Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 26 (26.6.1929)
- Date
- 1929-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ja doch der eine Mensch schon von „vielen", da er von zwei Menschen und damit einer Ahnenreih« stammt. Statt Einheit gilt es die „Bielemigkett" zu erkennen. „Kein Lebendiges ist ein Eins, immer ists ein Vieles." Vor Gott, den Vater, tritt die Mutier Natur, und wir sind ihre Kinder. Hier kommt die soziale Verbundenheit deutlich zum Ausdruck. Tie Weltreligion will so erblühen, als Gipfel der Persönlichkeitskultur und Gemeinschaftskultur. Tschirn schließt: „Religion war, ist und wird in aller Zukunft bleiben: die höchste emporreißende Geniekraft des Menschen..." # 4. VJl. Buber. Philosophie und Religion. Vortrag am 24. Mai d. I. anläßlich der Schopenhauertagung in Frankfurt a. M. Buber führte aus, daß er nur ein Schwelleuproblem berühren wolle, Determinationen auszeigen und nicht Tefinitionen. Es sei ein Irrtum der Philosophie, sich gegen die Religion so abzugrenzen, daß diese als unzulängliches Erkennen erscheint. Religion will etwas anderes, will Kontakt mit dem Leben suchen. Der Mensch kann den Weg Gottes wahrnehmen, diesen Weg selbst freilich nicht erkennen. Aber das höchste ist der Religion die Auswirkung. Philosophie meint Philosophie, Religion will sich selbst überwinden, will reinen Alltag. Religion ist Exil, Heimat ist das Leben. Bei Beurteilung der Religionen ist zu beachten, daß keine Aeußerung von ihrer Situation losgelöst werden kann Gott ist auch dem Gläubigen nur eine unendliche Metapher, er kann und darf Gott nicht einschränken. Die Vereinfachung, die der Gläubige vorzunehmen scheint, ist eine lebms- und nicht erkenntnismäßige Was ist allen Gläubigen gemeinsam? Wahrung der gelobten Konkretheit, Nicht die primitivsten Schauer sind entscheidend, sondern die Gewißheit, Sinn der Konkretheit zu erlangen im Handgemenge mit der Wirklichkeit. „Wir tuns, wir Hörens." Nicht in der Besinnung, in der Bewährung wird die Wahrheit gesunden. Freilich spricht auch das „einst" mit, das Gedächtnis der Geschlechter, wie es Mythen auszeigen. Ter Kamps um die Konkretheit geht nach zwei Richtungen, als Kampf gegen den Augenblick und gegen die Erinnerung. Es ist ein Irrweg der Theologie, Zeitliches in Zeitloses aufzulösen. Es ist ein Irrtum der Mystik, zu glauben, das Vollkommene könne zugänglich gemacht werden. Wenn die Religion den Augenblick anerkennt, heißt das nicht, daß das Geschehen als gottgegeben hingenommen wird. Man kann sogar in Feindschaft dazu stehen. Gegenüber der Religion gründet sich die Philosophie aus Abstraktron vom Konkreten. Dieses „Absehen" ist Pflicht der Philosophie, ihre Erkenntnispflicht. In der Religio ir sehen wir das Faktum, daß die Person sich zu einer Ganzheit zusammenfügt. Auch im echten Philosophen ist Totalität, aber das Denken überwälttgt ihn. Tie Enteignung des Augenblicks kann in vierfacher Weise durch die Philosophie erfolgen: durch Hinblick auf die Vergangenheit oder Zukunft, psychologisch oder philosophisch. In dem modernen Ve^uch, den Augenblick zu intimisieren begegnen sich vielleicht Philosophie und Religion. # 5. N achwo r t. Ueberblickt man diese Auseinandersetzungen mit der Religion, so muß zuerst die Freude betont werden, die man dabei empfindet. Von verschiedenen Seiten wird gleichzeitig der Eigenwert und die Unerläßlichkeit der Religion dargetan: Kroner spricht als Denker und Christ (der die Ueberlegenheit des Christentums über das Judentum öfter betont), Scheter (m dieser Schrift) als „atheistischer Metaphysiker", Tschirn als betonter Freireligiöser, Buber als Jude. Der Geist ist es bei den ersten zwei, dessen philosophisch« Sezierung sie geradezu auf die Religion hinfüyrt, die Uebereinsttmmung gewisser Kräfte, Denken, Fühlen, Wollen, Phantasie in der Religion mit denen im Denker ist es bei Tschirn und die Unterschiedlichkeit gerade von Philosophie und Religion ist es bet Buber. So ist Religion Geist, xft; Dreiheit von Wissenschaft, Kunst und Moral, ist gelebte Konkretheit — bei den verschiedenen Verfassern. Die Anklänge an Jüdisches und bei Buber das Jüdische sind deutlich. Gott ist Geist ist unsere grundlegende Lehre, Gott ist gleichzeittg und auch Ethit und Gott will die Tat — sind immer wiederholte Forderungen und Theorien. Aber freilich, auch der Unterschiede werden wir uns bewußt, die für uns in diesen Betrachtungen liegen und der Lücken. Die Wege, auf denen die Forscher zur Anerkennung der Religion kommen, find nicht die, auf denen das Judentum zu ihr kam, und nur die Bewegung der jüdischen Religionsphilosophen wäre hier zu vergleichen. Aber, oft gesagt und doch heute gerade wieder bestätigt und gern gehört, hier liegt die Sicherheit der Religion für uns nicht. Mehr als ile kehren wir zurück zu der Lchre, die „dem Herzen nahe ist", die „ln das Innere gelegt" ward. (Auch Schcler spricht einmal vom Herzen als dem einzigmöglich.en Ort der „Gottwerdung".) Und diese Rückkehr erfolgt nicht zuletzt aus der immer stärker werdenden Einsicht in die Relativität aller Wissenschaft, alles Denkens. Spricht doch Diugler (München^ eben gerade vom „Zusammenbruch der Wissenschaften", von dem nur die Eingeweihten wissen. Und sollte man nicht wirklich bald von der Wissenschaft als der Neuigkeit von gestern reden? Und sieht man nicht, wre dauernd nur eines in ihr ist: der Geist überhaupt, das Streben nach geistiger Tätigkeit. Aber Vertrauen und Sicherheit — dieses religiöse Grundgefühl — kann der Geist nicht gewähren. So bleibt es — und das ist die Lücke diesesmal bei Buber - Bei der Verankerung des religiösen Erlebnisses in der Seele, in der Welt (Natur, Nebenmenfch, Geschichte) und bei dem daraus entspringenden Witten zur Konkretheit, zur Aktivierung. Religion ist Erleben, und Erleben soll Religion werden. Und das ist die spezielle Lage unserer liberalen Auffassung. Es ist deshalb für uns überflüssig, die Darlegungen der Denker im einzelnen — zustimmend oder ablehnend — zu betrachten. Das ist Sache derjenigen, die selbst Tenk-Religiöse sind. Das aber muß erkannt werden: auch sie gibt es und auch in unseren Reihen. Und auch sie müssen als Religiöse, in ihrer Religiosität begrüßt werden, gerade vom liberalen Standpunkt aus. Auch sie sind jüdisch, weil sie religiös sind. Ihr Weg zur Religion sei welcher auch immer und dogmatische Vorstellungen mögen wie auch immer von "Wbformt sein. Es wird von uns abhängen, ob sie jüdisch bleiben. Davon wird es abhängen, ob wir die Religiosität an sich immer mehr als Zentralpunkt jüdischen Erlebens in alter und ältester Zeit begreifen, nein erleben. Verfammlungskalender * Brerlau. Jlt „Abraham Geiger". Hauptgruppe: Mittwoch, den 3. Juli, 20.15 Uhr: Gemütliche« Beisammensein im Knrgarten, Kürassier« straße. — Sonntag, den 7. Juli: Sitzung de« Arbeitsausschusses schlesischer IN«. Frankfurt «. M. Jüdisch-liberale Jugeadgemeinfchast. Samstag, den 29. Juni, 17 Uhr, „Faust", Dr. Hoffman«, Untermainanlage 7. — Jugendgruppe: Samstag, den 29. Juni, Spielnachmittag bei Familie Mofer, Sandweg 39. — Dienstag» den 2. Juli, 29.39 Uhr: Gemütliche» Beisammensein an der Gerbermühle. — Montag, den 8. Juli, 29.39 Uhr: 14 tägige Arbeitsgemeinschaft, Dr. Gottschalk, „Relig. Liberalismus", bei Dr. Hvffmann, Untermainanlage 7. Oppeln. Am 25. Juni Jnstruktions- und Diskussionsabend über die Nordenfche Broschüre. Bei Translateur, Malapanerstraße 17 a. JN-RaWor. _ Mittwoch, den 26. Juni: Lustiger Abend und die letzten Jta- Telegramme. ¥:: Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 28. Juni, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarst ns ky. Sonnabend, vormittags 19 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. S a l o m o n s k i. Berltn-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstraße 7, nahe Reichs« kanzlerplatz). Freitag, 28. Juni, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wilmersdors. Liberale Synagoge Wilmersdors (Cäcilienschule, Nikolsburger Platz). Freitag, 28. Juni, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. K lein. * Die Gottesdienste der vorstehenden drei Liberalen Synagogen fallen im Monat Juli aus. Erster Gottesdienst nach den Ferien, 2. August. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstrahe 16. Sonntag, den *39. Juni, vormittags 19 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Rofenthal. Und aus solchem Erleben auch für uns heute die Folgerungen ziehen, nicht zuletzt die, die geradezu Forderung ist: diese Religiosität an sich immer wieder und gerade bei denen zu spüren und zu finden, die sich gegen „Religion" auflehnen. Haben schon die „Frommen aller Völker Anteil am ewigen Leben" — nach unserem bekannten Satz —, dann doch wohl erst recht und gewiß alle Frommen der Juden. Rassenethik und Individualismus Von Prof. Dr. W. Kinkel, Gießen. Wie bekannt, pflegen die extremsten Vertreter völkischantisemitischer Richtung die sogenannte Judenfrage als Rasfensrage zu behandeln. Es dürfte daher von Interesse sein, einmal kurz das Thema „Rassenethik und Individualismus" zu behandeln. Denn es ist leicht zu sehen, daß die Rassewfanatiker alle im Grunde Individualisten und Naturalisten sind. Cs sind zwei Grund-Voraussetzungen, welche immer und zu allen Zetten den Individualismus beherrschen: 1. die Sittlichkeit wird selbst naturhaft gedacht; das Sittengesetz ist ein Naturgesetz; 2. alle Sittlichkeit endet im Individuum. So finden wir es schon im Altertum. Die Schule der Stoa zeigt bereits beide Lehren deutlich entwickelt: 1. Das Höchste, was der Mensch tun kann, ist, der Natur zu folgen, sich dem Gesetz der Natur unterzuordnen. Denn die Natur ist an sich gut und göttlich. Hier ist der Ursprung sowohl des Naturrechts, wie der Naturreligion — beide hcwen freilich später den Begriff der Natur sehr verändert; sie machten die Natur zu einem Ideal, das erst geschaffen werden muß. Damit ist freilich der ursprüngliche Naturalismus überwunden; so ist es aber noch nicht bei den Stoikern. Und so ist es überhaupt nie bei den echten Individualisten. 2. Die Stoa kennt bereits die Lehre vom geborenen Weisen. Der Sinn der Geschichte und des Menschenlebens liegt hier schon in einzelnen, großen Individuen. Alle Menschen zerfallen nämlich „von Natur" in Weise und Toren. Die Weisen sind die tugendhaften, wertvollen; die Toren die törichten, wertlosen, lasterhaften Individuen. Um der Weisen willen lohnt sichs allein zu leben. In den genannten Sätzen haben wir Kern und Inhalt aller Raffen-Ethik, alles Individualismus. Man wird den Gedankenreichtum ders-lben nicht sehr groß finden; diese ganze Ethik nährt sich von einigen wenigen Borutteilen; und das Vorurteil ist bekanntlich immer weiter von der Wahrheit entfernt äls selbst die Unwissenheit. Wenn uns der Raum zur Verfügung stände, könnten wir die Geschichte des Individualismus vom Altertum bis auf Schopenhauer, Carlyle, Stirner, Nietzsche verfolgen; wir würden immer wieder auf dieselben Grundgedanken stoßen. Wie ist es denn bei Schopenhauer? Der Smn des Lebens, sofern von einem solchen überhaupt gesprochen werden kann, liegt bei den wenigen Genien; um des Genies wegen ist die übrige große Menge, die Fabrikware der Natur, nur vorhanden. Carlyles Heldenverehrung, Stirners Lobpreisung des „Einzigen" und Nietzsches Unterscheidung der Herren- und Sklavenmoral; alles dies ist nur Ausgestaltung und Umgestaltung der stoischen Grundgedanken. Und der Zusammenhang mit der Rassmtheorie? Er liegt klar genug auf der Hand. Der Uebermensch Nietzsches, der Einzige Sttrners, der Held Carlyles, sie sind Äenso Erzeugnisse der Natur Md des Blutes wie der stoische Weise. Uralter, mythischer Mutaberglaube steckt in der Rassentheorie. Der primittve Mensch, am Beginn der Kultur, denkt die Seele des Menschen im Blut enthalten. Daher die Blut-Rache, die Blut- STOliWERO^ iDohlfch mcckc nd k nahrhaft. Brüderschaft usw. Tie erste Gemeinschaft, zu deren Erkenntnis sich der Mensch auffchwingt, ist die Blutsgemeinschaft des Geschlechtes, des Stammes. Bon einer sittlichen Bevpslichtung, die über diese Gemeinschaft, über diese durch den Zufall der Natur geschaffene Bindung des Blutes hinaus ginge, weiß er auf dieser Entwicklungsstufe noch nichts. Und auf dieser ganz primitiven, mythischen Gesinnung beruht die ganze Rassentheorie. Die Kombination der beiden Grundsätze ist dabei leicht: wer meines Blutes ist, ist ein Messer; die anderen sind die Toren. Es ist nicht schwer, zu scheu, daß von eigentlicher Sittlichkeit auf dieser Entwicklungsstufe noch gar keine Rede sein kann. Was ist denn Sittlichkeit? Ist sie nicht in menschlicher Willensgemeinschaft gegründet? Dem Individualismus fehlt jedes Kriterium, jede Möglichkeit, das Gute und Schlechte zu sondern. Woran erkennt man denn, daß dieses oder jenes Individuum zu den Auserlesenen gehött? An Rassenmerkmalen? (Wie etwa die blauäugigen, blonden Bestien, die Übermenschen Nietzsches!) Ja, aber damit schiebt man ja das Problem nur heraus; denn warum sind denn Menschen, die solche oder solche Rassenmerkmale haben, wertvoller und besser als andere mit anderen Merkmalen? Wie will man ihre Ueberlegenheit begründen? Weil sie eine höhere Kultur haben? Nun, das würde selbst erst zu erklären sein. Wann ist denn eine Kultur höher äls eine andere? Wenn sie mehr für die Menschheit leistet. Einverstanden! Aber damit ist der Rassenstandpunkt prinzipiell verlassen. Denn jetzt liegt das Kriterium, woran ich das Sittliche, das Wertvolle erkenne — in der Menschheit, in der höchsten, umfassenden Willensgemeinschast. So treibt, bei vernünftiger, vorurteilsloser Betrachtung, die Rassenethik über sich hinaus. In Wahrheit beruht sie nie auf Vernunft und Einsicht, durch die sie ja vielmehr zerstört und überwunden wird; alle Rassen-Ethik beruht auf mythischen und klassenmäßigen Vorurteilen. Es ist begreiflich, daß jeder Vertreter einer solchen Ethik sich selbst zu den Genies, den Uebermenschen rechnet; aber die Begründung, die Rechtfertigung, wo liegt sie? Vorurteil, nichts weiter. Es gibt nicht auf der einen Seite Herrenmenschen oder Herrenrassen, in denen die Geschichte gipfelt, auf der anderen Sette die „Viel zu Vielen", die Vertreter der Sklavenmoral und „Fabrikware der Natur"; vielmehr ist jeder, der Menschenantlitz trägt, bestimmt, an seinem Teile die Idee der Menschheit zu verwirklichen. Jubiläum Am 1. Juli begeht Herr Alexander Weinbaum, Chordirigent der Synagoge Lützowstraße, wie wir bei Redaktionsschluß erfahren, sein 25 jähriges Dienstjubiläum. Weinbaum, dessen Wirken wir in der nächsten Woche noch ausführlich würdigen werden, hat sich insbesondere auch Verdienste durch die Veranstaltungen der vereinigten Synagogenchöre Groß-Berlins erworben. » Sprechsaal * ffbr diese Rubrik übernimmt die Schristleitung lediglich die peeh« aeleklicbe Derantwortuua. Die Tagung des Frauenbundes An Berlin, den 24. Juni 1929. die Redaktion der Jüdisch-liberalen Zeitung Berlin SW. 48. Wilhelmstraße 147. In dem Bericht über unsere Jnbiläumstagung, der in Ihrem geschätzten Blatt erschienen ist, enthält die Wiedergabe meines Vortrages einige sachliche Jrrtümer, um deren Berichtigung ich Sie bitte. Zunächst stellt die Mitgliedszahl unseres Bundes — gegen 52 000 Frauen — nicht über ein Drittel, sondern über Vs der der jüdischen Frauen Deutschlands dar. Ferner sagte ich — abweichend von der Wiedergabe —, daß, wo das Fehlen der Jugend und der berufstätigen Frauen in unserem Bunde eine Zeit- und Stosfrage sei, die Abstellung verhältnismäßig leicht wäre; verheiratete Frauen können selten ihre Abende, Berufstätige nur ihre Abende hergeben. Ich meinte schließlich, daß es sich bei den Fragen der Reform der Anstaltserziehung im wesentlichen um Fragen der Erziehung schlechthin und nicht nur um Fragen der Anstaltsmethodik handelt, während Ihr Bericht es umgekehrt darstellt. Mit größter Hochachtung H. Karminski. Der Iugendgottesdienst an den Hohen Feiertagen Als am 20. April 1889 in der Neuen Synagoge zu Berlin der erste Jugendgottesdienst stattsand, betrachtete die Jüdische Gemeinde seinen Erfolg als ein Allheilmittel gegen die schon damals — allerdings nur undeutlich — erkennbare religiöse Verwilderung der Jugend. Tausende von Kindern hatten sich eingesunden; alle Ränge und Emporen waren gefüllt, so daß sogar die Tagespresse über diese anscheinend verheißungsvolle Neuordnung berichtete! Noch vor dreißig Jahren war z. B. der Tempel Lindenstraße beim Jugendgottesdienst am Sabbatnachmittag von Hunderten junger Juden und Jüdinnen besucht. Heute haben diese — notwendigen — Gottesdienste ihre Beliebtheit eingebüßt. Sport und Spiel, Klavierstunden, Wochenendfahrten, Heimabende usw. entziehen ihm die Besucher. Ja, wenn die jüdischen Religionslehrer die Macht hätten wie die katholischen Geistlichen, die den Kindergottesdienst auf Sonntags ftüh 8 Uhr ansetzen und hier alle ihre Zöglinge um sich sehen! In der Synagoge Lützowstraße finden kein« Jugendgottesdienste mehr statt; an ihrer