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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-09-18 · 38 (18.9.1929) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
38 (18.9.1929)
Date
1929-09-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^MchliberaieZeillM Crodti der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. •ij«l»j»rci« d«rch Mt Gefchüftsstelle '/«jNhrüch M. 2.50 Otazelnummer 0.20. Bei freier Aufeuduug L Inland 0.25 Jtr die Mitglieder der Vereinignag ist der Bezugspreis im Mlgüed-bdtrage enthalten. Berantmortl. Redakteur: Vrnaa Vapda. fit« „Jüdisch-liberale Zeitung" erscheint jeden Mittwoch. »edaMoa and Geschüst-ftell« Verlia SW 48, WUHelmstr. 147 Aeraruf: Vargmana 3SSS. 3359 Postscheckkonto: V««« 7N0 7. 137069 (Vereinigung für da» liberale Judentum) Flachdruck sämtlicher Original-Beiträge nur mit vorheriger Genehmigung der Reoaknoa gestattet. Anzeigenpreis«: Die 12gespaltene RouparaMezeGe 0^5 Soldmart, die Lettamezmle LV0 Smdmart. »S Mederholnagea Rabatt. Anzeigenannahme: .Jüdisch-K-erale Zeitung'' Jaserateaabteilnng: Berlin SV 40, Mlhelmstrahe lif (Bergmann: 3358-59), sowie sämtt. Aanoacea-EMediÜo». Rr.38 Berlin, 18. September 1929 9. Jahrgang Am 25. September d. Js. verlegen wir unser Büro nach Berlin SW 11, Hallesche Straße 1,1. Die Fernfprechanschlüsse bleiben unverändert F5, Bergmann 3358/59. Bereinigung für das liberale Judentum e. B. Jüdisch-liberale Zeitung. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin e. B. Liberale Fraktion des Preußischen Landesverbandes Mischer Gemeinden. Jüdische Schüler auf Berliner Schulen Bon Herbert Philippsthal, Berlin. Als an dieser Stelle (siehe Jüdisch-liberale Zeitung vom 10. 8. 1928) vor einem Jahre über die jüdischen Schüler auf Schulen in Groß-Berlin berichtet wurde, bedauerte man auch, daß von der Jüdischen Gemeinde in Berlin über das ihr unterstellte Schulwesen keine Angaben publiziert werden. So wissen wir nichts, wie man damals schrieb, über die Entwicklung des Schulbetriebes; ob seine Aufrechterhaltung sich lohnt, ob eine Ueberfüllung in Erscheinung tritt, so daß die Verwaltung an neue Aufgaben herantreten kann etc. Eine Aenderung ist im Laufe der Zeit nicht eingetreten. So sind in der folgenden Aufstellung — Privatschulen fehlen auch — die staatlichen und städtischen Anstalten allein enthalten. Schüler der öffentlichen Schulen in Groß-Berlin nach der Neligion. Zeit Höhere Schulen Mittelschulen J 6 Ü H •5«- «l/o A | § •Hie gi 1. November 1927 6484 80 296 8,0 307 12 132 1. November 1926 6737 81873 8,2 396 18 316 2,9 1. November 1925 6981 82781 8,4 438 14 056 8,1 Zeir Volksu. Sonderschulen Insgesamt e? Z #■§ •Hi© AZ A g H Z H a5 -d gs ■§s l. November 1927 5761 272780 2.1 j 12 502 365208 3,4 1. November 1926 5519 271474 2,8 12 652 366663 3,4 1. November 1925 4211 265720 1,6 11630 862557 3,2 Die jüdische Wohnbevölkerung in Groß-Berlin beträgt 4,3 Prozent, die jüdische Schülerzahl 3,4 Prozent. Die Kiiw erzähl ist also geringer als der prozentuale Anteil an der Gesamtbevölkerung. Dennoch können wir trotz dieser Feststellung wegen Fehlens der Zahlen der Privatschulen und der Anstalten der Jüdischen Gemeinde keine weiteren Schlüsse ziehen. Ferner fällt an obiger Tabelle auf, daß beispielsweise am 1. November 1927 5761 jüdische Kinder Volks- und Sonderschulen, 6434 höhere Schulen besuchten. Bei der Gesamtbevölkerung lauten aber die Zahlen 272 780 und 80 296. Der Verteilung nach werden die höheren Schulen im Verwaltungsbezirk Berlin-Charlottenburg von den jüdischen Kindern am stärksten frequentiert. Es folgt Wilmersdorf und dann Berlin-Mitte. Bei den Nichtjuden steht ebenfalls Charlottenburg au erster Stelle. Es folgen Berlin-Mitte und Schöneberg. Was die Volksschulen anbelangt, verteilen sich die jüdischen Schulkinder: Verwaltungsbezirk Berlin-Mitte, Charlottenburg, Prenzlauer Berg; die nichtjüdischen Schulkinder: Wedding, Frickrichshain, Prenzlauer Berg. So sehen wir, daß der Schulbesuch der wirtschaftlichen Lage in den einzelnen Verwaltungsbezirken, entsprechend der Verteilung von Juden und Nichtjuden, angepaßt ist. Nachdem wir auf die Gesamtheit der Schüler Groß- Berlins einen informatorischen Blick geworfen haben, wollen wir noch die höheren Schulen, geschiÄen nach Geschlechtern, einer Betrachtung unteiHiehen. Zeit Öffentl. höh. Knabensch. Öffentl. höh. Mädchensch A § gK ■§« Ö5JS A £ ° rr *££ gi ■Sö n« 1. November 1927 8681 51 431 7,1 2733 28 865 9.5 1. November 1926 3929 53 428 7/8 2808 28 445 9,8 1. November 1925 4112 54370 7,6 2864 28411 10,0 Der Besuch der öffentlichen höheren Knabenschule ist bei Juden und Nichtjuden stärker als der der öffentlichen höheren Mädchenschulen. Die Prozentnorm der jüdischen Mädchen ist größer als die der jüdischen Knaben. Vergleicht man ferner Besucher und Besucherinnen der höheren Anstalten mit gleicher Religion, wird man finden, daß die Spanne bei den Juden kleiner ist als bei den Nichtjuden. Dieses Verhältnis tritt auch später beim Universitätsbesuch wittrerum in Erscheinung. Wen auf Deutfchß Bevölkemngs- und Studentenstatistisches. Die Deutsche Hochschulstatistik für das verflossene Wintersemester (1928/29) gibt zu vielfachen Untersuchungen Anlaß. Daß dabei das Konfessionsproblem eine namhafte Rolle spielt und einen breiten Raum beansprucht, darf bei dem großen Interesse, das dieser Frage in Deutschland entgegengebracht wirch nicht verwunderlich erscheinen. Univerjitätsprofessor Dr. Phil., iur. et theol. L. Karl G o e tz (Bonn) behandelte vor kurzem in einem in der Kölnischen Zeitung (Nr. 408 vom 28. Juli) erschienenen längeren Aufsatz ausführlich „Die konfessionelle Zusammensetzung der deutschen Studentenschaft". Er betont ausdrücklich, es komme ihm nur darauf an, objektiv die tatsächlichen Verhältnisse aufzuzeigen und nicht etwa gewisse — aus dem folgenden ersichtliche — Ungleichheiten (Imparitäten), die ja in der Tat besteh m, zu kritisieren. „Wenn also etwa eine Konfession", so schreibt der Verfasser jenes Artikels, „sich in ihrem Anteil an der deutschen Studentenschaft im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl gegenüber anderen Konfessionen in tatsächlichem Nachteil glaubt, so ist sie unter Verzicht auf Paritätsklagen zu verweisen auf den Weg der Selbsthilfe, den ihr niemand verübeln wird." Professor Goetz stellt u. a. jeweils die Stärke der einzelnen (und zwar nur der drei großen) Bekenntnisse innerhalb der Gesamtbevölkerung Deutschlands und seiner Einzelländer dem Anteil der Konfessionen an der Zahl der Studierenden in den entsprechenden Gckieten gegenüber. Daraus ergeben sich zumal für uns Juden, die wir mehr und mehr in den Mittelpunkt studentischer Kämpfe rücken, beachtenswerte Resultate. Wir geben sie hier aus Raumgründen und der besseren Uebersichtlichkeit halber in der gedrängten Form von Tabellen wieder. »ds hohen Schulen M Nach der letzten großen reichsdentfchen Volkszählung, Hp im Jahre 1925 stattfand, entfielen im Deutschen Reich M je 100 Einwohner ß 64,12 Protestanten, 32,36 Katholiken, 0,90 Juden. Auf je 100 Studenten kamen nach der letzten Hochschnlstatistik an den 23 deutschen Universitäten 64,71 Protestanten, 28,26 Katholiken, 4,36 Juden, an den 10 deutschen Technischen Hochschulen 70,44 Protestanten, 22,07 Katholiken, 2,57 Juden. Die preußische Bevölkerung setzt sich zusammen aus 64,93 o/o Protestanten, 31,33 % Katholiken, 1,06 o/o Juden. Die konfessionelle Gliederung der Studentenschaft weicht davon wieder ab. Bon dm im Winterhalbjahr 1928/29 immatrikulierten prmßischen Stndmten waren an ben 12 Universitätm 63,85 o/o Protestanten, 28,65 o/o Katholiken, 5,25 o/o Juden, an den 4 Technischm Hochschulen 70,87 o/o Protestanten, 19,42 o/o Katholiken, 4,00 o/o Juden. (i» gibt unter den Einwohnern in Bayern in Sachsen in Württemberg in Baden in Thüringm in Hessen in Hamburg in Mecklenburg-Schwerin in Braunschweig unter den Studenten a) an dm Universitätm b) an den T. H. 28,82 o/o 46,66 o/o 54,06 o/o Protestanten, 69,96 o/o 47,27 o/o 40,87 o/o Katholiken, 0,67 o/o 3,15 o/o 0,81 o/o Juden, 90,29 o/o 87,16 o/o 86,25 o/o Protestanten, 3,60 o/0 4,77 o/o 6,35 o/o Katholiken, 0,47 o/o? 1,93 % Judm, 67,96 °/o 72,17 o/o 78,27 o/o Protestanten, 30,83 o/o 21,69 o/o 18,92 o/o Katholiken, 0,42 o/o 0,46 °/o 0,73 o/o Judm, 39,37 o/o 54,61 o/o 59,34 o/o Protestanten, 58,40 o/o 37,95 o/o 31,56 o/o Katholiken, 1,04 o/o 4,81 o/o 3,95 o/o Judm, 92,52 o/o 91,79 o/o — Protestanten, 2,84 o/o 4,63 o/o — Katholiken, 0,22 o/o 1,01 0/0 — Judm, 66,20 o/o 78,73 o/o 72,10 o/o Protestanten, 30,83 o/o 16,68 % 20,89 o/o Katholiken, 1,52 o/o 2,36 o/o 81,26 o/o 2,41 o/o Judm, 86,13 o/o — Protestanten, 5,21 o/o 6,69 % Katholiken, 1,73 °/o 4,78 o/o — Judm, 93,78 o/o 88,37 "b — Protestanten, 5,39 o /o 7,99 o/o — Katholiken, 0,18 o/o 1,13 ob — Judm, 89,84 ob — 83,67 o/o Protestanten, 4,90 o/o — 10,09 o/o Katholiken, 0,35 °'o — 1,13 °/o Judm. Was sagt die Statistik über die Zahl der jüdischen Studenten? Währmd bei dm beiden christlichen Bekenntnissen außer im Reichsdurchschmtt überall mehr oder minder starke Verschiedenheiten zwischen dem Anteil der Konfessionen an der Einwohnerschaft und an den Studentenschaften, Abweichungen nach unten und oben, auf die selbst und auf deren Ursachen wir hier nicht näher eingehen können, Vorkommen, stehen die Hundertsätze der jüdischen Studierenden fast auf der ganzen Linie, d. h. im Reich und in den Ländem, in einem unverhältnismäßig großen Ausmaße über den Prozentzahlen der Bevölkerungsstatistik. Der Anteil der Juden an der gesamtdeutschen Universitätsftudmtmschaft ist etwa fünfmal so groß wie ihr Anteil an der reichsdeutschen Bevölkerung. Aehnliches gilt für Preußen, Baden, Thüringen. Demgegenüber liegm auf relativ gleicher Höhe die prozentuellen Anteile in Hessm (2,36 «/<> bezw. 1,52 o/o) und Württemberg (0,42 o/0 bezw. 0,46 <>/<,). Ein Vergleich der jüdischen Studierenden an den Technischen Hochschulen mit der jüdischen Einwohnerschaft der zugehörigen Länder ergibt, daß die Juden an dm Polytechniken durchweg verhältnismäßig schwächer vertreten sind als an den Universitäten. Ist der Anteil der Jüdm an der gesamtdeutschm Universitätsstudenlenschast, wie erwähnt, nahezu fünfmal so groß wie der Anteil an der Bevölkerung, so macht ihr Antett an der Studmtenschaft aller Technischen Hochschulen im Reich nur etwa das dreifache des Anteils an der reichsdeutschen Einwohnerschaft aus. Ueber diesem Reichsdurchschnitt liegm nur Preußen (4,00 °/o bezw. 1,06 o/o), Sachsen (1,93 o/0 bzw. 0,47 "<>), Baden (3,95 o/0 bzw. 1,04 °/o). Die studentische Konfessionsstatistik, wie sie bei uns vorgenommen wird, birgt allerdings zwei Hauptfehlerquellm in sich. Die eine liegt darin, daß die Studenten der jeweiligen Landeshochschulen nie in ihrer Gesamtheit dem zugehörigen Staate entstammt. Auf jeder Universität und auf jeder Technischen Hochschule sind vielmehr Studierende amh aus anderm deutschen Ländern vertretm. Es ist demnach nicht ganz richttg, die Zahl der zu dm drei Bekenntnissen gehörenden Studenten eines Landes mit dem Anteil dieser Bekenntnisse an der Gesamtbcvölkerung des betreffenden Staates zu vergleichen und ans dieser Gegenüberstellung endgültige Schlüsse zu ziehen. Da aber diese Erscheinung auf alle Länder zutrifft, gleicht sich der Unlerfchitt» im allgemeinen wieder aus. Die andere Fehlerquelle ist darin zu erblicken, daß in der Studentenstatistik die (1928/29) ttlsgesamt 6237 Ausländer mitgezählt sind, ein für die Statistik der jüdischen Studenten wesentliches Moment. Professor Goch mißt autfy dieser Quelle (im allgemeinen) nur geringe Bedeutung bei. Die Ausländer kämm ebenso wie die Reichsdmtschen zum größtm Teil aus den gleichen Bekenntnissen, von denen das eine in diesem, das mwere in jenem Land vorherrsche, wie das auch in den Ländern des Deutschen Reiches der Fall fei. Also auch hier sei ein gewisser Ausgleich gegeben. Dr. Ernst G. Löwenthal, Köln.

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