Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 27 (3.7.1929)
- Date
- 1929-07-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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»wieder zu beachten ist, wie innig Recht und Religion miteinander verbunden sind. Aber die Anordnungen für das Wirtschaftsleben erhalten doch erst ihre verpflichtende Kraft durch die religiöse (und nationale) Note, die in ihnen enthalten ist. Nur wo ein religiöser Geist alle Lebenserscheinungen eines Volkes durchdringt, ist es möglich, Gesetze zu erlassen wie das Gesetz über Schemito und Jowel. Ten Forderungen der Religion hat sich das Wirtschaftsleben zu beugen. Darum macht die Religion mit ihren Forderungen nicht Halt vor den rein wirtschaftlichen Angelegenheiten. Es ist Sache der Religion, das Menschenrecht eines jeden einzelnen zu wahren. Darum wird dem Arbeitgeber geboten, den Lohn des Arbeitnehmers nicht zurückzuhalten, soiidern sofort auszuzahlen. Darum ist es religiöse Forderung, daß eine Pfändung rückgängig gemacht wird, wenn sie die einfachen Lebensinteresfen verletzt. Das Recht des Armen, der Witwe, der Waise, des Fremdlings ist durch religiöses Gebot geregelt. Konflikte zwischen Religionsgesetz und wirtschaftlichen Notwendigkeiten kommen vor. Tie Religion hat den wirtschaftlicher Notwendigkeiten Rechnung getragen, so in der bekannter Verfügung Hillels, durch die die Verjährung einer Schuld im Erlaßjahre durch die Uebertragung der Schuld au den Gerichtshof aufgehoben wurde. Das typische an dieser religiösen Gesetzgebung des Judentums ist, daß das Recht aller Menschen an das Leben geschätzt wurde. Durch die allmähliche Verselbständigung der Religion als eines Gebietes für sich hat sie sich auch des Einflusses beraubt, das Leben der Menschen zu gestalten. Religion wurde und ist häufig nur Hüterin der überlieferten Ordnung. Das Wort der Religion ist geworden ein Wort von Frömmigkeit, von Gesetzeserfüllung, von Sittlichkeit und vielen anderen Begriffen, aber an den wahren Problemen des Lebens redet die Religion heute vorbei. Fragen der Arbeitszeit und der Freizeit, des Tarifs, Fragen des Rechts auf Arbeit und auf ein Existenzminimum, Fragen der Bodenreform, des Kapitalismus und des Sozialismus sind nicht mehr und noch nicht wieder die Fragen der Religion. Dem aufmerksamen Be obachter entgeht es nicht, daß in unseren Tagen gerade die armen Schichten der Bevölkerung der Religion abtrünnig werden; sie finden in ihr nicht den Verteidiger ihrer Lebensrechte. Wir sehen aber andererseits, daß aus den wirtschaftlichen Nöten heraus sich Anschauungen und Systeme bilden, die selber den Charakter religiöser Lehren annehmen. Tie Lehre des Sozialismus ist einer religiösen Lehre ähnlich, und die begeisterte Zustimmung der großen Masse hat etwas von der Gläubigkeit des Frommen an sich. Doch wenn auch zugegeben werden muß, daß die Religionen, die sich zu Systemen von Sätzen, losgelöst vom wirklichen Leben entwickelt haben, Schuld Haberl an dieser Entfremdung, so muß auf der anderen Seite sestgestellt ‘ werden, daß die Loslösung der Menschen vom Religiösen eine Verarmung des Lebens bedeutet. Religion soll dem Menschen Vertrauen zur Welt, Vertrauen zu sich geben und damit die Arbeit zur sinnvollen werden lassen. Der Mensch muß schließlich an seiner Arbeit verzweifeln, wenn er nicht das Vertrauen hat, daß. seine Arbeit sich einem sinnvollen Ganzen eingliedert. Denn ohne dieses Vertrauen, das nur auf religiösem Grunde erwachsen kann, wird alle Arbeit, alles wirtschaftliche Streben des sittlichen Charakters beraubt, dann Wäre Wirtschaft nur Folge selbstischer materialistischer Erwägung. Der Mensch, der nur solcher Wirtschaft dient, wird kalt und seelenlos. Religion, die dem Menschen den Glauben an sich und den Glauben an den Sinn seiner Arbeit gibt, gibt ihm auch die Freude an seinem Schaffen. Religionslose Wirtschaft wäre einem Musizieren ohne Harmonie der Töne zu vergleichen. Ter moderne Mensch mit seiner starken Gebundenheit an die wirtschaftlichen Kräfte braucht die Religion mit ihrer Freude, mit ihrer Weihe und mit ihrer sittlichen Forderung. Der Mensch soll durch das Vertrauen, das die Religion ihm gewährt, zur Freude am Leben geführt werden, er soll durch die Weihe, die religiöses Leben gibt, bewahrt werden vor dem Versinken in Materialismus und Egoismus, er soll durch die Teilnahme am gemeinsamen Gottesdienst das Bewußtsein der sittlichen Verbundenheit mit der Menschenwelt erlangen. Dazu ist nicht nur notwendig, daß die Religion sich den lebendigen Fragen der Menschheit zuwendet, es muß auch ein Ausgleich geschaffen werden zwischen den berechtigten Forderungen des Wirtschaftslebens und den Geboten, mit denen die Religion an den Menschen herantritt. Als stärkster Ausdruck jüdisch-religiösen Lebens gilt uns der Sabbath. Er bringt uns die Grundgedanken jüdischer Weltanschauung zum Bewußtsein, er ist der Tag der Familie, er vereint die Menschen zum gemeinsamen Gottesdienst. Aber die Arbeitswoche ist bestimmt durch das Staatsgesetz, nicht durch das religiöse Gebot. Die Wirtschaft nimmt den Sabbath als Arbeitstag für sich in Anspruch. Selbst wenn es gelänge, für die häusliche Feier des Sabbaths eine den heutigen Menschen voll befriedigende Form zu finden, den Gottesdienst so zu gestalten, daß die Menschen davon erbaut werden und gerne daran teilnehmen (Schwierigkeiten, die dringend eine Lösung verlangen), selbst dann bleibt die Frage offen, wie ein Ausgleich mit den wirtschaftlichen Ansprüchen geschaffen werben könnte. Vielleicht bietet die Lösung des Problems des Wochenendes die Möglichkeit, auch hier zu einem befriedigenden Resultat zu gelangen. Auf keinen Fall darf es so bleiben, daß das Wirtschaftsleben allein maßgebend ist für die Gestaltung unserer Lebensverhältnisse. Sonst müßte das Seelenleben der Menschen immer mehr verkümmern. Aus dem Dargelegten ergibt sich: Das Judentum bejaht die Wirtschaft als einen berechtigten Faktor des Lebens. Will das Judentum lebendige Religion bleiben, dann muß es auf die Frage des Wirtschaftslebens eingehen und einen Weg suchen, den Menschen in ihrer wirtschaftlichen Not zu helfen. Es müßten Mittel gefunden werden, dem durch die Arbeit belasteten Menschen religiöse Erhebung und Weihe zugänglich zu machen. Höher als die Wirtschaft steht das Leben. Ueber den Wirtschaftssorgen dürfen wir das Menschentum nicht vergessen. Das Ganze des Lebens zu erfassen, allen Funktionen des Lebens ihren Sinn zu geben und sie zu weihen, ist Sache der Religion. Professor Dr. Albert Görland Zum 6V. Geburtstag. Wenn an dieser Stelle anläßlich des 60. Geburtstages eines Mannes gedacht wird, der selbst nicht Jude, von sich sogar sagen kann, daß er „rein nordischer Rasse" sei nach Geburt und Abstammung, so ist die Berechtigung dafür in der Tatsache gegeben, daß ein tiefer Denker, ein Philosoph von großer gedanklicher Schärfe und abgerundetem geistigen Format, ein wundervoll in sich geschlossener Mensch zum Judentum, zu seiner Religiosität, zu seinem ewigen Fragen nach Sinn und Wort des Lebens und zu seiner ewig neuen Antwort auf dieses Fragen klar und in durchaus bejahendem Sinne Stellung genommen hat. Mehr als eine theoretische Würdigung des Mannes und seines Werkes möge ein persönliches Erlebnis die Einstellung Görlands zu jüdischer Frömmigkeit beleuchten. Es war vor etlichen Semestern. Professor Görland, dessen Hauptgebiet die Ethik ist, hatte an seine Vorlesung über diese Materie eine Uebung angeschlossen, in der wie immer die Probleme rücksichtslos und mit aller Schärfe abgetastet wurden. Im Verlaufe der lebhaften Diskussion tauchte auch der Fragenkomplex jüdischer Sittlichkeit, jüdischer Ethik auf. Da fiel aus Görlands Mund kantig und messerscharf das Wort: „Das Judentum hat keine Ethik"". Man muß die Luft deutscher Hörsäle geatmet haben, um das triumphierende Hochgefühl zu empfinden, das nach solchen Worten eine wie immer geartete Hörerschaft in Spannung versetzt. Wie ein bedrückender Alp legt sich dann die mit Voraussetzungen eigener Art geladene Atmosphäre auf die Brust eines jüdischen Studenten. Tann fühlt er die Ghettomauern vergangener Jahrhunderte aussteigen, an seine Seele heftet sich der „gelbe Fleck", von der Welt seiner Ideale wird der „Leibzoll" unbarmherzig gefordert. Es sind Mo- Annahme von Bestellungen aus die Jüdisch.liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands mente innerlicher Tragik, die den jungen Deutschen jüdischen Glaubens erzittern machen. Ta richtet sich die Gestalt Albert Görlands vor dem Katheder auf; in den sonst so gütigen Augen zuckt es, die hohe, klare Denkerstirn furcht sich, und haarscharf fallen die Worte: „Das Judentum hat keine Ethik, denn es ist Ethik." Ein schwerer Traum verfliegt, die Ghettomauern versinken in Staub und Asche; und der sie niederriß. war nicht ein Jude, der in Titanentrotz die Emanzipation sich erkämpfen muß, sondern ein Christ, ein Denker und Philosoph, ein Hohepriester im Heiligtum der Menschheit. Wenn am 9. Juki d. Js. Albert Görland 60 Jahre wird, hat auch das liberale Judentum Veranlassung, ihn zu beglückwünschen, denn es ist ihm zu Tank verpflichtet. Nicht nur in seinen Vorlesungen, sondern vor allem auch in seinen wissenschaftlichen Arbeiten wird Görland der Geisteshaltung des Judentums immer wieder gerecht. Aus seiner „Religionsphilosophie" am Schluß dieser Ausführungen eine Probe. Professor Görland ist, wie sein Mitstreiter Professor Ernst Cassirer, Neukantianer und Schüler unseres Hermann Cohen. Von diesem pflegt Görlaud zu sagen, er sei sein Lehrer und sein Meister. Mit Professor Cassirer zusammen verwaltet er Cohens geistiges Erbe. Beide zusammen gaben vor kurzem Cohens Schriften zur Philosophie und Zeitgeschichte heraus. In Hamburg befindet sich ein Kreis geistiger Arbeiter, der von Cassirer und Görland herkommend, die Tradition der Marburger Schule pflegt. Wer je mit diesen Menschen persönlich nur oder in gemeinsamem Schaffen in Fühlung kam, der weiß, wie sehr gerade diese Denker unserem Judentum Verständnis entgegenbringen. So geht heute schon die Saat auf, die Albert Görland, den Strömungen der Zeit trotzend, aus gestreut hat. Wir müssen ihm danken. Von Pros. Görland sind bis jetzt erschienen: 1. Aristoteles und Kant, 2. Aristoteles und die Mathematik, Bücher, die den Philosophen interessieren; 3. Paul Natorp als Sozialpädagoge, dem Erziehungswissenschaftler wertvoll; 4. Mein Weg zur Religion, 5. Ethik als Kritik der Weltgeschichte, 6. „Religionsphilosophie" als Wissenschaft aus dem Systemgeiste des kritischen Idealismus", Bücher von höchstem Interesse für jeden Gebildeten Demnächst erscheint die „Prologik" Aus der „Retigionsphilosophie". Ahnungswelt des Messianismus. „Weltgeschichte muh entspringen, wie alles religiöse Erleben entspringt: an der Schwelle der Verzweiflung. S-i läht sich begreifen, daß das Volk der Juden erwählt worden ist, aus den Leiden seiner Geschichte ein Volk der Hoffnung und eines Gottes der-Vorsehung zu werden. Tie Jrwen sind die Schöpfer der Weltgeschichte, in ihnen entspringt die Ahnung einer gerichteten Totalität des menschlichen Geschehens: der Messianismus der Welt, eine Erziehung „des Menschengeschlechts". Daß trotz der Qualen, die dieses Volk von den Völkern erleidet, es sich aus den nationalen Engen losringt zur Ahnung des Weltgottes und eines Weltfriedens aller Völker, diese Entwicklung des messianischen Gedankens im Judentum ist kin einziges großes Wunder. Dieser geistigen Entwicklung an den Dokumenten des Alten Testaments nachzuspüren, ist nicht unsere Obliegenheit; diese Angelegenheit unmittelbar des Judentums hat Herrn. Cohen besorgt, dessen Darstellung im XIV. Kapitel seiner „Religion der Vernunft"" zu den wundervollsten seines reichen Werkes gehören. Wir haben uns für unsere Religionsphilosophie an ihr zu orientieren."" „Das Heil der Welt richtet sich auf alle Völker. Denn Gott ist einziger Gott; aus ihn geht die Zuversicht des Menschen; so muh auch die Hoffnung der Zeitlichkeit eine sein. „Es danken dir, Gott, die Völker, es danken dir alle Völker"" (Psalm 673). „Und es wird der Ewige König sein über die ganze Erde; an jenem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig"" (Secharja 14. 9.). — Kein einziges Volk sonst hat den Gedanken des Messianis- Judentum und bildende Kunst Von Hans-Manfred Danziger, Breslau. Das Judentum, das wohl ein reiches Kontingent tüchtiger Geistesarbeiter an Wissenschaft und Literatur stellt, weist offenbare Armut an schöpferischer Betätigung in der bildenden Kunst auf. Es handelt sich hier um einen scheinbar berechtigten Vorwurf, dessen Ursachen wir einmal näher betrachten wollen. Es gibt zwar eine ganze Anzahl berühmter jüdischer Baumeister und Maler, die aber keinen spezifisch jüdischen Stil schufen. Wenn wir nämlich die Geschichte der Kunst überblicken, so müssen wir wohl feststellen, daß es eine jüdische Kunst mit originalen Formen im Sinne des gotischen und romanischen Stils nicht gibt. Die Folge davon war, daß große christliche Kunsthistoriker dem Judentum in der Thora religiös gebotene Kunstfeindlichkeit vorwarfen; selbst Stimmen > aus unseren eigenen, indifferenten Rechen lassen oft genug mindestens den Vorwurf der Kunstgleichgültigkeit laut werden. Diese Behauptungen verkennen jedoch das Problem völlig. Denn das biblische Verbot ist ein Bilderverbot; BÜderseindlichkeit und Kunstfeindlichkeit muß man aber scharf auseinanderhrlten. Denn die Kun ft feind licht eit wendet sich gegen jedes künstlerische Problem, sei es in Architektur, Ornamentik oder Darstellung. Die Bilderfeindlichkeit dagegen lehnt nur die Darstellung ab, aus Furcht vor Mißbrauch und Entartung. Denn der heidnische Einfluß konnte äußerst leicht zu unjüdischer Auffassung der Religion beitragen. Beim monotheistischen Kult, wie die Thora ihn gebietet, ist die bildliche Darstellung von selbst unnötig. Die Bilders Kindlichkeit ist also eine durchaus berechtigte Vorsichtsmaßregel gegen den heidnischen Bilderkult zum Schutze der echten jüdischen Religiosität. Wie steht es mit der Kunstseindlichkeit im Judentum? Der übermäßige Reichtum an Symbolen zeigt recht eigentlich künstlerische Empfindung; das Symbol ist die erste spontane Kunstschöpsung, die unmittelbar der Religion entspringt. In der Gestaltung der Symbole haben wir einen dem Judentum ganz eigenen Kunftzweig, der das Märchen von der jüdischen Kunst feind lichkeit Lugen straft. Eine nähere Betrachtung und allgemein künstlerische Wertung dieser jüdischen Symbolik gestattet leider der Platz jetzt nicht. Ein religiöses Verbot steht aber jüdischer Kunstgestaltung auf den Gebieten der Architektur und Ornamentik keinesfalls entgegen. Wie kommt es aber, daß wir dennoch derartige Werke vermissen? Jegliche Kunst entwickelt sich aus den kulturellen Einflüssen ihrer Heimat. Also nur ein vollkommen in sich gefestigtes nationales Gemeinwesen kann eine seiner Wesensart entsprechende Kunst hervorbringen. Man bedenke nur, wie z. B. Griechen und Römer dieselben Formen völlig, verschieden, eben ihrem Charakter entsprechend verarbeiteten. Ob nun das jüdische Reich der Antike im Besitz eines eigenen Formenapparates war, ist bis heute ungeklärt. Die archäologische Forschung hätte zur Lösung dieses Prob- > lems eine Riesenarbeit zu vollbringen. Aber der völlige Bruch, der zwischen der Geschichte des jüdischen Volkes als eines eigenstaatlichen Gebildes und zwischen seiner Diaspora klafft, macht die Bedingung einer selbstschöpserischen, originalen jüdischen Formgebung und Kunstgestaltung völlig unmöglich. Für die Existenz einer absolut jüdischen Kunst im Mittelalter und der neueren Zeit liegen keine Zeugnisse vor. Einzelne Erscheinungen auf dem Gebiete des Synagogenbaues, Illustrierung von Codices und allerhand Kleinkunst dürfen kaum einen Anspruch auf selbständige Formgebung machen. Denn die Synagogenbauten, die Häuser der Ghetti, die Ornamentik jüdischer Grabsteine lehnen sich in ihrer Gestaltung immer unmittelbar an den Stil der Zeit an, der sie angehören. Doch hier liegt das Problem jüdischer Kunst. „In der Auseinandersetzung mit dem europäischen Formenapparat — dem romanischen oder gotischen Raum mit den zugehörigen Architekturkörpern, dem zugehörigen Ornament — liegt das Problem, das zur Untersuchung reizt."Z Hier mußte sich notwendigerweise ein Dualismus bemerkbar machen. Denn an die For- Z Richarb Krautheimer: Mittelalterliche Synagogen. Frankfurter Verlagsrnstalt 1927. men, die Europa liefern konnte, wurden Forderungen gestellt, die einer völlig fremden Gesinnung erwachsen waren. Gotische und jüdische Mentalität konnten von vornherein wohl kaum harmonisieren. Deshalb wurden die einzelnen europäischen Formen von den Juden nach verschiedensten Seiten hin modifiziert. In der Gestaltung dieser Modifikationen liegt der Kern des Problems jüdischer Kunftgestaltung. Vorbereitung zur Mendelssohn-Feier der Berliner Jüdischen Gemeinde Ansprachen des Reichsinnenministers und des Oberbürgermeisters. Wie wir erfahren, ist von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die große öffentliche Mendelssohn-Kundgebung, welche die Gemeinde in Gemeinschaft mit der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums veranstaltet, nunmehr endgültig auf Sonntag, den 8. September, vormittags 11 Vr Uhr, festgesetzt worden. Bon verschiedenen Seiten war eine Verlegung dieser Feier auf einen anderen Tag angeregt worden, um Kollisionen mit der Feier in Dessau zu vermeiden. Die Bemühungen der Jüdischen Gemeinde in dieser Richtung blieben jedoch ohne Erfolg. Die Feier findet in der Singakademie unter Mitwirkung des Berliner Philharmonischen Orchesters (Leitung Dr. Heinz Unger) statt. Die Festrede hält Herr Rabbiner Dr. Baeck. Bisher haben sich bon den eingeladenen Ehrengästen der Reichsinnenminister Herr Severing und der Oberbürgermeister Herr Böß bereit erklärt, Ansprachen zu halten. Der Anregung der Israelitischen Kultusgemeinde Dessau folgend, wird die von der Jüdischen Gemeinde und der Preußischen Staatsbibliothek veranstaltete Mendelssohn-Ausstellung erst am Montag, den 16. September, gemeinsam eröffnet werden. Dadurch ist die Möglichkeit geschaffen, daß die gesamten Leihgaben, welche in der Berliner Ausstellung gezeigt werden, eine ganze Woche hindurch auch in Dessau zur Ausstellung gelangen. (Jta.)