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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-07-31 · 31 (31.7.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
31 (31.7.1929)
Date
1929-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nach der Rede von! Ben Saul gaben die arabischen Delegierten eine Erklärung ab, in der sie dagegen protestierten, dah ern Zionist auch im Kongreß der Liga gegen Imperialismus auszutreten wagt. Saklatvala (Indien) sprach die Meinung des Kongresses wie folgt aus: Der Konflikt zwischen den Arabern und den Zionisten wird von uns geprüft werden. Wir müffen jedoch unsere Sympathie allen jenen versagen, die nach Palästina gehen, um den Imperialisten zu helfen, die Revolution zu unterdrücken. Die Liga ist nicht gegen jene, die als Freunde der Araber nach Palästina kommen, aber gegen jene, die nach Palästina gehen, um die Araber zu beherrschen. Tie Sprecher der französischen und der deutschen Delegation schlossen sich der Erklärung der Araber an. Ter Kongreß faßte schließlich eine sehr umfangreiche Resolution, in der auch eim längerer Absatz über Palästina und Zionismus enthalten ist. Es heißt darin, daß der Zionismus die stärkste Stütze des britischen Imperialismus in Palästina iit. Unter dem Vorwände, ein jüdisches Nationalheim in Palästina zu schaffen, ließ man aus Europa Arbeiter kommen, die besser bezahlt sind als die Ausgebeuteten arabischen Arbeiter. Dadurch entstanden Reibungen zwischen Arabern und Juden, die durch imperialistische Manöver in religiöse und Rassekämpse umgewandelt wurden. Mit Hilfe der zionistischen Bourgeoisie spalten die englischen Imperialisten die nationale arabische Bewegung und versuchen, zwischen der klerikalen arabischen Bourgeoisie einen Block gegen die Arbeiter und Bauern Palästinas zu schaffen. Ter Zionismus verbirgt sich hinter einer humanitären Maske und hat aus diese Weise die Möglichkeit, den Sozialdeformismus der II. Internationale, der im Fahrwasser des Zionismus segelt, in Palästina zu ent. wickeln. Fast in ledern europäischen Land haben Sozialdemokraten prozionistische Komitees gebildet, denen Führer wie Macdonald, Vandervelde und Leon Blum angehören. Englische Sozialdemokraten sind es, die die Umwandlung Palästinas in eine englische Kolonie unter dem Schlagwort „Das Siebente Dominion Englands" betreiben. Gruppen von Zionisten maskieren sich als Revolutionäre (linke Poale Zion), um die Arbeiter irre zu führen. In der OHentlichkeit herrscht der Eindruck vor, daß die Liga zur Bekämpfung des Imperialismus, der früher auch radikale Pazifisten und Politiker angehörten, nunmehr ganz unter dem Einfluß des Kommunismus steht. Aus der Bewegung Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zn Berlin E. V.) Wir bitten diejenigen Mitglieder, die infolge der Reisezeit bisher ihren Beitrag für das laufende Quartal noch nicht bezahlt haben, diesen möglichst umgehend auf unser Postscheck-Konto Berlin 14 805 zu überweisen. Leser, die verreisen können sich die „Jfidisch-liberale Zeitung“ auf kurze oder längere Zeit ins Bad oder in die Sommerfrische nachsenden lassen Der Nachsendungsantrag ist bei dem zuständigen Postamt zu beantragen. Es ist dringend ratsam, die Ueberweisung möglichst acht Tage vor der Reise zu bestellen. Gottesdienste Berlin-Norden. BerNn-Westend. Berlin-Wilmersdorf. Die Gottesdienste der vorstehenden drei Liberalen Synagogen fallen im Monat Juli aus. Erster Gottesdienst nach de« Ferien. Anfang August. Berlin. Jüdische Reform gemeinde, Johannisstraße 16. Sonntag, den 4. August, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt Dr. Jelski. Das JK'Programm Berlin. Sonntag, den 4. August, Fahrt nach Erkner. Wir treffen uns mit den Potsdamern um 8.30 Uhr Bahnhof Aleranderplatz, Eingang Königstr. Führung Mar Freundlich. Tel. Neukölln F2 4338. Breslav. Mittwoch, den 7. August, 20.15 Uhr: Gemütliches Beisammensein im Kurgarten, Kürassierstraße. Aktuelle Tagesfragen. Magdeburg. Dienstag, den 6. August: Rudern auf dem Adolf-Mittagfee. Anschließend gemütliches Beisammensein bei Böning. Treffpunkt 8 Uhr am Bootshaus. — Sonnabend und Sonntag, den 10. Md 11. August Berfaffungsfeier. Näheres durch Rundschreiben und Wochenblatt. — Sonnabend, den 17. August: Besichtigung des modernsten Druckereibetriebes Magdeburgs „Die Bollsstimme". Treffpunkt 2 Uhr Volksstimme, Große Münzstraße 3. — Sonntag, den 25. August: Spaziergang zum Flughafen. Besichtigung desselben und des Stadion „Neue Welt". Treffpunkt 3 Uhr Stadt Loburg. — Am Sonntag, den 1. September, beabsichtigen wir, eine Heidefahrt zu unternehmen. Mitglieder, haltet Euch für unsere Veranstaltungen frei. BÜCHERSCHAU Der Aufruhr des schiefen Calm. Von Gerhart Herrmann M o s t a r. „Da flog mal der Engel durch die Welt, der die kleinen Kinder durch die Schornsteine zu werfen hat. Der Engel hatte diesmal zwei Kinder mit. Das eine sollte er in ein Schloß werfen, es sollte ein Fürstensohn werden; darum hatte es die Gabe, durch weises Regiment das Los der Menschen zu verbessern. Das andere gehörte in eine Gasse zu armen Juden; das sollte ein Träumer werden, der Gedichte schreiben konnte und ähnliches. Der Engel, der die Kinder zu verteilen hat, ist aber bekanntlich sehr kurzsichtig und irrt sich oft. Sonst sähe es nämlich ganz anders aus in der Welt. Also nun warf er aus Versehen den Fürstensohn in die Judengasse und den Träumer ins Schloß. Beide wurden groß, und der im Schloß erbte ein Reich und war doch nicht zufrieden; denn er sollte regieren, was er nicht verstand, und durfte keine Gedichte machen und STOUjWERG^ f 'Billig. % iDohlSchmeckcnd, L nahrhaft. nicht träumen. Der andere in der Judengasse wollte alle Menschen glücklich machen und konnte es nicht, denn er hatte ja nichts zu sagen und war sehr arm. Und beide waren sehr unglücklich. Da hielt es der Arme nun eines Tages nicht mehr aus und ging hinauf ins Schloß und sagte zu dem Fürsten: „Sieh mal, wir sind beim He runter werten verwechselt worden. Wollen wir nicht tauschen?" Und der Fürst war froh und sagte: „Da hast Du ganz recht — mache Du die Menschen glücklich, und ich dichte und träume, dann ists jn Ordnung." Und nun wäre es ja alles gut gewesen, wenn der Fürst nicht einen Kanzler gehabt hätte. Der hörte, was die beiden berieten, und fürchtete, seine Stellung zu verlieren und dann verfolgt zu werden — denn er hatte ein sehr strenges Regiment geführt. Darum ließ er den Armen, als er herauskam aus dem Schloß, ins Gefängnis werfen, ohne daß es der Fürst erfuhr. Und als die Leute dem Armen beistehen wollten, der sie doch nur glücklich machen wollte, ließ der Kanzler seine Soldaten auf die Menschen schießen, und viele starben. Deshalb geht es den Menschen noch heute so schlecht. Weil die Falschen regieren."!; i — | In dieser naiven Geschichte rechtfertigt ein Alter Vor den Enkeln den „Aufruhr des schiefen Calm". Wie Gerhart Herrmann Mostar diesen Aufruhr zeichnet, sein Beginnen und sein Enden, das ist meisterhaft, spannend und mitreißend, erhebend und niederdrückend, läuternd. Mit überlegenem Lächeln und sittlichem Ernst zeichnet er die deutsche Kleinstaaterei und die Enge des höfischen Lebens zur Zeit der 48 er Revolution, zeichnet er das verhängnisvolle Dasein eines schwachsinnigen Fürsten, das Rivalisieren der „Staaten" Anhalt-Dessau und Anhalt-Bernburg. Und neben diesem Bild des Lebens der Regierenden finden sich treffliche Zeichnungen dieses revolutionierenden Bürgertums, das zwischen Wohlanstand und Strebertum, Willen zur Freiheit und Zukunft ßich nicht zu entscheiden weiß, das sich schon als rebellisch empfindet bei der Auffassung: „Nu ja! Revolution muß so sin, das sach oo, awwer unsen Harzog missen mer behalen." Die meisten Figuren des Romans sind nach den Angaben des Verlages historisch: neben Richard Wagner, dessen Anerkennung als Musikgenie mit dem Verlust seiner Menschenehre hier Hand in Hand geht, neben dem Hofmarschall Kügelgen, dem Kügelgen der „Jugenderinnerungen", auch die Hauptfigur des schiefen Calm, dem Freund und Gegner, auch wenn sie seine Kräfte dem übernommenen Werk nicht adäquat finden, das Eine werden nachrühmen müssen: daß er sich treu war und Konsequent seinen Weg ging. Dieser Calm war unter den Juden seiner Zeit gewiß keine ge- Verhaut obU.Auäuär' Auch hier die appetitliche Frische nadi dev Persilreinigung! Spültücher, Aufnehmer, Schrubber, Besen und Mop — alles ist sauber. .Eisschrank, Töpfe, ieller, Krüge, Flaschen und. Gläser sind frisch und rein. Persil macht alles keimfrei und beseitigt muffige Gerüche. Verwenden Sie das billige und praktische Doppelpaket zu 85 Pfennig! 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