Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 35 (28.8.1929)
- Date
- 1929-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9. Jahrgang Nummer 35 Beilage 28. August 1929 IWchOemleZMmg Die Moses Mendelssohn-Ausstellung in Dessau Die Moses Mendelssohn-Ausstellung, die in der Anhaitischen Gemäldegalerie am 7. September eröffnet wird, wird etwa vier Wochen für den Besuch des Publikums offen stehen; sie soll noch der Anhaltischen Lehrertagung, die Anfang Oktober stattfindet, zugänglich gemacht werden. Auch nachdem am Ende der ersten Ausstellungswoche eine Reihe von Objekten, die den Berliner staatlichen Stellen und der Berliner jüdischen Gemeinde gehören, zwecks Vervollständigung der alsdann beginnenden Berliner Ausstellung zurückgesandt sein werden, wird die Dessauer Ausstellung einen vollständigen Ueberblick über Leben und Wirken des großen Philosophen bieten und dazu noch viele interessante jüdische Denkwürdigkeiten aus allen Teilen Anhalts. Der Arbeitsausschuß, der unter dem Vorsitz des Leiters der Staatsbücherei Herrn Staatsminister a. D. Dr. Rammelt aus den Herren Landesrabbiner Dr. Walter, Bibliotheksrat Dr. Wahl, Direktor der Gemäldegalerie Landeskonservator Dr. Grote, Archivrat Specht und Lehrer Butzmann besteht, hat die Vorbereitungen für ein Gelingen der Ausstellung mit großer Sorgfalt getroffen und bei allen in Frage kommenden staatlichen und privaten Stellen Entgegenkommen gesunden. Am 5. September wird im Danziger Rundfunk Herr Rabbiner Dr. Grün einen Vortrag über Moses Mendelssohn halten. Die Danziger Gemeinde veranstaltet im Rahmen des Freitagabendgottesdienstes auch eine Mendelssohn- Feier, bei der Herr Gemeinderabbiner Dr. Grün die Festpredigt hält. Umschau Jüdische Pogromopfer in Rußland sollen lebenslängliche Pension bekommen. Das Kommissariat für soziale Fürsorge der ukrainischen Negierung arbeitet jetzt, wie die Jta meldet, ein Gesetzesprojekt aus, wonach die vielen Tausende Juden in den Städten und Städtchen der Ukraine, die während der Pogrome von Petljura, Denttin und den anderen Attamanen und Generalen verkrüppelt worden oder um ihre Habe gekommen sind, den Kriegsinvaliden zugezählt und lebenslängliche Staatspension erhalten sollen. Der Verwalter des jüdischen Departements bei dem Kommissariat für s oziale Fürsorge, M. Donskoj, der das Gesetzesprvjckt ausarbeiiet, erklärte dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, das Gesetz verfolge das Ziel, die Lage Tausender deklassierter Juden zu lindern und ihnen als den „Opfern der Konterrevolution" auch volle Rechte als Sowjetbürger zu verleihen. Die russischen Juden proklamieren den 2. Tag Rosch Haschoiivh als Jndustrialifierungstag. Die jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei haben beschlossen, den kommenden „Jom Kippur" (jüdischer Versöhnungstag) als „jüdischen Jndustrialifierungstag" zu proklamieren. Die jüdischen Arbeiter, Handwerker und Kolonisten sollen an diesem Tage ihre normale Arbeit verrichten und den Verdienst an den Staat als Beisteuer. zum jüdischen Jndustrialisierungsfonds führen. Dieser Plan liegt in der Richtung der von den jüdischen Kommunisten vorbereiteten allgemeinen Kampagne gegen die Feier von Rosch Haschanah und Jom Kippur. — Einer späteren Meldung der Jta zufolge ist von der Konferenz jüdischer Kommunisten nicht der Jom Kippur, sondern der zweite Tag Rosch Haschanah als „Jüdischer Jndustrialisierungstag proklamiert worden; der Verdienst des Tages soll für die Erbauung eines Aeroplans mit Namen „Biro Bidschan" verwendet werden. Es wurde ferner beschlossen, auch in diesem Jahre aus Anlaß der hohen jüdischen Feiertage eine antireligiöse Kampagne zu führen und einen sogenanmen „roten Kol-Nidre-Abcnd" und „rote Rosch Haschanah-Tagc" in den Städten und Städtchen der Sowjeturtiou zu proklamieren. Jüdischer Hochschülrr-Weltkongreß verschoben. Das Komitee zur Vorbereitung des Weltkongresses der jüdischen .Hochschüler teilt mit, daß der Kongreß, der im September dieses Jahres in Berlin hätte statt finden sollen, aus Anfang 1930 verschoben wurde. (Jta.) Jüdische Hochschüler aus dem Kongreß der C.J.E. irr Budapest. Wie die Jta bereits mitteilte, wurden zum Kongreß der C.J.E. (Confederation Internationale des Etudiants), der jetzt in Budapest tagt, auch Vertreter des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft eingcladen. Der I Weltverband leistete dieser Einladung Folge und entsandte I als seine Vertreter die Herren: Dr. Eduard Pachtmann und Alexander Teich, beide aus Wien. Der Präsident des Kongresses begrüßte die Erschienenen in» einer herzlichen Ansprache, worauf Dr. Pachtmann in seiner Erwiderung für die Einladung und Aufnahme dankte und betonte, daß die jüdischen Studenten zu der internationalen Studentenorganisation freundschaftliche Beziehungen pflegen wollen. Dr. Pachtmann berichtete über die Lage der jüdischen Ho-chschüler und stellte fest, daß diese sich stets bestrebt zeigen, die schönen Ziele der C.J.E. zu unterstützen Die Ansprache Dr. Pachtmanns wurde vom Plenum des Kongresses mit lebhaftem Beifall ausgenommen. (Jta.) Internationaler Bund akademischer Frauen und der Numerus Clanfus. Auf hem in den letzten Tagen in Genf stattgefundenen Kongreß' des Internationalen Bundes Akademischer Frauen, auf welchem 33 Länder durch 400 Delegierte vertreten waren, sprach Frau Rosa Aberson, Generalsckretärin des Jüdischen Frauenbundes, im Verlauf der Debatte über das Problem der arbeitslosen Jnterlektuellen über den in manchen Ländern bestehenden Numerus Clausus gegenüber der jüdischen Studentenschaft, durch welchen das Problem der arbeitslosen Jnterlektuellen eine Verschärfung erfährt. Diese beklemmende Frage, führte Frau Rosa Aberson aus, könne keineswegs die akademischen Frauen gleichgültig lassen; denn der aus völkischen oder konfessionellen Gründen über eine Kategorie von Staatsbürgern verhängte Numerus Clausus schadet den Interessen der Wissenschaft und tut den Menschenrechten und den Friedensbestrebungen Abbruch. Genies wie Einstein, Bergson oder Ehrlich könnten durch eine derartige Maßnahme von der Universität ferngehalten werden und gingen der Wissenschaft verloren. Wäre das nicht ein an der Menschheit begangenes Verbrechen? Frau Aberson beschrieb die Leiden, denen die jüdische Studentenschaft seitens der antisemitischen Hochschuljugend ausgesetzt ist. Im Laufe der letzten Jahre hätte die Umgebung der Universitätsrampen häufig den Anblick eines Schlachtfeldes geboten. Sie richtete einen Appell an die Versammlung, welche die Auslese weiblicher Intelligenz umfaßt, sich über diese schwerwiegende Frage auszusprechen. Sie beantragte folgende Resolution: Der in Genf vereinigte Kongreß der J.F.U.W. spricht in Anbetracht dessen, daß die beschränkte Zulassung einer Kategorie Bürger zu den Universitäten aus Gründen der Rasse oder Religion (wie z. B. der Numerus Clausus gegen jüdische Studenten) mit den Interessen der Wissenschaft, der Menschen- und Bürgerrechte und den Interessen des Friedens in Widerspruch steht, den Wunsch aus, 1. daß die Staaten und Universitäten den Numerus Clausus, den sie für jüdische Studenten bereits eingeführt haben, wieder aufheben, 2. daß alle Männer und Frauen, die für die Interessen der Wissenschaft, die Interessen des Friedens und die Würde der Akademiker eirttreten wollen, der antisemitischen Hetze der Studenten, die den Numerus Clausus in ihren Ländern gewaltsam einführen wollen, energisch Widerstand leisten. Diese Resolution wurde dem Rat des Internationalen Bundes akademischer Frauen überreicht; dieser ernannte einen Sonderausschuß, der mit der Prüfung dieser Resolution und der Einbringung eines Berichtes darüber in der nächsten Sitzung des Rates betraut wurde. Beratung der Führer des Joint Distribution Committee. Am 15. und 16. August hielten die .Führer des Joint Distribution Committee in Amerika und die Joint-Direktoren in Europa eine gemeinsame Beratung in Zürich ab, die der Ausstellung eines Programms der konstruktiven Arbeit für die nächste Zukunft galt. Der Generalsekretär des American Joint Distribution Committee Herr Joseph C. H y m a n erstattete auf Ersuchen des Präsidenten Herrn Felix M. Marburg Bericht über das Aufbauwerk und erklärte, das Joint Distribution Committee werde sein Programm des Wiederaufbaus zugunsten der Juden in Osteuropa und in Rußland mit ungeschwächter Energie fortführen. Dr. Joseph Rosen und Dr. E. G r o - wer, die zu den Beratungen aus Moskau eingetrosfen waren, erstatteten Berichte über die Lage der Juden in den Kolonien und in den Städten Rußlands und machten Vorschläge betreffend die Durchführung eines Jndustrialisierungsprogramms, das große Massen der jüdischen städtischen Bevölke- > rung in Rußland wirtschaftlich selbständig machen soll. , Herr Dr. Bernhard Kahn, der europäische Direktor | des Joint Distribution Committee, und der europäische Vize- I Direktor Herr David I. Schweitzer, berichteten ausführlich über die Lage der Juden in den Ländern Osteuropas außerhalb Rußlands und über das Werk des Joint in diesen Ländern. Herr David N. B r e ß l e r, stellvertretender Präsident des New Aork Campaign und Mitglied des Exekutivkomitees des Joint Distribution Committee, und der Generalsekretär Herr Joseph C. Hyman, die in den letzten Monaten eine ausgedehnte Exkursion durch die Länder Osteuropas unternommen und mehr als 30 Städte und Dörfer in Polen, Lettland, Litauen, Rumänien, Transsylvanien, Bukowina, Beßarabien, Tschechoslowakei und Karpathorußland besucht hatten, gaben ausführlich Bericht über die Lage der Juden in den genannten Landern und unterstrichen die Notwendigkeit eines Ausbaus des Hilss- und Ausbauwerkes in diesen Ländern. Den Berichten schloß sich eine eingehende Aussprache an, in der die Linien des zukünftigen Aufbauprogramms des Joint Distribution Committee schärfer Umrissen wurden. Einmütig wurde eine Resolution angenommen, die besagt, daß das vom Joint Distribution Committee in Rußland und in den übrigen Ländern Osteuropas eingeleitete Wiederaufbauwerk unvermindert fortgesührt werden solle. * Die jüdische Öffentlichkeit in Amerika für Fortführung des Joint-Werkes. Wie erinnerlich, hat das Joint Distribution Committee unter den Personen, die regelmäßig Beiträge an den United Jewich Campaign leisten, mittels eines Fragebogens eine Art „Volksabstimmung" durchgesührt, die darüber die Entscheidung bringen sollte, ob auch nach Beendigung des Programms für 1929 das Hilss- und Aufbauwerk in Europa und Palästina fortgeführt werden solle. 96 <y<> aller Befragten sprachen sich entschieden für die Fortführung des Joint- Werkes aus. In der amerikanisch-jüdischen Oeffentlichkeit und in der Presse wurde die Anregung gegeben, daß das Joint Distribution Committee sich als permanente Organisation rekonstruieren möge. In der am 11. Mai d. I. in Chicago abgehaltenen Konferenz des Joint Distribution Committee wurde ein' für die nächsten fünf Jahre berechnetes Arbeitsprogramm für Osteuropa und Palästina erörtert. Die Konferenz nahm einmütig die von Louis Marshall eingebrachte Resolution an, in der das Joint Distribution Committee ermächtigt wird, nach dem 1. Juli 1929 eine neue einjährige Kampagne zur Aufbringung einer Summe von nicht weniger als 2 500000 Dollar zu eröffnen. Kgl. Eroßbritaunisch-Hannooersche Gesetze. In Nr. 31 vom 31. Juli d. Js. hatten wir an dieser Stelle einen Aussatz aus dem „Dortmunder Generalanzeiger" abgedrückt, in welchem scstgestellt wurde, daß eine merkwürdige Sorte von Gesetzen und Polizciverordnungcn heule noch in Kraft sind. Der Aufsatz war dann durch die Jta verbreitet worden und hat seinen Weg durch eine große Reihe jüdischer Blätter genommen. Der „Centralvcrein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" übermittelt nunmehr der Jta die folgende Aeußerung eines Fachmannes zu diesem Gegenstand: „Jedes Judengesetz aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts e.tbält Bestimmungen über die „bürgerlichen Verhältnisse der Juden". So z. B. auch das für Altpreußeu geltende Gesetz vom 23. Juli >817. Aber schon bei Inkrafttreten der alten deutschen Reichsverfassung von 1871 waren so gut wie alle Einschränkungen bezüglich der bürgerlichen Stellung der Juden bescittgt. Was z. B. die Vorschriften über Eheschließung anbelangt, so hob das Bundesgesetz vom 4. Mai 1868 die bestehenden Beschränkungen auf, also auch die in dem Zeitungsaussatz als heute noch gültig dargestellten. Nur ein Punkt erscheint beachtlich: Die Niederlassung ausländischer Juden soll durch das Gefey von 1842 erschwert sein. Man wird nicht sagen können, daß vor Inkrafttreten der Weimarer Verfassung ein öffentlicher Rechtssatz bestand, der das Gegenteil besagt. Aber das mit Gründung des Deutscher: Reiches von 1871 und durch den Eintritt des Reiches in die Völkergemeinschaft wirksam gewordene Völkerrecht stand schorr damals der Ausführung jenes hannoverschen Gesetzesparagraphen im Wege. (Liszt, Völkerrecht, 11. Auflage 8 12 I). Seit dem 11. August 1919 hat durch Art. 4 N.V. der bis dahin nur dem Völkerrecht angehörende Satz, daß einem Ausländer grundsätzlich die Niederlassung nicht verwehrt werden karrn, innerstaatlichen Inhalt bekommen. Hätte der unbekannte Verfasser wirklich ernsthaft sich mit dem hannoverschen Judenrecht befaßt, so hätte er bei Lveb „Die Rechtsverhältnisse der Juden im ehemaligen KööEine dRekord/eis/img: Bernhard Loeser Die Zigarre „Bernhard Loeser* ist ein Erzeugnis von bestechend feiner Qualität mit zartester Havana-Einlage. Mehr wert, als der Preis ausdriickt, wurde diese Marke als außerordentlich preiswürdige Zigarre zu Ehren des Begründers unseres Hauses geschaffen. 3Ctj mit feinster Sumatra-Sandblattdecke, in Kisten zu Z0 Stück das Stück LOESER <öWOLFF Zentrale: Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 268