Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-08-28 · 35 (28.8.1929) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
35 (28.8.1929)
Date
1929-08-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2614000-2614035--3264-2620833
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

nigreiche und der jetzigen Provinz Hannover" (dem einzigen einschlägigen Werk) Nachlesen können, daß schon durch ein hannoversches Gesetz vom 15. April 1847 wesentliche Teile des Gesetzes vom Jahre 1842 geändert wurden. Man darf sagen, daß das hannoversche Judengesetz von 1842 mit das beste seiner Art ist und noch heute im Vergleich z. B. zu dem für Altpreußen geltenden Gesetz von 1847 als vorbildlich bezeichnet werden muß." (Wir behalten uns vor, auf diesen Gegenstand zurückzukommen. Die Red.) Samuel Weizmann, der Bruder Chaim Weizmanns, agitiert für Biro-Bidfchan. Herr Samuel Weizmann, ein Bruder des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Tr. Chaim Weizmann, ist soeben im Aufträge der Regierung der Sowjetunion in den Vereinigten Staaten eingetroffen, um für sie als wirtschaftlicher Experte zu fungieren. Er erklärte Vertretern der Presse, daß er in Amerika für den Plan der Besiedlung von Biro-Bidschan im Fernen Sibirien durch Juden und die Ausgestaltung dieses Gebietes zu einer autonomen jüdischen Republik wirken wolle. Es besteht die Möglichkeit, sagte Samuel Weizmann, im Verlauf der nächsten 15 Jahre eine Million Juden in Biro-Bidschan anzusiedeln. Die bestehenden Schwierigkeiten sind leicht zu überwinden, die große Entfernung von Europa kann ebenfalls kein Hindernis sein; im Gegenteil, diese räumliche Entfernung werde es bewirken, daß die Siedler sich nicht allzu leicht entschließen werden, in ihre, alte Heimat zurückzukehren. Ec gab der Hoffnung Ausdruck, daß nach den ersten Erfolgen des Kolonisationswerkes der Regierung auch die ausländischen jüdischen Organisationen wie Jca und Agro-Joint das Biro-Bidschan-Projekt unterstützen werden. — Auf eine Frage der Journalisten erklärte Samuel Weizmann, er sei Gegner des Zionismus, ungeachtet dessen stehe er auf freundschaftlichem Fuße mit seinem Bruder Dr. Chaim Weizmann. (Jta.) Arthur Höllischer 60 Jahre Am Donnerstag, den 22. August, wurde der in Berlin lebende bekannte Schriftsteller und politische Kämpfer Arthur Höllischer 60 Jahre alt. Holitscher entstammt einer wohlhabenden jüdischen Familie Budapests, zu der er frühzeitig in Gegensatz trat. Seine Selbstbiographien „Erinnerungen eines Rebellen" und „Mein Leben in dieser Zeit" schildern diese und spätere Kämpfe. Holitscher schrieb eine Reihe von Romanen, Novellen und Dramen. Immer wieder kehrt er zu jüdischen Stoffen zurück, so im Drama „Der Golem", in der Novelle „Er ist da". Alle Schriften Höllischer^ sind von starkem Mitgefühl mit allen Unterdrückten erfüllt. Große Popularität erreichten seine Reisebücher „Amerika heute und morgen", „Drei Monate in Sowjetrußland", „Reise durch das jüdische Palästina". Das letzte Buch ist ein begeistertes Bekenntnis zum Werk der jüdischen Arbeiterschaft; er sieht in der palästinensischen Arbeiterbewegung eine Verwirklichung kommunistischer Lebensideale. (Jta.) » Aus den Gemeinden » Berlin. (Prof. E l b o g c n verläßt Berlin?) Wie die Jta erfährt, hat sich die Columbia-Universität in Netv-Aork an zwei in Berlin lebende jüdische Gelehrte, an den Hauptredakteur der Encyklopädie Judaica Dr. Jacob Klatzkin und den jüdischen Geschichtsforscher Pros. Dr. Jsmar Elbogen wegen Besetzung des neuen Lehrstuhles für jüdische Wissenschaft gewandt. Während Dr. Klatzkin nicht in der Lage war, den Vorschlag zu erwägen, verlautet, daß Professor Dr. Jsmar Elbogen in Verhandlungen mit dem Präsidium der Columbia-Universität wegen Uebernahme der Verwaltung des Lehrstuhls getreten ist. Man nimmt an, daß sich Professor Elbogen entschließen ivird, dieser ehrenvollen Einladung, die mit der Uebernahme einer wichtigen Mission im Interesse der jüdischen Wissenschaft verbunden ist, Folge zu leisten. Berlin. (Beerdigung von Pros. Toby C o h n.) Am 25. August tvurde von der neuen Halle in Wcißensee der berühmte Nervenarzt Prof. Toby Cohn zur letzten Ruhe geleitet. Rabbiner Dr. Warschauer würdigte das Wirken des Dahingeschiedenen, der sich durch seine hervorragenden Leistungen und nicht zuletzt durch seine ärztlichen Schriften einen dauernden Ruf auch über die Landesgrenzen hinaus erworben hat. Er hob hervor, daß Pros. Toby Eohn als treuer Jude der jüdischen Gemeinschaft in vorbildlicher Weise gedient habe, und sprach im Namen der Berliner Jüdischen Gemeinde den tiefempfundenen Dank aus. Seitens des Eentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach Dr. London Worte des Gedenkens und wies auf die große Lücke hin, die durch das plötzliche Dahinscheiden dieses hervorragenden Mannes entstanden ist. Berlin. (Todesfall.) Am 17. August verschied plötzlich infolge eines Nierenleidens der Bürovorsteher der Friedhossverivaltung der Jüdischen Gemeinde, Herr Meier Wolfs. Ter Verstorbene war 1879 in Aurich geboren und hatte sich zunächst dem Lehrerberus gewidmet. Später trat er in die Bürolausbahn der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde Berlin ein, »voselbst ec seit 23 Jahren tätig war; er hatte sich durch Eifer und Strebsamkeit bis zu der wichtigen Stellung emporgearbeitet, die er seit 10 Jahren inne hatte. Sein Hinscheidcn traf seine Umgebung völlig unerwartet. Die große Teilnahme seitens seiner Kollegen und Freunde bei der Bestattung am 21. August auf dem Friedhof in Weißenseebewies die Wertschätzung, deren der Verewigte sich durch seine langjährige Wirksamkeit an markanter öffentlicher Stelle erfreute. Rabbiner Dr. Link von der Chewra Kadischa sprach dem Heimgegangenen namens der Friedhossverwaltung den Dank ans für seine treue Arbeit: Oberkantor Magnus Davidsohn widmete dem Kollegen ztvei Lieder und das Mole rachamin- Gebet. Der in so jungen Jahren seiner Tätigkeit Entrissene war ein treuer Anhänger der jüdisch liberalen Richtung. Danzig. (Deutsche katholische Jugend gegen Antisemitismus und Rassenhaß.) Bei Anwesenheit der höchsten katholischen Geistlichkeit ivurdc in Danzig eine Tagung der deutsch-katholischen Jugendvereine des Freistaates Danzig und Ostdeutschlands abgehalten. Es wurde beschlossen, Antisemitismus und Rassenhaß zu bekämpfen und für Völkerverständigung zu wirken. Frankfurt a. M. (U n g l ü ck s f a l l.) Der 27 jährige Kurt Löwenstein, Angestellter der israelitischen Religionsgemeindc in Frankfurt, ist bei Gaulsheim im Rheine ertrunken. Er war in eine der gefährlichen Strudel geraten und wurde in die Tiefe gezogen. Die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden. Der junge Mann badete bereits um die Mittagszeit im Gaulsheimcr Strandbad und war von dem Bademeister vor der gciährlichen Stelle gewarnt worden. Er schwamm aber trotzdem über die Grenzen des Strandbades hinaus, wobei er in den Strudel geriet. Hamburg. (Neuwahl eines S h n a g o g e n v o r st e h e r s.) In der letzten Sitzung des Delegiertenkollegiums des Deutsch israelitischen Synagogenvcrbandes wurde für den freiwillig ausgeschiedenen Vorsteher A. Heckscher der Inhaber der Firma Wienke & Co., Ernst Fink, zum Vorsteher des Synagogenvcrbandcs gewählt. Die feierliche Amtseinführung fand in der Gemeindesynagoge am Bornplatz statt. Hamburg. (8 5. Geburtstag.) In selten geistiger und kör- | perlicher Rüstigkeit beging die ehemalige langjährige Leiterin der Jsraelilischen Töchterschule in der Earolinenstraße, Fräulein Mary Markus, ihren 85. Geburtstag. Hannover. (Die Jugend feiert Schabbos N a ch m u.) 130 Kinder weilten am Nachmittag von Schabbos Nachmn erstmalig in der vollständig renovierten Aula des Gemeindehauses. Nach Beendigung des Jugendgottesdienstes taten sich die Kinder an den bereitgestellten Süßigkeiten gütlich. Den Leitern, Herrn Rabbiner Dr. Schorsch und Frau und Herrn Gemeindesekretär Herskovits, wurden Dank und Hochrufe aus dankerfüllten Kinderherzen zuteil. Die schöne Feier fand mit dem kräftig gesungenen Schir hamalaus ihr Ende. Der Jüdische Jugendvercin hatte seiner Feier erstmalig ein absolut heiteres Gepräge gegeben. „Entzückende Belanglosigkei.en." Das war der Titel des Rezitationsabends, der die Feier cinleüeie. Leitung und Stoffwahl lagen in Händen von Siegfried Bachacach. Belebt wurde das Ganze durch drei Tänze „Anmut", „Mut", „Hebermut" eines neuentdcckten, noch sehr jugendlichen Tanzstars. Der brausende Beifall zeugte davon, wie sehr man den Geschmack der Mitglieder getroffen hatte. In angeregter Stimmung blieb man dann bei Tanz und Tee noch einige frohe Stunden beisammen. Ihre Mitglieder, Freunde und Gönner versammelten die Vereinigten Turiierschaften bei ihrem Sport- und Kinderfest, das von ihrem hohen Können Zeugnis ablegte. Am Abend fand ein geselliges Beisammensein mit Preisverteitung und Tanz statt. Ein Teil der „Entzückenden Belanglosigkeiten" vom Vorabend ivurdc wiederholt mit) sehr beifällig ausgenommen. Kassel. (G c r s o n - S a n a t o r i u m in Kassel ab 1. September.) Tic Verhandlungen des Bielefelder Arztes Dr. Max Gerson mit einem privaten Konsortium bclrcssend Uebernahme des Sanatoriums De. Großinann aus Wilhclmshöhe in Kassel sind zum Abschluß gelaugt. Dr. Gerson ivird bereits am 1. September die Leitung des Instituts übernehmen und das Sanatorium auf seine schnell in der ganzen Welt berühmt geivordene Tiäl-Therapie umstellen. Inzwischen hat sich eine außerordentlich große Zahl von Heilungsuchenden aus Deutschland, England, Frankreich, Rußland, Italien und aus anderen Ländern nach Kassel mit der Bitte gewandt, daß man sie in das Gerson Sanatorium aufnimmt. Kirchhain. (S y n a g o g e n - I u b i t ä u m.) Tie hiesige Gemeinde beging am vorletzten Sabbat das Jubiläum des 25 jährigen Bestehens ihrer Synagoge. Viele auswärtige Gäste nahmen an der Jubitäumsseicr teil. Lehrer Rapp hielt die Festrede. Lehrer Horwitz aus Kassel hielt am Vorabend der Jubiläumsfeier einen ausklärcnden Bortrag über „Geschichte und Volkskunde der hessischen Juden". Köln. (8 5. Geburtstag.) Am 24. August feierte Herr Mr. Weinberg in Köln, Fürst Pücklerstraße 66, seinen 85. Geburtstag m seltener körperlicher und geistiger Frische. Königsberg Pr. (Sanitätsrat D r. Sally Cohn ge- > st o r b e n.) .Hier verschied nach schwerer Krankheit Sanitätsrat Dr. Sally Cohn, dessen Hinscheiden für das Königsberger kulturelle Leben einen ungeheuren Verlust bedeutet. Als Sohn des Kantors und Chordirigcnten Cohn in Königsberg geboren, war Tr. Sally Cohn nicht nur ein bekannter Arzt, sondern galt als geradezu hervorragender Pianist, der an führender Stelle des Königsbcrger Musiklebens stand. Der älteste Bruder des Verstorbenen ist der Repräscntantenvorsteher der Königsbcrger Synagogcngcmeinde Univcrsitätsprosessor Dr. Rudolf Cohn, der gleichfalls von Beruf Mediziner ist. Zur Trauerfeier hatte sich im Königsberger Krematorium eine große Menge Leidtragender eingefunden. Leipzig. (Neubesetzung des Le h r st u h l e s für orientalische Philologie an der Universität.) Als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Geheimrats Prof. Dr. Zimmern ist der ordentliche Professor an der Universität Marburg, Tr. phil. Benno Landsberger, vom Sächsischen Ministerium für Volksbildung zum ordentlichen Professor für orientalische Philologie in der Philosophischen Fakultät und zum Mitdirektor des semitistlschen Instituts low" des staatlichen Forschungsinstituts für Orientalistik an der Universität Leipzig vom 1. Oktober 1929 ab ernannt worden. Leipzig. (Todesfall.) Tie in »oeitesten Kreisen der Gemeinde bekannte und verehrte Gemeindeverordnete, Frau Regina Pfefferblüth, ist am 20. ds. Mts. plötzlich verstorben. Durch ihr Hinscheiden wurde der Gemeinde ein Mensch entrissen, der mit regem Eifer und warmer Liebe für das Judeytum gewirkt hat. Die hiesige Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes verliert in ihr eine der eifrigsten und verständnisvollsten Mitarbeiterinnen, deren Vorstand sie seit Begründung der Ortsgruppe angehört hat. Als langjährige erste Vorsitzende des Frauenvereins „Ruth" hat sie sich den Dank und die Liebe aller der Mütter erworben, denen sie in den schwersten Stunden in dem Leben einer Frau beigestanden hat. Lissa i. P. (I u b i l ä u m.) Am 5. September d. I. feierte die Salomon-Joscph-Johanna Woltzheimsche Stiftung (Wollheimsches Kranke»- und Siechenhaus) zu Lissa i. P. ihr siebzigjähriges Jubiläum. Sie ist von dem aus Lissa stammenden Joseph Wollhcim, der damals in Wien lebte, begründet worden. Aus kleinen Anfängen ist das Institut allmählich zu seiner jetzigen Höhe emporgewachsen und ist zur Zeit mit Insassen vollbesetzt. In den siebzig Jahren seines Bestehens hat es sich nach Kräften bemüht, Gutes zu tun, Sorgen, Not und Elend zu lindern, Armen Hilfe, Kranken Heilung zu bringen. Seit der Errichtung der Grenzmauern im Jahre 1920 haben sich leider die Beziehungen zu den Freunden und Gönnern der Stiftung in Deutschland gelockert. Möge das siebzigjährige Jubiläum ihr freundliches, werktätiges Interesse wieder wecken, damit den Kuratoren der Stiftung ihre schwere Aufgabe erleichtert >vird und sie ihr segensreiches Werk tatkräftig fortsetzen können. Anstaltsarzt fast feit dem 3. Jahrzehnt des Bestehens der Stiftung und zur Zeit Vorsitzender des Äuraroriums ist Sanitätsrat Dr. Scherbel. Möge die humane Institution, die dem Judentum zur Ehre gereicht, weiter wachsen, blühen und gedeihen. Bad Nauheim. (Synagogen weih e.) Tie nach dem Entwurf des Architekten R. Kaufmann-Frankfurt a. M. erbaute neue Synagoge ivurdc am vorletzten Sabbat ihrer Bestimmung übergeben. Mit dem Abschied aus dem alten Gottcshause beginnend, setzten die Feierlichkeiten, an denen außer den Gemeindemitgliederu viele Kurgäste, Vertreter der Behörden und anderer Konfessionen teilnahmen, ein. Provinzialrabbiner Tr. Hirschfeld, Gießen, sprach dabei eindrucksvolle Worte. In seiner Festpredigt, die von Chorgcsang umrahmt war, 'pries der Geistliche das Gotteshaus als die Stätte des Friedens. Dem kürzlich in den Ruhestand getretenen Lehrer Oppenheimer wurde der Chowertitel verliehen. Vorsteher Rosentbal übernahm namens der .Gemeinde das Gotteshaus als Wahrzeichen des Glaubens. Kommerzienrat Kronenberger, Mainz, überbrachte Glückwünsche. Ehorgesang beschloß die eindrucksvolle Feier. Tuchei. (N o t s ch r e i.) Die einst so blühende jüdische Gemeinde | Tuchel ist sei: Lostrennung vom deutschen Vaterlande vollkommen in Verfall geraten. Nur noch wenige jüdische Familien sind dort ansässig und leider nicht in der Lage, aus eigenen Kräften auch nur die allernotwendigsten Ausgaben zur Ausrechterhaltung der Gemeinde auszubringen. Seit Jahren schon hat die Gemeinde keinen Kultusbeamten mehr. Jetzt droht die Mauer des altehrwürdigen jüdischen Friedhofes, auf dem viele Geschlechter zur letzten Ruhe gebettet sind, zu zerfallen. Große Lücken weist das alte Gestein bereits heute aus und droht vollends einznstürzen. Es ist dringend erforderlich, daß schleunigst Abhilfe geschaffen wird. Die kleine Gemeinde selbst tut alles, was in ihren finanziellen Kräften steht, jedoch sind die verfügbaren Mittel sehr gering. Alle Glaubensgenossen, die auf dem Tucheler Friedhof Gräber von Angehörigen und Verwandten haben, werden dringend gebeten, jeder nach seinen Kräften möglichst umgehend eine Spende zur Ausrechterhaltung des Friedhofes zu geben. Es wird gebeten, Spenden auf das Bank-Konto des .Herrn Max Cohn, Berlin, Leipziger Straße 115, bei der Stadtbank Berlin S.W., Zimmerstraße 90-91, aus das Separat-Konto Friedhof Tuchel, Nr. 1515, einzuzahlen. Aus der Jli-Bewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann» Frankfurt a. Alain :: ★ Aus der Ili-Arbeit ♦♦♦♦ Frankfurt a. M. (D i e S o m m e r a r b e i t d e s „I l i".) Wenn ich jetzt in kurzen Zügen über die Sommerarbcit des „Jli" Frankfurt a. M. berichte, so will ich nicht eine Abschrift des Programms geben, denn das würde niemandem ettvas sagen können, .sondern sch tvilt zusammenfassen und nur das Wesentliche herausgreifen. Die Ostersternsahrt deutscher Jugend zu den Goethe- und Lessingstättcn in Braunschwcig und Wolsenbüttel, an der sich die Jlr- Grupven Frankfurt a. M. und Magdeburg beteiligten, hat die Sommerarbeit sehr beeinflußt. Brauuschweig, diese würdige alte Stadt, mit seiner reichen Tradition und seinen Kulturschätzen wirkte stark aus uns junge Menschen ein, das Erlebnis, mit der anderen deutschen Jugend aus allen Teilen des Vaterlandes zusammen den Geisteshelden' Goethe und Lessing gehuldigt zu haben, rief in uns nüchternen Alltagsmenschen Romantik wach, als Kinder eines Volkes, einer Kultur lauschten wir im Dom dem Orgelklang, schritten wir gemeinsam im Fackclzug. Es ist klar, daß solche tiefe Eindrücke nicht eine Episode für uns sein konnten, sondern hasten bleiben mußten. Die Festaussührung des „Faust" im Braunschwciger Landestheater hatte sich uns tief eingeprägt, und wir beschlossen, kaum nach Frankfurt zurückgekehrt, in einer Arbeitsgemeinschaft dieses Lcbenswerk Goethes zu lesen und zu besprechen. So kamen wir fast jeden Samstag-Nachmittag in der gemütlichen Wohnung Dr. Hossmanns zusammen, und Dr. Hossmann las den „Faust". Wenn wir dann anschließend das Gehörte besprachen, dann fanden wir auch so manche Beziehung zu unserem Judentum. Das Studierzimmer im 1. Akt, die Beschwörung, die Erzählung auf dem Osterspaziergang, das läßt uns an die Kabbala des Prager Ghetto denken, an die Beschwörungen des hohen Rabbi Löb. Die Welt des Mittelalters mit all seiner dunklen Mystik steigt vor uns auf. Aber das ist nicht das Wesentliche, was uns diese Arbeitsgemeinschaft im Lause des Sommers gab; — wir sehen diesen ringenden, kämpfenden Menschen „Faust" als ein Spiegelbild von uns ' selbst. Mögen moderne Philosophen wie Spengler und seine Anhänger uns Juden auch als „magische" Menschen im Gegensatz zu dem „faustischen" Deutschen bezeichnen; — wir wissen es besser, wir fühlen, daß wir Menschen >ind, die selbst „faustisch" gestalten wollen wie die übrige deutsche Jugend. Die Nachmittage und Abende in unserem „Jli" Garten tverdcn für viele von uns «-auch schöne Erinnerungen bleiben. Wenn Dr. Hoffmann oder Dr. Gottschalk an-? neuen Büchern oder. jüdischen Zeitschriften vorlasen, wenn die Stimmen durch den Frieden der Sommernächte drangen, so war das nach dem Trubel des heißen, schwülen Tages eine Erquickung für uns. Neben solchen ernsten brachte uns der Garten auch heitere Stunden. Der Tcnu in heller Frühlingssonne unter blühenden Kmchbäilincn ließ das Herz höher sch'aaen. Den Abend des ..Wäldchcstaqes", unseres Frankfurter 3. Vsiiigstfeiertagcs. verlebten wir ebenfalls mit Tanz und Rezitationen in fröhlichem Kreise im Garten. In unserem Vereinsranm in der Westend>'ynaqoge hatten wir im Lause des Sommers verschiedene Ausspracheabende, an denen wir uns vor allem mit dem Problem der „Jewish _ Agency" in Palästina und mit unserer Einstellung zu dem freireligiösen Gedanken beschäftigten. Dem neuaearnndeten jüdischen Jugendvercin in Gießen statteten wir unseren Besuch in einem zweitägigen Ausflug ab und kleinere Wanderungen in die Umgebung Frankfurts ergänzten das Programm. Unsere Sommerarbeit hat uns viel Freude gebracht. Stunden der Erholung und Entspannung; die Herbst- und Winterarbeit soll uns tvieder vorwiegend mit ernsten Dingen beschäftigen, Referate, Debatten, Jugcndgottesdicnst und Probleme unserer Umwelt. Hoffen wir, daß die Jli-Arbeit uns auch weiterhin Freude bereitet und Befriedigung gibt. Flörsheimer. Breslau/Litgnitz. (T r e f f a h r l.) Schon wieder können wir Erfreuliches melden. Ein strahlender Sonnentag begünstigte die erste nach langer Zeit wieder stattsindcnde Trefsahrt zwischen dem Liegnitzer und dem Breslauer Jli am 25. 8. Von dem gemeinsamen Reiseziel Maltsch ging es nach Leubus, lvo zunächst die berühmte Klosterkirche besichtigt wurde. Danach führte unser Weg zum nahen Ausflugsort Weinberg. Die nötige Stimmung ließ nicht lange auf sich warten. Ein sichtbares Zeichen hierfür >var das vergeblich versuchte Mittagsschläfchen auf sonniger Wiese. Besonders beliebte Objekte der aufs höchste gestiegenen Begeisterung bildeten die Führer der beiden Jligruppen, Dr. Schcyer und Wolfs Tavidsohn. Manch erbitterter Kampf »vurde trotz der im attgemeineu pazifistischen Gesinnung ausgetragcn. Arges Wehklagen entstand bei allen, als zum Aufbruch geblasen wurde. Sollte so schnell schon die Zeit vergangen sein? Doch eine kleine Linderung dieses Schmerzes bot die Motorbootfahrt längs der herrlichen Oderwälder, die uns wieder nach Maltsch führte. Und neben den geschlossenen Freundschaften hat uns die Trefsahrt noch ein anderes gebracht. Der Licgnitzer Jli konnte reiche Anregungen mit nach .Hause nehmen, die seiner Arbeit neue Impulse geben werden. Denn über allem Fröhlichscin hatten wir nicht die ernste Aussprache vergessen, die Klarheit schassen sollte in allen die beiden Jlis gemeinsam betreffenden Fragen. Breslauer Jlimitglieder werden während des kommenden Wintersemesters in starkem Maße an der Arbeit des Licgnitzer Jlis aktiv teilnehmcn, um so unseren Licgnitzer Freunden ihre Aufbauarbeit zu erleichtern. Auf beiden Seiten schuf man Klarheit über die einzuschlagenden Arbeitsmethoden. Aber auch in dieser .Hinsicht ein erfolgreicher Tag. Den Abschied brauchen »vir »eicht erst zu schildern. Erich Vulkan, Jli Breslau. Ratibor. (H e i m a b e n d.) Am Mittwoch, den 21. August, kamen »vir zum ersten Male nach der Sommerpause zu einem sogenannten „Jli'Abcnd" zusammen. Herr Dr. Heimann begrüßte die 14 erschienenen Mitglieder, ging gleich mit wenigen, aber markanten Worten auf den zehnten Geburtstag der deutschen Republik ein und gedachte des Herrn Dr. Preuß und seines unvergeßlichen Werkes. Hierauf verlas Auni Fränkel die Protokolle der beiden letzten Abende und berichtete über die Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der schlesischen Jlis. — Großen Beifall fanden die Vorschläge im Rundschreiben des Frankfurter Jli. (Ich denke an die Postkartenblocks, für die gar nicht genug Reklame gemacht werden kann.) Auch das Rundschreiben des Vorstandes des Arbeitsausschusses der schlesischen Jlis stand zur Diskussion. Der nächste zu behandelnde Punkt war; Festlegung des Winterprogramms, Besprechung geschäftlicher Fragen. (Unsere Zusammenkünfte tverdcn regelmäßig in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" bekanntgegeben.) Zum Schluß brachte Herr Dr. Heimann noch die Jta-Nachrichten. Eingehender wurde über den Zionistenkongreß, die „G-setzgebende Versammlung" der Jewish Agency, ferner über die Judenverfolgungen in Litauen, die Berfassungsfeiern in den Berliner Synagogen und über das „Werk" Arnolt Bronnens „S/O/S" gesprochen. F- Das Ili-Programm veröffentlichen wir in dieser Nummer auf Hauptblatt Seite 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.