Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 33 (14.8.1929)
- Date
- 1929-08-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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<\ Hervorragendes geleistet und die von ihm veröffentlichten Arbeiten auf den verschiedensten Gebieten der inneren Medizin, insbesondere aber sein in vier Bänden erschienenes Lehrbuch über die Störungen des Vcrdauungsapparates als ursächliche Folge anderer Erkrankungen haben weitgehendste Beachtung bei Wissenschaftlern und Praktikern gefunden. Nach dem Tode von Geheimrat Dr. Ernst Sandbcrg im Sommer 1917 ivurde Sanitätsrat Dr. Herz zum Primärarzt der inneren Abteilung am Israelitischen Krankenhause gewählt, welche Stellung er noch heute bekleidet. Chemnitz. (Todesfall.) In Meran starb dieser Tage im hohen Alter von 72 Jahren Herr Obcrkantor i. R. Goldberg. Ter Verstorbene stammte aus dem Baltikum, war einige Jahre als Kantor in Bromberg tätig und amtierte später in Chemnitz, wo er sich größter Beliebtheit erfreute. Vor einigen Jahren trat er dann in den wohlverdienten Ruhestand. Der Verstorbene ist der Vater des derzeitigen Vorsitzenden der Kultusgemeinde in Plauen, Dr. I. Goldberg. Dresden. (Todesfall.) Das plötzliche Hinschcidcn von Frau Grace Winter gcb. Allen, bedeutet nicht nur für die Familie des allseitig verehrten Rabbiners Professor Winter, sondern für unsere ganze Gemeinde einen schivercn, kaum zn fassenden Verlust. Jäh ward vom Schicksal eine überaus glückliche Gemeinschaft von mehr als -1 jahrzehntelanger Dauer zerrissen. Die Liebenswürdigkeit der Verstorbenen, ihr gütiges, feines Wesen trugen dazu bei, dem Dresdner Rabbinerhause schon in jungen Jahren nicht alltägliche gesellschasO liche Sympathien zu verschaffen, und die gleichen Eigenschaften, gepaart mit echtem Pflichtbewußtsein lvareu cs auch, die Frau Pres. Winters Namen und Person mit säst allen sozialen Werken unserer Gemeinde verknüpften. Am meisten ivohl verdankte ihr der Israelitische Frauenverein, den sie noch zusammen mit Eharlotre Elb und Gertrud Mattersdorfs, dem als Nachfolgerin dieser beiden Unvergeßlichen leitete. Die Ansprache bei der überaus stark besuchten Trauerseier hielt der eigens vom Urlaub zurückgekommene Rabbiner Dr. Wolf, doch ließ cs sich der Gatte nicht nehmen, selbst noch in Worten des Dankes Z" bekunden, >vas die Verklärte, die nur ein Alter von 61 Jahren erreicht hat, ihm, seinen Kindern und Enkeln und darüber hinaus vielen Mitgliedern der Gemeinde, ja tvobl allen, die sie kannten, gewesen. Fritzlar. (Neuer K r e i s v o r st t h e r.) Der Kreisvorsteher der israelitischen Gemeinden des Kreises Fritzlar, Meyerhof, hat aus Gesundheitsrücksichten sein Aint uiedcrgelegi. Der Genannte, welcher 42 Jahre im Dienste der Gemeinde und des Kreises Fritzlar tätig tvar, hat fein Amt pflichttreu und sehr gewissenhaft ausge - führt. Zu seinem Nachfolger ivurde der Gcmeiudeälteste M. Lissauer. Fritzlar, gewühlt. Gersseld. (Todesfall.) Lehrer a. D. Roßmaun, der meh rcre Jahrzehnte im Dienst der hiesigen Gemeinde stano und sich bei allen Bürgern großen Ansehens erfreute, ist im Alter von 74 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben und unter starker Beteiligung hiesiger und auswärtiger Freunde zu Grabe getragen worden. Hannover. (B e r u s s j u b i l ä u IN.) Am Id. August sann Herr L. Grünbaum aus den Tag zurückblicken, an dem er vor 25 Jahren sein Lehrrrezamen gemach', hat. Vor genau 10 Jahren, am 15. August 1919, wurde Herr Grünbaum als Ehordirigent und Wohlsahrtssekretär in unserer Gemeinde angestellt. Durch die Uebernahme der Provinzialkasse für Wanderarme und Gründung des Proviuzialverbaudes für Wohlfahrtspflege Hannover Braunschweig- Oldenburg Bremen, deren sämtliche Arbeiten in dem Büro der Hanmoverschen Zentrale erledigt werden, mußte Herr Grünbaum den Posten des Dirigenten anfgeben und ividmet seil der Zeit sein ganzes Können und seine reichen Erfahrungen unserer Wohlfahrtspflege'. Das unsere Zentrale heute wohl im ganzen Reich einen solchen Ruf genießt, ist mit zu einem großen Teil auch den Leistungendes Herrn Grünbaum zu verdanken. Neustadt a. Hdt. (Rheinpsalzf. (7 0. G c b n r tsta g.) In der vergangenen Woche feierte die hiesige Israelitische Kultusgemeindeden 70 Geburtstag ihres langjährigen Synagogenvorstandes Herrn Emil Behr. Den Reigen der einzelnen Festlichreiten eröffnete das pfälzische jüdische Altersheim mit einer familiären Feier. Der Vorsitzende dieser philanthropischen Anstalt, Herr Justizrat Dr. Rhein' hcimer in Kaiserslautern, feierte den Jubilar als den Vater und treuen Sachwalter des Altersheims, das heute eine Zierde des gesamten pfälzischen Judentums bilde, und fand ebenso schlrchte als herzliche Worte des Dankes und der Wertschätzung, verre Kommerzienrat A. Joseph-Landau überbrachte die Glück>vnn,cye Israelitischen pfälzischen und bayerische!- Aemeindeverbandes. Sabbat Gottesdienste (4. August) würdigte Herr Bezirksrabbincr Baron-Kaiserslautern in seiner eindrucksvollen Fe,tpredrgt das segnete humanitäre Wirken des Jubilars Behr und erflehte für den wohlverdienten behaglichen Lebensabend. Den «chluy der zclneu Feiern bildete ein Bankett des Im Tr. geihn killunfern äußerst Reden lvurden Ehrungen dar- Kauimaun Leo im Saalbau, das von sämtlichen Gemeindemitgliedcrn und auswärtigen Vertretern zahlreich besucht war. In einer Reihe trefflicher dem Jubilar herzliche Sympathiebezeugungen und gebracht. Schwerin (Warthe). (7;>• G c b u r t s t a {w polt, Laudshosf Hierselbst konnte jetzt seinen <->. Geburtstag ve gehen Dem Jubilar, der eine Reihe von Jahren im önentlrchnc Leben gestanden hat und dessen Name durch die hochherzigen «W tuneen seines Bruders für immer mit der Siadi Schwerin (Warthe) verknüpft 'st, lvurden zahlreiche Ehrungen zuteil.^ Die «Pchen der Behörden, das gesamte Kuratorium der Landschaft Ltislung, Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde, deren Repräsentanten-Vorsteher der Gefeierte ist, eine Abordnung der Toleranz Loge ans Landsberg (Warthe) u. v. a. m. erschienen, um dein Jubilar au dirgem Ehrentage persönlich Glückwünsche zn nberbringen. ffifc bUfc Rubrik Sprechsaal übmümnti die Schriftleitung lediglich dir oeieklicbe Berantwortuua. Schafft synagogale Orgelkonzerte Groß ist die Zahl der Versuche und Vorschläge, die heute geinacht iverden, um das Interesse am Judentum, die TeilnahNte am Gottesdienst zu erwecken. Die Frage, ivarum viele den Gotte-" dienst nicht besuchen können, viele ihn nicht besuchen »vollen, soll hier nicht untersucht werden. Schon vor Begrün des Winter-., möchte ich lediglich eine Anregung anderer Art gebe,:, die vielleicht und hoffentlich'bald einmal ihre Berivirklichung finden könnte. Ich weiß auch, daß man vieles gegen meinen Vorschlag einwende» wird doch vergißt inan dann vor lauter Theoretisicrerei ans der anderen Seite,' daß ein lebendiges Weiterentwickeln, und darum auch der Versuch wichtiger ist als alle wohlabwägende histori'che Bearündung. ..... . . ... ■ Zu Breslau wie in den meisten Großstädten besteht wahrend der Wintermonate in verschiedenen Kirchen die regelmäßige Ein rrchlnug von abendlichen Orgelkonzerten, die neben dem Lrgelspiel iioch andere Jnstriimenkal ober Gesaiigsdarbielungen ent- Diese Konzerte iverdcn an Werktagen veranstalte! und er sich, da keine oder nur geringe Einlriltsgebühren erhoben in der Reget eines sehr guten Besuches^ drängt sich einem univillkürlich die Frage, aus: Welche könnten auch uns zur Schaffung ähnlicher Veranstaltnugen in unseren Orgclsynagogen verautassen? Man sollte doch endlich einmal in jüdisch liberalen Kreisen den Prestige-Standpunkt ausgeben. Was gut ist, soll mau übernehmen, ganz gleich von wem. Das muß ja nicht gleichbedeutend sein mit einem restlosen Nachahmen fremder Dinge. Auch das ängstliche Rücksichtnehmen aut andere Richtungen ist nicht immer am Platze. Gf„s sei von vornherein nachdrücklichst bciont. Die Schalung von Orgelkonzerten soll keineswegs einen Ersatz für die goNeszumeist batten, freu en werden, Es Gründe dienstlichen Handlungen bedeuten. Ihr Sinn kann lediglich in einem Hinlenken zum religiösen Verständnis, in einem Auflockern des seelischen Empfindens bestehen. Und nun zu unserer Frage. Es ist eine keineswegs so seltene Erscheinung, daß sich gerade bei erlesenen Kirchenkonzerten viele Juden unter den Zuhörern befinden. Das wäre an sich nichts Schlimmes. Doch kann man wohl annehmcn, daß die nämlichen Menschen auch Synagogenkonzerte besuchen werden, wenn ihnen dort Gleichlvertiges geboten würde. Und daß es für uns wünschenswerter ist, wenn diese Juden im jüdisch-religiösen Geiste gehaltene Konzerte besuchen, darüber kann wohl kein Zweifel bestehen. Die Kirchenkonzerte tragen jedoch einen ausgesprochen christlichen Charakter. Weiter gibt cs auch viele Juden, die sich aus wirtschasliichen Gründen nicht die Eintrittspreise zu sonstigen Konzerten leisten können. , Nicht von jedem kann man den Idealismus verlangen, einen billigeren Stehplatz auszusuchen, wenn er den ganzen Tag über schon im Laden gestanden hat oder auch sonst körperlich schwer arbeiten mußte. Diese Menschen lvurden zu gelegener abendlicher Zeit durch ein Synagogenkonzert in ernstem Genuß Entspannung nach des Tages Mühe suchen. Einen vielleicht äußerlich erscheinenden Gesichtspunkt sollte man nicht übersehen. Viele, namentlich junge Menschen, lvürden durch derartige Syimgogenkonzerte überhaupt erst oder häufiger zu einem Besuch der Synagoge veranlaßt werden. Mag mancher darüber lächeln. Diese dem Gottesdienst und dadurch auch der Synagoge entfremdeten Menschen empfinden eine reguläre Scheu vor dem Betreten einer Synagoge. Genügend persönliche Beispiele beweisen cs mir. Durch ein geeignetes Programm - und dies ist der zweite, wichtigere Gesichtspunkt - - angeiockt, mürben sie diese Scheu gar bald verlieren. Denn eine harmonische innere Ausgestaltung ldas Programm) wird ihre bestimmende Einwirkung aus die Seele des Zuhörers nicht verfehlen. Eine verständige Programingestaltung ist daher nötig. Sie stellt hohe Anforderungen an das Einfühlungsvermögen und den Takt der Veranstalter (die Gemeinden). Neben erhabenen Kompositionen mehr weltlichen Charakters müßten solche indisch religiösen Inhaltes treten. Es können hier gottesdienstliche Melodien (Sologesänge) eingeflochten nnd io der Zuhörer mit den im Gottesdienst üblichen Klängen vertrant oder wieder vertraut gemacht iverden. An religiösen Kompositionen besteht ja wahrlich kein Mangel. In der Praxis müßten die synagogalen Orgelkonzerte regelmäßig an bestimmlen Werttagsabenden öffentlich veranstaltet lverdeu. Eintrittsgebühren dürften entweder überhaupt nicht oder in geringer Höhe -erhoben lverdeu. Al'ch der Programmverkanf nnd freiwillige Spenden könnten die Unkosten decken. Nicht vergessen lverdeu darf, daß die öffentlich bekanntgegebenen Synagogenkonzerte auch von Andersgläubigen besucht lverdeu würden. Manches Vorurteil gegen das Judentum und seine Einrichtungen dürfte hiermit schwinden. Die Unkenntnis voyi Judentum ivurde sich bald, nicht zuletzt durch die Ausnahme gottesdienstlicher Melodien, in den Wunsch nach weiterer 'Kenntnis des Judentums verwandeln. Es gilt, den Versuch m wagen. Natürlich mit der anfangs notwendigen Propaganda. Ein F-ehltchlag würde keine rückwirkenden Folgen zeitigen. Also besser der Versuch, als ans Begnemlichkeit oder sonstige!! unbedeutenden Gründen nichts zu iriireriiehmen. Hier öffnet sich den liberalen Repräsentanten eine Ausgabe, die ihnen den Dank vieler eintragen wird. Die Schaffung synagogaler Orgelkonzerte an Werktagen kann für das Judentum nur von Nutzen und für dessen Erkenntnis in oer Umwelt ein weiterer Faktor sein. Erich Vulkan, — Jli-Breslau. Vereinsnachrichten Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der jüd. Gemeinde E. B., gegr. 1900. Geschäftsstelle: Elsässer Straße 9, Norden 1651. Gymnastisches Turnen unter Leitung von Lehrern der Hochschule :ür Männer und Jugend jeden Dienstag von 20 Uhr Turnhalle Große Hamburger Straße; für Damen und weibliche Jugend jedeir Montag von 20 Uhr Turnhalle Hannoversche Straße 20. Jeden Sonntag ab 10 Uhr Sportplatz Hohenschönhausen, Hofsstraße 11, Fuß-, Bötker-Ball und Leichtathletik. Anmeldungen für die Tischtennisabteilung an die Geschäftsstelle. Damen und Herren auch als Gäste willkommen. Billetts für die Moses Mcndelssohnseier in der Sing-Akademie, Ivollen Mitglieder sofort von der Geschäftsstelle abholen, da uns nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Karten zur Verfügung steht. Lest jüdische und Tageszeitungen über weitere Veranstaltungen. Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin N 24, Artilleriestraße 14. Herr Dr. Al deck: 1. Talmud Pesachim, 2. lalmudisch-wissenschaftliche Probleme, 3. Einführung in die Behandlung des Talmuds. - Herr Tr. Baeck: 1. Ansgewählte Terste zur israelitisch-jüdischen Religionsgeschichte, 2. Grundsätze der Darstellung in Verbindung mit homiletischen Uebungen. - Herr Prof. Dr. B a n e t h : 1. Mischna Baba Batra, 2. Talmud Kidduschin, Kap. 1, 3. Talmud Baba Batra, Kap. 8, 4. Tur und Schnlchan Aruch, Hil. Meliha, 5. Schnlchan Aruch, Hil. Pesah. — Herr Prof. Dr. El bogen: 1. Einleitung in die Wissenschaft des Judentums, 2. Geschichte des Judentums bis zur hellenistischen Zeit, 3. Erklärung des Sendschreibens de» Gaons Scherira, 4. Lektüre hebräischer Gedichte. — Herr Prof. Tr. G u t t m a n lt : 1. Geschichte der jüdischen Relrgionsphilosophie im Mittelalter, 2. Teil, 2. Interpretation von Saadias Emunol ive Teol (für Fortgeschrittene), 3. Lektüre von Aldos Jkkarim, (für 'Anfänger), ck. Uebungen zur Ethik. .Herr Tr. Torczyner : 1. Ter Prophet Jeremia, 2. ansgewählte Psalmen, 3. Einleitung in die Bibel, 4. hebräische Stilübungen für Anfänger. — Herr Tr. Freund : 1. Das geltende Reichskirchenrecht unter Berücksichtigung der jüdischen Retigionsgemeinschast. - Herr Tr. Ollcndorff : 1. Einführung in die jüdische und allgemeine Wohlfahrtspflege, 1. allgemeiner Teil, 2. Uebungen über Gegenwartsfragen der jüdischen Jugendfürsorge, Jugendpflege und Jugendbewegung (mit Lektüre von Schriften und Zeitschriften). — In der Präparandie iverden ivie bisher Kurse über Bibel nnd Kommentare, hebräische Grammatik, Talmud, Mischna und das Gebetbuch von itde.it Herren Tr. Grünthal und Dr. Kahanc lau: Anschlag am schwarzen Brett gehalten iverden. Tie Eröffnung des Winter- Semesters erfolgt Donnerstag, den 31. Oktober 1929, 11 Uhr vormittags. Tie 'Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, Herrn Prof. Tr. Elbogen, am Dienstag, dem 29. und Mittwoch, dem 30. Oktober 1929, 10 Uhr vormittags, Artilleriestraßc 141, Zimmer 6, soivie in seiner Sprechstunde, Montag und Donnerstag 11 —12 Uhr. Aus der Jli-Vewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Fugendvereine Deutschlands J Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main Die Schuljugend reist ins Ausland In Dresden hatte vor einigen Monaten der Deutsche Lehrerverein seine Haupttagung. Zusammen mit Vertretern der französischen Lehrerschaft fand eine eindrucksvolle Kundgebung unter dem Motto statt: „Die Sckmle im Dienste der Volksversöhnung und der Völkerversöhnung". Di-e Stimmung stieg auf den Höhepunkt, als der deutsche Redner, ein Elsässer von Geburt, im Schlußwort erklärte: ,,M e i n V a t e r hat 1870 auf die Deutsche n geschossen. I ch schoß 1914 auf die Franzosen, — mein Sohn soll auf niemand mehr schießen!" Wenn der Frieden von Grund aus vorbereitet werden soll, so muß man hier rein erzieherisch Vorgehen und bei der Jugend beginnen. Ter Frieden muß so zu einer unbedingten Selbstverständlichkeit werden, wie jede andere Art einer kulturellen Erscheinung. Bor allein muß der Giftstoff der üblichen gegenseitigen Verzerrungen, wie man sie häufig genug noch in Geschichtsbüchern anirifft, aus dem Wege. geräumt werden. Ein wirksames Mittel sind liier die K nüpsungen persönlicher Beziehungen zwischen den jungen Menschen aller Länder. Die Friedensgesellschasten und nichtjüdischreligiösen internationalen Bünde haben eine derartige pazifistische Kleinarbeit schon seit Jahren im Austausch von Schülerbriefen und Schüterbesuchen geleistet, und viele Freundschaften sind ans diese Weise entstanden. Diese Arbeit muß nunmehr auch von jüdischer Seite tatkräftig unterstützt und ergänzt werden, denn auch die jungen Juden drängen danach, ihre kleinen Kräfte in den Dienst der Weltbefriedung und der gegenseitigen Verständigung zu stellen. Seit einem Jahre etwa vermittelt der Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands in langsamen, aber erfolgreichen Bemühungen einen Austausch von Briefen mit jungen Juden des Auslands, besonders Großbritanniens. Wir müssen aber endlich auch den zweiten Weg einschlagen und die A u s t a u s ch b e s u d) e jüdischer Schüler schaffen! Wir dürseir hier keineswegs hinter unfern nichtjüdischen Friedensfreunden zurückstehen, - haben wir doch das Ideal der Völkerversöhnung scholr seit den Tagen unserer großen Propheten durch die Geschichte getragen! Wer daher an diesem praktischen Friedenswerk mitbelfen will, und wer aufrichtiges Interesse an den Austauschbesuchen jüdischer Jugend Haft soll mir schreiben. Wir wollen Intensiv arbeiten, damit wir vielleicht schon im kommenden Sommer die ersten internationalen Fahrtelt jungiüdischer Menschen begrüßen können. I. R a p h a e l, Beckum i. W (Wir möchten daraus Hinweisen, daß dies öon liberaler Seite auch bereits in Angriff genommen worden ist. Der Weltverband für das liberale Judentum hat ein Unterkomitee für die Förderung der liberalen Jugend in den verschiedenerr Ländern gebildet, dessen Obmann .Herr R.-A. Dr. .Hoffmann, Frankfurt a. M., Am Salzhaus 3, ist. Dieses Untere komitce betrachtet die Korrespondenz und den Austausch von Mitgliedern der liberalen Jugendorganisation als eine ihrer Hauvtaufgaben. Anm. der Redaktion.) Werbt neue Mitglieder! * | Aus der Jli-Arbett | * | Breslau. (A r b e i l s a u s f ch u ß der s ch t e s i s ch e n Ili s.) Auch an dieser Stelle sei nochmals auf das Rundschreiben aufmerksam gemacht, das soeben der Vorstand des 'Arbeitsausschusses der schlesischen Jlis herausgeben ließ. Die Beachtung der darin enthaltenen Richtlinien ist für Die 'Arbeit der schlesischen JliS von größter Wichtigkeit. Teilweise bringt das Schreiben eine Wiedergabe der aus der vergangenen Breslauer Tagung erzielten Anregungen. So enthält es u. a. Angaben über die Verbindung der schlesischen Jlis mit dem 'Arbeitsausschuß, Hinweise aus Die interne 'Vereinstätigkeit und die 'Außenarbeit. In verschiedener Hinsicht ist die Zusammenarbeit mit der Jüdisch liberalen Zeitung und der Jli Rubrik durch mehrere Punkte oes Rundschreibens besonders behandelt. Diese Andeutungen mögen genügen. 'Also nochmals: Beachtet die einzelnen Punkte nnd gebt ihren Inhalt, soweit erforderlich, allen Vereins- Mitgliedern bekannt. E. V. t ★ I ♦♦♦♦♦♦♦»< Das Ili-Programm :: ★ Berlin. Gcmcinsame Veranstaltungen. Sonntag, den 18. August, Fahrt nach dem Lehnitz-See. Treffen um 8 Uhr am Stettiner Vorortbahnhof. Führung: Irma Krndcrmann. Pankow-Osten. Freitag, den 16. August, Heimabend um 20 Uhr bei Gerald Cohn, Pankow, Kavakierstraße 11. Breskaa. Haüptgruppe: Mittwoch, den 21. August, 20.15 Uhr: Gemütliches Beisammensein im Kurgarten, Kürassierstrah«. Jüngrren- Gvüppe: Donnerstag, den 15. August, 16.15 Uhr, bei Danziger, Goethestraße 42-44: „Zum Äerfassungstag", Referat von Frau; Meidner isHauptgrllppej. Donnerstag, den 22. 2tugust, 16.15 Uhr, bei Danziger, 'Goethestraße 42-44: Unterhaltungsnachmittag. Gemeinsame Veranstaltung beider Gruppen: Sonntag, den 25. August. Tressahrt des Breslauer und des Liegnitzrr Jlis nach Malisch. Wanderung Maktsch-Leubus (evtl. Dampferfahrt). Treffpunkt um 7 Uhr am Hauptcingang des Hauptbahnhoss. Abfahrt 7.32 Uhr. Meldungen bis fpäteftens zum 23. August. Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. Dienstag, 20. August, 20.30 Ukr: Geselliges Beisammensein im Schweizer-Häuschen. Dienstag, 4. September, >20.45 Uhr, Heimabend im Sitzungszimmer der Westendsynagoge. T1»ema: Mendelssohn. Kalendarium f. die Zeit v. 14.9. b. 21.8. 29 August 1929 '3 Tammus 5889 Mittwoch 11 8 Donnerstag 15 9 Fastlag Tischo b"Ab Freitag 18 10 Sabbat Nachainu Sonnavend 17 11 Wvchenabschnitk: Woesschanan Hastarah: Jcsaia 40, 1 —2H Sabbat Ansgang: 8.17 Uhr Sonnt.:: Montag Dienstag Mittwoch 18 19 20 2! 12 13 14 10 1'. Aw. Freudentag