Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 27 (3.7.1929)
- Date
- 1929-07-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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mus, die Ahnung einer wirklichen Zukunft und zukünftigen Wirklichkeit für das Menschengeschlecht. Statt dessen suchen die Völker dem Leid des Menschengeschlechts an der Gegenwart zu entrinnen durch die Flucht in ein Phantasiegebilde der Vergangenheit, des goldenen Zeitalters, oder in das des Jenseits, des Himmels. Das, was der Ahnung des Judentums die Richtkraft der Hoffnung auf die Welt gibt, ist der Primat des sittlichen Gedankens. Ein goldenes Zeitalter und ein Himmel wird aus dem Gefuhls'verlangen der Kreatur, dem Eudämonismus gesehen. Ts ist das Verlangen nach der Idylle, größeren oder kleineren Stils, des Naturlebens ohne die Schikanen der Menschheit; es ist die Phantasie eines Lebensstils vor Leid und Sünde; der Messianismus des Judentums ist Zukunftshoffnung einer Wirklichkeit aus Ueberwindun g von Leid und Sünde." A. G o r d o n, Prediger, Harburg E. Die Ethik der Humanität Von Prof. Dr. W. Kinkel, Gießen. In einem früher erschienenen Aufsatz suchten wir in dieser Zeitung den Begriff der Rassenethik, ihren Zusammenhang mit dem Individualismus und ihre Unfähigkeit, Sittlichkeit zu begrüben, darzutun. Die positive Ergänzung soll in wenig Worten dieser Aufsatz bringen, indem wir uns bemühen, die Grundgedanken einer humanen Ethik auszusprechen. Das Wesen aller Sittlichkeit liegt in der Willens- Gemeinschaft der Menschen. Nicht das isolierte, vereinzelte Individuum darf den Ausgangspunkt der Betrachtung bilden.*) Zur sittlichen Persönlichkeit wird der Mensch nur in der Gemeinschaft: unserem Verhältnis zu unseren Mitmenschen verdanken wir den Gehalt unserer Seele. In völliger Vereinzelung würde der Geist und das Gemüt des Menschen gar bald verlöschen wie eine Kerze, die herabbrennt. Mit anderen Worten: der Dienst der Menschheit schaffst den Menschen. Jeder, der Menschenantlitz trägt, ist bestimmt, die Idee der Menschheit in seiner Person zu verwirklichen; jeder ist Selbstzweck, jeder hat Anspruch aus Achtung und Liebe. Der Charakter wird dem Menschen nicht als ein Geschenk der Götter fertig in den Schoß gelegt; wir müssen um unser sittliches Selbst, um unseren Charakter kämpfen und ringen. Keine Lehre hat soviel Verwirrung geschaffen, als die vom angeborenen, unveränderlichen Charakter (z. B. Schopenhauers Lehre). Es gibt nicht geborene Teufel einerseits und geborene Engel andererseits. Der Charakter wird und bildet sich durch die freien Handlungen des Menschen; was die eine Handlung zerstörte, kann die andere wieder auferbauen. Das letzte Ziel liegt für jeden in der Teilnahme an der zu begründeirden Willensgemeinschaft der Menschheit. Die Wege dahin aber sind mannigfaltig. Tie besonderen Gemeinschaften, denen das Individuum angehört: Familie, Religion, Staat — sie erhalten alle ihre sittliche Rechtfertigung von der Idee der Menschheit, von dem Gedanken der Allheit der Menschen und ihrer Willenseinheit. So wie es gemeinhin nicht nur eine, sondern sehr zahlreiche Lösungen für eine mathematische Aufgabe gibt, die jede ihren individuellen Charakter, ihre wissenschaftliche Eigenart hat, so ist auch auf dem Gebiet der Sittlichkeit das Ziel, die Idee der Menschheit, nur eines, aber der Wege zu diesem Ziel gibt es unzählige. Aller Zwiespalt, aller Haß und alle Feindschaft unter den Menschen kommt im Grunde genommen nur daher, daß jedes Individuum oder jede besondere Gemeinschaft ihren eigenen Weg für den allein richtigen, absoluten Weg hält. Ein Volk etwa glaubt, in seinem Wesen, seiner Existenz gipfele und endige sich der Sinn der Geschichte; die anderen haben nur soweit Daseinsberechtigung, als sie seinen, des erstgedachten Volkes Zwecken dienen. Gibt man die Berechtigung einer solchen Gesinnung zu, so ist Haß, Krieg und Streit unvermeidlich. Die Ethik der Humanität belehrt uns aber, daß diese Denkungsart unsittlich ist. Jeder Staat und jedes Volk hat vielmehr nur soweit und solange Existenzberechtigung und das Recht, seine Eigenart zur Geltung zu bringen, als es die Eigenart und das Daseinsrecht der anderen Staaten und Völker anerkennt. Und ist es nun mit der Religion anders? In unseres Vaters Haus sind viele Wohnungen, und viele Wege führen zu ihm hin. Humane Ethik verlangt gegenseitige Achtung, nicht bloß Toleranz, auch' auf religiösem Gebiet. Dies drückt sich bei Juden und Christen im Gebot der Nächstenliebe aus. Dies Gebot ist weder spezifisch christlich, noch jüdisch, sondern einfach human. Wir finden daher auch, daß schon Plato lange vor Christi Geburt lehrte: Liebe deine Feinde; unrecht dulden ist besser als unrecht tun. Und wie steht es im alten Testament? 5. Buch Mos. 1, 16 bis 17: „Hört an das Anliegen eurer Brüder und urteilt gerecht im Streite von jedermann mit seinen Brüdern oder auch mit dem Fremden. Ihr sollt rechtsprechen ohne Ansehen der Person; den Geringen sollt ihr anhören wie den Großen und niemand fürchten, denn das Recht ist Gottes." Leviticus 19,33: „Wenn ein Fremdling bei dir in deinem Lande wohnen wird, den sollt ihr nicht schinden. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du s o l l st i h n lieben wie dich s e l b st; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Aegypterland, ich bin der Herr, euer Gott." . Zusatz: „Denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen? -' besonders lehrreich. Tie Antisemiten behaupten bekanntlich verleumderisch, daß die Juden die Nächstenliebe .Glaubensgenossen beschränkten; das klare Gegen- 1m steht tu den zitierten Worten. , ^le Propheten haben fast zum ersten Mal die Idee rein ausgesprochen. Hier ist immer wieder dre Absage an dre Idee der rohen Gewalt und Macht ausgesprochen und dte Gemeinschaft der Menschen auf den Geist und dte Ltebe gegründet. Für «die nähere Begründung; dürfen wrr auf H. Cohens „Jüdische Schriften" verweisen, deren Lektüre ntcht nur den Juden, sondern vor allen Dingen den Chrtftm zu empfehlen ist. Wir wollen hier nur ein ^rort anführen: Prophet Sacharia 4, 6: „Nicht durch Macht und mäht durch Stärke, sondern durch meinen Geist spricht der Gorge -er Heerscharen." Der heilige Geist, es ist der Geist der Hetltgung: ihr sollt heilig werden (in Worten und ) Die streng wissenschaftliche Begründung der humanen Ethik pnoet man m H. Cohens „Ethik des reinen Willens" und P. Natorps „Sozialpaoagogik"; vergl. auch meine Schriften: „Bom Sein und von der Seele"; „Der Humanitätsgedanke". * Gottesdienste * Berlin-Norden. Lerlin-Westend. Berlin-Wilmersdorf. Die Gottesdienste der vorstehenden drei Liberalen Synagogen fallen lm Monat Juli aus. Erster Gottesdienst nach den Ferien. Anfang August. Berlin. Jüdische Reform gemeinde, Johannisstraße 16. Sonntag, den 7. Juli, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Jelski. Werken) wie der Herr. Liebe, nicht Haß^ ist das Gebot jüdischer Ethik auch gegen den NichtjMen. Christen und Juden sollten sich umso leichter auf der Basis humaner Ethik sinden, als ja die zehn Gebote von Leiden anerkannt werden. Es handelt sich nicht darum, daß alle Menschen eines Glaubens werden, sondern darum, daß man begreifen lernt, wie in jeder Religion Sittlichkeit steckt, und daß man die Gemeinsamkeit der siEchen Idee erkennt. Dann Nlag jeder seinen Weg des Glaubens gehen — es kann keinen Haß mehr geben. Aber wie steht es mit dem Anspruch der Juden, „das auserlesene Volk" zu sein? Sondern sie sich nicht eben dadurch von der übrigen Gemeinschaft der Menschheit ab? Und liegt darin nicht ein großer Hochmut? — Wer so urteilt und denkt, weiß vom jüdischen Glauben und jüdischer Sittlichkeit sehr wenig. Alle großen jüdischen Lehrer der Sittlichkeit von Saadja, Jbn Taut und Maimonides bis auf H. Cohen haben als eine Grundtugend menschlicher Ethik die Bescheidenheit gepriesen. „Demut" sagen die älteren jüdischen Philosophen. Was aber den Begriff des „auserwählten Volkes" angeht, so kann ihn nur Mißverstand oder böser Wille in so feindlichem und inhumanem Sinne auslegen. Zweierlei wird der unvoreingenommene Beobachter in diesem Begriffe erkennen: einmal den Hinweis darauf, daß die älteste Offenbarung sich an die Juden richtete. Diesen Gedanken wollen wir hier nicht weiter verfolgen, weil der Raum nicht reicht. Aber gewißlich liegt in diesem Hinweis keine Bevorzugung in dem Sinne, daß sich eine Ueberhebung darin spiegelte; denn das Alte Testament gilt ja für Juden und Christen, nur daß die ersteren es uns bewahrt und übermittelt haben. Zweitens aber dürfte die tragische Demut des Wortes vom „auserwählten Volke" zu Tage kommen, wenn wir die Geschichte der Juden vor unser geistiges Auge zurückrufen. Wozu waren sie auserwählt? Zum Leiden im Dienste der Menschheit. Wieviel ungerechte Verachtung, wieviel feindliche Verfolgung haben sie ertragen müssen; unb haben zum Tank dafür den Gedanken der Einheit Gottes und der Nächstenliebe aufrecht erhalten — die letzten Grundpfeiler aller Sittlichkeit und Kultur. Humane Ethik ist Menschheits-Ethik. Nicht eine Rasse, nicht einzelne auserwählte Individuen oder Völker verkörpern den ganzen Inbegriff reinen MenWmftlms. Wir sind alle dazu bestimmt, an unserem Teil zu der Verwirklichung sittlicher Gemetnschaft betzutragen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst — das ist das ganze Gesetz und die Propheten" Augendgottesdiensl Bon Rabb. Tr. Gottschalk, Frankfurt a. M. In meiner Schrift Mer obengenanntes Thema stellte ich — vor 14 Jahren schon — die Forderung aus: „Diese Einrichtung muß in ihrer Eigenart bestehen bleiben und muß ihren dauernden Platz in der religiösen Erziehung, unserer Jugend behalten." An dieser Forderung möchte ich auch heute noch gegenüber anderslautenden Meinungen und besonders gegenüber betrüblichen Verfallserscheinungen, die diese Einrichtung aufzeigt, beharren. Ter Gottesdienst der Erwachsenen setzt in der Liturgie viel mehr Kenntnisse voraus, als sie das Kind besitzen kann, die Predigt muß ihm unverständlich bleiben, die Länge muß es ermMen und der Zwang zur Passivität zur Ablenkung verleiten. Das bloße Dabeisein und das bloße Tanebenstehen (neben den Eltern) können die Nachteile nicht aufwiegen und allenfalls eine dumpfe Gewöhnung erzeugen. Sollte nicht heute gerade bei der Vermehrung der Religionsschülen, der jüdischen Schulen, der Jugendbünde dte Situation für den Jugendgottesdienst günstiger sein als je? Ich denke dabei an die großen Städte, für die ja die Schwierigkeiten vor allem bestehen. Tie Tatsache, daß an so vielen Stellen eine Jugendmasse zusammen zu finden ist, erleichtert entschieden die Durchführung der Einrichtung. Sie gibt nämlich Gelegenheit, den Jugendgottesdienst vorzubereiten. Und das dürste allerdings unerläßlich sein. Diese Vorbereitung ist nicht nur darin zu sehen, daß die Kinder sich mit her mehr oder weniger brauchbaren Agende beschäftigen. Sie sollte vor allem darin bestehen, die Kinder zu Trägern des Gottesdienstes zu machen. Das bedarf natürlich der Vorbereitung. Aber erfolgt diese planmäßig, dann wird es gelingen, und die Kinder werden imstande sein, den Chor zu bilden, den Vorbeter zu stellen, den Thoravorleser und den „Prediger"'. Er brauchte ja nicht einmal immer eine wirkliche „Ansprache" zu halten. Er sollte und könnte ruhig etwas Geeignetes votlefen. Alles würde und müßte ja unter Aussicht vorbereitet werden. Was könnte da mißglücken? Und der Gottesdienst soll ja nicht wöchentlich stattfinden. Also ist auch Zeit zur Vorbereitung genug da. Daß man sich nicht sklavisch an die Agende halten wird, ist klar. Man wich Psalmen und jüdische Gedichte gern mit vortragen lassen. Tann wechen die Kinder auch kommen. Sie beschäftigen sich ja dauernd mit der Sache, sie wird ihnen lieb, erhält sie in Spannung, und auch die Eltern werden gern hören tvöllen, 'was ihre Kinder „leisten". Daß die Arbeit für diese Vorbereitung nicht als „ZeitvergeMung" gegenüber dem „Pensum" betrachtet wich, sollte selbstverständlich fein. Und ebenso selbstverftäMich, daß der Gottesdienst anstelle eines Unterrichtsnachmittags tritt, sei es, daß dieser Nachmittag mit dem Sabbath zusammenfällt oder nicht. Damit wäre ja dann sogar eine Verpflichtung zum Kommen verknüpft. Daß man freilich jchen Zwang in dieser Hinsicht vermeiden sollte, ist selbstverständlich, aber man wird .das am ehesten, scheint mir, nur erreichen, wenn man den Jugendgottesdienst wirklich zu einer Sache der Jugend macht und nicht zu einer Sache für die Jugend, zu der man sie noch „einlädt". — Vielleicht wird es sogar dahin kommen, daß irgend eine Gruppe — Schule oder Bund — selber einmal einen Jugendgottesdienst „einrichtet", zusammenstellt, wie er ihn gemäß erscheint. Sollte man — nach Prüfung natürlich — von einem solchen Gottesdienst von der Jugend für die Jugend nicht gern Gebrauch machen wollen? Die BüMe sind ja klein, also wird vornehmlich Schule und Religionsschule Trägerin der Einrichtung sein müssen, ohne daß man aber die anderen ausschalten sollte. Alle anderen.Kinder aber, die auch noch kommen sollten, werden als Gäste zu betrachten sein und müßten sich selbst so ansehen. Sicher werden sie Gelegenheit nehmen, das nächste Mal selbst in irgend einer Form aktiv zu sein. Auf diesem Wege wird sich endlich auch der Feiertagsgottesdienst der Jugend wertvoll gestalten. Heut kommen doch die Kinder plan- und wahllos zusammen und alles wird ihnen „vorgemacht" — Gesang — Beten — Thoravorlesung — Predigt. Alles wird nun planmäßig vor sich gehen bei der Zusammenballung der Kinder, und alles wird aktiv sein und alles aufmerksam. Daß auch die Lehrer der zugehörigen Schule, die Führer der Bünde — abwechselnd — anwesend sein müßten, ist selbstverständlich, besonders die an der Vorbereitung beteiligten Damen und Herren. So sollte man dann auch an die Einrichtung und Ausgestaltung der Jugendgottesdienste für alle anderen Feiertage denken, für die heute noch kein Jugendgottesdienst besteht. Nicht wenige Kinder aber haben infolgedessen keinen Wallfahrtsgottesdienst, weil sie vormittags nicht fehlen und abends zu später Stunde nicht kommen können. Aber selbst wenn sie kämen, sie müßten doch ihren Gottesdienst erhalten, genau wie an anderen Tagen. Noch eines wird auf dem geforderten Wege erreicht werden: die in der Agende — welcher auch immer — brauchbaren und nicht brauchbaren Stücke würden bei der Vorbereitung und Einübung ihren Wert oder Unwert von selbst, erweisen. Jedenfalls verlangt die Zeit des Arbeitsunterrichts auch die Zeit der Arbeitsgottesdienste. Sterne im Meer Von Julius Csermely. (Einzig autorisierte UÜbersetzung aus dem Ungarischen von Maurus Mezei, Wien.) Es war vor vielen — vielen Jahrhunderten, in den von den Mauren bewohnten Gebieten Nordafrikas. Rumahis ibn Mehmed, ein vornehmer Mann der Provinz, wurde von seiner Gattin mit einem Knaben beschenkt. Tage- und wochenlang herrschte Freude, Fröhlichkeit und Feststimmung. Rumahis ibn Mehmed sah die ganze Einwohnerschaft der Stadt zu Gaste und jeder einzelne wünschte dem Kinde irgendetwas Gutes. Daß es stark werde und mutig, wie ein Löwe, schlank sein Wuchs, wie eine Palme, Erfolg und Glück seien seine treuen Gefährten, sein Name und sein Ruhm erfülle die Welt, und so weiter. Auch Wahrsager kamen und prophezeiten, aber sie waren so klug, dem Knaben, den sein Vater Abdullah nannte, nur Günstiges wahrzusagen. Denn hätten sie Schlechtes prophezeit, hätte dafür wahrscheinlich ihr Kopf büßen müssen. Und es sagte der eine: „Aus Abdullah ibn Rumahis wird ein Stern werden, ein hell strahlender Stern, der leuchten wird auf dem Trockenen und auch im Wasser. Ein himmlisches Feuer wird aus deinem Sohne werden, hoher Herr.“ Und hinzufügte der zweite Wahrsager: „Das himmlische Feuer wird verlöscht werden vom irdischen Wasser, aber an Stelle des irdischen Wassers wird schon längst ein ausgetrocknetes Bett sein und das himmlische Feuer wird noch immer mit frischem Glanze strahlen.“ „Ich verstehe,“ sagte der Vater und sein Gesicht verdüsterte sich für einen Augenblick, als er die Wahrsagung vernahm, daß das irdische Wasser das himmlische Feuer verlöschen wird, aber sein Antlitz erhellte sich gleich wieder, als der dritte Wahrsager wie folgt sprach: „Ja. Der schönste Stern des Himmels wird im Meer seinen Tod finden, aber auf Befehl Gottes werden Engel den Stern in den Himmel tragen und auch Gott selbst wird sich an seinem Glanze ergötzen.. Aus Abdullah ibn Rumahis wurde tatsächlich ein Seemann, ein Held auf dem Wasser. Er verschaffte Ruhm und Herrlichkeit seinem Namen und als maurischen Stern lobpreisten ihn die Lieder seines Volkes. Und es war vor vielen — vielen Jahrhunderten. In Schura, der damaligen Residenz der jüdischen Wissenschaft, hatte man schon seit einer Woche nicht die Sonne gesehen, nicht einen einzigen Stern bei Nacht. Mit gleichmäßiger Dichte bedeckte ein dicker Wolkenvorhang den Himmel, welcher weder die Strahlen der Sonne, noch den Glanz der Sterne durchließ. Nur in jener Nacht und genau in jener Stunde, als dem Rabbi Moses Chanach ein Mädchen geboren wurde, entstand ein Spalt im Wolkenvorhang und zwei hell strahleende Sterne wurden sichtbar. Im weißen Glanze schimmerte der eine, grünlich-rot schillerte der zweite,