Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 28 (10.7.1929)
- Date
- 1929-07-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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9. Jahrgang Nummer 26 Beilage 10. Zull 1929 ^MchÄeraleZeÄM Leopold Badt | Ein Leben, das ein Treuebekenntnis war, ist ausgekämpft. Das Leben von Leopold Badt war ein Tun dessen, was nach dem Worte des Propheten Jesaja Gott gefällt: „daß du dem Hungrigen dein Brot brichst und umherirrende Arme ins Haus führst; wenn du einen Nackten siehst, daß du ihn kleidest und dich deinem Fleische nicht entziehst." Solange es eine Geschichte der Berliner Jüdischen Gemeinde und ihrer sozialen Institutionen geben wird, solange im Hospital der Berliner Jüdischen Gemeinde und in ihren Alters-Versorgungsanstalten Insassen sein werden, wird in Ehrfurcht und Verehrung, in Freude und Trost der Name Leopold Badt genannt werden. Leopold Badt hat, insbesondere in der Inflationszeit, perfönlich die Mittel zur Erhaltung dieser Institutionen herbeigeschafst. Doch so groß dieses sein Verdienst ist, mehr noch muß gewertet werden sein Wirken als „ein Vater der Armen". Ihm warm die Siechen und Alten nicht „Objekte", die „verwaltet" werdm müssen, ihm waren sie Freunde, denm Freundschaftsdienste zu leisten waren. Er besprach mit ihnen ihre Nöte und bei den fast täglichen Besuchen der Anstalten erwies er sich als ein Ratgeber, dem Menschenliebe Gottesdienst bedeutet, der handelte nach dem Worte Sirach: „Füge nicht zum Wohltun einen Tadel noch zu irgendeiner Gabe ein kränkend Wort. Macht nicht der Hitze der Tau ein Ende? So ist ein Wort besser als eine Gabe. Sieh, geht nicht ein Wort über eine gute Gabe? und beides ist bei einem liebreichen Manne." Leopold Badt wurde im Jahre 1905 auf Vorschlag der liberalen Repräsentantenfraktion in den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt. Er übernahm die Tezernate über das Hospital und die Alters-Versorgungsanstalten. Sein klarer Weitblick, sein kluger Rat halten bald seine Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Folge. Differenzen mit der liberalen Fraktion führten zu seinem Ausscheiden aus dem Vorstand; doch er bewahrte die Treue dem liberalen Judentum, dem er im Denken und Handeln verbunden war, trotz der Lockungen anderer. Als die letzten Repräsentantenwahlen eine neue Konstellation ergaben, brachte ihn die liberale Fraktion für den Vorsitz der Berliner Jüdischen Gemeinde in Vorschlag. Tie Abstimmung der eff Nichtliberalen verhinderte seine Wahl auf den ihm gebührenden Platz. Mit 14 Jahren verließ Leopold Badt das Elternhaus in Rawitsch, um in einem Breslauer Getreidegeschäft die Lehrzeit zu beginnen. Im 71. Lebensjahr starb er in Berlin als der langjährige Vorsitzende des Vorstandes der Berliner Produktenbörse. Trotz, der seltenen Laufbahn blieb Badt ein einfacher und bescheidener Mensch. Er wurde Teilhaber der Getreide- Jmport-Firma Hermann Jacoby, Leiter des Vereins der Berliner Getreide- und Produkten-Händler sowie des Börsen- Schiedsgerichts, stand an der Spitze des Verbandes der Getreide- und Futtermittelvereinigungen Deutschlands, der Spitzenorganisation des gesamten deutschen Getreidehandels. Er war im Kriege Vorsitzender des Aufsichtsrats der „Einfuhr-Gesellschaft für Getreide und Futtermittel", die nach Aufhebung der Blockade bis zur Beendigung der Zwangswirtschaft für die deutsche Getreideversorgung große Dienste geleistet hat, war Mitglied der Industrie- und Handels- Kammer zu Berlin, Aufsichtsratsvorsitzender der Getreide- Kreditbank — kurz: die zentrale Persönlichkeit eines Berufszweiqes. Und blieb, was mehr als all das: ein schlichter Mensch. Tie Berliner Jüdische Gemeinde baut gegenwärtig ein viertes Altersheim. Es sollte geziert werden mit dem Namen Leopold Badt. B. W. | Franz Philipps«,« | Herr Franz Philippson, der Präsident der Jewish Eolonisation Association (Jca), ist am Sonntag, den 7. Juli, in Paris, wo er zu einer Tagung des Rates der Jca aus Brüssel, seinem ständigen Wohnsitzeingetroffen war, plötzlich verstorben. Er stand im 78. Lebensjahr. In Paris, wo die Mitglieder des Rates der Jca aus den verschiedenen Ländern versammelt sind, hat das Ableben des langjährigen Jca-Präsidenten, der eine zentrale Persönlichkeit im jüdischen Leben gewesen ist, liefe Trauer hervorgerufen. Franz Philippson wurde in Deutschland als Sohn des Rabbiners Ludwig Philippson, des hervorragenden jüdischen Gelehrten und Schriftstellers, Führers des liberalen Judentums und Herausgebers der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", geboren. Er war ein Bruder des verstorbenen bekannten Geschichtsschreibers Professor Martin Philippson, der zuerst außerordentlicher Professor der Geschichte an der Universität Bonn und später ordentlicher Professor und Rektor der Universität Brüssel war, und der im Dezember 1890 wegen Konflikten mit dem radikalen und deutschfeindlichen Teil der Brüsseler Studentenschaft seine Professur niederlegte und nach Berlin übersiedelte. Ein zweiter Bruder Franz Philippsons war der Geograph der Bonner Universität Professor Alfred Philippson. Franz Philippson, der noch in jungen Jahren nach Brüssel überstedelte und sich dem Finanzleben widmete, schwang sich zu einem der führenden Finanzmänner Belgiens empor und wurde der Finanzier der belgischen Regierung. Sein Leben lang widmete er sich jüdischen kulturellen und sozialen Interessen und wurde Präsident der Brüsseler Jüdischen Gemeinde und ein Führer des belgischen Judentums. Seit Gründung der Jca gehörte Franz Philippson der Leitung dieser großen Körperschaft, die das Vermögen des Baron de Hirsch zugunsten jüdischer erzieherischer und sozialer Interessen verwaltet, ununterbrochen an. Er nahm hervorragenden Anteil an dem Ausbau des jüdischen Koloniensystems in Argentinien und später in Brasilien, sowie an dem Ausbau des jüdischen Schulnetzes in den osteuropäischen Ländern, schließlich an der Schaffung einer Kontrolle der jüdischen Auswanderung. Unter dem ersten Jca-Präsidenten Narcisse Leven fungierte Franz Philippson als Vizepräsident der Jca, und seit dem Tode Levens vor mehr als 20 Jahren war Franz Philippson ununterbrochen Präsident der Jca. Als vor einer Reihe von Jahren vom Joint Distribution Commitee und der Jca die Joint Reconstruction Foundation zur Unterhaltung und zum Ausbau des Netzes der jüdischen Kreditgenossenschaften in den Ländern Osteuropas begründet wurde, wurde Franz Philippson Präsident der Foundation. Diese Körperschaft, deren Direktoren Tr. Bernhard Kahn vom Joint und Tr. Louis Oungre von der Jca sind, unterhält und stützt in Rumänien, Polen, der Tschechoslowakei, Rußland, den Balkanländern usw. viele Hunderte jüdische Kreditgenossenschaften, die lebenswichtige Arbeit für den kleineren jüdischen Mittelstand tun. Tagung des Verbandes Bayrischer Israelitischer Gemeinden Die diesjährige Tagung des Verbandes Bayrischer Israelitischer Gemeinden zu Aschaffenburg begann am 30. Juni 1929 vormittags im großen Saal des Bürgervereins „Frohsinn". Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt begrüßte die Ehrengäste und die Mitglieder von Rat und Tagung. Unter anderen waren erschienen Ministerialrat Tr. Mezger als Vertreter des bayrischen Ministeriums für Unterricht und Kultus, Oberbürgermeister Geheimrat Tr. Matt, Bürgermeister Schwink. Oberstlandesgerichtsrat Tr. Silberschmidt gedachte der seit der letzten Sitzung verstorbenen Mitglieder der Tagung Ferdinand Heß-Würzburg und Justizrat Dreyfuß-München. Der Redner verwies aus die Resolution des Reichspräsidenten und der Reichsregierung zur Kriegsschuldlüge und erklärte, auch wir hätten eine Kriegsschuldlüge zurückzuweisen, soweit sie sich gegen unsere Konfession richtet. Die dankenswerten Forschungen von Rabbiner Tr. Eckstein-Bamberg hätten neben denen des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten den Nachweis erbracht, daß in Bayern und auch sonst im Reich die jüdischen Kriegsopfer keine geringere seien als anderswo. Im Aufträge der israelitischen Kultusgemeinde Aschaffenburg begrüßte deren erster Vorstand A. Trier Rat und Tagung. Tie Tätigkeit des Verbandes liege vorzugsweffe auf ideellem Gebiete, sei ein Dienst am Vaterlande, sei staatserhaltend. Oberbürgermeister Geh.-Rat Tr. Matt bewillkommnete die Tagung namens der Kreisregierung von Unterfranken und Aschaffenbnrg, sowie namens der Stadt Aschaffenbnrg. Ter Verband sei bemüht, die Religion zur Grundlage des öffentlichen und privaten Handelns zu machen. In dieser Richtung gehe der Verband mit den christlichen Konfessionen einig. Hier sei 'ein gemeinsamer Boden gefunden zu einer Zusammenarbeit in unserem leider so zerissenen Vaterlande. Für das Bayrische Staatsministerium für Unterricht und Kultus sprach Ministerialrat Tr. Mezger in anerkennenden Worten über die Tätigkeit des Verbandes, seine stille! Ausbauarbeit, seine ruhige, umsichtige Finanzpolitik. Auch er bedauerte, daß es bisher nicht möglich sei, eine Reichsorganisation der deutschen Juden endgültig zustande zu bringen. Er hoffe, daß der Zusammenschluß unter den maßgebenden Gesichtspunkten erfolge, wie sie im letzten Entwurf zum Ausdruck gekommen seren. Rechenschaftsbericht von Tr. Neumeyer. Es folgte der Bericht des Präsidenten des Rates, Oberlandesgerichtsrat Tr. Neumeyer, der u. a. besagt: Wir stehen im zehnten Jahre, seit der Verband ins Leben getreten. Wir danken der Gemeinde Aschaffenburg, daß sie die Zusammengehörigkeit so getreulich hütet; gerne sind wir in diese herrliche Stadt gekommen, in d'e uralte jüdische Gemeinde, in der nach dem Zeugnis des Benjamin von Tudela schon im frühen Mittelalter angesehene und gelehrte Juden gelebt haben. Durch das Rosenthaler Tor;n Berlin, das einzige, das Juden damals passieren durften, zog an einem Morgen des Jahres 1743 ein schwächlicher verwachsener jüdischer Knabe in die preußische Residenzstadt ein. Auf die Frage des Torschreibers, was er in Berlin wolle, gab er schüchtern und verlegen die Antwort: „Lernen". Dieser Knabe hat bewirkt, daß wir heute in das deutsche Gemeinwesen eingefügt sind. Es war Moses Mendelssohn aus Dessau. Er ist geboren im Jahre 1729; wo deutsche Juden öffentlich zusammentreten, ist es ihre Pflicht, bei der Wiederkehr seines 200 jähr'- gen Geburtstages dankbar dieses Mannes zu gedenken. Ter Redner gibt einen Umriß von Moses Mendelssohns Persönlichkeit und seiner Epoche und fährt fort: Er war nicht ein religiöser Reformator, er beharrte fest bei dem altüberkommenen jüdischen Glauben. Mendelssohn hat die deutschen Juden zu Deutschen im Geiste und der Sitte nach gemacht. Er wollte eine Vereinbarung herbeiführen zwischen dem Judentum in seinem Fortbestand und der modernen Kultur. Er war Deutscher in seinem ganzen Denken, Schreiben und Dichten. Und nne er sich so in voller Natürlichkeit und Unbefangenheit als deutscher Denker fühlte, so fühlte er sich auch auf eben dieser Grundlage als Jude. Mendelssohn hat den deutschen Juden die Bibel wiedergegeben. Was Luther für das deutsche Volk, hat er fkür seine Glaubensgenossen getan. Die Uebersetzung des Pentateuchs hat den Juden nicht allem die Bibel, sie hat ihnen auch d'e deutsche Sprache wiedergegeben; sie hat die Jugend zur deutschen Kultur geführt; sie hat in den Juden das Selbstgefühl und den Bildungstrieb geweckt und sie hat den Grund gelegt, auf dem ein späteres Geschlecht den Bau der Wissenschaft des Judentums errichten konnte. Wenn wir das Werk Mendelssohns und seine Wirkung auf die künftige Zeit heute betrachten, so müssen w^r feststellen, daß die unmittelbar folgenden Geschlechter sich, teilweise mit Ungestüm dem Deutschtum zugewendet und das Judentum vernachlässigt oder gar aufgegeben haben in völliger Verkennung der Absichten und Ziele des großen Mannes. Unsere Zeit über hat in dem Werk Mendelssohns die eine Seite besonders betont und ausgebaut: die Selbstachtung und Selbstbesinnung des Judentums auf seine ureigene Kraft. Sie wollen wir mit unserer vaterländischen Kultur verbinden und dankbar neigen wir uns vor dem Andenken des Mannes. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer legt die Geschäftslage des Verbandes kurz dar. Die Entwicklung ist durchaus befriedigend. An Umlagen werden 3 Prozent der Reichs¬ und Landessteuern erhoben. Eingegangen sind au Umlagen im Jahre 1928 rund 635000 Mark, sodaß sich auf den Kopf der Bevölkerung ein Betrag von 12.92 Mark berechnet. Für 1929 werden die Umlagen auf 620000 Mark veranschlagt. Der Staatszuschuß wurde um 10000 Mark aus 70000 Mark erhöht. Der Betrag ist nicht groß, wenn man die Aufwendungen vom Verband und Gemeinden dagegen hält, die im Lande 31/4 Millionen Mark betragen. Allein die finanzielle Lage unseres Vaterlandes ist eine schlechte, und darum danken wir für die freundliche Gesinnung, die in dieser Erhöhung zu erblicken ist. — Unter den Ausgaben stellt sich die Beamtenbesoldung mit 312000 Mark dar. Ab 1. April 1928 erhalten die sämtlichen Rabbinate einen Zuschuß von 50 Prozent, das Bezirksrabbinat Schwabach 75 Prozent, das Bezirksrabbinat Neumarkt 70 Prozent. Regelmäßig Gehaltszuschüsse bekommen 56 Gemeinden. Unser Beamtenrccht soll ergänzt werden, es dürfte dann wohl so ausgebaut sein, wie dies in keinem anderen deutschen Lande der Fall ist. Die Bauzuschüsse an 44 Gemeinden betragen rund 28 000 Mark. Für soziale und kulturelle Zwecke wurden rund .245000 Mark aufgewendet. Bayrische Wohlfahrtsanstalten m't mehr als lokaler Bedeutung erhalten etwa 40000 Mark. Für die Verpflegung von Hilfsbedürftigen in den Gemeinden wurden zum ersten Male 10000 Mark eingesetzt. Wir beteiligen uns an den Wohlfahrtsausgaben im Reichs wie bei der Zentralwohlfahrtsstelle, der Hauptstelle für Wan- Herfürsorge, d en Einrichtungen des T. I. G. B., des Frauenbundes u. a. m. D'e Lehrerbildungsanstalten in Würzburg und Höchberg erhe'scheu an Betriebszuschüssen 58 000 Mark, für Stipendien 9000 Mark. Im Reiche erhalten die drei Rabbinerseminare Beihilfen, ebenso die Gartenbauschule in Ahlem, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und die Akademie. Wir schreiten vorwärts in der Inventarisation jüdischer Kunstdenkmäler und in den geschichtlichen Forschungen. Wir pflegen die körperliche Ertüchtigung der Jugend. Wir pflegen die jüdischen Siedlungen aus dem Lande (in Unterfranken bejinden sich nahezu 1000 Hektar Grundbesitz in jüdischen Händen). Wir haben im vergangenen Jahre den Entwurf der Verfassung für einen Reichsverband gebilligt. Die preußische Landesversammlung hat ihn mit der Mehrheit von einer Stimme verworfen. Wir können warten. Tie süddeutschen Gemeinschaften haben neuerlich einmütig der Anschauung Ausdruck gegeben, daß ein Reichsverband nur durch den Zusammenschluß der Landesverbände gÄildet werden könne. Tie Schächtsrage erfüllt uns mit der größten Sorge. Ter Landtag hat in den letzten Tagen beschlossen, die Eingabe von 10 Tierschutzvereinen auf Durchführung des Beschlusses von 1926 (die Schlachttiere vor Beginn des Blutentzugs zu betäuben) der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Es muß hiernach damit gerechnet werden, daß die Staatsregierung demnächst den Gesetzentwurf dem Landtag zugehen läßt. Wir haben uns in den letzten drei Jahren im Benehmen mit den bayrischen Rabbinern und dem Büro für Schächtschutz in Berlin andauernd bemüht, darzulegen, daß der gegen das Schächten erhobene Vorwurf der Tierquälerei unbegründet ist. _ Eine Betäulmngsmethode, die den religiösen Vorschriften entspricht, konnte bisher nicht ermittelt werden. Wir werden unsere Bemühungen nach dieser Richtung sortsetzen. Solange uns aber eine religiös gebilligte Betäubungsmethode nicht zur Verfügung steht, kommt das angekündigte Gesetz einem Verbot der rituellen Schlachtung gleich. Ein solches Verbot besteht in keinem deutschen Lande; sein Erlaß würde einen schweren Eingriff in die Gewissensfreiheit und Religionsübung der Israeliten in Bayern bedeuten. Wir werden die bayrisch« Regierung und den Landtag auf die Gewissensnot Hinweisen und beantragen, daß im Gesetz darauf Rücksicht genommm wird. Es ist eine zunehmende unfreundliche Haltung der Oeffentlichkeit gegen unsere Glaubensgenossen sestznstellen. Allgemeine Studentenausschüsse an bayrischen Hochschulen haben in Beschlüssen die .Einführung eines Numerus clausus für jüdische Studierende gefordert. Wir verwahren uns, daß staatlich anerkannte Zwangsorganisalionen ihre verfassungsmäßige Neutralität und unsere Gleichberechtigung und Ehre in so schwerer Weife verletzen. Tr. Neumeyer wies auf die Ritualmordlegende in Manau hin und stellte mit Tank fest, daß der Kultusminister angeordnet hat, daß durch Aufklärung in den Schulen der Bewegung entgegenHutreten sei. Unsere Lage, fuhr der Redner fort, hat sich mcht eben günstig entwickelt. Wir wehren; uns gegen jede Entrechtung. Des Nebels Grund ist die Erschütterung des politischen, wirtschaftlichen und seelischen Gleichgewichts, die Krieg und Nachkriegszeit mit sich gebracht haben. Wir schließen uns voll dem Proteste an, der in diesen Tagen gegen das nunmehr zehnjährige Diktat von Versailles aus der Seele des ganzen Volkes hervordringt. Wir tragen mit dem Leid des Vaterlandes das besondere eigene Leid. Wir haben die Macht der organisierten Lüge kennengelernt und wir wollen gegen sie kämpfen. Tie Lage ist für uns dieselbe wie beim deutschen Volke. Tie Rettung liegt einzig bei uns selbst, in unserem Willen. Der Herr gebe ein ungeheures Wollen dem deutschen Volke und der jüdischen Gemeinschaft! Ueber den wcitercu Verlauf der Beratungen wird noch berichtet: Die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, die am 30. Juni und am 1. Juli in Aschaffenburg stattgesunden hat, trat Sonntag Nachmittag in die sachlichen Beratungen ein. Kommerzienrat Rosenzweig-Nürnberg, der Schatzmeister des Verbandes, erstattete den allgemeinen Finanzbericht, dem zu entnehmen ist, daß die Stcuereingänge des Jahres 1928 den Voranschlag wesentlich übersteigen. Die Jahresrechnung 1928 schließt mit einem Saldo von rund dreiviertel Millionen RM. ab. Die Landesumlagen erbrachten 635 232 RM. Auf der Ausgabenseite figurieren Bcsoldungszuschüsse an die Gemeinden mit 313 148 RM., Bauzuschüsse mit 28 017 RM., Vcrwaltungskosten mit 38 966 RM., Rückstellung für Wohlfahrts-, Versorgungs- und Bauzwecke mit 86 849 RM. Der Haushaltplan, der wesentliche Veränderungen gegenüber dem Vorjahre nicht brachte, schließt mit einem Saldo von 711810 RM. ab. Ueber den Wohlfahrtsetat und den Etat des Landeswohlfahrtsamtes berichtete Justizrat Dr. Elias Straus-München. An Neuerungen brjnge der Etat die Anforderung eines Betrages von 10000