Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 38 (18.9.1929)
- Date
- 1929-09-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2614000-2614038--3287-2620859- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
, Louis Marshall, der Führer der amerikanischen Juden mü) Präsident des Council der Jewish Agency, ist am Mittwoch, den 11. September, in Zürich, wo er in den letzten Woche zweimal operiert wurde, sanft verschieden. Die Familie Louis Marshalls hat beschlossen, die sterblichen Reste von Louis Marshall zur Bestattung in New Port mit sich über das große Meer zu führen. Louis Marshall wurde am 14. Dezember 1856 in Syracuse in den Vereinigten Staaten geboren. Er wurde einer der angesehensten Juristen auf dem Gebiete des amerikanischen Verfassungsrechts und fungierte als Rechtskonsulent der Bundesregierung in ihren Prozessen gegen die Truste. In dieser Tätigkeit wurde er eine der populärsten Figuren in den Vereinigten Staaten. 1890, 1894 und 1915 war er Mitglied der gesetzgebeirden Versammlungen des Staates New Jork und der erste Jude, der dreimal in diese Körperschaft gewählt wurde. Gouverneur Hughes ernannte Ü)u zum Vorsitzenden der Einwanderungskommission des Staates New Uork. Er war auch Mitglied des Kuratoriums der Universität in Syracuse, Präsident der staatlichen Forsthochschule in New Aork und Vorsitzender des Komitees der Anwaltskammern zur Verbesserung der Gesetze. Seine überragende Bedeutung gewann Marshall durch seine sehr große und sehr mannigfaltige Wirksamkeit im jüdischen öffentlichen Leben. Im Jahre 1906 gründete er das American Jewish Committee, das er bis zu seinem Tode geleitet hat. Als Präsident dieser Komitees trat er überall auf den Plan, wo Ehre, Recht und Interessen der Juden angetastet wurden. Er war es auch, der die Annahme der Resolution über die Kündigung des amerikanischrussischen Handelsvertrages von 1832 durch den Kongreß der Vereinigten Staaten durchsetzte und es erwirkte, daß dieser Kündigung der Charakter eines Protestes des amerikanischen Volkes gegen die grausame Judenpolitik der Zarenregierung verliehen worden war. Louis Marshall war Präsident des Tempelh Emanuel in New Aork, also seiner religiösen Richtung nach Reformjude. Als Präsident des American Jewish Committee nahm er auch an der Leitung des American Joint Distribution Committee teil. Er war Präsident des American Jewish Relief Committee. 1919 war er Delegierter der amerikanischen Juden bei der Pariser Friedenskonferenz und wurde von dem Comite des Delegations Juives zu einem ihrer Präsidenten gewählt. Marshall hat die Forderung nach Anerkennung Palästinas als nationale Heimstätte für das jüdische Volk unterstützt und zur Annahme dieser Forderung persönlich viel beigetragen. Marshall war Präsident oder leitendes Mitglied zahlreicher bedeutender religiöser, kultureller und sozialer Organisationen und Institutionen der Judenheit der Vereinigten Staaten. Im Jahre 1924 berief Marshall nach New Dort eine Konferenz von Delegierten der amerikanischen Judenheit ein, die er leitete und die die Teilnahme an der Jewish Agency beschloß. Die „Marshall-Gruppe" wurde der wichtigste Partner der Zionisten bei der Erweiterung der Jewish Agency. Als der Council der Jewish Agency am 11. August in Zürich zu seiner konstituierenden Tagung zusammentrat, wurde er zum Präsidenten der Tagung und dann zum Präsidenten des Council gewählt. Die Propheten in der christlichen Schule Der Kölner protestantische Pfarrer D. Rad ecke veröffentlicht in der Septemberausgabe der weitverbreiteten „Pädagogischen Warte" (Verlag A. W. Zickfeldt-Osterwieck a. Harz) eineu Aufsatz mit der Ueberschrist: „Wie bringen wir der deutschen Jugend die israelitischen Propheten nahe?" Seine trefflichen Darlegungen über die Größe und Bedeutung der Propheten, der Bibel und der „alttestamentlichen Religion" überhaupt erheben sich weit über die aus blinde wütigem Haß geborenen Beurteilungen, die seit Jahren ver- Eröffnung der Mendelssohn- Ausstellung in der Staalsbibliolhek Am Montag, den 16. September, mittags um 12 Uhr, wurde in der Preußischen Staatsbibliothek die von dieser in Verbildung mit der Jüdischen Gemeinde Berlin veranstaltete Moses Mendelssohn-Ausstellung eröffnet. Zu Beginn der Feier begrüßte Generaldirektor Dr. Krüß namens der Preußischen Staatsbibliothek die Erschienen. Hierauf sprach im Aufträge des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde der Vorsitzende der Bibliothekskommission, Dr. Sandler, Worte der Begrüßung ulld des Dankes an die Männer, deren Mitarbeit das Zustandekommen der Ausstellung zu verdanken sei. Professor Dr. Jsckrar Elbogen hielt den eigentlichen Festvortrag, in welchem er Moses Mendelssohn als den Träger des Toleranzgedankens feierte. Nach Schluß der offiziellen Feier fand eine Besichtigung der ausgestellten Objekte statt. Unter den Anwesenden bemerkte man den Reichsinnenminister Severing, Kultusminister Dr. Becker, Franz von Mendelssohn, Vertreter der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, hervorragende Persönlichkeiten aus dem Reiche von Kunst und Wissenschaft und verschiedene andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. (Ueber die Ausstellung selbst werden wir noch in der nächsten Woche berichten.) Jüdische Künstler in der Ausstellung «Deutsche Holzschnitte der letzten 10 Jahre" Die „Galerie Junge Kunst", Dresden-A., Lüttichaustraße 21, bringt unter der Leitung von Joses Sande! als zweite Ausstellung „Deutsche Holzschnitte der letzten 10 Jahre". Eine sehr originelle Idee, die feine, unauffällige Kunst des Holzschnittes in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stellen. Die Fülle hochklassiger Namen wie M a s e r e e l, K o l l w i tz, N o l d e, Barlach, Fel ix müller u. a. zeugt für die Reichhaltigkeit und das hohe Niveau der Ausstellung. Die größte Ueberraschuna dieser Holzschnittschau bieten zweifellos drei jüdische Künstler: M o i s s e y K o g a n (als Gast aus Paris), ♦ . i: * | Versammlungskalender : * : Berlin. Jugendgemeinschaft der Jüdischen Reformgemeinde. Am 25 lember, abends 8 Uhr, findet im Mosse-Haus am Leipziger P ein Bortrag mit Lichtbildern von Herrn Dr. Singalowsky sta >as Thema: „Ghettodammerung". Licht und Tchaltrn am Wirt leben des osteuropäischen Judentums. . Seplatz 15 1 über chaftsii*j Gottesdienste : * : verttn-Rorden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, 20. September, abends 7.15 Ahr, Gottesdienst. Sonnabend, vormittags 10 Uhr. Predigten: Rabbiner Dr. Gottschalt-Franksurt a. M. BerliN'Mcheud. Liberale Synagoge Westend (Leistikowstraße 7, nahe ReichskanzlerplfljO. Freitag, 20. September, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonjli. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilievfchule Nikolsburger Platz). Freitag, 20. September, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarfenfky. Gottesdienste an den hohe» Feiertagen. Wilmersdorf, Atrium, Kaiserallee. Der Gottesdienst ist Ersatzgottesdienst.für die nicht vollendete Synagoge Prinzregentenstraste. Westend, Aula der Herderschule, Bayernallee 4. Kartenverkauf in der Geschäftsstelle Arthur Lehmann & Co., Kaiserdamm 38. Berlin. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraße 16. Sonntag, den 22. September, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Lehmann. Plätzevermietung für die hohen Feiertage täglich von 9—1 Uhr im Büro Johannisstratze 16. Mittwoch, den 25. September und 2. Oktober von 5—7 Uhr und Sonntag, den 29. September von 10—1 Uhr im Lvgenhanfe, Ioachimsthaler Sir. 13, siehe auch Inserat. suche::, das alte Testament aus dem Lehrplan der christlichen Schule zu verdrängen. Man merkt es dem Aufsatz an, daß der Autor sich liebevoll in das Studium der heiligen Schrift versenkt hat, und daß er bestrebt ist, Licht und Schatten gebrecht zu verteilen. Es mögen hier einige aufschlußreiche Stichproben folgen: Nach einer Betrachtung des Begriffes „Prophetie" spricht sich D. Radecke über Offenbarung so aus.: „So ist die Wertung der biblischen Propheten geradezu ein Maßstab für die mehr oder minder hohe Auffassung vom Wesen der Offenbarung, ja des Christentums und der Religion überhaupt." Bei einem Vergleich des Mosaismus mit andern Religionen heißt es: „Es ist eins der wertvollsten Ergebnisse der religionsgeschichtlichen Forschung, daß die alttestarnentliche Religion ihren Stoff zu nicht geringem Teile mit den heidnischen Religionen des Morgenlandes gemeinsam hat, daß aber der in ihr waltende Geist diesen Stoff in wunderbarer Weise zu veredeln gewußt hat." Ueber die Bedeutung des Mosaismus läßt sich D. Radecke so vernehmen: „Ohne jeden dogmatischen „Beweis" für die überragende Stellung der alttestamentlichen Religion wird man in den Kindern ein Gefühl dafür wecken können, daß Israel in der Menschheitsgeschichte doch noch mehr zu bedeuten hat als Babel und Aegypten, als Griechenland und Rom." Welches Maß geistiger Ausbeute aus der Behandlung der Propheten dem Verfasser vorschwebt, das sucht er an einer Betrachtung des Amos darzutun. In der sittlichen Empörung dieses gewaltigen Gottesmannes gegen das soziale Unrecht, die verfaulte Kultur und den äußerlichen Kultus „tritt die ethische Seite der prophetischen Religion und der soziale Berus ihrer'Träger leuch- Jacvb Steinhardt und Miron Sima. Kogan ist! unter ihnen unstreitig die stärkste Begabung. Er stammt aus Beßarabien. Alle seine Produkte atmen klassisches Formempfinden. Um die kleinste Nuance kämpft er mit unermüdlicher Geduld. Gelegentlich schneidet er etwas in Holz oder greift zu Nadel und Faden und stickt entzückende Bilder. Seine Plastiken packen durch Tiefe der Anschauung. Zwei graziöse Frauengestalren verbinden keusches Naturempsinden mit kultivierter Gestaltung. Kogan ist ein Alfred Mombert der bildenden Kunst: wie dieser Dichter dominiert er unter schaffenden Juden. Jacob Steinhardt, Berlin, leidet unter „Komplexen". Wohin er geht, trägt er „Galuth" mit sich. Seine Bilder, die jüdische Motive darstellen, wirken manierirt, vergleicht man sie mit seinen anderen Schöpfungen. Dennoch bewältigt Steinhardt wunderbar die Atmosphäre des Ghettos. Er ist berufen, die Sehnsucht der Diaspora-Menschen am ergreifendsten «klingen zu lassen. Unsere Zeit jedoch fordert neue Ziele. Miron Sima, der im Osten entscheidende Eindrücke erhielt, kam in jungen Jahren nach Deutschland. Er arbeitet in Dresden. Seine Holzschnitte „Vor dem Angesicht des Herrn" und „Die Verurteilten", seltsam vibrierend durch gewaltige Erlebniskraft, lassen jene seelische Harmonie vermissen, die das Signum großer Kunst ist. Sima, schritt durch Blut und Nebel der Pogrome Petljuras in der Ukraine, deren Schrecken immer noch in ihm lebendig sind. Durch allzustarke Steigerung der Affekte verfängt sich Sima in Uebertreibung und Verzerrung, die das Gewollte herabschwächen. — Das junge Schaffen der Gegenwart hat durch die „Galerie Junge Kunst" einen wichtigen Mittler und Förderer gefunden. Darüber hinaus erfreut die Berührung mit jüdischen Künstlern, die in unserer Seele heimisch sind und ein unvergeßliches Echo wecken. Max Martin S t e r n s ch e i n, Dresden. «Oeffnet die Tore!" Es ist ein altes Prinzip im liberalen Judentum — und auch das andere Judentum sollte sich zu diesem Grundsätze bekennen! —, das Gute anzunchmen, wo es auch immer sich biete. In ähnlicher Weise hat ja Maimonides bekanntlich gesagt: Empfange die Wahrheit von jeglichem, der sie ausgesprochen, und er hat dies nicht nur gesagt, sondern tend hervor." „Und das dürfte", so meint der Autor, „eine nicht hoch genug zu wertende Gelegenheit sein, der Heranwachsenden Jugend unseres Volkes eine für das Leben nachwirkende Achtung vor der Bibel einzuflößen. Freilich wich man ihnen um der Wahrheit willen auch sagen müssen, ,daß leider Christentum und Kirche in diesen entscheidenden Punkten des Volkslebens versagt haben und versagen." # Tie Propheten sind dem Autor die ersten Künder des Unrversalismus der Gottesidee: „Das Verhältnis zwischen Javeh und Israel ist kein naturhaftes) d. h. kein jelbstver»- ständliches und unzerstörbares, sondern ein sittliches, das in dem Augenblick aufgehoben wird, wo die sittlichen Grundlagen der Religion ins Wanken geraten sind. Recht und Gerechtigkeit si::D nicht an nationale Schranken gebunden, sondern gelten für die ganze Welt-; der Gott der Gerechtigkeit ist der Herr aller Völker, der sein „auserwähltes Volk" am strengsten richtet und den andern Völkern ebensowohl Gnade widerfahren läßt wie einst den Israeliten in Aegypten. An dieser Erkenntnis des Amos mag die deutsche Jugend es lernen, daß der wahre Gottesglaube nichts zu tun hat mit nationalistischer Religion und Rassenfanatismus." (Von uns gesperrt gedruckt. Die Red.) Der Schlußabschnitt des auch uns Juden, und namentlich den jüdischen Religionslehrern manch heilsame Wahrheit darbietenden Aufsatzes zeugt von einer Hoheit der Auffassung religiösen Lebens, daß nicht versäumt werden soll, ihn ungekürzt hierher zu setzen: „Am Ende der ganzen Betrachtung werden die Kinder begrisfen haben, daß, es sich bei oen biblische:: Propheten um etwas mehr handelt als um Wahrsagerei, unddaß auch die mcssianischen Weissagungen nicht das Herzstück ihrer Botschaft sind, daß wir es vielmehr bei ihnen mit dem Durchbruch der ursprünglichen, unmittelbaren Gotteskraft durch alle traditionelle und konventionelle Religion zu tun haben. Das aber ist nicht nur ein einmaliges, sondern das stetig: Thema der R e l i g i o n s g e s ch i ch t e, und in diesem Sinne nennen wir jeden großen frommen Mann, der ,ür die Innerlichkeit uno die Wahrhaftigkeit des Gottcsglauüens gestritten und gelitten hat, einen Propheten, einen Sprecher Gottes. Ter israelitische Prophetismus aber ist die klassisch? Zeit, in der wir diese höchste Form der Religion das Evangelium Jesu ist ja die krönenoe Vollendung der prophetischen Predigt an Der Quelle studieren können, lind je reiner menschlich uns die Gestalten eines Amos uno seiner Geistesverwandten erscheinen, desto stärker werden sie aus die Deutsche Jugend wirken und ihr jedenfalls etwas Wertvolleres zu geben haben als das „Deutsche Christentum" Des Antisemitismus, der in blindem Haß gegen das Alte Te stament auch diese eoelslen Gestalten einer große» Vergangenheit aus dem Lehrbuch oer Geschichte streichen möchte." Es ist tröstlich, in diesen Zeitläuften, oa Vernunft und UrteUskrast der Menschheit zu entfliehen scheinen, solche Worte in einer Schrift zu finden. Die von tausenden deutscher Lehrer gelesen wird. Tenn nicht um methodische Wegweisung für die Höheren Schulen handelt es sich hier, sondern um den Religionsunterricht in der Oberstufe der Volksschulen. Mich dünkt, es könne sich in die Freude über die tapsen: Ausführungen Radeckes ein wenig Nachornklichkeit mischen, wenn wir die religionsunterrichtlichen Leistungen in manchen jüdischen Religions- und Volksschulen messen an der Forderung, die hier von einem christlichen Theologen ernst und gründlich gestellt wird. Dr. Siegfried Braun- Köln. Mmmfywi* non Befteüaoßei» «ms Me Füdischliberale Zeitung M mßem Postämter« Deutschlands auch danach gehandelt. Nun denn, wer mit geöffneten Augen durch die Straßen der Städte geht, an den Kirchen vorbei, der wird feststellen können, daß die meisten von ihnen oder doch wenigstens eine große Anzahl (nicht nur der katholischen, sondern neuerdings auch der protestantischen) auch an Wochentagen zum freien Eintritt für jedermann geöffnet sind. Man braucht also nicht in zumeist etwas umständlicher Weise den Küster (falls er zu Hause weilt, was nicht immer der Fall ist!) zu bemühen oder gar ein Eintritts- oder Bedienungsgeld zu entrichten, vielmehr stehen die Tore der Gotteshäuser weit geöffnet und laden zum Besuche. Diese Hebung sollten wir, meine ich, ohne Bedenken übernehmen! Mit anderen Worten: Nicht bloß an Sabbaten und Festen sollten unsere Synagogen ihre Pforte:: auftun, um die große oder geringe Zahl der Beter zu sammeln, sondern „an jedem Tage, zu jeder Zeit und zu jeder Stunde". Grade wer eine Verlebendigung der Religion im Herzen des Einzelnen wünscht — und wer von uns liberalen Juden wünschte dies in unseren Tagen nicht mehr denn je? -, der sollte diese Forderung gutheißen und nach Kräften unterstützen. Die Weihe des Ortes würde durch die Möglichkeit des täglichen Besuches meines Erachtens nicht ab-, sondern im Gegenteil z u - nehmen, und auch die vielen nichtjüdischen sich für das Judentum interessierenden Menschen würden Gelegenheit finden zu einem unauffälligen Besuch und ungestörten Verweilen in „Jakobs Zelten und Israels Wohnungen". Mag auch hie und da der Zauber des Unbekannten und daher Geheimnisvoll-Umwobenen vor der Möglichkeit des Kennenlernens weichen die Hauptsache ist, daß den jüdischen wie nichtjüdischen Menschen ohne Unterschied die Möglichkeit gegeben ist, über die Schwelle eines jüdischen Gotteshauses zu treten. Und - das sei zum Schlüsse noch kurz gestreift vor allem zur Beruhigung „ängstlicher" Gemüter, die in unserer Forderung wohl schon eine Nachahmung fremder Bräuche wittern, — es ist schließlich beste jüdische Tradition, was wir fordern, denn im Osten und auch in Palästina kann man eine Reihe Gotteshäuser, die zum Teil auch Lehrhäuser sind, tagtäglich geöffnet finden. Wird unsere Forderung Wirklichkeit, dann verwirklicht sich auch des Propheten Weissagung: „Deine Tore werden ständig geöffnet bleiben. Tag und Nacht werden sie nicht geschlossen werden" (Jesaja 60, 11). Rabbiner Dr. Halpersohn- Breslau. _ . _ «