Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 34 (21.8.1929)
- Date
- 1929-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Zahrgang Nummer Z4 fWichÄemleZütmz Beilage 21. August 1929 Moses Mendelssohn-Stiftung der Nachkommen Anläßlich der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns am 6. Septencker d. I. haben die Nachkommen Moses Mendelssohns, an der Spitze der Berliner Handelskammerpräsident Franz von Mendelssohn, beschlossen, eine Moses Mendelssohn-Stiftung ins Leben zu rufen. Sie haben zu diesem Zweck den Betrag von 250000 Mark zur Verfügung gestellt. Die Zinsen der Stiftung sollen zur Förderung wissenschaftlicher Zwecke Verwendung finden. Dem Verwaltungsrat der Stiftung werden Gelehrte wie Adolf Harnack und andere angehören. Tie Stiftung wird ihren Sitz in Dessau, der Geburtsstadt Moses Mendelssohns, haben. Die Berliner Mendelssohn-Feier wird durch Rundfunk übertragen. Tie Berliner Feier findet am 8. September in der Singakademie statt. Es sprechen Reichsminister Severing und Oberbürgermeister Dr. Böß. Die Feier soll durch Rundfunk verbreitet werden. Mendelssohn-Feiern in Württemberg Der Jsraelit-sche Oberrat in Württemberg hat angeordnet, daß am Sabbat, den 7. September, in allen Synagogen des Landes eine gottesdienstliche Gedenkfeier veranstaltet wird, in der in einer Predigt oder Ansprache auf die Bedeutung des Tages hingewiesen werden soll. Der Oberrat erläßt diese Bestimmung im Rahmen einer amtlichen Bekanntmachung, in welcher er aus die Bedeutung Mendelssohns sowie auch auf die anläßlich der Jubelfeier herauskommende Neuausgabe von Mendelssohns gesammelten Werken hinweist. Umschau Die ungarischen Juden gegen die Jewish Agency. Tie Reichstagsabgeordneten Paul Scmdor und Geza Test veröffentlichen in der ungarischen Presse „als ungarische Gesetzgeber jüdischen Glaubens" eine geharnischte Kundgebung gegen die Jewish Agency. Die Agency, heißt es, bezweckt, in Palästina eine jüdische nationale und kulturelle Zentrale zu schassen; sie soll das Oberhaus der zionistischen Organisation darstellen. Es wurde mitgeteilt, daß sich das ungarische Judentum in der Agency offiziell vertreten lasse. Wir würden die mit Blut, Schweiß und ungeheuren Opfern erlangte Position des ungarischen Judentums für gefährdet erachten, wenn sich unsere Glaubensgemeinschaft an einer internationalen Organisation beteiligen würde, die nicht aus konfessioneller, sondern aus politischer Grundlage steht, und damit die Auffassung stützt, daß das Judentum Nationalität und nicht Konfession ist. Das gemeinsame Interesse unseres ungarischen Vaterlandes und des Glaubens unserer Väter gebieten uns, dies zu verkünden. Der Geschäftsführende Präsident der Israelitischen Landeskanzlei Hvfrat Dr. Srlomon Ehrenberg stellt in der Presse amtlich fest, daß die Kongreßjudenheit (Neologen) niemand als Vertreter zur Züricher Tagung der Jewish Agency entsandt und daß die Kongreßjudenschaft in der Frage der Agency keinerlei Beratung abgehalten hat. Die orthodoxe Israelitische Landeskanzlei tritt der Pressemitteilung entgegen, als ob auf der ungarischen Agency- Konserenz sämtliche ungarischen jüdischen Gemeinden und Institutionen vertreten gewesen wären. Von den orthodoxen Gemeinden hätte keine einzige einen Delegierten entsandt. Die ungarische orthodoxe Judenschaft negiert den Zionismus, den Misrachismus und die Jewish Agency. Gegen diese Kundgebung veröffentlicht Dr. Leopold Oßten, der Präsident des ungarischen Zionistenbundes, eine Erklärung, aus deren Wiedergabe in der Jta wir als wesentliches die folgenden Sätze entnehmen: Dem Palästinamandat hat bekanntlich auch Ungarn als Mitglied des Völkerbundes zugestimmt, und infolgedessen wurden unter Einbeziehung von mehreren bedeutenden ungarischen jüdischen Glaubensgeineinden, wie auch des mehr als 5000 Mitglieder zählenden ungarischen Palästina-Bundes auch hier die Wahlen durchgeführt und als deren Ergebnis Oberrabbiner Dr. Emanuel Loew und Dr. Julius Fischer in die Jewish Agency entsandt. 2. Die ungarischen Zionisten treiben in Ungarn nicht eine Nationalitätenpolitik, da sie von der Ueberzeugung ausgehen, daß die Judenheit in Ungarn als politische Nationalität keinerlei staatsrechtliche Existenzgrundlagen besitzt. Durch sein Verhalten hat jeder einzelne Zionist seine Treue gegen die ungarische Nation bekundet, wo die Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes Leben oder Tod bedeutete. Zum Schluß bestreitet Tr. Oßten den Abgeordneten Sandor und Fest die Berechtigung, im Namen der ungarischen Judenheit zu sprechen. Tie Protesterklärung ist aber in zweierlei Hinsicht bezeichnend. Es scheint aus ihr hervorzugehen, daß die Wahlen der nichtzionistischen Vertreter für die Agency auf die gleiche undemokratische Weise vor sich gegangen sind wie in Deutschland, wo ja auch d'e Zionisten auf die Wahl der Nichtzionisten den allergrößten Einfluß ausgeübt haben. Interessant ist ferner, daß auch in Ungarn die Zionisten d'e Beantwortung der Frage nach der jüdischen Nationalität nicht von ihrer eigenen zionistischen Theorie abhängig machen, sondern sie nach reinen Zweckmäßigkeitserwägungen entscheiden. Zum Gedächtnis Hermann Cohens. An dem Geburtshaus des im Jahr 1918 gestorbenen Begründers der „Marburger Schule", des Philosophen Hermann Cohen, hat die Stadt Koswig eine Inschrift anbringen lassen. Ferner wird im Rathaus eine Erinnerungsplakette ihren Platz erhalten, die von dem Bildhauer Jllemann stammt, und zu der die Mittel von privater Seite zur Verfügung gestellt worden sind. Jüdische Fragen auf der internationalen Studentenkanserenz in Krems. An der Konferenz des I. S. S. (International Student Service), die soeben in Krems (Oesterreich) abgehalten wurde, nahmen folgende jüdische Studentendelegierte teil: Dr. S. Lipzin (New Uork), A. Ceytlin und Dr. Regina Lew (Warschau), S. Zaumkoller (Paris), Fr. E. Pachtmann, Fr. D. Bukspan und A. Teich (Wien). Die Konferenz, welche von 25 Ländern aus allen fünf Weltteilen beschickt war, befaßte sich auch mit der Lage der indischen Studentenschaft in der ganzen Welt und nahm diesbezüglich den folgenden Beschluß an: Es ist wünschenswert, daß die Konferenzen zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Studenten (ihr Zweck ist u. a. die Beseitigung des Antisemitismus an den Hochschulen) weitergeführt werden, und daß die Arbeit einer derartigen Konferenz, wie sie Anfang dieses Jahres in Bierville (Frankreich) ftattfand, fortgesetzt werde. In einer anderen Kommission der Kremser Konferenz wurde beschlossen, die Not der in Paris lebenden (etwa 3000) jüdischen Studentenzu lindern, die gezwungen waren, aus ihren Heimatländern auszuwandern. Ihnen soll der I. S. S. Stipendien, Darlehen, freie ärztliche Hilfe und sonstige Hilfe zur Verfügung stellen. Im Budgetvoranschlag wurde für die jüdischen Studenten in Paris und für die Fortsetzung der Konferenzen zwischen Juden und Nichtjuden der Betrag von 1500 Dollar eingesetzt. Bei der letzten Sitzung der Kremser Konferenz des I. S. S. sprach als Vertreter der Juden Herr Alexander Teich aus Wie^, der in seiner, mit großem Beifall ausgenommenen Ansprache die Zeit herbeiwünschte, in der man sich aus internationalen Studentenkonserenzen nicht mehr mit der jüdischen Frage wird befassen müssen. (Jta.) Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der europäischen Dlstriktslogen Bnei Brith. An der in der Züricher „Urania" ftattgehabten Sitzung der europäischen Distrikte des U.O.B.B. nahmen 9 Länder, und zwar Deutschland, Polen, Großbritannien, Holland, Tschechoslowakei, Oesterreich, Schweiz, Rumänien und die Vertreter der Logen „Orient" teil. Tie Sitzung behandelte u. a. den Ausbau des Fürsorgewerkes für di« zum Studium an Auslandsuniversitäten gezwungenen jüdischen Studenten insbesondere aus Ungarn, Polen und Rumänien, wobei die Sitzung mit Genugtuung zur Kenntnis genommen hat, daß der Zuzug aus Rumänien in der letzten Zeit infolge wirksamerer Maßnahmen der neuen Regierung etwas nachgelassen hat. Es kam der allgemeine Wunsch zum Ausdruck, daß auch die Stammländer und die jüdischen Gemeinschaften dieser Länder wirksamere Hilfe diesen zum Studium im Ausland gezwungenen Studenten angedeihen lassen sollten. Die Großlogen Polens haben sich bereits vorher mit dieser Frage befaßt und werden in ihrer im Herbst abzuhaltenden Tagung positive Maßnahmen beschließen. Die Sitzung befaßte sich auch mit der Frage der Kalenderresorm, wobei insbesondere England sich mit aller Entschiedenheit gegen die bisherigen Vorschläge einer Kalenderreform ausgesprochen hat. Auch die Frage der Förderung des jüdischen Buches, die von Deutschland ihren Ausgangspunkt nahm, wurde einer den Verhältnissen nach befriedigenden Lösung dahin zugeführt, daß die Logen alljährlich 4 bis 5 Bücher schwieriger Materie herausgeben werden und jedes Mitglied mindestens eines dieser Bücher erwerben muß, um so auch die Achtung vor dem Autor zu bekunden. Zur Ausgabe werden auch hebräische Bücher gelangen. Der Vertreter der bulgarischen Loge sprach den Dank des bulgar-schen Judentums für die den Opfern des Erdbebens zuteilgewordene rasche und tatkräftige Hilfe aus. Der Bericht des palästinensischen Vertreters zeigte erfreuliche Fortschritte in der Entwicklung des Logengedankens dortselbst, wo es bereits 10 Logen mit 500 Mitgliedern gibt und weitere Logen in Vorbereitung sind. Gleichzeitig wurde die Beihilfe der Logen und die von Mr. Julius Rosenwald an der Errichtung des hebräischen Lehrerseminars in Jerusalem, das vor der Fertigstellung sich befindet, rühmend hervorgehoben. Der stolze Bau wird zu den schönsten drei Bauten des Landes gehören. Der Vertreter Hollands berichtete Interessantes über das jüdische Leben in diesem Lande mit einer jüdischen Gesamtbevölkerung von 120000 Seelen, von denen bloß etwa 30 000 dem Proletariat zuzuzählen seien. Hingegen sind die Mischehen in weiterem Ansteigen und bilden z. B. in Rotterdam nicht weniger als 50 <>» und in Amsterdam 22 v« der jüdischen Ehen. Tie Vertreter Oesterreichs und der Tschechoslowakei berichteten über die großangelegten Hilss- und Fürsorge-Aktionen zugunsten der jüdischen Studentenschaft, die in vielen Tausenden aus dem Auslande in die Universitäten dieser beiden Länder zuströmt und sich in großer Not befindet. In beiden Ländern ist von den Bnei Brith-Loqen alles vorgekehrt worden, um diese Not des jüdischen Studenten zu steuern. Fast 16090 jüdische Einwanderer in die Bereinigten Staaten im letzten Einwanderungsjahr. Wie die Einwanderer-Schutz- und Hilfsgesellfchaft Hias mitteilt, sind im Verlauf des Ende Juni d. I. zu Ende gegangenen Einwanderungsjahres in die Vereinigten Staaten 15 886 Juden eingewandert; unter chnen waren 12 479 Einwandeerr auf Grund der Einwanderungs-Quote. (Jta.) * Aus den Gemeinden * Berlin. (P r o i e s s o r Tr. Türk erkrankt.) Der Vorsitzende der liberalen Repräsentantenfraktion in Berlin und zugleich Vizepräsident des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Herr Professor Tr. Moritz Türk, ist seit einiger Zeit erkrankt und hat sich im Krankenhause einer Operation unterziehen müssen. Bon einer dem Patienten nahestehenden Seite waren wir gebeten worden, über die Erkrankung von Professor Türk vorläufig keine Meldung zu bringen. Nachdem dies nun aber in andern jüdischen Blättern geschehen ist, sehen wir uns veranlaßt, unserer Leserschast zur Kenntnis zu bringen, daß die Operation gut verlausen ist. Die Genesung wird noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Unserm langjährigen treuen Freund und Fraktionsführer sprechen wir bei dieser Gelegenheit unsere besten Wünsche aus und hoffen, ihn recht bald völlig wiederhergestellt seine Tätigkeit im Dienste des jüdischen Gemeinwohls wiederaufnehmen zu sehen. Berlin. (B e r f a s s u n g s f c i e r n.) Wir hatten in der letzten Nummer unseres Blattes unfern Lesern mitgeteilt, daß iu Berlin und im ganzen Reiche aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der neuen deutschen Reichsversassung Festgottesdienste in den Synagogen stattgesundcn hatten, über die wir aber wegen Raummangel im einzelnen nicht berichten konnten. Soweit in der übrigen jüdischen Presse über Berfassungsfeicrn in Berlin Nachrichten veröffentlicht worden sind, wurde nur über den Gottesdienst in der Synagoge Oranienburger Straße berichtet. Wir sehen uns daher veranlaßt, alle diese Mitteilgungcn dahin zu ergänzen, daß die Jüdische Gemeinde zu Berlin zwei gleichberechtigte Fcstgottesdicnste in der Synagoge Oranienburger Straße und in der Synagoge Fasanenstraße veranstaltet hat und daß in beiden Gotteshäusern Vertreter der Behörden anwesend ivarcn. Berlin. (Beerdigung von Max Herzberg.) Am 13. August wurde im Krematorium Wilmersdorf Stadtrat Max Hcrzbcrg zur letzten Ruhe geleitet. Die weite Halle >var von Leidtragenden dicht gefüllt. Neben Angehörigen und Freunden waren Vertreter der verschiedensten Organisationen erschienen. Unter diesen sah man auch Abordnungen der liberalen Fraktion der Repräsentantcnversammlung und des Vorstandes des Liberalen Vereins der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Nach einleitendem Gesang von Herrn Oberkantor Magnus Davidsohn ergriff der Bürgermeister der Stadt Schönebcrg das Wort, um dem Verblichenen Dank für seine Tätigkeit im Schöncbcrger Magistrat auszusprechen. Es sprachen ferner Delegierte des Reichsarbcitsamtes, der Sozialdemokratischen Partei, der Old-Fellow-Loge sowie zahlreicher Wohlsahrtsinstitu'ionen. Alle rühmten in ihren Aussprachen die unvergänglichen Verdienste des in seiner reichen Menschlichkeit restlos arbeitenden Mannes. Nach dem Schlußgebct, von Herrn Oberkantor Davidsohn gesprochen, senkte sich der Sarg unter Chorgesang in die Tiefe. Zahlreiche Blumewspendcn aus dem ganzen Reiche zeigten, wie Stadtrat Herzberg weit über die Grenzen seines Wohnortes hinaus beliebt und geachtet gewesen ist. Berlin. (Tr. Julius Charig aus dem Dienste des Preußischen Landesverbandes geschieden.) Wie wir erfahren, ist Herr Dr. Charig, der Generalsekretär des Preußischen Landesverbandes jüdischer' Gemeinden, aus dem Dienste des Landesverbandes geschieden. Er wird sich wieder ganz seiner anwaltlichen Tätigkeit widmen, und zwar am Land- und Amtsgericht in Stendal. Berlin. (7 0. Geburtstag.) Am 2t. August feierte Frau Henriette Katschinsky, Pankow, ihren 70. Geburtstag. Frau Katschinsky hat sich um die Wohltätigkeitsbestrebungen der Jüdischen Gemeinde in der Zeit des Krieges große Verdienste erworben. Ihr warmes Herz ließ sic eine Helferin der gefangenen russischen Glaubensgenossen werden. Die Chevra-Kadischa in Berlin sieht in ihr eine Mitbegründerin und eifrige Förderin ihrer Bestrebungen. Auch der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin bringt seinem treuen Mitglicde herzlichste Glückwünsche entgegen und hofft, daß Frau Katschinsky ein sonniger Lebensabend bcschieden ist. Berlin. (Internationales jüdisches Sportfest.) Das aus Anlaß der Versassungsfeicr am Sonntag nachmittag im Poststadion unter dem Protektorat der Berliner jüdischen Gemeinde stattgefundene internationale jüdische Sportfest nahm einen sehr interessanten Verlauf. Etwa 6000 Zuschauer, unter ihnen zahlreiche führende Persönlichkeiten des jüdischen Lebens, hatten sich eingesunden, die mit gespanntem Interesse den leichtathletischen Klubkämpfen Hakoah-Wien und Hagibor-Prag gegen Bar Kochba-Berlin um den Preis des Makkabi-Weltverbandes und dem Fußballkampf Makkabi-Paris gegen Hakoah-Berlin folgten. Sehr interessant verliefen die Rahmenkämpse, unter denen Staffeln des R.j.F.-Berlin und Bar Kochba-Leipzig sich hervorragend beteiligten. Nach dem Aufmarsch sämtlicher Teilnehmer würdigte namens der Reichs- und Staatsbehörden, sowie der Stadt Berlin Ministerialrats Dr. Mallwitz die Bedeutung der Reichsversassung, erklärte, er fühle sich unter den ausgezeichneten jüdischen Sportlern wohl, und schloß mit einem Hoch auf die deutsche Republik, in das alle Anwesenden einstimmmten, woraufhin das Deutschlandlied von der mehrtausendköpfigen Menge stehend gesungen wurde. Der Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Direktor Georg Kareski würdigte den freiheitlichen Geist von Weimar und die Verfassung, die allen Deutschen Gleichberechtigung gebe, und auch die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft sichere, und erklärte, daß das Judentum nach wie vor zur Weltgeltung Deutschlands und zur internationalen Völkerverständigung beitragen werde. Er begrüßte die jüdischen Sportler aus Deutschland und dem Auslände und versicherte, daß sich die jüdische Gemeinde stets für die körperliche Ertüchtigung der Juden einsetzcn werde. - Die Kämpfe selbst nahmen den folgenden Verlauf: Der zwischen Hakoah-Wien und Hagibor-Prag gegen Bar Kochba- Berlin ausgctragene Klubkampf endete mit einem Siege der Berliner von 46 gegen 36 Punkten. Die genauen Ergebnisse lauten: 100 Meter-Laus: 1. Kurz I (11,3 Sek.), 2. Kurz II (11,4 Sek.); beide Berlin; 3. Karl, 1. Pollack, Wien-Prag. 400 Meter-Lauf: 1. Rosenthal (52,5 Sek.); 2. Gerber (53,5 Sek.), beide Berlin; 3. Metzl, 4. Dr. Hübsch, Wien-Prag. 1000 Meter-Lauf: 1. Bermann (2 Min. 40,6 Sek.), Berlin; 2. Spielmann, Wien-Prag; 3. Janklowitz, Berlin; 4. Tischler III, Wien-Prag. 3000 Meter-Lauf: 1. Katz, Berlin (9 Min. 16,2 Sek.); 2. Cohen, Berlin, 3. Weiß, 4. Bäck, beide Wien-Prag. Hochsprung: 1. Simmenauer, Berlin, Dr. Zander und Reach, beide Wien-Prag, alle 1 Meter 61; 4. Zimring, Berlin. Weitsprung: 1. Zander, Wien-Prag, 6 Meter 72; 2. Kurz II, Berlin, 6,62; 3. Reach, Wien-Prag, 6 Meter 5; 4. Gerber, Berlin. Kugelstoßen: 1. Klempsner, Wien-Prag, 11 Meter 13; 2. Friedmann, Wien-Prag, 10 Meter 98: 3. Koffler, Berlin, 10 Meter 31; 4. Kurz I, Berlin. 4 mal 100 Meter-Staffel: 1. Bar Kochba-Berlin; 2. Wien-Prag. 3 mal 1000 Meter-Staffel: 1. Bar Kochba-Berlin, 2. Wien-Prag. Das Fußballspiel zwischen Makkabi-Paris und Hakoah-Berlin wurde von den Berlinern, die bei Halbzeit 1:0 in Führung lagen, 2:0 gewonnen. (Jta.) Halle a. S. (S yn ag o g e n b es i ch t i g u n g.) Am Sonntag, dem 4. August, besichtigte eine Abteilung des christlichen Vereins junger Männer die Synagoge. Herr Rabbiner Dr. Kahlberg erklärte ihnen sämtliche gottesdienstlichen Einrichtungen und gab seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß auch diese religiöse Vereinigung, um die Besichtigung der, Synagoge nachgesucht habe, weil durch das gegenseitige Sichkennenletnen manches Vorurteil beseitigt würde. Er verteilte zum Schluß einige Aufklärungsschriften über die Juden und Judentum. — Herr Oberkantor Hirsch aus Berlin, der zufällig anwesend war, gab noch eine Aufklärung über die Eigenart des Synagogengesanges und über hebräische Melodien und sprach über den Unterschied des liberalen und orthodoxen Gottesdienstes. Kassel. (D r. G e r s o n kommt nach Kassel.) Nach den Erklärungen des Kasseler Oberbürgermeisters Dr. Stadler wird die Stadt Kassel einer Niederlassung Dr. Gersons auf der Wilhelmshöhe sympathisch gegenüberstehen. Eine finanzielle Beteiligung der Stadt ist zwar nicht beabsichtigt; die finanzielle Hicherpyg Unternehmens wird also privaten Abmachungen Vorbehalten bleiben. Bemerkenswert ist aber in der offiziellen Erklärung des Magistrats durch das städtische Nachrichtenamt einerseits die Anerkennung der wissenschaftlichen und praktischen Bedeutung der Gersonschcn Heilversuche und anderseits der Hinweis auf die Errichtung eines Diätsanatoriums für nicht ansteckende Krankheiten, da die Formen der Tuberkulose, die Dr. Gerson auch behandelt, nur einen Ausschnitt seiner Heilmethode darstellen, auf den gesamten Organis--