Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 27 (3.7.1929)
- Date
- 1929-07-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Louis Marshall ein Plan für Eintritt jüdischer Nichtnationalisten in die Jewish Agency vorgelegt. Politische Verwicklungen waren nie für Juden und Judentum zum Guten gewesen. Es ist nicht Sache der amerikanischen Juden, sich über Englands Pläne in Palästina auszulassen; es ist nicht unsere Ausgabe, uns in Englands politische Ziele einzumischen oder an ihnen teilzuhaben; auch ist es nicht an uns, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob Palästina Siebentes Dominion des britischen Reiches werden solle oder nicht. In alle diese Fragen aber würde die Jewish Agency verwickelt werden, würde sie eine politische Einkleidung erhalten. Unter britischer Herrschaft darf man eine faire Behandlung einer jüdischen Organisation mit internationaler Mitgliedschaft, die dem Wohl der Juden in Palästina gewidmet ist, wohl erwarten; befreit von politischen Bindungen, könnte die Jewish Agency die Gegnerschaft der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas und die offenen, wie verborgenen Antipathien anderer Elemente mildern und um so sicherer mit einer aus vollem Herzen geleisteten Unterstützung der Juden Amerikas und anderer Länder rechnen. In seiner Botschaft an die vierzigste Convention der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner fordert Rabbi Enelow eine geeinte jüdische Aktion zur Bekämpfung des Einflusses der christlichen Mission in Palästina, wo viele jüdische Kinder Missionsschulen besuchen und dem Missionaren Einfluß ausgesetzt sind. Rabbi Solomon Foster, der im Namen des Synagogenrates sprach, lenkte die Aufmerksamkeit der Convention auf die in New Port und anderen Zentren Amerikas mit großer jüdischer Bevölkerung geführte intensive Missionspropaganda und empfahl die Organisierung einer Aufklärungskampagne auf breiter Grundlage, um dieser Missionstätrgkeit entgegenzuwirken. * (Ein Beschluß, der Missionstätigkeit in Palästina planvoll entgegenzuwirken, wurde im Februar d. I. in der Beratung oes Palästinaordens Bnei Brith gefaßt, wobei darauf hingewiesen wurde, daß laut Bericht des Unterrichtsdepartements der Palästina-Regierung von 1928 524 jüdische Kinder in Palästina Missionsschulen besuchen.) Wohlfahrtsarbeit des Preußischen Landesverbandes. Am Sonntag, den 23. Juni, tagte zu Berlin unter dem Vorsitz des Herrn Pros. Tr. Türk der Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Mit Rücksicht aus die bevölkerungspolitische Konferenz vom 24. Februar, die sich mit allen einschlägigen Fragen eingehend besaßt hat, konnte von einer Aussprache über Bevölkerungs- Politik abgesehen werden. Ter stenographische Bericht über die Konserenz wird den Vorständen sämtlicher Mitglieosgemeinden des Landesverbandes sowie allen Ratsmitgliedern und Verbandstagsabgeordneten zugehen. — Ter bevölkerungspolitische Ausschuß wird die nunmehr notwendigen Schritte rcrbereiten. - Tie Verteilung von Stipendien für soziale Ausbildung gibt Anlaß zu einer längeren Erörterung der Frage, ob nicht etwa die Zahl derjenigen, die sich dem Sozcalbcamnnncnberus widmen wollen, allmählich zu groß geworden ist. In der Tat ist es für jüdische Sozialbeamtrnnen im Augenblick schwer, eine Anstellung zu finden, aber nicht etwa, weil der Bern, überfüllt ist, sondern weil zu wenige Stellen vorhanden sind. Es wird für dringend notwendig gehalten, daß in alten größeren Gemeindeir wenigstens eine Sozialbeamtin hauptamtlich angestellt wird. Tie Kosten dieser Stel- Xen werden sich für die Gemeinden in jeder Weise bezahlt machen. Ter Landesverband wird gemeinsam mit Oer Zentralwohlfahrtsstelle ein Rundschreiben an alle preußischen Gemeinden richten, in dem die Errichtung solcher Stellen dringend empfohlen werden wird. Geklagt wurde auch über den Mangel an hochqualifizierten, besonders auch männlichen Kräften. Aus ihre Heranbildung wird der Wohlfahrtsausschuß, für die Folge sein besonderes Augenmerk richten. Bei der Vergebung von Stipendien soll nicht nur die Bedürftigkeit, sondern vor allem die besondere Eignung für den Berns ausschlaggebend sein. Es wurde schließlich darauf hingewiesen, daß besonders in den Anstalten ein Mangel an Beamtinnen herrscht. Tiefem Mangel könnte dadurch abgeholfen werden, daß man nach Beendigung der theoretischen Ausbildung der jungen Tamen für sie in den Anstalten Praktikantenstellen schafft. In diesem Zusammenhänge wurde auf die Notwendigkeit jüdischer Berufsberatung üingewiesen. - Es wird davon Kenntnis genommen, daß der jüdische Frauenbund zur Zeit mit dem Abschluß einer Versicherung unehelicher Kinder in kleinen Gemeinden beschäftigt ist. Eine Weiterführung dieser Arbeit durch den Landesverband erscheint jedoch nicht 'angängig. weil nicht zu seinem Aufgabenkreis gehörig. - Ueber die dringende Notwendigkeit der Schaffung hauswirtschaftlicher Ausbildungsstätten war man sich bereits in der vorhergehenden Sitzung einig gewesen. Es soll der Versuch gemacht werden, neben den in Deutschland bereits bestehenden 4 Hausbaltungsschulen wenigstens in den großen und mittleren Gemeinden weitere Kurse einzurichten, in denen junge Mädchen Gelegenheit haben, sich zu Haushaltungslehrerinnen auszubilden, vor allem aber auch tüchtige Hausfrauen zu werden. Tie Kurse müssen von staatlich anerkannten Lehrerinnen, frei von Dilettantismus, nach modernen Grundsätzen geleitet werden. Das 'Erlernen der rituellen Haushaltsführung soll besondere Berücksichtigung finden. Soweit möglich, sollen die neu zu errichtenden Schulen mit bereits bestehenden Anstalten (Waisenhäusern, Altersheimen usw.) verbunden werden, um sie von vornherein produktiv zu gestalten. Sobald der Landesverband Beträge hierfür frei machen kann, sollen auch zukünftige Haushaltungsschuttehrerinnen Stipendien für ihre Ausbildung erhalten. — Es wurde beschlossen, zur Unterstützung jüdischer Stv deuten und Handwerker einen Betrag einzusetzen. Tie Sti peudien sollen auf Grund genauer Prüfung der Eignung un Begabung wie natürlich auch der Bedürftigkeit der Petente vergeben werden. Auf diese Weise wird es möglich sein, eine tc,n jungen Menschen ihre berufliche Ausbildung zi erleichtern. - Zur Unterstützung der mensae academicae i preußischen Universitätsstädten hat der Landesverband ii jemem ctessährigen Etat eine Summe vorgesehen. Es wir beschlossen, daß der Landesverband selbst die Verteilung diese Betrages vornimmt. Für das Sommersemester werden dv verschiedenen mensen Beträge im Rahmen der zur Versügun stehenden Mittel zugesprochen. — Ueber die Frage der Zweck Mäßigkeit einer Umwandlung des in Ems bestehenden Kin derheims in em Erholungsheim für jüdische Kultusbeamt waren die Ansichten geteilt; vor der Gründung neuer Alters S Erholungsheime wurde unter Hinweis darauf gewarni daß bereits bestehende Heime nicht voll besetzt sind. Da jedo^ re™? US? Kantoren den dringenden Wunsch haben,.ii ~ ,em, ^krs- und Erholungsheim zu bekommen, un! etn£ Selbsthilfeaktion die Gründung des Heinu ermöglichen wollen, wird ein Betrag zuruckgestettt und de Vorsitzende ermächtigt, diese Summe zur Auszahlung zu bringen, sobald durch die Selbsthilfe der Beamtenschaft der Bestand und eine genügende Inanspruchnahme des Heimes sichergestellt ist. — Tie Nachmittagsverhandlungen waren der Verteilung der dem Wohlfahrtsausschuß zur Verfügung stehenden Mitten Vorbehalten. Auch für dieses Jahr konnte nur ein Teil der Gesuche Berücksichtigung finden. Man war darüber einig, daß, die im Etat vorgesehene Summe den Bedürfnissen nicht entspreche. Der Jahresbericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums veröffentlicht ihren Bericht für das Jahr 1928. Nach einem kurzen Denkwort für Moses Mendelssohn aus Anlaß seines bevorstehenden 200. Geburtstages legt das Kuratorium Rechenschaft über das abgelaufene. Jahr ab. Der hervorstechendste Zug des Berichtes ist die außerordentliche Zunahme der Studierenden. Die Zahl der ordentlichen Hörer ist auf 74 gestiegen. Bier Studierende legten das Rabbinatsexamen bezw. Schlußprüfungen ab, von denen nur einer ins Rabbineramt eintrat, während ein anderer wissenschaftlicher Dozent und ein dritter Lehrer der hebräischen Sprachschule in Berlin wurde. Der Kassenbericht schließt höchst ungünstig ab, der Fehlbetrag hat sich gegen das Vorjahr nahezu verdoppelt und die Gesamtschuld auf über Mk. 21000,— gestiegen, was die verantwortlichen Persönlichkeiten der Hochschule mit banger Sorge erfüllt. Dieses hohe Minus ist darauf zurückzuführen, daß der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, trotz der durch die Erhöhung der nach staatlichen Sätzen gezahlten Beamtengehälter nötigen Mehrausgaben, seine Subventionen herabsetzen mußte. Nur durch Sammlungen bei Privaten, zu denen sich die Herren Oberkantor Davidsohn und Dr. Wittenberg zur Verfügung stellten, war es möglich, daß die Schuld sich nicht noch mehr erhöhte. Die Lage bleibt weiter recht ernst. Erfreulicher ist die Tatsache, daß einige neue Stiftungen errichtet wurden. Das Vermögen der Hochschule hat jetzt einschließlich des eigenen Hauses einen Wert von Mk. 313000,—. So haben Angehörige der früheren Donatoren die Stiftungen erhöht; neugegründet wurde eine Stiftung zu Ehren des verstorbenen Direktors Dr. Hermann Baerwald-Frantsurt am Main und im lausenden Jahre hat Frau Bekka Steinthal der Hochschule Mk. 10000,— zur Errichtung einer „Theodor und Bekka Steinthal-Stistung" überwiesen, deren Ertrag alljährlich zum Teil für eine Preisarbeit und zum größeren Teil für den Pensionssonds der Hochschule verwendet werden sott. Dem Bericht ist wieder ein Verzeichnis der gehaltenen Vorlesungen und populären Vorträge (Montagsvorlesungen) beigegeben. Der 'Dozent der Hochschule, Herr Dr. Harry Torczyuer, ist für ein Semester zu Gastvorlesungen an das Jewish Institute os Religion in New-Aork eingeladen worden. Seine Vertretung haben die Herren Dr. Albeck, Dr. Max Soloweitschik und Rabbiner Dr. Max Wiener. Von erheblichem Interesse ist ein Abkommen, welches die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Gießen mit der Hochschule getroffen hat, das einen Austausch von Gastvorlesungen zum Ziele hat. Auf Grund dieses Abkommens hielt vom 26. bis 28. Januar 1929 der Gießener Religionshistoriker, Professor D. Dr. Heinrich Frick, au der Hochschule sechs Vorlesungen über das Thema „Der religionsgeschichtliche Ort des Protestantismus". Das Mitglied des Lehrerkollegiums der Hochschule, Herr Rabbiner Dr. Baeck, wird demnächst an der Universität Gießen einige Gastvorlesungen halten. . . Die Anstatt beklagt das Hinscheiden der beiden Lehrer ihrer Präparandie Dr. Moses Baron und Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosenthal, die in jahrzehntelanger Wirksamkeit ihre Kraft in den Dienst der Hochschule gestellt haben. An Stelle von Aabbiner Dr. Rosenthal wurde Dr. Baruch Kahane zum Lehrer der Präparandie berufen. Das Kuratorium der Hochschule ist durch Zuwahl der Herren Simon Braun, Willy Dreysus und Heinrich Stahl ergänzt worden. Dem Bericht ist eine wissenschaftliche Arbeit des Dozenten Professor Dr. Jsmar Elbogen über das Thema: „Die Feier der drei Wallsahrtsfeste im zweiten Tempel" beigegeben. Fortbestand und Weiterentwicklung der .Hochschule erheischen unbedingt eine Stärkung ihrer wirtschaftlichen Grundlage. Das Kuratorium spricht daher die dringende Bitte ans, ihr in reichem Maße Jahresbeiträge sowie einmalige Gaben oder Stiftungen zuzuführen, und es dadurch in den Stand zu setzen, den gesteigerten Anforderungen zu genügen und die Anstatt auf einer den fortschreitenden Erfordernissen der Wissenschaft entsprechenden Höhe zu erhalten. (Jta.) T elegierten wählen zum Zionisten kongreß. In d er vergangenen Woche fand in Deutschland die Wahl der Delegierten zum 16. Zionistenkongreß statt, bei der die verschiedenen zionistischen Richtungen ihre Stärke demonstrieren konnten. Insgesamt wurden nur 8739 Stimmen in Deutschland abgegeben. Es erhielten: Misrachi Poale Zion Allgemeine Zionisten Radikale Zionisten Hapoel Hazalr (Hitachduth) Revisionisten 2639 Stimmen 3 Mandate 1492 Stimmen 2 Mandate 2704 Stimmen 3 Mandate 385 Stimmen — Mandat 760 Stimmen 1 Mandat 443 Stimmen — Mandat. Aus den Gemeinden :: * Aachen. (60. Geburtstag.) Am 2. Juli beging der Vorsitzende der hiesigen Synagogengemeinde, Justizrat Francken, seinen 60. Geburtstag. J.-R. Francken hat es verstanden, das Ansehen der Aachener Gemeinde in der deutschen Judenheit zu erhalten und zu mehren. Dabei hat er stets mit besonderer Beachtung die Interessen des religiösen und liberalen Judentums wahrgenommen. Weit über seine Gemeinde hinaus hat er als Mitglied der liberalen Fraktion des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden sich Anerkennung erworben, insbesondere auch bei den Etatberatungen. Wir wünschen sdem Jubilar noch recht viele Jahre seines jugendfrischen Geistes und seiner großen Beweglichkeit. Berlin. (Jubiläum.) Am 1. Juli dieses Jahres sind 25 Jahre verflossen, seitdem der Chordirigent Alexander Weinbaum in den Dienst der Gemeinde getreten ist. Schon früh hat er sich der Laufbahn eines Synagogenchor-Dirigenten zugewandt. Seit dem Jahre 1895 in der heute nicht mehr bestehenden, aber zur damaligen Zeit wohl angesehenen Tiergarten-Synagoge tätig, wurde er mit der Erbauung der Synagoge Rykestraße im Jahre 1904 an diese berufen. Die damalige Wohlhabenheit der Gemeinde fand ihren Ausdruck in einem über die Grenzen Berlins und Deutschlands hinaus bekannt gewordenen, aus 40 wohlgebildeten Sängern bestehenden machtvollen Chorkörper. Herr Weinbaum hat für seinen Beruf eine gediegene Ausbildung an der Berliner Hochschule sür Musik erfahren, wo er, der Meisterklasse angehörenv, von Waldemar Bargiel in die Kompositionslehre eingesühO wurde. Durch seine Konzerte mit dem Synagogenchor in Berlin und in anderen größeren Städten Deutschlands und als langjähriger Dirigent der Typographia hat sich Herr Weinbaum einen guten Ruf als Musiker erworben. Seit fast zwei Jahrzehnten ist er auch Leiter der von der Gemeinde eingerichteten Kurse zur Ausbildung von Dirigenten und Organisten, die mit Verehrung und Hochachtung zu seinem Können ausschauen. Seine Berufskollegen haben ihn als ihren Abgeordneten in die Kommission für musikalische Angelegenheiten der Berliner Jüdischen Gemeinde entsandt, woselbst sein Rat allseitig hochgeschätzt wird. Breslau. (Aus der Gemeinde.) Die Sitzung der Gemeindevertretung am 27. Juni beschäftigte sich in der Hauptsache mit dem Anträge der zionistischen Fraktion der Gemeindevertretung, den Vorstand um Vorlegung eines Entwurfs zu einem Gemeindebeschluß über die Belegung und die Gebühren von Grabstätten zu ersuchen, der folgenden Grundsätzen entspricht: 1. die Wahl zwischen den Gemeindefriedhöfen nicht dem Belieben der Beteiligten zu überlassen, sondern bei Beisetzungen nach festen Grundsätzen zu verfahren; 2. die Belegung der Grabstellen nach einer fest bestimmten Reihenfolge vorzunehmen: 3. die Gebühren für Grabstellen nach den Vermögens- und Einkommensverhältnissen abzustufen. Gemeindevertreter Jacobsohn begründete die Vorlage mit der Gleichheit aller im Tode und widerlegte die ihr etwa entgegenstehenden finanziellen Bedenken. Nach umfangreichen Erwiderungen durch Vorstandsmitglieder und Gemeindevertreter, die sämtlich die Tendenz des zionistischen Antrages billigten, verfiel dieser aus der Erwägung der ihm entgegenstehenden Schwierigkeiten der Ablehnung. — Zu Beginn der Sitzung wurde Justizrat Kalisch in sein Amt als Vorstandsmitglied eingeführt; seinen Platz in der Gemeindevertretung nimmt nunmehr Rechtsanwalt Dr. Georg Tarnowski ein: an seiner Stelle wurde zum 1. stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeindevertretung der neue Vorsitzende der liberalen Fraktion, Rechtsanwalt Erich Spitz, gewählt. In den Gemeindevorstand wurden Kaufmann Meyer Koppenheim (kons. an Stelle des verstorbenen Justizrats Hirschberg) und Bankdirettor Felix Sander (lib. für den weggezogenen Generaldirektor Händler) gewählt: für diesen rückt Kaufmann Adolf Danziger in die Gemeindeverlretung ein. - - Nach der Annahme einer Anzahl Jahrzeit- und Grabpflegelegate bewilligte die Versammlung Mk. 300,— für eine Mendelssohn-Feier der jüdischen Volkshochschule, Mk. 500,— für eine Gedächtnistasel der 2. Brüdergesellschast in der alten Synagoge, Mk. 500,— für den Verband der russischen Juden in Berlin und die gleiche Summe dem Reichsbunde jüdischer Frontsoldaten in Berlin als Beihilfe zur Herausgabe eines Gefallencn-Gcdenkbuches. — Tie letzte Versammlung vor der Sommerpause endete mit einer kurzen geheimen Sitzung, in der Personal-Angelegenheiten erledigt wurden.; - i , N Coburg. (Hitlermehrheit i m Stadtparlament.) Am Sonntag fanden in Coburg die von den Nationalsozialisten durch Volksentscheid veranlaßten Neuwahlen zum Stadtpartament statt. Wie erinnerlich, haben die Nationalsozialisten durch Vollsentscheid den Rücktritt des früheren Stadtrats erzwungen, >vcil dieser die Entlassung eines nationalsozialistischen Schlachthosbeamten, der einen jüdischen Schlächtermeister fortgesetzt antisemitisch beschimpft hat, verfügt hat. Bei den sonntägigen Wahlen tonnten die Nationalsozialisten ihre Mandatsziffer von 3 auf 13 steigern und erlangten damit die absolute Mehrheit in der Stadtverordnctcnversammlung (Stadtrat). Der neue Stadtrat behält sein Mandat nur bis Anfang Dezember d. I., dann finden in ganz Bayern die allgemeinen Stadtwahlen statt. ... . .. „ ■: v : ' 1 , < . , Dieburg. (S y n a g og e n c i n w e i hu n g.) Zu dem von uns in unserer Nr. 26 veröffentlichten Bericht über die Synagogeneinweihung werden lvir noch um die Veröffentlichung eines Hinweises gebeten, daß bereits vor 2 Jahren in der von dem Kölner Architekten Robert Stern erbauten neuen Synagoge in Köln-Ehrenfeld, sowie in der gleichfalls von diesem im vorigen Jahre errichteten neuen Synagoge der Versuch gemacht und zur Durchführung gebracht wurde, trotz strengster Einhaltung der religiösen Vorschriften sachlich und zeitgemäß zu bauen, und Abkehr zu suchen von allen Auswüchsen der Synagogen-Baukuiist der letzten Jahrzehnte. Diese Eigenschaft wurde damals auch in allen Kritiken und Zeitungen mit besonderem Nachdruck erwähnt. Hannover. (Einweihung bet Predigthalle auf dem ucuen Friedhof in B o l h f e l d.) Die Einweihung der neuerbauten Predigthalle fand am 30. Juni statt. Die große etwa 600 Personen fassende Haupthatle war von einer feierlich gestimmten Menge bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach der Schlüsselübergabe an die Gemeinde sang Obertantor Alter gemeinsam mit dem Synagogen-Männerchor Rezitativ und Arie Psalm 16. Kommerzienrat Berliner übernahm in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Synagogengemeinde Hannover den Bau für die Gemeinde und dankte der gärigen Vorsehung, welche die Ausführung des Baues gnädig beschützt. Er dankte den Behörden, die den Bau genehmigt und gefördert, und den opferbereiten Männern und Frauen, die durch freiwillige Gaben mitgeholfen haben. Er schloß mit dem Wunsche, daß alle Leidtragenden, die betrübten Herzens diesen Bau betreten, Trost und Ausrichtung finden mögen. Sodann' hielt Herr Landrabbiner Dr. Freund die Weiheredc, der er die Gedanken des 90. Psalm zugrunde legte. Wie im Psalm stellte Redner dem Vergänglichen das Ewige entgegen. Er flocht dann das Wort des gestrigen Wochenabschnittes ein: „Wir ziehen alle den Weg, den Gott uns geboten hat." Zeit und Verfall überwindende Ewigkeit erringe sich der Mensch durch sein Streben hinieden. Herr Dr. Freund, der an diesem Tage zum 1000. Male über Dahingeschiedene sprach, hob hervor, daß man in Grabreden gern Wahrheit mit Liebe vermähle, um den Hinterbliebenen ein freundliches Bild des Dahingegangenen zu bieten. Das sei einL schöne Sitte, die keinen Borwurf verdiene, denn wie oft im Leben, habe der Verblichene Verleumdungen erdulden müssen. Es widerspreche nicht dem Geiste der Wahrheit, wenn hier der Tod manches sühne. Mit einem ergreifenden Gebet schloß der Redner. Im Namen des Wohltätigkeitsvereins (Chewra Kadischa) wies Herr Rudolf Herzberg auf die fllten geheiligten Pflichten dieser Bereinigung hin und gab dem Wunsche Ausdruck, daß zu allen Zeiten sich Männer und Frauen finden möchten, die bereit seien, diese schönen Ueberlieferungen fortzusetzen. Namens der Stadtverwaltung dankte Senator Grote für die Einladung. Er hob die Bedeutung des jüdischen Gesetzes und seine Verbindlichkeit für die Menschen aller Glaubensbekenntnisse hervor. Er wünschte der Gemeinde, daß diese neue Predigthalle mit dazu dienen solle, das Glaubensleben der Gemeinde zu stärken. Mit dem Männergesang: „Gott ist mein Hirt" ppn Schubert schloß hier eine Feier, wie sie seit 65 Jahren nicht stattgefunden hat und wie sie nach menschlicher Voraussicht in den nächsten hundert Jahren nicht wieder stattfinden wird. Hannover. (Die Gemeindevertretung billigt den N o t e t a t.) Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der 1. Vorsteher warme Worte des Gedenkens dem kürzlich verschiedenen langjährigen Mitglied des Kollegs, Salli Levi. Sodann wurden die bislang noch nicht eingesührten neugewählten Herren Jsaac Thalheimer und Georg Goldstein in ihre Aemter eingeführt. Herr Kommerzienrat Berliner verliest hierauf auf Wunsch eine Erklärung, die der Vorstand dieser Tage den Repräsentanten hat zugehen lassen und aus der hervorgeht, weshalb statt des Etats ein Notetat aufgestellt werden mußte. Am 29. April hätten zwei Vertreter der jüdischdemokratischen Volkspartei Einwendungen gegen die Richtigkeit zu Protokoll gegeben. Als die Gemeindevertretung den Wahlprotest abgelehnt hätte, sei am 16. Mai von den beiden Herren erneut Einspruch gegen den abweisenden Beschluß des Vorstandes erhoben worden. Dadurch sei ein für die Führung der Gemeindegeschäfte unerträglicher Schwebezustand entstanden, da infolge des Wahlprotestes der Vorstand nicht arbeitsfähig war. Direkte Verhandlungen mit dem Magi-»