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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-06-19 · 25 (19.6.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
25 (19.6.1929)
Date
1929-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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der Frauenvereine über den engen Kreis der Gemeinde hinaus ins Allgemeinbewußtsein gehoben wird. Fräulein Frieda Weinreich, Referentin der Zentratwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, sprach über Soziale Arbeit als Beruf. Sie ging von den Gründen aus, welche die charitative soziale Arbeit zur beruflichen Arbeit geführt haben: Tie Frauenbewegung, die Ausbreitung des Arbeitsgebietes und die sachliche Berufsausbildung, deren Anfänge 30 Jahre zrrrückliegen. Arbeitsfeld und Arbeitsinhalt ist: die Gesundheitsfürsorge, die Jugendwohlfährt und die Wirtschaftsfürsorge. Erwähnt werden sodann die Berufsmöglichkeitm in allen drei Gebieten. Sehr ausführlich wurde sodann die Art der Arbeit und das Arbeitsfeld der Fürsorgerinnen geschildert. Tie menschlichen und die fachlichen Voraussetzungen, die Vor- und Ausbildung, die mjt der staatlichen Anerkennung abschließt, wurden eingehend behandelt. Tie Rednerin schildert schließlich noch Gefahren der Arbeit, als deren schlimmste sie die Abstumpfung und Fatalismus bezeichnet. Besonders betont wurde, daß die ehrenamtliche Arbeit neben der beruflichen nickt entbehrt werden kann, aber sie muß Hand in Hand gehen. Besondere Anforderung an die jüdische Fürsorgerin stellt die Eigenart der Arbeit an den ausländischen Juden. Eine Umfrage hat ergeben, daß von den in Teutschland arbeitenden jüdischen Bernfskräften nur die Hälfte sachlich vorgebildet ist und auch nur die Hälfte die staatliche Anerkennung besitzt. Tie Urlaubsregelung ist im großen und ganzen nicht schlecht. Jedoch die Altersversorgung liegt noch sehr im argen.! Es folgte eine sehr lebhafte Tiskussion, die zuw Teil historisches über die Bedeutung der jüdischen Frauenvereine brachte, zum Teit die Notwendigkeit der Unterstützung der jüdischen Frauenarbeit in beu kleinen Städten und au; dem Lande darlegte. Vorgeschlagen wurde u. a., daß die Vereine aus dern Lande sich zu Landvereinen zusammenschticßeu sollen, daß die größeren Kulturarbeit an den kleineren Vereinen leisten sollen, eine Anregung, die Pommern bereits verwirklicht hat. Frau Vogelstein-Breslau sprach für die Angestellten-Versicherung. Es sei die größte Sorge ihres Lebens, für zwei Kategorien, die aus ihren Vereinen ausgetretenen Krankenschwestern und die Büroangestellten zu sorgen. Ueber die Weltkonfcrenz jüdischer Frauen in Hamburg berichtete in großen klaren Zügen Frau Helene Meyer-Stargard. Wir haben in der vorigen Nummer bereits ausführlich über den Verlauf dieser Tagung berichtet. Bevölkerungspolitik. Ter Tienstag Nachmittag war zwei wissenschaftlichen Referaten gewidmet. Fräulein Professor Tr. Selma Mcyer- Tüsseldorf ging m ihrem Vortrag über die bevölkerungspolitischen Aufgaben der jüdischen Frauen in Teutschland von der Feststellung von Moritz Lazarus aus, daß der jüdischen Frau die völlig rätselhafte Erhaltung des Judentums zu danken sei. Tiefe Feststellung enthalte die Anerkennung öer einzigartigen bevölkerungspolitischen Stellung unserer Mütter und Urmutter. Tas Judentum sei eigentlich ein Anachronismus. Während alle andern Völker des Altertums den Tod der Völkervermischung gestorben seien, untergetaucht seien ln den stärkeren Gcnotypus des Eroberervolkes, und nur Denkmäler aus Stein von ihrem Dasein Kunde gäben, haben die jüdische Frau trotz. Feuer und Schwert, trotz Inquisition und Verfolgung die Vermischung nicht mitgemacht, dt hat, gestützt aus eine würdige Stellung innerhalb der Familie und der Gemeinschaft das „Seid fruchtbar" wörtlich genommen, hat viele, hat jüdische Kinder geboren und hat sie gelehrt, Priester ihres Gottes zu sein. Ties habe sich leider geändert. Tie Zahlen reden eine erschütternde Sprache. Tie Taufen, Mischehen, Austritte zehren am Mark des Judentums. Ter Geburtenrückgang ist keine jüdische, ist eine allgemeine Verfallserscheinung, die aber hier besonders schwere Folgen hat. Fast ein Viertel aller jüdischen Männer bleibt ehelos Tw späte Eheschließung durch eine lange Ausbildungszeit ist eine Folge wirtschaftlicher Schwierigkeiten Tie Geburtenbeschränkung entspricht zwar oft einem starken Berantwortungsbewußtsein gegenüber den Kindern, denen man eine bessere Erziehung und Lebenshaltung ermöglichen möchte, als es unter dem Drucke der Not bei größerer Kinderzahl der Fall sein könnte Sst wrrd aber in der Gegenwart oft auch ohne wirtschaftliche Not ausgeübt Man sei egoistischer in Bezug aus den eigenen Lebensgenuß geworden Gewollte Kinderlosigkeit ist physiologisch und psychologisch eine Unüatur Im Judentum galt sie als Tragik, wurde von jüdischen Müttern als Fluch empfunden. Das Einkindersystem war in einer besonderen Form, der der einzigen Tochter, bei den Juden viel verbreitet. Ein einziges Kind wächst unter anormalen Verhältnissen heran. Tas Zweikindersystem garantiere nicht einmal den Bestand einer Familie, geschweige denn unserer jüdischen Gemeinschaft. Tie Rednerin wünscht allerdings nicht Vermehrung um jeden Preis. Nur soviel Kinder, wie die Frau mit Freude und in Ruhe aufziehen kann, solle sie zur Welt bringen. Hier setzt das Zentralproblem der bevölkerungspolitischen Fürsorge ein. In erster Linie gilt es der Raumnot durch Beschaffung von Wohnungen, anderen MiUtänden durch Maßnahmen der Jugendwohlsahrt abzuhelfen, die im wesentlichen als Ergänzung der staatlichen und kommunalen Hilfe in Angriff gmommen werden müssen. Als weitere Forderung bevölkerungspolitischer Maßnahmen nennt Professor Meyer die Erleichterung der jüdischen Eheschließungen und die Sorge um die Qualität des Nachwuchses. Nach sehr interessanten Ausschlüssen über die Träger der Vererbung und die Bedeutung der Erbanlagen, erschloß die Rednenn aus den mitgeteilten Tatsachen die ungeheure Verantwortung gegenüber der kommenden Generation durch die Wahl des Ehepartners. Tie jüdische Frau habe ein Erbgut zu hüten und zu wahren. Ta die Ausmerzung der Untauglichen heute noch unmöglich sei, so müsse umsomehr Gewicht aus die Auslese> der Tüchtigen gelegt werden. Ein besonderes Gebiet der Gesetzgebung zum Schutz nnv zur Erhaltung bedrohten Lebens behandelte Fräulein Rechtsanwalt Tr. Margarete Bereut in ihrem Vortrage '„Neuere Gesetzentwürfe zu Fragen der Bevölkerungspolitik". Sie beschränkte sich im wesentlichen aus den Gesetzentwurf über die rechtliche Stellung des unehelichen Kindes, einen Entwurf, der für die jüdische Gemeinschaft von großer Bedeutung sei, da die Zahl der unehelichen Kinder bei den Juden in demselben Umfange wie in der nichtjüdifchen Bevölkerung wachse. Tu dre Sterblichkeit der Mischen ehelichen Kinder geringer ist als die der unehelichen, deren Sterblichkeit die der nichtjüdischen übertrifft, läßt sich ein geringerer Schutz der jüdischen Nichtehelichen erkennen. Besonders zu beachten ist die Gruppe der Kinder aus nur rituell getrauten Ehen, ★: Versammlungskalender LresllM. JU „Abraham Geiger". Hauplgruppe: Sonntag, den 23. Juni: Zobten-Wanderung. Treffpunkt pünktlich 7.30 Uhr am Haupteingang des Hauptbahnhofs. Sonntagsfahrkarte 3. Klaffe bis Ströbel 2,10 Mk. Abfahrt 8 Uhr. — Iüngeren-Gruppe: Donnerstag, den 27. Juni. 16.15 Uhr, bei Dr. Cohn, Augustastraße 51: Aussprachenachmittag mit einleitendem Reserat: „Formgebung in der Architektur". Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. Samstag, den 22. Juni 1929: Spaziergang. Treffpunkt 15.30 Uhr Haupteingang Hippodrom. Dienstag, den '25. Juni, 20.45 Uhr: Heimabend. Marianne Steinberg: „Meine Eindrücke in Amerika". Sitzungszimmer der Westendsynagoge. Samstag, den 29. Juni, 17 Uhr: „Faust". Dr. Hossmann, Untermckinanlage 7. Jugendgruppe. Samstag, den 29. Juni, Spielnachmittag bei Familie Moser, Sandweg 30. Mannheim. Mittwoch, den 19. Juni, abends 8.30 Uhr, Generalversammlung der Jüdisch-liberalen Vereinigung im Gemeindehaus M. 6. 12. 44-44+444»44»»*»»»»»44+4»44»»44»44444 4»»444 44»«44»4»»»444-»4»4 | * I Gottesdienste f *;; .. ♦ .♦...** Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 21. Juni, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rckbbinatskandidat K r a tz e n st r i n. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berltn-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstraße 7, nahe Reichskanzlerplatz). Freitag, 21. Juni, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Klein. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cäcilienfchule, Nikolsburger Platz). Freitag, 21. Juni, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. die nicht immer in den deutschen Gesetzen als eheliche Künder betrachtet werden. Tie Tendenz des Entwurfes gehifdahin, die Stellung des unehelichen Kindes, das im alten Gesetz, mit seinem Vater überhaupt nicht verwandt war, der -der ehelichen anzugleichen. Die Unterhaltungspflichten des Vaters sind gegenüber dem geltenden Recht verstärkt. Sie gilt über das 16. Lebensjahr hinaus, wenn das Kind in der Berufsausbildung steht. Daß dem Vater in gewissen Fällen die Sorge für die Person des Kindes und auch die elterliche Gewalt übertragen werden kann, bedeutet ein Problem, da es die Stellung der Mutter gefährden kann. Nach jüdischer Anschauung gehört das Kind zur Mutter, deren Religion es auch folgt. Das Problem der zweifelhaften Vaterschaft bei Mehrverkehr läßt sich nicht restlos lösen, ehe nicht auf Grund biologischer Tatsachen die Vaterschaft einwandfrei bestimmt wird? Tie Heranziehung von mehreren liegt durchaus im Sinne der stärkeren Verantwortung. Schließlich, erörterte Fräulein Tr. Berent noch die Frage der Adoption, die erleichtert werden soll und die der Pflegekindschast, die der Entwurf regelt. Hiermit schlossen die offiziellen Sitzungen. Mit einem Tank an die Presse, die so getreulich ausgehalteu habe undj dem Tanr an die lieben Berliner Frauen und ihrer aufopfernden Ftthrerrn, Frau Falkenberg, beendete Frau Brenner die Beratungen. An die Tagung schloß sich eine Reihe von Kommissionssitzungen und eine geschlossene Telegiertentagung au Jüdische Frauen im Ausland. Ten Abschluß und Höhepunkt der offiziellen Tagungen des I F.B. bildete die unter Leitung der Frau Paula ONendorfs stehende Kundgebung am Tienstag Abend im Herrenhause Führende Frauen aus England (Frau Henriaues-New?)ork), Holland (Frau Schwimmer-Amsterdam, Frau Polak-Haag), Amerika (Frau Estelle Sternbergcr), Schweiz (Frau Abraham-Zürich), Polen (Frau Dr Reichenstein-Lemberg), Palästina (Frau Helene Hanna Thon-Jerusalemberichteten über jüdisches Leben in ihren Ländern, die Stellung der jüdischen Frauen, ihre Leistungen auf sozialem Gebiet und über die Organisationsformen und Einrichtungen sozialer Frauenarbeit. In fast jedem Lande liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf einem anderen Gebiete: so ist es in England die jüdische Settlementsidee, die kulturelle und Seelenarbeit an den Kindern der Einwanderer aus dem Osten, die durch „den Wunderrabbi" und die Cheoermethode so erschwert werde. In Polen ist es die Idee der konstruktiven Hilfe: Berufsumschichtuna, landwirtschaftliche und industrielle Berufsbildung und hausfrauliche Erziehung, in Palästina gilt es aus dem brodelnden Kessel, in dem sich Orrent und Okzident, Mittelalter und neueste Zeit treffen, eine ganz neue Volksgemeinschaft mit einer Sprache zu schaffen. Tie Frauen in Holland und in der Schweiz sind dabei sich in tnr ähnlichen Art zu organisieren wie der jüdische Frauenbmld in Teutschland. In diesem Lande der Toleranz und Gastfreundschaft nimmt die Arbeit für die notleidenden Juden des Ostens und für Palästina einen weiten 'Raum ein. Ta die Orthodoxie als einzige offizielle Form des Judentums gilt, waren viele fortschrittlich Denkende ihrer Religion entfremdet worden. Hier muß wieder neu aufgebaut werden. Eine ganz besondere Stellung nimmt Amerika ein. Tort beherrscht die Idee des Weltfriedens alles Tun und Streben der jüdischen Frauen, ihre Arbeit ist zum Teil bester ausgebaut als in den andern Ländern, — z. B. die Berufsumschichtung und die Mädchen- und Frauenschutzarbeit. Durch! Radio wird jüdischer Gottesdienst in die fernste Farm getragen. Der Tank der Versammlung an die Begründerin und Präsidentin des neubegründeten Frauenwettbundes, Frau Rebekka K oh nt-New Aork, wurde von der Leiterin Frau Paula Ollendorff zum Ausdruck gebracht. Frau D r. E s ch e l - bach er, die Seniorin des J.F.B., schloß die große Versammlung, die den interessanten Reden mit größter Ausmerkfamkeit folgte, mit einem Hinweis auf den Jüdischen Fnedensbund, der einen Schritt zum ersehnten Ziel des Weltfriedens bedeute. Am nächsten Tag folgte eine geschlossene Delegiertentagung, in der im Anschluß an den von der Geschäftsführerin Hannah Karminski erstatteten ausführlichen Geschäftsbe- 5>TOÜ:WERO{ Wohlschmeckend. nahrhaft. rickt, an den Kassenbericht, den Frau Hel. Meyer-Starg a r d in vorbildlicher Weise abstattete und die erfreulich kurzen und klaren Kommissionsberichte eine lebhafte Aussprache stattfand. Besonders über Organisationsfragen herrschte bei der Besprechung verschiedener Anträge erhebliche Meinungsverschiedenheit. Aber alles auch die von Spannung begleitete Wahl erledigte sich schließlich in Frieden und Eintracht. Allgemeiner guter Wille, das Bewußtsein, verantwortlich zu handeln und das frohe Gefühl, mit so vielen treuen und arbeitsfrohen Genossinnen den Weg der heiligen Gemeinschastspslicht zu gehen, einen Weg, den Wort und Wirken der Führerinnen wiesen, dies alles gab der Jubeltagung des Bundes das beispielgebende Gepräge. Mitarbeit und Unterstützung weitester Kreise mögen seiner Arbeit die Wege ebnen, damit ti sein Hilfs- und Erziehungswerk segensreich weiterführe. Paula Ollendorff hatte diese Kundgebung in vorbildlicher Weise geleitet und krönte ihr klärendes und doch vermittelndes Wirken während der ganzen Tagung durch warmempfundene Dankesworte an alle Rednerinnen, deren jeder sie voll gerecht wurde. Sie war die schönste.Verkörperung des Gemeinschaftsgeistes, in dem der jüdische Frauenbund sein Wirken entfaltet. ' Hanna Cohn-Tor n, Hannover. Umschau Die nationalarabische Bewegung in Palästina. Im Haaretz vom 19. Mai veröffentlicht R. Mosseri, wie wir der in Wien erscheinenden Zeitschrift „Die neue Welt" vom 13. 6. entnehmen, einen interessanten Artikel über die Entwicklung der arabischen Jugendverbände in den letzten Jahren. Er schildert ihren Ursprung, der auf dem Konflikt zwischen der älteren Führergeneration, die den Jungen keine Berücksichtigung schenkte, zurückzuführen ist, und berichtet dann im einzelnen über die verschiedenen Strömungen, die sich in diesen Vereinigungen geltend machten. Im inneren Leben der jungen arabischen Generation spielten die Probleme der der Uebergangsperiode, in der sich das gesamte soziale und kulturelle Leben des Orients befindet, naturgemäß eine große Rolle. Tie Organisation der Verbände sei nach dem religiösen Bekenntnis in christlichen und mohammedanischen Vereinen erfolgt. Bisher sei der Versuch der radikalen Elemente, eine Politisierung der Vereinigungen zu erreichen, noch jedesmal auf den Konferenzen abgelehnt worden, da man den zerstörenden Einfluß der politischen Arbeit auf den Bestand der Verbände fürchte. Doch sei gerade in letzter Zeit eine verstärkte Tätigkeit der radikalen Elemente festzustellen. In Jaffa habe vor einer Woche eine Konferenz der radikalen Gruppe stattgesunden, bei der eine Partei auf der Grundlage folgender Forderungen gegründet werden sollte: 1. absolute Selbständigkeit des Landes. 2. Aufhebung der Balfour- Deklaration. 3. Konstituierung einer nationalen, vor einem Parlament verantwortlichen Regierung, und 4. Abzug der Engländer von Palästina. Es sei noch nicht bekannt, welches Ergebnis diese Zusammenkunft gehabt habe, aber es sei jedenfalls klar, daß sich die national-arabische Bewegung in Palästina an einem Wendepunkt befinde. Tie Stundes des Entscheidungskampfes zwischen den konservativen Führern der alten Generation, die in den toten Körper der arabischen Exekutive neuen Geist einzuhauchen versuchten, und der Jugend, die sich einen neuen Weg suche, sei gekommen. * Sprechsaal Für tiefe Rubrik übernimmt die Echristleitung lediglich die pechaeleklicbe Derantworüwa. Aufbau und Kritik Nr. 21 der „Jüdisch-liberalen Zeitung" ist in mancher Hinsicht interessant und lehrreich. Vor allem die Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Wilde-Magdeburg verdienen stärkste Beachtung. Sie weisen den Weg zu aufbauenden Reformen, die von innen heraus sich legittmieren. Bei der Barmizwahfeier in der Synagoge — ebenso wie bei der Einsegnung der Mädchen — ist es wesentlich, daß das Kind im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht. Das Aufrufen zur Thora — möglichst feierlich gehandhabt —, die Predigt, ja die ganze Ausgestaltung des Gottesdienstes müssen immer wieder auf den einzusegnenden Knaben resp. der Mädchen Hinzielen. Es ist jedoch nicht genug, daß das Kind das Bewußtsein hat, einen Tag oder vielleicht nur einige Stunden dieses Tages in religiöser Verbundenheit mit seinem Judentum zu sein. Darüber hinaus sollte dem Kinde und auch den Eltern die dauernde Verklammerung des Einzelnen mit der Gemeinde durch einen symbolischen Akt näher gebracht werden. Ich habe daher in meiner Gemeinde eingeführt, daß nach der Ansprache des Predigers der Knltusvorsteher der Gemeinde das Vorlesepult betritt und dem Knaben die Glückwünsche und die Hoffnungen der Gemeinschaft ausspricht. Zugleich überreicht der Repräsentant der Gemeinde dem Kinde ein Buch sowie den mit einer künstlerisch ansgestatteten Widmung verschenen schriftlich niedergelegten Text der Ansprache des Predigers. Weiterhin erwähnt Herr Dr. Wilde, daß es wünschenswett wäre, daß der Rabbiner, auch ohne zu singen oder singen zu können, am hebräischen Teil des Gottesdienstes stärker beteiligt wäre. Hier darf vielleicht gefragt werden, was * i ) r i t: j. \ « i i 1 \ ■ i l f s Ü i i

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