Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 33 (14.8.1929)
- Date
- 1929-08-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Zahrgaag Nummer ZZ Beilage 14. August 1929 JMchliberaleZeikW Umschau Hugo Preuß-BMe im ReichstgA. Aus Anlaß' der Zehnjahrseier der Verfassung ist in der Eingangshalle zum Portal II des Reichstagsgebäudes, dem Haupteingang für die Ehrengäste der Versasfungsfeier, eine Büste von Hugo Preuß ausgestellt worden: Gruß an den Schöpfer de^. Verfassung von Weimar, der den Reichspräsidenten Ebert ständig zur Verfassungsfeier in den Reichstag begleitete und mit ihm den Platz in der Ehrenloge einnahm. Viktor L. Berger, der Vorkämpfer für Sozialismus in den Bereinigten Staaten,, gestorben-. In Milwaukee ist am 7. August der Führer der amerikanischen Sozialisten, Viktor L. Berger, an den Folgen eines Automobilunfalles, den er vor drei Wochen erlitten hatte, gestorben. Viktor L. Berger war am 28. Februar 1860 in Riederrehbach (Siebenbürgen) als Kind jüdischer Eltern geboren. Er besuchte die Universitäten von Budapest und Wien und siedelte mit seiner Familie 1878 nach Amerika über. 1892—1897 leitete er in Milwaukee den „Vorwärts", später die „Wahrheit" und den „Socialdemocratic Harald"; von 1901 ab war er Herausgeber des „Milwaukee Leader", 1911 wurde er in den Kongreß gewählt, dem er bis 1913 und dann wieder von 1918 ab — stets als der einzige Sozialist — angehörte. Wegen „Mangel an Loyalität" wurde er am 10. November 1919 mit 309 gegen eine Stimme aus dem Kongreß ausgeschlossen. Diese Maßnahme erfolgte wegen seiner kriegsfeindlichen Haltung, die ihm auch eine zwanzigjährige Gefängnisstrafe einbrachte, doch wurde das Urteil später aufgehoben, nachdem er gegen 150 000 Dollar enthaftet worden war. Milwaukee wählte ihn mit vergrößerter Mehrheit wieder, doch — ließ ihn der Kongreß nicht zu! Erst nach abermaliger Wiederwahl, und zwar mit noch vergrößerter Stimmenzahl, konnte der einzige Sozialist im Kongreß der U.S.A. am 3. März 1923 wieder seinen Platz einnehmen. Dort beantragte er am 17. Mai 1924 die Einberufung einer Weltkonferenz nach Washington zur Revision des Versailler Friedens. Dies wurde abgelehnt, ebenso wie andere Anträge Bergers mit ähnlicher Tendenz. Auch 1925—1927 gehörte er dem Kongreß an, unterlag jedoch 1928. (Jta.) EmU Berliner gestorbest. Im Alter von 78 Jahren verstarb in Washington der berühmte jüdische Erfinder Emil Berliner. Berliner, der in Hannover geboren wurde und in jungen Jahren nach Amerika kam, ist der Erfinder des Mikrophons, das dem Telephon und dem Radio den Weg bahnte. Noch im Jahre 1925 machte Berliner Erbindungen, die das Luftfahrwesen vervollkommneten. Auch sein Sohn Henri Berliner hat sich durch bedeutende Erfindungen einen Namen gemacht. Bernhard Barons TOament. Die Jta veröffentlicht das Testament des englischen Philanthropen Bernhard Barons, über dessen Tod wir in der vorigen Woche an gleicher Stelle berichten. Wir entnehmen der Meldung: „Bernhard Baron hinterläßt etwa eine Million Pfund für phil anthropische Zwecke, davon vier Fünftel für allgemeine und ein Fünftel füv jüdische Anstalten. 10 000 Pfund vermacht Bernhard Baron der Liberalen Synagoge und 50OM Pfund der jüdischen Waisenhilfe. Einer der Kuratoren der Hinterlassenschaft ist Lord Reading. — Am 4. August fand die Berbrennungszeremonie im Londoner Krematorium statt. Die Aschenurne wurde auf dem jüdisch-liberalen Friedhof unter großer Beteiligung beigesetzt. Bon den Spenden, die Bernhard Baron zu seinen Leb zeiten für jüdische Zwecke gegeben hat, sind zu erwähnen 65 MO Pfund für ein jüdisches Kindersanatvrium, 50 000 Pfund für Keren Hajessod, 10MV Pfund für die Hebräische Universität zu Jerusalem, 11500 Pfund für die Londoner liberale Synagoge, 7000 Pfund sür das Londoner Jüdische Waisenhaus, 5000 Pfund für den Balfour-Wald in Pa lästina und 1000 Pfund für Ose-Jnstitutionen in Osteuropa 100000 Pfund investierte Baron in Ruthenbergs Palestine Electric Corporation. Tie Liberale Synagoge in London ist wesentlich mit Bernhard Barons finanz'eller Hilfe er baut worden. Pogrome in Litauen. Die Stimmung unter der jüdi scheu Bevölkerung als Folge der wiederholten schweren anti semitischen Ausschreitungen in den Kownoer Vorstädten, die unter Duldung und zum Teil direkter Mitwirkung der Polizei vor sich gingen und allein in Slobodka 63 jüdische Verletzte zur Folge hatten, ist fortdauernd eine sehr gedrückte. Den Zeitungen ist es nach wie vor verboten, etwas über diese Ausschreitungen verlauten zu lassen. Der verantwortliche Redakteur der „Mischen Stime", der einzigen in Litauen erscheinenden jüdischen Tageszeitung, die nur indirekt und andeutungsweise auf die Geschehnisse hinwies, wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Chefredakteur der „Mischen Stime", Dr. R. Rubinstein, eine führende Persönlichkeit im jüdischen Leben Litauens, besuchte zum zweiten Male den Ministerpräsidenten Woldemaras und machte ihn darauf aufmerksam, daß trotz der vom Ministerpräsidenten gegenüber Dr. Rubinstein abgegebenen Versicherung, daß eine strenge Untersuchung durchgeführt und die Schuldigen bestraft werden würden, bis heute nicht die geringsten Anstalten einer solchen Untersuchung getroffen wurden. Ministerpräsident Woldemaras erwiderte, es könne eine solche Untersuchung erst eingeleitet werden, wenn diejenigen Personen, die unter den Ausschreitungen zu leiden hatten, Anzeige bei tzen Behörden erstattet haben werden. Bis Letzt lägen solche Anzeigen nicht vor. Redakteur Rubinstem versicherte, es seien solche Anzeigen massenhaft noch vor mehreren Tagen erstattet worden, allein die Behörden ignorieren alle Anklagen der terrorisierten jüdischen BevölkeMng. Redakteur Rubinstein übergab dem Ministerpräsidenten eine große Menge Materialien, die auf die antijüdischen Ausschreitungen Bezug haben. Mit Rücksicht auf die gedrückte Stimmung in den jüdischen Gesellschaftskreisen der litauischen Residenzstadt Kowno hat Ministerpräsident Woldemaras seinen angekündigten Besncb zur Feier des 70. Geburtstages des gegenwärtig in Palästina lebenden früheren Ministers Litauens, Dr. Simon Rosenbaum, abgesagt und sich damit begnügt, dem Festkomitee einen Glückwunsch zu schicken und gleichzeitig mitzuteilen, daß der Staatspräsident Smetona Dr. Rosenbaum einen hohen litauischen Orden verliehen habe. Das Verhalten von Professor Woldemaras, der ein Zusammentreffen mit jüdischen Persönlichkeiten mit Rücksicht auf die Geschehnisse zu vermeiden sucht, ist in Kowno viel vermerkt worden. Inzwischen dauert die Hetze gegen die jüdische Bevölkerung fort. In Kowno wurden sämtliche Firmenschilder mit jüdischen Aufschriften mit Teer und Farbe bestrichen und unbrauchbar gemacht. Ein englischer Bürger namens Sem Hafner wollte die Banden, die mit den Teer- und Farbentöpfen herumgingen, an ihrem Werke hindern, die Polizei nahm aber für die Banden Partei. Herr Sem Hafner reichte wegen des Verhaltens der Polizei gegen seine Person eine Beschwerde beim englischen Gesandten ein. In dem Städtchen Jakobowa, Kreis Kretingen, wurde die Ortssynagoge geschändet. Tie Sisre Thoras (Thorarollen) wurden zerrissen und auseinandergestreut. Tie Talmudsolianten und andere religiöse Werke, die in einem Bücherschrank aufbewahrt wurden, wurden zerrissen und in den Abort geworfen. Die Polizei tut nichts, um die Schuldigen, die man leicht feststellen kann, zur Verantwortung zu ziehen. ' Die Berliner litauische Gesandtschaft versendet eine Mitteilung an die Presse, in der es heißt, daß die Meldung, wonach in Kowno sich Judenpogrome ereignet hätten, den Tatsachen nicht entspricht. Dazu ist zu bemerken, daß außer den aus Informationen von unbezipeifelbarer Autenzität beruhenden Nachrichten der „Jüdischer Telegraphen-Agentur" auch die Rigaer nichtjüdische Presse, u. a. auch die dcutschgeschriebene „Rigaische Rundschau", auf Grund telephonischer Meldungen aus Kowno ausführliche Mitteilungen über die Geschehnisse bringt. Weltkongreß orthodorer jüdischer Frauen in Wien. Ter Geschästssührende Ausschuß der Weltorganisation Agudas Jisroel in Wien hat das Zentralkomitee der orthodoxen Frauendie Gegner bemerkbar, die in rechtsgerichteten Blättern zu Worte kommen, die hur Vorsicht mahnen oder der Dp. Gersonschen Methode bie Fehlschläge schon Voraussagen. Man befürchtet durch die Errichtung eines Lungen-Sanatoriums auf Wilhelmshöhe eine Gefährdung für den Luftkurort oder das geplante Heilbad und befürwortet höchstens die Verwirklichung des Projekts in einem entlegenen TeK Wilhelmshöhes. Auf den Ausgang dieser Verhandlungen, die einesteils also Dr. Gerson für Kassel gewinnen möchten, andernteilsi aber auch zu Protesten Anlaß gaben, darf man gespannt sein. Dr. Gerson soll auch aus familiären Rücksichten seine Bereitwilligkeit, nach Kassel zu kommen, bereits geäußert haben; auch von anderer Seite, selbst aus Amerika, sind dem zur Berühmtheit gelangten jüdischen Arzt, dem eine neidische Konkurrenz das Leben reichlich schwer zu machen suchte, ehrenvolle Angebote zur Verwirklichung seiner Pläne gemacht worden. Einer Meldung der J.T.A. zufolge soll "ein Vertrag, der durch eine Aktien-Gesellschaft garantiert ist, zwischen dem Magistrat der Stadt Kassel und Dr. Gerson bereits abgeschlossen sein. In der Kasseler Presse ist merkwürdigerweise bis zur Stunde nichts laut geworden, was diese auswärtige Meldung bestätigt. Aus den Gemeinden neueste Sportmeldungen sind Ihnen immer sehr wichtig, aber Sie sollten über der körperlichen Ertüchtigung nicht unser Geistesleben und Ihre jüdische Organisation vergessen. Ueberweisen Sie also umgehend für den „Hilfsfonds des liberalen Judentums“ M. IO.— auf das Postscheckkonto der „Vereinigung für das liberale Judentum e. V.“ Berlin Nr. 137069. Die Namen der Spender werden in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" bekanntgegeben. Jeder einzelne muß durch einen Beitrag zeigen, daß er mitbauen will an dem Werk, welches wir für unsere Kinder und Kindeskinder schaffen. Darum gebt alle, der Vermögende mehr, der andere weniger, und — gebt schnell! Organisation „Bnoth Agudas Jisroel" in Polen beauftragt, die Vorbereitungen zur Einberufung eines Weltkongresses der orthodoxen Frauen-Organisalionen, die in Wien gleichzeitig mit der Tagung der „Knessio Gedaulo" (Weltkongreß der Agudas Jisroel) abgehalten werden soll, zu treffen. Hauptziel des Frauen-Weltkongresses wird die Schaffung eines Weltverbandes der orthodoxen jüdischen Frauen-Organisationen aller Länder fein. Katholische Priester als Reiter bei einem Synagogenbrand. Die Kölnische Volkszeitung berichtet am 6. August.- „Eine mutige Tat katholischer Priester macht in Litauen viel von sich reden. In dem kleinen Städtchen Ramigala war ein Brand ausgebrochen, der sich schnell ausbveitete und 46 meist jüdische Familien obdachlos machte. In der allgemeinen Panik kümmerte sich niemand um die ebenfalls in Brand geratene Synagoe. Eine Gruppe von katholischen Priestern, die zu einer Tagung eingetrofsen waren, unterbrachen bei dem Brandalarm ihre Sitzung und eilten nach der Brandstätte. Unter Lebensgefahr drangen mehrere von ihnen in die brennende Synagoge und retteten die jüdischen Kultgegenstände aus den Flammen. Angefeuert durch dieses Beispiel der Priester beteiligten sich darauf auch die Mitglieder des örtlichen katholischen Jugendbundes an den Rettungsarbeiten. In den jüdischen Kreisen Litauens hat diese mutige Rettungstat tiefen Eindruck gemacht. Die Kownoer Jüdische Stimme schreibt, die herrsche Tat der Priester werde von der gesamten Judenschaft mit der größten Dankbarkeit ausgenommen. Sie hätten echte Humanität und sittliche Gesinnung bewiesen und ein Beispiel gegeben, wie sich die einzelnen Bevölkerungsgruppen in Litauen gegeneinander verhalten müßten." Oer Streik um Dr. Gerson Unser Mitarbeiter in Kassel schreibt uns: Seitdem der Bielefelder Arzt Tr. M. Gerson infolge der Erklärungen Professor Sauerbruchs zur meistgenannten medizinischen Persönlichkeit geworden ist und seine Tiät-Tuberkulose-Behandlung große Zukunft erlangen soll, beschäftigt man sich hier mit dem Problem: Kommt Dr. Gerson nach. Kassel oder nicht? Tatsache ist, daß Verhandlungen zwischen dem Magistrat und Dr. Gerson gepflogen werden, die sich auf die Errichtung eines Sanatoriums auf Wilhelmshöhe erstrecken. Neben den Freunden dieses Projekts machen sich aber auch schon Bersassungssciern. Anläßlich des 10 jährigen Bestehens der neuen deutschen Rcichsverfassung sind am vergangenen Sabbat im ganzen Reiche Festgottesdienste in den Synagogen veranstaltet worden, zum größten Teil im Beisein von Vertretern städtischer oder staatlicher Behörden. Es ist uns zu unserm Bedauern wegen des geringen uns zur Verfügung stehenden Raumes nicht möglich, die uns zugegangenen sehr zahlreichen Berichte über die wohlgelungenen Festgottesdienste abzudrucken. Wir beschränken uns deshalb auf die summarische Feststellung, daß mit diesen Gottesdiensten einem unter den deutschen Juden vorhandenen tieien Bedürfnis Rechnung getragen wurde. Aurich. (7 0. Geburtstag.) Vorsteher L. Knurr beging letzten Sabbat unter lebhafter Anteilnahme der ganzen Gemeinde seinen 70. Geburtstag. Seit vielen Jahren hat sich der Jubilar als Schul- und Gemeindevorsteher der religiösen Interessen mit großem Eifer angenommen. Ter Neubau eines Schulgebäudes ist seiner Anregung und energischen Förderung zu verdanken: auch als Stadtverordneter hat sich Herr Knurr viele Jahre um die Interessen der gesamten Bürgerschaft verdient gemacht. Berlin. (Ehrung von ProsessorTr. Carl Neuberg.) Anläßlich des Jubiläums der Technischen Hochschule in Danzig wurde Professor Dr. Carl Ncuberg zum Dr. Ing. h. c. ernannt und ist nun zum Direktor des Kaiser Wilhelm-Instituts sür Biochemie in Berlin-Dahlem berufen worden. Professor Ncuberg stammt aus Hannover. Er habilitierte sich 1903 für Chemie in Berlin. Im Jahre 1909 wurde er Abteilungsvorsteher am Tierphysiologischcn Institut der Landwirtschaftlichen Hochschule. Er begründete die „Zeitschrift sür Biochemie", in der er mit einem großen Mitarbeiterkreis die Fragen der physiologischen und pathologischen Chemie behandelt. Er befaßt sich auch besonders mit der experimentellen Therapie und der Krebsforschung. Professor Ncuberg gehört dem Verein der Freunde der Hebräischen Universität in Jerusalem an. Berlin. (Professur an der Universität für Ferdinand Blumcnthal.) An der Berliner Universität ist eine Professur für Krebsforschung geschaffen und dem Geheimrat Prof. Dr. Ferdinand Blumcnthal übertragen worden. Pros. Blumenthal war bis 1923 Leiter der inneren Abteilung des Israelitischen Krankenhauses der Synagogengcmeinde Adaß Jisroel in Berlin. Pros. Blumcnthal gelang der Nachweis über varaiitarc Entstehung des Krebses. Berlin. (Professor B c r s o n 70 Jahre alt.) Am Dienstag, den 6. August, vollendete Professor Artur Joses Stanislaus Bcrson, der hervorragende Meteorologe und Acrologe, sein 70. Lebensjahr. Prof. Bcrson, der, wie ivir der Jta entnehmen, 1859 in Ncu-Sandez (Galizien) geboren wurde, tarn, nachdem er sich vorher schon als Meteorologe und wissenschaftlicher Luftschiffer betätigt hatte, 1890 an das Preußische Meteorologische Institut und wurde später (1899) Hauptobscrvator am Aeronautischen Observatorium in Lindenbcrg (Mark). Hier organisierte er die Ballon-Ausstiege zur Erforschung der höheren Luftschichten, 1901 stieg er mit einem Freiballon bis zu 10 800 Meter aus; das ist die höchste Höhe, die bis dahin ein Mensch im Luftballon erreicht hatte. Er erforschte das Luftmccr nicht nur über Europa, sondern auch über Spitzbergen und dem Polarmecr, Ostafrika, dem Indischen Ozean und Brasilien. Als er nach Erreichung der Altersgrenze aus dem Staatsdienst schied, widmete er sich der Förderung der Flugtechnik, arbeitete im Junkers- Werk und ist auch jetzt noch einer der Tätigsten bei den Vorarbeiten zu der „Zeppelin-Arktis-Fahrt", die mit Unterstützung des Reiches unter Führung von Frithjofs Nansen im nächsten Jahre unternommen werden sott. Auch Bcrson wird an ihr teilnehmen. Berlin. (7 0. Geburtstag.) Der 70. Geburtstag von Prof. Tr. Siegfried Jasfe in Charlottenburg gibt uns Veranlassung, dieses trefflichen Schulmannes, der außer in seinen Hauptfächern (klassische Sprachen und Deutsch), worin er lange Jahre am Berliner Königstädtischen Gymnasium, später bis zu seiner Pensionierung am Lessing-Gymnasium unterrichtete, sich auch als Religionslehrer bewährt hat, zu gedenken. Jasfe ist öffentlich nicht hervorgetreten, es liegt dies nicht in seinem Wesen, wohl aber hat er jederzeit als Jude offen und mannhaft Farbe bekannt. Er ist Mitglied der jüdisch-liberalen Vereinigung seit ihrer Begründung. Berlin. (7 0. Geburtstag.) Herr Dr. Götz, Direktor der Nauenschen Erziehungsanstalt, ein langjähriger Abonnent" unserer Zeitung, feiert am Donnerstag, den 15. August, seinen 70. Geburtstag. Berlin. (Todesfall.) An Herzschlag verstarb plötzlich am 9. August unser langjähriges Mitglied, Herr Stadtrat Max Herzberg, im 70. Lebensjahr. Stadtrat Hcrzberg gehörte der Berliner Repräsentantenversammlung als Mitglied der Liberalen Fraktion an, hatte aber vor einiger Zeit sein Amt als Repräsentant niedergelegt. Auch in der Sozialdemokratie hat er sehr eifrig mitgearbeitet. Breslau. (6 0. Geburtstag.) Ter Primärarzt an der inneren Abteilung des Israelitischen Krankenhauses, Sanitätsrat Dr. Herz, feierte am 4. August seinen 60. Geburtstag. Er ist als Sohn des praktischen Arztes Dr. Wilhelm Herz in Breslau geboren und hat hier auch seine gesamte Studienzeit verbracht. Nach der Doktor- Promotion ging Dr. Herz im Februar 1892 als Assistenzarzt an bi« innere Abteilung des Allerheiligen-Hospitals, wo er bis Anfang 1896 zunächst unter Professor Rosenbach, dann später unter Professor Buchwald als Assistent tätig war. Die unter diesem berühmten Internisten empfangene Ausbildung veranlaßte Dr. Herz, sich in seiner Vaterstadt Breslau als Spezialarzt für innere Krankheiten nieberzulassen. Auch auf wissenschaftlichem Gebiete hat Dr. Herz