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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-08-21 · 34 (21.8.1929) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
34 (21.8.1929)
Date
1929-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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mu3 und seine Gebrechen durch bestimmte Diätvorschrist eiirzuwirken. Man erhofft, daß nach der Errichtung des Diätsanatoriums Wilhelmshöhe sich zu einem Kurort entwickle und Kassels Ruf als Luftkurort noch gefördert werde. Es ist erfreulich, daß durch die Erklärungen des Magistrats die von uns bereits gekennzeichneten Befürchtungen ängstlicher Gemüter gegenstandslos geworden sind, daß also auch alle von gegnerischer Seite mit mehr oder weniger Ucberzeugung vorgetragenen Proteste gegen eine Niederlassung Dr. Gersons ihre Berechtigung _ verloren haben. Aus der gewiß segensreichen Tätigkeit Dr. Gersons auf Wilhelmshöhe wird Kassels Bürgerschaft und mit ihr die leidende Menschheit nur Vorteil ziehen. Köln. (Hakenkreuzlcr vor der A d d a s I e s ch u r u n - Gemeinde.) Vor wenigen Tagen rottete sich eine Schar Völkischer, die von ihrer Stammkneipe, der berüchtigten „Rübe", kamen, vor dem Tor der Addas-Synagoge zusammen und begann dort zu randalieren. Man stieg schließlich über das Gitter, und einer der Rohlinge schoß im Finstern. Glücklicherweise wurde niemand getroffen. Herbeigerufene Schupo verscheuchte den völkischen Pöbel, der nicht zum ersten Mal einen Ucberfall auf die Synagoge in der St. Apernstraße inszeniert hat. Köln. (Hohes Alter.) Herr Dagobert Bier, ein um das Wohlfahrtswesen unserer Gemeinde hochverdienter Mann, feierte am 12. August in bewundernswerter Rüstigkeit seinen 8!). Geburtstag. Königsberg Pr. (Gedenkfeier für Justizrat Eduard Holz.) Am Todestage von Eduard Holz, des im vorigen Jahre Erstorbenen ersten Vorsitzenden des Gcmeindevorstandes, versammelten, sich die Mitglieder des Gemeindevorstandes wie der Repräsentantenversammlung in Gegenwart der Angehörigen am Grabe von Eduard Holz zu einer schlichten, würdigen Feier. Nach dem Gesang des Synagogenchors unter Leitung von Chordirektor Badrian „Wie sie so sanft ruhen" ergriff Gemeinderabbiner Dr. Letvin das Wort, um ein nachhaltiges Bild von dem. Dahingeschiedenen als Menschen wie als Juden zu entwickeln. Insbesondere schilderte Dr. Lewin die großen Verdienste von Eduard Holz um das Königsbcrger und ostpreußische jüdische Leben. Namen des Vorstarrdes der Gemeinde sprach sein Nachfolger im Amte des Genreindevorsitzcnden Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Fallenheim, der vor allem die Verdienste Eduard Holz' um die Königsberger Synagogewgemeinde und ihre Verwaltung würdigte. Die schlichte würdige Feier hinterließ bei allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck. Weinheim. (Persönliches.) Der hier bei der gesamten Bevölkerung geachtete Rechtsanwalt Dr. M. Pfälzer beging unter mancherlei Ehrungen seinen 60. Geburtstag. Als Mitglied des Oberrats der badischen Juden hat der Jubilar stets regstes Interesse für alte Gemeindeangelegenheiten bekundet. Auch bei dem Entwurf der neuen Verfassung hat er eifrig mitgewirkt. ]sm Aus der Ili-Vewegung Derantworll.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hosfmann, Frankfurt a. Main Liberalismus und fugend Betrachtet man die Entwicklung der verschiedenen jiidischen Richtungen wähieno der letzten Jahre, so beobachtet man im allgemeinen eine gegen früher wesentlich verstärkte Mitwirkung oer Jugend und vielleicht nur der Liberalismus hat in dieser Hinsicht eine abweichende Entwicklung aufzumeisen. Hier ist von diesem verstärkten Einfluß der Jugend bisher noch wenig zu verspüren, obwohl doch gerade nach dem Wesen des Liberalismus angenommen werden sollte, daß die der Jugend innewohnende Aktivität hier ein besonders weites Feld der Betätigung finden sollte. Als Folge dieses Fehlens jugendlicher Initiative muß inan im Liberalismus einen gewissen Stillstand in der Bewegung beobachten, dessen lieberwütdung dringend erforderlich ist. Daß hierzu die Mitarbeit der Jugend erforderlich ist, dürfte außer jedem Zweifel stehen. Woraus aber ist es zurückzusühren, daß die Jugend bisher beiseitesteht und was hat zu geschehen, um die Jugend m weit stärkerem Maße als bisher zur Mitarbeit heranzuziehen? Zunächst hatte es der Liberalismus versäumt, als seinerzeit die Jugendbewegung einsetzte, sich dort einen Einfluß zu gewinnen) es fehlt dadurch heute die Generation junger Menschen, die in der Lage wäre, der heutigen Jugend Führer und Beispiel zu sein. Tie jungen Menschen, die damals Anschluß an die jüdische Jugendbewegung suchten, mußten sich entweder der neutraten oder der zionistischen Bewegung anschließen und zweifellos sind dem Liberalismus auf diese Weise viele wertvolle Kräfte verloren gegangen. Dann aber liegt es auch im Wesen des Liberalismus, wenn sich die Jugend'ihm gegenüber bisher serngehalten hat. Ter Liberalismus ist aus dem Gedanken der Toleranz aufgebaut, er jucht zwischen radikalen Anschauungen einen goldenen Mittelweg zu finden, ist 'also gezwungen, Kompromisse zu schlichen. Tie Jugend jedoch, ist, begreiflicherweise für Kompromisse wenig empfänglich, sie sordert gerade Entscheidungen, Bekenntnis und positive Tätigkeit. Aehnlich wie im jüdischen Liberalismus kann man auch im politischen Leben die Beobachtung machen, daß sich die radikalen Parteien links und rechts in erster Linie aus Jugendliche stützen, während in den Mittelparteien, die ebenfalls aus Toleranz ausgebaut, dem demokratischen-liberalen Prinzrp huldigen, bei der Jugend vrcl weniger Verständnis und aktive Mitwirkung finden. Viel ausschlaggebender aber für die Frage, weshalb dm Jugend dem jüdischen Liberalismus noch sern steht, dürste die Tatsache sein, daß die Jugend vom jüdischen Liberalismus und seinen Bestrebungen überhaupt nichts weiß und wenn sie von ihm hört, so meist in einer Weise, die eher abschreckend als anziehend wirkt. Sie findet bei den Menschen, die ihr als Liberale bezeichnet werden, meist eine Gleichgültigkeit, die ihren jugendlichen Tätigteitsdrang abstoßen muß, sie empfindet einen Mangel an Opferwilligkeit, die im unangenehmen Gegensatz zu der Begeisterung für die Idee und der Opferwilligkeit etwa der Zionisten steht. Ter ursprüngliche Fehler des Liberalismus, der gar zu lange negativ eingestellt war, wirkt sich noch immer aus und läßt die heutige positive Form noch nicht genügend in Erscheinung treten. Tenn überall sind es nur wenige Persönlichkeiten, die den positiven Liberalismus verkörpern, ihn leben und erleben, während die Massen derer, die man wohl nur aus dem Grund, weil sie nicht zu den Zionisten oder zur Orthodoxie zu rechnen sind, als liberal bezeichnet, noch abseits stehen und sich um ihr Judentum bestenfalls bei ganz besonderen Anlässen kümmern. Man entschuldigt solche Gleichgültigkeit vielfach mit den jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen, vor allen Dingen aber damit, daß die Gegenwart wie ja auch die Verhältnisse in der nichtjüdischen Umwelt zeigen - Dem Religiösen ablehnend gcgcnüberstehe. Hat aber der Liberalismus nicht gerade die Aufgabe, die Religion mit dem Alltag und den Alltag mit der'Religion in Einklang zu bringen, sodaß also gerade in einer Epoche, die an sich dem Religiösen entfremdet ist, der Liberalismus seine Daseinsberechtigung dadurch erweisen müßte, daß er durch die ihm gegebenen Möglichkeiten der Anpassung an die Zeitverhältnisse in viel stätterem Maße als sonst zur Geltung bringt. Man sollte geraoe diesem Problem viel stärkere Aufmerksamkeit schenken und statt allzulange Zeit mit unfruchtbarer Diskussion über problematische Dinge, die Probleme des Tages in den Vordergrund der Erörterungen stellen und vor allen Dingen die Erkenntnisse in die Tat umzusetzen. Im Anschluß an die Weltkonserenz war im .Herbst vorigen Jahres in dieser Zeitung aufgezeigt worden, was not tut. Die Botschaft des liberalen Judentums an die Juden der Gegenwart sollte die Verbindung zwischen Religion und Gegenwart aufzeigen. Die Sehnsucht nach einem Gegengewicht gegenüber den Sorgen des Alltags ist Vorhaben, die Religion muß den Weg zeigen, das Leben wieder lebenswerter zu gestalten: Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zu einer Einheit zu verbinden. Tie Jugend wartet auf diese Botschaft des Liberalismus, sie ist zweifellos bereit, hierbei mitzuarbeiten und mitzuwirken, sich an solchem Ausbau intensivst zu beteiligen, handelt es sich doch um die Ueberwinduug der geistigen Röte unserer Zeit. Daß es dem Liberalismus bisher noch nicht gelungen ist, diesen Anschluß der Religion an das Leben zu finden, ist wohl der schwerwiegendste Punkt, weshalb die Jugend der Bewegung noch gar zu fern steht und diese Enttäuschung findet wohl ihren deutlichsten Niederschlag in der Entwicklung des Zionismus, der Nutznießer dieser unbefriedigten Sehnsucht in starkem Maße geworden ist. Es fehlt dem Liberalismus bisher an den geeigneten Führern, an den begeisternngsfähigen Trägern. Tie Kräfte mögen vielleicht vorhanden sein, aber sie finden in den vielfach alt. gewordenen Ortsgruppen nicht das genügende Verständnis, nicht den nötigen Widerhall, der es ihnen ermöglicht, ihre Befähigung auswirken zu lassen: sie mußten sich, um ihre Kräfte zur Entfaltung bringen zu können, ans fremde Lager wenden, wie wäre anders die Stellung der jungen Rabbinergeneration zu verstehen, die doch als Rabbiner in erster Linie dem Religiösen ihre Tätigkeit widmen sollten. Und es ist klar, daß solche Führernaturen Massen junger Menschen mit sich ziehen, die auf diese Weise dem Liberalismus verloren gehen, Kräfte, deren, der Liberalismus in nur allzustarkem Maße bedarf. Man sollte solchen Kräften viel mehr als bisher Beachtung schenken, ihre Anregungen dankbar verfolgen, statt solche von vornherein abzulehnen, in der Befürchtung, solch neue Ideen könnten auf Widerstand stoßen. Ist erst einmal im Liberalismus wieder ein lebendigerer Geist, eingezogen, dann wird auch die Jugend ihre Mitarbeit nicht weiter versagen, sie wird solche Anregungen dankbar begrüßen- und die Bewegung vorantreiben. Für die Jugend selbst aber ergibt sich aus den bisherigen Ausführungen die ernste Forderung, nicht weiterhin beiseite zu sichen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. An der Jugend liegt es vor allen Dingen, dafür zu sorgen, daß aus dem heutigen Zustand des Stillstands neues Leben erwächst. Es müßte ernsthaftestes Bestreben der Jugend sein, die Bewegung voranzutreiben. Anfänge hierzu sind in den Jlis vorhanden, sie sind noch schwach, aber gerade die Entwicklung der '.letzten Monate zeigt, daß es sich hier wieder zu regen beginnt. Die Entwicklung der Jlibewegung z. B. in Schlesien zeigt ihre ersten Früchte. Aber Deutschland ist groß und die Zahl der jungen jüdischen Menschen, die ihr Judentum weder als nationale Angelegenheit betrachten können, noch in der strengen Form den Weg zur inneren Befriedigung finden, ist zweifellos sehr groß; nur bat diese Jugend bisher den Weg Min Zusammenschluß noch nicht finden können. Zusammenschluß aber tut not. Noch stets war unser Judentum Gemeinschaftsreligion und trotz aller Möglichkeiten für das Individuum im Liberalismus, ist Gemeinschaft unbedingt erforderlich, wenn die liberale Jugend etwas erreichen will. Die Möglichkeiten, daß die auf liberalem Boden stehenden jungen Menschen ihr Judentum im Kreise Gleichgesinnter erleben können, müssen geschaffen werden, sie sind bisher in noch gar zu geringem Maße vorhanden. Es muß hierbei ja nicht gleich ein neuer Verein mit allen seinen Formalitäten und Einrichtungen gegründet werden. Wesentlich ist ja auch nicht der Verein, sondern das Zusammenwirken und das gemeinsame Streben nach jüdischer Betätigung, nach jüdischem Leben, nach jüdisck)em Erleben. Wenn in einem Artikel in Nr. 26 an dieser Stelle Dr. Hosfmann in seinen beachtenswerten Ausführungen Unterstützung der Jugend fordert, so kann nur unterstrichen werden, wie sehr im Interesse der liberalen Bewegung solche Unterstützung notwendig ist. Finanzielle Unterstützung spielt hierbei erst in zweiter Linie eine Rolle, sie ist auch notwendig: in erster Linie aber bedarf es der geistigen und moralischen Unterstützung, der Anregung und des Vorbilds. Nicht überall wird sich die Jugend, besonders eine Jugend, die von Haus aus von ihrem Judentum meist viel zu wenig, teils überhaupt nichts, gesehen uird gehört hat und selbst im Religionsunterricht in das Wesen des Judentums und des Religiösen vielfach unzureicheick) eingeführt ist, ohne äußere Einwirkung zu gemeinsamem jüdischen Streben zusammenfinden. Hierzu bedarf es der Anregung der Rabbiner und Lehrer, vor allen Dingen aber auch der Eltern. Mer diese stemmen sich noch vielfach in Verkennung der Notwendigkeiten gegen eine Organisation der Jugendlichen, sie glauben vielfach dort den. Herd der heutigen Auswüchse suchen zu müssen, während doch gerade das Gegenteil erstrebt wird. Es bedarf der Mitwirkung der einzelnen Ortsgruppen der liberalen Vereinigung, um die Jugend mit dem Wesen des Liberalismus vertraut zu machen. Sie alle müßten es als eine der wichtigsten Aufgaben betrachten, auf solchen Zusammenschluß jüdisch-liberaler Jugend hinzuwirken und es sich angelegen sein lassen, solange Führer noch nicht gefunden sind, die Entwicklung solcher Gemeinschaften zu fördern. In einen Fehler darf allerdings hierbei nicht verfallen werden: man darf der Jugend den Weg nicht vorschreiben, sie darf sich nicht als minderjährig fühlen, sondern die Jugend selbst muß in solcher Gememschaft führen, sie muß. in ihrer Weise das Ziel zu erreichen suchen. Weitgehendst, sollte solche Gruppe sich selbst verwalten, denn nur dann bietet sich Anreiz zu aktiver Betätigung, nur dann wird die. Gruppe wachsen und vorankommen. Und wenn solche Gruppen dann mit Gleichgesinnten der näheren und weiteren Umgebung in Aussprache mrd Wetteifer tritt, dann werden sich die Ergebnisse solcher Betätigung zum Nutzen des Einzelnen wie der gesamten jüdischen Entwicklung zeigen. Alex I rk o b s o h n, Frankfurt.«. M. j;*i; Aus 5er 3ft Üeif j i i; Breslau. (Iüdisch liberal tx In. ge adverein „A b r atzam Geiger".) In der Hauptgruppe, känueu wir aus der ersten Augusthälfte nur über ein gemütliches Beisammensein berichten., das am 7. 8. stattfand und wie immer auch diesmal sehr nett verlief. U. a. verlas man. ein humorvolles Aufrüüstungsgedicht, das unsere Magdeburger Jlifreuude an ihre Mitglieder verschickt haben. In der Jüngeren-Gruppe scurd am 15. 8. die erste Veranstaltung nackt den Ferien statt.. In ihr hielt Franz Meidner (.Hauptgruppe) ein Referat „Zum Berfassungstag". Er ging davon aus, daß wichtiger als alle nebensächlichen geschichtlichen Einzelheiten die Kenntnis unseres eigenen Staatswesens fei, und entwarf ein kurzes Bild von der Entstehung unseres Staates. Sodann behandelte er in prägnanter Form den wesentlichen Sinn und Inhalt der republikanisch-demokratisclum Verfassung von Weimar, wobei die ideellen Grundgedanken des 2. Teiles unserer Verfassung besonders gewürdigt wurden. Die interessanten Schlußbetrachlungen Franz Meidners seien hier wörtlich wiedergegeben: „Die Weimarer Verfassung ist nicht etwa, das letzte und' größte ans diesem. Gebiet, sie ist ein Produkt der Not. Nicht' wie die Verfassung ist, ist das Entscheidende - — obgleich sie als ^eine der gerechtesten mrd freiesten der Welt bezeichnet werden mrch —, sondern daß sie ist, das ist das wahrhaft Große. Nie darf eine Verfassung ein Hindernis bei einschneidenden Beschlüssen sein. Jede Verfassung muß Freiheit lassen, damit sielange gelten kann,, denn die Zeit verlangt oft Aenderungen und Ncnerungen. Deswegen dürfen wir nicht starr an dem Paragraphen festhalten, sondern an dem - Werke Weiterarbeiten, und sie so handhaben, daß das Höchste erreicht wird-, was erreicht werden kann: Gerade wir, dis wir auf religiösem Gebiet liberal eingestellt sind, dürfen nicht in der Politik starr und konservativ sein: wir erkennen die Verfassung nicht als ein totes Schreckgespenst an, das sich' allen Aenderungen drohend cntgegenstetlt, sondern als ein lebendiges Gut des Volkes. Aber Verfassung bedeutet Beschränkung, und- Menschen, besonders junge Menschen sind' oft radikal und formlos. Ein Zusammenstoß' zwischen der Starre und dem Drängen, der Beschränkung und der Beweglichkeit, der Form und dem Formlosen scheint fast unvermeidlich. Aber er ist keine Notwendigkeit, wem: ferne Partner sich bemühen, ihren Aufgaben gerecht zu werden. D. h., ivenn die Verfassung ihre Starrheit, also einen Teil ihres Wesens überwindet und anpassungsfähig ist, wenn ihre Organe von dieser Anpassungsfähigkeit Gebrauch machen, kurz, wennsie lebt. Wenn der andere Partner das Volk, darin, was ihm zunächst als üöft erscheint, ein Recht sieht mrd darin, was ihm als Wohltat, als Geschenk, als Recht erscheint, eine Ausgabe. Wenn es - um mir den Worten Abraham Lincolus zu schließen -- dafür sorgt, daß Herrschaft aus dem Volke, für das Volk und durch das Volk nicht von den Welt verschwinde." Die Gruppeblieb danach bei Plauderei noch gemütlich beisammen. — Nun rüstet sich alles zur Tresfahrt des Breslauer und des Lieqnrtzer- Jlis am 25. August. Wir hoffen, daß durch sie recht viele neue Jli Freundschaften entstehen werden. Ekrch Vulkan. Jli-FraaHmt a. M. (V.o-r standssitzu n g.) In der letzten Borstaudssitzung wurde die bevorstehende Winterarbmt eingehend erörtert und d-rr Rahmen des Programms für die. nächsten Monate sestgelegt. Es war ursprünglich vorgesehen gewesen, die neue Saison mit einer Moses Mendelssohn-Feier einzuleiten. Nachdem jedoch die Gesellschaft für jüdische Volksbildung beabsichtigt, ep« gemeinsame Veranstaltung der hiesigen jüdischen Vereine unter Mitwirkung der Gemeinde zu veranstalten, werden wir von erner größeren Feier , absehen und uns am Hvrmabend am 3. September mit Moses 1 Mendelssohn und seiner Bedeutung für den Liberalismus befassen. Anfangs September werden die während der Ferien ausgefallenen Sa.mstag-Nachmittag'Veranstaltungen wieder ausgenommen tverden. Sie sollen abwechselnd ein Referat aus jüdisch-liberalem Gebiet, Zeitungsschau und aktuelle Tagcsfragen, Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft „Faust" bezw. Kunstgeschichte und esnen Nachmittag allgemeiner Anssprachebringen- Für unsere .Heimabende an Dienstag-Abenden ist wiein den letztere Jahren ein zusammenhängender Zyklus geplant, dess.m Thema „Judentum und die Probleme der Gegenwart"- lauten soll. Es soll hierbei untersucht werden, wie sich das Judmrtum und im Besonderen der Liberalismus zu den Gegemvartsprol-temen sowohl innerjüdischer Art (Goltesbegriff, Zeremonichgesehe, Sabbatfrage usw.) wie zu den Fragen des täglichere Lebens (E^ichungssragen, FÄmilienleben) verhält. Es sollen die Probleme der politcschen, wirtschaftlichen und sozialen Gegenwart mir den Anschauungen der jüdischen lieberliefcrung verglichen werden und so versucht werden, unser Alltags-- leben mit der Anschouu-ng des Judentums in Einklang zu bringen. Die Freitagabendgottesdienste sollen ebenso wie die Feierstunden : wieder einen Teil unserer Winterarbeit da-rstellen. — An Arbeitsgemeinschaften wird noch im Lause dieses Monats die Gruppeunter Leitung von .Herrn Rabbiner Dr. Gottschalk die begonnenen Abende über „Religiösen Liberalismus" wieder ausnehmen, während weitere Arbeitsgemeinschaften rnsbesonde-re auch die Fortführung der Beziehungen zu den andersdenkenden Gruppen, der Umwelt wieder aufuehmen sollen. Um diesem umfangreichen Programm den nötigen Widerhall zu verschaffen, ist eine weit umfangreichere Werbearbeit als bisher erforderlich. Die hierzu einzuschlagenden Wege sind noch eingehender zu erörtern: daß hierzu auch Veranstaltungen mehr geselliger Natur in unser Programm ausgenommen werden, ist selbstverständlich. Denn neben der ernsthaften Tätigkeit ist die persönliche Fühlungnahme, das gegenseitige 'Sichkennenlernen eine wesentliche Voraussetzung _ für erfreuliche Zusammenarbeit. Es wäre zu wünschen, daß in dieser Hinsicht der von uns schon häufig vorgebrachte Wunsch nach einem eigenen -Heim in Erfüllung geht. Leider sind biher die Bemühungen, die unser Vorsitzender Herr Dr. Hosfmann bei der hiesigen Gemeinde vorgebracht hat, ein jüdisches Jugendheim zu schassen, bisher noch erfolglos geblieben, so daß die Möglichkeit auch an Abenden, an welchen keine offiziellen Zusammenkünfte stattsinden, in eigenen Räumen gemütlich zusammenzukornnren, vorläufig noch nicht gegeben ist. Es bleibt zu hoffen, daß di-cse Notwendigkeit schnellstens in Erfüllung geht. Zweifellos wird ein solches Jugendheim auch ans die große Zahl der jüdischen Jugendlichen, die sich bisher noch fern halten, ihre Wirkung nicht verfehlen und ein Heranziehen solcher Kreise fördern. A. Jakobsohn. Vereinsnachrichten Die Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise (Verein für Arbeitsnachweis E. D. und Jüdisches Arbeitsamt E. B.f gibt ihre Sprechstunden ab 15. August wie folgt bekannt: Für schulentlassene Mädchen: Montag und Donnerstag von 11—12 Uhr. Für schulentlassene Knaben: Dienstag und Freitag von 11—12 Uhr. Für Schülerinnnen: Montag und Donnerstag von 3—4 Uhr nachmittags. Für Schüler: Dienstag und Mittwoch von 3—4 Uhr nachmittags. 's

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