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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-09-18 · 38 (18.9.1929) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
38 (18.9.1929)
Date
1929-09-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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* i Aus den Gemeinden Berlin. (Repräsentantenversammlung.) Die Berliner Jüdische Gemeinde hat in ihrer Sitzung vom 12. September zu den Vorkommnissen in Palästina die folgende Entschließung angenommen: „Die Jüdische Gemeinde zu Berlin beklagt aufs Schmerzlichste die Vorfälle im Heiligen Lande, besonders die Opfer an 'Gut und Blut, die mitten in ihrer friedlichen Aufbauarbeit die Juden in Erez Israel haben bringen müssen, Sic versichert die Judenheit Palästinas im Bewußtsein der Schicksalsgemeinschaft ihres tiefen Mitgefühls; sie wird nach besten Kräften zur Linderung der Not beitragen. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin erwartet, daß die für die entsetzlichen Ausbrüche Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen, für den vollen Ersatz der Schäden gesorgt und künftig (die Juden in allen ihren Rechten in Palästina geschützt werden. Jüdische Arbeit in Palästina kann nur in Eintracht zwischen Juden und Arabern durchgeführt werden. Wer immer mitzuarbeiten hat, die Jüdische Gemeinde ruft ihn aus, den Frieden unter den Wlkern in Palästina zu schaffen und zu sichern." In der anschließenden geschäftlichen Sitzung gedachte der Vorfitzende der zahlreichen Persönlichkeiten, die aus den Kreisen der Gemeinde während der Sommerferien verstorben sind. Ausführliche Nachrufe widmete er den verstorbenen früheren Vorstandsmitgliedern Leopold Badt und Professor Toby Cohn, sowie den liberalen Repräsentanten Stadtrat Max Herzberg und Professor Dr. Türk und gedachte in ehrenden Worten des soeben in Zürich verstorbenen Führers der amerikanischen Judenheit Louis Marshall. Eine große Anzahl von sachlichen Vorlagen fand hierauf Erledkgung. Besondere Beachtung verdient, daß der Jüdischen Reformgemeinde für die versuchsweise Abhaltung eines zweiten Gottesdienstes im Berliner Westen (im Logentempcl Klciststraße) für die Dauer eines Jahres eine Subvention von 20 000,— Mark bewilligt wurde. Für diese Vorlage stimmten in der Repräsentantenversammlung neben den Liberalen auch der Vorsitzende, Geheimrat Stern, während die Zionisten und Rabbiner Dr. Weiße dagegen stimmten. Fm Gemeindevorstand toar die Vorlage auch von zionistischer Seite mit beschlossen worden. In den Schulvorstand wurde von liberaler Seite Dr. Fleischer delegiert. Neu eingeführt als stellvertretender Repräsentant wurde infolge Nachrückens auf der liberalen Liste Direktor Hugo Rosenberg. Berlin. (Leistung eines taub st ummen Studenten.) Der taubstumme Student W. Zeitlin, welcher durch die Israelitische Taubstu nnnenAnstalt zu Berlin-Weißensee so gefördert wurde, daß er im September 1925 das Abiturienten Examen als erster Taubstummer ablegen konnte, hat vor drei Monaten seine Diplom-Vorprüfung an der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlotten bürg mit „Gut" bestanden. Berlin. (Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen Deutschlands.) Wir werden um Veröffentlichung nachstehender Zeilen gebeten: Der Verein zur F.ördcrung der Interessen der israelitischen Taubstummen Deutschlands E. B., Hauptsitz Berlin, gegründet am 18. März 1896, möchte hierdurch die geehrten Leser dieses Blattes freundlichst darauf aufmerksam machen, daß in Berlin der obengenannte Verein existiert, der die Interessen und Rechte der jüdischen Taubstummen schützt und vertritt. Es gibt leider noch sehr viele Taubstumme oder deren Angehörige, die von der Existenz unseres Vereins noch keine Ahnung haben und in dringenden Fällen ratlos dasteheu, weshalb wir uns einmal an die geehrten Leser dieses Blattes wenden, um sie auf unseren Verein aufmerksam zu machen. Wer einen 'jüdischen Taubstummen in feinem Familien- oder Bekanntenkreise weiß, der sorge dafür, daß der Taubstumme sofort Mtiglied unseres Vereins werde (oder teile die Adresse dem Vorsitzenden, Herrn Erwin Kaiser, Berlin NO. 55, Zelterstraße 9) mit. Im eigenen Interesse eines jeden taubstummen Glaubensgenossen liegt eS, dem Verein als Mitglied anzugehören und auf diese Weise für seine Zukunft zu sorgen. Denn es weiß niemand, was ihm auf seine alten Tage oder in seiner Krankheit beschieden ist. Es ist auch dringend notwendig, daß sich sämtliche jüdische Taubstummen in Deutschland zusammenschließen, um ihre Rechte und Forderungen, die ihnen heute noch vorenthalten lverden, mit Erfolg durchzusetzen. Borke« i. W. (Neuer Rabbiner.) Die Stelle eines vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden eingesetzten Bezirksrabbiners mit dem Sitz in Borken ist dem Rabbiner Dr. Max Köhler, bisher akademischer Rcligionslehrcr in Frankfurt a. M., übertragen worden. Der Amtsantritt soll am 1. Januar 1930 erfolgen. Dresden. (M endelssohn-Medaille.) Aus Anlaß von Moses Mendelssohns 200. Geburtstag hat Fritz Hörnlein (Dresden) eine Mendelssohn-Medaille entworfen und in Stahl geschnitten, die jetzt in Fcinsilber hergestellt und in der Staatlichen sächsischen Münz« geprägt worden ist. Frankfurt a. M. (Einweihung des neuen jüdischen' Friedhofs.) Am Sonntag, den 8. September, wurde der neue Friedhof der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. feierlichst eingcweiht. Ettva 400 Personen hatten sich auf Einladung des Gemcindcvorstandes zu dem Festakt eingefunden. Als Vertreter des Magistrats erschienen Stadtbaurat May und Prof. Elsässer, cs erschienen Vertreter des Regierungspräsidenten in Wiesbaden, der Evangelischen Stadtsynodc, der Israelitischen Gemeinden in Mannheim, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Friedberg, Büdingen u. a. m., ferner die Vorstärrde der Frankfurter Synagogen, der israelitischen Gemeindeverlvaltung, des Krankenhauses, Philantropien u. a. m. — Am Eingang zur Trauerhalle dankte der Bauleiter Regicruugsbaumeister Fritz Nathan allen seinen Mitarbeitern, allen Mitgliedern der großen Gemeinde und übergab den Schlüssel an den Vorsitzenden der Bautommission. Herr Arthur Forchheimer übernahm den Schlüssel für die Baukommission und schilderte die Schwierigkeiten, die seit dem Jahre 1912, als das Projekt für den neuen Friedhof zum ersten Male auflauchtc, entstanden waren. Die heutige Gesamtanlage _ ist das Werk anderthalbjähriger Bauzeit, das Bccrdigungsfeld ist seit zwei Monaten in Betrieb. Er übergab den Schlüssel und die gesamten Anlagen dem Vorsitzenden des Gcmcindevorstandcs, Justizrat Dr. Blau. Justizrat Dr. Blau feierte die Einweihung als ein bedeutungsvolles Ereignis für die israelitische Gemeinde Frankfurt a. M. Genau vor hundert Jahren sei der Friedhof in der Rat Beilstraße feiner Bestimmung übergeben worden. Eindrucksvoll rief der Redner die Ereignisse dieser alten Judcngasse ins Gedächtnis und erinnerte an die schwere Zeit der Verfolgungen und Unterdrückungen. Dann öffneten sich die Pforten, die Traucrhalle füllt sich. Ein Männerchor stimmt an, andächtig, bewegt, „Heilig, heilig"! Und nun tritt der Gemcindcrabbiner Dr. C. Seligmann zum Altar. In seiner Weiheredc lenkte er die Blicke zu dem Heiligtum der neuen Grabstätte und würdigte die alten heiligen Stätten der Vergangenheit. Gemeindcrabbiner Dr. I. Hoffmann wies darauf hin, daß der jüdische Friedhof aus eine 4000 jährige Tradition zurückblicken könne. Er mahnte zu einem Leben der Pflichterfüllung, das den Weg in «ine reinere Welt, in die der Ewigkeit bahne. Mit einem Chorgesang (Psalm 16, 8—9) endete die würdige, eindrucksvolle Feier. (Jta.) föltftlt. (S ynag oge n - Iu b i l ä u m.) Die hiesige Gemeinde konnte kürzlich das fünfzigjährige Jubiläum ihrer Synagoge feiern. Zu dem Festgottesdienst, der in der geschmackvoll renovierten Synagoge stattfand, waren Vertreter der Behörden erschienen. Lehrer Baum hielt die Festansprache und führte den liturgischen Teil der Feier aus. Am Nachmittag und Abend fanden gemütliche Bcranstalrungen statt; auch die nichtjüdische Bevölkerung hatte durch Schmücken der Häuser ihre Teilnahme an der Feier bekundet. Halle. (Todesfall.) Die zweite Vorsitzende des Israelitischen Frauenveceins, Frau Rosi Mendel, ist nach langem Leiden gestorben. Bei der unter starker Beteiligung aller Kreise erfolgten Beisetzung würdigte Rabbiner Dr. Kahlberg die Verdienste der Verstorbenen. Hamdurg. (Neues Heim für jüdische Mädchen und Frauen.) Nachdem nach jahrelangem Suchen ein glücklicher Zufall dem Verein ,Leim für jüdische Mädchen und Frauen" Gelegenheit gegeben hatte, eine neue, zeitgemäßen Anforderungen an helle, gesunde Räume entsprechende Stätte für sein veraltetes Heim einzutauschen, wurde vor kurzem das neue Heim an der Ecke Hochallee und Jnnozentiastraße bezogen. In bester Lage, luftig und hell und in all seinen Zimmern, die für ein, zwei und drei Insassinnen berechnet sind, geschmackvoll, in moderner Farbenwahl und praktischer Möblierung gehalten, erfüllt das Haus durchaus seinen Zweck. Die wirtschaftliche Leitung und die Betreuung der Bewohnerinnen, die fast ausnahmslos erwerbstätigen Kreisen angehören, wurde einer erprobten Kraft übertragen, die im Sinne sozialer Richtlinien ihr Amt ausübt. Auch die Mittel zur Neueinrichtung wurden ohne irgendwelche Wohltätigkcitsveranstaltung vom Vorstand und Gönnern gespendet. So trägt auch dies neue Heim sein Teil zur Linderung der Wohnungsnot alleinstehender Frauen bei. Köl«. (5 0. Geburtstag von Gemeindcrabbiner D r. Kober.) Gemeinderabbiner Dr. Kober beging in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich sowohl als Seelsorger als auch als jüdischer Historiker größter Wertschätzung. Noch in aller Erinnerung sind die wohlgelungenen Sonderausstellungcn, die Dr. Kober anläßlich der Rheinischen Jahrtausendfeier und der Press» schuf. — Am Sonntag vor 8 Tagen sprach Dr. Kober im Wefweutschen Rundfunk über Moses Mendelssohn. Köln. (Einweihung des jüdischen Jugendheims.) Die Verwaltung der Kölner Synagogengemeinde hat vor einigen Monaten ein altes Patrizierhaus am Mauritziussteinweg erworben und es als Jugendheim Herrichten lassen. Rach zweckentsprechendem Innenausbau durch den bekannten Kölner Architekten B. D. A. Robert S t e r wurde das von hochherzigen Spendern aufs schönste ausgestattete Heim der jüdischen Jugend übergeben. Am vergangenen Sonntag fand ein Weiheakt statt, zu dem die Gemeindeverwaltung eingeladen hatte. Der Vorstandsvorsitzende Emil Blumenau begrüßte die in großer Zahl erschienenen Gäste, unter ihnen auch die Vertreter der Regierung, der Stadt und der Loge. Er dankte allen, die das Werk haben schaffen und fördern helfen und gab dem Heim gute Wünsche mit auf den Weg. Es sprachen dann noch Gemeinderabbiner Dr. Kober, Sektionschef Graf von der Regierung, Stadtsyndikus Nieberling für den Oberbürgermeister und Studienrat Wolfs für die jüdische Jugend. Einleitung und Ausklang der Feierstunde bildete der meisterliche Gesairg des Oberkantors Fleischmann mit der gewohnt feinsinnigen Begleitung des Organisten Kreuz von der Synagoge Roonstraße. Das Heim bietet sämtlichen jüdischen Jugendvereinen Kölns je einen behaglich auSgestattelcn Klubraum, ein Lese- und ein Spielzimmer sowie den großen Vortragssaal. Ein Garten mit altem Baumbestan-d und mit Rasenflächen lädt zum Ergehen ein und läßt leicht vergessen, daß das Haus inmitten des brandenden Verkehrs der Altstadt liegt. Es dürste in Deutschland kaum eine Gemeinde geben, die über ein solch großzügig und zweckmäßig eingerichtetes Jugendheim vcrsügl. Leipzig. (8 0. Geburtstag.) Am 10. d. Mts. begeht in voller körperlicher und geistiger Frische Frau Anna Nelke ihren 80. Geburtstag. In weiten Kreisen sind ihre Verdienste um das Wohltätigkeitswesen unserer Gemeinde bekannt. Als Mitbegründerin des israelitischen Wohltätigkeitsvereins zu Leipzig gehört sie noch heute dessen Vorstand an, und in unermüdlicher Tätigkeit wirkt sie noch immer im Altersheim und in der Speiseanstalt des genannten Vereins. Auch dem Kinderhort und dem Kindererholungsheim Dürrenberg widmete sie stets ihre Liebe und ihr besonderes Interesse. Leipzig. (Endgültige Unterrichtsbefreiung in Sachsen am Sabbat durch Schomre Schabbos erwirk t.) Das Sächsische Untcrrichtsmiuisterium übersandte dem Leipziger Rabbiner Dr. Carlebach die folgende endgültige Verfügung« die es auf dessen Vorstellung hin erlassen hat. Die Verordnung lautet: „Die früheren Gesetze über den Schulbesuch an staatlich nicht anerkannten Feiertagen werden hinsichtlich der Israeliten unter Anpassung an die Regelung in anderen deutschen Ländern aufgehoben." Nach den nun geltenden Bestimmungen werden die jüdischen Kinder auf Antrag vom Schulbesuch an Sonnabenden und Feiertagen gänzlich befreit. Ebenso find sie, auf Wunsch, vom Schreiben, Zeichnen und Handarbeiten zu dispensieren. Der Minister ersuchte Dr. Carlebach in seinem Begleitschreiben, den Wortlaut der Verfügung dem Schomre-Schabbos-Berband, welcher in Gemeinschaft mit Dr. Carlebach petitionierte, mitzuteileu. Mit dieser Regelung hat ein vieljähriger Streit zwischen den sächsischen jüdischen Gemeinden und der sächsischen Regierung seine Beilegung gefundcu. Gemäß einer Verordnung des einstigen sächsischen Ministerpräsidenten Fleißncr wurden jüdische Eltern in Sachsen, die ihre Kinder an Sabbat- und jüdischen Feiertagen nicht in die Schule schickten, bestraft. Sogar die hohen jüdischen Feiertage waren nicht ausgenommen. Auch der Leipziger Gemeinderabbiner, Herr Dr. Felix Goldmann, wurde mit einer hohen Geldstrafe belegt, 1 weil er seinen Sohn an Sonnabenden nicht in die Schule schickte, mir der Begründung, daß er den jüdischen Gottesdiensten in der Synagoge beiwohnen müsse. Dr. Goldmann führte eine Gerichtsentscheidung herbei, die aber das administrative Urteil bestätigte. Durch die neue Verordnung der sächsischen Regierung ist nun diese Angelegenheit, die für die sächsische Judenheit so unerfreuliche Konsequenzen hatte, aus der Welt geschaffen worden. Mönchen. (P e r s ö n! i ch e s.) Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer wurde, wie wir erfahren, zum Rat am Obersten Landesgericht ernannt. Wir gratulieren ihm herzlich zu dieser Beförderung und freuen uns, daß dem verdienten Manne, der sein Wirken seit Jahren der jüdischen Gemeinschaft widmet, für seine richterliche Tätigkeit diese besondere Anerkennung der Behörden zuteit geworden ist. Ratrbor. (Todesfall.) Am 11. September verschied nach schwerer langer Krankheit Herr Rechtsanwalt Gustav Steiner. Die Ortsgruppe verliert in dem Heimgegangenen einen treuen Anhänger und aufrechten deutschen Juden, der sich stets für unsere Bestrebungen mit allen Kräften eingesetzt hat. Soest. (Erbschaft.) Der aus Soest stammende, der jüdischen Religion angehörende Kaufmann Ursel lebte in Stockholm in begüterten Verhältnissen und hinterließ, als er vor dreißig Jahren starb, seiner Tochter ein ansehnliches Vermögen zur Nutznießung und mit der Bestimmung, es nach ihrem Tode der Bestimmung des Vaters gemäß zu vererben. Jetzt ist auch die Tochter gestorben und hat ein Vermögen von rund 550 000 RM. hinterlassen. Davon erhält jetzt das städtische Krankenhaus in Soest 90 000 RM., die Synagogengemeinde in Soest ebenfalls 90 000 RM. Ein weiteres Drittel des Vermögens wird dem jüdischen Waisenhanse in Paderborn zufallen. , Windshcim. (5 0 jühriges A :ntsjnbiläu m.) Am Samstag, 7. September, waren 50 Jahr« verflossen, seitdem Herr Lehrer Strauß in der Israelitischen Kultusgemeinde Windsheim sein Amt angetretcn hat:e. Dieser Tag gestaltete sich daher zu einem einzigartigen Feste, an dem die Gemeinde, die Stadt, weite Kreise der Bürgerschaft und zahlreiche Behörden innigen Anteil nahmen. Bereits am Freitag, 6. September, überreichte der Gemeindevorstand Herr Leopold Waldmann dem Jubilar mit einer Ansprache eine Ehrenurkunde der Gemeinde und ließ ein Geschenk in ihrem Namen überreichen, die Stadtverwaltung sandte ebenfalls ein ehrenvolles Schreiben ttnb widmete eine prachtvolle Gabe. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden sandte ein herzliches Glückwunschschreiben und ein herrliches Geschenk. Am Sabbat fand in der festlich geschmückten Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt. Die Festpredigt hielt Tistriktsrabbiner Dr. S. Behrens, Fürth, der das Wirken deS Jubilars auf den mannigfaltigen Gebieten seiner Tätigkeit eingehend würdigte. Schriftliche Wünsche sandten noch der Bayerische Israelitische Lehrcovevein, die Nacharkollegen, der Borstand des Bezirksamtes, der Regie- ' rungs-Schulrat und das Evangelische Pfarramt. Der Abend vereinigte die Gemeinde zu einer Feier. Dem Jubilar wurde der Chowcr- Titel verliehen. Sprechsaal ft* diese Rubrik übernimmt die Schristlettung lediglich die «leklübe verantwurüma. Schafft jüdische Zugend- und Gemeindeheime Oppeln, den 5. Juli 1929. An die Jüdisch-liberale Zeitung Berllin. Erwiderung au CiNi Marr-Köln. Ihrem Artikel: Schafft jüdische Jugend- und Gemeindeheime beklagen Sie sich, daß es in jüdischen Gemeinden zu schlechte, oder überhaupt keine Jugendheime grbt. Sie halten es für eine Notlvendig^ keit, daß solche Heime in Deutschland gegründet und unterhalten werden. „Ein dagegen läßt sich nicht finden" schreiben Sie. Vielleicht doch! Ich stimme der Schaffung der jüdischen Jugendheime nichr völlig bei. Sogar nur in einem Punkte. Nämlich dem, daß diese in der Großstadt für ärmere und bedürftigere junge Leute, die ein mangelndes Zuhause und keine Erholung haben, zum großen Teil notwendig sein werden. Aber keineswegs dürfen sie eine Stätte sein, in denen jüdische Atmosphäre geschaffen wird, das jüdische Milien hervorgeht, das Erleben jüdischer Feier gespürt wird. Dieses kann einzig und allein nur in den jüdischen Familien geschehen. Das Judentum baut sich ja nur auf dieses Familienleben auf. Nicht jüdische Jugendheime müssen geschaffen werden, sondern die jüdische Jugend muß (durch die jüdischen Jugendvereine herangezogen) immer wieder versuchen, in ihrer eigenen Familie dieses Familienleben herbeizuführen. Curl Kassel. - ★ Aus der Bewegung Z ★:: Streng vertraulich — bitte wetterfagen! Ein Dialog, der wirklich ftaltgefimderr hat. G.: Wie ist es denn mit einer Ortsgruppe in Ihrer Gemeinde, Herr Doktor? Dr. T.: Wir leben mit den andern Parteien in absolutem Frieden und wollen keinen Krach in unserer Gemeinde. G. : Schätzen Sie denn mich persönlich und auch unsere Vereinigung so ein, daß wir Ihnen Unfrieden in die Gemeinde bringen wollen? Dr. Nein, das nicht, aber die Andern fassen das so auf, und sowie wir uns rühren, gründen sie etwas ldagegen. Pause. G.: Sagen Sie, Herr Doktor, das wäre doch im Großen daun dasselbe? Dr. Was meinen Sie? Ich verstehe Sie nicht! G.: Ich meine, daß Sie, wenn ich mich recht erinnere, 1908 zu den Mitbegründern der Vereinigung für das liberale Judentum gehörten. Warum haben Sie die Vereinigung gegründet, wenn solche Gründung Krach hervorruft? Dr. L.: Das ist doch klar — wir müssen doch eine große repräsentative Zentralorgauisation des Liberalismus in Deutschland haben. G.: Ja, das müssen wir. Dr. X.: Na also! G.: Ja> aber wollen Sie mir sagen, wie diese Organisation „groß", „repräsentativ" und „zentral" sein soll« wenn sie keine Ortsgruppen hat?! Pause. Dr. de.: Sie haben Recht. Schreiben Sie mir, wann Sie kommen wollen. Die Ortsgruppe wird gegründet. G.: Und wenn es nun — ich werde meinen Vortrag nicht darauf anlegen, und auch der neue Ortsgruppenvorstand seine Tätigkeit nicht — aber wenn es nun Krach gibt? Dr. de.: Sei's darum, aber es wird nicht. Der Liberalismus hat ein Anrecht darauf, zu leben und auch sichtbar zu leben. G.: Bereiten Sie also alles vor; ich stehe zur Verfügung, sobald Sie mich rufen. Dr. de.: Ich danke Ihnen. —tz. Vereinsnachrichten Die Beratungsstelle für Ellern, Erzieher und Jugendliche hält ihre Sprechstunde wieder regelmäßig am Mittwoch von 10—11 Uhr Münchener Straße 37 ab. Beginn der Sprechstunde Mittwoch, den 18. September. Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes. Die Schule der Jüdischen Jugend hat gleich nach Beendigung der großen Ferien, am 15. August, ihre Tätigkeit wieder ausgenommen, und zlvar zunächst mit Hebräisch Kursen. Es lausen seit dem 15. August die folgenden Hcbräisch-Kurse (denen nach Rücksprache mit deren Leitern, bezw. Dr. Spitzer — Sprechstunden siche unten — noch die Möglichkeit beizutreten besteht): 1. Anfängerkurse (als Fortsetzungen der Ansänger-Kurfe vom letzten Trimester): Dr. Carl Frankenstein: Bibelleklüre (Lesen und Schreiben vorausgesetzt), Montags 6—8 Uhr. Walter Mecklenburg: Bibel, Dienstag 6— 8 Uhr. Dr. Moritz Spitzer: Fortsetzung von Pirkej Awoth, später Bibel, Mittwochs 5^—71/2 Uhr. 2. Mittelkurse: Josef Horowitz: Biblischer Text, Dienstags 61/2—8, Freitags 4—6/4 Uhr. Dr. Ellen Littmann: Texte zur Geschichte des Königtums, Donnerstags 8/4—IO//4 Uhr. Walter Mecklenburg: Das Buch Ruth, Ueberlieferung zu unvokalisierter Lektüre, Donnerstags 8—10 Uhr. Walter Mecklenburg: Anfänge der Meuschheitsgeschichte in der Bibel mit den Aggadoth nach Bialik-Rawnitzki, Dienstags 8—10 Uhr. Dr. Moritz Spitzer: Bokalisicrter neuhebräischer Text, Montags 612—8 und Donnerstags 5/4—7 Uhr. 3. Kurse für weiter Fortgeschrittene: Walter Mecklenburg: Ächad Haam, unvokalisiert (Anthologie des Dwir-Berlages), Mittwochs 7—8/4 Uhr. Vom 15. September ab wird das Programm erweitert. Es kommen hinzu: Dr. Max Mayer: Kurs für Anfänger ohne Vorkenntnisse. Einführung in die Sprache an Hand hebräischer Sprichwörter. Mittwochs 8—10 Uhr. Beginn 18. September. Dr. Moritz Spitzer: Mosche bcn Maimon's „Sefer hammada" oder ein anderer schwieriger Text nach Verabredung. Dienstags 6—8H2, Donnerstags 4—5/4 Uhr. Beginn 12. September. Erwin Loewenson: Proben aus allen Gattungen des jüdischen Schrifttums (in deutscher Uebersetzung) zur ersten Fühlungnahme für Jüngere (14—18 jährig). Mittwochs 6—8 Uhr. Beginn 18. September. Dr. Joachim Prinz: Einführung in die jüdische Geschichte; von der Makkabäerzcit bis zum Ausgang des Mittelalters. Dienstags 8—10 Uhr. Beginn 17. September. Dr. Georg Lubinski: Sozialpädagogische Fragen aus der Praxis der Jugendbewegung, Jugendpflege und Jugendfürsorge. (Neue Versuche in der jüdischen Fürsorgetätigkeit.) Donnerstags 8—10 Uhr. Beginn 26. September. Alice Jacob-Loewenson: Lieder der yemenitischen Juden. Volkslieder, Kultmusik, Texte (Poesie) mit Chorübungcn. Montags 8—10 Uhr. Beginn 16. September. Weitere Kurse uud Arbeitsgemeinschaften aus den Gebieten: Jüdisches Schrifttum, Judentumskunde, Geschichte, Fragen der jüdischen Gesellschaft und Philosophie sind vorgesehen. Ihre Ankündigung wird nachgetragen, sobald Zeit und Thema endgültig feststehen. Sämtliche hier angeführten Kurse und Arbeitsgemeinschaften finden in dem Schulgebäude W. 3q, Lützowstraße 16, statt. Dr. Moritz Spitzer steht Montags, Dienstags, Donnerstags von 4/4 bis 6 Uhr zur Besprechung und Beantwortung von Anfragen zur Verfügung.

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