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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-08-07 · 32 (7.8.1929) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
32 (7.8.1929)
Date
1929-08-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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wur, der Agency erhalten hat, soll oie Zahl der Mitglieder des Agency-Rates (Council) 220. statt, wie ursprünglich be abfichtigl war, 150, sein. Tie Beschlüsse der vorhergehenden Kongresse bestimmten, daß die Agency vorlausig nur für 3 Jahre geschaffen und» nach Ablauf dieser Frist ein endgültiger Beschluß über ihr Weiterbestehen gefaßt werden sollte. Tas wurde aber fallen gelassen, weil die amerikanischm Nichtzionisten daraus nicht eingehen wollten, da Marshall namens seiner Freunde erklärt hatte, man könne sich nicht mit Überzeugung, Energie und Freudigkeit für eine gemeinsame Arbeit einsetzen, wenn sie nur einen provisorischen Charakter habe. Für den Fall aber, daß die Agency doch auseinandersälhen sollte, hat die zionistische Exekutive von der britischen Negierung die Zusicherung erhalten, daß in diesem Falle wieder die Zionistische Organisation allein als die Jewifh Agency im Sinne des Artikels 4 des Palästina-Mandates weiterfungieren soll, „vorausgesetzt, daß ihre Organisation und Verfassung zu dieser Zeit angemessen" sein werden. Tiefe Zusicherung der britischen Regierung ist in einem Brief eines Vertreters des englischen Kolonialministeriums an den Sekretär der Zionistischen Organisation vom 22. Juli 1929 enthalten, der also erst einige Tage vor dem Zusammentritt des Kongresses abgefaßt und erst in der Rede von Rosenblütst bekanntgegebkn wurde. Gegen den Willen der Zionistischen Organisation darf die Bestimmung, daß der Präsident dieser Organisation auch Präsident der Agency sein soll, nicht ausgehoben werden. Zionisten und Nichtzionisten sind in den Organen der Agency zu je 50 Prozent vertreten. Tas oberste Organ, der Council, tritt alle zwei Jahre zusammen, das Administrativ-Komitee zweimal'jährlich, die Exekutive führt die Geschäfte fortlaufend. Ein Mitglied kann auch im Auftrag von einem oder mehreren fehlenden Mitgliedern abstimmen (das ist das sogenannte Proxy-System). Von dieser Stimmübertragung sollen aber nur Uebersee-Müglieder Gebrauch machen, also z. B. Amerikaner, wenn eine Sitzung in Europa stattfindet, oder Europäer, wenn eine Sitzung in Amerika abgehalten wrd. Während aber die offizielle. Leitung der Partei betonte, es könne keine Rede davon sein, daß die Zionistische Organisation, wie sich Weizmann ausdrückte, mit der Erweiterung der Jewish Agency in den Hintergrund gedrängt werden und die zionistische Bewegung an Beoeutung verlieren wird," vertraten die Gegner der Agency in den Debatten den entgegengesetzten Standpunkt. Tiefer kam besonders scharf in der Rede, des Führers der Revisionisten, Jabotinsky, zum Ausdruck, welcher sowohl die englische Verwaltung in Palästina als auch die Partei-Exekutive heftig angriff. Er führte aus, oer Sinn eines jüdischen Nationalheims könne nur ein Nationalstaat, ein Staat mit einer überwiegenden jüdischen Mehrheit sein. Ter Zionismus bedeute das Streben, in Palästina Platz zu schaffen für! Millionen Juden aus beiden Seiten des Jordans. Ter Sinn oer Balfour-Teklaration und des Völkerbundsmandates könne nur darin bestehen, daß die zivilisierte Welt, die große englische Nation die Verpflichtung übernommen haben, das ganze Verwaltungssystem in Palästina für den Empfang großer jüdischer kolonisatorischer Massen vorzubereiten und zu erschließen. Jabotinsky beschuldigt nun die englische Verwaltung in Palästina, daß sie den Juden gegenüber die übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllt. Er erinnert au den bekannten Zwischen soll vo r der Klagemauer, weist darauf hin, daß der Bodenkataster erst nach 17 Jahren fertig werden soll, während er in Mazedonien, einem beträchtlich größeren Lande als Palästina, von der griechischen Regierung in drei Jahren durchgeführt wurde. Palästina wird schlecht verwaltet, der Glaube an die Justiz, an den Satz: „es gibt Rickter", ist erschüttert. Dabei verteidigt die zionistische Exekutive die Rechte der! Juden nicht mit der notwendigen Energie und dem nötigen Selbstbewußtsein, sie sei vor allem bemüht, jeden Konflikt mit der Vertretung der Mandatarmacht zu vermeiden, immer suche sie zu bewerfen, es sei alles in bester Ordnung. Jetzt aber, mit der Schaffung der Jewish Agency * Gottesdienste ¥ Bertta-Rorden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Erster Gottesdienst nach den Ferien: Freitag, den 9. August, «chends 7.15 Uhr; zugleich Berfaffungsfeier. Sonnabend, den 10. Apaust, vormittags 10 Uhr (Sabbat chafon) Predigten: Rabbiner Dr. Salomonfki. Tifch'o-b'aw-Gottesdienst: Mittwoch, den 14. August, abends 7.15 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Kartenverkauf für die Hohen Feiertage: Sonntag, den 18.. und 25. August von 9—1 Uhr und Mittwoch, den 21. und 28. August von 4t-7 Uhr Schönhpnfer Allee 162, part. Die Vorlegung der vorigen Karte ist in diesem Jahre unbedingt erforderlich. Berlin-Wette»-. Liberale Synagoge Westend (Leistikowstraße 7, nahe Reichskanzler- Platz). Beginn der regelmäßigen Gottesdienste Ende August. — An den Hohen Feiertagen finden die Gottesdienste in der Herderschule. Bayernallee 4, statt. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf, Nikolsburger Platz (Aula der Täcilienschule). Erster Gottesdienst nach den Ferien: Freitag, den 9. August, abends 7.15 Uhr; zugleich Berfafsungsfeier. Predigt: Dr. Swarfenski. Berlin. Jüdische Reformgemeinde, Iohannisstraße 16. Sonntag, den 11. August, 10 Uhr: Festgvttesdienst aus Anlatz der zehnjährigen Berfasfungsfeier. Predigt: Dr. Rofenthal. müsse sich die Lage noch verschlimmern, weil die Leitung -Leuten übertragen wird, nie nicht einmal abgeschwächte Zionisten sind, sondern überhaupt Nichtzionisten. Man sucht jetzt, der Welt einzureden, daß es keinen Unterschied zwischen Zicnisten und Nichtzionisten gebe, baß die Ideale ihre Bedeutung verloren haben, baß verschiedene Menschen dieselbe Arbeit tun können, daß zwischen Leistungsfähigkeit, Ausdauer einerseits und Idealen anderseits keine Brücke und keine Verbindung besteht, baß die ideellen Werte, die Erziehung, die Begeisterung, Tradition, der Nationalismus keine Bedeutung haben. Bis heute haben nur Nichtjuden die Balfourdeklaration klein interpretiert. Jetzt kommen Nichtzionisten, die an den Zionismus nicht glauben, keine jüdische Nattonalität wollen, aber jene Worte sagen können, weil sie doch nichts bedeuten, zum Großzionismus nicht verpflichten. So groß und so gefährlich ist der Unterschied, daß alle es fühlen... Hier stehen Sie (d. h. die Kongreßmitglieder) vor der Liquidation." Jabotinsky wies ferner in seiner Rede darauf hin, daß beim fetzigen Wahlmodus Amerika 41 Mitglieder, Polen bloß 13 habe, „weil jenes ein reiches Land ist und dieses ein armes; das unglückliche Land, das am meisten Nutzen hat von Palästina, das Palästina braucht und die meisten Immigranten, d. h. die meisten Kapitalien, nach dem Lande bringt, bekommt nur 13". Die Partei Jabotinskys bildet nur eine geringe Minorität, sie hat im ganzen, wie er selber sagte, 18—20000 Stimmen bekommen. Es muß auch gesagt werden, daß das positive Programm seiner Partei, welches konscqucnterweise die gewaltsame Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina verlangt, um Palästina zu einem möglich reinjüdischen und nicht doppelt-nationalen Mischbar abischen Staat zu machen, selbstverständlich vollkommen undurchführbar, ja, man darf sagen, total widersinnig ist. Trotzdem ist es für den Außenstehenden klar, daß von der ursprünglichen zionistischen Ideologie bei Jabotinsky doch in der Tat mehr vorhanden ist, als bei der offiziellen Partei-Mehrheit, die fetzt, weil oer Zionismus seine Ausgaben in Palästina allein nicht bewältigen kann, durch me Inanspruchnahme nichtzionistischer Hilfe Wesentliches von der Idee des Zionismus ausgegeben hat. Sehr heftig wird die Parteileitung und die Jewish Agency auch von dem Mitglieo des polnischen Parlaments (Sejim) I. Grün bäum angegriffen. „Der 16. Kongreß, sagte er —, liquidiert ja,t die ganze Herzl'sche Erbschaft. Nicht Rochschild und nicht Marfhall waren die Führer der Juden, sondern die kleinen Redakteure und die kleinen Menschen, dre ans dem jüdischen Volk hervorgegangen sind... Wir wollten befreit und erlöst werden, auch wenn uns die ganze Welt für Narren hielt. Das war der Zionismus. Entweder ist Weizmann der Führer des jüdischen Volkes, oder Marshall (st es. Wenn Weizmann es isL kann es Marshall nicht sein. Ter Staatsgedanke im jüdischen Volk, in der zionistischen Bewegung wurde in den Hintergrund gedrängt... Ihr, meine Herren von der Exekutive, Ihr habt uns oen Kongreß zerschlagen, das Heiligste entweiht, es uns genommen, den heiligsten Tag uird den heiligsten Ort. Gott und die jüdische Geschichte mögeir Ihnen dafür danken." Von den übrigen Reden sei nur noch auf die Rede des Vertreters der Misrachi, Meir Berlin, hingewiesen, welcher ausführte, die Schwäche des Zionismus bestehe darin, daß er die jüdische Religion ignoriert. Er knüpfte an die Worte von Tr. Ruppin an, welcher sagte, mit der Wr'rtfchast allein werde Palästina nicht aufgebaut werden. Tas ist aber die Theorie oes Misrachi. „Wenn man darüber spricht, daß in Erez Israel bas jüdische Leben, die jüdische Moral eine Sache der Selbstverständlichkeit ist, da jedes Kind die Bibel irr der Sprache lernen kann, in der sie geschrieben wurde, muß mall noch einen Schritt weiter machen. Es genügt nicht, daß man die Bibel in oer hebräischen Sprache lernen kann, man soll sie als Bibel lernen und nicht einfach als irgeno ein.Buch... Tie Bilanz des Zionismus beruht doch nickst aus 'Ziffern, sondern auf dem lebenden, brennenden Gefühl für den Ausbau des jüdischen Landes... Ter Zionismus hat nur einen kleinen Teil des jüdischen Geistes in sich ausgenommen; das ist seine Krankheit... Es muß begrifien werden, was Zionismus heißt, bevor wir in die Agency gehen. Nicht die einzelnen Paragraphen der Verfassung der Agency find bedeutsam, wir hatten eine starke Verfassung und ein Basler Programm, und heute haben wir — eine Agency... Einheit und Ganzheit liegt darin, endlichden Zionismus aus die breiteste Grundlage zu stellen, welche das jüdische Volk besitzt. Wir müssen uns jene Art von Zionismus abgewöhnen, der oekretiert, daß nur der oder jener Teil des Judentums mit dem Zionismus verbunden ist, daß Zionismus nur nationales Gefühl oder hebräische Sprache oder das Verständnis für cie politische Lage bedeutet. Ohne jüdische Heiligkeit können Erez Israel und das jüdische Volk nicht aufgebaut werden." (Ein abschließender Artikel folgt.) Karstadt am Hcrmannplatz veranstaltet keinen Ausverkauf im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern hat unter der Devise „Sommerivare raus" einen groß angelegten Sommerwaren-Verkauf arrangiert. Die Schaufenster, die Spiegel der Stände sind, was im Vordergrund zu bemerken ist, nicht in der sonst üblichen Art und Weise eingerichtet worden. Auch hier ist das Warenhaus ganz neue Wege gegangen. Man hat nicht riesige Warenmengen in die Schaufenster geworfen, sondern jedes Schaufenster zeigt in ganz origineller Art und Weise äußerst wirkungsvoll die Arbeit der Herabzeichnung. In der Tat sind die Preise ungewöhnlich gesenkt worden. Bei einem Rundgang durch das Haus fragt sich auch der Fachmann, welche Hand hier den Blaustift führte. Um nur ein Beispiel zu geben: ein Woll-Georgettc-Kleid mit Jäckchen in sehr eleganter Ausführung kostet nur 10.— RM. (zehn Reichsmark). Von oben bis unten ist das ganze Haus für einen großzügigen Verkauf gerüstet. Man wird in diesen Tagen erneut beweisen, daß der Dienst am Kunden nicht nur Schlagwort ist, sondern hier im Karstadt-Haus zur Tat wird. Darum sind Tausende von Händen am Werk, arbeiten tausend Sinne, schaffen tausend Kräfte, um „die Könige des Tages" würdig zu empfangen. Vom Keller bis zum Dach sind ziemlich restlos in allen Lägern die Waren herabgesetzt worden. Mit brutaler Energie wurde herabgezeichnet von einem Gedanken getrieben: „Lieber» jetzt mit großen Verlusten verkaufen, als Waren dieses Sommers in den Sommer 1930 zu übernehmen". Jüdische Gemeinde Berlin Unsere verehrlichen Gemeindemitglieder weisen wir auf die Bekanntmachung betr. Ausgabe von Synagogeit- Betsaal* und Freikarten hin. Diese Bekanntmachung ist im „Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin“ abgedruckt und in den Gemeindesynagogen wie auchindenunt.Gemeindeauisicht stehenden Geschäften ausgehängt Berlin, im August 1929 Vorstand der Jüdischen Gemeinde Jüiliscii.BenieiBae Zur Feier des Verfassungstages findet Sonntag, den 11, August nachmittags 3.30 Uhr im Pöststadion, Lehrjerstrasse ein Iportmeeting unter Beteiligung von Hakoah (Wien), Makkabi (Paris), Hagibor (Prag), Bar Kochba, Hakoah, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Jüdischer Ruderclub „IvriaV B. S. C. Schwarz-Weiß und Eveska (alle Berlin) statt. Eintrittskarten im Vorverkauf zum Preise von RM 0.75 bis 2.— in allen Geschäften von Hermann Tietz, -K. d. W. und allen Sportgeschäften. Ab onnieren Sie die Zeitschrift (Erscheint monatlich) Jährlich RH. 10.— Halbjährlich RM. 5.50 Verlangen Sie noch heute eine Probenummer Preis pro Heft Rin. i. Anlässlich der VerfaSSUngsfeier finden am Sonnabend, den 10. August, vormittags 10 Uhr Fest- Gottesdienste in der neuen Synagoge Oranienburger Strasse, und in der Synagoge Fasanenstrasse statt. Sonntag, den 11, CfS, MtS« bleiben die Büros geschlossen. Lediglich die Hauptkasse und das Plätzevermietungsbüro sind von 10—12 für den Publikumsverkehr geöffnet. Das Büro der Friedhofskommission ist zur Entgegennahme von Anmeldungen zur üblichen Zeit geöffnet. Vorstand der Jüdischen Gemeinde Liieraii mir Frankfurter Organ für jüdisch-liberale Interessen Aus dem Inhalt der letzten Nummer: Rabb. Dr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Jeremia Dr. A. Lilienthal: Zur Ageney Frage Die Anfänge des liberalen Judentums Herausgeber: „Jli“, Frankfurt am Main. Das Heft ist zu beziehen z. Preise v. M. 0.50 durch d. Schriftleitung Frankfurt a. M. 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