Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 31 (31.7.1929)
- Date
- 1929-07-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ringere Ausnahmcrscheinung als unter der Bevölkerung Bern- I burgs. Er hat dieses Denkmal verdient; werden doch Denk- I mäler immer nur den Ausnahmen errichtet. Wir preisen unsere Zeit. Ist sie anders? Mostar macht uns nachdenklich. Den Oppositionsführer des kurzlebigen Parlaments läßt er mit den Worten scheiden: „Immerhin wird man uns vielleicht Denkmäler setzen, einstmals, in der deutschen Republik — und im übrigen wird alles beim alten bleiben. Die Mittelmäßigen werden statt in den Kneipen in den Parlamenten politisieren, die Menschen werden weiter nach unten treten und nach oben kriechen, die Einseitigen, die Gewandten, die Schlauen werden essen und die Vielseitigen, die Weisen hungern, und das Genie wird wje immer stören... Ach Gott, liebe Leute: wie lag doch alles an der Oberfläche, was uns damals umwälzend schien: Einigkeit, Parlament, Pressefreiheit, Trennung von Kirche und Staat, Geschworenengerichte... Staatsformen ändern nützt nichts, ehe nicht die Menschen, ehe nicht die Geister geändert sind, und den Geist konnte nicht mal Christus ändern. Feuerwerk für die Kinder, meine Lieben!... Deshalb bleibt doch ewig der Stachel, daß Menschen sich die Lunge aus dem Leib schuften müssen und nicht satt zu essen haben, ewig bleibt dieser Stachel, und wird Revolutionen, Religionen und Reformationen wach stechen aus schlafenden Volksleibern ... und nun muß es doch heißen: Gott sei Dank!“ Mostars treffliches Werk, aus dem ein Kapitel in dieser Nummer der Jüdisch-liberalen Zeitung abgedruckt wird, ist im Safari-Verlag G. m. b. FL, Berlin, erschienen. Hoffentlich wird ihm weite Verbreitung gegönnt sein. Moritz Simon. Jean Richard Bloch: Kurdische Nacht. Rotapfel-Verlag, Zürich. Dieses Buch ist Dokument einer großen Jugendliebe. Der Liebe des Dichters zu Asien. Sehnsucht, Erfüllung, Abschied. Jean Richard Bloch ist Franzose. Ganz Franzose. Er bekennt sich offen zu Kultur, Dichtung und Leidenschaft des Franzosen. In einem letzten aber ist er ihm noch fremd, ja entgegengesetzt: er hat die innere Unruhe des Welt-Giäubigen nach dem Sich-selbst-finden, hat den gewaltigen, durchgreifenden Mut zum beschwerlichen Weg der „Fortwanderung“, der „Heiligung“, des Sich-Erkennens. Dieser Weg führt ihn über Asien. Jean Richard Bloch ist Orientale. Ganz Orientale. Ex Oriente lux. Er sucht nicht das Licht des wiedererwachenden, des zukunftsträchtigen Asiens der Mongolen und der Slaven, auch nicht die Erleuchtung des aus zweitausendjährigem Schlummer gerissenen Asiens der Juden. Ihm kommt das Licht aus asiatischem Wüstensand und Felsgebirge. Aus noch unberührten, zeitlosen Gebieten. Hier, unter wildem, moslemitischem Bergstamm Kurdistans, baut sich, in Dichtung und Wahrheit, kühnes Erlebnis auf, als „Ausritt einer losgebundenen Seele, die aus Raum und Zeit vorschießt, um ihresgleichen zu begegnen“. Lust an Ueberfall, Mordbrennerei und Plünderung, fanatischer Christenhaß, Verschlagenheit, Urg-wait der Triebe, ungezügelte Leidenschaft, Rassenfanatismus, mythischer Aberglaube, Edelmut, rührende Freundschaft, Eitelkeit, Sinnenfreudigkeit, Ergebenheit bis über den Tod — umrahmt von Wüstenglut und felsigem Bergland — all das formt sich zu einem Abenteuer von unbegrenztem Ausmaß, atemloser Spannung, ungeheurer Erlebnisfülle. Exotischer Abenteuer-Roman? Ja, wenn man will. Aber asiatische Wüste ist nicht amerikanischer Asphalt. Hier ist Dichtung, orientalische Dichtung. Und das heißt: geruhsame Betrachtung nicht nur der sichtbaren Vorgänge, Wahrnehmung nicht nur der gesprochenen Worte, „Handlung“ nicht nur. Nein, Sinn für Traum und ungesagten Gedanken, für Empfindung ohne sichtbaren Ausdruck, für die Sprache der Nächte, für das Atmen der Wüste und ihrer Menschen, für das ganze Rätsel dieses Erdteils, das zwischen der Flucht der Zeit liegende „Nichts“. Für all das hat Bloch Form und Wort. Darum ist er Dichter. Asien hat ihn gesättigt. Er kam zurück in die reale Weit Europas und schrieb den französisch-jüdischen Industrie-Roman „Simler & Co.“. Nüchtern und sachlich. Er wurde ganz moderner Jude. Joseph W e i n s a f t. Alexis Hubertus von Schoenermarck: „Der Flammentod der Judith von Sevilla — eine Widerlegung der fanatischen Idee Ludendorffs.“ Im Selbstverläge des Verfassers, Berlin SW 61. Unter Hinweis auf die unheilvollen Folgen, welche die Judenaustreibung 1492 nicht nur für die Juden, sondern auch für die sie austreibenden Spanier gehabt hat, versucht der nichtjüdische Verfasser, den Antisemitismus der Ludendorff und Genossen als für Deutschland unheilvoll aufzuzeigen. „Es wäre zum Wohle des deutschen Volkes, wenn jeder Antisemitismus verschwinden würde“ — dies macht das kleine Schriftchen (15 Seiten) sympathisch, wenn auch, wie hinzugefügt werden muß, Form und Inhalt, Einzelheiten und Gesamterscheinung der recht primitiven Broschüre den Eindruck eines Aufklärungsversuches mit nicht ganz zulänglichen Mitteln erwecken. George G o e t z. Deremsnachrichten Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., gegründet 1900. Geschäftsstelle: Elsässer Straße 9 (Norden 1051). Sonnabend, bcu 8. Anguß, 20.45 Uhr pünktlich: Motorboot-Nachtsahrt nach Müggelhort, mit anschließendem Ball. Abfahrt von der Wallstraße am Spittclmarit (Reederei Winkler) mit dem Luxusmotorboot „Deutschland". Während der zweistündigen Fahrt erstklassige Musik. Billcts zu 2 Mark inkl. Ball l^und Steuer sind nur im Vorverkauf bis zum 1. August allerspütestens in un>crcr Geschäftsstelle, bei Johannes, Spandauer Brücke 2, I. Koppel, Wcinmcistcrstraße 1.9 und in den mit Plakaten belegten Geschäften zu haben. - Jeden Sonntag vor und nachmittags aus dem Sportplatz Hohenschönhausen, Hossstraße 11, Sport und Spiel. Tarnen und Herren von Vereinen, die keinen Sport treiben, sind als Gäste willkommen. Werbt neue Mitglieder! wmmmmmmmummaammmmmmmmmKmmmmmmmmmnmamm r Die glückliche Geburt ihres Sohnes Lutz zeigen hocherfreut an Oberkantor Bernhard Alt U. Frau Bianca geb. Freuthal AACHEN, Eintrachtstrasse 10 Abonnieren Sie die Zeitschrift Jütte Muzin (Erscheint monatlich) Jährlich RH. 10. Halbjährlich RM. 5.50 Verlangen Sie noch heute eine Probenummer Preis pro Heft RM. 1 — Verlag Das Jüdische Magazin Berlin so 16, melcniorstrasse 23 Verein für Feuerbestattung ln Berlin von 1874, e. V. verm. koutenloHe Feuerbestattung Annahme W 35, Lützowstrnße 44, Tel.phon: Lfltrow %0-61 und Charlottenhurg, Kantstr. 154 a Bcke Fasanenstraße, Telephon: Stcinpla'z 1635 ScMtem’eilie d. Vereinigung!. d. littJadentsm E. V. Han nr. 1 Die Grundsätze des Jüdischreligiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin Preis 0:50 Mk. Heft DP. 3 in zweiter Auflage die seit Jahren vergriffene Broschüre | Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums von dp. Joseph nordan-Eiberfeid preis 0.75 MK. | Bestellungen beim Verlag der „Jüdisch-liberalen Zeitung" Berlin SW 48. Wilhelmstraße 147 J£em Jfausfialt ohne . . BERLIN StVWmPmt+ECKEmCHSm •wmwpamMüisni newöun ßEJWEßsnuisat?< M 'm UM ' : -«WN ük'' * MM::;;C i,j! . fSt7?.IM&s A. - » ./ i 5 / . üff 11 iis T '' A' xHlHl ' 1 - i 'ftVlila' < iwdll Of tim lä in fast edlen Abteilungen BtqiimlAuqiiti 1I MUH - 8. TEILWEISE HERABGESETZT BIS ZUR EUROPAS IM EIGENBESITZ Verlag: Bereinigung für das liberale Judentum t. lÄifierSlr./MainkiMi/' . WilmersdorlerSlr. Eel'a Hlionce ^r. Ui'EüWN! iMüMlr B., Bert," — Berantrvvrrlicher Redakteur: Dipl.-Jnq. Bruno Woyda, Berlin SW. 29. — Druck: Hermann Wegner ft Co., Berdn-Mariendors. a. B4^C