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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-08-14 · 33 (14.8.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
33 (14.8.1929)
Date
1929-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Elnfchaktimgm für TischO-H'aw. Chor und Gemeinde (hebräisch): (S. 351). Eli zijaun w'orcho kmau ischo w'zireho w'chiw'ssulo chaguras ssak ale baal n'urcho. Wchklage, Zion, samt deinen Städten, Gleich dem Weibe, das in ihren Nöten klagt, Gleich der Jungfrau, die sich in Trauer gürtet Um den Geliebten ihrer Jugend! Vorbeter: Echo-Klagelieder. Kap. 1 und Kap. 5, Vers 19-21 (hchräisch). (S. 316, 339). Prediger: Zionslied von Jehuda Halevi (deutsch) Zijaun halau sischali lischlaum assirajich? Zion, nicht fragst du den Deinen nach, die Joch tragen.'? Vorbeter: Kina (hebr.) 2 Strophen. B'leel se jiwkojun w'jelilu wonaj. In dieser Nacht weinen und klagen meine Söhne. Prediger: Wandervolk, Gottesvolk. (Aus Stefan Zweig Jeremias. S. 210). Chor: Hebe deme Augen auf! (Psalm 121). Prediger: Vorlesung: 5. Buch Mose, Kap. 4, 25-40 (deutsch S. 326). Predigt. Vorbeier: T'maher j'schuo (hebräisch S. 325). Chor: W'neemar w'hojo aoaunoj l'melech alkol hoorez bajaum hahu j'hje adaunoj echod u'sch'mau echod. Der Ew'ge wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tage twrd der Ewige einzig sem und sein Name „Einziger". Orgelnachspiel. Stoüwero^ iDoh (Schmecke nd L nahrhaft. schen, die, obwohl sie äußerlich Gte-chberecht'gung genießen, in Wirklichkeit jedoch Sklaven in einem neuen Ghetto seien. Zum Unterschied von dem „Chowewe Zion" (Zionsfreunden), den Leuten etwa, die, wie der vor kurzem verstorbene hebräische Schriftsteller aus Odessa — Achad Haam — welche in Palästina in erster Reihe nur ein Zentrum sahen, in welchem sich eine Regeneration der jüdischen nationalen Kultur verwirklichen könnte, welche aber seine praktische Bedeutung für die Lösung der materiellen Judennot nicht überschätzen, wollte der politische Zionismus durch Palästina eine Lösung der materiellen Not des osteuropäischen Judentums erreichen. Wenn z. B. Herzl seinerzeit nach Rußland fuhr und dort mit dem damaligen äußerst reaktionären und judenfeindlichen, den 1904 ermordeten, Innenminister Plehwe Verhandlungen über die Judenfrage und die zionistische Aktion führte, so hat es sich dabei selbstverständlich nicht um jüdische nationale Kultur gehandelt, für welche Plehwe nicht das geringste Interesse hatte. Soweit diese Verhandlungen Herzls damals überhaupt einen Sinn hatten, was man übrigens sehr bezweifeln darf, konnte dabei die Rede nur davon sein, daß der Zionismus den leidenden osteuropäischen Juden (das waren vor dem Krieg, abgesehen von Rumäniens, hauptsächlich die Juden Rußlands, daß in seinen damaligen Grenzen mehr als 6 Millionen Juden zählte) materielle Hilfe verschaffe Der Zionismus betrachtete es daher als Fehler vom jüdischnationalen Standpunkt aus, daß so große Massen des osteuropäischen Judentums sich nach den Vereinigten Staaten wandten. Er bekämpfte alle Pläne der „Territorialisten", welche in anderen Ländern außerhalb Palästinas jüdische Kolonien schaffen wollten. Nun geht aber aus den Einwanderungsstatistiken und zm großen Teil sogar aus dem Bericht der Survey Commission hervor, wie gering die Resultate der zionistischen Aktion in der verflossenen dreißig Jahren ftnöv und daß alles, was in Palästina bisher geschaffen worden ist. für die Millionenmassen der osteuropäischen Juden praktisch gar keine Bedeutung hat. Und jetzt muß nun der Zionismus eingesteheu, daß er vor der Unmöglichkeit steht, sein Werk weiterzuführen, wenn nicht das nichtzionistische Judentum ihm beispringt. Jetzt wird die Bedeutung der so verschmähten Philanthropie anerkannt; Weizmann gibt zu, daß. es Nichtzionisten gibt, die für Palästina mehr als manche Zionisten leisten. In seinem Vortrag Über die Jewish Agency und Keren Hajessod erklärte der geschästsführende Direktor des Keren Hajessod Dr. Arthur Hantke, der Erfolg oes Keren Hajessod sei darauf zurückzusühren, daß er einen neutralen Charakter erhielt, daß 125000 Keren Hajessod-Zahler vorhanden sind, die nicht der zionistischen Bewegung angehören. „Ter Keren Hajessod wurde so der erste Meilenstein auf dem Wege zur jüdischpolitischen Neutralisierung der Palästina-Arbeit und zur aktiven Heranziehung der Nichtzionisten." Mit anderen Worten heißt das aber doch, daß, ohne die Mitarbeit der jüdischen Nichtzionisten, der Zionismus, welchen Dr. Hantke „eine im siegreichen Kampf stehende Gruppe" nennt, auch nicht einmal das erreicht hätte, was bisher in der Tat in Palästina verwirklicht werden konnte. Und jetzt soll nun die Jewish Agency, von der Dr. Hantke.richtig sagt, daß die Verhandlungen über ihre Bildung „die Existenz des Keren Hajessod und seinen Aufbau in der Zukunft zur Voraussetzung" hatten, weitere Hilfe bringen. Jetzt setzt der Zionismus praktisch seine Hoffnungen auf die materiellen Mittel der amerikanischen Juden, die aber nur dadurch zu einem so wichtigen Faktor im jüdischen Leben geworden sind, daß sich im Laufe der 30 Jahre, in welchen nach Palästina kaum 80000 Juden kamen, gewaltige Mengen russischer Juden nach Amerika wandten, dort zum Teil ein hohes soziales Niveau erklonpmen und es darum betrachtet haben, daß die Vereinigten Aus dem zionlslenkongreb in Zürich ii Es hat lange gedauert, bevor die inneren Kämpfe zwischen der offtziellen Parteileitung und den oppositionellen Gruppen überwunden worden sind und die Erweiterung der Jewish Agency vom Kongreß bestätigt wurde. Tie Sitzungsdauer des Kongresses mußte deswegen um 2 Tage verlängert werden. Schließlich siegte aber doch, wie zu erwarten war, die Partei-Exekutive, wobei allerdings in dem ursprünglichen Entwurf einige — verhältnismäßig nicht sehr bedeutende — Aenderungen vorgenommen worden sind. Im Zionistischen Lager spielten sich in dieser Frage ähnliche Gegensätze wieder, wie unter den nichtzionistischen Juden. Bekanntlich gingen und gehen auch unter den Nichtzionisten die Ansichten sehr weit auseinanoer, ob sich Nichtzionisten an der national-jüdischen Tätigkeit in Palästina beteiligen sollen, ob diese Beteiligung nicht ein Aus geben der politischen Grundsätze bedeutet, welche im Judentum Nichtzionisten von Zionmen scheiden. Dieselben Kämpfe wurden auf dem Kongreß auch zwischen Zionisten geführt; die Revisionisten u. a. erblicken im Zusammengehen mit Nichtzionisten einen Verzicht auf die Grundsätze des politischen Zionismus. In gewisser Beziehung war dieser innere Kampf im Zionistenlager eine Wiederholung dessen, was man in jeder Partei beobachten kann, die sich von der reinen Ideologie zur praktischen Arbeit wendet, ein Kamps zwischen politischer Romantik und politischer Praxis. Für Jabotinsky z. B. war die Bildung der erweiterten Jelwish Agency ein Aufgeben des nationalen Ideales, dessen Symbol er im zionistischen „Schekel" sah. Mit großem redner-schem Schwung sprach er davon, wie es eben dieser Schekel war, der früher in der Mentalität des Ostjuden eine wahre Revolution hervorgebracht hatte, indem er die unterwürfigen jüdischen Dulder zu Menschen machte, die allmählich ihr nationales Bewußtsein und Mut zum politischen Kampf erworben haben. Jedoch ist diese Verherrlichung des Schekels, gelinde gesagt, eine starke Uebertreibung. Es hat sich in der Tat seil dem Ende des vorigen Jahrhunderts eine starke Aenderung in der Psyche der ostjüdischen Massen vollzogen, sie gelangten, wenigstens zum Teil, zur Erkenntnis ihrer Menschenrechte und lernten für diese Rechte kämpfen. Das war aber nur zum allergeringsten Teil das Verdienst des Zionismus. Viel stärker übten in dieser Beziehung die verschiedenen sozialistischen und revolutionären Parteien ihren Einfluß aus, die sich im russischen Judentum mehr oder weniger :m Anschluß an die nichtjüdischen russischen revolut'onären Parteien bildeten und in den Massen den Protest gegen das Unte;ydrückungssystem des Zarismus weckten. Mögen die jüdischen sozialistischen und revolutionären Parteien rm früheren russischen aus anderen Gebieten auch viele Sünden begangen haben, so muß doch objektiv zugegeben werden, daß sie in der Tat gerade auf diesem Gebiete der Verwandlung des osteuropäischen Juden aus einem lvürde- und willenlosen Menschen zu einem Kämpfer eine positiv zu bewertende Leistung zu verzeichnen haben. Im Gegensatz zu der romantischen Einstellung von Jabot'Nsky und anderen verfocht die Parteiexekutive natürlich den Standpunkt, daß im Gegenteil die Nichtzionisten, die jetzt in die Jewish Agency emtreten, tu Wirklichkeit unter dem E-nfluß des Zionismus stehen werden, daß es sich also um einen Sieg des Zionismus handelt. Beim aufmerksamen Studium aber der von den Vertretern der Exekutive, bzw. Anhängern der erweiterten Jewish Agency, gehaltenen Reden kommt der eigentliche Grund der Schaffung der Agency sehr deutlich! zum Ausdruck - nämlich die Ueberzeugung, daß ohne die Hilfe von Nichtzw nisten das ganze zionistische Werl in Palästina nicht weitergeführt werden könne. Um es ganz deutlich auszudrücken: die Nichtzionisten selten durch ihr Geld und ihre Arbeit das erreichen, was die Zionisten allein nicht leisten können. Man mußte, sagte Weizmann, „wenn man gewissenhaft ist und sich nicht mit dem, was ist, zufrieden gibt, zu dem Schluß kommen: In diesem Tempo, wie die Tinge gehen, können sie nicht weitergehen. Wir haben wohl Großes erreicht, aber so in diesem Tempo werden wir den Bau Palästinas auch für unsere; Generation nicht ausreichend weiterführen. Ich lwll nicht erst die Hunderttausende von Gefahren, die ein langsames Tempo in sich birgt, hier erwähnen, d-e Herren, die in Palästina leben, kennen sie.... Und ich glaube, daß es schon heute viele nichtzionistische Juden gibt, die Palästina ftndm und empfinden und dafür arbeiten, vielleicht mit größerem Eifer, als manche Zionisten." Das Mitglied des Aktionskomitees, Leon Reich, sagte von der Jewish Agency, sie sei „heute eine materielle und histprische Notwendigkeit. Ich we'ß nicht und niemand in diesem Saale weiß, wie viel Geld die erweiterte Jewish Agency bringen wird. Aber es ist eine Chance .... Tie Menschen, mit denen wir Zusammenarbeiten wollen, waren bisher nur auf philanthropischem Gebiet für das Judentum tätig. Unterschätzen Sie nicht die Philanthropie, welche bei den Juden eine besondere Bedeutung hat und welche nach dem Krieg zu einem sozialen Faktor im Leben des jüdischen Volkes geworden ist .... Tie Jewish ■ Agency ist nicht nur eine materielle, sondern auch eine politische Notwendigkeit. Es ist keine Frage, daß in der Politik nicht alles klappt." Jean Fischer, ein belgischer Delegierter, sagte: „Eine weitere, tiefere Ursache, warum es zur Jewish Agency gekommen ist, liegt darin, daß es uns im Grunde nur gelungen ist, im Laufe von langen, schweren Jahren die jüdische Bevölkerung Palästinas von 80 000 auf 160000 zu bringen. Wer Verantwortungsgefühl hat, muß verstehen, daß nun der Moment gekommen ist, in dem wir alles Mögliche tun müsfen, um die jüdische Bevölkerung Palästinas zu erhöhen." Das Mtglied des Aktionskomitees Kurt Blumenfeld führte aus: „Tie Agency ist eine Chance für uns... ich sehe diese Menschen (d. h. die Gegner der Agency) erstaunt mnund frage, was wollt Ihr eigentlich? Wenn es nämlich wirklich den zionistischen Gegnern der Agency-Politik gelingen sollte die Sache zu schwächen und zum Scheitern zu bringen, wenn wirklich aus dieser Sache Nichts wird, dann frage ich Sie: Was wird aus dem Palästinawerk, was wird aus der Verwirklichung des Basler Programms?" Man könnte noch eine Reihe ähnlicher Zitate anführen, aus denen klar hervorgeht, daß die leitenden Zionisten zur Ueberzeugung gelangten, ohne die Nichtzionisten, namentlich ohne ihr Geld, g eht es nicht mehr weiter, die Jewish Agency niitffc den verfahrenen Karren weiterbringen. Es ist das eine sehr interessante Phase in der Entwicklung des Zionismus, deren Erkenntnis sich geräde auf diesem Kongreß und im Hinblick auf die feierliche Jub-läumsstimmung anläßlich des 25jährigen Todestages von Theodor Herzl, aufdrängen mußte. Ter Zionismus trat bekanntlich seinerzeit fehr anspruchsvoll auf. Er war überzeugt, die von ihm vorgeschlagene! „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" des jüdischen Volkes in Palästina sei d'e alleinseligmachende Methode in der Lösung der Judenfrage. Er sah von oben herab auf die nichtzioniftischen Juden, die nur zu philanthropischer Kleinarbeit fähig waren, betrachtete sie als innerlich unfreie Mente den Frieden auf Erden bewirken. Ter Verfasser erzählt von kleineren Gemeinden in Portugal, einzelnen Juden in Spanien und einem Versöhnungstag in Madrid, der bei ernem Privatmannn gefeiert wirb, weil es dort noch keine Synagogen gibt. Und ec fügt seinen Versen, in denen er einige Ereignisse aus Spanien besingt, einen Epilog an: „Der Ghettojude vor dem Titusbogen in Rom". Angesichts dieses Siegeszeichens und Symbols der Vergänglichkeit zugleich findet er auch für Spanien die Worte: „Mut zeigt Dulden und Hoffen nicht minder als Kämpfen und Wagen; wer nicht im Elend verzagt, weiset uns göttliche Kraft. Ja. eine Hoffnung hat Juda, es schaut nicht klagend zurück, vor ihm liegen das Heil, naht es auch zögernd heran." Wie eine Erfüllung dieser Worte und wie eine Fortsetzung des Lewinschen Buches erscheint das von M. Ehrenpreis, Oberrabbiner von Stockholm, das 1927 in schwedischer Sprache erschien und im Vorjahre in deutscher Bearbeitung durch den Verfasser. Auch ins Holländische, Polnische, Französische ist es übersetzt. Es rüi mit 35 Bildern versehen und ebenfalls ein Reisebuch. Der deutschen Ausgabe hat Alfons P a q u e t, der im Kriege Ehrenpreis besucht hat und den Sederabenden bei ihm beiwohnte, ein Vorwort geschrieben „Tie jüdische Wett neben der christlichen miterleiben, heißt eine neben der anderen nicht mehr entbehren können" Ehrenpreis schildert nicht nur jüdische Tinge, sondern auch allgemeine, spricht vom Marokkvprobtem, Velasquez, Primo de Rivera. Aber am meisten hören wir natürlich' doch von Jüdischem. Außerdem, was uns sch>on von Lewin her vertraut ist, werden auch Jbu Esra, Jehuda Halevi, Gabirol, Maimonides wieder lebendig. Aber das Eindrucksvollste ist zweifellos das Kapitel: „Tie Marrannen in Portugal". Hier erleben wir die wunderbare Auferstehung jener Juden mit, die nach einem Worte des Frankfurter Earl Gebhards, des Spinozaforschers, Katholiken ohne Glauben und Juden ohne Wissen waren. Und da, wie wir sahen, die portugiesischen Marrannen wesentlich spanische Juden waren, so kann man mit Recht von der wre eirr Wunder anmutenden spanisch-jüdischen — aber natürlich auch portugiesisch-jüdischen — Renaissance reden. Taß sich in Spanien selbst die Verhältnisse ebenfalls längst gebessert haben, daß Patuda, jetzt in Heidelberg und Verfasser des neuen Buches über die Beziehungen zwischen Aegypten und dem Pentateuch, früher dorthin berufen wurde, dürite bekannt sein. Was hat nun Ehrenpreis zu berichten? Erst 1821 wurde die Inquisition in Portugal aufgehoben, und bis dahin haben diese „Kryptojuden" mit ihrem Judentum im Herzen gelebt, wirklich im Herzen, denn nicht einmal ihren Kindern sollten sie etwas vom Judentum erzählen. Aber es muß ja wohl geschehen sein und so konnten sich Bruchstücke der jüdischen Lehre und der jüdischen Bräuche bei ihnen erhalten. Und so konnte der Ingenieur Samuel Schwarz aus Lodz, der geschäftehatbec nach Portugal gekommen war, diese Marrannen entdecken. Schwarz führte den Verfasser zu einer Marrannenfamilie. Er fand Großmutter, Mutter und Tochter. „Wir sind ja so glücklich," sagt die Alte, „den einzigen Gott anbeten zu dürfen und die Lehre Moses zu erfüllen." Mutter und Großmutter haben ihr noch von den Jnquisitionsprozessen erzählt. Bewahrt haben die Marrannen den Sabbat, das Pehach- und Versöhnungsfest, Gebetbücher haben fie nicht und dock, eine „vollständige Liturgie in portugiesischer Sprache", alles mündlich überliefert. Noch heute beten die Marrannen täglich: „Wie Tu Daniel aus der Löwengrube befreitest, so rette auch uns, Teine treuen Diener, vor Marter und Inquisition." Tie Alte spricht ihm eine Reihe von Texten vor. „Großer Gott Israels, die ganze Erde ist voll von deiner'Herrlichkeit." „Nicht soll sich per Reiche seines Reichtums rühmen, nicht der Weise seiner Weisheit, nicht der Starke seiner Stärke, denn sie sind von keinem Wert. Bloß der guten Taten dürfen wir uns rühmen, die wir hier in dieser Wett vollbringen." Man merkt die Anlehnungen an Jesaia und Jeremia. Schließlich, singt sie ihm eine portugiesische Umdichtung des Meeresliedes vor: „Singen tmft ich dem Herrn." Auch die portugiesischen Marrannen haben, wie bemerkt, ihre jahrhundertlangen Leidenszeiten gehabt, und ihr eigentliches Ende fanden diese erst 1908, als die lieber macht der Kirche gebrochen wurde. Schon da erwachten die Marrannen überall. Ihre Zahl soll 10000 übersteigen. Eine wesentliche Förderung oer Bewegung erfolgte aber erst, als der Jnfanteriehauptmann Kariös de Barros Baslo, Sohn einer Katholrkiu und eines Marrannen, zum Judentum zurücktrat. In der Synagoge zu Lissabon ging ihm das Judentum „blitzhast" aus, ein Beispiel für das Freudsche Unbewußte. Er studierte das Judentum, sammelte Genossen um sich, gründete in O Porto eine Gemeinde, durchzog die Gebirgsdörfer, suchte nach Marrannen, gab eine Zeitung heraus, Ha-Lapis (Tie Fackel), in der er die Lehren und Bräuche des Judentums auszeichnete, verfaßte Gebet- und Lehrbücher, gründete 1927 in Oporto die Synagoge „Mekor chajim" (Lebensquell) und 1928 in Braganza die Synagoge „Schaare Pidjon" (Tore der Erlösung). Gegen Finanznot — erst 1926 wurde in London ein Pro-Marrannos-Komitee gebildet und gegen die noch teilweise bestehende Angst der Marrannen setzte und fetzt er sich durch - So der Verfasser. Aus ergriffenem Herzen wird man — nicht zuletzt im Hinblick auf den 9. Ab — seinen Schluß^ Worten zustimmen: „Diese einfachen, großartigen Menschen, die Jahrhunderte hindurch mit dem Mute der Verzweiflung gegen eine unmenschliche religiöse Tyrannei gekämpft, verteidigten im Grunde ein Größeres als bloß ihre eigene Freiheit. Nostra res agitur.. Ihr Kampf unnd ihre Leiden, ihi Heldentod und ihr schließjlicher Sieg werden für alle Zeiten zu den dunkelsten und zugleich hellsten Blättern der Religionsgeschichte gehören."

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