Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 36 (4.9.1929)
- Date
- 1929-09-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9. Jahrgang Mmmer 36 1. Beilage 4. September 1929 Moses Mendelssohn spricht Als Jude — als Philosoph — als Pazifist Der Jude: Antwort an Lavater der in einem Sendschreiben nachzuweisen versucht hätte, daß Mendelssohn, nach seinen eigenen Schriften zu schließen, dem Christentum näher stehe als dem Judentum und ihn demgemäß zum Uebertritt aufforderte, falls er den Inhalt des Sendschreibens nicht widerlegen könne: Ich clurk sagen, daß ich meine Religion nicht erst seit gestern zu untersuchen angefangen. Die Pflicht, meine Meinungen und Handlungen zu prüfen, habe ich gar frühzeitig erkannt. Ich werde es nicht ableugnen, daß ich bei meiner Religion menschliche Zusätze und Mißbräuche wahrgenommen. Welcher Freund der Wahrheit kann sich rühmen, seine Religion von schädlichen Menschensatzungen frei gefunden zu haben? Wir erkennen ihn alle, diesen vergiftenden Hauch der Heuchelei und des Aberglaubens, so viel unsrer sind, die wir die Wahrheit suchen, und wünschen ihn, ohne Nachtheil des Wahren und Outen, abwischen zu können. Allein von dem Wesentlichen meiner Religion bin ich so fest, so unwiderleglich versichert, als Sie oder Herr Bonnet nur immer von der Ihrigen sein können, und ich bezeuge hiermit vor dem Oott der Wahrheit, Ihrem und meinem Schöpfer und Erhalter, bei dem Sie mich in ihrer Zuschrift beschworen haben, daß ich bei meinen Grundsätzen bleiben werde, solange meine ganze Seele nicht eine andere Natur annimmt. Der Philosoph: Alis Mendelssohns „Morgenstunden“ . (XI). Alles, was ist, ist das Beste. 1). Schlechterdings das Beste, oder das Allervollkommenste in der Einfachheit; der Inbegriff aller Realitäten, das selbständige Wesen (Ens a s e). 2). Das Beste secundum quid, das Vollkommenste in der Vereinigung, in der Verbindung vieler, deren Jedes, einzeln betrachtet, eingeschränkt und unvollkommen ist, durch Verbindung und Beitrag zum vollkommensten Ganzen, aber irgendwo und irgendwann, als ein Theil des Ganzen, das Beste wird; die Welt sammt allen ihren Veränderungen in Zeit und Raume. Alle Gedanken Gottes, in so weit sie das Beste zum Vorwurf haben, gelangen zur Wirklichkeit. 1). Das absolute Beste. Gott denkt sich selber mit der lebendigsten Erkenntniß, mit der allerhöchsten Selbstbilligung. Seine allerhöchste Kraft bringt unaufhörlich in ihm selbst alle Prädicate hervor, die in einem Subjekte sich vereinigen lassen, und diese sind so notwendig, als seine Denkbarkeit. 2). Das Beste secundum quid, oder das hypothetische. Gott denkt seine Eigenschaften mit den unendlich mannigfaltigen Einschränkungen, mit welchen sie denkbar sind; d. h. er denkt alle mögliche Abstufungen seiner Vollkommenheiten mit dem einer jeden angemessenen Grade von Billigung und Wohlgefallen. Er denkt sich alle mögliche Verbindungen dieser eingeschränkten Vollkommenheiten; nicht in Einem Subjekte, denn sie sind unvereinbar; aber er denkt sie sich in Verbindung vieler. Unter diesen möglichen Verbindungen vieler eingeschränkter Wesen wird Eine im Ganzen, vergleichungsweise, die beste sein; so wie jedes Einzelne in derselben an seinem Orte und zu seiner Zeit das Beste sein muß. Gott denkt sich diese vollkommenste Verbindung, und alle in derselben vorkommenden, nach Zeit und Ordnung eingeschränkten Dinge, in so weit sie das Beste sind, mit dem höchsten Grade der Billigung. Billigungskraft hat zum Ziele die Hervorbringung des Gegenstandes, das Bestreben, den Gegenstand der Vorstellungen nach Maaßgebung des Ideals zur Wirklichkeit zu bringen. Die Kraft des selbstständigen Wesens wird also diese eingeschränkte Grade seiner Vollkommenheit und ihre bestmögliche Verbindung hervorbringen; nicht in sich, denn sie sind mit seinen Eigenschaften nicht vereinbar, sondern außer sich, «als für sich bestehende eingeschränkte Substanzen, jede mit der Veränderung in Ort und Raume, mit welcher sie in Beziehung auf das Ganze das Beste sind. Gott ist Schöpfer und Erhalter des besten Weltalls. (Aus bei Kunstsammlung bei Jüdischen Gemeinde Berlin.) Man siebet hier den Uebergang von dem Verstände Gottes auf seine Eigenschaft als Schöpfer und Erhalter der Dinge außer ihm. Vorstellung mit Billigung oder Theilnehmung verbunden, ist lebendige Erkenntniß, und lebendige Erkenntniß im höchsten Grade ist Anregung zur Thätigkeit, Bestreben zum Hervorbringen, zum Kraftäußern. Der Pazifist: Aus Mendelssohns „Friedenspredigt“ 1763 (auf den Huüertusburger Frieden). Meine andächtigen Brüder aus dem Hause Jakob! Der Gott unserer Väter hat uns endlich den Freudentag erleben lassen, welcher der spätesten Nachkommenschaft in diesem Reiche so heilig, so festlich seyn wird, als unsern Glaubensbrüdern jener Tag ist, da der Herr unsere Voreltern aus Aegyptenland geführt und aufgerichtet hat wandeln lassen, vor ihren Verfolgern her. Die Tage der Versuchung und des göttlichen Strafgerichts sind vorüber; wir feiern einen Tag der Versöhnung, einen Tag des Heils, einen Tag der Errettung. Wir nähern uns dem allerheiligsten Throne Gottes, um ihm, nicht wie vormals für blutige Siege über unsere Nebenmenschen zu danken, nicht für erhaltene Vortheile über seufzende Geschöpfe Gottes, die aus Verblendung sich unsre Feinde nannten, ihn zu loben; nein! wir bringen dem Herrn Ehre und Ruhm für die wiederhergestellte Ruhe auf Erden, Eintracht zwischen ihren Bewohnern, und Freundschaft zwischen den hohen Häuptern, denen er das Schicksal seiner Völker zu lenken übergeben. Wir opfern dem Herrn Dank, und kein Geschrei der Tödtenden und Sterbenden entweihet unser Gebet; wir singen ihm neue Lieder, und kein Aechzen der Nothleidenden mischt sich in unsern Lobgesang; unsere Freude hängt nicht mehr von der Betrübniß Anderer, unsere Wohlfahrt nicht mehr von dem Untergang unserer Nachbarn ab. Wir können alle unsere Nebenmenschen lieben wie uns selbst, wir können unsere Kräfte zu ihrem Vortheil anwenden, wir können in großer Uebereinstimmung dem Schöpfer des Himmels und der Erde dienen, und die Glückseligkeit seiner Geschöpfe befördern helfen; O! seliger Zeitpunkt, nach welchem wir so viele Jahre geseufzt haben! Friede ist der Schöpfungsendzweck Gottes; Friede ist die Harmonie der Erschaffenen, die Seligkeit im Himmel, der Freudenruf der Erlösten (Jes. 52, 7). Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Botschafters, der den Frieden verkündiget!. Die schreckliche Erfahrung, was das heiße, mit seinem Nebenmenschen in Feindschaft leben, ist uns allen noch in frischem Andenken. Wir haben einsehen gelernt, daß die bösen Thiere der menschlichen Gesellschaft nicht schädlicher seyn können als Argwohn, Haß, Neid, Zwietracht, und ihr entsetzliches Gefolge, der Krieg sammt allen seinen Unmenschlichkeiten. Die traurigen Tage sind uns in Gedanken noch gegenwärtig: (Sach. 8, 10) „da der Menschen Arbeit vergebens und der Thiere Arbeit nichts war, und denen, die aus- und einzogen, kein Friede war für Trübsal; denn der Herr ließ die Menschen gehen, einen jeden wider seinen Nächsten“. Im Kriege haben die Güter keinen Genuß, der Fleiß keinen Lohn, die Verdienste keinen Preis, der Redliche keine Zufriedenheit; die Religion seufzt, die Tugend verbirgt sich, und — welches nach dem Ausspruche des Talmuds der härteste Fluch ist — der Jüngere ist stolz wider den Alten, und ein loser Mann wider den Ehrlichen. Im Kriege ist der Menschen Arbeit vergebens: Städte werden eingeäschert, Palläste niedergerissen, alle wohlthätige Stiftungen vernichtet, die Gesetze mit Füßen getreten, die Künste verachtet; und was die Menschen in vielen Jahrhunderten zur Verbesserung ihres Zustandes erdacht und ins Werk gerichtet haben, wird in kurzer Zeit zerstört. Und der Thiere Arbeit ist nichts: die Aecker werden umgewühlt, die Saaten zertreten; und was davon aufkommt, genießt der Ackersmann nicht, denn der Feind verzehrt die Früchte seines Schweißes. Daher setzt der Herr, nachdem er denen, welche in seinen Satzungen wandeln und seine Gebote halten, allerlei irdische Glückseligkeiten verheißen hat, zuletzt noch den Segen hinzu, ohne welchen man jene nicht genießen kann: „ich will Friede geben im Lande; ich will das Herz derer, die Krieg und Frieden in ihrer Willkühr haben, zu eurem Besten lenken“. Der Könige Herz ist in der Hand des Herrn, wie Wasserbäche; und er neigt es, wohin er will. Wie die Flüsse auf den Wink des Herrn bald zum Segen des Landes Felder, Auen und Wiesen befeuchten, bald die Felder überschwemmen und die Hoffnung des Landmannes zerstören; eben so lenkt der Herr das Herz der Könige nach seinem Wohlgefallen, bald zum Segen, bald zur Züchtigung eines Landes. Ziehen wir uns durch unsere Ungerechtigkeit sein Strafgericht zu, verachten wir seine Satzungen, verwerfen wir seine Rechte, und lassen wir seinen Bund anstehen; so läßt er einen Jeden wider seinen Nächsten gehen, und alle unsere Mühe und Arbeit verloren seyn. Wandeln wir aber in seinen Satzungen, halten wir die Gebote und thun sie; so führt er uns den Frieden wie einen Strom zu, so giebt er Frieden im Lande, daß wir schlafen und Niemand uns schrecke. — Wine dRekordleis/imä: Bernhard Loeser 30^ Die Zigarre »Bernhard Loeser" ist ein Erzeugnis von bestechend feiner Qualität mit zartester Havana-Einlage. Mehr wert, als der Preis ausdrückt, wurde diese Marke als außerordentlich preiswürdige Zigarre zu Ehren des Begründers unseres Hauses geschaffen. mit feinster Sumatra-Sandblattdecke, in Kisten zu ZO Stück das Stück i 5151. 9? 7 LOESERtfWOlFF Zentrale: Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 268