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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-09-18 · 38 (18.9.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
38 (18.9.1929)
Date
1929-09-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die jüdische Jugend für den Frieden! Im September »vird die Arbeit der Bünde des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands unter dem Thema „Die jüdische Jugend für den Frieden" durchgesührt. Eine Einführung und gründliche Beschäftigung der jüdischen Jugend mit den vielseitigen Problemen des Friedens soll durch diese Arbeit erreicht werden. Wir veröffentlichen nachstehend einen uns vom Verbände der jüdischen Jugendvereinc zugegangcnen Artikel in dem Wunsche, durch den Abdruck diese Arbeit des Verbandes zu unterstützen. Krieg bedeutet Ende jeder Kultur, Vernichtung jeder menschlichen Arbeit und Ende jeden Fortschrittes. Soll deshalb unser Wirken, aus welchem Gebiete auch immer noch Sinn haben, muß unser erstes Ziel, unsere wichtigste Aufgabe sein das Damoklesschwert des Krieges, der uns stets bedroht, in die Waffe geistiger Auseinandersetzung umzuschmieden, den Krieg als die ultima raiio der Völker zu überwinden. Erkenntnis von der überragenden Bedeutung dieser Aufgabe hat sich in den weitesten Kreisen Bahn geschaffetl. Der größte und beste Teil der Jugend hat seine Mission Vorkämpfer für Frieden und Völkerversöhnung zu werden erkannt. Auch die jüdische Jugend stellt sich geschlossen an die Seite der Kämpfer und marschiert in Reih und Glied. Was haben nun wir im Bund zu tun um unserem Willen praktische Auswirkung zu verleihen? Vor allem über eins tut Klarheit not: Friedenswille und Friedensarbeit ist eine ethische Angelegenheit! Hier gibt es keine Neutralität. Auch die, die in übergroßer Aengftlichkeit die Neutralität in Gefahr wähnen, wenn von Dingen politischer Art die Rede ist, mögen und müssen erkennen, daß es sich hier um ein ethisches Prinzip handelt, für das jeder eintreten muß, gleichviel wie er sonst auch eingestellt sein mag. Man kann über die Beeinflussung des Kindes in weltanschaulicher Beziehung noch so ablehnend denken, pädagogische Einwirkung im Sinne einer Erziehung, die Völkerverständigung und nicht .Haß zum Gegenstand ihrer Lehre hat, muß schon beim Kinde einsetzen. Sie muß - sinngemäß auf die im Bunde erfaßte Jugend übertragen schon Aufgabe der Junggruppen fein und bis in die älteren Kreise der Bünde fortgesetzt werden. Glühende Liebe für Frieden und erbitterter Haß gegen Krieg sind die Leitmotive einer solchen Erziehung. ES gibt in dieser Frage kein Kompromiß, nicht die geringste Konzession an irgendwelche ideologische Erwägungen. Dem Gedanken von der Heiligkeit des Lebens läßt sich nichts abhandeln, die Lehre von der doppelten Moral, die unterscheidet zwischen dem Mord als Verbrechen, der Strafe, und dem legalisierten Mord, der Auszeichnung verdient, darf nicht Raum haben in unseren Reihen. Kein Entweder-Oder, kein Einerseits Andererseits ist hier möglich, klar liegt der Weg vor uns, den wir zu gehen haben. Krieg dem Kriege heißt konsequente Ablehnung und Bekämpfung all dessen, worin er seine Ursachen hat. Wir sehen somit, daß es also nicht nur gilt, sich mit speziell pazifistischen Themen zu beschäftigen, sondern daß sich unsere Aufgabe universell erweitert. Erarbeiten ökonomischer und soziologischer ebenso wie psychologischer und historischer Kenntnisse und Erkenntnisse ist nötig, um Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen und richtige Folgerungen zu ziehen. Nirgends hat die Lehre von der individualistischen Weltanschauung größeres Unheil angerichtet als in den Gedanken über die Beziehungen des Individuums zum Kriege. Durch die Betrachtungsweise der Welt nur in Relation zu feinem eigenen Ich ist den meisten Menschen der Sinn der Kollektiverscheinung abhanden gekommen oder völlig verwirrt worden. Man krage nur irgend einen Menschen über seine Stellung zum Kriege und er wird, sofern er kein hartgesottener Revanchefanatiker oder eine Landsknechtnatur ist, für seine Person den Krieg ablehnen, aber bemerken, daß das seine Ansicht sei, die natürlich gar nicht in die Waagschale falle. In seinem Geiste spielen „die anderen", der „Feind", eine Rolle, die der seinen diametral ist. Er will Frieden, aber „die anderen" wollen den Krieg und so müsse man sich eben damit abfinden. Kein Schimmer von Erkenntnis, daß ja die „anderen" auch aus Individuen bestehen, von denen jeder für sich ebenfalls den Krieg ablehnt. Individualist, der er ist, sieht er nicht über sich selbst hinaus, nicht den Menschen neben sich, der auch so denkt wie er und zu dem er keine gedankliche Verbindung Herstellen kann. Hinzu kommt noch, daß er nicht kollektivistisch denken kann, nicht ahnt, was eine Masse, ein Kollektivum, bestehend aus gleichgesinnten Individuen, vermag. So ergibt sich ans dieser Denkweise die furchtbare Indifferenz des Einzelmenschen bei einer Frage, bei welcher es sich um nichts Geringeres als um Entscheidung über Leben und Tod, für Kultur oder Barbarei handelt. Wir müssen lernen, die Macht menschlicher Solidarität zu erkennen. Wohl fast jedes Gebiet unseres Kulturkreises ist zwar in feiner Entwicklung durch einzelne große Männer, Ausnahmemenschen und Genies, entscheidend beeinflußt und vorwärtsgebracht worden, doch ein Gebiet macht davon eine Ausnahme. Wissenschaft, sei es etwa Medizin oder Technik, verdankt oft einem Einzelnen eine entscheidende Entwicklung, auch die Landkarte wird durch die eiserne Faust eines Revolutionärs oder Diktators gestaltet, doch die Gesellschaft, die Gemeinschaft kann sich ihre Entwicklung nur selbst, nur gemeinsam vorschreiben. Die Soziologie macht also eine Ausnahme von allen anderen Gebieten. Die Beziehungen der Menschen zueinander werden nur durch sie selbst geregelt, in der Hand aller liegt das Schicksal der Gemeinschaft, nur die Gesamtheit der Menschen kann die Gemeinschaft schaffen oder - vernichten. Nur der gemeinsame Wille der Völker wird den Krieg als Instrument für die Bereinigung gegenseitiger Differenzen unmöglich machen und ausschalten. Voraussetzung hierfür ist, daß der Einzelmensch für diese Erkenntnis vorbereitet und geschult wird. Unsere Aufgabe ist klar: Wir müssen den Gedanken von der Wirksamkeit menschlicher Solidarität in die Köpfe hämmern, wir müssen zeigen, was der Krieg ist und was ihn bedingt. Allein sind wir Schlachtopfer, das willenlos zum Tode geführt wird, gemeinsam eine Macht, die die Pläne der Kriegshetzer zu Falle bringt. Jeder von uns trägt die Entscheidung über Leben und Tod in seiner Toga. Jeder von uns hat die Verantwortung der Wahl, ein Kain, ein Mörder seines Menschenbrnders zu werden oder ein Friedensbringer, ein Erlöser der Menschheit von der Geißel des Krieges, im tiefsten und schönsten Sinne auf den Einzelnen angewandt, ein Messias! Wir jungen Juden wollen dazu beitragen und mit Einsatz unserer ganzen Person dafür kämpfen, daß die Beziehungen der Menschen zueinander durch die Vernunft, durch Appell an den göttlichen Funken im Menschen und' nicht durch das Schwert, durch sinnlosen verbrecherischen Mord, geregelt werden. Max Schweisheimer, Chemnitz. (Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands.) 8 0 C H E R S C H A U ★ Pierre Benoit: Der Jakobsbrunnen (Agar die Tänrerin). Einen „zionistischen Roman“ nennt der Waschzettel dieses neue Werk des bekannten und vielgelesenen Verfassers der „I’Atlantide“. Allerdings war es in jenem früheren erfolgreichen Werk die Berührung mit den magischen Kräften der alten Atlantis, mit der Trägerin einer uraltmystischen Tradition, die den französischen Kolonialoffizieren zum Verhängnis wird, so tritt die entscheidende Wendung im Leben der Tänzerin Jessika, die eigentlich Hagar Moses heißt, ein, als ein Zufallsengagement sie ins Land ihrer Väter führt, die alten frommen Kindheitserinnerungen ihres Volkes in ihr zum Lehen erweckt und sie an einem neuen Pflichtbewußtsein, einer großen und heiligen Aufgabe zum neuen Menschen werden läßt. Was man über Palästina erfährt, über die Schwierigkeiten des Siedlungswerkes, die unendliche Mühe, die der steinige Boden bereitet, die Feindschaft der Araber, die Unzulänglichkeit des Menschenmateriais, die Unsicherheit der finanziellen und politischen Verhältnisse, das ist äußerst aufschlußreich und interessant. Es ist eigentlich nur nebenbei gesagt, soll den Heroismus der Pioniere bekunden, soll Opferfreudige werben, soll vielleicht auch den Kontrast dieses schweren Kolonistenlebens zu dem üppigen, verantwortungslosen Dasein der internationalen Lebewelt betonen, das die Heldin teilte. Dieses Dasein zieht Hagar wieder in seinen Bann, als sie in Vertretung ihres erkrankten Gatten beim Baron Rothschild in Paris Qeldhilfe holt für die in Not geratene Kolonie „Jakobsbrunnen“, die der armselige Zwerg mit der großen Seele, dem sie sich um des Werkes willen schenkte, verwaltet. Hier liegt wohl .die größte Unwahrscheinlichkeit des Romans, ein Zug, der den seinem Ideal treuen Zionisten bewegen müßte, Gott um Schutz vor diesem seinem Freunde zu bitten: Hagar wird durch eine alte Freundin aus Jener Zeit, als sie noch in Aegypten, Syrien und der Türkei von einem Konzertcafe zum andern, von einer Männerhand in die andere ging, lanciert und tritt, vier Tage nach der Abfahrt des Palästinadampfers schon in einer Revue auf. Aus Hagar ist wieder Jessika geworden. Sollen wir nun glauben, daß der alte Hang zu Prunk und Glanz, der schon das armselige Kind des Stambuier Ghettos zum Praehtkleid der Thora zog und STOUsWERO^ iDoh iSch m uckcnd y nahrhaft. vom Krönungsgewand der Esther träumen ließ, die Erinnerung an den Jakobsbrunncn und seine tätiger Hilfe so bedürftigen Menschen ausiöschte, daß so schnell die nedgew'onnene Bindung an ein hohes Ideal, eine freudig übernommene Pflicht zerriß — oder sollen wir wirklich annehmen, daß Jessika ihre reichen Freunde und Gönner nur aussaugt und schröpft, um der Kolonie mit dem Erlös ihres Körpers zu Hilfe zu kommen?! Wir möchten jedenfalls die erste Deutung annehmen, obgleich eine für unser Gefühl blasphemische Wendung für die zweite spricht: Die Tänzerin antwortet auf die wütende Aufforderung ihres jüdischen Freundes, ihm den Namen ihres Zuhälters zu nennen, dem sie die ihm entlockten Riesensummen gesandt habe: „Dein Gott, Elender, dein Gott!“ Schon die Gleichsetzung des Palästinakomitees mit Gott erscheint uns unerträglich. Und diese Art des Gottesdienstes erinnert doch allzu stark an den Kult der Astarte! Der Autor selbst hat das natürlich empfunden. Aber es bedarf doch eines gewissen Nachdenkens, mehr jedenfalls, als inan vom Durchschnittsleser eines Unterhaltungsromans erwarten darf, urn Hagars heimliche Rückkehr nach der Kolonie Jakobsbrunnen, die, wie sie erfährt, trotz ihrer reichen 'Geldsendungen nicht gedeiht, nicht gedeihen kann, weil es an Freude, an Vertrauen fehlt, seit sie ihren Mann, die Seele des Jakobsbruunens, verließ, als Ausdruck in LLIGE HD ÜCHER MODERNES ANTIQUARIAT RESTAUFLAGEN NEUAUFLAGEN Das lustige Saizer*&UCh. Heitere Lektüre und Vortragsatücke. Gesammelt, und herausgegeben von Marcel Salzer. Band 2, 3. 4 je ca. 250 Seiten. Halbleincnband. 490 Jeder Band früher 5,00..jetzt I Gute Romane gebunden (200 bis 300 Seiten), früh. 1,50-3,00, jed.Band jetzt Lehrbuch der Elektrotechnik. Herausgegeben von Karl Esselborn. Messkonde, Beleuchtung, Signalwesen usw. 2 Ganzleinenbände mit zusammen 1200 Setten, Aber TT50 1600 Bilder. Früher 44,00.jetzt # E. T. A. Holtmann, Sein Werk. 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Ganghofer, Die Martinsklause — Schloss Hubertus - Waldrausch — Der Ochsenkrieg. Hamsun, Das letzte Kapitel. Keller, Der grüne Heinrich. Klein, Wenn Frauen kämpfen. Lehne, Die drei schönen Bernhausens. Der französische Casanova. Mits farbigen Bildern von Paul Ramm. (Die Memoiren des Herzogs von Lanzun.) Leinenband. 349 S. 975 Früher 12,OQ.jetzt G. Keller, Der grüne Heinrich. Illustrierte Prachtausgabe. 4 Teile in 2 starken eleganten Leinenbänden, mit Steinzeicbnungen von 050 Otto H. Engel. 854 S. Früher 35,00, jetzt O PortO BellO Gold. Ein Abenteurerroman von Arth. H. Smi th. 1925. Das spannendste moderne Seefahrer buch. 472 S. Eleganter 4 65 Leinenband. Früher 6,50.jetzt I Carl Sternhelm. Gauguin und van Gogh. Erzählung. 1924. 2. Druck der Offleina Fabri. Einmalige Vorzugsausgabe von 150Exem- 4C00 plaren. Halbpergamentband.V Daudet, Die Abenteuer des Herrn Tartar in aus Tarascon. Neu übersetzt von K1 a b u n d. Mit vielen Bildern von George Grosz. 164 Seiten. Leinen- A45 band. 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