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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-09-11 · 37 (11.9.1929) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
37 (11.9.1929)
Date
1929-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9. Jahrgang Nummer 37 MMHÄevckZMml Vellage 11.September192S Vorzeichen einer Wandlung? Beachtliche Pregestimmen;u den Palästina-Unruhen Dürfen wir Nichkzionisten schweigen? Der liefe Schmeer über alle Opfer, die die Unruhen in Palästina gefordert haben, den, gleichviel ob Zwnitt »der Nichtzionist, Jude oder Nichtfude, jeder menschlich Empfindende in sich trägt, darf nicht die Erkennt» s der wahren lieferen Ursachen des Konfliktes und deren Beseitigung verzögern. Während vor den Unruhen der Zionismus in der deutschen Tagespreise fast allgemein als eine moderne, berechtigte und der Welchefriedung dienende Bewegung anerkannt wmde, mehren sich nunmehr die Stimmen, die erkennen, daß durch den Zionismus ein neuer Konfl ttherd in der Le!. qefchaffenwird. DiefeAuffasfung findet in Blättern der verschiedensten Richtungen ihren Niederfchlag. Selbstverstand lich wird vielfach au der bisherigen Vertretung der zionistischen Gedanengange auch weiterhinfestgehatten. DieTatloche aber, datz deutsche Blätter der Linken ebenso wie der Rechten d,e Gefahr einer Fortsetzung des zronistischm Werls deutlich erkennen, wobei zwischen Zionismus und Judentum leider meist kein Unterschied gemacht wird, mutz ini aU Kreisen der deutschen Judenheit zu ernstestem Nachdenken Anlatz geben. Wir veröffentlichen nachstehend einige Presse stimmen, die als Warnungszeichen für die Zukunft betrachtet werden sollten. Berliner Tageblatt: In der Morgen-Ausgabe vom 3. September veröffentlicht Josef Schwab einen Leitartikel „Zion und Albion", aus dem wir folgende Sätze wiedergeben: „Das Palästina-Problem, das jetzt durch die grauenhaften vom arabischen Fanatismus verschuldeten Pogrome akut geworden ist, ist kein jüdisches, sondern ein britisches Problem. Es ist dazu geworden, als die Zionisten sich vor nun bald zwölf Jahren vom Lord Balfour den Wechsel auf ihre kanaanitische Heimstätte ausstellen ließen. Nur haben gerade sie diese Wandlung nicht geschen und nicht begriffen, so daß sie sich nicht darein finden können, daß es seine Lösung, wenn überhaupt, nur vom Standpunkte der britischen und nicht der jüdischen Interessen erfahren wird. So sehen wir, daß in zionistischen Zuschriften, die jetzt die Spalten der englischen Presse füllen, die britischen Behörden, und gewiß mit Recht, der Konnivenz mit den Arabern, die mit Feuer und Schwert gegen den Bestand der nationalen jüdischen Heimstätte angchen, geziehen werden und doch zugleich das Hohe Lied der Solidarität der zionistischen und der britischen Reichsinteressen gesungen wird. „Es ist nur eine jüdische nationale Heimstätte", lesen wir da, „die dem Reiche Sicherheit in diesem, einem seiner hauptsächlichsten, Bollwerke geben kann." Man muß leider sagen, daß, wenn diese Behauptung richtig und von den Engländern im innersten Herzen anerkannt wäre, es eine Lust sein müßte, britischer Oberkommissar in Jerusalem zu sein und die goldenen Früchte der auf die Balfour-Erklärung gegründeten Mandatspolitik füx das britische Volk zu pflücken. Und von der jetzt so deutlich werdenden Existenzsorge des Zionismus könnte gar nicht die Rede sein. Die Wahrheit aber ist, daß die Durchführung des aus der absonderlichen Situation des Weltkrieges geborenen Versprechens für England heute ohne Gefährdung seiner ganzen Stellung gegenüber der mohammedanischen Welt vom Suezkanal bis zur bengalischen Micht kaum mehr möglich erscheint. Wahr ist, daß die Balfour-Erklärung, so sehr das britische Prestige ihre Aufrechterhaltung zur Selbstverständlichkeit macht, von jeder Regierung in London als eine überaus drückende Hypothek empfunden wird. Und ebenso gewiß ist, daß der Zionismus, der sich immer ehrlich bemüht hat, sich die Freundschaft der arabischen Mehrheit zu erwerben und ihr Mißtrauen zu überwinden, heute in dem Glauben an die Erreichbarkeit dieser idealen Lösung irre geworden ist und damit den Boden schwanken fühlt, auf dem er steht. So sehen sich beide, Brrten wie Anhänger des jüdischen nationalistischen Ideals, in einem Dilemma, das an die Staatsmannskunst der einen und an die — Resignationskraft der andern die höchsten Anforderungen stellt... ...darüber hinaus kann kein Entsetzen und keine Entrüstung, mit der die arabische Brutalität die Herzen erfüllt, den politisch wägenden Verstand darüber hinwegtäuschen, daß in den Jrrtümern der ganzen Heimstättenpolitik, in die sich Engländer und Zionisten teilen, die Quellen dessen liegen, was wir erlebt haben... ... Eine andere Frage aber ist, wie es seine Palästina- Politik mit seiner sonstigen, durch sie so stark gefährdeten Vorderasien-Politik in Einklang bringen wird. Für diese ist die Freundschaft der Araber wichtiger als die Dankbarkeit der Zionisten. Daß England auf das Mandat, das doch nur eine verschleierte Annexion ist und sich selber Lügen gestraft hat, verzichten würde, ist ansgeschlossen. Es braucht Palästina heute noch notwendiger als vor einem Jahrzehnt, als es der eben gestorbene Liman von Sanders über seine Bedeutung aufgeklärt hatte. Durch die neuen Abmachungen mit Aegypten wird die Verteidigung des Suezkanals noch mehr als bisher auf die östliche Seite gelegt; der Plan des Ausbaues von Haifa zum Welthafen und seiner Verbindung durch eine Bahn mit Bagdad und eine Röhrenlinie mit Mosul, auch cnrdere Projekte zeigen klar, welche Rolle dem Gebiet als dem ersten Pfeiler der großen Landbrücke nach Indien zugedacht ist. Aber auf der anderen Seite beweisen die Nachrichten über die Rückwirkung der Jerusalemer Ereignisse auf die gesamte mohammedanische Welt, ans die Moslems Indiens, auf Transjordanien, den Irak, das französische Syrien, nicht zuletzt den Hedschas, von wo Jbn Saud, Englands große Sorge, seine Fäden spinnt, daß, um es noch einmal zu sagen, den Engländern mchr an den Arabern als an den Zionisten gelegen sein muß. Die Versöhnungspolitik, die sie naturgemäß, mit verständiger Zustimmung der neugebildeten jüdischen Vertretung, der Sühne des arabischen Verbrechens folgen lassen werden, muß jeder menschlich Fühlende begrüßen. Doch wird sie schwerlich die wirkliche Befreiung aus einem Dilemma bringen, das ans dem zufälligen Zusammenklang einer militärischen Situation mit den Ahasverusschmerzen politischer Romantiker geboren ist." Breslauer Zeitung: In der Morgenausgabe vom 7. September veröffentlicht der bekannte demokratische Reichstagsabgeordnete Professor Dr. W. Hellpach einen Leitartikel „Zum Problem des Zionismus. Volksheimstätte oder Weltghetto?" Er verdient, hier im vollen Wortlaut wiedergegeben zu werden: „Nicht der Mensch will hier sprechen, der seit Kindheitstagen bis auf diesen Tag mit Juden beiderlei Geschlechtes durch Freundschaft verbunden, und der zwar um all ihre Schwächen (und welche Menschengruppe hätte keine?), aber auch um ihren klaren und aufgeschlossenen Verstand, um ihre verläßliche Treue der Verbundenheit und um die naturhafte Wärme ihrer Sinne weiß. Auch nicht der Gelehrte will sprechen, der den jüdischen Anteil an der abendländischen Kultur, an deren Schatten wie an deren strahlendem wärmenden Licht, auf allen Lebensgebieten als so wesentlich erkennt, daß er ihn auch morgen und übermorgen nicht forbzudenken vermag. Sprechen will, sprechen muß der demokratische Politiker, weil ihn die jüngsten Vorgänge im Judentum mit ernster Sorge erfüllen, die nur durch eine völlig, freimütige und gesinnungsherzliche Auseinandersetzung von Nichtjude zu Jude gebahnt werden kann. Auf dem Züricher „Zionisten-Kongreß" haben sich Ereignisse abgespielt, die vielleicht Episode, vielleicht aber auch Epoche für das Judentum in der ganzen Welt bedeuten und nach der Ansicht und Absicht ihrer verantwortlichen Träger jedenfalls Epoche bedeuten, ja Epoche machen sollen. In immer neuen Wendungen sind dort während der zweiten Augustwoche die am 14. August feierlich vollzogenen Beschlüsse als eine Schicksalswende für das Nichtjudentum! gekennzeichnet worden: die Beschlüsse nämlich, nach denen nunmehr „ganz Israel sich für den Wiederaufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina vereinigt hat und jeden Juden auf der ganzen Welt aufruft, sich dieser heiligen Sache anzuschließen". Worum handelte es sich? Nach dem an England gefallenen Paläftinamandat besteht seither eine internationale jüdische Körperschaft, „Jewish Agency" genannt, welche gegenüber der Palästinaverwaltung beratende Kompetenz in jenen Fragen ausübt, die u. a. die „Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina" berühren. Es war naturgegeben, daß diese zionistische Ausgabe von zionistisch gesinnten Juden wahrgenommen wurde; d. h. von dem jüdischen Lager, welches den völkischen Charakter des Judentums neben seinem religiösen nicht nur als eine historische Erinnerung, sondern als lebendige, aktuelle, fortwährende Tatsache wertet und daraus die Folgerung einer nationalstaatlichen Wiederherstellung der „völkisch-einheitlichen Judenheit aus dem alten nationalen Boden Israels" zieht. Diese Zionisten, hochgesinnte mutige, meist leidenschaftliche Männer und Frauen, bildeten eine Minderheit im Judentum. Dessen große Mehrheit lehnte die Wiedererweckung der völkischen Idee ab. Die weitaus meisten Juden wollten sich nur noch als religiöse Gemeinschaft verbunden wissen, im übrigen aber aufrichtige Glieder der Nationen sein, in deren Mitte sie leben und mit denen sie, wie erst der Weltkrieg wieder offenbarte, zu einer Schicksalsgemeinschaft verknüpft sind. Auch der strenggläubigste, ritualsrömmste Jude in Deutschland wollte national, politisch und kulturell ein Deutscher sein, ein Deutscher jüdischen Glaubens. Daß er sich im Glauben und in alten Erinnerungen mit dem jüdischen Franzosen, Briten, Spanier, Amerikaner eins fühlte, war nichts anderes als die gleiche Einheit des Fuhlens, wie sie zwischen den Katholiken der Erde auch besteht und für die Protestanten der Erde eben heute wiedererweckt wird'. Die Züricher Beschlüsse ändern diese Sachlage vollständig — wenn sie wirklich, wie sie es beanspruchen, die Billigung aller Juden in aller Welt finden. Denn indem jene Körperschaft „Jewish Agency" nunmehr aus Zionisten und Nichtzionisten paritätisch in allen ihren Instanzen zusammengesetzt wird, unterstellt diese ihre neue Verfassung die Zustimmung der ganzen Judenheit zur zionistischen Uridee, der nationalen Idee und Realität des Judentums, und die Mitwirkung der ganzen Judenheit an der symbolischen Verwirklichung dieser völkisch-jüdischen Wahrheit in Gestalt der nationalstaatlichen Wiedervereinigung zunächst eines Teils des Weltjudentums auf dem alten Boden Israels, ja der völkischen Heimat Palästinas. Wenn sich von dieser Unterstellung nicht große Teile des Judentums klar abkehren, so wird auch bei uns jedes politische Lager in eine unsäglich schwierige Lage geraten, das den ausschließlich religiösen Charakter des Judentums und die Deutschheit der Inden als Voraussetzung der Zurückweisung aller antisemitischen Losungen setzt. Man weiß, wie laut gerade heute diese Losungen wieder ausgegeben werden; seit einem Menschenalter hat Deutschland keine so starke antisemitische Wette mehr erlebt. Dabei handelt es sich viel weniger um den ordinären, lärmenden und demonstrierendem Antisemitismus als um die stillere doktrinäre Form, welche die Juden als „sremdstämmige", als „Volksandere" von jcher Gleichstellung im deutschen Gemeinwesen auszuschließen strebt. Diesem Antisemitismus treibt es Wasser auf seine Mühlen, wenn nunmehr die ganze Judenheit für die lebendige völkische Idee und Realität des Judentums und ihre lebendige Versinnbildlichung in Palästina in Anspruch genommen wird. Der demokratische Politiker in allen Reichen des Abendlandes wird es sehr schwer haben, den Losungen des völkischen Antisemitismus noch überzeugend zu begegnen, wenn das völkische Judentum ohne Widerspruch behaupten darf, daß jeder Jude in der Wett zu ihm gehörig sich fühle. Und wenn der demokratische Politiker seit einem Jahrzehnt der eigentliche Träger praktischer und grundsätzlicher Verständigung zwischen den Völkern ist — unter den schwersten Anfeindungen seitens der Nationalisten, der „Völkischen" aller Völker — so wird er schwerlich den Enthusiasmus des hochgesinnten Zionistensührers Weizmann teilen, der in der nationalen Einung des Judentums die Brücke zur alLgemeinen Völkerversöhnung sehen will. Es ist viel gewisser, daß hier innerhalb jedes Volkes neue Trennungen aufgerissen werden, die zur Einleitung der Völkerverständigung wghrliH nicht taugen. Und die Sorge ist nicht abzwveisen, daß die Führer von Zürich, ohne es zu ahnen, ihre weltjüdischen Scharen ganz anderswohin führen, als in die nationale Heimstätte: nämlich in ein neues Weltghetto. Welt am Montag: In der Ausgabe vom 9. September behandelt Helmut vonGerlachim Leitartikel „Judenverfolgung und jüdischer Nationalismus" die Problematik des zionistischen Aufbauwerks. Wir geben einige charakteristische Aeußerungm, die Helmut von Gerlachs Stellung zum Zionismus eindeutig wiedergeben, nachstehend wieder: „... Weder die etwaigen Unterlassungssünden des englischen Oberkommissars in Jerusalem, noch die Vorkommnisse an der Klagemauer sind von entscheidender Bedeutung. Wer sie in den Vordergrund rückt, bleibt an der Oberfläche haften. Leider handelt es sich bei den Ereignissen in Palästina um» Schäden, die viel tiefer liegen und deshalb um so schwerer, wenn überhaupt zu kurieren sind. Das Uebel wurzelt im Weltkrieg. Damals trieb England, aus der Not der Stunde heraus, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit Augenblickspolitik. Um die Türkei aufzurollen, ließ Winston Churchill durch den Obersten Lawrence den Arabern die Idee eines kommenden Großarabien vorspiegeln. Um die Sympathien der Juden in der ganzen Welt für die Entente zu gewinnen, versprach ihnen Balfour Palästina als „nationale Heimstätte". Palästina aber war arabisches Land, wenn auch damals noch unter türkischer Herrschaft. Die Versprechungen Churchills an die Araber und die Balfours an die Juden stellten einen unlösbaren Widerspruch dar. Das Blut, das jetzt in Palästina vergossen wird, ist der schmerzlich konkrete Beweis für die Antithese Churchill—Balfour. Man kann nicht zugleich arabische und zionistische Politik machen. Wenn England, wie aus der eben in Genf gehaltenen Rede des englischen Außenministers Henderson hervorzugehen scheint, einfach fortsahren will, das Unvereinbare zu vereinbaren, so dürfte es noch sehr trübe Erfahrungen sammeln... ...Zweifellos hätte die Menschheit, als Ganzes genommen, nur zu gewinnen, wenn in Palästina an Stelle der Araber die Zionisten säßen. Aber es sitzen nun einmal die Araber da. Trotz der künstlich gesteigerten jüdischen Einwanderung entfielen nach der letzten Zählung von den 816 000 Einwohnern des ganzen Landes nur 154000 auf die Juden, aber 572 000 ans die Araber. Nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker haben also die Araber das Recht auf die Regierung Palästinas. Wer es ihnen verkürzt, vergewaltigt sie, wenn auch vielleicht aus den idealster- Motiven... ... England kann die Juden schützen und die Araber in Schach halten, wenn es sehr viel bewaffnete Gewalt aufbietet. Ist das ein Zustand, den ein Kulturvolk, und namentlich ein von einer Arbeiterpartei regiertes, auf die Djauer gutheißen kann? Die Unerträglichkeit des heutigen Zustandes geht schon daraus hervor, daß England es nicht wagen kann, auch nur die Andeutung einer Volksvertretung für Palästina einzuführen. Schreibt es Wahlen aus, so haben dis Araber die Riesenmehrheit. Die Juden würden zum bloßen Objekt arabischer Mehrheitsherrschaft. Der Gedanke der nationalen Heimstätte könnte nie realisiert werden. So regiert denn England sein Protektoratsland absolutistisch von London aus. Das ist aber auf die Dauer ganz unmöglich, wenn England sich nicht mit den Grundlagen seines eigenen Staatswesens in Widerspruch setzen will. Auf die Gefahr hin, manchen mir teuren Zionisten sehr wehe zu tun und den schärfsten Widerspruch anderer zu wecken, meine ich, daß die Katastrophe in Palästina zu der Erkenntnis zwingt: Die Jdeeder nationalen Heimstätte ist zum Scheitern bestimmt. Hat man einen Fehler klar erkannt, so ist es besser, ihn rechtzeitig rückgängig zu machen, als sich mit Ludendorffschem Eigensinn auf seine Fortführung bis zum restlosen Zusammenbruch zu versteifen. Natürlich müssen die jüdischen Siedler Palästinas, die so wundervolle Arbeit geleistet haben, gegen Vergewaltigung der Araber geschützt werden. Das ist oberste Pflicht der Mandatsmacht England. Aber eine verstärkte jüdische Einwanderung fordern, wie es am 5. September auf der großen jüdischen Versammlung im Bachsaal in Berlin geschehen ist, das ist das Verhängnisvollste, was man sich überhaupt denken kann. Das hieße, den religiösen und den Rassenkampf als Dauereinrichtnng für Palästina etablieren. Das Ideal des Zionismus ist falsch. Er leistet der Menschheit keinen Dienst, wenn er zu dm hundert Nationalismen der Erde einen hundertundersten hinzufügt. Das ist Politik aus der Froschperspektive. Die Menschheitsperspektive gebietet den Juden, aus der Not ihrer tausendjährigen Verfolgung eine Tagend zu machen. Ihr spezifisches Ziel sollte nicht eigene Staatlichkeit, sondern die Ueberstaatlichkeit sein. Die Erde ist besetzt und vergeben. Ein künstlich konstruierter Judenstaat wäre ein Homunkulus. Dieser Homunkulus könnte zudem nur entstehen durch Verdrängung anderer Völker, also durch Verletzung fremder Rechte. Die Juden sind verstreut unter alle Völker. Dank ihrer besonderen Begabung können sie allen Völkern ettvjaÄ Besonderes geben. Männer wie Moses Mendelssohn, Karl Marx, Walther Rathenau und tausend andere haben gerade dadurch so unendlich befruchtend gewirkt, daß sie nicht in die Enge eines jüdischen Nationalstaats eingepreßt waren. Die Juden find als Sauerteig ein unschätzbarer Wert für die Welt. Starren sie wie hypnotisiert nach Palästina, so müssen sie nationalistisch verkrüppeln. Vom allgemeinen Menschheitsstandpunkt aus muß der Zionismus als Verirrung erscheinen. Ein hohes Ideal, aber ein verstiegenes.

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