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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-09-18 · 38 (18.9.1929) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
38 (18.9.1929)
Date
1929-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9. Jahrgang Nummer 38 WMÄevckZeitmi Beilage 18.Seplember1929 Kanonensulter Der Phrasenwelle entgegenzutreten, die das Unheil in Palästina zum Anlaß für noch größere Experimente nehmen möchte, ist es nicht nur ein Gebot nüchterner UeLerlegung, vorsichtigen Abwartcns, es ist Pflicht des Menschseins. Soll wieder eine Zeit kommen, in der das Menschenopfer für eine Idee als selbstverständlich betrachtet wird, in der noch Zerstörung menschlichen Lebens als sinnvoll gilt? Bei der Agency-Kundgebung, die in Berlin stattfand, hat der bekannte Zionistenführer Rechtsanwalt Dr. Klee nach dem gewiß unverdächtigen Bericht der Jüdischen Rundschau gesagt: „Wenn ein Volk nach 2000 Jahren sein Land, seine Freiheit bauen will, dann muß man wissen, daß auch ein Tag kommen kann, wo dieses Werk B l u t o p f e r kostet. Freiheit fällt einem Volk nicht in den Schoß." Aehnlich wird in einem Artikel des Leipziger Jüdischen Familienblattes gefragt: „Hat je ein Volk seine Freiheit ohne Opfer an Gut und Blut erkauft?" Und in diesem Artikel mit der Ueberschrift „Trotz alledem!" wird mit einer Selbstverständlichkeit von den Opfern gesprochen, die einem Militärschriftsteller einer deutschnationalen Zeitung alle Ehre machen würde. Da heißt es u. a.: „Aber es wäre eine Utopie zu glauben, daß damit die arabisch-jüdische Frage endgültig geklärt wäre. Wir müssen uns doch darüber im Klaren sein, daß mit dem Moment der Schaffung einer jüdischen Heimstätte, mit der Errichtung eines jüdischen Nationalstaates, das Judentum in die Kampfessphäre der Völker tritt und schon durch die geographische Lage der Heimstätte in die Auseinandersetzungen zwischen Europa und Asien hineingezogen wird.... Nein, die Opfer, die bisher für Palästina gebracht wurden, waren nicht vergebens. Wir können heute noch nicht das Maß ihres Nutzens genau abzirkeln. Aber nützlich waren sie schon deswegen, weil Palästina heute zum integrierenden Bestandteil der englischen Asien- und der gesamten Weltpolitik geworden ist." Ich teile nicht den Standpunkt, daß die Realisierung einer Idee, wenn sie ethisch gut ist, heute noch Blutopfer erfordert. Viel eher bin ich geneigt, Blutopfer, die heute noch für notwendig gehalten werden, als Kronzeugen gegen die ethische Berechtigung der Idee zu werten. Denn der Sieg einer Idee — und darunter verstehe ich keineswegs nur selbstgenügsames Bescheiden, sondern die Durchsetzung im Leben — kann nur Ergebnis freiwilliger Erkenntnis, nicht aber Folge von Gewalt sein. Doch Anderen fehlt der Glaube an den friedlichen Fortschritt in der Welt. Sie sind überzeugt, daß die großen Fragen der Zeit durch Eisen und Blut entschieden werden. Nun denn, müßte es dann nicht für alle Klees, die da „wissen, daß auch ein Tag kommen kann, wo dieses Werk Blutopfer kostet", selbstverständlich sein, zunächst einmal selbst Berlin mit Palästina zu tauschen und in Zukunft nicht mehr nur preisend mit viel schönen Reden aus der Ferne sich am Aufbau zu beteiligen? Kurt Blumenseld, der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, hat bei der Agency-Versammlung gesagt: „Uns gehört dieses Land, wenn wir in dieses Land gehen mit unserer Arbeit, es durch unsere Arbeit erobern, wenn wir ungebrochen und unerschüttert unsere Kräfte vereinen, um dort in der Zuversicht zu leben, daß das neue Leben, der neue Zusammenhang der jüdischen Welt entsteht, daß wir alle gereinigt hervorgehen durch dieses Werk." Wir? Im „Wilhelm Tell" weigert der Fischer Ruodi dem Baumgarten die Rettung. Tell ermuntert ihn. Doch Ruodi antwortet: Vom sichern Port läßt sich's gemächlich raten. Da ist der Kahn, und dort der See! Versucht's! Da übernimmt Tell selbst unter Einsetzung seines eigenen Lebens das Rettungswerk. Wann wird im jüdischen Leben Gleiches gefordert und erfüllt werden? # Das Wort „Kanonenfutter" birgt noch einen anderen, sachlichen Sinn. Es sagt, daß die Opfer einem Phantom dargebracht werden. Der Zionismus und als sein Handlanger die Jewish Agency sprechen in ihren Aufrufen noch immer eifrig von der „Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina". Das ist aber, will mir scheinen, mit der Zeit statt Bekenntnis Phrase geworden. An die Erlangung einer jüdischen Mehrheit in Palästina ist nicht mehr zu denken, und wenn man nicht irgendeinem Aberglauben huldigt, so steht als Gewißheit fest: In Palästina ist nichts erreichbar, was den Juden nicht auch in ihren jetzigen Heimatländern zu erreichen möglich ist. Gustav Landauer hat einmal die Nation als die besondere Art definiert, in der in einer auf Grund gemeinsames Geschichte zusammengehörigen Gemeinschaft das allgemein Menschliche und das individuell Einmalige sich ausdrücken. Erkennt man diese Definition an und gibt man, ohne sich zu ihm zu bekennen, das Vorhandensein eines jüdischen Nationalismus zu, so muß man mit Bedauern feststellen, daß von einer besonderen Art bei seiner Reaktion auf die Geschehnisse in Palästina nichts zu spüren ist. Wenn irgend wann, so hätte sich auf Grund der jüdischen Geschichte jetzt die besondere Art des jüdischen Nationalismus zeigen müssen. Zeigen müssen in der bewußten Lösung von denr Land, das wieder „jüdisch" werden sollte, das aber jüdisch nicht mehr jwerden kann und nicht mehr werden wird. Und er hätte die geistigen Stützen der Nation stärken müssen. Der jüdische Nationalismus hat das Gegenteil getan. Jetzt hätte sich zeigen müssen, daß jüdische Nation Geist, spezifische Ausdrucksform eines Menschheitlichen, eigengeprägter Teil einer vielfältigen Einheit, und nicht Begrenztes und Begrenzendes, Trennendes, Eigenwilligkeit ist. Von seinen Anhängern wird oft beteuert, jüdischer Nationalismus sei ein Nationalismus sui generis, aber in seinen Taten ist das vorerst nicht erkennbar. Johann Jacoby sagte nach den Warnzeichen des Jahres 1848 zu Friedrich Wilhelm IV.: „Das ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen!" Jst's bei den Führern des Judentums heute nicht ebenso? Noch gärt es in Palästina, noch ist verstärkte Militärmacht zur Aufrechterhaltnng der Ruhe erforderlich, aber schon setzen sie, als ob nichts gewesen wäre, das Werk fort. Heute beweisen sie im Jüdischen Friedensbund, daß das Judentum immer und überall den Frieden gewollt habe — und morgen setzen sie ein Werk fort, das den Frieden der Welt stört. Herzl beendete einst seinen Traum mit den Worten: „Wenn ihr es wollt, ist es kein Märchen". Die Wirklichkeit hat gezeigt, — freilich in einem anderen Sinne, als Herzl dachte — daß von einem Märchen hier wahrlich nicht mehr gesprochen werden darf. Und nun muß es klar und deutlich ausgesprochen werden: Wenn ihr es dennoch wollt, ist es ein Verbrechen. Bruno W o y d a. Die Haltung der englischen Presse In der vergangenen Woche haben »vir eine Anzahl Prcssestimmen hier wiedergegeben, die die jetzigen Vorkommnisse in Palästina als Warnzeichen für ein Fortsetzen der bis" herigen zionistischen Politik darstellten. Aus unserm Leserkreis sind uns noch eine große Füll« weiterer Zeitungen zugegangen, darunter Blätter von Rang wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung", „Kölnische Volkszeitung", „Münchener Neueste Nachrichten", „Freiburger Zeitung" u. a., die gleichfalls das Festhalten an der Balfour-Deklaration kritisch erörtern. Wir müssen es uns leider versagen, diese Stimmen hier noch nachträglich wiederzugeben. Von außerordentlicher Bedeutung ist eine Zusammenstellung über die Haltung der englischen Presse, die das zionistische Zentralbüro in London versendet und das wir der Jüdischen Rundschau entnehmen. Es wird in diesem Schriftstück die Haltung der englischen antizionistischen Presse, wie „Sunday Expreß", „Daily Mail" usw., die für schleunige Anullierung des Mandates eintritt, charakterisiert und sodann sortgefahren: „Demgegenüber ist von unserem Standpunkt schon viel beachtlicher, daß diejenigen Blätter, die grundsätzlich eine positive Stellung zum Palästina-Mandat und eine Weiterführung der zionistischen Politik vertreten, unvergleichlich mehr zurückhaltend sind und viel ausweichender und reservierter schreiben, als die zionismusfeindlichen. Es ist uns eigentlich kein einziges großes Blatt, den „Manchester Guardian" eingerechnet, zu Augen gekommen, das so vorbehaltlos für die Politik der Balfour-Deklaration geschrieben hätte, wie eines dieser Blätter dagegen. Kein einziges, das etwa in der Oeffentlichkeit den Schluß gezogen hätte, daß gegenüber der blutigen Tragödie in Palästina nunmehr eine stärkere und entschiedenere pro-zionistische Administrat ion und Politik in Palästina vonnöten sei, der Schluß, den die zionistische Bewegung ganz instinktiv vom ersten Augenblick an aus den Ereignissen in Palästina gezogen hat. Das Höchste, was man von solchen positiven Äußerungen in der englischen Presse sagen kann, ist, daß sie ganz im allgemeinen den Standpunkt vertritt, daß ein von England gegebenes Versprechen unbedingt eingehalten werden muß. Dahinter fühlt man sehr oft etwas von der traditionellen Tory-Haltung, daß England sich gewiß durch Aufruhr, Drohungen und Rechtsbruch keine Aenderung seiner Politik wird aufzwingen lassen. An einzelnen Stellen wird noch besonders hinzugefügt, wie schädlich ein derartiges Zurückweichen vor Drohungen oder Gewalttaten im Orient wirken müsse, und daß diese Wirkung leicht von Palästina auf andere orientalische Länder iübergreifen könne. Aber auch bei dieser Gelegenheit kann man sich zuweilen nicht des Eindruckes erwehren, daß die Aengstlichkeit, mohammümnische Empfindlichkeiten zu verletzen, allzu stark ist. Zusammenfassend kann man nur sagen, daß auf jeden Fall die Unruhen in Palästina eben auch die Grundlagen der britischen Mandatpolitik noch einmal und in aller Oeffentlichkeit aufgewirbelt haben und daß diese Erörterungen in der Presse den Hintergrund öffentlicher Meinungsbildung drrstellen, auf dem eine zukünftige neue Erklärung der Regierung zu den Grundlagen ihrer Palästina- Politik sich abspielen muß. Was aber von unserem Standpunkt eigentlich am meisten in die Augen fällt und bei einigem Nachdenken unsere besondere Beachtung erfordert, sind einige Dinge, die die englische Presse nicht schreibt. Was die englische Presse in diesem kritischen Augenblick zu unserem Problem nicht sagt, ist unter Umständen ebenso wichtig, vielleicht noch wichtiger, als was sie sagt. Das Erste, wonach man ziemlich vergeblich Umschau halten wird, ist die Äußerung irgendwelcher tiesergehenden Sympathie mit unserem ganzen Werk als solchem oder einer wirklichen Anerkennung der ökonomischen und zivilisatorischen Leistung unserer Kolonisation. Zwölf Jahre nach der Balfour-Deklaration und in einem Augenblick, wo unter britischer Administration wertvolle Siedlungspositionen, moderne Gartenstädte und landwirtschaftliche Kolonien zerstört werden, haben in der öffentlichen Meinung Englands unser konstruktives Werk und seine Ergebnisse so wenig Rückhalt, daß sie kaum irgendwo angemerkt werden. Man hat natürlich die offiziellen Sympathien für die Pogromopfer, besonders die Ermordeten, aber man wird zugeben müssen, daß das ein relativ hoher Preis ist, den man als Jude für die Sympathie der englischen Zeitungen zahlen muß. Wichtiger aber ist selbstverständlich endlich noch das, was wir vorhin über die Stellung zu unserem Aufbauwerk als solchem gesagt haben. Noch immer wird die Nationale Heimstätten-Politik hier im besten Falle als eine sentimentale Phrase behandelt, während über ihre positiven und aufbauenden Werte Stillschweigen herrscht. Diese ganze Situation ist um so erstaunlicher, als die Gegner der zionistischen Politik in der neu entfachten Diskussion es sich durchaus nicht nehmen lassen, auch die ökonomischen und kolonisatorischen Fehlschläge der Juden gebührend hervorzuheben. Sieht man sich demgegenüber nach einer klaren positiven Schilderung unserer Kolonisationsarbeit im Lande um, so wiü> wohl das Beste der Art, was man noch finden kann, etwa der Leitartikel der „Sunday Times" vom 1. September sein, der u. a. sagte: „Man sollle sich dessen erinnern, daß die eingeborenen Bauern, die Kanaaniten, wie man sie nennen könnte, ein primitives Volk, meistens sehr arm und heruntergekommen sind, während die zionistischen Immigranten meistenteils gut erzogene Menschen aus Westeuropa und Amerika sind, die hart arbeiten und moderne Wirtschaftszweige aufbauen. Zwei voneinander weit entfernte Kuliurtypen sind so im Rahmen eines kleinen Landes plötzlich in Berührung gebracht worden, und die Anpassung in den gegenseitigen Beziehungen stellt ein sehr ernstes und delikates Problem dar. Man kann sich leicht vorstellen, daß der zivilisierte Jude mit Verachtung auf diese unwissenden Bauern und Nomaden herunterblickt, während sie ihrerseits wieder ihn mit Neid und Furcht betrachten." Man wird sagen, daß auch das noch eine ziemlich neutrale Haltung ist. Und diese, sozusagen objektive, neutrale Haltung unserer Arbeit gegenüber geht sogar so weit, daß, während die Zeitungen die Heldentaten der wenigen Engländer im Verlauf der jetzigen Unruhen, wie die des gefallenen Beamten Best oder die des Polizeiofsiziers Caffaretta in Hebron in allen Einzelheiten beschreiben, ja sogar zuweilen den Wagemut und die Tapferkeit der Araber betonen, sie niemals auch nur ein Wort der Anerkennung für die Leistungen jüdischer Organisation oder jüdischen Selbstschutzes in der Verteidigung, sagen wir z. B. von Tel-Awiw, Ataroth oder Gedera Urig haben. Das zweite Moment, das in den Argumenten der englischen Presse zum Palästina-Problem durch Abwesenheit hervorsticht, ist das politische Interesse des Britischen Imperiums an seiner Position in Palästina. Es ist leicht verständlich, daß, da Palästina ja offiziell nicht englische Kronkolonie, sondern Mandatsland ist, es nicht ganz einfach für die Presse ist, an dieses delikate Problem zu rühren. Aber gerade deshalb ist ja von unserem Standpunkt aus dieses Stillschweigen so überaus bedenklich. Aus den verschiedensten Gründen geschicht durch die englische Presse eben nichts, um die öffentliche Meinung über den wahren Sachverhalt britischer Imperial-Interessen in Palästina aufzuklären. Die Stimmung, die so geschaffen wird, ist die, daß hier England auf Kosten der britischen Steuerzahler (was andauernd wiederholt wird, obwohl es nicht wahr ist) die Rolle des Polizisten im Orient übernommen hat, um irgendwelcher sentimentaler Deklaration willen, ohne daß wirkliche und ernste Interessen britischer Jmperialpolitik damit irgend etwas zu tun hätten. Wie jeder Leser englischer Zeitungen weiß, spielen hier die Korrespondenzen privater Personen, die Briese an die Redaktion, eine besonders große Rolle in der Erörterung aktueller politischer Probleme und in der öffentlichen Meinungs-Bildung. Die Vorgänge der letzten Woche in Palästina hckben auch eine große Anzahl solcher Briefe zur Folge gehabt, die beinahe in jeder Zeitung zu finden sind. In ihnen spiegelt sich die Stellung des Publikums verschiedener Klassen und Schichten zu unserem Problem. Versucht man diese Korrespondenz etwas näher zu analysieren, uwd sicht man dabei von den Äußerungen von prononciert jüdischer oder zionistischer Seite ab, so kann man vielleicht die folgenden wenigen Andeulungen über Ergebnisse einer derartigen Bettachtnng machen. Soweit die Briefschreöber ehemalige britische Beamte oder brttische Zeitnngskorrespondenten in Palästina sind, wie z. B. Major Ashbee in der „Times" vom 3. 9. oder der „Special-Correspondent formerly in che Near East"" in der „Times"" vom 26. 8„ sind ihre Aeußerungen meistens ausgesprochen oder verhüllt anti-jüdisch. In chren Briefen sind die Aeußevungen von „jung-zionistischer Arroganz"" und von der „in sich widerspruchsvollen Politik"", die England in Palästina auf sich genommen habe, zu finden. Das gleiche gilt von den Briefen, die aus Kreisen stammen, welche mit den Missionären in Palästina zu tun gehabt haben, wie z. B. der der Tochter des Bischofs Blyth von Jerusalem in der „Sunday Times"" vom 1. 9., die eine ganze Theorie über die religiöse Heiligkeit des Wakf verteidigt. Eine andere Gruppe von Briefschreibern, die scheinbar aus britischen Kolonialbeamten oder britischen Einwohnern, besonders in Aegypten und Indien besteht, betont vor allem die Gefahr eines Zurück weiche ns vor orientalischen Gewalttaten, die leicht von Palästina auf andere Gebiete übergreifen könne und bemüht sich auch, die Vorgänge in Palästina auf die angeblich schwächliche Haltung der Arbeiter-Regierung Aegypten gegenüber zurückzuführen. In den letzten Tagen mehren sich vor allem die Stimmen, die davor warnen, die Beamten der Palästina-Regieru ng unverdienterweise zu Sündenböcken zu machen und die danach streben, das Prestige der britischen Administration durch Hinweis auf die inneren Schwierigkeiten ihrer Aufgabe wieder etwas zu heben. Darüber .hinaus gibt es selbstverständlich eine bunte Mannigfaltigkeit von vulgären Argumenten gegen und von sentimentalen Argumenten für die Balfour-Deklaration. Auch hier muß man im allgemeinen sagen, daß, von jüdischen Stimmen abgesehen, die unfreundlichen Äußerungen wohl überwiegen, und daß Aeußerungen, die von wirklichem Verständnis für unsere Sache und für uitfcrc Leistungen zeugen, verhältnismäßig sehr spärlich sind. Die allgemeinen Schlüsse, die aus der Stellung der englischen Presse zu den Vorgängen in Palästina zu ziehen sind, liegen auf der Hand. Es scheint klar, daß im Prinzip in der britischen Palästina-Politik kaum eine Aenderung vor sich gehen wird, mehr aus einem traditionellen Festhalten mtb aus einem Unwillen vor Zurückweichen als aus einer positiven Einstellung zu dieser Politik. Es ist ebenso klar, daß die öffentliche Meinung in England über unsere Aufgaben und Leistungen ebenso wie über die Interessen, die das Britische Imperium in Palästina zu verteidigen hat, noch in hohem Maße in Unwissenheit ist. Aktive Sympathie und Gleichgültigkeit halten sich deshalb kaum die Wage. Hier liegt für die Zukunft noch eine ungeheuer ernste Aufgabe zionistischer Aufklärungsarbeit."

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