Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 24 (12.6.1929)
- Date
- 1929-06-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Baeck aus Berlin Rücksprache zu nehmen. Er habe dann auch mit Herrn Rabbiner Dr. Baeck gesprochen und Herr Rabbiner Tr. Baeck habe erklärt, daß er den Schritt, den er plane, vollkommen verstehe und auch billige. In dem Bericht über die Repräsentantenvcrsammlung vom 29. April, der in der letzten Nummer der Ge« meindezcitung erschienen ist, sei zu diesem Punkte eine andere Darstellung gegeben worden. Diese Darstellung sei mißverständlich, wie Herr Tr. Baeck nachträglich in einem Briefe an ein befreundetes liberales Gemeindemitglied ausdrücklich festgestellt habe. Nach dem Referat des Herrn Lauter entspann sich eine lebhafte Diskussion, die ihren Niederschlag in einer mit überwältigender Mehrheit gefaßten Resolution fand, in der die Mitglieder des Jüdischliberalen Gemeinde-Vereins den Schritt der Herren Lauter, Alsberg und Strauß billigten und ihnen ihr volles Vertrauen aussprachen. ' Dann wandte man sich der Frage zu, weiche Folgerungen aus dem Verhalten der Gegner zu ziehen seien, die entgegen ihren Zusicherungen nach den letzten Wahlen nur von Frieden sprächen, wenn man in allen Punkten nachgebe, aber nicht daran dächten, selbst durch Entgegenkommen den Frieden zu fördern. Es wurden eine Reihe von Möglichkeiten erörtert: so der Austritt aus der Gemeinde und die Gründung einer neuen liberalen Gemeinde, die Bildung einer liberalen Gemeinde innerhalb der alten Gemeinde und das Verbleiben in der Gemeinde, bis die Gegenseite einsehen würde, daß sie durch ihr Verhalten die Gemeinde zum Ruin führen tverde und die Voraussetzungen für ein gedeihliches liberales Gemcindeleben gegeben seien. Bei der grundlegenden Bedeutung, die diese Fragen nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für jedes einzelne Gemcindemitglied, ja sogar für weitere Kreise des deutschen Judentums besitzen, beschloß man, einen neungliedrigen Ausschuß zu wählen. Dieser Ausschuß soll innerhalb vier Wochen nach Prüfung aller Verhältnisse bestimmte Vorschläge machen, welche Folgerungen aus der augenblicklichen Lage der Duisburger Gemeinde zu ziehen wären und gezogen werden müßten, und dabei auch die Frage des geschlossenen Austritts und gleichzeitig die Gründung einer neuen Gemeinde prüfen. Frankfurt a. M. (Hohes Alter.) Am 17. Juni vollendet unser langjähriges und geschätztes Mitglied, Herr Justizrat Dr. Fritz Meyer, Frankfurt a. M., Rxuterweg 79, in seltener geistiger und körperlicher Frische sein 80. Lebensjahr. Herr Justizrat Dr. Meyer geht noch täglich seinem Beruf nach und versieht mit jugendlicher Energie eine große und altangeschene Praxis; überhaupt dürfte der Jubilar, wenn nicht der älteste, einer der ältesten, noch eifrig im Beruf tätigen Rechtsanwälte Deutschlands sein. Frankfurt a. M. (Todesfall.) Hier starb im besten Mannesalter der durch seine ersprießliche pädagogische Tätigkeit geschätzte Rabbiner und Religionslchrer Dr. Benjamin May. Zwei Jahrzehnte hat er hier mit großem Geschick und auch bemerkenswertem Erfolg die religiöse Erziehung an höheren Schulen geleitet und die Jugend für die Ideale unserer Religion zu begeistern verstanden. Liebe und Achtung wurden ihm bei jung und alt entgegengebracht. Dies bestätigte auch die starke Beteiligung bei der Bestattung der irdischen Hülle Dr. Mays, dessen Andenken im Herzen seiner Freunde und zahlreichen Schüler weiter leben wird. Hamburg. (Jüdische I u g c n d b e ca t u n g.) In nächster Zeit wird die jüdische Jugend Hamburgs durch Plakate folgenden Wortlauts auf das Bestehen einer Jüdischen Jugendberatung aufmerksam gemacht werden: „Jüdische Jugendberatung! Schüler und Schülerinnen, Jungen und Mädchen aller Berufe! Wenn Ihr beschwert seid durch irgendwelche Sorgen, Nöte, Erlebnisse oder Vergehen und alleine keinen Ausweg seht, wenn Jhrj keinen Freund und Vertrauten habt, der Euch helfen kann, kommt zur Jüdischen Jugendberatung! Dort findet Ihr V e r - ständnis, Rat, Hilfe bei einem Berater aus der jüdischen Jugend, dem eine Reihe weiterer fachmännischer Berater und Beraterinnen zur Verfügung stehen, an die er Euch, lvcnn Ihr es wünscht, und wenn es nötig ist, empfehlen kann. Ihre Wohnung und Sprechstunden könnt Ihr auch bei der Geschäftsstelle erfahren. — Wenn Eure Freunde in Not sind, schickt auch sie zur I ü d i s ch e n Jugendberatung! Ihr werdet unentgeltlich beraten; Euren Namen braucht Ihr nicht zu nennen; volle Verschwiegenheit wird Euch zugesichert. Gegen Euren Willen erfährt kein Dritter, was Euch bedrückt, und daß> Ihr bei uns wart. Die Beratung findet statt am Dienstag von 191/4 bis 201/4 Uhr (714 bis 814 Uhr) bei Marx, Alstcrchaussee 3, 1. Stock. Jüdische Jugendberatung Hamburg. Geschäftsstelle: Hamburg 13, Grindclhof 85, III (Haus Löwcnberg). Sprechstunde: Donnerstag 18('L> bis 191/2 Uhr (6'4 bis 7(/2 Uhr)." Die Beratung geht von dem Gedanken aus, daß für unsere Jugend, die sich in einer wie auch immer gearteten Not befindet, ein Ohr da sein muß, das sich ihr öffnet, eine Hand, die hilfreich zugreift. Jede Not soll beraten werden: körperliche und seelische, berufliche und erziehliche. Es soll versucht werden, die Beziehungen des Jugendlichen zu seiner Umwelt, sei es der Chef im Geschäft, der Lehrer in der Schule, der Vater oder die Mutter im Hause, dort, wo sie häßlich sind und den Jugendlichen drücken, erträglich zu gestalten. Unbesonnenheiten, wie z. B. Straftaten, sollen nach Möglichkeit unter der Mitarbeit des Jugendlichen wieder gut gemacht werden, damit er nicht sein Leben lang unter ihnen zu leiden hat. Die körperlichen (sexuellen) und die seelischen Nöte, da wo sich der Jugendliche zu sehr von ihnen bedrückt fühlt, will man zu lindern versuchen. Die Beratung ist getragen von der jüdischen Jugend Hamburgs, so daß jeder ratsuchende Jugendliche Verständnis bei dem Berater finden wird. Um aber der Vielfältigkeit der zur Beratung gebrachten Fragen gewachsen zu sein, steht dem Berater ein Kreis von Fachleuten zur Verfügung, an die er die Jugendlichen mit ihrem Einverständnis empfehlen kann. Die Adressen dieser Berater und Beraterinnen sind auch in der Geschäftsstelle zu erfahren. Die Beratung ist k 0 st e n l 0 s und streng vertraulich; es rverden keine Akten angelegt; die Beratung findet in Privatwohnungcn statt, so daß kein Dritter erfährt, daß der Jugendliche in der Jugendberatung war. Die Beratung findet statt: Dienstag 1914 bis 20(4 Uhr (7(4 bis 8(4 Uhr) bei Marx, Alsterchaussee 3, 1. Stock. Tic Geschäftsstelle befindet sich: Grindclhof 85, 3. Stock (Hans Löwenberg), Sprechstunde: Donnerstag 18(4 bis 19(4 (6V2 bis 7^/z) Uhr. An die Geschäftsstelle können auch schriftliche Anfragen gerichtet werden. Hörde. (Jubiläum.) Am 2. Juni beging Frau Emma Hertog ihr 2ö jähriges Jubiläum als Vorstandsmitglied des Israelitischen Frauendereins. Der im 80. Lebensjahre stehenden, geistig und körperlich überaus noch regsamen Jubilarin wurden von nah und fern zahlreiche Ehrungen zuteil. Die Gemeinde veranstaltete ihr zu Ehren einen Festgottesdienst, in dem Prediger Stern den Dank und die Glückwünsche des Frauenvereins und der Gemeinde in warmen Worten zum Ausdruck brachte. Kassel. (75. Geburtstag.) Am 10. Juni vollendete Justizrat Dr. M. Rothfels sein 75. Lebensjahr. Im jüdischen Gemctndeleben wie in der allgemeinen Oefsentlichkeit hat der heute noch in vielen Ehrenämtern Wirkende seine Kraft und Fähigkeiten in den Dienst vieler gestellt. Wenn seine Auffassung auch nicht immer und überall von der Gesamtheit geteilt wurde, so beweist die Viel»- seitigkeit und Ausdauer seiner gemeinnützigen Betätigung doch das Streben nach Erhaltung bestehender religiöser Einrichtungen, nach Betätigung zum Wohle leidender und bedürftiger Volksgenossen. Dem Vorsteheramt der Israeliten gehört er 45 Jahre an; fast 25 Jahre hat er als dessen Vorsitzender seine Entscheidungen richtunggebend beeinflußt. Ein halbes Jahrhundert ist er Mitglied des Krankenpflege- und Armenvereins und Ehrenmitglied derselben. Er hat den Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Berlin begründen helfen und fördert als eifriges Mitglied der Kasseler Ortsgruppe seine Ziele noch heute bei jeder Gelegenheit. Außerdem gehört Tr. Rothfels dem Vorstand des jüdischen Schwesternbundes, der Ferienkolonie, der Volksküche, der Gesellschaft für Gemeinwohl, des Roten Kreuzes und anderer sozialer Verbände an. Er ist Vorsitzender des Vereins gegen Verarmung, Schriftführer im _ Frauenbildungsverein und übt alle diese Ehrenämter mit Gewissenhaftigkeit und Treue aus. Bei der Vielseitigkeit seines gemeinnützigen Schaffens konnte cs dem Fünfundsiebzigjährigen auch an umfassenden Ehrungen und Aufmerksamkeiten nicht fehlen. Köln. (Ausbau der I a w n e - S ch u l e.) In diesen Tagen wurde der neue Direktor der Jawne-Schule, Herr Dr. Klibansky, feierlich in sein Amt eingeführt. Die Jawne-Schule bezweckt die Erziehung der Jugend zur Gesetzestreue und Religiosität. Nach den Begrüßungsreden des Kuratoriumsvorsitzenden Rabbiners Dr. Rosenthal, des Schulvereinsvorsitzcnden I. van Cleef, sowie einer Reihe weiterer Vertreter jüdischer Organisationen hielt Dr. Klibansky seine Einführungsredc über grundsätzliche Fragen der Pädagogik. Mit großem Nachdruck setzte sich der Redner für den Gedanken der konfessionellen Schule ein. . Limburg. (8 0. Geburtstag.) Kaufmann M. Jsselbächer feierte in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Als Vorsteher der israelitischen Gemeinde hat sich der Jubilar in 44 jähriger Tätigkeit mancherlei Verdienste um seine Heimatgemeinde erworben. Darum wurden ihm an seinem seltenen Ehrentage auch als Ausdruck des Dankes viele Aufmerksamkeiten zuteil. Stuttgart. (Sitzung des Israelitischen V 0 r st e her - a m t s.) Nach der Gottesdienstordnung für die neue Synagoge zu Stuttgart vom Jahre 1861 ist das Umhängen eines Gebetmantels (Tallis) ^iur dem Rabbiner und dem Vorsänger als ein Teil ihrer Amtstracht gestattet, den übrigen ist solches verboten. Eine Eingabe aus der Mitte der Gemeinde, die in der Sitzung des Israelitischen/ Gemcinderätes vom 5. Juni behandelt wurde, sucht darum nach, die fakultative Einführung des Tallis zu gestatten. Diesen Bestrebungen ivcrden von der Vereinigung für das liberale Judentum, Ortsgruppe Stuttgart, aus der Befürchtung, daß hiermit mit einer Verorthodoxierung der Gemeinde der Anfang gemacht werde, Widerstand entgegengesetzt. Die zur Beratung der Frage eingesetzte Kommission konnte sich auf eine beiden Richtungen in der Gemeinde Rechnung tragende Lgsung nicht einigen. Sie stellt mit Rücksicht auf die im Dezember dieses Jahres stattfindenden Neuwahlen den Antrag, die gesamten mit der Tallisangelegcnheit zusammenhängenden Fragen zu vertagen und die Entscheidung dem neuen Plenum vorzubehalten. Dieser Antrag wird abgelehnt und die Gottesdienstkommissiou mit der Weiterberatung betraut. Bei der Sitzung der Konferenzgemeinschaft der Großgcmcinden, welche am 23. Juni in Berlin stattfindet, wird voraussichtlich Rechtsanwalt Dr. Flegenheimer die Gemeinde Stuttgart vertreten. Der Konferenzgemeiuschaft wird vorgeschlagen, Antrag Rechtsanwalt Dr. Tänzer auf die Tagesordnung zu setzen: „Die Konferenzgemeinschaft der Großgemeinden möge Bestimmungen zur Ausschaltung einer Doppelbesteuerung von Mitgliedern der der Gemeinschaft angeschlossenen Gemeinden beschließen." Der Stadtverband des Württembergisch-Hohenzollernschen Landesverbands des jüdischen Frauenbundes Stuttgart richtet die Bitte an das Vorsteheramt, gemäß § 37 der Verfassung weibliche Gemcindegcnosscn zu Beratungen in den Sitzungen und Kommissionen des Vorsteheramtes zuzuzichen. Das Vorsteheramt ist bereit, in allen ihm geeignet erscheinenden Fällen in weitestem Umfang von der Bestimmung des § 37, 2 der Verfassung Gebrauch zu machen. Einen generellen Beschluß in diesem Sinne hält aber das Vorstcheramt rechtlich nicht für zulässig. Nach dem Antrag der Finanzabteilung wird nach längerer Debatte der Israelitischen Religionsgescllschast dahier zur Anstellung ihres Lehrers, der verpflichtet ist, der Hauptgemeinde als Hilfsschochet zu dienen, 6 Monate lang ein Gehaltsbeitrag von je 150 RM. bewilligt. Die weiteren Anträge und Beschlüsse der Finanzabtcilung, Beiträge an: Verein zur Förderung des .Handwerks und des Gartenbaus unter den Israeliten in Württemberg, Taubstummenanstalt Berlin- Weißensee, Büro für Statistik der Juden, Verein zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums, Kreis der Freunde der „Habimah", Anstellung eines Hilfsvorbeters für die hohen Feiertage, Miet- und Bausachcn werden angenommen. Witten. (Konzert des S y n ag 0 g e n ch 0 r e s.) Gelegentlich der Einweihung der neuen Orgel veranstaltete am Sonntag, den 2. Juni, der Synagogenchor erstmalig ein öffentliches Konzert in unserm renovierten stimmungsvollen Gotteshause, das eine wunderbare Akustik besitzt. Der Organist der Dortmunder Reinoldikirche, Gerard Bunk, ein berufener Meister des klassischen und modernen Orgelspiels, verlieh dem neuen, schönen Instrument die künstlerische Weihe. Der Solocellist Karl Roser Am Dortmunder Städtischen Orchester zeigte seine reife Kunst im Dortrag einzelner Kompositionen von Haydn und Max Bruch, dessen „Kol Nidrei" die Herzen der Zuhörer aufs tiefste ergriff. Auch Solistinnen hatte der Chor gewonnen. Frau Röttgen, Bochum, sang mit warmer, volltönender Altstimme den Gellcrtlieder-Zyklus von Beethoven und Lotte Mayer mit ihrem vielbewunderten Koloratursopran eine Arie aus dem „Elias^ und das „Hallelujah" von Hummel. Vorzügliches leistete auch der Chor selbst unter Leitung seines neuen Dirigenten, Studienrats Sauerland. Aus der Bewegung Duisburg. (Jüdisch-liberaler Gemeindeverein.) Am 29. Mai fand hier eine stark besuchte Versammlung des jüdischliberalen GemeindevercinF statt, über die in der Rubrik „Aus den Gemeinden" ausführlich berichtet wird. Plauen. (LiberalesundkonservativesJudentum.) Am 30. Mai sprach hier Herr Josef K a u f f m a n n aus Berlin- Weißensee über „Liberales und konservatives Judentum". Der Redner wußte die Gegensätze zwischen den beiden religiösen Richtungen sehr anschaulich und sicher zu umreißen. Besonderes Interesse erweckte in den Ausführungen des Herrn Kauffmann seine persönliche Betätigung für die Ausbreitung der liberalen Idee im deutschen Judentum. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, in der auch gegnerische Meinungen zu Tage traten. Die überwiegende Mehrzahl der Erschienenen aber erklärte sich mit den Schlußfolgerungen des Vortragenden völlig einverstanden. — Der Vortrag tvar gut besucht, schon weil die Persönlichkeit des Redners auf die hiesigen Gemeindcmitglicder eine große Zugkraft ausübte. Es tvar uns eine besondere Freude, Herrn Kauffmann hier zu sehen, weil er Jahrzehnte hindurch der Vorsteher unserer Gemeinde war. Aus sein Wirken ist das sächsische Judengesetz vom Jahre 1904 zurückzuführen, ivelches den jüdischen Gemeinden in Sachsen das öffentliche Korporativrecht verliehen hat. Die Veranstaltung, die erste seit der im Februar ds. Js. stattgchabten Gründungsversammlung, hat unserer Ortsgruppe auch wieder neue Mitglieder gebracht und darf als voller Erfolg bezeichnet werden. BÜCHERSCHAU f* Beiträge zur Wesenserkenntnis des Judentums von Rabbiner Dr. Beermann. Verlag der „Abwehrbiätter“, Berlin W 35, Flottwellstraße 7, o. J. 94 Seiten. Ein beschämendes Gefühl beschleicht einen, wenn man daran denkt, daß ein so ausgezeichnetes, von gründlicher Sachkenntnis und emsigem Fleiß zeugendes Schriftchen, wie das vorliegende, nicht in die weitesten jüdischen und christlichen Kreise dringt. Massenweise müßte das geschehen; aber leider: hie Indolenz, hie konfessionelle Befangenheit. Wir begnügen uns hier mit der Angabe des Inhaltsverzeichnisses: 1. Das Judentum als Gesinnungsreligion. 2. Die Originalität der jüdischen Lehre. 3. Der „Rache- und Nationalgott“ Israels. 4. Die „Doppelmoral“ des Judentums. 5. Jüdische „Engherzigkeit“. 6. Die Stellung des Judentums zur körperlichen Arbeit. 7. Die kaufmännische Moral im Judentum. 8. Die Geschlechtsmoral des Judentums. 9. Die inneren Werte des Judentums. 10. Der Geist der Synagoge. Anhang: Die religiösen Quellenschriften des Judentums. Beermanns Schrift ist ein Vademekum für alle diejenigen, die das Wort der Alten beherzigen: „Wisse, was Du Deinem Gegner zu erwidern hast“ und — der Gegner wird, wenn er es unbefangen liest, eine andere Auffassung vom Wesen des Judentums gewinnen. Bei einer hoffentlich bald notwendig werdenden Neuauflage möge folgendes berichtigt werden: Seite 16 unten nicht Lazarus. Zur Charakteristik der talmud. Ethik, sondern L. Laz. des Mißverständnisses wegen inbezug auf M. Lazarus, Verf. der Ethik des Judentums. S. 40 unten nicht Guttmann, Das Judentum und seine Umwelt, sondern Michael G. zum Unterschiede von Jacob und Julius G. S. 81 nicht Hugo Steinthal, sondern Heymann (Chajim) St. Dr. M. Spanier (Magdeburg). Talmudübertragung von Lazarus Goldschmidt. Im Verlag Bibiion, Berlin, erschien soeben der erste Band der 12 Bände umfassenden deutschen Uehertragung des Talmud von Lazarus Goldschmidt. Mit dieser Ausgabe erscheint dieses Werk zum ersten Mal in seiner Gesamtheit in einer anderen als der Ursprache. Der besondere Wert dieser Ausgabe liegt darin, daß die sämtlichen von der mittelalterlichen Zensur unterdrückten Stellen nunmehr vollständig in der Uebersetzung vorliegen. Werbt neue Mitglieder! Kalendarium f. die Zeit v« 12. 6. b. 19.6.29 Juni 1929 Silvan 5689 Mittwoch 12 4 Donnerstag 13 5 Freitag 14 6 1. Tag Schabuoth Sonnabend 15 7 2. Tag Sch ab uoth Fcstausgang: "9.31 Uhr Sonntag 1b 8 Montag 17 9 Dienstag 18 10 Mittwoch 19 11 Predigtamt zu den diesjährigen Herbstfeiertagen gesucht Erstklassige Zeugnisse vorhanden. Nähe Berlin erwünscht, aber nicht Bedingung. Angeb unt. Kit« 89 a. d. Exp. ds. Bl. Gefährte 45—50 J. vorn. Charakter, von Dame, jugendlich schlanke Erscheinung, zw. Oedankenaustausch, gesucht Offerten unt. kd. 1. 614 bei. Rudolf Mosse, Kaiserdamm 20 Wer inseriert, vergrößert seinen Umsatz? Gefährtin zwecks Wanderungen sucht Akademiker, 33 J., evtl, spätere Heirat. Angeb. v. Berliner Damen unt. 25. J. u. etwa 1,65 unt. Postlagerk 136, Charlottenbg. 4, erbet. Julius Simon Kunst* u. Bauglaserei Bilder-Einrahmungen C harlotte nburg Lösender Strasse 8 Wilhelm 8157 Gärtner der zugleich Kastellansdienste verrichten muss, für den Gemeindefriedhof gesucht. Freie Wohnung, kleines Gehalt, Nebenverdienst durch private Gräberpflege und Blumenverkauf. Meldungen mit Lebenslauf u. Zeugnissen bis 1. Sept. 1929 erbeten. Der Vorstand ' der Israel. Kultusgemeinde zu Dessau asrssmmmmmmm Staatlich genehmigte wirtschaftliche Frauenschule aufdemtande Wolfratshausen im Isartal / 580 m Ober dem Meer (Gründung des jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe München) bildet junge Mädchen aus su tüchtigen Hausfrauen und schafft die Grundlage sum T4 lrtschaftsberuf, zum Sozialberuf und ztum Lehrberuf Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. T. vera. kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lfltxowstraße 44, Telephon: Lfltxow 960-61 und Charlottenburg, Kantatr. 154 a Ecke Fasanenstraße, Telephon: Steinplatx 1835 Die Schule wird streng rituell geführt. Anmeldungen für das Winterhalbjahr jetzt erbeten. Prospekte durch die Schulleitung. Verlag: Vereinigung fftt dar liberal« Judentum «. L., Berlin VW. 48. — Verantworüicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin SW. 29. — Druck: Hermann Wegner ft To., Berlin-Mariendorf.