Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 36 (4.9.1929)
- Date
- 1929-09-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Schasst Stieben in Palästina Die Pflicht zur Umkehr Noch ist die öffentliche Ordnung in Palästina nicht völlig iviederhergestellt. Noch droht insbesondere die Gefahr, daß arabische Streitträfte aus Syrien das in Palästina angcrichtete Unheil mehren könnten. Hoffen wir mit der gesamten zivilisierten Menschheit, daß, cs den Organen der englischen Mandatarmacht gelingen wird, weiteres Blutvergießen zu hindern und eine Atmosphäre zu schassen, in der wenigstens, wenn sie auch wirklichem Frieden gewiß noch nicht gleichen wird, eine verständnisvolle Aussprache über die Ursachen des jetziger! Konfliktes und die Wege zu ihrer Behebung ermöglicht ist. Etwa hundert Tote, mehrere hundert Verwundete meiden die Berichte auf jüdischer und ebenso aus arabischer Seite. Diesen allen, die Gesundheit oder Leben opferten, gleichviel ob im vermeintlichen Dienste einer Idee, bei der Verteidigung von Hab und Gut oder auch als irregeleitete Kämpfer, soll hier ein Gedenken bewahrt fein. Ihre Opfer sollten, das scheint uns die edelste Form des Gedenkens, Anlaß sein, eine Wieoerholung der jetzigen Ereignisse unmöglich zu machen. Das wird freilich nicht der Fall sein, so lange noch in Protesten, Demonstrationen, Revolutionen oder gar in dem Schutz, der Waffen Heilmittel von Tauer erblickt werden. Eine Wiederholung der jetzigen Ereignisse wird erst dann unmöglich fiin, wenn die Beteiligten die Schuld an ihrem Entstehen nicht mehr nur auf einer anderen Seite suchen, wenn sich mit der Erkenntnis der wirklichen Ursachen ein entschiedener Wille zu den als notwendig ernannten Aenderungen paart. Die Mauer. Es ist für den in westeuropäischen Verhältrtissen lebenden Juden nicht ganz einfach, sich die Institution der Klagemauer in Jerusalem vorzustellen. Während für uns der Satz: „Wo ihr meinen Namen anruft, da will ich unter euch sein", zu einer unumstößlichen Wahrheit echter Religiosität geworden ist, sehen Juden Jerusalems oft noch in dem Beten an der Klagemauer, den Uebcrresten des altisraelitischen Tempels, eine besondere religiöse Tat. Hier tragen sie chren Schmerz und chr Leid vor Gott, stehen zu ihm im Gebet um Erfüllung ihres Sehnens. Diese Klagemauer nun befindet sich aus Boden, der unstrittig Eigentum der Mohammedaner ist, der noch dazu von diesen als ein Teil ihrer heiligen Stätten angesehen wird. Sv sann es nicht überraschen, daß mehrfach in Verbindung mit der Klagemauer Zusammenstöße zwischen Juden und Mohammedanern stattfanden, zumal die Rechtsverhältnisse an ihr verworren sind und der Inhalt oes status quo-Begriffes hier recht zweifelhaft ist. Als am Versöhnungstag des vergangenen Jahres nach vrthodo^em Brauch beim Gottesdienst eine Trennung der männlichen von den weiblichen Betern erfolgte, mtb zwar durch Aufstellung einer Schirmwand, glaubten sich die Araber nach dem besteherrden Recht in ihrem Besitz bedroht. Ihrem Einspruch stimmten die zuständigen englischen Instanzen zu, und sie forderten von den betenden Juden sofortige Beseitigung der beanstandeten Gegenstände. Da oieser Aufforderung nicht nachgefommen wurde, griffen die Polizeiorgane ein. Unzweifelhaft in recht wenig taktvoller und in einer wenig psychologisches Denken verraterrden Weise. Zeit jener Zeit glichen die Verhältnisse an der Klagemauer einem schwelenden Feuer, und es gelang der Mandatarmachl trotz mehrfacher Bemühungen nicht, diesen Zustand durch Verhandlungen mit Juden uno Arabern zu beseitigen. Im Gegenteil: mit ständig wachsender Beschleunigung 1 neben die Tinge der Katastrophe zu. Während von arabischer Seite, "mit brutaler Rücksichtslosigkeit gegen die Empfindungen der Juden, auf den Ausbruch des «offenen Konfliktes hingearbeitet wurde, während auf jüdischer Seite oie wachsende Erbitterung zionistischer Fanatiker einen vernunftvollen Ausgleich unmöglich machte, sah die Mandatsmachl untätig der Entwicklung der Ereignisse zu und sorgte nnverintwortlicherwnse noch nicht einmal für die Bereithaltung der Machtmittel, die zur Erstickung etwaiger Unruhen im Keime erforderlich waren. Mit dem Tischo b' Aw, dem jüdischen Trauertag aus Anlaß der Tempelzerstürnng. beginnt der neue Ausbruch des Feuers. Am Abend des Tischv b'Aw fand an bee Klagemauer eine jüdische Demonstration statt, die noch ruhig verlief. Bei einer zweiten Demonstration am Morgen des Neunten Aw, die vornehmlich von jüdischen Jugendorganisationen veranstaltet wurde, kam es dann zu immerhin »roch harmlosen - Provokationen der Araber und insbesondere der britischer! Regierung. Dr. Ernst Simon berichtet hierüber in der Jüdischen Rundschau: „Alle Bemühungen von Vertretern der verantwortlichen jüdischen Instanzen sowie von Vertretern der Polizei, den Zug zu verhindern, schlugen fehl. Er setzte sich schließlich durch und erreichte sogar, daß seine Vertreter von einem hohen Regierungsbeamten empfangen wurden. Es ist übrigens nach dem äußeren Auftreten der jungen Leute kaum anzunehmen, daß auch nur einer von ihnen den Tag durch Fasten begangen hat - ein Symptom dafür, wie sehr hier aus einer religiös-nationalen Angelegenheit ein reines Politikum gemacht wurde," Eine arabische Gegendemonstration war die Folge. Bei ihr wurden ein Tisch mit Leuchter an der Klagemauer zerbrochen, Gebetbücher verbrannt und ein Jude geschlagen, den die Polizei aus seiner heiklen Lage befreite. In den nächsten Tagen sind Raufereien an der Tagesordnung, weoer Juden noch Araber sind frei von Schuld und Fehl. Ein jüdischer Junge wird auf dem arabischen Fußballplatz verprügelt, er stürbt im Krankenhaus, sein Begräbnis entsprechend dem Wunsch der Behörden bei Nacht statlsinden zu lassen, lehnen dle jMschen Kreise ab. Das Leichenbegängnis wird von Hetzern zur politischen Demonstration gegen die Anordnungen der Polizeigewalt, diese widersetzt sich — offensichtlich gereizt und überscharf -- der vordringcnocn Menge und 24 jüdische Verwundete iünden von der kommenvm Katastrophe, die rrun nicht mehr zu verhindern ist. Anlaß und Ursache. Ter Kanrps, der um Palästina entbrennt, ist jedoch keineswegs, wie es nach dem Ausgangspunkt der Unruhen scheinen könnte, ein religiöser Streit, um die Klagemauer. Er ist die Entfesselung des National»stenkampses zwischen Juden und Arabern in Palästina. Es ist richtig, wenn die Jüdische Rundschau im Leitartikel ihrer Ausgabe vom 30. August schreibt: „Aber was in Palästina geschehen ist, ist weder eine Etementar-Katastrophe, noch ein Pogrom in dem Sinne, den das Wort in der jüdischen Praxis erlangt hat. Es sind Vorgänge mit politischem Hintergrund mtb politischen Motiven, und sie machen daher, so sehr auch die Gefühle zunächst dominieren, über die Trauer um Verlorenes hinaus politische Betrachtungen erforderlich." Und an anderer Ste.le: „Wir stehen heute vor dem Phänomen eines nationalen Aufstandes der palästinensischen Araber, der unterstützt wird vom den Arabern des Nachbarlandes." In diesem Kampf kommt der Klagemauer nur die Rolle eines Symbols zu. Und es zeigen sich auf jüdischer ebenso wie auf arabischer Seite die üblichen Schäden der Symbolbetrachtung, dle das Denken tötet und an die Stelle der Vernunft das Prestige setzt. Wäre der Nationatitätenkampf nicht die Ursache und die Klagemauer nur der Anlaß des Konfliktes, beide Seiten wurden wie einst Abraham zu Lot gesprochen haben: Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten: oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken. Von nationalem Recht und nationaler Ueberheblichleit. Daß Druck Gegendruck auslöst, ist eine Tatsache, die rur Ueberraschung keinen Anlaß bietet. Man mag den Nationalismus der Araber ebenso bedauern, vom jüdischen Standpunkt aus bedauern, wie man es bei dem jüdischen Nationalismus tut. Sicher jedoch ist, daß durch die Versuche der praktischen Durchführung des Zionismus der Nationalismus der Araber ganz gewaltig angefacht wurde. Gerade wer jüdischem Nationalismus huldigt, wird natürlich dem Nationalismus der Araber erst recht eine Berechtigung zuerkennen müssen. Seit der Balfour-Deklaration haben die Araber gegen die jüdische Einwanderung in Palästina Front gemacht. Sie haben sich dagegen gewehrt, daß in Palästina ein nationales Heim für das jüdische Volk errichtet wird, auf Grund von internationalen Verträgen, ohne daß die Bevölkerung des Landes hierzu die Zustimmung gibt. Gerade in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzung erscheint es uns eine Pflicht, der Wahrheit die Ehre zu geben. Und wir halten es desfhalb für geboten, in voller Offenheit auszusprechen, daß auch nach unserer Auffassung die Besiedlung eines Landes in der Gegenwart nicht lediglich mit historischen Gründen gerechtfertigt werden kann. Gewiß ist die Gewalt als Mittel nationaler Auseinandersetzungen Hu verurteilen. Die Gerechtigkeit aber erfordert neben dieser Erkenntnis auch die die Feststellung, daß wiederholt in neuerer Zeit die Bildung eines Landesparlaments in Palästina von arabischer Seite gefordert wurde, daß dieser Forderung aber von zionistischer Seite widersprochen und von englischer Seite nicht stattgegeben wurde. Wenn die natürlichen Ventile verstopft werden, so muß die Explosion die Folge sein. Ich habe mich nie zu den Nationaljuden gerechnet. Aber ich bestreite denen, die sich zum Nationaljudentum bekennen. nicht das Recht aus Pflege ihrer Individualität, l Doch für jeden Nationalismus gibt es eine Grenze: sie verlaust da, wo im Interesse des eigenen Rechts die Rechte Anderer geschmälert werden sollen. Der Zionismus hat leider den bei nationalen Bewegungen nur zu üblichen Schritt von der Erkenntnis nationalen Seins zum Chauvinismus nationaler Ueberheblichleit mitgemacht. Mag Weizmann einst das Wort „Palästina so jüdisch wie England englisch" in einer feierlichen Erregung des Augenblicks getan und später bitter bereut haben — in den Ohren der arabischen Bevölkerung Palästinas mußte es nachklingen. Und bis auf den heutigen Tag haben leider die Zionisten noch nicht einmal die primitive Selbstverständlichkeit gelernt, die in den Worten liegt: Immer daran denken, nie davon reden. Wenn in jüdischen Kreisen, auch in nichtzionistischen, von Palästina gesprochen wurde und die Rechte der arabischen Bevölkerung des Landes Erwähnung fanden, dann wurde nur zu oft die Debatte durch die Bemerkung abgeschnitten, wir seien ja nicht die Wächter der arabischen Rechte. Was dje Juden in Palästina wollen, das ist ja nicht die Beanspruchung nationaler Mindcrheitsrechte, — die können sie überall in der Welt haben — es ist ein Mehr, eine Zurückdrängung der heute noch dominierenden Araberschicht. Es mag unerwünscht für viele jüdische Kreise sein, daß diese Dinge ausgesprochen werden. Aber höher als Popularität muß die Gerechtigkeit stehen. Kennzeichnend für die gegenwärtige Situation ist die unleugbare Tatsache, daß die Mehrzahl der Juden nicht auf der Seite der um ihr nationales Seldftbestimmuugsrecht Kämpfenden steht, sondern sich verbunden fühlt mit deren Unterdrückern. Es ist Unrecht, ein Land, das Andere bewohnen, gegen den Willen der Bewohner als Heimat annektieren zu wollen. Folgerungen. Was also hat zu geschehen? Zunächst muß die Ruhe und Sicherheit von der Mandatsmacht wieder hergestellt werden. Doch das ist nur ein Anfang. Denn zu der alten Erkenntnis hinzu, daß man mit Bajonetten vielerlei anfangen, jedoch nicht auf ihnen fitzen könne, sollte ja jeder denkende Mensch aus dem Weltkrieg auch noch die Erfahrung geschöpft haben, daß man mit Hilfe von Macht Länder zerstören, nicht aber aufbauen kann. Der jetzige Zustand, bei dem die Angstgesinnung eine dauernde Spannung erhält, muß beseitigt werden. Glaubt man wirklich, ein segensreiches Aufbauwerk vollführen zu können, bei dem eine Hauptrolle der Polizist einer dritten Macht spielt? Und wer kann etwa die Verantwortung dafür übernehmen, daß in absehbarer Zeit neue Tausende jüdischer Brüder zur Wanderung nach Palästina veranlaßt werden und das Feuer neue Nahrung erhält? Wer den schleichenden Krieg in Palästina will, der mag festhalten an der Balfour-Deklaration und dem Palästmamandat und hem Glauben der Durchsetzung des „historischen Rechts". Wer aber den Friären will, der wird die Tatsache gelten lassen müssen, daß die Bevölkerung eines Landes ein Recht darauf hat, über hre Einwanderung in das Land zu bestimnren, und daß deshalb den Gliedern der jüdischen Gemeinschaft nur geholfen werden kann durch den Kampf für die Gleichberechtigung in den Heimatländern. Der Weg des Zionismus hat sich als ungangbar erwiesen. Es gibt Zeiten, in denen man der Befriedung der Welt dient, wenn man seinen Irrtum eingesteht. Bruno Woyda. Der Verlauf der Unruhen in Palästina ist aus den Meldungen der Tageszeitungen im einzelnen bekannt. Wir schm deshalb davon ab, hier nochmals die sämtlichen Greuelmeldungen wiederzugeben. Die Auffassung der drei beteiligtm Gruppen ist inzwischen in zahlreichen Kundgebungen zum Ausdruck gekommen. Von arabischer Seite wird der Hauptwert auf die Erlangung eines Selbstbestimmungsrechtes der Landesbevölkerung für die Zukunft gelegt. Die arabische Exekutive beschloß, dem Oberkommissar Str John Chancellor folgende drei Forderungen zu unterbreiten: Errichtung eines Parlaments, Annullierung der Balf our-D eklaration, Sperrung her palästinensischen Tore gegen eine Neueinwanderung von Zionisten. Der Emir El Hussein, Groß-Mufti und Präsident des Obersten mohammedanischen Rates, erklärte dem Sonderkorrespondenten des „Daily Expreß" in Jerusalem: „Wir stehen augenblicklich einem ernsten nationalen Aufstand gegenüber, in dem wir die Sympathie und Unterstützung nicht nur der mohammedanischen Araber Syriens, Aegyptens und Nord^ afrikas haben, sondern ganz Arabiens mit seinen sechzig Millionen Menschen. Es wird Friede in der unmittelbarm Zukunft herrschen, soweit wir ihn aufrecht erhalten können. Wir werden uns den britischen Bajonetten nicht widersetzen. Was aber Großbritannien verstehen muß, ist, daß die ernsten Ereignisse in Palästina in Wirklichkeit wenig mit der Klagemauer zu tun haben; sie gehen bis auf die Balsour-Erklärung vom Jahre 1917 zurück." Der Emir fuhr fort: „Ihr könnt die «augenblicklichen Unruhen unterdrücken und. durch die Macht der britischen Waffen die Ruhe für dien Augenblick wiederherstellen, aber endgültiger Friede in Palästina und Arabien wird niemals wiederhergestellt werden, so lange Großbritannien weiterhin die Politik der Balfour-Deklaration verfolgt. Ganz Arabien ist in großer Aufregung." Von zionistischer Seite werden in der ganzen Welt Kundgebungen veranlaßt. In London fand in der Royal Albert Hall am vergangenen Sonntag eine große Kundgebung der britischen Juden statt. In einer Vorberatung führender Persönlichkeiten gab Dr. Weizmann, der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, die folgende, durch die Jüdische Telegraphen-Agmtur verbreitete Erklärung ab: Als das letzte Mal (im Jahre 1921) in Jerusalem und in anderen Teilen Palästinas Uiiruhen stattfanden, wurden wir später gezwungen, das White Paper (Weißbuch der britischen Regierung, in der die Balfour-Deklaration eine Modifizierung erfuhr) zu akzeptieren. Wir werden uns diesmal mit einer Modifizierung nicht einverstanden erklären. Nicht ein „White Paper", sondern ein Blue-White Paper wollen wir diesmal haben. Nicht ein einziges Schiff wird die Küste Palästinas passieren, ohne eine Zahl Chaluzim in das Land zu bringen. Sobald sich die Lage im Ländle heruhigt, soll eine große Einwanderung einsetzen. Die einzige Antwort der Regierung auf die Geschehnisse müßte die Verlebendigung des Mandates sein. Dr. Weizmann führte weiter aus, daß man an der Entschlossenheit der britischen Regierung, schnell Ordnung zu schaffen, nicht zweifeln dürfe. Aufgabe der Zukunft ist es, sestzustellen, wer die Verantwortung für diese furchtbaren und tragischen Ereignisse trägt. Es ist nicht zu zweifeln, daß die Regierung wachsam ist und» gegen die verantwortlichen Mitglieder der Administration in Palästina die erforderlichen Schritte ergreifen wird. Wenn ich diese Feststellung mache, schloß Dr. Weizmann, so nehme ich dm High Commissioner aus, der zur Zeit des Aufstandes nicht in Palästina war und auch früher nur verhältnismäßig kurze Zeit im Lande geweilt hat. Die Auffassung der Mandatsmacht findet sich in einer Proklamation, die der britische High Commissioner für Palästina, Sir Robert Chancellor, an die Bevölkerung Palästinas gerichtet hat. Sie lautet: Ich habe nach meiner Rückkehr aus hem Vereinigten Königreich zu meiner Betrübnis das Land in einem Zustand der Unordnung und als eine Beute ungesetzlicher Gewalt vorgefunden. Mit Schreckm erfuhr ich von den grauenvollen Taten, die durch Bandm gefühlloser und blutdürstiger Verbrecher begangen wurden, von brutalen Morden, begangen an schutzlosen Angehörige» der jüdischen Bevölkerung ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes. Wie in Hebron, so überall, waren die Angriffe begleitet von nicht zu schildernder Roheit, von Niederbrennung von Farmen und Häusern in Stadt und Land, von Plünderung und Zerstörung des Eigentums. Diese Verbrechen haben auf die Häupter ihrer Urheber den Fluch aller zivilisierter Völker in der ganzen Welt geladen. Die erste Pflicht wird es sein, die Ordnung im Lande wiederherzustellen und diejenigen, die der Schuld an den Gewalttaten überführt werden, der st rengenBestrafungzuzu führen. Alle notwendigen Maßnahmen werden zur Verwirklichung dieses Endzieles ergriffen werden, und ich ersuche alle Einwohner Palästinas, mich in der Erfüllung dieser Pflicht zu unterstützen. Gemäß dem Versprechen, das ich im Juni die^s Jahres, bevor ich Palästina verließ, der arabischen Exekutive gegeben hatte, habe ich in London Gespräche mit dem Staatssekretär für die Kolonien über das Thema einer konstitutionellen Umgestaltung in Palästina eingeleitet. Aber angesichts der jüngsten Ereignisse mußte ich diese Diskussion mit der Regierung seiner Majestät verschieben. Um verlogenen Darstellungen, die jüngst über das Thema der Klagemauer in Umlauf gesetzt worden sind, entgegenzutreten, gebe ich hierdurch mit Zustimmung der Regierung seiner Majestät bekannt, daß ich beabsichtige, die im Weiß^ buch vom 19. November 1928 niedergelegten Prinzipien zu verwirklichen, sobald die Methoden ihrer Anwendung festgelogt worden sind. Betrachtungen über Palästina angeregt durch die letzten Araberangriffe auf die Jude». Bon Edith Falk, Frankfurt a. M. Kein Jude der Well wird die jüngsten bluttgen Ereignisse in - Palästina anders ansehen als mit dm Gefühlm bittersten und tiefstm Schmerzes, kein fühlender Mensch auf der Well wird sein Mitleid dm unglücklichen Opfern des Araberhasses verweigern. In inniger Zusammengehörigkeit fühlen wir Juden der Wett uns verbrüdert, wie wir Menschen der Wett uns verbrüdert fühlm fällten; und wie unser Aller Empfinden sich in wilder Auflehnung bäumte, als Pettjura in Osteuropa unsere Glaubensbrüder massakrieren