegen sollten: die Verwirklichung der in der Balfour-'Deklaration festgelegten Idee, eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu schaffen. Man verlangte also, daß wir die)es historische Faktum nicht nur hinnehmen, sondern kraft eigenen Willens in unser jüdisches Bewußtsein aufnehmen sollten. Damit war die Frage für mich klar entschieden. Die deutschen Zionisten verlangten nicht nur die neutrale wirtschaftliche Mitarbeit, sondern die Anerkennung Palästinas als ein jüdisches Zentrum. Und was mehr wog, auch führende Nichtzionisten bekannten sich zu der Idee eines solchen Zentrums. Diesen Nichtzionisten gegenüber hat in der Tat Nahum Sokolov die richtigen Worte gebraucht, wenn er bei der Eröffnungssitzung der Jewish Agency gesagt hat, daß ihre Reden auf dem zionistischen Kongreß hätten gehalten werden sollen. Denn wer sich zu der Idee bekannt, daß er in Palästina ein jüdisches Zentrum schaffen will (ganz gleich, ob es schließlich in politischer Beziehung national ausgestaltet wird, oder nicht), der folgt zionistischen Gedankengängen. Und mit Recht konnte bei der Beratung des Agency- Statuts auf dem Kongreß der Referent Halpern empfehlend sagen: „Wenn Sie die Präambel mit ihrem besonderen Hinweis auf die vom Völkerbund anerkannte Schaffung eines jüdischen nationalen Heims zusammen mit der Darstellung der Aufgaben der Agency lesen, so haben Sie hier eine Formel, die, um mich ganz milde auszudrücken, eine frappante Aehnlichkeit mit dem Basler Programm zeigt." Ich weiß genau aus meiner Kenntnis zumindestens der deutschen, aber auch einer großen Reihe amerikanischer Mitarbeiter — ich denke an meinen Freund, Rabbiner Schulmann —, daß ihnen die Idee der Schaffung eines jüdischen Zentrums weltenfern liegt. Nun wohlan! Mir wiederum ist diese ganze Aktion für das jüdische Palästina zu bedeutsam nach innen und nach außen, um hier mit geschlossenen Augen an Gegensätzen vorbei zu gehen, die später oder früher sich auftun müssen. Gerade weil ich Respekt habe vor der von mir nicht geteilten Ueberzeugung der Zionisten, — da sie es ja schließlich sind, die die Pioniere der Palästinaarbeit sind und bleiben werden —, kann ich mich mit ihnen, ohne sie zu belügen, nicht an einen Tisch setzen, wenn sie weiter von mir das Opfer meiner Ueberzeugung dahin fordern, daß ich in diesem Palästina ein jüdisches Zentrum schaffen helfe. Ich kann mich mit Menschen bei allen Kontroversen im Einzelnen zu einer praktischen Arbeit vereinen, wenn uns beiden diese Arbeit zwar wichtig und wertvoll, wenn sie uns aber beiden nur Arbeit an einem Teilprogramm einer größeren Gesamtausgabe darstellt. Ich kann aber nicht mit Menschen an eine praktische Arbeit Herangehen, die ich als Teilarbeit ansehe, während sie sie anfassen, in der heiligen Ueberzeugung, an den Grundlagen ihrer ganzen jüdischen Existenz tätig zu sein. Cs ist also keineswegs frivole Gleichgültigkeit, die uns Nichtzionisten, insbesondere uns Mitglieder des Vorstandes der Liberalen Vereinigung dazu veranlaßt hat, der Agency fernzubleiben. Die gerade bei der Verhandlung mit den Führern der Zionisten klar erkannte Tatsache, daß wir hier Grundfesten unseres Judeseius opfern müßten, der Ernst, die Heiligkeit dieser ganzen Frage zwingt uns, der Agency fernzubleiben. IV. Ueber die Frage der Jewish Agency hinaus und wichtiger als sie ist es für mich, zu allen denen zu sprechen, die bisher in jahrelange Freundschaft mit uns an dem Aufbau des liberalen Judentums in Deutschland mitgearbeitet haben, insbesondere zu meinen Freunden aüs der liberalen und aus der deutsch-jüdischen Jugend. Seht ihr nicht oder wollt ihr nicht sehen, daß es sich um eine Frage handelt, bei der Klarheit allein den Frieden bringt? Ich gehöre gewiß zu den Ersten der liberalen Jugend-Generation, welche aufs schärfste und stärkste für die liberale Jugend die Gemeinschaftsidee vertreten haben; mehr als 20 Jahre jüdischer Arbeit in Wort und Tat geben davon Zeugnis. Aber vor einem müssen wir halt machen, das sind die Grundlagen des Judentums. Wollt ihr wirklich dadurch eure eigene Arbeit und euer eigenes jüdisches Leben entwerten, daß ihr dem zustimmt, was z. B. Rabbiner Dr. Elk gesagt und geschrieben hat: „Keine Erneuerung des Judentums ohne eine nationale Heimstätte der Juden in Palästina?" Soll wirklich alles das, was unsere Väter und Vorväter hier geschafft und hier gelitten haben, von uns, die nicht nur blutsmäßig, sondern auch gesinnungsmäßig ihre Kinder sind, verleugnet werden? Braucht ihr wirklich ein Bildnis des Göttlichen, eine Hilfskonstruktion für den Bau eures Tempels, seid ihr seelisch krank und braucht ihr eine Erneuerung auf neuem Boden? Die Sage von dem Riesen Anthäus, der die Mutter Erde berühren mußte, um neue Kraft zu gewinnen, ist nicht jüdisch. Wir haben keine sichtbare Kirche und auch das heiligste Land kann nicht unser Papst werden. Wir glauben an die Weltgeltung des Judentums. Wir haben Vertrauen zu unserer eigenen Kraft und sind sicher, daß trotz aller Rückschläge und Nackenschläge die Sendung unseres Volkes durchgeführt werden wird, wohin auch immer uns der Wille des Ewigen stellt. So groß sind hier die Aufgaben unserer jüdischen Jugend, so viel ist zu lernen, so viel aufzubauen in den Herzen und den Häuptern von Jung und Alt, daß wir keinen Menschen, keine seelische Kraft entbehren dürfen, für diese unsere Arbeit in der Heimat. Wollt ihr diese Arbeit von vornherein unmöglich machen, indem ihr selbst bezeugt, daß sie wertlos ist ohne die Schaffung des Zentrums im Lande der Väter, das doch nur für sehr wenige ein wahres Land der Kinder sein kann? Noch, scheint mir, ist es Zeit, die Entscheidung zu treffen. Wird sie, wie ich nicht zweifle, nicht im Sinne des „neuen Judentums" von Chaim Weizmann, sondern im Sinne des alten, ewig neuen Judentums Moses, Jesayas und Jeremias getroffen, so muß auch das Erkannte in klares Bekenntnis und daraus folgende wirkende Tat umgesetzt werden. Wer in den engen Gassen von Whitechapel unsere englischen Freunde an der Aufbauarbeit gesehen hat, der weiß, welch läendige Kraft rettenden und begeisternden Judentums überall da lebendig wird, wo Wissen vom Judentum, Bekenntnis zum Judentum und jüdische Tat in jüdischen Menschen sich vermählen. Ihr wollt den Frieden, wir wollen den Frieden. Dauernder Friede kann nur auf dem Wege der .Wahrheit errungen werden. Wir müssen wissen, was wir wollen, wir müssen erkennen und achten, was die sicheren wollen. Gerade die Vorgänge in den letzten Sto&wercK billig, iDohlSctimecücnd■ k_ nahrhaft. Monaten müssen uns gezeigt haben, daß jetzt die Stunde der Entscheidung geschlagen hat. Wir bekämpfen — mit reinen Waffen und in den Formen brüderlichen Streites — den Zionismus, weil er das Judentum auf einen Umweg führm, weil er ein jüdisches Zentrum schaffen will, das uns seelisch heimatlos macht; denn unfern Leib kann er aus der „Galuth" nicht herausbringen; unsere Seele aber führt er einem anderen Ziele zu und entwurzelt uns so, statt uns mit der Heimat inniger zu verwurzeln; damit aber macht er Uns kampfunfähig für unsere eigentliche Aufgabe, als Inden unter den Völkern der Welt für die Ideale des Judentums zu streiten. Gerade aber weil wir, ohnehin geschwächt durch die Kämpfe um unsere äußere Existenz, wenigstens innerlich klar bleiben wollen über Zweck und Sinn unseres Judeseins, gerade weil wir erkannt haben, daß um des Judentums willen wir verwachsen müssen mit den Ländern unserer Geburt, gerade darum müssen wir alle die Kräfte in uns und um uns stärken, die „Glaube und Heimat" vermählen. Ein großes Feld jüdischer Arbeit liegt vor uns; unsere Kinder zu Juden zu erziehen, jüdischen Gemeinschaftsgeist in Haus, Gemeinde, in die ganze Welt hinaus zu tragen, zu wirken für unsers Brüder auf dem ganzen Erdenrund und für das Judentum einzutreten nicht nur in den Spalten der Zeitungen, mit den Lettern der Bücher, sondern auch auf dem offenen Markte des Lebens, da, wo das Wort zur Tat wird. Der Führer der zionistischen Weltorganisation hat feierlich angekündigt, daß zionistische Werbearbeit, zionistische Gedankenkraft, zionistische Begeisterung sich jetzt mehr denn je in die Länder der Diaspora kehren werde. Wir sind glücklich über jedes Zeichen jüdischen Lebens, wo auch immer es sich zeigt. Doppelt glücklich und stolz werden wir sein dürfen, wenn wir wissen, daß die zionistische Werbearbeit, die wir um des Judentums willen für einen gefährlichen Irrweg halten, in unseren Reihen auf erweckte und gestählte, ihrer Aufgabe bewußte, der Vergangenheit treue, für die Zukunft verantwortliche jüdische Häupter und Herzen treffen wird. Sendet den föllige« Beitrag für das 4. Quartal 1929 in Höhe von Mk. 2,59 auf das Postscheckkonto der Bereinigung für das kwerake Judentum Berlin Nr. 137969 ei«. Zum Fest caramel Chevreau, mit negerbraun Chernau kombiniert die herbst liehe Farbzusammenstellung, zu allem passend „Eugen Lack > Halbschuh moderne halbrunde Form Reizende Herbstneuheit atu schwarzem samtkalb mit Lackkombination, gediegene Verarbeitung ( Lackbesalz. rierren-Stlefel mit Chevreaueinsatz Ein fesoher Nachmillagsschuh aus Lack, mit Samtkalb-Applikation, elegante, rassige Form 90 „Rheingold Lack-Halbschuh. Original-Goodyear Ausscrgewöhnlich günstige Kaufgelegenheit cß||Cf WLSNS:? 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