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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-09-04 · 36 (4.9.1929) · page 8

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gehenden Worten das gemeinnützige, von tiefer Religiosität getragene Wirken des Verstorbenen, der Treue und Liebe in hohem Maße bewies, dessen Leben leitend und belebend nachwirkcn werde. Außerdem sprachen noch ticfbetvegte Worte - Lehrer Kaufmann, der «in Men-- schenalter mit dem Verblichenen für das Wohl der Gemeinde gearbeitet hatte, Max Baer, der zweite Vorsteher, im Namen der verwaisten Gemeinde, Dr. Stern, Darmstadt, für die Starkenburg-Loge, Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M., der auf die Harmonie und die innere Ausgeglichenheit des Verewigten hinwics, und endlich die Vertreter von Organisationen und Vereinen, die ihrem treuen Mitglied« innige Abschiedsworte widmeten. Frankfurt. (Jubiläum.) Herr Joseph Mühlfelder, Ostendstraße 31, beging am 1. September sein 26 jähriges Dienstjubiläum als erster Synagogenwart an der Gemeindesynagoge am Börneplatz. Hamburg. (Neues Gotteshaus des Israelitischen T e m p c l v e r b a n d e s.) Der Israelitische Tcmpelverband sieht sich genötigt, einen neuen Tempel zu errichten, da das bisherige Tempelge,- bäud« Poolstraße 12-14 nicht mehr den zeitlichen Anforderungen entspricht, auch baulich nicht mehr genügt. Der Neubau ist auch deshalb erforderlich, weil die Mitglieder, die in früheren Jahren im wesentlichen in der Gegend der Poolstraßc wohnten, jetzt in andere Stadtteile verzogen sind, vor allem nach Rotherbaum, Harvestehude und Eppendorf. Da ein geeignetes Privatgrundstück nicht zu erwerben war, hat der Tempelverband beantragt, an ihn eine 3262,1 Quadratmeter große Staatsgrundfläche an der Oberstraßc zu verkaufen. Tie Baubehörde hat gegen die Errichtung eines Gotteshauses an der Oberstraße keine städtebaulichen Bedenken. Nach einem Gutachten der Landesjustizverwaltung bestehen auch keine rechtlichen Bedenken gegen die Erbauung eines Gotteshauses auf dem zum ehemaligen Klostcrland gehörigen Platze. Infolgedessen hat die Fiiianzdcputation mit dem Tempelverband einen Vertrag abgeschlossen, der dem Tcmpelverband' den Platz zum Preise von 4.', RM. je Quadratmeter käuflich überlaßt. Der Verband verpflichtet sich, aus der Fläche innerhalb von drei Jahren nach der Auflassung einen israelitischen Tempel zu erbauen. Dem Staat soll für die Dauer von 100 Jahren ein Wicderkaufsrccht zustehen. Der Senat beantragt die Zustimmung der Bürgerschaft. Hermeskerk. (F r i e d h o f s s ch ä n d u n g und a n t i semitische Ausschreitung.) In dem Hunsrückstädtchen Hermeskeil (Regierungsbezirk Trier) wurden aus dem jüdischen Friedhof sämtliche Grabsteine umgestürzt, in nicht zu beschreibender Weise beschmutzt und zerstört. Man vermutet, daß Nationalsozialisten die Täter sind. Zwischen ihnen und einem Teil der jüdischen Einwohnerschaft Hermcskeits ist cs daraufhin zu schweren Schlägereien gekommen, in deren Verlauf eine Anzahl jüdischer Bürger mißhandelt und erheblich verletzt worden ist. Kassel. (Hochherzige Stiftungen.) Der im Dezember 1927 in Berlin verstorbene Landgerichtsdirektor Dr. Felix Aschrott hat seiner Vaterstadt einen großen Teil seines Nachlasses im Werte von drei Millionen Mark vermacht, lieber die Verwertung dieser beträchtlichen Summe durch die vom Stifter bestimmten Kuratorien wurde bekannt gegeben, daß in der Altstadt zur Zentralisierung der Wühlfahrtseinrichtungen ein Aschrott-Wohlsahrtshaus mit Verwaltungsräumen, Jugendbücherei, Volkslesehalte und Vcrsammlungssälcn errichtet werden solle. Daneben wird im Westen der Stadt, in der Nähe des vom Vater des Stifters geschaffenen Aschrott-Parks, ein Marie von Boschan-Aschrott-Altersheim erstehen, das Frauen gebildeter Stände gegen mäßige Vergütung zur Verfügung stehen soll. Vorgesehen sind etwa 100 Unterkunftsräume mit vielen, gemeinschaftlicher Benutzung gewidmeten Gesellschaftssälcn. Kassel. (Verschiedenes.) Für den vor längerer Zeit verstorbenen Kommerzienrat Gustav Plaut ist Rechtsanwalt Dr. Weisbecher in das Borsteheramt der Israeliten in Kassel gewählt und durch den Regierungspräsidenten bestätigt worden. — Bei der kürzlich hier abgehaltenen Tagung deS Reichsverbandcs deutscher Juweliere war eine Ausstellung von Erzeugnissen der Goldschmiedekunst veranstaltet worden, an der neben den Kirchengemeiudeu sich auch die jüdische Gemeinde mit einem Teil ihrer Kuttgeräte beteiligt hatte. Rechtsanwalt Dalberg vertrat das Aeltestenkollegium bei der Eröffnungsfeier, die in Gegenwart des Oberpräsidentcn Dr. Schivander durch Museumsdirektor Prof. Dr. Luthmer stattfand. Kassel. (Wissenschaftliche Vorträge.) Wie in früheren Jahren, werden auch in den nächsten Monaten hier im Auftrag« der Akademie für die Wissenschaft des Judentums Vorträge gehalten werden. Als Redner ist Dr. Rvsenzweig, Berlin, in Aussicht genommen; sein Vortragszyklus erstreckt sich aus die Behandlung des Themas „Glauben und Wissen". Königsberg Pr. (4 0jähriges Amtsjubiläum von Waisenhausdirektor Peritz.) Der in weitesten jüdischen Kreisen bekannte Waisenhausdirektor Adolf Peritz in Königsberg beging am 1. September sein 40 jähriges Amtsjubiläum als Leiter des Königsberger jüdischen Waisenhauses. Im Jahre 1865 in Mcseritz geboren» widmete sich Adolf Peritz dem Lehrerbcruj und erhielt seine Ausbildung auf dem Berliner Seminar. Nachdem er ein Jahrlang als Lehrer und Erzieher an der Erziehungsanstalt in Pankow tätig gewesen war, wurde er am 1. September 1889 nach Königsberg berufen, wo er die Leitung des Israelitischen Waisenhauses übernahm. An dieser Stelle konnte er ein segensreiches Wirken entfalten und Hunderte von Zöglingen für das praktische Leben vorberciten. Damit die ehemaligen Schüler der Anstalt den Zusammenhang mit dieser auch im Leben nicht verlören, gründete er den Verein ehemaliger Zöglinge des Israelitischen Waisenhauses. Viele von den ehemaligen Waisenhauszöglinge nehmen heute im Leben angesehene Stellungen ein. Ueber seine berufliche Arbeit hinaus betätigte sich Peritz an führender Stelle im jüdischen Leben. Ganz besonders setzte er sich stets für die Interessen der jüdischen Lehrerschaft ein und gründete mit anderen Kollegen zusammen den Jüdischen Lehrcrverein Ostpreußens, dessen Vorsitzender er ist. Auch wirkte er dahin, daß die ostpreußischc Synagogengemeindc eine Pensionskasse für ihre Beamten cinrichtete. Ebenso ist die Einrichtung von Schiedsgerichten bei etwaigen Streitigkeiten ztvischen Gemeinde und Beamten seiner Tatkraft zu verdanken. Ganz besonders wirkte er auf die Allstellungsverhältnisse der jüdische« Kultusbeamten ein, die ihm ganz besonders viel zu verdanken haben. Auch die Regelung des Religionsunterrichts in der Provinz lag ihm sehr am Herzen. Weiterhin betätigte er sich in sehr starker Weise im Synagogenverband Ostpreußen, dessen langjähriger verdienstvoller Schriftführer Peritz ist. Auch für die Gründung der PensionS- und Ersatzkasse des Deutsch-israelitischen Gcmeindebundes setzte er sich sehr ein. Er ist im Vorstand des Jüdischen Lehrervcrbandes Deutschland und im Vorstand der Königsberger Ortsgruppe des Preußischen Lehrcrvcreins. Für sein verdienstvolles Wirken im Kriege wurde er mit dem Verdienstkrcuz für Kricgshilfe ausgezeichnet. Innerhalb der Königsberger Gemeindekörperschaften nimmt er die Stellung eines Repräsentanten ein. Seitens der Gemeindekörperschaften wie der übrigen Organisationen wurden ihm an seinem Ehrentage zahlreiche Ehrungen zuteil. Magdeburg. (Mendelssohn-Gedenkfeier.) Die hiesige Mendelssohn-Loge (unterzeichnet Festausschuß Dr. M. Spanier, Vorsitzender und Präsident Alfred Schacher) versendet ein Einladungsschreiben zu einer Gedenkfeier am 8. September anläßlich des 200. Geburtstages Moses Mendelssohns. Die Festrede hat Herr Rabbiner Dr. Löwenstamm, Berlin-Spandau, Delegierter der Großloge, gütigst übernommen; ein Festspiel, von Frau Toni Lewy verfaßt, bringt den Entwicklungsgang des Weisen zur Darstellung, stimmungsvolle Gesänge umrahmen den Akt (Frau Cilli Masting, Frl. Alice Hirsch, Frl. Eva Simon). Das Schlußwort spricht Herr Rechtsanwalt Dr. Kaß, Vizepräsident der Loge. Vöhl. (Synagogen-Jubiläum.) Die in letzter Zeit an Seelenzahl stark zurückgegangene Gemeinde — früher bestand sie aus mehr als 40 Familien, heute zählt sie nur noch 13 — konnte kürzlich auf das hundertjährige Bestehen ihrer Synagoge zurückblicken. Diesem Ereignis wurde durch eine Ansprache des Gemeindevorstehers F. Kaiser Rechnung getragen. Bis vor wenigen Jahren hatte Böhl auch eine eigene jüdische Volksschule, die infolge der starken Abnahme der Kinderzahl ausgelöst wurde. Wetzlar. (Jubiläum.) Anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens des Israelitischen Frauenvereins fand ein Festgottesdienst statt, bei dem Prediger Katzenstein der verstorbenen Gründerinnen in Dankbarkeit gedachte. Seit 15 Jahren wird der Israelitische Frauenverein von Frau Hedwig Hoffmaun mit Umsicht und Verständnis geleitet, so daß er mit dem Vaterländischen Frauenverein die gemeinsame Wohlfahrtsarbeit reibungslos versehen kann. Vereinsnachrichten Für den Kampf ums Recht. Aufruf. In Nr. 19 der Jüdischliberalen Zeitung hatten wir aus der Feder von Rabbiner Dr. Schönberger-Aachen und Rechtsanwalt Dr. Ernst Emil Schweitzer-Berlin Artikel verössentlicht, die das Problem der Todesstrafe vom religiösjüdischen Standpunkte behandelten. Wir werden nun von der Deutschen Liga für Menschenrechte um Veröffentlichung nachstehenden Ausrufes gebeten: Aufruf: Die Deutsche Liga für Menschenrechte hat einen jahrelangen Kampf in Sachen der Gerechtigkeit zum Siege führen können: Das Urteil im zweiten Jalubowski-Prozeß, der weit über die Grenzen Deutschlands hinaus die Oeffentlichkeit erregt hat, stellt sest, daß die Schuld des zum Tode verurteilten und Hingerichteten armen Landarbeiters nicht bewiesen ist; der unheilvolle Indizienbeweis vom 15. 3. 1925 ist widerlegt und vernichtet. Der Kamps der Deutschen Liga für Menschenrechte und ihrer Freunde fand den erbitterten Widerstand aller derer, die verantwortlich für Todesurteil und Vollstreckung sind, und derer, die sich verzweifelt gegen den Gedanken eines Justizmordes sträuben. So gehen von dieser Justiztragödic die stärksten Ströme aus für den größeren Kampf gegen die Todesstrafe. Ein Sieg für die Gerechtigkeit ist erfochten, der Kamps gegen Justizunrecht und für Gesetzesreform geht weiter. Die Leistung der Deutschen Liga für Menschenrechte in diesem Kampf um die Verwirklichung elementarer Menschenrechte muß gefördert und gesteigert werden. Unter dem Namen des Hingerichteten, dem Opfer des Jnstizmordes zum Gedächtnis, haben wir eine Stiftung ins Leben gerufen, die Jakubowski-Stistung der Deutschen Liga für Menschenrechte. Sic soll der Liga die Mittel geben, ihre Arbeit für Gerechtigkeit fortzusctzen und zu verstärken. Ihr alle, denen Gerechtigkeit Sache des Herzens und Angelegenheit eines staatsbürgerlichen und weltbürgerlichen Verantwortungsgefühls ist, gebt Eure Spende für die Jakubowski-Stistung der Deutschen Liga für Menschenrechte — für den Kampf ums Recht! - Albert Einstein — Heinrich Mann — Harry Graf Keßler — 5). von Gerlach — Arnold Zweig als Begründer und Dr. Alfred Apfel General a. D. B. von Deimling — Ministerialrat a. D. Albert Falkenberg, M. d. R. Dr. Lion Feuchtwanger - Senatspräsident Dr. Großmann — Eugen Klopfer — Fritz Küster - Hans Lange, Polizeioberst a. D. — Walter Loeb, | Staatsbankpräsidcnt a. D. — Emil Ludwig — Thomas Mann — I .Hugo Sinzheimer, Professor Dr. - Dr. phil. Helene Stöcker — > Generalmajor a. D. Dr. h. c. Freiherr von Schoenaich — Pros. Walter Schücking — Leopold Schtvarzschild — Professor Beit Valentin — Dr. H. Wegscheider, Oberschulrätin — Justizrat Dr. Werthauer — Professor Dr. Ludwig, Quidde — Toni Sender, M. d. R. — Ueberweisungen sind zu richten an: „Deutsche Liga für Menschenrechte E. V", Berlin N. 24, Postscheckkonto Berlin 212 55 unter dem Stichwort „Jakubowski-Stistung". Arbeitsgemeinschaft der Jüdische« Arbeitsnachweise, Berlin N. 24, Auguststraße 17, Telephon: Norden 7085—7087 und 9130. Wir machen erneut auf die Jüdische Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung, sowie auf den Jüdischen Arbeitsnachweis aufmerksam. Wir bitten alle diejenigen jüdischen Jugendlichen, die zum Herbst ds. Js. die Schule verlassen, sich bereits jetzt um die Beschaffung einer Lehrstelle bei uns zu bemühen. Letztes Schulzeugnis und Bastelarbeiten bitten wir mitzubringen. .Sprechstunden für Schulentlassene: Knaben Dienstags und Freitags von 11—12 Uhr; Mädchen Montags und Donnerstags von 11—12 Uhr. Für Schüler: Knaben Dienstags und Mittwochs von 3—4 Uhr nachmittags; Mädchen Montags und Donnerstags von 3—4 Uhr nachmittags. Zuweisungen von handwerklichen Lehrstellen jeglicher Art sind erwünscht. Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise, Berlin N. 24, Auguststraße 17. Telephon: Norden 7085—7087 und 9130. Am 15. September 1929 findet aus dem Jugendland Brieselang bei Nauen das 3. Jugendtreffen der jüdischen Jugendbünde Berlins, die im Landesausschuß der jüdischen Jugendoerbande Berlin zusammengeschlossen sind, sicht u. a. vor: Sportwettkämpfe um Wanderpreise, die von den großen jüdischen Organisationen und Zeitungen gestiftet worden sind, ferner eine Singerast mit Liederwettkämpfen und eine Feierstunde mit Sprechchor, Fahrtcnorchester ustv. Der Besuch der Veranstaltungen ist frei. Zugverbindungen nach Brieselang über Stadt- und Ringbahn sowie ab Lehrter Bahnhof. Ter Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, E. B.» ZU Berlin, Geschäftsstelle: N.O. 18, Große Frankfurter Straße 80-81, veranstaltet gemeinsam mit seiner Fraucngruppe und dem Lehrlingsverein anläßlich einer am Montag, den 9. September 1929, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus, Rosenstraße 2-4, stattfindendcn außerordentlichen Generalversammlung einen Vortragsabend. Herr Rabbiner Dr. Alexander behandelt das Thema „Was bedeutet uns heute noch Moses Mendelssohn?" Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde, gegr. 1800, E. V. Geschäftsstelle: Elsässer Straße 9, Norden 1651. Sonnabend, 7. 9., 21 Uhr, Bierabend, Restaurant Metropol, Rosenthaler Straße 12. Anmeldungen zur Teilnahme bis 5. 9. Geschäftsstelle. Turnen: Herren: Dienstag, 20 Uhr, Große Hamburger Straße (Schule); Damen: Montags, 20 Uhr, Hannoversche Straße. Fußball: Sonntag, 8. 9., gegen Sportvereinigung N. Israel auf unserem Sportplatz, Hohenschönhausen, Hoffstraßc 11. Anmeldüngen für alle Sportzweige an die Geschäftsstelle. Für unsere Damcnabteilung suchen wir noch gute Handballspielerinnen. ^4^ 04 chchch ch Aus der M-Vewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann. Frankfurt a. Main - ★ Aus der IU-Arbeit Breslau. (Jüdisch-liberaler I u g e n d v e r e i u „A br aham Geiger".) Noch ein letzter Bericht über unsere Sommerarbeit. Am 21. August fand wiederum das übliche gemütliche Beisammensein der Hauptgruppe im Kurgarten statt. Ueber unsere Treffahrt mit Liegnitz am 25. August wurde bereits in der vorigen Nummer berichtet. Am 28. August beendeten wir unsere Sommerarbeit mit einem weiteren Jnstruktionsabend „Grundlagen und Ziele des religiösliberalen Judentums". Diesmal stand, die Reihe der Jnstruktionsabende abschließend, die Frage „Liberales Judentum und Zionismus" zur Behandlung. Sie erweckte nach den vergangenen öffentlichen Debatten naturgemäß besonders großes Interesse. Der Abend zeigte aber auch, daß in unserem Kreise bis auf geringe Meinungsverschiedenheiten im wesentlichen doch nur eine klare Auffassung besteht, und zwar die, die offiziell vom liberalen Judentum in Deutschland vertreten ivird. Unsere Jüngeren-Gruppe hatte zivei weitere Zusammenkünfte am 22. August und äm 29. August. Infolge der großen Hitze vertrieb man sich die Zeit durch Unterhaltung und Spiele. E. V. Breslau. (Die Sommerarbeit des I l i s.) Auch für uns Breslauer verlohnt es sich, einen kurzen Rückblick aus die nunmehr beendete Sommerarbcik des Jlis zu werfen. Den Höhepunkt des ganzen Sommers bildete zweifellos die Treffahrt, die uns im Juar mit unseren Ratiborer Jlifreimden in Oppeln zusammensührte, und die uns gleichzeitig auch die große Gastlichkeit der Oppelner bewies. In der mit der Treffahrt verbumdcnen Tagung, an der fast die gesamte jüdische Jugend Oppelns teilnahm, hatten wir ausreichend Gelegenheit, die Ansichten der dortigen Jugend kennen .zu lernen. Unsere Besprechungen führten denn auch zu dem Ergebnis, daß in Oppeln sofort ein Jüdisch-liberaler Jugend- Verein gegründet ivurde, der sich inzwischen erfreulich weiterentwickelt. Der Monat Juli brachte uns eine Tagung der schlesischen Jlis, die in Breslau stattfand. Ihre Auswirkungen werden sich gerade in der kommenden Winterarbeit besonders bemerkbar machen. Das augenscheinlichste Ergebnis dieser Tagung bildete die endgültige Konstituierung eines Arbeitsausschusses der schlesischen Jlis, dessen Vorsitz sich in Breslau befindet. Ueber die August-Tressahrt mit unseren Liegnitzer Jtisrcunden nach Malisch konnten wir eben erst berichten. Auch sic hat ihre Ausgabe erfüllt. Nach einer eingehenden Aussprache wird nunmehr auch der Liegnitzer Jli ivieder soine regelmäßige Winterarbcit ausnehmen. Ueber vier Monate verteilt, konnte unsere Hauptgruppe ihre Jnstruktionsabende über „Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums" an Hand der gleichnamigen Broschüre von Dr. Norden durchführen. In neuartiger Weise, verbunden mit lebhaften Erörterungen, tvurden von dem Teilnchmerkrcisc systematisch alle den Liberalismus betreffenden Fragen behandelt. Vieles, was dem einen oder anderen bisher fremd und unklar war, mußte nicht zuletzt dank der vorzüglichen Nordenschen Schrift - - einer besseren Kenntnis weichen. Von Anfang an beteiligte man .sich an den Abenden mit der größten Aufmerksamkeit, und es dächte kaum jemanden geben, der nicht durch sie eine Bereicherung seines Wissens erfahren hätte. Gerade die zwanglose Veranstaltung der Jnstruktionsabende trug wesentlich zu ihrem Erfolg bei. Auch unser gemütliches Beisammensein im Kurgarten verlies fast immer sehr nett und hatte stets einen sehr guten Besuch aufzuweisen. Häufig sorgten Aussprache, Berichte und Spiele für die nötige Abwechslung und Unterhaltung. Ebenso dienten einige sonntägliche Wanderungen der Schaffllng eines engeren Zusammenhalts ztvischen unseren Mitgliedern. Unsere Jüngeren-Gruppe, deren Mitglieder sich zum Teil auch an den Hauptgruppenveranstaltungen beteiligten, kam mit Ausnahme der großen Ferien regelmäßig zusammen. Ihre Nachmittage waren ausgefüllt durch Referate, Aussprachen, Lesen, Spaziergänge und Spiele. Nach dem Verlaus unserer Sommerarbeit und der Stimmung unserer Mitglieder dürfen wir die größten Hoffnungen auf den kommenden Winter setzen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß auch dieser Winter wie schon der vorige unserer Arbeit neuen Aufschwung und neue Erfolge bringen wird. Nicht unvorbereitet gehen wir an diese Arbeit, und es gilt, ein umfangreiches, viel Neues enthaltendes Arbeitsprogramm durchzuführen. Erich Vulkan. Oppeln. (Versammlung.) Die hiesige Jli-Ortsgruppe veranstaltete am 28. August ihre programmgemäße 3. Versammlung. Man ging mit der Verlesung und Besprechung der Nordenschen Broschüre weiter. Die äußerst interessanten Abschnitte über die Ursachen der geringen Erfolge des Liberalismus in den früheren Jahrzehnten, das Fehlen eines festen Programms und der Mangel einer Organisation gaben Anlaß zu einer regen und hitzigen Diskussion. Wir müssen, stellten wir fest, erst das Judentum in uns befestigen, um es zu - reformieren. Dieses erreichen wir besonders durch das jüdische Familienleben. Ferner können wir noch nicht von einem Programm des Liberalen Vereins sprechen, da wir noch nicht wissen, wie weit lvir in unserem Liberalismus gehen dürfen. Der Liberale Verein darf seinen Mitgliedern nicht sagen: Denkt so liberal, wie ihr wollt, sondern: Sucht zu halten von den Gesetzen des Judentums, soviel Jhp könnt. Ferner muß eine Organisation geschaffen werden, die dem C.-V. seine Abwehrarbeit abnimmt (Abwehr des Antisemitismus), damit dieser sich mehr jüdisch-politisch betätigen kann. Die Jugend weiß noch zu wenig, was der C. V. will und wird deshalb leichter von den Zionisten gewonnen. Die Versammlung leitete Ilse Gadiel. Curt Kassel. Das Jli-Programm :: -4k Berlin. Sonnabend «nd Sonntag, 7. und 8. September: Nachtfahrt in den Blumental. Treffen 21.30 Uhr Aleranderplatz. Führung: Marlin Glaß. Sonnabend und Sonntag, 14. und 15. September: Jüdisches Jugendtreffen in Brieselang. Der Uebernachtung wegen svsortige Anmeldung an: Irma Kindermann, N.O. 55, Allensteinrr Straße II (Konigstadt 1297). Aelterengruppe: Freitagabendseier am 6. September bei Ruth Simon, Charlottenburg 9, Tannenbergallee 8-12, pünktlich 20.00 Uhr. Schriftliche Anmeldung erbeten! Südende. Dienstag, 10. September, bei Robert Markus, Lichterfelder Straße 31, 16.00 Uhr. Norden. Dienstag, 10. September, 19.00 Uhr, Leseabend bei Fräulein Schlesinger, Fehrbelliner Straße 92. Breslau. Jüngeren-Gruppe: Donnerstag, den 5. September, 16.15 Uhr, bei Afchkowitz, Juukernstraße 21: Vortragsreihe „Deutsche Literatur", von Heinz Silbermann; 1. Vortrag. (Auf allgemeinen Wunsch erst diesmal.) Donnerstag, den 12. September, 16.15 Uhr, bei Peiser, Eabitzstraße 178: Unterhaltungsnachmittag, mit Reiseplauderei über Prag von Erich Vulkan (Hauptgruppe). — Hauptgruppe: Die nächste Veranstaltung findet erst am 18. September (Beginn der Winterarbeit) statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. Oppeln. Mittwoch, den 11. September: Fortsetzung der Instruktion und Diskussion über die Nordensche Broschüre. Bei Pfifser. 20 Uhr. 11. Liste der Spenden für den Hilfsfonds Wilhelm Halberstam, Berlin; Apotheker L. Nathan, Magdeburg; R.-A. Dr. H. Kaß, Magdeburg; Erich Wertheimer, Magdeburg; Alfred Wertheimer, Magdeburg; Justizrat Dr. Brandus, Magdeburg; Dr. Otto Simon, Magdeburg; Max und Harry Heynemamr, Magdeburg; Felix Merzbach, Magdeburg; Wilhelm Kronheim, Magdeburg; Dir. Max Freudenheim, Berlin; Dr. Max Gach, Berlin; Paul Jacoby, Berlin; Julius Raphael, Berlin; aus Kissingen; Medizinalrat Dr. Israel, Breslau; Otto Carsch, Berlin; Benas Levy, Berlin; Arnold Schwarz, Breslau; I. Baruch, Westend; Leopold; Seligmann, Berlin. Weitere Zahlungen erbitten wir auf das Postscheckkonto der Bereinigung für das liberale Judentum Berlin 137069.

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